Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt

Haupt- und Residenzstadt Rudolstadt

Rudolstadt, Schloss Heidecksburg
Rudolstadt, Schloss Heidecksburg

Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt 1697 – 1918

Das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt gehört zum Deutschen Reich. Dessen Gebiet besteht aus zwei getrennten Teilen, nämlich der am Thüringer Wald gelegenen Oberherrschaft und der von der preußischen Provinz Sachsen umschlossenen Unterherrschaft. Die Oberherrschaft umfasst das Hauptland, die Amtsgerichtsbezirke Rudolstadt, Stadtilm, Königsee, Oberweißbach, ferner den von diesem durch fremdes Gebiet getrennten Gerichtsbezirk Leutenberg und vier kleine Parzellen, während die Unterherrschaft aus den Amtsgerichtsbezirken Schlotheim und Frankenhausen besteht. Beide Landesteile sind gebirgig. In der Oberherrschaft, die mit ihrem südlichen Teil im Thüringer Wald, mit ihrem nördlichen im thüringischen Hügelland liegt, sind die höchsten Punkte der Großfarmdenkopf (872 m) und der Wurzelberg (828 m). Der Unterherrschaft gehört der Kyffhäuser (466 m) an. Der Hauptfluß der Oberherrschaft ist die Saale, die als wichtigste Nebenflüsse die Loquitz mit der Sormitz und die Schwarza aufnimmt. Das Amt Stadtilm wird von der Ilm durchflossen. Den Südwesten der Unterherrschaft durchfließt die Wipper. Von Badeorten sind Frankenhausen (Solbad), Schwarzburg und Blankenburg (klimatische Kurorte) zu nennen.

Bundesrat:

1 Stimme

Reichstag:

1 Abgeordneter

Landesparlament:

Das Fürstentum besitzt eine konstitutionell-monarchische Verfassung, die auf dem Grundgesetz vom 21. März 1854 und dem Gesetz vom 16. November 1870 beruht. Bei Ausübung des Gesetzgebungs- und Besteuerungsrechts ist der Fürst an die Mitwirkung des Landtags gebunden, der aus 16 Abgeordneten besteht, von denen 4 von den Höchstbesteuerten, 12 von den übrigen wahlberechtigten Staatsangehörigen in geheimer Abstimmung gewählt werden. Die Wahlperiode dauert drei Jahre; im Fall einer Auflösung muss die Einberufung des neuen Landtags binnen sechs Monaten erfolgen. Der Landtag wählt einen Präsidenten aus seiner Mitte und wird für die Zeit, in der er nicht versammelt ist, durch einen ständigen Ausschuss vertreten. Die Staatsverwaltung ist durch Gesetz vom 7. Februar 1868 neu organisiert worden. Danach hat die oberste Leitung der Regierungsgeschäfte das Ministerium, an dessen Spitze ein dem Landtag verantwortlicher Minister steht, und dem mehrere dem Landtag gleichfalls verantwortliche Abteilungsvorstände beigeordnet sind. Unmittelbar dem Ministerium unterstehen die drei Landratsämter Rudolstadt, Königsee und Frankenhausen.

Hauptstadt:

Rudolstadt – 12.500 Einwohner (1905)

Größe:

940,88 km² (17,09 QM.), wovon 733,69 km² (13,32 QM.) auf die Oberherrschaft (Rudolstadt) u. 207,19 km² (3,77 QM.) auf die Unterherrschaft (Frankenhausen) entfallen.

Gerichtsorganisation (1881):

Für Thüringen besteht ein gemeinsames Oberlandesgericht in Jena. Dieses umfasst auch die preußischen Kreise Schleusingen, Schmalkalden und Ziegenrück. Außer meiningischen und preußischen Amtsgerichten gehören zu dem Landgericht in Rudolstadt die 7 Amtsgerichte des Fürstentums: Frankenhausen, Königssee, Leutenberg, Oberweißbach, Rudolstadt, Schlotheim und Stadtilm.

Einwohner:

  • 1871: 75.523
  • 1875: 76.676
  • 1880: 80.296
  • 1905: 96.835

Klima:

Mild

Gewässer:

Schwarza, Ilm.

Bewohner:

Überwiegend Thüringer.

Bevölkerungsdichte:

103/km²

Bildung:

Dem Schulwesen im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt wird große Sorgfalt zugewandt; es bestehen ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Realschule, ein Lehrerseminar, 2 höhere Töchterschulen und 135 Volksschulen. In Keilhau besteht eine private Erziehungsanstalt. In Rudolstadt befinden sich eine fürstliche Landesbibliothek, ein Naturalienkabinett und eine Gemäldesammlung.

Religion:

Die große Masse der Bevölkerung ist evangelisch-lutherisch, es gab im Jahr 1905 nur 990 Römisch-Katholische und 84 Juden. Die katholische Gemeinde in Schwarzburg-Rudolstadt gehört zum Sprengel des Bischofs von Paderborn, die Juden zu dem des Rabbiners in Nordhausen

1905

  • 95.763 Evangelisch
  •    990 Römisch-katholisch
  •      84 Juden

Militär (1881):

Das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt gehört zum Ersatzbezirk des IV. Armeekorps. Die schwarzburg-rudolstädtischen Truppen wurden vom 1. Oktober 1867 an mit den reußischen und altenburgischen zum 7. thüringischen Infanterieregiment Nr. 96 vereinigt. Garnisonsstadt ist:

Rudolstadt – Infanterie 96,3

Wirtschaft:

Rudolstadt (Porzellanmanufakturen, Arzneimitteln und Spielzeug), Land und Holzwirtschaft. Lehranstalt in Keilhau.

Postwesen und Briefmarken:

Gemäß der Aufstellung der Generalverordnung vom 30. Dezember 1861 besorgte die Thurn und Taxissche Post auf Grund von Beschlüssen des Wiener Kongresses (1815) den Postdienst bis zum 30. Juni 1867 im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt. Ab 1. Juli 1867 übernahm die preußische Post den Postdienst. Das gesamte preußische Postwesen ging am 1. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) über. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.

  • Im Landratsamt Frankenhausen bis 1874 mit Währung Taler
  • In den Landratsämtern Rudolstadt und Königsee bis 1875 mit Währung Gulden

Währungen und Münzen:

Obwohl das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt eins der kleinsten deutschen Länder ist, besitzt es bis 1875 zwei Währungen. Im nördlichen Landesteil, dem Landratsamt Frankenhausen die Taler-, in den südlichen Landesteilen, den Landratsämtern Rudolstadt und Königsee, die Guldenwährung.

Regenten:

Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt 1700 – 1918

regierendes Fürstenhaus: Ahnherr Gundar von Keverenburg (um 700), Stammvater Graf Albrecht VII. († 1605)

Administrative Gliederung:

Das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, bestehend aus 8 Städten und 155 Landgemeinden, gliedert sich in eine

  • Oberherrschaft, bestehend aus den Bezirken Rudolstadt, Königsee und den Parzellen Angelrode, Elxleben, Österode, Heberndorf, Weisbach und in eine
    Unterherrschaft, bestehend aus den 3 Städten Frankenhausen, Straußberg und Schlotheim. Landratsämter bestehen in Rudolstadt, Königsee und Frankenhausen.
  • Oberherrschaft, Landratsamt Rudolstadt, mit 95 Gemeinden, einer Fläche von 464 km² und 42 839 Einwohnern (Jahr 1900): Rudolstadt, Angelroda, Arnsbach, Blankenburg, Böhlscheiben, Braunsdorf, Breternitz, Bucha, Bücheloh, Burglemnitz, Burkersdorf, Cordobang, Cottendorf, Cumbach, Dittersdorf, Dittrichshütte, Döhlen, Döllstedt, Dorfilm, Dörnfeld, Ehrenstein, Eichfeld, Eichicht, Ellichleben, Elxleben, Eschdorf, Eyba, Fischersdorf, Fröbitz, Geilsdorf, Geitersdorf, Gleima, Gösselborn, Gräfinau, Griesheim, Großgölitz, Großhettstedt, Großliebringen, Hammersfeld, Heberndorf, Hengelbach, Herschdorf bei Leutenberg, Hirzbach, Hockeroda, Hockerodaer Hammer, Hohenwarte, Keilhau, Kirchhasel, Kleingeschwenda, Kleingölitz, Kleinhettstedt, Kleinliebringen, Knobelsdorf, Könitz, Laasen, Landsendorf, Leutenberg, Leutnitz, Lichstedt, Löhma, Milbitz, Mörla, Munschwitz, Nahwinden, Oberilm, Oberwirbach, Oesteröda, Paulinzella, Pflanzwirbach, Preßwitz, Quittelsdorf, Reschwitz, Roda, Rosenthal, Schaala, Schwarza, Schweinbach, Singen, Solsdorf, Stadtilm, Steinsdorf, Tauschwitz, Teichel, Teichröda, Teichweiden, Thälendorf, Unterloquitz, Unterwirbach, Volkstedt, Watzdorf, Weißbach (nur teilweise Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Weitisberga (nur teilweise Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Wüllersleben, Zeigerheim
  • Oberherrschaft, Landratsamt Königsee, mit 52 Gemeinden, einer Fläche von 269 km² und 31 862 Einwohnern (Jahr 1900): Königsee, Allendorf, Allersdorf, Alsbach, Aschau, Barigau, Bechstedt, Blumenau, Böhlen, Cursdorf, Deesbach, Dörnfeld, Döschnitz, Dröbischau, Egelsdorf, Friedersdorf, Geiersthal, Glasbach, Goldisthal, Herschdorf bei Königsee, Horba, Katzhütte, Leibis, Lichta, Lichte, Lichtenhain, Mankenbach, Mellenbach, Meura, Meuselbach, Milbitz, Neuhaus am Rennweg, Oberhain, Oberhammer, Oberköditz, Oberschöbling, Oberweißbach, Obstfelderschmiede, Quelitz, Rohrbach, Rottenbach, Scheibe, Schmalenbuche, Schwarzburg, Sitzendorf, Storchsdorf, Unterhain, Unterköditz, Unterschöbling, Unterweißbach, Wildenspring, Wittgendorf
  • Unterherrschaft, Landratsamt Frankenhausen, mit 16 Gemeinden, einer Fläche von 208 km² und 18 357 Einwohnern (Jahr 1900): Frankenhausen, Borxleben, Esperstedt, Göllingen, Günseroda, Ichstedt, Immenroda, Mehrstedt, Ringleben, Rottleben, Schlotheim, Seega, Seehausen, Straußberg, Thalleben, Udersleben

 

Der Freistaat Thüringen aktuell:

Der heutige Freistaat Thüringen mit der Landeshauptstadt Erfurt besteht aus

  • dem ehemaligen Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, ohne die Exklave Ostheim (1945 an Bayern) und ohne die Exklave Allstedt (1945 an Sachsen-Anhalt)
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Meiningen
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Altenburg, ohne die Exklave Russdorf (1928 per Staatsvertrag an Sachsen)
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, ohne Coburg (1920 nach einer Volksabstimmung an Bayern)
  • dem ehemaligen Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen
  • dem ehemaligen Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt
  • dem ehemaligen Fürstentum Reuß ältere Linie
  • dem ehemaligen Fürstentum Reuß jüngere Linie
  • dem Kreis Ilfeld der ehemaligen preußischen Provinz Hannover (seit 1932)
  • dem Regierungsbezirk Erfurt der ehemaligen Provinz Sachsen (seit 1944)
  • dem Kreis Schmalkalden der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau (seit 1944)

Geschichte:

Das Geschlecht der Grafen von Schwarzburg leitet sich von einem thüringischen Grafen (Günther) ab, der von Bonifazius zum Christentum bekehrt wurde. Um 1118 erscheint ein Graf Sizzo IV., der sich nach der Schwarzburg benennt; Günther III. fügt 1169 den Titel „Graf von Käfernburg“ hinzu. Sein erster Sohn Heinrich IV. (gestorben um 1230) begründet 1196 die Linie Schwarzburg, sein zweiter Sohn Günther V. (gestorben 1220) die Linie von Käfernburg. Diese starb 1385 aus, worauf ihre Besitzungen an Thüringen fielen. Von der schwarzburgischen Linie zweigte sich 1275 mit Heinrich VII. die ältere blankenburgische Linie ab. Günther X. von Schwarzburg erwarb 1306 Arnstadt, Ilmenau,, Wachsenburg und Schwarzwald. Seine Nachkommen teilten sich in die Linien Schwarzburg, Wachsenburg und Leutenberg, welche sämtlich bis 1564 ausstarben. Der blankenburgischen Linie verlieh hauptsächlich Günther XlX. (nach andrer Zählung XXI.) Glanz, der 1349 zum deutschen König gewählt wurde, aber schon 18. Juni zu Frankfurt a. M. starb. Von Karl IV. wurde den schwarzburgischen Grafen das Erbjägermeisteramt verliehen, welches sie bis 1708 besaßen; außerdem bekleideten sie das Reichserbstallmeisteramt. Günthers Sohn Heinrich XIII. starb 1357 ohne Erben, und seine Lande fielen an seine Vettern Heinrich XIV. und Günther XXIII. Nachdem Günther XXIII. 1368 gestorben, führte Graf Heinrich mit dessen Nachkommen Heinrich XXII. und Günther XXVII. die Regierung gemeinschaftlich fort. Nach Heinrichs 1373 erfolgtem Tod nahmen dessen beide Söhne Heinrich XX. und Günther XXVI. mit ihren bereits erwähnten Vettern eine Teilung vor. Bei der Teilung der sächsischen Lande 1445 kamen die sämtlichen schwarzburgischen Lande unter die Oberhoheit des Herzogs Wilhelm; bei der zweiten sächsischen Teilung 1485 wurde auch die Oberhoheit über Schwarzburg geteilt, und zwar so, dass dieselbe vom kurfürstlichen Haus über die obere, vom herzoglichen über die untere Grafschaft geführt wurde. Heinrich XXVIII. (1444-88) begründete die jüngere blankenburgische Linie und brachte die Besitzungen der Linie Käfernburg an sein Haus; von seinen sieben Söhnen hatten nur zwei männliche Nachkommen, nämlich Günther XXXVI. und Günther XXXVII.; der erste starb noch vor dem Tod seines Vaters (1484), der zweite 1531. Nun folgte des letzteren Sohn Heinrich XXXIV., ein eifriger Beförderer der Reformation, seit 1524 vermählt mit der Gräfin Katharina von Henneberg, welche sich nach dem 1538 erfolgten Tod ihres Gemahls durch ihren dem Herzog von Alba gegenüber auf dem Schloss zu Rudolstadt bewiesenen Mut einen Namen machte. Die Länder Heinrichs XXXIV. fielen darauf an den Sohn seines Vetters Heinrich XXXIII., Günther XXXVIII. (mit dem fetten Maul), der seine jüngeren Brüder überlebt hatte. Er führte zwar die Lehre Luthers in Sondershausen ein, stand aber im Schmalkaldischen Krieg aufseiten des Kaisers, der ihn auch, als er von dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen verjagt worden war, wieder in seine Länder einsetzte. Nach seinem Tod (1552) folgte ihm sein ältester Sohn, Günther XXXlX., ein Feldherr Maximilians II. Da er 1583 ohne Nachkommen starb, teilten seine beiden Brüder Johann Günther und Albrecht die schwarzburgischen Lande und bildeten von 1584 an die beiden Hauptlinien Schwarzburg-Arnstadt, später Schwarzburg-Sondershausen, und Schwarzburg-Rudolstadt.

Die Hauptlinie Schwarzburg-Rudolstadt, gegründet von Albrecht VII., erhielt in der Teilung von der oberen Grafschaft die Ämter Rudolstadt, Blankenburg, Schwarzburg, Paulinzella, Leutenberg, Ehrenstein (1631, aus der Grafschaft Gleichen), Ilm, Könitz und die Vogtei Seeberg, aus der untern Grafschaft die Ämter Frankenhausen, Arnsburg, Straußberg, Kelbra, Heringen und Schlotheim. Von Albrechts 1605 hinterlassenen vier Söhnen setzte der zweite, Ludwig Günther, das Geschlecht fort. Ihm folgte 1646 sein Sohn Albrecht Anton II., der 1697 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, aber erst 1711 den fürstlichen Titel annahm, diesem 1710 Ludwig Friedrich und diesem 1718 sein Sohn Friedrich Anton, durch den 1719 die Lehnsstreitigkeiten nach Erlangung der Reichsunmittelbarkeit erledigt wurden. 1744 regierte dessen Sohn Johann Friedrich, 1767 dessen Oheim Ludwig Günther. Ihm folgte 1790 Friedrich Karl, diesem 1793 Ludwig Friedrich, der 1807, kurz nach seinem Beitritt zum Rheinbund, starb. Während der Minderjährigkeit des Erbprinzen Friedrich Günther führte dessen Mutter Karoline Luise, geborene Prinzessin von Hessen-Homburg, die Vormundschaft und Regierung bis 1814. Nachdem in diesem Jahr der junge Fürst die Regierung selbst übernommen hatte und Mitglied des Deutschen Bundes geworden war, wurden 1816 die Lehnsverhältnisse zu Preußen, an welches alle Rechte der Krone Sachsen an das Haus Schwarzburg übergegangen waren, dann 1823 die zu Sachsen-Gotha und 1825 die zu Sachsen-Coburg durch Abtretungen und Umtausch von Gebietsteilen geordnet. Am 2. Januar 1816 verlieh der Fürst dem Land eine Verfassung. Trotzdem wurde das Ländchen 1848, während der bürgerlichen Revolution, von Unruhen heimgesucht, doch gelang der Bürgerwehr und dem Militär die Wiederherstellung der alten Ordnung. Eine neue, den fürstlichen Interessen günstige Verfassung des Fürstentums kam erst 21. März 1854 zustande, und mit Zustimmung des Landtags wurden viele 1848 erlassene fortschrittlichen Gesetze wieder aufgehoben. Nachdem die Regierung am 14. Juni 1866 (Deutschen Krieg) gegen den österreichischen Antrag der Mobilmachung der Bundesarmeekorps gegen Preußen stimmte, trat sie auf Grund des Vertrags vom 18. August 1866 dem Norddeutschen Bund bei. Die schwarzburg-rudolstädtischen Truppen wurden vom 1. Oktober 1867 an mit den reußischen (Gera und Greiz) und altenburgischen zum 7. thüringischen Infanterieregiment Nr. 96 vereinigt. Am 28. Juni 1867 starb Fürst Günther und es folgte ihm, da er nur Nachkommen aus morganatischer (nicht standesgemäßer) Verbindung hinterließ, sein Bruder Fürst Albert, diesem am 26. November 1869 sein Sohn Georg. Durch Verweigerung der Erhöhung der Steuern erreichte der Landtag am 16. November 1870 die Bewilligung eines freiheitlichen Wahlgesetzes. Seit 18. Januar 1871 gehört Schwarzburg-Rudolstadt dem Deutschen Reich. an. Von 1890 bis 1918 regierte Fürst Günther Victor als letzter Monarch des Landes. Da 1909 Linie Schwarzburg-Sondershausen mit dem Tod Fürst Carl Günther ausstarb, regierte Fürst Günther Victor von Schwarzburg-Rudolstadt auch das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen bis 1918 in Personalunion.