Leipzig

Stadt im Königreich Sachsen und Hauptstadt der Kreishauptmannschaft Leipzig

Leipzig 502.570 Einwohner – 1905 = 5. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Leipzig, Altes Rathaus mit Siegesdenkmal
Leipzig, Altes Rathaus mit Siegesdenkmal

 

Leipzig

Leipzig ist nach der Zählung von 1905 die zweitgrößte Stadt des Königreichs Sachsen und die fünftgrößte des Deutschen Reiches, Hauptstadt der gleichnamigen Kreishauptmannschaft, liegt 105–125 Meter (Sternwarte 116 Meter) über dem Meer, an der Elster, Pleiße und Parthe, in der großen Ebene, die sich von der Saale bis zur Mulde und zum großen Teil bis nach der Elbe erstreckt. Die Stadt Leipzig gliedert sich in die innere Stadt, die inneren und äußern Vorstädte und die 1889–1892 eingemeindeten Vororte Reudnitz, Anger-Krottendorf, Volkmarsdorf, Neustadt, Neuschönefeld, Sellerhausen, Neusellerhausen (Osten), Neureudnitz, Thonberg (Südosten), Konnewitz, Lösnig (Süden), Lindenau, Plagwitz, Kleinzschocher, Schleußig (Westen und Südwesten), Gohlis und Eutritzsch (Norden). Die Eingemeindung der Orte Möckern (Nodern), Leutzsch (Westen), Schönefeld (Nordosten) und Stötteritz (Südosten) ist geplant. Die gut gebaute und seit 1770 von Promenaden (den vormaligen Festungswällen) umgebene innere Stadt wurde früher in das Peters- (Süden), Ranstädter (Westen), Grimmaische (Osten) und Hallische (Norden) Viertel eingeteilt. Auch die Vorstädte bezeichnete man mit den Namen dieser Viertel. Jetzt benennt man die Vorstädte nach den Himmelsrichtungen.

Verwaltung, Behörden. Die städtische Verwaltung liegt in den Händen des Stadtrats, der einschließlich des Oberbürgermeisters, des Bürgermeisters und des Polizeidirektors aus 16 besoldeten und 15 unbesoldeten Mitgliedern besteht und des Stadtverordnetenkollegiums, das 72 Mitglieder zählt. Die finanziellen Verhältnisse sind günstig. Nach dem Vermögensabschluss vom 1. Januar 1903 betrugen die Aktiven 124.869.679 Mark, die Passiven 91.597.942 Mark, so dass ein Vermögensbestand von 33.271.737 Mark vorhanden war. 1903 betrugen die Gesamtausgaben 31.971.721 Mark, die Gesamteinnahmen 31.847.018 Mark. Die Beleuchtung der Stadt und der Vororte erfolgt durch die beiden großen städtischen und durch drei der Thüringer Gasgesellschaft gehörige Gasanstalten sowie (seit 1895) durch zwei Elektrizitätswerke, welche die innere Stadt und die inneren Vorstädte mit elektrischem Licht versorgen. Durch ein großes Wasserwerk bei Naunhof (seit 1888) wird Leipzig mit Wasser versorgt. Als kaiserlich deutsche Reichsbehörden hat Leipzig das Reichsgericht, den Disziplinarhof, die Disziplinarkammer, den Ehrengerichtshof, die Anwaltskammer bei dem Reichsgericht, die Oberpostdirektion, das Telegraphenamt, das Fernsprechamt und eine Hauptstelle der Reichsbank. Die wichtigsten anderen Behörden sind, die königliche Kreishauptmannschaft, die Amtshauptmannschaft, ein Landgericht und Amtsgericht, 2 sächsische Eisenbahndirektionen, 2 Ephorien, ein Polizeiamt, das Hauptzollamt, Hauptsteueramt, Landbauamt, die Landeslotteriedirektion, eine Handelskammer, eine Gewerbekammer. Dazu kommen 29 Konsulate und Generalkonsulate. Leipzig ist Sitz des Generalkommandos des 19. (2. Königlich Sächsischen) Armeekorps, des Kommandos der 2. Division Nr. 24, der 3. Infanteriebrigade Nr. 47, der 4. Infanteriebrigade Nr. 48, der 2. Kavalleriebrigade Nr. 24, der 2. Feldartilleriebrigade Nr. 24 und Garnison der Infanterieregimenter König Georg Nr. 106 und Prinz Johann Georg Nr. 107, der Maschinengewehrabteilung Nr. 19, des 2. Ulanenregiments Nr. 18, des 7. Feldartillerieregiments Nr. 77 und des 2. Trainbataillons Nr. 19.

Straßen, Plätze, Denkmäler: Die Zahl der Straßen und Plätze Leipzigs beträgt nach der Eingemeindung der Vororte über 700. Die Straßen der inneren Stadt sind teilweise eng und krumm; doch werden von Jahr zu Jahr im Interesse des Verkehrs Verbesserungen vorgenommen, durch die sich das frühere Stadtbild bereits wesentlich verändert hat. Die verkehrsreichsten Straßen der inneren Stadt sind die Grimmaische und die Petersstraße. In den Vorstädten gibt es meist regelmäßige, breite und schöne Straßen, besonders in der erst neuerdings entstandenen Südwestvorstadt. Zu den schönsten Straßen zählen die Karl Tauchnitz-Straße, die Kaiser Wilhelm-Straße, die Bismarckstraße, Kronprinzstraße, Schwägrichenstraße. Von der um die innere Stadt herumgeführten Ringstraße gibt es zurzeit (1905) den Thomasring, Rathausring und Georgiring. Die Hauptverkehrsstraßen der Vorstädte sind der Grimmaische Steinweg, die Dresdener Straße, der Peterssteinweg, die Zeitzer Straße, die Blücherstraße, der Ranstädter Steinweg und die Frankfurter Straße. Unter den öffentlichen Plätzen nimmt der Markt, der Schauplatz denkwürdiger Ereignisse, eine hervorragende Stellung ein. In seiner Mitte befindet sich das 1845 in Pflastersteinmosaik ausgeführte Stadtwappen. Auf der Nordseite des Marktes steht das am 18. Aug. 1888 enthüllte großartige Siegesdenkmal von Siemering.

Leipzigs Schmuckplatz und wohl einer der größten und schönsten Plätze Deutschlands ist der von schönen öffentlichen und Privatgebäuden eingefasste Augustusplatz, auf dessen Südseite sich der nach einem Entwurf von Gnauth 1886 errichtete Mendebrunnen erhebt. Von den übrigen Plätzen verdienen Erwähnung: der Rossplatz, der Königsplatz mit dem Denkmal des Kurfürsten (späteren Königs) Friedrich August des Gerechten (nach einem Entwurf von Öser 1780), der Johannisplatz mit Joh. Schillings Reformationsdenkmal (enthüllt 1883), der Marienplatz, der Flössplatz. Von anderen Denkmälern seien genannt, das Leibnizdenkmal von Hähnel auf dem Thomaskirchhof (1883); das Denkmal des Landwirts Albrecht Thaer von Rietschel (1850) an der Schule für Frauenberufe; das Harkortdenkmal und der Obelisk zur Erinnerung an die Erbauung der Leipzig-Dresdener Eisenbahn in der Nähe des Dresdener Bahnhofs; seitwärts davon in den Anlagen am Magdeburger Bahnhof das Denkmal des Bürgermeisters Karl Müller, dem Leipzig seine Promenaden verdankt; in den Promenadenanlagen am Alten Theater das Denkmal des Homöopathen Hahnemann; die Marmorstatue Gellerts von Knaur und das Denkmal des Liederkomponisten K. Zöllner im Rosental, das Denkmal Felix Mendelssohn-Bartholdys vor dem neuen Konzerthaus (1892) und das zu Ehren der beiden um Leipzigs Volksschulwesen verdienten Schulmänner Dolz und Plato errichtete Denkmal an der Promenade vor der Schulstraße (1894); ferner das Denkmal des Industriellen Karl Heine (von K. Seffner) am südlichen Eingange zum Palmengarten in der Plagwitzer Straße, das Denkmal des Bürgermeisters Koch auf dem Musenhügel (von K. Seffner, 1898), das Denkmal Robert Schumanns hinter der Schule für Frauenberufe, das Wilhelm Seyffert-Denkmal im Johannapark, das Bismarckdenkmal an der Karl Tauchnitz-Straße (von Adolf Lehnert und Joseph Magr, 1897) und die Statuette des jungen Goethe auf dem Naschmarkt (von K. Seffner, 1903). An die Tage der großen Völkerschlacht erinnern das Fricciusdenkmal, nahe der Johanniskirche, an der Stelle, wo 19. Oktober 1813 die Königsberger Landwehr zuerst in die Stadt eindrang; das am Ranstädter Steinweg 1863 zur Erinnerung an die Sprengung der Elsterbrücke errichtete Denkmal, der Denkstein für Marschall Poniatowski, der in der Elster seinen Tod fand, im Hofe der Volksschule in der Lessingstraße, und das sogenannte Kugeldenkmal an der Mittelstraße. Im Bau begriffen ist seit 1898 beim Südfriedhof das gewaltige Völkerschlachtdenkmal von Bruno Schmitz, dessen Kosten auf etwa 3 Millionen Mark veranschlagt sind. Es soll 1913 vollendet werden. Außer den schönen, rings um die innere Stadt führenden Promenaden und dem seit 1896 mit einem Aussichtsturm versehenen Rosental, worin sich auch ein reich ausgestatteter Zoologischer Garten befindet, dienen der Bevölkerung als Erholungsplätze in der Nähe der Johannapark, das Scheibenholz mit dem König Albert-Park, der 1899 eröffnete Palmengarten mit Palmenhaus und Konzertsaal, das Nonnenholz im Westen und Südwesten der Stadt, das Johannistal im Osten (1832 angelegt und neuerdings teilweise bebaut) und der Volksgarten im Nordosten. Alt-Leipzig hat vier Friedhöfe. Der hinter der Johanniskirche gelegene alte Johannisfriedhof wird seit 1884 als solcher nicht mehr benutzt und nach und nach in einen Park verwandelt. Hier befindet sich ein schönes Grabdenkmal für Dominic Grassi, einen Wohltäter Leipzigs (von Werner Stein). Der neue Johannisfriedhof liegt im Südosten der Stadtflur, der nördliche mit dem israelitischen Friedhof an der Berliner Straße. In der Nähe des Napoleonsteins auf Probstheidaer Flur ist 1886 ein großer Zentralfriedhof (Südfriedhof) angelegt worden.

 

Kirchen: Leipzig hatte bis 1885 verhältnismäßig sehr wenig Kirchen. Von dieser Zeit an aber war die kirchliche Bautätigkeit äußerst rege, und zahlreiche Neu- und Umbauten sind seitdem erstanden. 1905 zählt Leipzig 25 evangelisch-lutherische, eine reformierte, 2 katholische, eine anglikanische Kirche, ein griechisches Bethaus und eine Synagoge. Die Thomaskirche, 1213 von Markgraf Dietrich dem Bedrängten als Klosterkirche gestiftet, 1482 vergrößert, wurde 1885–89 nach Entwürfen von Lipsius umgebaut. Im Chor, vor dessen Hauptaltar 1307 Markgraf Diezmann ermordet wurde, befinden sich die Bildnisse sämtlicher Leipziger Superintendenten von 1573–1883. Die Nikolaikirche, um 1170 erbaut und 1513 erneuert, wurde zu Ende des 18. Jahrhundert umgebaut und 1902 gründlich restauriert. Auf dem Neukirchhof stand eine 1217 vom Markgrafen Dietrich errichtete Zwingburg, die später den Barfüßern zur Anlegung eines Klosters eingeräumt wurde. Die Klosterkirche wurde 1488–1494 um- und 1698 neugebaut, weshalb sie Neukirche hieß, bis sie 1880 nach gründlichem, durch Mothes ausgeführtem Umbau den Namen Matthäikirche erhielt. Die neue Peterskirche auf dem Schletterplatz, im gotischen Stil nach Plänen von Hartel und Lipsius erbaut, ist das schönste kirchliche Bauwerk Leipzigs; ihr schlanker Turm hat eine Höhe von 87 Meter. Die Pauliner- oder Universitätskirche, um 1240 erbaut, 1545 erneuert und von Luther eingeweiht, neuerdings umgebaut, enthält den Grabstein des in der Thomaskirche ermordeten Markgrafen Diezmann und andre bemerkenswerte Grabdenkmäler. Die Johanniskirche auf dem Johannisplatz, 1585 eingeweiht, ist 1894 abgebrochen und seitdem im Renaissancestil nach den Plänen von H. Licht neu aufgebaut worden; nur der alte Turm ist geblieben. In der neuen Kirche sind die beim Ausgraben des Grundes aufgefundenen Gebeine J. S. Bachs und die Gellerts, dessen Grabmal sich an der Ostseite der Kirche befindet, beigesetzt worden. Die Kirche gehörte ursprünglich zu dem benachbarten Johannishospital, das 1278 als Hospital der Aussätzigen gegründet und zu einem Asyl für bejahrte Bürgersleute umgewandelt wurde. Dieses im Laufe der Jahrhunderte zu großem Reichtum gelangte Asyl (Johannisstift) befindet sich seit 1872 in einem am Johannistal gelegenen, von Lipsius entworfenen Prachtbau. In reizender Lage, am Saume des Johannaparkes, erhebt sich die nach Plänen von Zeißig 1883–86 erbaute Lutherkirche. In der äußern Südvorstadt steht die 1893 vollendete Andreaskirche, von Weidenbach erbaut. Am Nordplatz befindet sich die 1904 vollendete Michaeliskirche, von Heinrich Ruft und Alfred Müller erbaut. Von den beiden katholischen Kirchen steht die erste (Heilige Dreifaltigkeitskirche, 1847 vollendet) an der Weststraße, die zweite, 1893 vollendet (St. Laurentiuskirche), in Leipzig-Reudnitz. Die reformierte Kirche, 1897–98 von Weidenbach und Zschammer erbaut, ein Sandsteinbau in deutscher Renaissance, steht an der Promenade in der Nähe des Alten Theaters. Nahe der Lutherkirche steht seit 1885 eine kleine englisch-amerikanische Kirche. Die in den Vororten befindlichen Kirchen sind größtenteils in neuester Zeit errichtet worden. Die im maurischen Stil erbaute Synagoge in der Zentralstraße ist ein Werk Simonsohns und wurde 1855 eingeweiht.

Weltliche Bauten: An der Ostseite des Marktes steht das alte Rathaus, das mit Benutzung der unteren Mauern des aus dem 13. Jahrhunderts stammenden Baues 1556 vom Bürgermeister Hieronymus Lotter erbaut wurde. In dem großen Sitzungssaal hängen die Bilder aller sächsischen Fürsten von 1485 an; in der Ratsstube werden kostbare altertümliche Pokale verwahrt, darunter einer, der Luthers Eigentum war. Nach Vollendung des neuen Rathauses (1905) soll das alte umgebaut werden und ist dazu bestimmt, das Ratsarchiv und die Sammlungen des Vereins für die Geschichte Leipzigs aufzunehmen. Am Markt steht auch das Königshaus, worin bis 1829 die sächsischen Herrscher bei ihrer Anwesenheit in Leipzig wohnten. Hier feierte König August der Starke seine berüchtigten Meßfeste, hier rastete 1698 Peter der Große, 1707 Karl XII. von Schweden, fand 1760 das bekannte Gespräch zwischen Friedrich dem Großen und Gellert statt und wohnten 1809 Jérôme, König von Westfalen, und 1813 Napoleon. In einem Erkerzimmer dieses Hauses verabschiedete sich Napoleon vom König Friedrich August von Sachsen, den man von hier aus wenige Stunden später in die Gefangenschaft führte. Im selben Zimmer starb 1820 Fürst Schwarzenberg, der Sieger von Leipzig, und 1827 während der Huldigungsfeier die Königin Maria Theresia von Sachsen. Die prächtige Fassade des ältesten Kaufmannshauses (Barthels Hof an der Ecke des Marktes und der Hainstraße) hat man nach dessen 1871 erfolgtem Abbruch als Perle der Spätgotik auf der Hofseite des Neubaues wieder angefügt. Das schönste Haus am Markt ist das von O. Jummel im Barockstil ganz aus Eisen erbaute und 1895 vollendete Bismarckhaus. Dem Rathaus gegenüber, in der Grimmaischen Straße, befindet sich das länger als drei Jahrhunderte berühmteste Bürgerhaus der Stadt, Auerbachs Hof, 1530–38 erbaut, weltbekannt geworden durch die an ihm haftende Faustsage und durch Goethes Faustdichtung, ehedem ein Basar der reichsstädtischen Handelsherren und als solcher der wichtigste Messhandelsplatz, mit 100 Gewölben und vielen offenen Buden. Die in dem Weinkeller befindlichen Faustbilder stammen aus dem Jahre 1525. Das stattliche Fürstenhaus in der selben Straße bewohnte 1712 Peter der Große auf seiner Reise nach Karlsbad. In dem seit 1892 neugebauten und 1904 zu Geschäftszwecken umgebauten Roten Kolleg in der Ritterstraße wurde Leibniz geboren, und daneben, im Hof der 1834 erbauten alten Buchhändlerbörse, worin zurzeit das Konvikt der Studenten seinen Sitz hat, wohnte und starb der Dichter Gellert. An der Nordseite des Nikolaikirchhofs, neben der alten Nikolaischule, erhebt sich der 1887 vollendete schöne Neubau des Predigerhauses zu St. Nikolai (von Hugo Licht). Das Café Français, an der Ecke der Grimmaischen Straße und des Augustusplatzes, ist 1834 auf dem Grund eines alten Torturmes errichtet worden. Am östlichen Ende der Grimmaischen Straße liegen Gebäude der Universität, die seit 1894 zum großen Teil durch Neubauten ersetzt worden sind. Der Um- und Neubau der Universität ist ein Werk des Leipziger Architekten Arwed Roßbach. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die große Wandelhalle im Augusteum. Das Hauptgebäude ist das mit der Vorderseite nach dem Augustusplatz gerichtete Augusteum, 1834–36 nach Schinkels Entwürfen gebaut. Die Aula enthält Statuen sächsischer Fürsten, die Büsten Goethes und Leibniz von Knaur, Gottfried Hermanns und Börners von Rietschel, prächtige Basreliefs von dem selben, ferner ein Denkmal, das die Universität den im Kriege 1870/71 gegen Frankreich gefallenen Studenten setzen ließ. Andere hier gelegene, verschiedenen Zwecken dienende Universitätsgebäude sind das Mauricianum, Paulinum, Bornerianum, Fridericianum, Johanneum, Albertinum. Am Augustusplatz erhebt sich das nach den Plänen von Langhans erbaute Neue Theater.

Bemerkenswerte Gebäude in der Nähe sind das Postgebäude am Augustusplatz, das königliche Palais und die Georgenhalle, bis 1895 Sitz des Reichsgerichts. Dem Theater gegenüber steht das 1837 gegründete, 1353 eingeweihte und 1883–86 nach den Plänen von Hugo Licht aus den Mitteln der Grassistiftung bedeutend erweiterte städtische Museum, durch Schenkungen des Kunstfreundes Heinrich Schletter wesentlich gehoben, mit zahlreichen hervorragenden Gemälden älterer und moderner Meister, einer großen Kupferstichsammlung und anderen Kunstwerken. An die Südfassade des Museums wird ein Saal angebaut, wo die Skulpturen des Leipziger Bildhauers Max Klinger vereinigt werden sollen. Der Goldene Bär in der Universitätsstraße ist das Gründungshaus der berühmten, seit fast 180 Jahren bestehenden Buchdruckerei von B. Chr. Breitkopf (Breitkopf u. Härtel), die ihr Geschäftshaus in der Nürnberger Straße hat. Zwischen der Universitätsstraße und dem Neumarkt befindet sich die 1899 umgebaute Stadtbibliothek in einem Teile des 1740 erbauten Gewandhauses, in dessen wegen seiner Akustik gepriesenem Konzertsaal von 1781–1884 die Gewandhauskonzerte stattfanden, und das 1894–96 für Meßzwecke errichtete Städtische Kaufhaus. Im Hofe der dem Kaufhaus nahegelegenen Großen Feuerkugel wohnte Goethe als Student und vor ihm Lessing. An der Ecke der Schillerstraße und Petersstraße steht das prächtige Gebäude der Reichsbank, gegenüber das Geschäftshaus von Polich und das stattliche, ursprünglich für die 1901 zusammengebrochene Leipziger Bank bestimmte Geschäftshaus der Deutschen Bank, eins der schönsten Werke Arwed Roßbachs. In unmittelbarer Nähe erhebt sich auf dem Platze, wo einst die Pleißenburg (ehemals Leipzigs Zitadelle) stand, das neue Rathaus, ein Werk Hugo Lichts, in grauem Kalkstein 1899–1905 ausgeführt. Der Turm, dessen untern Teil der Rest des Pleißenburgturms bildet, ist mit 111 m Höhe das höchste Gebäude der Stadt. Einen Teil des Kellergeschosses nimmt der Ratskeller ein. (Die genannte Pleißenburg, 1213 als Zwingburg angelegt, 1547 zusammengeschossen und 1549–51 wieder aufgebaut, im Dreißigjährigen Kriege wiederholt belagert und eingenommen, wurde seit 1770 nicht mehr als Festung betrachtet und diente später als Kaserne und zu andern militärischen Zwecken. Der Turm wurde bis 1861 als Sternwarte gebraucht.) An der Nordseite des Rathauses sind neue Straßen mit stattlichen Geschäftshäusern entstanden. Am nahen Thomaskirchhof stand ein 1213 gestiftetes Augustinerkloster, mit dem eine gelehrte Schule, die Thomasschule, verbunden war, die sich zugleich unter der Leitung ausgezeichneter Kantoren (wie Joh. Seb. Bach, Hiller, Schicht, Hauptmann u.a.) durch die Pflege des Kirchengesanges einen glänzenden Namen in der Geschichte der Musik erworben hat. Seit 1877 hat die Schule ein neues stattliches Gebäude in der Westvorstadt erhalten. Das Gebäude der alten Thomasschule wurde 1902 abgebrochen; an seiner Stelle befindet sich seit 1904 die neue Superintendentur.

Von den westlich vom Thomas- und Matthäikirchhof in jüngster Zeit entstandenen hervorragenden Gebäuden verdienen Erwähnung das Gebäude der Kommandantur und das Zentraltheater, ein großes Vergnügungshaus mit zahlreichen der Unterhaltung und Erholung gewidmeten Räumen am Thomasring, und das von Fritz Drechsler erbaute Künstlerhaus an der Bose- und Zentralstraße. Das Alte Theater, unfern vom Eingang zum Rosental, wurde 1766 gegründet und 1817 umgebaut. Am Blücherplatz steht die 1884–1886 von Enger und Weichardt im Renaissancestil errichtete Neue Börse, ihr gegenüber am Plauenschen Platz das Gebäude der dauernden Gewerbeausstellung An der Nordseite der Promenade liegen der Thüringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhof. Die übrigen Bahnhöfe liegen vereinzelt und zwar der Bayrische auf der Grenze zwischen der Süd- und Ostvorstadt, der Eilenburger im Osten, der Berliner im äußersten Nordosten der Stadt und der Plagwitzer in dem westlichen Vorort Plagwitz. Der Zentralgüterbahnhof befindet sich bei Schönefeld. Vom Königreich Sachsen und Königreich Preußen gemeinsam ist 1902 ein Zentralbahnhof begonnen worden, dessen Hauptgebäude etwa an der Stelle des jetzigen Dresdener, Magdeburger und Thüringer Bahnhofs ihren Platz finden werden. Nahe dem Dresdener Bahnhof steht das große Gebäude der Allgemeinen deutschen Kreditanstalt, am Ende der Wintergartenstraße der Kristallpalast, Leipzigs umfangreichstes Vergnügungslokal mit großen Sälen und einem 3500 Plätze enthaltenden Zirkus (Alberthalle). Hervorragende Gebäude der Ostvorstadt sind das Paketpostamt und das neue Buchhändlerhaus in der Hospitalstraße, ein Ziegelbau in deutscher Renaissance (von Kayser und von Großheim), und hinter diesem das 1898–1900 nach den Plänen E. Hagbergs errichtete Deutsche Buchgewerbehaus mit dem Deutschen Buchgewerbemuseum und der Gutenberghalle, die Heimstätte des Deutschen Buchgewerbevereins. Im Johannistal erhebt sich seit 1861 die neue Sternwarte. In der Nähe des Johannistals liegen das städtische Krankenhaus zu St. Jakob, die Irrenklinik, das Taubstummeninstitut und eine große Anzahl von Universitätsinstituten, wie die Augenheilanstalt, die Anatomie, das physiologische, pathologische, pharmakologische, hygienische, landwirtschaftliche, agrikulturchemische, physikalische, chemische, zoologische Institut, die neue Frauenklinik (Triersches Institut), die Veterinärklinik und der Botanische Garten. Am Rossplatz steht seit 1884 das Panorama, daneben die 1891 eröffnete sehenswerte Markthalle, am Königsplatz das von Licht gebaute, 1895 vollendete Grassi-Museum, worin die reichen Sammlungen des Museums für Völkerkunde und des Kunstgewerbemuseums untergebracht sind. Südwestlich vom Königsplatz befinden sich das neue Polizeiamt, das Amtsgericht und das Landgericht. Ein neues großes Justizgebäude (Landgericht), 1905 vollendet, erhebt sich in der äußern Südvorstadt. Auf dem Areal des alten Botanischen Gartens (Südwesten) ist in neuerer Zeit eine Reihe von Prachtbauten erstanden, wie das großartige, von Ludwig Hoffmann 1888–95 erbaute Reichsgericht, das neue Konzerthaus, 1882–84 nach den Plänen von Gropius und Schmieden gebaut, das neue Konservatorium der Musik, das herrliche Gebäude der Universitätsbibliothek, nach Roßbachs preisgekröntem Entwurf errichtet und 1892 eingeweiht, die königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe u.a. Andere bedeutende Bauten sind die alte Gasanstalt und das neue Gesellschaftshaus des Zoologischen Gartens in der Nordvorstadt und die neue Gasanstalt sowie der 1891 eröffnete große Zentralschlachtviehhof in der äußern Südvorstadt, das Kinderkrankenhaus in Leipzig-Reudnitz und die neue Zwangsarbeitsanstalt zu St. Georg in Leipzig-Thonberg.

Außer den genannten Vororten sind auch die innerhalb eines Kreises von 4–6 km Radius vom Markte liegenden Dörfer durch wirtschaftliche Interessen mit Leipzig eng verbunden. Es sind Möckern mit Kasernen, Stötteritz, Schönefeld, Abtnaundorf, Stünz, Wahren, Leutzsch, Großwiederitzsch, Mockau, Thekla, Paunsdorf, Mölkau, Zweinaundorf, Probstheida, Dölitz, Raschwitz, Ötzsch, Gautzsch, Großzschocher-Windorf, Böhlitz-Ehrenberg und Barneck. Die Bevölkerung dieser Orte belief sich nach der Zählung von 1900 auf etwa 76.000 Personen. Die Bevölkerung von Groß-Leipzig innerhalb eines Kreises von 10 km Radius betrug 1900: 566.302.

Die Industrie hat in Leipzig und seinen Vororten, unter denen namentlich Plagwitz, Lindenau und Reudnitz ihr das rasche Wachstum verdanken, in den Jahren 1867–73, dann wieder seit 1878 einen sehr ansehnlichen Aufschwung genommen. Die Zahl der Fabriken (mit mehr als 10 Arbeitern) betrug 1904 = 877, in denen 65.917 Arbeiter beschäftigt waren. Hauptzweige der Industrie sind: Eisengießerei, Bau von Maschinen und Apparaten aller Art (z. B. Dampfmaschinen, Dampfkessel, Maschinen für Buchbinderei und Papierindustrie, Nähmaschinen, Strickmaschinen, landwirtschaftliche Maschinen und Ackergeräte, Werkzeugmaschinen etc.), Fabrikation von elektrischen Anlagen, Petroleum- und Gasmotoren, Gasbeleuchtungs-, Gasheizungs-, Wasserleitungs- und Badeeinrichtungen, von Schnellpressen, Geldschränken, Maßstäben, mathematischen, physikalischen und chemischen Instrumenten; Fabrikation von Pianofortes und mechanischen Musikwerken, von Asphalt, Dachpappe und Holzzement, Zement-, Guttapercha- und Gummiwaren, künstlichen Blumen und Federn, Spitzen, Rüschen, Papierwäsche, Zelluloidwäsche, Jalousien, Parkett und Furnieren, Koffern und Lederwaren, Kleidern und Wäsche etc. Auf dem Gebiete der Textilindustrie sind die Kammgarnspinnerei, die Baumwollspinnerei, die Wollkämmerei und die Wollgarnspinnerei großartige Betriebe. Bedeutsam ist ferner die Fabrikation von ätherischen Ölen, Essenzen, Seifen und Parfümerien. Zu großer Bedeutung hat sich, wie schon bemerkt, die Rauchwarenzurichterei und -Färberei entfaltet. Erwähnung verdienen ferner die Bierbrauerei und die Fabrikation von künstlichen Mineralwässern, Likören, Roheis, Tabak und Zigarren. Hochentwickelt ist die Papier- und graphische Industrie mit bedeutenden Buchbindereien, Bunt- und Luxuspapierfabriken, Buchdruckereien, Stein-, Zink-, Kupfer- und Stahldruckereien, Notenstechereien und -Druckereien, Schriftschneidereien und -Gießereien, geographischen und artistischen Anstalten. Auch die Kunst- und Handelsgärtnerei hat in neuerer Zeit einen erfreulichen Aufschwung genommen.

Das Bankwesen zeigt eine entsprechende Entwickelung. Die bedeutendsten Bankinstitute sind die 1856 begründete Allgemeine deutsche Kreditanstalt (Umsatz 1904: 9017 Millionen Mark), die Hauptstelle der Reichsbank (Umsatz 1904: 4601,9 Millionen Mark) und die Filiale der Deutschen Bank. Außerdem sind zu nennen, die Filiale der Sächsischen Bank zu Dresden, die Leipziger Kreditbank, die Leipziger Kredit- und Sparbank, die Leipziger Hypothekenbank, die Kommunalbank für das Königreich Sachsen, der Erbländische Ritterschaftliche Kreditverein etc. Hierzu kommen noch zahlreiche Privatbanken. Im Versicherungswesen hat sich Leipzig mit zuerst hervorgetan. Schon 1819 wurde die Feuerversicherungsanstalt, 1830 die Leipziger Lebensversicherungsgesellschaft begründet; neben diesen ist noch die Renten-, Kapital- und Lebensversicherungsbank Teutonia zu nennen. Außerdem bestehen noch eine Menge kleinerer Anstalten und Zweigniederlassungen auswärtiger Versicherungsinstitute der verschiedensten Art. An der Spitze des Handels und der Industrie steht die Handelskammer, die in der von ihr erbauten Neuen Börse ein würdiges Heim gefunden hat.

Eine ganz hervorragende Bedeutung hat der Leipziger Buch- und Musikalienhandel. Leipzig ist Sitz des 1825 gegründeten Börsenvereins der deutschen Buchhändler, des Deutschen Buchdruckervereins und des Deutschen Buchgewerbevereins. 1905 bestanden in Leipzig 993 buchhändlerische Firmen einschließlich der Kunst-, Musikalien- und Antiquariatshandlungen. Der Verein der Buchhändler zu Leipzig, gegründet am 25. Februar 1833, unterhält die Bestellanstalt für den ganzen buchhändlerischen Geschäftsverkehr. Die Kommissionäre (1905 = 120) besorgten die Geschäfte von ca. 10.900 Kommittenten. Der Umsatz des Buchhandels in Leipzig entzieht sich der neuen Verkehrserleichterungen halber (billige Zahlungsvermittelung durch die Post, Girokonten der Reichsbank etc.) jeder zuverlässigen Schätzung. In engem Zusammenhang mit diesem großartigen Buchhandel steht der überaus lebhafte Betrieb der Buchdruckerei, die 1905 von 191 Firmen ausgeübt ward; viele der größeren Buchhandlungen haben ihre eignen Offizinen, zum Teil verbunden mit Buchbinderei, Schriftgießerei etc. Notendruckereien sind 7, lithographische Anstalten und Steindruckereien 179, xylographische Anstalten 77 vorhanden. 1888 wurde das neue deutsche Buchhändlerhaus eröffnet, worin sich auch das 1885 begründete deutsche Buchgewerbemuseum befindet.

Bildungsanstalten, Sammlungen etc. In der großen Zahl der Unterrichtsanstalten Leipzigs nimmt die Universität die erste Stelle ein. Ihre Gründung verdankt sie dem Umstande, dass im Jahr 1409 etwa 400 deutsche Studenten und Magister die Hochschule in Prag verließen und sich auf sächsischem Boden eine neue Heimat suchten. Als Stiftungstag gilt der 4. Dezember 1409. Der erste Rektor war Otto von Münsterberg (gest. 1416). Kurfürst Moritz verschaffte der Universität reiche Einkünfte aus Grundbesitz, der sich im Laufe der Zeit bedeutend vergrößerte. Zudem erhält sie vom Staat jährlich einen Zuschuss. Mit der Universität stehen zahlreiche wissenschaftliche Institute und Sammlungen in Verbindung, die zu den größten und am besten eingerichteten Lehrstätten ihrer Art gehören. Die Universitätsbibliothek hat über 500.000 Bände, einschließlich der Handschriften und Inkunabeln, sowie ein reichhaltiges Münzkabinett. Eine segensreiche Einrichtung ist das bereits erwähnte Konvikt, worin gegen 300 unbemittelte Studierende Mittags- und Abendessen erhalten. Nächst Berlin und München ist Leipzig die am stärksten besuchte Universität des Deutschen Reichs. Die Zahl der Studierenden und Hörer belief sich im Winterhalbjahr 1904/05 auf 4630. Davon waren 3880 Studierende (2063 Sachsen, 1817 Nichtsachsen), 659 Hörer und 91 Hörerinnen. Andere Unterrichtsanstalten sind, die Handelshochschule, gegründet Ostern 1898, die erste Anstalt dieser Art in Deutschland, die beiden städtischen Gymnasien (die Thomasschule mit Alumnat und die Nikolaischule), 2 Staatsgymnasien (König Albert-Gymnasium und Königin Carola-Gymnasium), ein städtisches Realgymnasium, 4 Realschulen, eine königliche Baugewerkenschule, eine höhere Schule für Mädchen, verbunden mit Lehrerinnenseminar, eine Gewerbeschule, 4 höhere Bürgerschulen, 14 Bürgerschulen, 31 Bezirksschulen, die sogen. Vereinigte Freischule, 4 Fortbildungsschulen für Knaben, die städtische Schule für Frauenberufe, eine katholische Schule und eine israelitische Religionsschule. Daneben bestehen noch zahlreiche von Vereinen und Korporationen unterhaltene Schulen, ferner Fachschulen, Privatschulen und Institute der mannigfaltigsten Art, z. B. die von der Kramerinnung 1831 gegründete, auch im Ausland sehr geschätzte öffentliche Handelslehranstalt, drei berechtigte Privatrealschulen, ein Privatprogymnasium, die Unterrichtsanstalt für Buchhandlungslehrlinge, die Sonntagsschule der Loge Balduin zur Linde, die Sonntags-Gewerbeschule der Leipziger Polytechnischen Gesellschaft, mehrere kaufmännische Fortbildungsschulen, eine Lehranstalt für erwachsene Mädchen zur Ausbildung für den kaufmännischen und gewerblichen Geschäftsbetrieb, die Carolaschule, eine höhere Fach- und weibliche Gewerbeschule, eine Volkshaushaltungsschule, Bildungsanstalten für Kindergärtnerinnen, ein Lyzeum für Damen, ein Seminar für Handfertigkeitsunterricht, mehrere Schülerwerkstätten u.a.m. Der Förderung der Künste sind folgende Anstalten gewidmet, die Akademie für graphische Künste und Baugewerbe und die damit verbundene Kunstgewerbeschule, das städtische Museum, del Vecchios dauernde Kunstausstellung, das Kunstgewerbemuseum, der Verein der Kunstfreunde, der Leipziger Künstlerverein, der Leipziger Kunstverein. Im Bereich der Musik stehen das Konservatorium der Musik und das altberühmte Institut der Gewandhauskonzerte in erster Linie. Andere Musikinstitute sind, die Singakademie, der weitbekannte Riedel-Verein für Kirchenmusik, der Bach-Verein, die Windersteinkonzerte, die Neuen Abonnementskonzerte etc. Auch des musikhistorischen Museums von P. de Wit (am Thomaskirchhof) ist hier zu gedenken. Außer den beiden städtischen Theatern hat Leipzig noch das in der Südvorstadt gelegene Schauspielhaus (früher Carolatheater), das Theater am Thomasring (Zentraltheater), das Battenbergtheater (Volkstheater) und zwei Sommertheater.

Von den zahlreichen wissenschaftlichen und anderen Vereinen, sind zu erwähnen, die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften (gegründet 1846), die Fürstlich Jablonowskische Gesellschaft der Wissenschaften (seit 1768), die Deutsche Gesellschaft, die Deutsche Morgenländische Gesellschaft, der Verein für Erdkunde, der Verein für Handelsgeographie und Kolonialpolitik, der Deutsche Flottenverein, die Deutsche Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten, die Fraternität der Notarien und Literaten (1624), der Verein für Geschichte Leipzigs, der Verein zur Feier des 19. Oktobers, der Verkehrsverein, der Landwirtschaftliche Kreisverein, die Naturforschende Gesellschaft, die Medizinische Gesellschaft, der Entomologische Verein Fauna, der Verein des Museums für Völkerkunde, der Kaufmännische Verein, der Leipziger Lehrerverein, die Gemeinnützige Gesellschaft, der Verein für Volkswohl, der Arbeiterbildungsverein, der Schillerverein, die Goethe-Gesellschaft, die Polytechnische Gesellschaft, die beiden Gartenbaugesellschaften, der Gustav Adolf-Verein, der Evangelische Missionsverein, der Allgemeine deutsche Schriftstellerverein, die Pädagogische Gesellschaft, mehrere Freimaurerlogen etc. An Bibliotheken sind außer der Universitätsbibliothek zu nennen die Stadtbibliothek mit über 120.000 Bänden, die Bibliothek des Reichsgerichts mit etwa 125.000 Bänden, die Königlich sächsische bibliographische Sammlung, die Bibliothek des Börsenvereins der Buchhändler, die Bibliothek der Handelskammer, die Pädagogische Zentralbibliothek, 10 Volksbibliotheken, mehrere öffentliche Lesezimmer etc. Besondere Erwähnung verdient auch das Historische Museum der Völkerschlacht und der Zeit Napoleons I. im Gasthaus zum Napoleonstein. In Leipzig erscheinen über 500 Zeitungen, Zeitschriften und Fachblätter der verschiedensten Art. Unter den Tageszeitungen sind zu erwähnen die konservative Leipziger Zeitung, das Leipziger Tageblatt, die Leipziger Neuesten Nachrichten, die Leipziger Abendzeitung, Stadt- und Dorfanzeiger, die sozialdemokratische Leipziger Volkszeitung.

Wohltätigkeitsanstalten: Die wichtigsten Anstalten und Vereine zu gemeinnützigen und wohltätigen Zwecken sind die städtischen Krankenhäuser zu St. Jakob und zu Leipzig-Plagwitz, die städtische Irrenheil- und Pflegeanstalt Thonberg, die neue, sehr umfangreiche Heilanstalt in Dösen bei Leipzig, die Diakonissenanstalt, das Diakonissenhaus in Leipzig-Lindenau, das Kinderkrankenhaus, das Johannishospital für alte Leute, das Städtische Pflegehaus, die Zwangsarbeitsanstalt zu St. Georg, das Taubstummeninstitut, 3 Stiftungen für Blinde, das Leihhaus und die Sparkasse, die seit 1881 neuorganisierte Armenanstalt mit den damit verbundenen Instituten der städtischen Brotbäckerei, der Bekleidungsanstalt, der Irrenversorganstalt, des Exmittiertenhauses, der Arbeitsnachweisungsanstalt, der 4 Armenhäuser, des Waisenhauses und der Ziehkinderpflege, das Daheim für Arbeiterinnen, die Gesellschaft der Armenfreunde, die Pestalozzi-Stiftung mit Erziehungshaus, der Verein für innere Mission, 3 öffentliche Speiseanstalten, Volksbrausebäder, Sanitätswachen, der Verein für Familien- und Volkserziehung, das Asyl für Obdachlose, zahlreiche Kinderbewahranstalten und Kindergärten, die Erziehungs- und Pfleganstalt für geistig zurückgebliebene und schwachsinnige Kinder, der Verein zur Fürsorge für entlassene Sträflinge, die Schrebervereine für Förderung der Erziehung und des Unterrichts, der Verein für Ferienkolonien u.a.m. Durch großartige Schenkungen reicher Bürger (Stiftung eines Menschenfreundes, Focke-Stiftung etc.) können wohltätige und gemeinnützige Zwecke wesentlich gefördert werden.

Verkehrswesen: In direkter Eisenbahnverbindung steht Leipzig mit Dresden (durch zwei Linien), Chemnitz, Magdeburg, Hof, Erfurt, Gera, Dessau, Berlin und Guben. Seit 1897 gibt es in Leipzig nur elektrischen Straßenbahnbetrieb. Zwei Gesellschaften, die Große Leipziger Straßenbahn und die Leipziger Elektrische Straßenbahn, vermitteln durch 22 Linien den Verkehr mit den Vororten und Außendörfern. Eine für Leipzig sehr wichtige Angelegenheit ist die Kanalfrage. Von den vier ausgearbeiteten Projekten kommt neuerdings nur noch der Plan eines Elster-Saale-Kanals in Betracht. Leipzig hatte 1905 = 28 Postämter, ein Telegraphenamt und ein Fernsprechamt. Mit den Postämtern sind Telegraphenbetriebsstellen und Fernsprechstellen vereinigt.

Umgebung etc. Die öffentlichen großen und schönen Gärten, die vormals eine Zierde Leipzigs waren, hat die Spekulation vernichtet und in Straßen umgewandelt. Einen Ersatz bieten die prächtigen Waldungen, die sich im Norden, Westen und Süden der Stadt hinziehen. Auf der südlich vom Scheibenholz gelegenen Rennbahn werden alljährlich im Frühjahr und Herbst große Wettrennen veranstaltet. Die Radfahrer, Fußball-Wettspieler etc. haben einen Sportplatz im Westen der Stadt nahe bei Lindenau. Vielbesuchte Vergnügungsorte für die Leipziger sind außer den schon genannten das Neue Schützenhaus (Schützenhof), die Vororte Gohlis, Eutritzsch, Konnewitz, Lößnig, Lindenau, Plagwitz, Schleußig, ferner Ötzsch, Gautzsch, Leutzsch, Böhlitz-Ehrenberg, Wahren, Lützschena mit Park und einer Gemäldegalerie des Freiherrn Speck v. Sternburg, die durch die Völkerschlacht von 1813 denkwürdigen Dörfer Probstheida, Meusdorf, Wachau, Dölitz und Markkleeberg, teilweise noch mit Spuren der Schlachttage; Machern, Knauthain, Eythra mit schönen Parkanlagen u.a.m.

Am 28. Januar 1900 wurde in Leipzig der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegründet. Am 31.05.1903 findet hier das erste Endspiel der Deutschen Fußballmeisterschaften statt. Das Spiel des VfB Leipzig gegen DFC Prag endet 7:2.