Deutsches Reich 1871–1918

Deutsches Reich (Kaiserreich), Wappen der Bundesstaaten
Deutsches Reich (Kaiserreich), Wappen der Bundesstaaten

 

Deutsches Reich 1871 - 1918 (Kaiserreich)

Nachdem der alte Deutsche Bund infolge des Deutschen Krieges im Jahre 1866 aufgelöst worden war, trat an seine Stelle der Norddeutsche Bund, Verfassung vom 26. Juli 1867. Derselbe erweiterte sich unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges zum Deutschen Reich durch Verträge mit dem Großherzogtum Baden sowie dem Großherzogtum Hessen (15. November 1870), dem Königreich Bayern (23. November 1870) und dem Königreich Württemberg (25. November 1870). Es umfasst alle Länder des ehemaligen Deutschen Bundes, mit Ausnahme von Österreich, Luxemburg, Limburg und Liechtenstein, jedoch mit Einschluss der preußischen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Posen, Schleswig-Holstein und des Reichslandes Elsaß-Lothringen. Am 9. Dezember 1870 beantragte der Bundesrat, den erweiterten Bund "Deutsches Reich" zu nennen, was der Reichstag am 10. Dezember 1870 genehmigte. Am 31. Dezember 1870 wurde die neue Verfassung des Deutschen Reichs verkündet, womit der Norddeutsche Bund offiziell sein Ende nahm. Die meisten Gesetze des Norddeutschen Bundes gingen auf das Deutsche Reich über. Am 29. Januar 1871 wurden in Berlin die Ratifikationsurkunden ausgetauscht. König Wilhelm I. von Preußen wurde am 18. Januar 1871 durch Proklamation an das Deutsche Volk zum Deutschen Kaiser erhoben. Die Bildung des Kaiserreiches galt als Wiederherstellung des alten Deutschen Reichs (HRR).

Deutsches Reich (Kaiserreich) Landkarte 1900
Deutsches Reich, Übersichtskarte 1900

Wappen:

Einköpfiger schwarzer Adler, mit dem königlich preußischen Wappenschild (silbern mit einem schwarzen Adler, der auf der Brust den in Silber und Schwarz gevierten hohenzoll. Stammschild trägt) auf der Brust, um den sich die Kette des Schwarzen Adlerordens schlingt.

Reichsadler
Reichsadler

Landesfarben:

Schwarz-Weiß-Rot

Deutsches Reich, Landesfarben
Deutsches Reich, Landesfarben

Größe:

540.857,6 km²

Lage:

Das Deutsche Reich reicht vom westlichsten Punkte der preußischen Provinz Rheinland beim Dorf Isenbruch im Regierungsbezirk Aachen, unter 5°52', bis zum östlichsten Ende der Provinz Ostpreußen beim Dorf Schilleningken, unweit Schirwindt an der Scheschuppe, unter 22°53' östliche Länge. Der südlichste Punkt liegt am Ursprung der Stillach, eines Quellflusses der Iller, bei Oberstdorf in den Allgäuer Alpen, unter 47°16', der nördlichste beim Dorf Nimmersatt nördlich von Memel, unter 55°54' nördlicher Breite Die Entfernung von Tilsit bis Metz beträgt 1305, von Hadersleben bis Kempten 860, von Swinemünde bis Bautzen 315 und von Trier bis Wunsiedel 400 km. Im Norden grenzt Deutschland an die Nordsee, Dänemark und die Ostsee; im Osten (Dreikaisereck) an Russland und Österreich (Galizien); im Süden an Österreich von der Weichsel bis an den Bodensee und an die Schweiz; im Westen an Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande und das Neutrale Gebiet (Vierländereck). Die höchst gelegene Stadt des Deutschen Reichs mit 914 Meter über dem Meer ist Oberwiesenthal im Königreich Sachsen. Der geographische Mittelpunkt Deutschlands liegt in der Stadt Spremberg in der preußischen Provinz Brandenburg.

Münzen, Deutschland 1900
Münzen, Deutschland um 1900 (Währung: 1 Mark = 100 Pfennig)

Einwohner:

(Volkszählung vom 1. Dezember 1910) = 64.903.423 Einwohner

  • 32.031.967 männlich
  • 32.871.456 weiblich

Bevölkerungsentwicklung:

  • 1871: 41.058.792
  • 1880: 45.234.061
  • 1890: 49.428.470
  • 1900: 56.367.178
  • 1905: 60.641.489
  • 1910: 64.903.423
  • 1919: 60.162.002
Briefmarken, Deutschland um 1900
Briefmarken, Deutschland um 1900

Religionen:

(Volkszählung vom 1. Dezember 1910) Überwiegend evangelisch ist die Bevölkerung in Sachsen, den Thüringischen Staaten, Württemberg, Hessen, in Preußen und in sämtlichen norddeutschen Kleinstaaten., überwiegend katholisch in Elsaß-Lothringen, Bayern und Baden.

  • 37.646.852 (62,08%) Evangelische
  • 23.109.644 (36,46%) Katholiken
  •     607.862 ( 1,00%) Juden
  •     276.920 ( 0,46%) Andersgläubige und Konfessionslose

Deutsche Kaiser 1871-1918:

Kaiser Wilhelm I.

Kaiser Wilhelm I.

* 22.03.1797 in Berlin, † 09.03.1888 in Berlin, 1871 - 1888 Deutscher Kaiser und König von Preußen

Kaiser Friedrich III.

Kaiser Friedrich III.

* 18.10.1831 in Potsdam, † 15.06.1888 in Potsdam, 1888 (99 Tage) Deutscher Kaiser und König von Preußen

Kaiser Wilhelm II.

Kaiser Wilhelm II.

* 27.01.1859 in Berlin, † 04.06.1941 in Doorn (Niederlande), 1888 - 1918 Deutscher Kaiser und König von Preußen

Das Deutsche Reich ist ein "ewiger Bund" von 25 deutschen Staaten und dem Reichsland Elsaß-Lothringen, an dessen Spitze der König von Preußen als "Deutscher Kaiser" steht. Der Kaiser erklärt im Namen des Reiches Krieg und Frieden, geht Bündnisse ein und ernennt die Gesandten. Er ist der Oberbefehlshaber über die Armee und die Flotte. Er beruft und schließt den Bundesrat. Ihm steht die Ausfertigung und Verkündung der Reichsgesetze zu. Er ernennt und entlässt die Reichsbeamten, z.B. den Reichskanzler, den ersten Beamten des Reiches. Die einzelnen Bundesregierungen sind vertreten durch den Bundesrat. In diesen schickt das Königreich Preußen 17, das Königreich Bayern 6, das Königreich Sachsen und Königreich Württemberg je 4, das Großherzogtum Baden und das Großherzogtum Hessen je 3, das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin und das Herzogtum Braunschweig je 2, die übrigen Staaten je ein Mitglied (im Ganzen 58). Das Volk wählt als seine Vertretung auf Grund des gleichen, direkten Wahlrechts mit geheimer Abstimmung den Reichstag, der aus 397 Mitgliedern besteht und alle fünf Jahre neu gewählt wird. Preußen stellt rund 240, Bayern 50, Sachsen 25, Württemberg 20 Reichstagsabgeordnete. Wählen darf jeder Deutsche (Mann), der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. Bei Abstimmungen muss wenigstens die Hälfte der Mitglieder anwesend sein (Beschlussfähigkeit). Absolute Stimmenmehrheit der Anwesenden entscheidet. Ein Gesetz erlangt dadurch Gültigkeit, dass beide Körperschaften, Bundesrat und Reichstag, ihm zustimmen. Unter Einwilligung des Kaisers kann der Reichstag durch Beschluss des Bundesrates aufgelöst werden. Binnen 60 Tagen muss dann ein neuer gewählt werden. Die Angehörigen der deutschen Staaten sind als solche Reichsangehörige (siehe Reichsangehörigkeit, deutsche und Staatsangehörigkeit). Die gemeinsame Währung ist die Mark. 1871 lebten circa 39 Millionen Menschen im Reich, bis 1910 stieg die Einwohnerzahl auf über 65 Millionen an. Reichshauptstadt ist Berlin. Die Flagge des Reiches ist Schwarz-Weiß-Rot, beliebte Volkshymnen sind das Deutschlandlied und die Kaiserhymne.

Quellenhinweise:

  • "Harms Vaterländische Erdkunde" 1906
  • "Andree's Handatlas", 1881 und 1914
  • "Das Deutsche Reich - Vaterlandskunde", Prof. Dr. J.W. Otto Richter, Verlag Otto Spamer Leipzig, Zweite Auflage, ca. 1890
  • "Die Heere und Flotten der Gegenwart - Deutschland", 1898
  • "Spamers Großer Hand-Atlas" Leipzig, 1900
  • "Großes Lehrbuch der Geographie" E. von Seydlitz, Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung Breslau, 1902
  • "Harms Vaterländische Erdkunde", 1906
  • "Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis", Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • "Meyers Konversations-Lexikon" Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1908
  • "Kleine Deutsche Staatskunde", E. Stutzer - Dresden und Berlin, 1910
  • "Deutschland als Weltmacht - Vierzig Jahre Deutsches Reich" Berlin, 1911
  • "Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches", Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • "Das Reichsarchiv" Band 1 - 36, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O., 1924

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