Herzogtum Sachsen-Meiningen

Haupt- und Residenzstadt Meiningen

Meiningen, Herzogliches Palais
Meiningen, Herzogliches Palais

 

Herzogtum Sachsen-Meiningen 1681 – 1918

Das Herzogtum Sachsen-Meiningen gehört zum Deutschen Reich. Es liegt zwischen 50°12´-51°9´ nördlicher Breite und 10°3´-12°8´ östlicher Länge. Der zusammenhängende Hauptteil des Landes zieht sich in einer Länge von 133 km bei einer durchschnittlichen Breite von 16 km in Form eines Halbmondes vom nordwestlichen Fuß des Thüringer Waldes nach Südosten hin, übersteigt den Thüringer Wald, läuft östlich am Frankenwald vorüber bis gegen den Nordfuß des Thüringer Waldes. Das Land ist seinem größeren Teil nach gebirgig. Der Thüringer Wald bedeckt fast die Hälfte desselben; im Westen tritt die Rhön bis an die Grenze des Landes heran.
Die höchsten Punkte sind links der Werra: der Bleßberg bei Salzungen (645 m), die Geba (751 m), der Große Gleichberg (678 m), der Kleine Gleichberg (641 m), der Bleßberg bei Eisfeld (864 m); rechts der Werra: der Gerberstein (728 m), der Simmersberg bei Schnett (781 m), der Dreiherrenstein bei Siegmundsburg (820 m), der Sandberg bei Limbach (837 m), das Kieferle (868 m); im östlichen Teile des Landes: der Lehestener Kulm (713 m), der Hirschstein (745 m), der Wetzstein (794 m) und der Töpfersbühl (760 m). Mit seinen Gewässern gehört Sachsen-Meiningen drei großen Flußgebieten, dem der Weser, der Elbe und des Rheins, an (Dreistromstein bei Siegmundsburg). Zum Wesergebiet gehört die Werra, die rechts die Schleuse, Hasel, Helba, Schmalkalde, Druse, Schweina und Fischa, links die Jüchse, Sülze, Herpf, Rosa etc. aufnimmt. Dem Elbgebiet gehört die Saale an, der unter andern aus den meiningischen Gebieten die Loquitz mit der Zopte, Gölitz und Sormitz, die Orla und Ilm zufließen. Dem Main-Rheingebiet fließen zu: die Steinach, Itz mit der Röthen, die Rodach mit der Kreck, die Milz durch die Fränkische Saale. Auch einige Seen verdienen Erwähnung: der Salzunger, die Bernshäuser Kutte und der sogenannte Tiefe See bei Stedtlingen. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Meiningen 7,5°, die mittlere Regenmenge 633 mm.

Wappen:

Das gewöhnlich geführte mittlere herzogliche Wappen zeigt einen quadrierten Hauptschild (mit den Wappen von Thüringen, Henneberg, Römhild und Meißen) und einen herzoglich gekrönten Mittelschild (mit dem grünen sächsischen Rautenkranz im schwarz-golden, zehnfach quergestreiften Feld) und ist mit der Herzogskrone bedeckt.

Landesfarben:

Die Landesfarben sind Grün und Weiß.

Der Herzog verleiht einen Verdienstorden für Kunst und Wissenschaft, die Lebensrettungsmedaille und (in den höheren Klassen in Gemeinschaft mit den Herzogen von Sachsen-Coburg und Gotha und Sachsen-Altenburg) den Ernestinischen Hausorden. Außerdem bestehen noch Ehrenzeichen für treue Militärdienste.

Bundesrat:

1 Stimme

Reichstag:

2 Abgeordnete

Landesparlament:

24 Abgeordnete:

  • 4 von den höchst besteuerten Grundbesitzern
  • 4 mit höchster Personalsteuer
  • 16 übrige Angehörige des Herzogtums

Eine Legislaturperiode dauert 6 Jahre, Wählen darf jeder Mann ab 25 Jahre, wählbar ist jeder der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat und mindestens 1 Jahr dem Herzogtum angehört. Die Wahl ist direkt und geheim.

Haupt- und Residenzstadt:

Meiningen – 17.000 Einwohner (1905)

Größe:

2.468,3 km² = 44,83 Quadratmeilen

Gerichtsorganisation:

Für Thüringen besteht ein gemeinsames Oberlandesgericht in Jena. Dieses umfasst auch die preußischen Kreise Schleusingen, Schmalkalden und Ziegenrück. Zusammen mit den preußischen Kreisen Schleusingen und Schmalkalden bilden die meiningischen Kreise Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg den Bezirk des Landgerichts Meiningen mit den Amtsgerichten Eisfeld, Heldburg, Hildburghausen, Meiningen, Römhild, Salzungen, Schalkau, Sonneberg, Steinach, Themar und Wasungen. Der meiningische Kreis Saalfeld wird vom Landgericht in Rudolstadt mit den meiningischen Amtsgerichten Gräfenthal, Camburg, Kranichfeld, Pößneck und Saalfeld verwaltet.
Bewohner: Die Bevölkerung gehört im Süden des Thüringer Waldes dem fränkischen und nördlich davon dem thüringischen Volksstamm an. Östlich von Saalfeld leben auch Nachfahren germanisierter Slawen.

Einwohner:

  • 1871: 187.957
  • 1875: 194.494
  • 1880: 207.075
  • 1900: 250.731
  • 1905: 268.916 ( 132.064 männliche und 136.852 weibliche Einwohner)

Klima:

Im Thüringer Wald rau, Saalfelder Gebiet mild. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Meiningen 7,5 Grad Celsius.

Gewässer:

Von Werra und Saale durchflossen

Bevölkerungsdichte:

108,9/ km²

Religion:

Die Landeskirche ist die evangelisch-lutherische.
1905

  • 262.243 Evangelische
  •    4.845 Römisch-katholische
  •    1.256 Juden

Militär 1881:

Das Herzogtum Sachsen-Meiningen gehört zum Ersatzbezirk des XI. Armeekorps. Garnisonsstädte sind:
Hildburghausen – Infanterie 95,2Meiningen – Infanterie 93,1 und Landwehr 95,21905: Die meiningischen Truppen bilden mit denen von Sachsen-Coburg-Gotha das 6. thüringische Infanterieregiment Nr. 95 und gehören der 22. Division und dem 11. Armeekorps (Kassel) an.

Wirtschaft:

  • Berufs- und Gewerbezählung vom 14. Juni 1895 = 93.232 Erwerbstätige, darunter 24 449 weibliche. Die Zahl der Dienenden in Haushalten betrug 3771, der Angehörigen ohne Hauptberuf 129.101 Personen.36,4 % = 33.902 Land- und Forstwirtschaft48,2 % = 44.930 Bergbau, Hüttenwesen, Industrie und Baugewerbe  8,4 % =   7.866 Handel und Verkehr   1,4 % =   1.277 häusliche Dienste, Lohnarbeit  5,6 % =   5.257 Staats-, Gemeinde- und Kirchendienst, freie Berufe                 2.184 Armee                 6.838 ohne Beruf und Berufsangaben
  • Landwirtschaft: Von der Fläche entfallen (1900) 40,9 % auf Acker- und Gartenland, 11 % auf Wiesen, 1,7 % auf Weisen und 42,1 % auf Wald. Angebaut wurden (1906) Weizen, Roggen, Sommergerste, Hafer, Kartoffeln, Flachs, Rüben und Tabak. Geringer Weinanbau befindet sich in der nördlichen Exklave Grafschaft Camburg. Die Rind- und Schweinezucht sind am bedeutendsten; im Camburgischen werden auch Pferde gezüchtet. 1904 zählte man: 8 452 Pferde, 69 743 Rinder, 21 803 Schafe, 88 065 Schweine und 39 085 Ziegen. Von großer Bedeutung ist die Forstwirtschaft
  • Bergbau: Abgebaut werden Steinkohle, Eisen-, Kupfer- und Kobalterze, Griffel-, Dach- und Tafelschiefer, Farberden und Porzellansand, Torf. Die Salinen in Salzungen und Neusulza gewinnen Salz aus gesättigter Sole (1905: 17 427 Tonnen im Wert von 405 452 Mark. Die Solequellen zu Friedrichshall liefern das bekannte, weit versendete Bitterwasser.
  • Industrie: Bedeutend sind das Hüttenwesen (Maximilianshütte bei Unterwellenborn) , die Fertigung von Holzspielwaren, Tuchfabrikation, Lederverarbeitung, Spinnerei, Weberei und Papiermaché. Die Nähmaschinenindustrie ist in Saalfeld sehr entwickelt. In Pößneck ist die Flanellfabrikation von besonderer Wichtigkeit, aber auch die Berberei und Lederfabrikation. Glashütten in Lauscha und Umgebung. Porzellanmanufakturen produzieren überwiegend in den Kreisen Saalfeld, Sonneberg und Hildburghausen. Spielzeugfabrikation in Sonneberg und Umgebung. Gut vertreten ich auch das Brauereigewerbe.Die Stadt Meiningen ist Sitz der herzoglichen Landeskreditanstalt, der deutschen Hypothekenbank, einer Reichsbanknebenstelle und der Bank für Thüringen.

Postwesen und Briefmarken:

Gemäß der Aufstellung der Generalverordnung vom 30. Dezember 1861 besorgte die Thurn und Taxissche Post auf Grund von Beschlüssen des Wiener Kongresses (1815) den Postdienst bis zum 30. Juni 1867 im Herzogtum Sachsen Meiningen. Ab 01. Juli 1867 übernahm die preußische Post den Postdienst. Das gesamte preußische Postwesen ging am 01. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) über. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.

Währungen und Münzen:

Die nördlichen Exklave, mit dem Amt Camburg mit Talerwährung.

  • vor 1875 = 1 Gulden = 60 Kreuzer = 240 Pfennige
  • ab 1875 = 1 Mark = 100 Pfennig

Regenten:

Herzöge von Sachsen-Meiningen 1680 – 1918
regierendes Fürstenhaus: Wettin, Ernestinische Linie, Stammvater Herzog Bernhard (1649 – 1706)
Die Verfassung des Herzogtums ist konstitutionell-monarchisch und beruht auf dem Grundgesetz vom 23. August 1829 und den Gesetzen vom 20. Juli 1871, 24. April 1873 und 9. März 1896. Staatsoberhaupt ist der Herzog, der mit zurückgelegtem 21. Lebensjahr großjährig wird. Das verfassungsmäßige Organ zur Vertretung der Rechte und Befugnisse des Volkes ist der Landtag. Derselbe besteht aus 24 Abgeordneten, und zwar 4 von den höchstbesteuerten Grundbesitzern, 4 von denen, welche die höchsten Personalsteuern bezahlen, und 16 von den übrigen Angehörigen des Herzogtums. Wähler ist jeder Angehörige des Herzogtums mit vollendetem 25. Jahr in dem Wahlkreis seines Domizils zur Zeit der Wahl. Die Wahl ist direkt und geheim. Wählbar ist jeder, der das 25. Jahr zurückgelegt, mindestens ein Jahr dem Herzogtum angehört hat und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen ist. Das Mandat dauert sechs Jahre. Die Landeskirche ist die evangelisch-lutherische. Die oberste Behörde für die Staatsverwaltung ist das Staatsministerium mit fünf Abteilungen:

  1. für die Angelegenheiten des herzoglichen Hauses und des Äußern,
  2. für die innere Verwaltung,
  3. für die Justiz,
  4. für die Kirchen- und Schulsachen und
  5. für die Finanzen.
    Die Finanzen des Landes sind infolge der Erträgnisse des Domänenvermögens, die nach dem Vergleich von 1871 zwischen dem Herzog und dem Lande geteilt werden, wohlgeordnet. Die Einnahmen und Ausgaben belaufen sich nach dem Staatshaushaltsetat für 1906/08 auf 8.716.216 Mark jährlich. Die Zivilliste des Herzogs beträgt jährlich 394.286 Mark, dazu kommt die Hälfte der Domänenüberschüsse (545.554 Mark. Die Staatsschuld belief sich Ende 1905 nach Abzug der Aktiva auf 6.165.601 Mark.

Administrative Gliederung:

Das Herzogtum Sachsen-Meiningen gehört zu den Thüringischen Staaten und besteht aus einem größeren geschlossenen Landesteil und zahlreichen Exklaven, welche die Ämter Camburg und Kranichfeld bilden. Es gliedert sich in 4 Kreise, enthält 17 Städte und 445 Landgemeinden:

  • Kreis Meiningen mit mit einer Fläche von 749 km² (13,60 Quadratmeilen) und 70 933 Einwohner Einwohnern (1900): Meiningen, Allendorf, Alten- und Frauenbreitungen (Breitungen/Werra), Altenstein (Schloß), Amalienruhe, Aroldshausen, Bairoda, Bauerbach, Belrieth, Berkach, Bernshausen, Bettenhausen, Bibra, Bonndorf, Breuberg (Försterei), Clausberg (Gut), Craimar (Domänengut), Defertshausen, Dietlas, Dörrensolz, Dreißigacker, Eckardts, Einhausen, Einödhausen, Ellingshausen, Ettmarshausen, Fasanerie, Friedelshausen, Geba, Georgenzell, Gleimershausen, Glücksbrunner Werke, Gräfen- und Nitzendorf, Grimmenthal (Hospital), Grumbach, Grundhof, Gumpelstadt, Haselbach, Helba, Helmers, Henneberg, Hermannsfeld, Hermannsroda, Herpf, Hohleborn, Hümpfershausen, Immelborn, Jüchsen, Kaltenborn, Kaltenlengsfeld, Kätzeroda (Gut), Knollbach, Landsberg (Gut), Langenfeld, Leimbach, Leutersdorf, (Bad) Liebenstein, Marienthal (Gut), Mehmels, Meimers, Melkers, Metzels, Möckers, Möhra, Neubrunn, Neuendorf, Niederschmalkalden, Niedersülzfeld, Nordheim, Oberellen, Oberharles, Oberkatz, Obermaßfeld, Oberrohn, Oepfershausen, Profisch (Domänengut), Queienfeld, Rentwertshausen, Reumles, Rippershausen, Ritschenhausen, Röhrigs- und Hüttenhof, Rosa, Roßdorf, Roßhof (Gut), Ruppers, (Bad) Salzungen, Schmerbach (Gut), Schwallungen, Schwarzbach, Schweina, Schwickershausen, Seeba, Sinnershausen (Gut), Solz, Sorga (Domänengut), Stedtlingen, Steinbach, Stepfershausen, Sülzfeld, Thurmgut (Domänengut), Träbes, Uebelroda, Unterharles, Unterkatz, Untermaßfeld, Unterrohn, Utendorf, Vachdorf, Wahns, Waldfisch, Wallbach, Walldorf (Werra), Wasungen, Welkershausen, Wernshausen, Wildprechtroda, Witzelrode, Wölfershausenehemaliges
  • Kreis Hildburghausen ( ehemaliges Herzogtum Hildburghausen) mit mit einer Fläche von 777 km² (14,12 Quadratmeilen) und 60 409 Einwohner Einwohnern (1900): Hildburghausen,  Adelhausen, Albingshausen, Bedheim, Behrungen, Beinerstadt, Biberschlag, Billmuthhausen, Birkenfeld, Bockstadt, Brattendorf, Brünn, Buchenhof (Domänengut), Bürden, Colberg, Crock, Dingsleben, Ebenhards, Ehrenberg, Eicha, Einöd (Rittergut), Einsiedel, Eisfeld, Eishausen, Engenstein, Erlebach (Rittergut), Ernstthal, Exdorf, Fehrenbach, Friedenthal (Gut), Friedrichshöhe, Gabel, Gellershausen, Gießübel, Gleichamberg, Gleicherwiesen, Gompertshausen, Goßmannsrode, Grimmelshausen, Grub, Haina, Harras, Häselrieth, Haubinda (Rittergut), Heid, Heldburg, Hellingen, Henfstädt, Herbartswind, Heßberg, Hetschbach, Heubach, Hindfeld, Hinterrod, Hirschendorf, Holzhausen, Käßlitz, Kloster Veilsdorf, Leimrieth, Leitenhausen (Rittergut), Lengfeld, Lichtenau, Linden, Lindenau, Marisfeld, Massenhausen, Mendhausen, Merbelsrod, Milz, Mönchshof (Domänengut), Neuhof (Domänengut), Neustadt am Rennsteig (nur teilweise zum Herzogtum Sachsen-Meiningen, der andere Teil gehört zum Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen), Obendorf, Oberneubrunn, Oberstadt, Oberwind, Pfersdorf, Poppenhausen, Poppenwind, Reurieth, Rieth, Römhild, Roth, Saargrund, Sachsendorf, Sankt Bernhard, Schackendorf, Schirnrod, Schlechtsart, Schmeheim, Schnett, Schwarzbach, Schwarzenbrunn, Schweickershausen, Seidingstadt, Siegritz, Simmershausen, Steinfeld, Stelzen, Steudach, Stressenhausen, Streufdorf, Sülzdorf, Tachbach, Tellerhammer, Themar, Tossenthal, Trostadt (Domänengut), Ummerstadt, Unterneubrunn, Veilsdorf, Völkershausen, Volkmannshausen, Wachenbrunn, Waffenrod, Wallrabs, Weitersroda, Weitesfeld, Westenfeld, Westhausen, Wolfmannshausen, Zeilfeld
  • Kreis Sonneberg mit mit einer Fläche von 344 km² (6,24 Quadratmeilen) und 68 033 Einwohner Einwohnern (1900): Sonneberg, Almerswind, Bachfeld, Bettelhecken, Blatterndorf, Buch, Döhlau, Effelder, Ehnes, Eichitz, Emstadt, Ernstthal, Eschenthal, Föritz, Forschengereuth, Gefell, Gessendorf, Görsdorf, Grümpen, Gundelswind, Hämmern, Haselbach, Heinersdorf, Heubisch, Hönbach, Hüttengrund, Hüttensteinach, Igelshieb, Jagdshof, Judenbach, Katzberg, Köppelsdorf, Korberoth, Lauscha, Liebau, Lindenberg, Malmerz, Mark, Mausendorf, Mengersgereuth, Meschenbach, Mogger, Mönchsberg, Mupperg, Mürschnitz, Neuenbau, Neufang, Neuhaus, Neundorf, Oberlind, Oberroth, Oerlsdorf, Rabenäußig, Rauenstein, Roth, Rotheul, Rottmar, Rückerswind, Schalkau, Schichtshöhn, Schierschnitz, Schwärzdorf, Selsendorf, Seltendorf, Sichelreuth, Siegmundsburg, Steinach, Steinbach, Steinheid, Theuern, Truckendorf, Truckenthal, Unterlind, Weidhausen, Welchendorf
  • Kreis Saalfeld (ehemaliges coburgisches Fürstentum Saalfeld) mit mit einer Fläche von 598 km² (10,87 Quadratmeilen) und 69 541 Einwohner Einwohnern (1900): Saalfeld, Achelstädt, Arnsgereuth, Aue, Aue am Berg, Barchfeld an der Ilm, Bernsdorf, Beulwitz, Birkenheide, Birkigt, Boblas, Bock und Teich, Brennersgrün, Buchbach, Camburg, Casekirchen, Catharinau, Cauerwitz, Clöswitz, Crauschwitz, Creunitz, Crölpa-Löbschütz, Crösten, Döbrichau, Döbritschen, Dorfkulm, Eckolstädt, Erkmannsdorf, Freiroda, Friedebach, Garnsdorf, Gebersdorf, Gorndorf, Gösselsdorf, Graba, Gräfenthal, Graitschen, Großgeschwenda, Großkochberg, Großneundorf, Gügleben, Hasenthal, Heiligenkreuz, Herschdorf, Hohenfelden (nur teilweise zum Herzogtum Sachsen-Meiningen, der andere Teil gehört zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach), Hohenofen, Hütten, Janisroda, Jehmichen, Kaatschen, Kleingeschwenda, Kleingestewitz, Kleinneundorf, Kleinprießnitz, Köckenitzsch, Köditz, Königsthal, Kranichfeld (nur teilweise zum Herzogtum Sachsen-Meiningen, der andere Teil gehört zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach), Langenschade, Lausnitz, Lehesten, Leislau, Lichtenhain (Gräfenthal), Lichtenhain (bei Jena), Lichtentanne, Limbach, Lippelsdorf, Lositz, Marktgölitz, Meernach, Milda, Molau, Mosen, Münchengosserstädt, Naundorf, Neidschütz, Oberloquitz, Oberneusulza (Saline), Obernitz, Oberpreilipp, Oberwellenborn, Osthausen, Piesau, Pippelsdorf, Posewitz, Pößneck, Prießnitz, Probstzella, Reichenbach (Amtsgericht Gräfenthal), Reichenbach (Amtsgericht Saalfeld), Reichmannsdorf, Remschütz, Riechheim, Röblitz, Rodameuschel, Rödelwitz, Schaderthal, Schieben, Schinditz, Schlaga, Schlettwein, Schleuskau, Schloßkulm, Schmiedebach, Schmiedefeld, Schmiedehausen, Seidewitz, Seiselitz, Sieglitz, Sommersdorf, Spechtsbrunn, Stedten (nur teilweise zum Herzogtum Sachsen-Meiningen, der andere Teil gehört zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach), Stöben, Taubenbach, Thierschneck, Treppendorf, Tultewitz, Tümpling, Unterneusulza, Unterpreilipp, Unterwellenborn, Unterwirbach, Utenbach, Vierzehnheiligen, Volkmannsdorf, Wallendorf, Weichau, Weischwitz, Weißbach, Weißen, Wichmar, Wickersdorf, Wittmannsgereuth, Witzendorf, Wöhlsdorf, Wonnitz, Würchhausen, Zopten, Zöthen

Der Freistaat Thüringen aktuell:

Der heutige Freistaat Thüringen mit der Landeshauptstadt Erfurt besteht aus

  • dem ehemaligen Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, ohne die Exklave Ostheim (1945 an Bayern) und ohne die Exklave Allstedt (1945 an Sachsen-Anhalt)
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Meiningendem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Altenburg, ohne die Exklave Russdorf (1928 per Staatsvertrag an Sachsen)
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, ohne Coburg (1920 nach einer Volksabstimmung an Bayern)
  • dem ehemaligen Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen
  • dem ehemaligen Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadtdem ehemaligen Fürstentum Reuß ältere Linie
  • dem ehemaligen Fürstentum Reuß jüngere Linie
  • dem Kreis Ilfeld der ehemaligen preußischen Provinz Hannover (seit 1932)
  • dem Regierungsbezirk Erfurt der ehemaligen Provinz Sachsen (seit 1944)
  • dem Kreis Schmalkalden der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau (seit 1944)

Geschichte:

Das Herzogtum Sachsen-Meiningen besteht aus dem alten Herzogtum Meiningen, dem 1826 hinzugekommenen ehemaligen Herzogtum Hildburghausen und dem früher coburgischen Fürstentum Saalfeld. Getrennt vom Hauptland liegen die Herrschaft Kranichfeld (von preußischen, weimarischen, altenburgischen und schwarzburgischen Gebieten umgeben), die von preußische und weimarischen Landen eingeschlossenen Grafschaft Camburg und 11 zerstreut liegende kleinere Gebiete. Das alte Herzogtum Meiningen entstand infolge eines Vergleichs, den der dritte Sohn Herzog Ernsts des Frommen, Bernhard am 9. Februar 1681 mit seinem Bruder, Herzog Friedrich von Gotha, abschloss. Dadurch erhielt er die hennebergischen Ämter Meiningen, Wasungen, Sand und Frauenbreitungen sowie die thüringischen Ämter Salzungen und Altenstein mit vollen Hoheitsrechten und die auf Coburg ruhende Reichsstimme. Als die Linien Coburg, Eisenberg und Römhild ausstarben, erhielt das Herzogtum aus deren Erbe 2/3 von Römhild, Neustadt, Sonneberg, Neuhaus und Schalkau. 1807 trat Sachsen-Meiningen dem Rheinbund bei und ließ sein Truppenkontingent von 800 Mann in Spanien, Tirol und Russland kämpfen. 1813 schloss es sich den Verbündeten an und wurde 1815 ein Glied des Deutschen Bundes. Nach seinem Regierungsantritt gab Herzog Bernhard dem Land am 25. November 1823 eine ständische Verfassung. Als 1825 die Linie Sachsen-Gotha-Altenburg ausstarb, beansprucht Sachsen-Meiningen das ganze Erbe, musste sich aber im Teilungsvertrag vom 12. November 1826 mit Hildburghausen, Saalfeld, Themar, Kranichfeld und Camburg begnügen. Hierauf erhielt Sachsen-Meiningen eine neue Verwaltungsorganisation und am 23. August 1829 eine neue landständische Verfassung. 1834 erfolgte der Beitritt zum Deutschen Zollverein. 1848 kam es im Herzogtum zu Unruhen, die das Einschreiten bayrischer, sächsischer und weimarischer Truppen nötig machten. Der demokratisch gesinnte Landtag von 1849 erkläre die herzoglichen Güter für Staatseigentum und bewilligte dem Herzog eine feste Rente von 175.000 Gulden. Der daraufhin entstandene Konflikt wurde erst 1871 beigelegt. Man einigte sich darauf, dass vom Ertrag des steuerfreien Gütervermögens der Herzog eine feste Rente von 230.000 Gulden erhalten solle. Seit 1859 orientierte sich Meiningen immer mehr zu Österreich und protestierte 1862 gegen die Militärkonvention des Herzogtums Sachsen Coburg-Gotha mit dem Königreich Preußen. 1866 stimme Sachsen-Meiningen für den österreichischen Mobilisierungsantrag und entsandte seine Truppenkontingent nach Mainz. Im Deutscher Krieg 1866 besetzten preußische Truppen daraufhin im Juli die Exklave Camburg und am 19. September die Stadt Meiningen. Herzog Bernhard dankte daraufhin am 24. September 1866 ab. Bismarck wollte das preußenfeindliche Land ganz auflösen und erst die Fürsprache des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach bei seinem Schwager König Wilhelm von Preußen sicherte den Fortbestand des Landes. Herzog Bernhards Sohn, Herzog Georg II., schloss am 8. Oktober 1866 Frieden mit Preußen und trat dem Norddeutschen Bund bei. Nach Abschluss der Militärkonvention 1867 wurde in Meiningen das preußische Regiment Nr. 32 stationiert. Die neuen Verhältnisse sowie die Zinsgarantie für die Werrabahn verursachten dem Land außerordentliche Ausgaben; um das Gleichgewicht in den Finanzen herzustellen, wurde 1868 die Verwaltung vereinfacht und das Steuerwesen um gestaltet. Die Landtagswahlen regelte 1873 ein neues Wahlgesetz. Ein Volksschulgesetz wurde 1875, eine Kirchengemeinde- und Synodalordnung 1876 erlassen. Das von der Landessynode beschlossene Kirchengesetz trat mit 17. September 1895 ins Leben. Die am 11. Oktober 1892 und 23. September 1895 erfolgte Geburt zweier Söhne (Georg und Ernst) des Prinzen Friedrich, des dritten Sohnes des Herzogs Georg II., und die Erbfolgeordnung von 1896, welche die Kinder des Prinzen Friedrich aus seiner Ehe mit der Gräfin Adelheid zur Lippe-Biesterfeld für erbfolgeberechtigt erklärte, sichert die Fortdauer der Dynastie, da der Erbherzog Bernhard ohne männliche Nachkommen blieb. 1873 heiratete Herzog Georg in 3. Ehe die Theaterschauspielerin Ellen Franz, spätere Helene Freifrau von Heldburg. Mit ihr begründete der „Theaterherzog“ den europaweiten Ruf des Meininger Theaters. Nachdem Herzog Georg II. wenige Tage vor dem Attentat von Sarajevo am 25. Juni 1914 im Alter von 88 Jahren und nach 48 Jahren Regentschaft verstarb, übernahm sein Sohn als Bernhard III. mit 63 Jahren die Regierung. Herzog Bernhard III. regierte das Land, bis er am 10. November 1918 infolge der Novemberrevolution auf den Thron verzichtete.