Berlin, Palais des Reichskanzlers

Reichskanzler

Übersicht der Reichskanzler 1867-1945, Vorsitzende des Ministerrates der DDR 1949-1990 und Bundeskanzler seit 1949.

Der Reichskanzler im Deutschen Reich (1871 – 1918) hat im Namen des Kaisers die Ausführung der Reichsgesetze zu überwachen, die Verwaltung und Beaufsichtigung der verfassungsgemäßen Angelegenheiten des Reiches zu leiten und die kaiserlichen Erlasse gegenzuzeichnen. Ihm sind die Chefs der einzelnen Reichsämter unterstellt. Ein Zentralbüro, die Reichskanzlei, vermittelt den Verkehr mit den Chefs der einzelnen Ressorts.

Reichskanzler Palais
Berlin, Reichskanzler Palais

Das ehemalige Palais Radziwill in der Berliner Wilhelmstraße Nr. 77 wurde 1878 auf Veranlassung Otto von Bismarcks als Reichskanzlei umgestaltet und bis 1945 von allen nachfolgenden Reichskanzlern genutzt.

Reichskanzler im alten Reich

Deutschland 1786
Deutschland 1786

Im alten Deutschen Reich (Heiliges römischen Reich deutscher Nation 911 – 1806) ist der Reichskanzler ein Erzamt (oberstes Hofamt). Unter den ersten deutschen Königen war meist der Erzbischof von Salzburg Kanzler, seit Heinrich II. meist der von Mainz. Die Kanzlei für Italien entstand 962 und wurde von italienischen Bischöfen verwaltet, erst seit Konrad II. vom Erzbischof von Köln. Da somit zwei Erzbischöfe ein Kanzleramt hatten, kam für den dritten, den von Trier, seit Ende des 13. Jahrhunderts als leerer Titel die Bezeichnung Kanzler für Gallien und Burgund in Gebrauch. 

Karl Theodor von Dalberg

Karl Theodor von Dalberg

* 08.02.1744 auf Stammschloß Herrnsheim , † 10.02.1817 in Regensburg; letzter Kurfürst von Mainz und Kurerzkanzler

Irgendwelche Tätigkeit hatten diese Erzkanzler nicht, dafür war der vom König ernannte Kanzler da, seit Friedrich I. „Hofkanzler“ genannt, meist ein hoher Geistlicher. Später bekleidete der Kurfürst von Mainz ständig allein als Kurerzkanzler dieses Erzamt. Dessen ständiger Vertreter am kaiserlichen Hof war der vom Reichskanzler ernannte Reichsvizekanzler (Reichshofvizekanzler), der zugleich Mitglied des Reichshofrats und der eigentliche Reichsminister war. Letzter Reichskanzler des alten Reiches (HRRDN) war Karl Theodor von Dalberg.

Rheinbund, Deutscher Bund und Norddeutscher Bund

Während der Zeit des Rheinbundes 1806 – 1813 und des Deutschen Bundes (1815 – 1866) gab es das Amt des Reichskanzlers nicht. Der Rheinbund war einen Vasallenstaat Frankreichs und der Deutsche Bund war kein Einheitsstaat sondern nur ein Staatenbund. Erst mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 wurde das Amt des Reichskanzlers wieder eingeführt. Erster und einziger Reichskanzler des Norddeutschen Bundes war Otto von Bismarck.

Reichskanzler im Deutschen Reich 1871 – 1918 (Kaiserreich)

Deutsches Reich 1871-1918 (Kaiserreich), Landkarte
Deutsches Reich 1871-1918 (Kaiserreich), Landkarte
Berlin, Reichskanzlei
Berlin, Reichskanzlei

Im Deutschen Reich 1871 – 1918 (Kaiserreich) hat der Reichskanzler, ebenso wie der frühere Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, eine Doppelstellung. Der Reichskanzler, der vom Kaiser ernannt wird, ist nämlich einerseits preußischer Bevollmächtigter zum Bundesrat, der den Preußen zukommen den Vorsitz in dieser Versammlung führt; anderseits ist er der alleinige verantwortliche Reichsminister. Der Reichskanzler ist der Gehilfe des Kaisers, namentlich bei der Vertretung des Reiches auswärtigen Staaten gegenüber; er ist der Leiter der gesamten Reichsverwaltung und der Vorgesetzte aller Reichsbehörden; er steht dem Kaiser bei der Überwachung der Ausführung der Reichsgesetze zur Seite; durch ihn werden die erforderlichen Vorlagen nach Maßgabe der Beschlüsse des Bundesrats im Namen des Kaisers an den Reichstag gebracht. Alle Anordnungen und Verfügungen des Kaisers bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung des Reichskanzlers, der dadurch die Verantwortlichkeit übernimmt; dies gilt auch für die Verkündigung von Reichsgesetzen. Nicht berührt werden von dieser Vorschrift die rein militärischen Befehle, die der Kaiser in seiner Eigenschaft als Bundesfeldherr erteilt.

Arbeitszimmer des Reichskanzlers Otto von Bismarck
Arbeitszimmer des Reichskanzlers

Jene Verantwortlichkeit des Reichskanzlers ist übrigens vorwiegend eine politische; ein Verantwortlichkeitsgesetz fehlt; ein Anklagerecht des Reichstags besteht nicht. Wie aber die Machtstellung des Bundespräsidiums darauf beruht, dass es mit dem mächtigsten Staate verbunden ist, so ist auch die Übereinstimmung, wenn nicht sogar die Einheitlichkeit der ministeriellen Leitung des Deutschen Reiches und Preußens eine Bedingung der Stärke und des Einflusses der Reichsregierung. Rechtlich notwendig war die Vereinigung der Stellung des Reichskanzlers und des preußischen Ministerpräsidenten in Einer Person keineswegs, wohl aber politisch zweckmäßig, wenn nicht unentbehrlich. Durch Reichsgesetz vom 17. März 1878 ist bestimmt, dass für den gesamten Umfang der Geschäfte und Obliegenheiten des Reichskanzlers ein Generalstellvertreter (Reichsvizekanzler) allgemein ernannt werden kann. Auch können für diejenigen einzelnen Amtszweige, die sich in der eignen und unmittelbaren Verwaltung des Reiches befinden, die Vorstände der dem Reichskanzler untergeordneten obersten Reichsbehörden mit der Stellvertretung des Kanzlers im ganzen Umfang oder in einzelnen Teilen ihres Geschäftskreises beauftragt werden. Doch kann der Reichskanzler jede Amtshandlung auch während der Dauer einer Stellvertretung selbst vornehmen. Das Büro, das den amtlichen Verkehr mit den Vorständen der einzelnen Reichsämter (Reichsbehörden) vermittelt, heißt Reichskanzlei. Erster Reichskanzler vom 18. Januar 1871 bis 20. März 1890 war Otto von Bismarck.

Otto von Bismarck

Otto von Bismarck

* 01.04.1815 Schönhausen/Elbe (Reg.-Bez. Magdeburg), † 30.07.1898 Gut Friedrichsruh in Sachsenwald (bei Hamburg). Reichskanzler des Norddeutschen Bundes (1867 - 1870) und des Deutschen Reichs (1871 - 1890)

Otto von Bismarck gilt als der eigentliche Gründer des Deutschen Reichs und war als Reichskanzler, zuvor schon im Norddeutschen Bund, fast ein viertel Jahrhundert im Amt. Nach der Einheit 1871 galt sein ganzes Bestreben dem Zusammenwachsen des Reiches, der Friedenssicherung und das Kräfteverhältnis in Europa durch Isolation Frankreichs in der Zusammenarbeit mit Russland und Österreich-Ungarn zu sichern. Als Wilhelm II. 1888 den Thron bestieg kam es zwischen dem alten erfahren Reichskanzler und dem jungen selbstbewussten Kaiser zum Konflikt, der nun seinerseits seine Vorstellungen von einem modernen Deutschland durchsetzten wollte. Die unwürdige Form seiner Entlassung brachte Bismarck in offenen Gegensatz zum „Neues Kurs“ des Kaisers.

Georg Leo Graf von Caprivi

Leo Graf von Caprivi de Montecuccoli

* 24.02.1831 in Charlottenburg, † 06.02.1899 in Skyren (Brandenburg); zweiter Reichskanzler vom 20.03.1890 bis 26.10.1894

Als Nachfolger Bismarcks hatte man allgemein den General von Waldersee erwartet, aber Kaiser Wilhelm II. entschloss sich für General Caprivi. Als erste Handlung seiner rund vierjährigen Amtszeit verlängert er den Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht und so kam es zur Annäherung zwischen Frankreich und Russland. Caprivi gelang es nicht nun seinerseits die Beziehungen zu Frankreich zu verbessern. Mit Großbritannien, das er für „den einzigen natürlichen Verbündeten“ hielt, schloss er am 1. Juli 1890 den Helgoland-Sansibar-Vertrag, der Deutschland u.a. die Insel Helgoland wiederbrachte. Da er die gegen England gerichtete Flottenaufrüstung nicht mittragen wollte, reichte er sein Abschiedsgesuch ein, was der Kaiser auch sofort annahm.

Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst

Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst

* 31.03.1819 in Rotenburg an der Fulda, † 06.07.1901 Bad Ragaz (Sankt Gallen, Schweiz); dritter Reichskanzler vom 29.10.1894 bis 17.10.1900

Hohenlohe-Schilligsfürst war bereits 75 Jahre als Kaiser Wilhelm II. ihn zum dritten Reichskanzler ernannte. Zuvor war er von 1866 bis 1870 Ministerpräsident in Bayern, galt als preußenfreundlich und unterstützte die Gründung des Deutschen Reichs. Trotz seines Alters weiß er genau was er will und kann sich auch durchsetzten. Außenpolitisch steht er zwischen England und Frankreich/Russland. Hohenlohe-Schilligsfürst ist nicht nur mit der Kaiserin Auguste Viktoria verwandt, sondern auch ein Vetter der Queen Victoria, die ihn lobend „My much cherished cousin“ nennt.

Bernhard Fürst von Bülow

Bernhard Fürst von Bülow

* 03.05.1849 in Klein-Flottbek bei Altona, † 28.10.1929 in Rom; vierter Reichskanzler vom 17.10.1900 bis 14.07.1909

Bernhard Fürst von Bülow sollte nach dem Willen Kaiser Wilhelms II.mein Bismarck werden„. 1874 trat Bülow ins Auswärtige Amt ein und erkannte 1878-84 an die Pariser Botschaft versetzt frühzeitig die Unversöhnlichkeit Frankreichs. 1888 wurde er Gesandter in Bukarest und 1893 Botschafter in Rom. Er stand dem „Neuen Kurs“ des Kaisers, besonders aber dessen Freund Philipp Eulenburg und Geheimrat Holstein sehr nahe. Bülow galt als sehr geschmeidig und selbstsicher, sprach mehrere Sprachen und war ein hervorragender Unterhalter, aber auch ein Opportunist reinster Prägung und ein Blender par excellence. Als Reichskanzler unterstützte er die Flottenaufrüstung von Tirpitz ebenso wie die verhängnisvolle Balkanpolitik Österreich-Ungarns. Nach der „Daily Telegraph“-Affäre ist seine Stellung schwer erschüttert und er auch nach rund 9 Jahren  amtsmüde. Als der Reichstag das Erbschaftssteuergesetz in zweiter Lesung ablehnt tritt Bernhard von Bülow am 14. Juli 1909 als Reichskanzler zurück.

Reichskanzler von Bethmann Hollweg

Theobald von Bethmann Hollweg

* 29.11.1856 in Hohenfinow (Brandenburg), † 01.01.1921 in Hohenfinow; fünfter Reichskanzler vom 14.07.1909 bis 13.07.1917

Bethmann Hollweg war 1899 Oberpräsident von Brandenburg, 1905 preußischer Innenminister, 1907 Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren, als ihn Kaiser Wilhelm II. am 14. Juli 1909 zum fünften Reichskanzler ernennt. In seinem Amt gibt er sich sowohl in der Innen- wie auch der Außenpolitik wenig entschlussfreudig und meist ziellos; seine völlig falsche Auffassung von der Weltlage führte trotz aller friedlichen Politik, besonders in der Verständigungsbereitschaft mit Großbritannien, zum Verhängnis für Deutschland als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Bethmann Hollweg war gleichfalls nicht in der Lage die Probleme, vor die ihn der Krieg stellte, zu meistern und so musste er am 13. Juli 1917 insbesondere auf Betreiben General Ludendorffs zurücktreten.

Georg Michaelis

Georg Michaelis

* 08.09.1857 Haynau (Schlesien), † 24.07.1936 in Bad Saarow (Brandenburg); sechster Reichskanzler vom 14.07.1917 bis 01.11.1917

Georg Michaelis, seit 1879 im preußischen Staatsdienst, 1909 Unterstaatsekretär, 1915 Leiter der Reichsgetreidestelle, 1917 Staatskommissar für Volksernährung folgte am 14. Juli 1917 als sechster Reichskanzler. Michaelis war den gewaltigen Aufgaben in der Kriegszeit in keinster Weise gewachsen und seine Berufung durch Kaiser Wilhelm II. eine Notlösung. Als er anlässlich der Erörterung der Meuterei in der Kaiserlichen Marine die USPD-Abgeordneten als Vaterlandsverräter brandmarkte, forderten die Mehrheitsparteien seinen Rücktritt und der Kaiser ließ ihn nach dreieinhalb Monaten im Amt fallen. 

Georg Graf von Hertling

Georg Graf von Hertling

* 31.08.1843 in Darmstadt † 04.01.1919 in Ruhpolding; siebenter Reichskanzler vom 01.11.1917 bis 30.09.1918

Georg Graf von Hertling, ein katholischer Philosoph und Politiker, war von 1912 – 1917 Ministerpräsident in Bayern, ehe er am 1. November 1917, mitten im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918), von Kaiser Wilhelm II. zum siebenten Reichskanzler ernannt wurde. Er missbilligte den Frieden von Brest-Litowsk mit Sowjetrussland, konnte sich aber gegen die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff nicht durchsetzen. Am 30. September 1918 wurde Georg Graf von Hertling nach elf Monaten im Amt vom Kaiser entlassen.

Max von Baden

Max von Baden

* 10.07.1867 in Baden-Baden, † 06.11.1929 in Salem (Baden); achter Reichskanzler vom 03.10.1918 bis 09.11.1918

Max von Baden war bis November 1918 Thronerbe, bis 1911 im aktiven Militärdienst, im Ersten Weltkrieg bis Herbst 1914 im Generalstab des 14. Armeekorps an der Front, dann in der Gefangenenfürsorge, besonders im Gefangenenaustausch, tätig. Aufgrund dieser Tätigkeit und seiner liberalen Einstellung wurde er als geeignet angesehen, das von der Obersten Heeresleitung verlangte Waffenstillstandsangebot durchzuführen. So ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. zum achten und letzten Reichskanzler des Kaiserreichs. Seiner Gesinnung entsprechend begann Max von Baden die Parlamentarisierung der Reichsregierung und erließ widerstrebend das Waffenstillstandsangebot vom 5. Oktober 1918 aufgrund der 14 Punkte des us-amerikanischen Präsidenten Wilson. Max von Baden war aber Wilsons Skrupellosigkeit nicht gewachsen und ließ sich immer weiter von der ursprünglichen Verhandlungsgrundlage abdrängen. Hinzu kam eine schwere Grippeerkrankung in den entscheidenden Tagen. Am 9. November 1918 verkündete er die Abdankung Kaiser Wilhelms II., die dieser aber gar nicht erklärt hatte und übergab das Amt des Reichskanzlers an Friedrich Ebert (SPD), der es bis 13. Februar 1919 als „Volksbeauftragter“ fortführte.
Friedrich Ebert

Friedrich Ebert

* 04.02.1871 in Heidelberg, † 28.02.1925 in Berlin; am 11. Februar 1919 von der Nationalversammlung in Weimar zum provisorischen Reichspräsidenten gewählt, SPD

Reichskanzler der Weimarer Republik 1919 – 1933

Deutsches Reich und Deutsch-Österreich 1919
Deutsches Reich und Deutsch-Österreich 1919

Bis 1918 wurden die Reichskanzler vom Kaiser ernannt und entlassen. Eine parlamentarische Verantwortlichkeit bestand nicht. Erst durch die Weimarer Verfassung wurde der Reichskanzler dem Reichstag verantwortlich, so das dieser ihn zum Rücktritt zwingen konnte. Nach der Verfassung wurde der Reichskanzler vom Reichspräsidenten ernannt und entlassen.

Philipp Scheidemann

Philipp Scheidemann

* 26.07.1865 in Kassel, † 29.11.1939 in Kopenhagen; Reichskanzler vom 13.02. bis 20.06.1919, SPD

Philipp Scheidemann (SPD) ruft am 9. November 1918 von einem Fenster des Reichstages mit den Worten „Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt…“ die erste deutsche Republik aus. Am 13. Februar 1919 wird er  als Reichsministerpräsident Nachfolger Friedrich Eberts. Da er die Bedingungen des Versailler Vertrags nicht akzeptieren will, „Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in solche Fesseln legte!“, tritt er am 20. Juni 1919 zurück.

Gustav Bauer

Gustav Bauer

* 06.01.1870 in Darkehmen (Ostpreußen), † 16. 09.1944 in Berlin; Reichskanzler vom 21.06.1919 bis 26.03.1920, SPD

Gustav Bauer übernahm das Amt noch als „Reichministerpräsident“ und unterschrieb unter Protest den Versailler Vertrag. Nach dem Kapp-Putsch verlor er das Vertrauen seiner Partei (SPD), musste zurücktreten und wurde unter seinem Nachfolger Hermann Müller Reichsschatzminister.

Hermann Müller

* 18.03.1876 in Mannheim, † 20.03.1931 in Berlin; Reichskanzler (erste Amtszeit) vom 27.03.1920 bis 08.06.1920, SPD

Erste Amtszeit: Hermann Müller war Schriftleiter der „Görlitzer Volkszeitung“, seit 1906 im Vorstand der SPD und seit 1916 im Reichstag. Als Reichsaußenminister (Juni 1919 bis März 1920) fand er sich bereit den Versailler Vertrag zu unterzeichnen. In seiner ersten Amtszeit von März bis Juni 1920 war er nicht einmal 3 Monate Reichskanzler.

Constantin Fehrenbach

Constantin Fehrenbach

* 11.01.1852 in Wellendingen (Baden), † 26.03.1926 in Freiburg; Reichskanzler vom 25.06.1920 bis 04.05.1921, Zentrum

Der Zentrumspolitiker Constantin Fehrenbach war von Juni 1920 bis Mai 1921 elf Monate im Amt des Reichskanzlers. Von 1918 bis 1920 war er Präsident des Reichstages bzw. der Weimarer Nationalversammlung. Während seiner Amtszeit führte er die deutsche Delegation auf den Konferenzen von Spa und London.

Joseph Wirth

Joseph Wirth

* 06.09.1879 in Freiburg, † 03.01.1956 in Freiburg; Reichskanzler vom 10.05.1921 bis 14.11.1922, Zentrum

Joseph Wirth war von 1914 bis 1918 und 1920 bis 1933 Mitglied des Reichstages. Von Mai 1921 bis November 1922 war er für 18 Monate Reichskanzler. 1922 schloss er mit Sowjetrussland den Vertrag von Rapollo der die Beziehungen beider Staaten normalisierte.

Wilhelm Cuno

Wilhelm Cuno

* 02.07.1876 in Suhl (preuß. Regbez. Erfurt), † 03.01.1933 in Aumühle bei Hamburg; Reichskanzler vom 22.11.1922 bis 12.08.1923, parteilos

Wilhelm Cuno war von November 1922 bis August 1923 rund 9 Monate im Amt des Reichskanzlers. 1918 war er Generaldirektor der Hapag. Als 1923 Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet militärisch besetzen verkündete er den passiven Widerstand. Der Streikaufruf trieb Deutschland in den finanziellen Ruin und so stellten die Sozialdemokraten ein Misstrauensvotum gegen ihn.

Gustav Stresemann

Gustav Stresemann

* 10.05.1878 in Berlin, † 03.10.1929 in Berlin; Reichskanzler vom 13.08.1923 bis 23.11.1923, DVP

Gustav Stresemann ist der Mitbegründer der Deutschen Volkspartei (nationalliberal) und wurde im August 1923 für rund dreieinhalb Monate Reichskanzler einer großen Koalition und war von 1923 bis 1929 Reichsaußenminister. 1923 beendete er den Ruhrkampf. Mit der Annahme des Dawesplans und den Abschluss des Locarnovertrages schuf er die Grundlage einer Verständigungspolitik die zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund führte. 1926 erhielt er zusammen mit dem französischen Politiker Aristide Briand des Friedensnobelpreis.

Wilhelm Marx

Wilhelm Marx

* 15.01.1863 in Köln, † 05.08.1946 in Bonn; Reichskanzler (erste Amtszeit) vom 30.11.1923 bis 15.01.1925, Zentrum

Erste Amtszeit: Wilhelm Marx war von 1910 bis 1933 im Reichstag, seit 1921 als Vorsitzender der katholischen Zentrumspartei. Während seiner ersten Amtszeit 1923/24 setzte er, gestützt auf ein Ermächtigungsgesetz vom 4. Dezember 1923, den Dawes-Plan der die Reparationszahlungen Deutschlands an die Siegermächte des Ersten Weltkrieges regelte durch. Marx befürwortete auch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Verdient machte er sich um die Überwindung der Inflation. Als die Deutschnationalen in die Reichsregierung eintreten tritt er zurück.

Hans Luther

Hans Luther

* 10.03.1879 in Berlin, † 11.05.1962 in Düsseldorf; Reichskanzler vom 15.01.1925 bis 12.05.1926, parteilos

Hans Luther führte 1923 als Reichsfinanzminister die Währungsreform durch. Von Januar 1925 bis Mai 1926 war er für rund 16 Monate Reichskanzler. 1927 trat er in die Deutsche Volkspartei (nationalliberal) ein und war von 1930 bis 1933 Reichsbankpräsident.

Wilhelm Marx

Wilhelm Marx

* 15.01.1863 in Köln, † 05.08.1946 in Bonn; Reichskanzler (zweite Amtszeit) vom 17.05.1926 bis 12.06.1928, Zentrum

Zweite Amtszeit: Im Juli 1926 wurde Wilhelm Marx zum zweiten Mal Reichskanzler und blieb es dieses mal auch als die Deutschnationalen wieder in die Reichsregierung eintraten.

Hermann Müller

* 18.03.1876 in Mannheim, † 20.03.1931 in Berlin; Reichskanzler (zweite Amtszeit) vom 28.06.1928 bis 27.03.1930, SPD

Zweite Amtszeit: Hermann Müller übte das Amt des Reichskanzlers von Juni 1928 bis März 1930 erneut aus. Er nahm den Young-Plan, der letzte der Reparationspläne, die die Zahlungsverpflichtungen des Deutschen Reichs auf Grundlage des Versailler Vertrags regelten, an und setzte dessen Annahme im Reichstag durch, nachdem er das Volksbegehren dagegen bekämpft hatte. Da er seine Partei nicht zur Annahme des unpopulären Moldenhauerschen Steuerplans bringen konnte trat er, bereits schwer erkrankt, 1930 zurück.

Heinrich Brüning

Heinrich Brüning

* 26.11.1885 in Münster in Westfalen, † 30.03.1970 in Norwich/Vermont (USA); Reichskanzler vom 30.03.1930 bis 30.05.1932, Zentrum

Heinrich Brüning (Zentrum) wurde am 30. März 1930 von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Gegen die Mehrheit des Parlaments setzte Brüning 44 Notverordnungen durch. Er versuchte die Deutschen mit der Einführung einer 4-Pfennig-Münze, die im Volksmund „Armer Heinrich“ oder „Brüning-Taler“ genannt wurde zur Sparsamkeit anzuregen. Bei jeder Lohnzahlung mussten 2 Mark in 4-Pfennig-Stücken ausgezahlt werden.

Franz von Papen

Franz von Papen

* 29.10.1879 in Werl (Westfalen), † 02.05.1969 in Obersasbach (Baden); Reichskanzler vom 01.06.1932 bis 17.11.1932, Zentrum, ab 03.06.1932 parteilos

Franz von Papen (Zentrum) war von seinem alten Freund Kurt Schleicher vorgeschlagen worden, da sich Hindenburg weigerte Hitler zum Kanzler zu ernennen, das Amt des Vizekanzlers lehnte Hitler ab. Der Reichspräsident ernannte von Papen am 1. Juni 1932 zum Reichskanzler, aber er besaß noch weniger Rückhalt im Parlament als sein Vorgänger. Von Papen wollte die Verfassung ändern und einen „neuen Staat“ mit noch weniger Demokratie entstehen lassen. Mit dem „Preußenschlag“ (die Regierung Preußens wurde durch einen Reichskommissar ersetzt) brachte er den Freistaat Preußen unter seine Kontrolle. Nach nicht einmal 6 Monaten Amtszeit trat er am 17. November 1932 nach einem verlorenen Misstrauensvotum zurück.

Kurt von Schleicher

Kurt von Schleicher

* 07.04.1882 in Brandenburg, † 30.06.1934 in Berlin (ermordet); Reichskanzler vom 03.12.1932 bis 28.01.1933, parteilos

Da Hindenburg eine Kanzlerschaft Hitlers erneut ablehnte wurde der bisherige Reichswehrminister Kurt von Schleicher zum Reichskanzler ernannt. Schleicher versuchte die Nationalsozialisten zu spalten, was aber scheiterte. Nach nur zwei Monaten im Amt erklärte er am 28. Januar 1933 seinen Rücktritt und empfahl dem Reichspräsidenten Adolf Hitler zu seinem Nachfolger zu ernennen. Schleicher wurde anderthalb Jahre später im Zuge des sogenannten Röhm-Putsches erschossen.

Reichskanzler zur Zeit des Nationalsozialismus 1933 – 1945 (Drittes Reich)

Adolf Hitler

Adolf Hitler

* 20.04.1889 in Braunau am Inn, † 30.04.1945 (Selbstmord) in Berlin; als "Führer und Reichskanzler" vom 30.01.1933 bis 30.04.1945, NSDAP

Adolf Hitler wurde am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler einer Koalitionsregierung ernannt, nachdem der gebürtige Österreicher erst am 25. Februar 1932 durch den Freistaat Braunschweig die Staatsangehörigkeit eines deutschen Bundesstaates verliehen bekam. Während der 18monatigen Phase der Machtergreifung schuf er sich eine unangreifbare Stellung als Diktator. Nach dem Tod Hindenburgs übertrug er sich die Befugnisse des Reichspräsidenten und nannte sich fortan „Führer und Reichskanzler“. Zunächst erzielte er große innen- und außenpolitische Erfolge und wurde vom amerikanischen Nachrichtenmagazin „Time“ 1938 als „Man of the Year“ gekürt. Beginnend mit dem Überfall auf Polen gilt er als Hauptverantwortlicher für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945). Mit dem Krieg und seinem Programm zur „Endlösung der Judenfrage“ ist er schuldig am Tod vieler Millionen Menschen. Am 30. April 1945 beging er mit seiner kurz zuvor geheirateten Frau Eva Braun (1912 – 1945) im Bunker der Reichskanzlei Selbstmord.

Josef Goebbels

Josef Goebbels

* 29.10.1897 in Rheydt (Rheinland), † 01.05.1945 (Selbstmord) in Berlin; Reichskanzler vom 30.04.1945 bis 01.05.1945, NSDAP

Hitler bestimmte Josef Goebbels testamentarisch zu seinem Nachfolger im Reichskanzleramt. Zuvor war Goebbels seit 1933 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, sowie Präsident der Reichskulturkammer. In seiner neuen Funktion als Reichskanzler ersuchte er am 1. Mai 1945 die Sowjetunion um einen Waffenstillstand, Stalin beharrte jedoch auf einer bedingungslosen Kapitulation. Daraufhin beging er mit Frau und Kindern Selbstmord. Goebbels gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes.

Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk

Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk

* 22.08.1887 in Rathmannsdorf (Anhalt), † 04.03.1977 in Essen; Leiter der "Geschäftsführenden Reichsregierung" und Außenminister vom 02.05.1945 bis 23.05.1945

Reichspräsident Karl Dönitz ernannte Graf Schwerin von Krosigk am 2. Mai 1945 zum Leiter der „Geschäftsführenden Reichsregierung“ und Außenminister. Am 23. Mai wurde Karl Dönitz mit den übrigen Mitgliedern der in Mürwik bei Flensburg residierenden geschäftsführenden Reichsregierung in Kriegsgefangenschaft genommen. Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk wurde 1949 im „Wilhelmstraßenprozess“ in Nürnberg zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, aber schon 1951 vorzeitig wieder entlassen.

Besatzungszonen 1945 – 1949

Mit der Berliner Deklaration vom 5. Juni 1945 übernehmen die vier Siegermächte, USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich, die Oberste Regierungsgewalt in Deutschland. Schon am 12. September 1944 hatten die Alliierten die „Neuordnung Deutschlands“ im „Londoner Protokoll“ beschlossen. Das Deutsche Reich wird in 4 Besatzungszonen und Berlin in 4 Sektoren aufgeteilt, in denen die Militärgouverneure nach eigenem Ermessen handeln. Auf der Potsdamer Konferenz, vom 17. Juli – 2. August 1945, einigen sich die Vier Mächte auf politische Grundsätze für die Behandlung Deutschlands: Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Dezentralisierung, Dekartellisierung und Demokratisierung. Außerdem wird beschlossen, die deutschen Gebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße bis zu einem Friedensvertrag unter polnische sowie sowjetische Verwaltung zu stellen und die dortige deutsche Bevölkerung ebenso wie die Deutschen aus der Tschechoslowakei und Ungarn auszusiedeln; 12 Millionen Deutsche werden so aus ihrer Heimat vertrieben. Als Folge des Kalten Krieges schreitet nun auch die politische Teilung Deutschlands voran.

Deutschland Karte der Besatzungszonen (Karte der Militärregierung)
Deutschland Karte der Besatzungszonen (Karte der Militärregierung)

Mit den „Frankfurter Dokumenten“ fordern die Westmächte die Ministerpräsidenten der 1946/47 gegründeten Länder am 1. Juli 1948 auf, mit der Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung die Gründung eines westdeutschen Staates einzuleiten. Die Ministerpräsidenten wollen jedoch nur einen provisorischen Staat mit lediglich einem Grundgesetz statt einer Verfassung schaffen. Mit der Ausarbeitung dieses Grundgesetzes wird ein Parlamentarischer Rat beauftragt, der am 1. September 1948 in Bonn zusammentritt. Nach der Genehmigung durch die Militärgouverneure und der Zustimmung der Länderparlamente (mit Ausnahme des bayerischen) tritt das Grundgesetz dann am 24. Mai 1949 in Kraft. Die Bundesrepublik Deutschland ist gegründet. In der Sowjetischen Besatzungszone kommt die Gründung eines separaten Staates 1949 zum Abschluss. Aus der „Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden“ geht im März 1948 der 1. Deutsche Volksrat hervor, der die Verfassung einer Deutschen Demokratischen Republik ausarbeitet und am 19. März 1949 formell beschließt. Der 2. Deutsche Volksrat, der am 7. Oktober zusammentritt, erklärt sich zur provisorischen Volkskammer und beauftragt Otto Grotewohl mit der Regierungsbildung. Damit ist als zweiter deutscher Staat die DDR gegründet.

Vorsitzende des Ministerrates (Ministerpräsidenten) der DDR 1949 – 1990

Otto Grotewohl

Otto Grotewohl

* 11.03.1894 in Braunschweig, † 21.09.1964 in Berlin; Ministerpräsident vom 12.10.1949 bis 21.09.1964, SED

Otto Grotewohl war von 1925 bis 1933 Mitglied des Reichstages (SPD). Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde er 1938 inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) war er Vorsitzender der SPD in Berlin und Mitgründer und Mitvorsitzender der SED, der Vereinigung aus SPD und KPD. Grotewohl war bis zu seinem Tod 1964 fast 15 Jahre Ministerpräsident der DDR.

Willi Stoph

Willi Stoph

* 09.07.1914 in Berlin, † 13.04.1999 in Berlin; Vorsitzender des Ministerrates der DDR vom 24.09.1964 bis 03.10.1973 (erste Amtszeit) , SED

Willi Stoph, von Beruf Maurer, war seit 1931 Mitglied der KPD. Seit 1953 Mitglied des Politbüros der SED, 1952 bis 1955 Innenminister, 1956 bis 1960 Verteidigungsminister wurde er 1959 Armeegeneral. Von 1964 bis 1973 war seine erste Amtzeit als Vorsitzender des Ministerrates (Ministerpräsident) der DDR. 1973 wurde er Vorsitzender des Staatsrates der DDR.

Horst Sindermann

Horst Sindermann

* 05.09.1915 in Dresden, † 20.04.1990 in Berlin; Vorsitzender des Ministerrates der DDR vom 03.10.1973 bis 29.10.1976, SED

Horst Sindermann war seit 1967 Mitglied des Politbüros der SED und von 1973 bis 1976 Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Seit 1976 Präsident der Volkskammer verlor er nach der friedlichen Revolution 1989 alle politischen Ämter und wurde aus der SED ausgeschlossen. Als er 1990 starb wurde grade ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet.

Willi Stoph

Willi Stoph

* 09.07.1914 in Berlin, † 13.04.1999 in Berlin; Vorsitzender des Ministerrates der DDR vom 29.10.1976 bis 13.11.1989 (zweite Amtszeit), SED

Willi Stoph war von 1973 bis 1976 Vorsitzender des Staatsrates der DDR. 1976 begann seine zweite Amtszeit als Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Nach der friedlichen Revolution 1989 verlor er alle politischen Ämter und wurde aus der SED ausgeschlossen. 1992 wurde wegen der Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze Anklage gegen ihn erhoben.

Hans Modrow

Hans Modrow

* 27.01.1928 in Jasenitz (Pommern) Vorsitzender des Ministerrates der DDR vom 13.11.1989 bis 12.04.1990, SED

Hans Modrow war von Beruf Schlosser, seit 1949 Mitglied der SED und 1967 bis 1989 Mitglied des ZK der SED. Von 1973 bis 1989 war er 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden. 1989 wurde er der letzte Vorsitzender des Ministerrates der DDR und verlor nach den ersten freien Wahlen 1990 in der DDR sein Amt. 1990 wurde er Ehrenvorsitzender der PDS, war von 1990 bis 1994 als Abgeordneter der PDS Mitglied im Bundestag und von 1999 bis 2004 Mitglied im Europaparlament.

Lothar de Maizière

Lothar de Maizière

* 02.03.1940 in Nordhausen (Thüringen) Ministerpräsident vom 12.04.1990 bis 02.10.1990 (CDU)

Lothar de Maizière trat 1956 in die CDU der DDR ein. Seit 1975 war er als Rechtsanwalt tätig und engagierte sich in der evangelischen Kirche. Nach der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR war er von November 1989 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 Vorsitzender der CDU (Ost). Vom 12. April bis 2. Oktober 1990 war er der erste demokratisch gewählte und zugleich letzte Ministerpräsident der DDR. Nach dem Beitritt der DDR zur BRD am 3. Oktober 1990 wurde er Bundesminister für besondere Aufgaben. Nachdem das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am 10 Dezember d.J., veröffentlichte, dass de Maizière bei der Staatssicherheit der DDR als „inoffizieller Mitarbeiter“ (IM Czerni) geführt worden sei, trat er am 19. Dezember d.J. zurück.

Am 3. Oktober 1990 wird der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Art. 23 wird wirksam. Damit endet die Existenz der DDR. Nach 45 Jahren (1945 – 1990) ist die staatliche Einheit Deutschlands wieder hergestellt.

Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland seit  1949

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer

* 05.01.1876 in Köln, † 19.04.1967 in Rhöndorf (bei Bonn); erster Bundeskanzler vom 12.09.1949 bis 15.10.1963, CDU

Konrad Adenauer war als Zentrumspolitiker von 1917 bis 1933 Oberbürgermeister von Köln, als ihn 1933 die Nationalsozialisten des Amtes enthoben. 1934 bis 1944 zeitweise inhaftiert, wurde er 1945 erneut Oberbürgermeister von Köln. Adenauer wurde als 73jähriger 1949 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik (Westdeutschland). Er betrieb eine konsequente Politik der Westintegration, schlug Stalins Angebot auf ein neutrales Gesamtdeutschland nach Vorbild Österreichs aus und begründete den Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland im Ausland. Adenauer betrieb eine Politik: „Lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze Deutschland halb“ und bezeichnete die DDR stets als „Sowjetzone“. Dreimal (1953, 1957 und 1961) wurde er zum Kanzler wiedergewählt.

Ludwig Erhard

Ludwig Erhard

* 04.02.1897 in Fürth, † 05.05.1977 in Bonn; zweiter Bundeskanzler vom 16.10.1963 bis 30.11.1966, CDU

Ludwig Erhard von Beruf Volkswirt war 1945/46 bayerischer Wirtschaftsminister. Mit der Währungsreform und seiner „sozialen Marktwirtschaft“ legt er den Grundstein zu den Wirtschaftswunderjahren. Von 1949 bis 1963 Bundeswirtschaftsminister, seit 1957 Vizekanzler wurde er am 16.10.1963 gegen Adenauers Willen dessen Nachfolger im Amt des Bundeskanzlers. Er setzte die westliche Integrationspolitik und die Wiedergutmachungspolitik gegenüber Israel (1965 Aufnahme diplomatischer Beziehungen) fort. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Koalitionspartner FDP im Oktober 1966 blieb Erhard bis zum 1. 12.1966 Kanzler einer Minderheitsregierung.

Kurt Georg Kiesinger

Kurt Georg Kiesinger

* 06.04.1904 in Ebingen (Württemberg) † 09.03.1988 in Tübingen; dritter Bundeskanzler vom 01.12.1966 bis 20.10.1969, CDU

Kurt Georg Kiesinger von Beruf Anwalt war 1949 bis 1958 und 1969 bis 1980 Mitglied im Bundestag. 1958 bis 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg wurde er 1966 Bundeskanzler einer Großen Koalition von CDU/CSU und SPD. In seiner Amtszeit kam es zur Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zu den sozialistischen Staaten Rumänien und Jugoslawien. Nach den Studentenunruhen 1968 wurden 1969 die Notstandsgesetze verabschiedet.

Willy Brandt

Willy Brandt

* 18.12.1913 in Lübeck, † 08.10.1992 in Unkel (bei Bonn); vierter Bundeskanzler vom 21.10.1969 bis 07.05.1974, SPD

Geboren als Herbert Ernst Karl Frahm, nannte er sich seit 1933 Willy Brandt. Seit 1931 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei emigrierte er 1933 nach Norwegen und 1940 nach Schweden. Von 1957 bis 1966 war er Regierender Bürgermeister von (West-)Berlin. 1966 wurde er in der Großen Koalition Stellvertreter des Bundeskanzlers und 1969 bis 1974 Bundeskanzler. Mit seiner Versöhnungs- und Entspannungspolitik im Osten ermöglichte er den Abschluss des Viermächteabkommens über Berlin (1971). Mit der DDR suchte Brand ein „geregeltes Nebeneinander“ herbeizuführen (Grundvertrag 1972). 1970 trifft er sich mit dem DDR-Ministerratsvorsitzenden Willi Stoph in Erfurt, wo er von einer jubelten Menschenmenge begrüßt wurde. 1973 reist Brandt als erster deutscher Bundeskanzler nach Israel. Nach der Enttarnung seines engsten Mitarbeiters Günter Guillaume als DDR-Spion übernahm er die politische Verantwortung und trat am 6. 5. 1974 zurück.

Helmut Schmidt

Helmut Schmidt (SPD)

* 23.12.1918 in Hamburg, † 10.11.2015 in Hamburg; fünfter Bundeskanzler vom 16.05.1974 bis 01.10.1982, SPD

Helmut Schmidt von Beruf Diplom-Volkswirt von 1953 bis 1962 und 1965 bis 1987 Mitglied des Bundestages. Von 1961 bis 1965 war er Innensenator von Hamburg. Von 1974 bis 1982 war er Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und FDP. In seiner Amtszeit macht er sich als Krisenmanager einen Namen, muss Rezession und wirtschaftliche Krisen bewältigen, versucht in Zeiten des Kalten Krieges eine Eskalation zu verhindern und führt den Kampf gegen die Terrororganisation „Rote Armee Fraktion“. 1981 reist Schmidt zum innerdeutschen Gipfeltreffen und trifft sich mit dem DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker am Werbellinsee und in Güstrow. 1982 vollzog die FDP einen Koalitionswechsel von der SPD zur CDU/CSU und stürzte so Schmidt als Bundeskanzler.

Helmut Kohl

Helmut Kohl

* 03.04.1930 in Ludwigshafen, † 16.06.2017 in Ludwigshafen; sechster Bundeskanzler vom 01.10.1982 bis 27.10.1998, CDU

Helmut Kohl promovierte in Geschichte und war von 1969 bis 1976 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Nach dem Sturz Schmidts bildete er eine Koalitionsregierung aus CDU/CSU und FDP. Hauptaufgaben war die Sanierung des Staatshaushaltes, die Belebung der Wirtschaft und die Anpassung der sozialen Leistungen an die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Gegen große innenpolitische Widerstände setzte er den NATO-Doppelbeschluss von 1979 durch. Nach der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR realisiert die Regierung Kohl gegen starke innen- und außenpolitische Widerstände die deutsche Einheit 1990. Kohl wurde so zum ersten gesamtdeutschen Kanzler und gewann die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen am 2. Dezember 1990. Helmut Kohl war 16 Jahre Bundeskanzler und wurde viermal wiedergewählt.

Gerhard Schröder

Gerhard Schröder

* 07.04.1944 in Mossenberg, Landkreis Detmold; siebter Bundeskanzler vom 27.10.1998 - 22.11.2005, SPD

Gerhard Schröder von Beruf Rechtsanwalt war 1990 bis 1994
Ministerpräsident von Niedersachsen in einer Koalition aus SPD und Grünen. Am 27. Oktober 1998 wird Schröder Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und Grünen. Vizekanzler und Außenminister wird Joschka Fischer (Grüne). Gegen große Widerstände setzt er mit Fischer den Bundeswehreinsatz im Kosovo-Krieg durch, startet den Ausstieg aus der Kernenergie und führt mit der „Agenda 2010“ Arbeitsmarktreformen durch. Außenpolitisch führt er eine Annäherung an Russland und Frankreich durch, was zu einer Verschlechterung der Beziehungen zur USA führt. Nach der Niederlage der SPD 2005 bei den Landtagswahlen in NRW und der deutlichen Übermacht von CDU und FDP im Bundesrat, sieht Schröder die Grundlage seiner Politik infrage gestellt und erklärt sein Ziel, Neuwahlen zu erreichen. Schröder stellt am 1. Juli 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage, verliert erwartungsgemäß; verliert aber auch die vorgezogenen Bundestagswahlen vom 18.09.2005.

Angela Merkel

Angela Merkel

* 17.07.1954 in Hamburg; Bundeskanzlerin seit 22.11.2005, CDU

Angela Merkel, geb. Kasner in Hamburg geboren, aber in der DDR aufgewachsen, ist promovierte Physikerin. 1968 wird sie aktives Mitglied der SED-Jugendorganisation FDJ (Freie Deutsche Jugend). Nach der Wende trat sie der neugegründeten Partei „Demokratischer Aufbruch“ bei, die 1990 in der CDU aufging. Im Kabinett Kohl ist sie von 1990 bis 1998 Familien- und Umweltministerin. 1998 bis 2000 CDU-Generalsekretärin, von 2000 bis 2018 CDU-Vorsitzende. Seit 2005 ist sie als erste Frau Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. 

Parteien

  • SPD – Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Deutsches Reich und BRD)
  • USPD – Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Deutsches Reich), 1916 abgespaltener Teil (Linke) der SPD, Teile gründeten 1919 die KPD
  • DVP – Deutsche Volkspartei (Deutsches Reich), Vorläufer der FDP
  • Zentrum – Deutsche Zentrumspartei – katholische Partei (Deutsches Reich), Vorläufer der CDU
  • ADV – Alldeutscher Verband, Deutschnational (Deutsches Reich)
  • NSDAP – Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Deutsches Reich)
  • FDP – Freie Demokratische Partei (BRD)
  • CDU – Christlich Demokratische Union (BRD und DDR)
  • SED – Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (DDR), 1946 Zusammenschluss aus SPD und KPD, 1990 Umbenennung in PDS, seit 2007 „Die Linke“
  • KPD – Kommunistische Partei Deutschlands (Deutsches Reich und BRD)

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Kleine Deutsche Staatskunde“, E. Stutzer – Dresden und Berlin 1910
  • „Bertelsmann Universallexikon“, in 20 Bänden Gütersloh 1993
  • http://worldstatesmen.org/Germany.html

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