Metz

Stadt im Reichsland Elsaß-Lothringen und Hauptstadt des deutschen Bezirks Lothringen

Metz 60.791 Einwohner – 1905 = 64. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Metz, Panorama
Metz, Panorama

Metz

Metz ist eine Stadt im Reichsland Elsaß-Lothringen und Hauptstadt des deutschen Bezirks Lothringen, Stadtkreis und Festung ersten Ranges, liegt am Einfluss der Seille in die Mosel und 180 Meter über dem Meer. Sie hat ein altertümliches Aussehen, Straßen, Plätze und Tore führen neben den französischen durchweg auch deutsche Namen. Von den letzteren sind hervorzuheben das Prinz Friedrich Karl-, früher Römertor (Porte Serpenoise) im Süden, das Theobalds-, Mazellen- und Deutsche Tor im Osten und das Diedenhofener und Französische Tor im Westen. Von den Plätzen sind bemerkenswert der Kaiser Wilhelm-Platz am Römertor, neben demselben die mit Blumenanlagen geschmückte Esplanade mit der Reiterstatue Kaiser Wilhelms I., den Denkmälern des Prinzen Friedrich Karl und des Marschalls Ney und prächtiger Aussicht auf das Moseltal; der Paradeplatz zwischen der Kathedrale und dem Stadthaus, mit dem Standbilde des Marschalls Fabert; der Ludwigsplatz mit mittelalterlicher Arkadenreihe; der Theaterplatz mit schönem Brunnen; der große bedeckte Markt zwischen Dom- und Kammerplatz dient als Gemüse-, Obst-, Blumen-, Fisch- und Fleischmarkt. Metz hat 4 evangelische Kirchen (darunter die gotische Garnisonkirche mit 97 Meter hohem Turm), 9 katholische Kirchen, von denen die im 13. Jahrhundert begonnene, im Anfang des 16. Jahrhundert vollendete, im Innern imposante Kathedrale (Dom) und die St. Vinzenzkirche mit schönen gotischen Türmen das meiste Interesse in Anspruch nehmen, und eine Synagoge.

Von den weltlichen Gebäuden sind hervorzuheben der Justizpalast an der Esplanade, das Gebäude des Bezirkspräsidiums, das Stadthaus, Theater, der bischöfliche Palast, das Arsenal, das neue Generalkommando etc. Die Mosel fließt in mehreren Armen an Metz vorüber, von denen der westliche der Hauptarm ist. 14 Brücken führen über diese und die Seille. Auf der Insel Chambière ist ein Friedhof mit einem Denkmal für die 1870 hier begrabenen 7200 Franzosen. Die Hauptplätze und Hauptstraßen der Stadt haben elektrische Beleuchtung. Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (Infanterieregimenter Nr. 67, 98, 130, 131, 145 u. 174, sowie Nr. 4 u. 8 von der bayrischen Armee, 2 Dragonerregimenter Nr. 9 u. 13, 2 Feldartillerieregimenter Nr. 33 u. 34 und 1 Abteilung Feldartillerie Nr. 70, 2 Fußartillerieregimenter Nr. 8 u. 12 und 2 Bataillone bayrische Fußartillerie Nr. 2, 2 Pionierbataillone Nr. 16 u. 20 und 1 Maschinengewehrabteilung Nr. 11, insgesamt etwa 900 Offiziere und 24.000 Mann) 60.791 Einwohner, darunter 17.452 Evangelische, 41.805 Katholiken und 1466 Juden.

Industrie und Handel hatten seit der deutschen Besitznahme an Wichtigkeit verloren, haben sich jetzt aber wieder gehoben. Einen Ruf haben die Fabriken für Lederwaren, die Gerbereien, Sattlereien und die Schuhfabrikation. Ferner sind zu nennen Fabriken für Waffen, Nadeln, grobe Tuche, Hüte, künstliche Blumen etc. Große Eisenwerke befinden sich in mehreren Orten des Landkreises Metz. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1904: 2250,5 Millionen Mark) und eine Filiale der Luxemburger Bank, erstreckt sich vorwiegend auf Wein, Branntwein, Likör, Bier, eingemachte Früchte, Leder, Kurzwaren, Bauholz, Möbel, Steine, Kalk etc.

Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Straßenbahn, die auch Verbindung mit den wichtigsten Orten der Umgegend herstellt. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Linien Stieringen-Novéant (-Nancy), Metz-Großhettingen (-Luxemburg), Metz-Amanweiler (-Verdun) und Metz-Château-Salins. An Bildungs- und andern Anstalten besitzt Metz ein Lyzeum (Gymnasium), eine Oberrealschule, eine Domschule, ein Priester- und ein Schullehrerseminar, eine Taubstummenanstalt, eine Kriegsschule, eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Musik- u. eine Zeichenschule, eine Stadtbibliothek, ein städtisches Museum (Altertümer, Gemälde etc.), das Museum Migette (Gemälde), mehrere gelehrte Gesellschaften und Vereine, ein Franziskanerkloster etc. Von Behörden haben dort ihren Sitz das Bezirkspräsidium, die Kreisdirektion für den Landkreis Metz, ein Landgericht, ein Hauptzollamt, eine Oberpostdirektion, eine Oberförsterei, ein Bergrevier, ein katholischer Bischof, ein reformiertes und ein israelitisches Konsistorium etc.; ferner: das Generalkommando des 16. Armeekorps, der 33. und 34. Division, der 66., 67., 68. und 8. (bayrischen) Infanterie-, der 33. u. 34. Kavallerie- und der 33. u. 34. Feldartilleriebrigade, des Kommandos der Pioniere des 16. Armeekorps, der 3. Fußartilleriebrigade und der 6. Festungsinspektion. Die städtischen Behörden zählen 5 Magistrats- und 33 Gemeinderatsmitglieder. In der Umgegend interessieren vorzugsweise die ausgedehnten Befestigungen; über die Schlachtfelder und die darauf errichteten Kriegerdenkmäler.

Metz ist immer eine bedeutende Festung gewesen. An die Stelle der Mauerbefestigung trat 1550 die Wallbefestung, der 1562 die Zitadelle hinzugefügt wurde. Vauban baute nach 1674 die Werke vollständig um; 1728–31 entstanden das Moselfort auf der West- und das Fort Bellecroix auf der Ostseite. Aus der Abtragung eines Teils der Zitadelle wurde 1791 die Esplanade geschaffen. Nach 1815 gerieten die Werke in Verfall, wurden aber 1830–45 wiederhergestellt. Napoleon III. begann 1867 mit dem Bau der vier detachierten Forts: Fort St.-Quentin, nicht groß, aber wichtig durch seine die ganze Umgegend beherrschende Lage auf einem 360 Meter hohen, das Moseltal um fast 200 Meter überragenden Berg, und Fort Plappeville auf der linken, Fort Queuleu und Fort St.-Julien auf der rechten Moselseite. Seit der deutschen Besitznahme sind diese Werke außerordentlich verstärkt und vermehrt worden, so dass Metz zu den stärksten Festungen Europas zählt.

Sämtliche Werke tragen deutsche Namen, Feste Prinz Friedrich Karl (früher Fort St.-Quentin), Fort Manstein (Westfort St.-Quentin), Fort K. Alvensleben (Plappeville), Fort Kameke im Westen von der Mosel, Fort Prinz August von Württemberg (St.-Privat) im Süden zwischen Mosel und Seille, Fort Goeben (Queuleu) im Südosten, Fort Zastrow (Les Bordes) im Osten, Fort Manteuffel (St.-Julien) im Nordosten, in der Moselebene Fort Hindersin (St.-Eloi), endlich, unmittelbar mit der Stadtbefestigung zusammenhängend, Fort Steinmetz (Bellecroix) auf der Ostseite und Fort Voigts-Rhetz (Moselfort) auf der Westseite der Stadt. Die äußern neuen Forts, unter denen Fort Goeben das größte ist, liegen in einer Entfernung von 3300–5000 Metern von der Kathedrale. Hinzugekommen sind in neuerer Zeit noch mehrere neue Anlagen in weiterer Entfernung von Metz, so das Fort Graf Haeseler und die Festen Kaiserin, Kronprinz und Lothringen. Die Niederlegung der Stadtumwallung zwischen Mosel, Prinz Friedrich Karl-, Theobalds- und dem Deutschen Tor ist erfolgt. Die Umgegend von Metz (le pays Messin) ist sehr fruchtbar, baut schönes Obst (besonders Mirabellen), vorzügliche Gemüse und auf beiden Moselufern, vornehmlich am Fuß des Mont St.-Quentin, ziemlich viel Wein. Zum Landgerichtsbezirk Metz gehören die 13 Amtsgerichte zu Ars a. M., Bolchen, Busendorf, Château-Salins, Delme, Diedenhofen, Dieuze, Hayingen, Metz, Remilly, Rombach, Sierck und Vic.

Metz ist das alte Divodurum (d. h. „Götterburg“) der Gallier im Gebiete der Mediomatriker, auch Mediomatrica genannt, woraus Metä, Metis, Mattä und Metz entstanden ist. In der Mitte des 5. Jahrhundert durch die Hunnen unter Attila zerstört, kam es an das fränkische Reich- und wurde bald die Hauptstadt von Austrasien; Ludwig der Fromme fand in der Abtei St. Arnulf seine Grabstätte. 843 kam Metz an Lothar I. und nach dem Tode von dessen Sohn Lothar 11. im Vertrag zu Mersen 870 an das ostfränkische (Deutsche) Reich. Zunächst dem Bischof untertan, der den Burggrafen ernannte, erwarb die Stadt zu Beginn des 13. Jahrhundert die Burggrafenrechte und wurde Reichsstadt, legte auch trotz der gemischten Bevölkerung auf die Zugehörigkeit zum Reiche hohen Wert. Karl IV. verkündete hier auf dem Reichstag 1356 die vorher zu Nürnberg beratene Goldene Bulle. 1444 wurde die Stadt von den Franzosen belagert, jedoch nicht erobert. 1543 versuchte ein Teil der Bürgerschaft mit Hilfe Farels die Reformation in Metz durchzuführen, aber der Widerstand des Kardinals von Lothringen und das Verbot evangelischer Predigt durch den Kaiser verhinderten das Gelingen. Die katholische Partei im Rat und die hohe Geistlichkeit erleichterten 1552 die Besetzung der Stadt durch die Franzosen unter Montmorency, die im Einverständnis mit den protestantischen Reichsfürsten handelten; doch war die Mehrzahl der Bürger mit dem Wechsel der Herrschaft unzufrieden, und viele Deutsche wanderten aus.

Am 18. April 1552 zog König Heinrich II. in Metz ein; Herzog Franz von Guise, vom König mit der Verteidigung beauftragt, hielt dann vom 19. Oktober 1552 bis 1. Januar 1553 der Belagerung durch Karl V. tapfer stand. Die Stadt verlor zugleich ihre Selbstverwaltung, und der Bischof setzte die Behörden ein. Ludwig XIII. machte 1633 Metz zum Sitz eines Parlaments, an das sich seit 1679 die berüchtigte „Reunionskammer“ anschloss. Im Westfälischen Frieden (1648) erhielt Frankreich die volle Souveränität über Metz, Toul und Verdun, aber die alte Größe der Stadt war dahin. Die Einwohnerzahl sank 1552 bis 1698 von 60.000 auf 22.000; viele Hugenotten verließen Metz und siedelten sich zum großen Teil in Frankfurt a. O. an; erst im 19. Jahrhundert gewann Metz wieder eine besondere Wichtigkeit. Mehrere Belagerungen und Einschließungen, so auch 1814 und 1815, hielt es aus, ohne sich zu ergeben. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870 wurde Metz das Hauptquartier der französischen Rheinarmee und nach deren Niederlage von den Deutschen eingeschlossen (Schlacht um Metz). Die Stadt, am 29. Oktober 1870 von den deutschen Truppen besetzt, kam im Frankfurter Frieden endgültig an Deutschland. Von den französischen Einwohnern wanderten viele aus, dagegen viele Altdeutsche ein, so dass deren Zahl bald die altgesessene Bürgerschaft überwog und sie 1886 bei den Gemeinderatswahlen die Mehrheit (19 Stimmen von 32) erhielten, die sie zwar nach einigen Jahren wieder verloren, aber 1902 ging eine Kompromissliste durch, nach der beide Parteien gleiche Stimmenzahl erhielten.

Am 11. November 1918 diktierte der französische Marschall Ferdinand Foch der deutschen Waffenstillstandsdelegation die Bedingungen zur Beendigung der Kampfhandlungen, die einer Kapitulation gleich kamen. Das deutsche Herr musste u.a. Elsaß-Lothringen binnen 14 Tagen räumen. Schon am 10. November 1918 erklärte E. Ricklin Elsaß-Lothringen zur unabhängigen Republik. Nichtsdestotrotz besetzen französische Truppen am 17. November 1918 Mülhausen, am 18. November 1918 Metz, am 22. November 1918 Straßburg und ganz Elsaß-Lothringen. Der Versailler Vertrag verfügte 1919 die Angliederung Elsaß-Lothringens ohne Plebiszit (Volksabstimmung) an Frankreich. Die Bewohner des Gebietes werden je nach Abstammung in 4 Gruppen eingeteilt, Einwohner reichsdeutscher Abstammung müssen das Land verlassen. Von den 1.874.014 Einwohnern sind 1.634.260 Deutsche.

Am 18. November 1918 marschierte unter Führung Marschall Petains die französische Armee in Metz ein. Noch am selben Tag zerstörten Soldaten alle deutschen Denkmäler. Auf dem Sockel des Kaiser Wilhelm Denkmals wurde später das Denkmal eines französischen Soldaten, der eine deutsche Pickelhaube zertritt, aufgestellt.