Provinz Rheinland

Provinzhauptstadt Koblenz

Koblenz, Das Deutsche Eck
Koblenz, Das Deutsche Eck

 

Provinz Rheinland (Rheinprovinz)

Die Provinz Rheinland besteht aus den ehemaligen Herzogtümern Kleve, Geldern und Berg, den Fürstentümern Mörs und Lichtenberg, dem Herzogtum Jülich, dem nördlichen und mittleren Teil des Erzbistums Köln und den Herrschaften Homburg, Neustadt und Gimborn, ferner aus den von Nassau eingetauschten Gebieten sowie aus den Standesherrschaften Neuwied, Solms und Wildenburg, den Gebieten der Reichsstädte Wetzlar und Aachen, aus einem Stück von Limburg und Teilen vormaliger französischer Departements, wozu am 24. Dezember 1866 noch das von Hessen erworbene Oberamt Meisenheim kam. Anfangs war sie in zwei gesonderte Provinzen, Kleve-Berg und Niederrhein, geschieden, die 1824 zu einer Provinz vereinigt wurden. Durch Staatsvertrag vom 7. Dezember 1849 wurden die ehemaligen Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen der Rheinprovinz als 6. Regierungsbezirk (Regierungsbezirk Sigmaringen) angegliedert.

Verwaltungshauptstadt:

Koblenz 53.902 Einwohner – 1905 = 78. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Reichstag:

35 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

62 Mitglieder

Größe:

26 995 km²

Gerichtsbezirke:

Die Provinz Rheinland bestehen 2 Oberlandesgerichte, das eine in Köln, das andere in Düsseldorf. Es gehören jedoch außerdem noch Teile der Provinz zu den Bezirken der Oberlandesgerichte in Kassel, Frankfurt (Main) und Hamm (Westf.). Insgesamt sind innerhalb der Provinz vorhanden 13 Landgerichte und 136 Amtsgerichte. Die Einteilung ist folgende:

a) Zum Oberlandesgericht Köln gehören die Regierungsbezirke Köln und Trier, ferner von Regierungsbezirk Aachen die Kreise: Aachen (Stadt- und Landkreis), Düren, Eupen, Geilenkirchen, Jülich, Malmedy, Montjoie (Monschau), Schleiden und ein Teil des Kreises Heinsberg, sowie vom Regierungsbezirk Koblenz die Kreise: Abenau, Ahrweiler, Koblenz (Stadtkreis), Cochem, Kreuznach, Mayen, Meisenheim, St. Goar, Simmern, Zell (Mosel) und ein Teil des Landkreisen Koblenz.

Dem Oberlandesgericht Köln sind unterstellt:

  1. Landgericht Aachen mit den Amtsgerichten: Aachen, Aldenhoven, Blankenheim (Eifel), Düren, Eschweiler, Eupen, Geilenkirchen, Gemünd, Heinsberg, Jülich, Malmedy, Montjoie (Monschau), St. Vith und Stolberg (Rheinl.).
  2. Landgericht Bonn mit den Amtsgerichten: Bonn, Eitorf, Euskirchen, Hennef (Sieg), Königswinter, Lechenich, Rheinbach, Siegburg und Waldbröl.
  3. Landgericht Koblenz mit den Amtsgerichten: Abenau, Ahrweiler, Andernach, Boppard, Kastellaun, Koblenz, Cochem, Kirchberg (Hunsr.), Kirn, Kreuznach, Mayen, Meisenheim, Münstermaifeld, Simmern, Sinzig, Sobernheim, St. Goar, Stromberg, Traben-Trarbach, und Zell (Mosel).
  4. Landgericht Köln mit den Amtsgerichten: Bensberg, Bergheim (Erft), Köln, Gummersbach, Kerpen, Lindlar, Mülheim (Rhein), Wiehl und Wipperfürth.
  5. Landgericht Saarbrücken mit den Amtsgerichten: Baumholder, Grumbach, Lebach, Neunkirchen (Saar), Ottweiler, Saarbrücken, Saarlouis, St. Wendel, Sulzbach (Saar), Tholey und Völklingen.
  6. Landgericht Trier mit den Amtsgerichten: Bernkastel-Kues, Bitburg, Daun, Hermeskeil, Merzig, Neuerburg, Neumagen, Perl, Prüm, Rhaunen, Saarburg, Trier, Wabern, Waxweiler und Wittlich.

b) Zum Oberlandesgericht Düsseldorf gehören der Regierungsbezirk Düsseldorf mit Ausnahme des Stadt und Landkreises Essen, ferner vom Regierungsbezirk Aachen der Kreis Erkelenz und ein Teil des Kreises Heunsberg.

Dem Oberlandesgericht Düsseldorf sind unterstellt:

  1. Landgericht Kleve mit den Amtsgerichten: Kleve, Geldern, Goch, Mörs, Rheinberg (Rheinl.) und Xanten.
  2. Landgericht Krefeld mit den Amtsgerichten: Krefeld, Kempen (Rhein), Lobberich, Uerdingen und Viersen.
  3. Landgericht Düsseldorf mit den Amtsgerichten: Düsseldorf, Düsseldorf-Gerresheim, Neuß, Opladen und Ratingen.
  4. Landgericht Duisburg mit den Amtsgerichten: Dinslaken, Duisburg, Duisburg-Ruhrort, Emmerich, Mülheim (Ruhr), Oberhausen (Rheinl.), Rees und Wesel.
  5. Landgericht Elberfeld mit den Amtsgerichten: Barmen, Elberfeld, Langenberg (Rheinl.), Lennep, Mettmann, Ohligs, Remscheid, Ronsdorf, Solingen, Velbert und Wermelskirchen.
  6. Landgericht München-Gladbach (Mönchengladbach) mit den Amtsgerichten: Erkelenz, Dülken, Grevenbroich, München-Gladbach (Mönchengladbach), Odenkirchen, Rheydt und Wegberg.

c) Zum Oberlandesgericht Kassel gehören aus dem Kreis Wetzlar die 2 Gemeinden Odenhausen und Salzböden, welche dem Amtsgericht Fronhausen (Bz. Kassel) und Landgericht Marburg zugeteilt sind.

d) Zum Oberlandesgericht Frankfurt (Main) gehören von der Rheinprovinz die Kreise: Altenkirchen, Neuwied, Wetzlar und ein Teil des Landkreises Koblenz mit dem

Landgericht Neuwied und folgenden Amtsgerichten: Altenkirchen, Asbach (Westerw.), Daaden, Dierdorf, Ehrenbreistein, Kirchen (Sieg), Linz (Rhein), Neuwied und Wissen (Sieg).
Die Amtsgerichte des Kreises Wetzlar, nämlich: Braunfels, Ehringshausen und Wetzlar gehören zum Landgericht Limburg und ebenfalls zum Oberlandesgericht Frankfurt (Main).

e) Zum Oberlandesgericht Hamm (Westf.) gehören von der Rheinprovinz der Stadt und Landkreis Essen (Ruhr) mit dem

Landgericht Essen und folgenden Amtsgerichten: Borbeck, Essen und Steele.

Einwohner:

Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 7.121.140 Einwohner

  • 3.584.502 männlich
  • 3.536.638 weiblich

 

  • 1816: 1.870.908
  • 1864: 3.358.317
  • 1875: 3.804.381
  • 1880: 4.074.000
  • 1890: 4.710.391
  • 1900: 5.759.798
  • 1905: 6.436.337

Natürliche Gebiete:

  1. Das Rheinische Tiefland mit der Kölner Bucht
  2. Das Rheinische Schiefergebirge (ausgeschlossen der Taunus und der größte Teil des Westerwaldes)

Gewässer:

Rhein, Mosel, Ahr, Saar, Sieg, Wupper, Unterlauf von Ruhr und Lippe, Maas-Nebenflüsse, einige kurze Kanäle.

Klima:

in der Tiefebene infolge der Meeresnähe mild, am mildesten in den Flusstälern, auf der Hochfläche rau, namentlich in der Eifel und im Westerwald.

Bewohner:

Rheinfranken, in den Grenzgebieten rund 11 000 Wallonen und Franzosen. Die Mundarten vermitteln den Übergang zwischen Ober- und Niederdeutsch.

Bevölkerungsdichte:

238/km²

Religion: 1871

  • 2 628 409 Römisch-katholisch
  • 909 000 Evangelisch
  • 3 456 sonstige Christen
  • 38 424 Juden
  • 49 Sonstige

Militär: 1881

Die Provinz bildet den Ersatz- und Garnisonsbezirk des VIII. Armeekorps, Generalkommando Koblenz und einen Teil des VII. Armeekorps (Wesel, Düsseldorf, Essen). Festungen befinden sich Köln, Wesel, Ehrenbreitstein bei Koblenz und Brückenkopf bei Düsseldorf. Weitere Garnisonsstädte sind

  • Deutz bei Köln Kürassier-Regiment 8. Pion. 7. LW. 68,2
  • Kirn LW. 69,1
  • Benrath Hus. 11,2
  • Gräfrath LW. 57,2

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft steht an Bedeutung hinter der Industrie zurück, wird aber in der Ebene schwungvoll betrieben und erzeugt außer den gewöhnlichen Ackerfrüchten Zuckerrüben, Flachs, Tabak, Obst und Wein. Fruchtbar ist die Kölner Bucht, weniger fruchtbar der nordwestliche Teil der Tiefebene (nördlich von Wesel).
  • Bergbau hervorragend. Drei Kohlelager an der Saar, bei Aachen und der Anteil am Ruhrkohlengebirge. Eisen im Ruhrkohlegebirge, namentlich an der Sieg. Ferner Zink, Blei (namentlich im Aachener Gebiet), Kupfer usw. Dann Schiefer, Sandstein, Basalt. Mineralquellen: Kreuznach, Münster a. Stein, Aachen, Neuenahr u.a.
  • Industrie steht im Deutschen Reich an erster Stelle. Hauptzweig Metall-Industrie (Essen, Remscheid, Solingen), dann Weberei (Elberfeld-Barmen), Saarbrücken und Aachen.
  • Handel ist blühend. Der Rhein eine große Verkehrsader, Hauptbahnstrecken.

Administrative Gliederung:

Die oberste Verwaltung der Provinz Rheinland wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Koblenz ausgeübt, welches dem preußischem Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz gliedert sich in 5 Regierungsbezirke:

  1. Regierungsbezirk Koblenz mit einer Fläche von 6 205,81 km² und 682 454 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 1 Stadtkreise und 13 Landkreise:
    Stadtkreis Koblenz und die Landkreise Adenau, Ahrweiler, Altenkirchen, Cochem, Koblenz, Kreuznach, Mayen, Meisenheim, Neuwied, Sankt Goar, Simmern, Wetzlar, Zell a.d. Mosel
  2. Regierungsbezirk Köln mit einer Fläche von 3 977,21 km² und 1 021 878 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 3 Stadtkreise und 10 Landkreise: Stadtkreis Köln, Stadtkreis Bonn, Stadtkreis Mülheim am Rhein, und die Landkreise Bergheim, Bonn, Euskirchen, Gummersbach, Köln, Mülheim am Rhein, Rheinbach, Siegkreis, Waldbröl, Wipperfürth
  3. Regierungsbezirk Düsseldorf mit einer Fläche von 5 473,10 km² und 2 599 806 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 11 Stadtkreise und 16 Landkreise: die Stadtkreise Barmen, Duisburg, Düsseldorf, Elberfeld, Essen, Krefeld, München-Gladbach, Mülheim a.d. Ruhr, Oberhausen, Remscheid, Solingen und die Landkreise Düsseldorf, Essen, Geldern, Gladbach, Grevenbroich, Kempen im Rheinland, Kleve, Krefeld, Lennep, Mettmann, Moers, Mülheim a.d. Ruhr, Neuß, Rees, Ruhrort, Solingen
  4. Regierungsbezirk Aachen mit einer Fläche von 4 155,17 km² und 614 964 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 1 Stadtkreise und 10 Landkreise: Stadtkreis Aachen und die Landkreise Aachen, Düren, Erkelenz, Eupen, Geilenkirchen, Heinsberg, Jülich, Malmedy, Montjoie, Schleiden
  5. Regierungsbezirk Trier mit einer Fläche von 7 183,71 km² und 840 696 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 1 Stadtkreise und 12 Landkreise: Stadtkreis Trier und die Landkreise Bernkastel, Bitburg, Daun, Merzig, Ottweiler, Prüm, Saarbrücken, Saarburg, Saarlouis, Sankt Wendel, Trier, Wittlich
  6. Regierungsbezirk Sigmaringen mit einer Fläche von 1 142,27 km² und 66 780 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich 4 Oberämter: Oberamt Gammertingen, Haigerloch, Hechingen, Sigmaringen

Hohenzollern (Hohenzollernsche Lande) ist keine selbstständige Provinz, sondern durch Staatsvertrag vom 7. Dezember 1849 nur ein Regierungsbezirk des Königreichs Preußen. Auch seine isolierte Lage in Süddeutschland liegend, machte ihn zum „besonderen Regierungsbezirk“. Dadurch wurde das Land in der Rechtspflege vom preußischen Oberlandesgericht in Frankfurt/M und in Kirchenangelegenheiten, Militär-, Schul-, Medizinalwesen von der Rheinprovinz geregelt. Verwaltet wurde das Land von einem Königlichen Regierungspräsidenten in Sigmaringen. Preußische Provinzen dagegen wurden immer von einem Oberpräsidenten verwaltet.