Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha

Haupt- und Residenzstädte Gotha und Coburg

Gotha, Schloss Friedenstein
Gotha, Schloss Friedenstein

Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha 1826 – 1918

Das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha besteht aus zwei selbstständigen unierten Staaten, dem Herzogtum Coburg und dem Herzogtum Gotha

 

Sachsen-Coburg-Gotha, zum Deutschen Reich gehörige, unter einem Herrscherhaus vereinigte Herzogtümer, zwischen 50°1´-51°20´ nördlicher Breite und 10°16´-11°15´ östlicher Länge gelegen, bestehen aus dem Herzogtum Coburg und dem Herzogtum Gotha, die durch zwischenliegende preußische und sachsen-meiningische Gebietsteile getrennt sind, und zu denen noch mehrere von fremdem Territorium umschlossene Parzellen gehören. Das Areal beider Herzogtümer beträgt 1977,45 km² (35,91 Quadratmeilen), die Bevölkerung zählt im Jahr 1905 = 242.432 Seelen (123/km²).

Das Herzogtum Coburg grenzt im Westen, Norden und Nordosten an Sachsen-Meiningen, im Südosten, Süden und Südwesten an Bayern; der dazugehörige Amtsgerichtsbezirk Königsberg (eine größere und zwei kleinere Parzellen) ist vom bayrischen Gebiet umgeben. Es ist ein wellenförmiges, anmutiges Hügelland, das breite Plateauzüge zeigt und in der Senichshöhe bei Mirsdorf bis 523 m, im Festungsberg bei Coburg bis 457 m ansteigt. Die Gewässer sind: die Itz, der Biberbach, die Steinach, die Baunach und die Nassach, die in den Main münden. Die Mineralquellen zu Fechheim und Grub am Forst sind unbenutzt. Das Herzogtum hat einen Flächeninhalt von 562,3 km² (10,2 Quadratmeilen) und (1905) 71.512 Einwohner. Die Bewohner sind fränkischen Stammes und bekennen sich, mit Ausnahme weniger Katholiken, Juden etc., zur evangelisch-lutherischen Kirche. Das Herzogtum zählt vier Städte.

Das Herzogtum Gotha, das mehrere Enklaven benachbarter Staaten umschließt, grenzt im Norden und Osten an Preußen, im Südosten an Schwarzburg-Sondershausen und an das weimarische Amt Ilmenau, im Süden und Südwesten an Preußen und an Sachsen-Meiningen, im Westen an Sachsen-Weimar. Von den dazugehörigen Parzellen ist der von preußischem und schwarzburgischem Gebiet umschlossene frühere Amtsbezirk Volkenroda die größte. Der Thüringer Wald hat im Herzogtum seine höchsten Spitzen: den Großen Beerberg (983 m), Schneekopf (978 m) und Inselsberg (915 m). Das nordöstliche Hügelland steigt in der Wachsenburg 414 m, im Großen Seeberg bei Gotha 407 m an. Die Gewässer fließen teils der Saale, teils der Werra zu: zur Saale die Ilm, die Unstrut, die Gera und Ohra, zur Werra die Hasel mit der Schwarza, die Schmalkalde und die Hörsel. Letztere empfängt das Schilfwasser, Wutha (Erbstrom oder Ruhlaer Wasser) und Nesse. Zu erwähnen sind die Wasserheilanstalten zu Elgersburg, der Bade- und klimatische Kurort Friedrichroda sowie das als Luftkurort in Aufnahme gekommene Oberhof (mit herzoglichem Jagdschloß); die bei Sondra erbohrte starke Kohlensäurequelle ist wieder versiegt. Das Herzogtum hat einen Flächeninhalt von 1415,1 km² (25,7 Quadratmeilen) mit im Jahr 1905 = 170.920 Einwohner. Die Bewohner sind thüringischen Stammes und bekennen sich, mit Ausnahme weniger Katholiken, Juden etc., zur evangelisch lutherischen Kirche. Das Herzogtum zählt sieben Städte.

 

Bundesrat:

1 Stimme

Reichstag:

2 Abgeordnete

Landesparlament:

Die Verfassung des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha ist konstitutionell-monarchistisch und beruht auf dem Staatsgrundgesetz vom 3. Mai 1852. Für jedes der beiden Herzogtümer besteht ein besonderer, für die gemeinsamen Angelegenheiten beider Herzogtümer ein gemeinschaftlicher Landtag.

Der Landtag für das Herzogtum Coburg zählt 11 Mitglieder,
der für das Herzogtum Gotha 19 Mitglieder.
Die Mitglieder dieser beiden Landtage bilden zusammen den gemeinschaftlichen Landtag.
Die Wahl der Abgeordneten erfolgt auf 4 Jahre und ist indirekt. Wähler und zum Wahlmann wählbar ist jeder 25jährige, unbescholtene, selbstständige Staatsbürger, der direkte Steuern entrichtet. Wählbar zum Abgeordneten ist jeder 30jährige Wahlberechtigte.

Hauptstädte:

Gotha und Coburg

  • Gotha – 36.906 Einwohner (1905) – 105. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.
  • Coburg – 22.489 Einwohner (1905) – 198. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Bildung:

Für die Volksbildung ist im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha gut gesorgt.

Im Herzogtum Coburg bestehen im Jahr 1880: 80 öffentliche Bürger- und Landschulen. Sonstige Unterrichtsanstalten sind ein Gymnasium (Casimirianum) mit Progymnasium, eine Realschule, ein Schullehrerseminar, eine Taubstummenlehranstalt und eine Baugewerkschule. Anstalten für Wissenschaft und Kunst sind die herzogliche Bibliothek und die Kupferstichsammlung (124..000 Blätter) in Coburg. Landesuniversität ist Jena im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.
Im Herzogtum Gotha bestehen im Jahr 1880: 176 Volksschulen, 5 Gewerbe- und Fortbildungsschulen, ein Schullehrerseminar, eine höhere Bürgerschule für Knaben, eine höhere Bürgerschule für Mädchen, ein Gymnasium (zugleich Realgymnasium) und eine Handelsschule, letztere alle in Gotha; ein Progymnasium mit Realschule in Ohrdruf. Eine Fachschule als Akkouchieranstalt (Geburtshilfe) mit Hebammenunterricht besteht in Gotha. Als Anstalten für Wissenschaft und Kunst sind die drei herzoglich sächsischen Häuser gehörigen Sammlungen auf dem Schloß Friedenstein in Gotha und in dem Museum, sowie die Sternwarte in Gotha zu nennen. Ein sehr bekanntes Institut ist die ausgedehnte kartografische Anstalt von Justus Perthes ebenfalls in Gotha.

Größe:

Gesamt: 1 977,4 km²,

  • Herzogtum Coburg 562,3 km² = 10,2 Quadratmeilen mit 71.512 Einwohnern (4 Städte)
  • Herzogtum Gotha 1415,1 km² = 25,7 Quadratmeilen mit 170.920 Einwohnern (7 Städte)

Gerichtsorganisation (1881):

Für Thüringen besteht ein gemeinsames Oberlandesgericht in Jena. Dieses umfasst auch die preußischen Kreise Schleusingen, Schmalkalden und Ziegenrück.

  • Coburg gehört zum Landesgericht Meiningen mit Amtsgerichten in Coburg, Königsberg, Neustadt, Rodach und Sonnenfeld.
  • Gotha bildet einen besonderen Landesgerichtsbezirk mit Gotha als Sitz und 8 Amtsgerichten in Gotha, Liebenstein, Ohrdruf, Tenneberg, Thal, Tonna (Gräfentonna), Wangenheim (Friedrichswerth) und Zella.

Einwohner:

1871: 174 339
1880: 194 716
1885: 198 829
1900: 229 550
1905: 242 292
1910: 257 177

Klima:

Das Klima ist infolge der Abdachung des Landes nach Süden milder als im Herzogtum Gotha (Coburg hat 7,9° C, Gotha 7,4° C. mittlere Jahrestemperatur).

Gewässer:

Ilm, Unstrut, Gera, Ohra, Hasel, Schwarza, Schmalkalde, Hörsel (Gothaer Gebiet) und Itz, der Biberbach, Steinach, die Baunach (Coburger Gebiet)

Bewohner:

Hauptsächlich Thüringer im Herzogtum Gotha und Franken im Herzogtum Coburg.

Bevölkerungsdichte:

122,5/ km²

Religion: 1910

  • 250.454 Evangelisch
  •     4.951 Römisch-katholisch
  •       783 Juden

Militär (1881):

Das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha gehört zum Ersatzbezirk des XI. Armeekorps. Garnisonsstädte sind:

  • Gotha – Infanterie 95,1 und Landwehr 95,1
  • Coburg – Infanterie 95,3

1905: Die Kontingente der beiden Herzogtümer bilden mit demjenigen von Meiningen das 6. thüringische Infanterieregiment Nr. 95, von dem in Gotha das 1., in Hildburghausen das 2., in Coburg das 3. Bataillon in Garnison liegen und gehören der 22. Division und dem 11. Armeekorps (Kassel) an.

Wirtschaft:

  • Industrie im Herzogtum Coburg: Hauptindustriezweige sind die Spielwarenfabrikation in Neustadt und Umgebung, sowiedie Korbwarenfabrikation im Amtsbezirk Sonnefeld; beides sind Hausindustrien. Ansonsten bestehen im Land eine Kammgarnspinnerei und eine mechanische Baumwollweberei. Sehr ansehnlich sind ferner: die Thonwarenfabrikation (Öslau), die Ziegelbrennerei und die Fabrikation von chemischen Produkten, Porzellan- und Steingutwaren, Wagen und Möbeln; von geringeren Umfang ist die Papierfabrikation. In schwunghaftem Betrieb sind die Gerberei sowie besonders die Bierbrauerei, auch für den Absatz ins Ausland. In Coburg bestehen: eine Kreditbank (19. Mai 1856 konzessioniert), ein Spar- und Vorschussverein (Kreditbank), eine städtische Sparkasse; Vorschussvereine außerdem in vier anderen Orten.
  • Industrie im Herzogtum Gotha: Von Wichtigkeit sind in Zella und Mehlis die Gewehrfabrikation, die Fabrikation von Schlosser- und Kurzwaren, eisernen Maschinen und Maschinenteilen sowie von eisernen Geldschränken in Gotha, die Nähnadelfabrikation zu Ichtershausen; bei Ohrdruf sind zwei Kupferhämmer in Betrieb. Lebhaft ist auch der Betrieb von Ziegeleien, Kalkbrennereien, Teeröfen, Kienrußhütten (mit Absatz nach den Hansestädten und den Niederlanden) und Pechsiedereien. 10 Porzellanfabriken in Gotha, Ohrdruf (3), Gräfenhain etc. Die Mühlsteinfabrikation ist in Krawinkel, die Fabrikation von Marmorwaren in Waltershausen, die Tabakspfeifenfabrikation in Ruhla bedeutend. Glashütten sind in Gehlberg und Gräfenroda in Betrieb (für Hohlglas); Glasinstrumente werden in Gehlberg, Ohrdruf und Elgersburg gefertigt. Eine Zuckerfabrik besteht nur in Gotha. Die Metzgerei wird fabrikmäßig in Gotha und Waltershausen, die Bierbrauerei in Gotha, Neudietendorf und Gräfentonna betrieben. Garn- und Wäschebleicherei ist besonders in Friedrichroda bedeutend. Wichtig ist ferner die Fabrikation von Masken, Spritzenschläuchen, Spielwaren, Hemdknöpfen, Fischbein- und Farbewaren. Viele Sägemühlen sind in den Waldtälern in Betrieb. In Gotha bestehen eine Feuerversicherungsbank (seit 1821), eine Lebensversicherungsbank (seit 1827, beide zu den ältesten und bedeutendsten derartigen Instituten zählend; ferner eine Privatbank, eine Grundkreditbank, eine Gewerbebank und eine Sparkasse.
  • Landwirtschaft im Herzogtum Coburg: Vorherrschendes Wirtschaftssystem ist die Dreifelderwirtschaft. Der blühende Ackerbau liefert die gewöhnlichen Halmfrüchte, Kartoffeln, Rüben, Hülsenfrüchte, Klee und Flachs. Von Handelsgewächsen wird nur Hopfen, doch mehr für den inländischen Bedarf, erzeugt. Der Garten- und Obstbau ist beträchtlich; namentlich wird aus dem Amt Königsberg, wo man in geringer Ausdehnung auch Weinbau treibt, Obst in bedeutender Quantität ausgeführt. Trefflicher Wiesenbau findet besonders in den Tälern der Itz, Rodach, Röthen und Lauter statt. Von großer Bedeutung ist die Rindviehzucht (besonders im Itzgrund), die Schafzucht ist unbedeutender. 1883 zahlte man: 1163 Pferde, 24.335 Rinder, 12.265 Schafe, 12.761 Schweine und 6222 Ziegen. Allenthalben verbreitet ist die Hühner-, Tauben-, Enten- und Gänsezucht. Jagd und Fischerei sind nicht ohne Bedeutung, besonders ist guter Auerwildstand vorhanden. Fischzucht wird in Mönchröden betrieben. Von den forstwirtschaftlich genutzten Wäldern sind 6/10 Nadel-, 4/10 Laubholz.
  • Die Landwirtschaft im Herzogtum Gotha erzeugt die gleichen Produkte, wie im coburgischen Landesteil.Bedeutender ist dagegen die Schafzucht und besonders die Pferdezucht. 1883 zählte man: 7024 Pferde, 33.861 Rinder, 60.984 Schafe, 38.788 Schweine, 20.793 Ziegen. Die Jagd lohnt sich in den ausgedehnten Waldungen. Von den forstwirtschaftlich genutzten Wäldern sind 7/10 Nadelholz, 3/10 Laubholz.

Postwesen und Briefmarken:

Gemäß der Aufstellung der Generalverordnung vom 30. Dezember 1861 besorgte die Thurn und Taxissche Post auf Grund von Beschlüssen des Wiener Kongresses (1815) den Postdienst bis zum 30. Juni 1867 im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Ab 01. Juli 1867 übernahm die preußische Post den Postdienst. Das gesamte preußische Postwesen ging am 01. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) über. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.

Währungen und Münzen:

Bis 1838 prägte Sachsen-Coburg und Gotha nach dem Konventionsmünzfuß. In Coburg wurde 1837 nach der süddeutschen Münzkonvention der 24 1/2-Gulden-Fuß eingeführt, ab 1857 galt die Wiener Münzkonvention. Geprägt wurde Taler, Dukat, Kreuzer, Groschen, Pfennige, in Saalfeld (1826 – 1828), Gotha (1828 – 1838) und Dresden (1826/27 und 1841 – 1872).

  • Herzogtum Sachsen-Gotha bis 1874 mit Währung Taler
  • Herzogtum Sachsen-Coburg bis 1874 mit Währung Gulden

Regenten:

Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha 1826 – 1918

regierendes Fürstenhaus: Wettin, Ernestinische Linie, Stammvater Herzog Johann Ernst (1658 – 1729)

Der Herzog übt als Oberhaupt des Staats die Rechte der Staatsgewalt aus. Das Hausgesetz des herzoglichen Hauses datiert vom 1. März 1855. Die Regierungsnachfolge ist erblich im Mannesstamm des herzoglichen Hauses nach dem Rechte der Erstgeburt und der Linealerbfolge. In Ermangelung successionsfähiger Nachkommen des Herzogs Ernst II. ging die Nachfolge auf die Nachkommen des verstorbenen Prinzen Albert, des Gemahls der Königin Viktoria von Großbritannien, und zwar zunächst auf den zweiten Sohn derselben, den Herzog von Edinburg, resp. dessen Nachkommen, über. Der Herzog wird mit zurückgelegtem 21. Jahr volljährig. Er bekennt sich zur evangelisch-lutherischen Kirche.

Administrative Gliederung:

Das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha bestand aus zwei selbstständigen unierten Staaten, dem Herzogtum Coburg und dem Herzogtum Gotha. Jedes derselben besteht aus einem geschlossenen Hauptbezirk und mehreren Enklaven:

  • zu Gotha gehören Volkenroda, Nazza, Werningshausen, Neuroda und Trasdorf
  • zu Coburg gehört das Amt Königsberg i. F.

Beide Herzogtümer haben zwar ein gemeinsames Staatsministerium, jedoch mit besonderen Abteilungen in Gotha und Coburg.

das Herzogtum Gotha gliedert sich in die Landratsämter Gotha, Ohrdruf und Walterhausen.

  1. Landratsamt Gotha: Gotha, Altdietendorf (seit 1905 Dietendorf), Apfelstädt, Aschara, Aspach, Ballstädt, Bienstädt, Bischleben, Bittstädt, Boilstädt, Bufleben, Burgtonna, Cobstädt, Döllstädt, Eckardtsleben, Eischleben, Eschenbergen, Friemar, Gamstädt, Gierstädt, Goldbach, Grabsleben, Gräfentonna, Großfahner, Großrettbach, Günthersleben, Haarhausen, Hausen, Herbsleben, Hochheim, Hohenbergen, Holzhausen, Ichtershausen, Illeben, Ingersleben, Kleinfahner, Kleinkeula, Körner, Kornhochheim, Menteroda, Molschleben, Molsdorf, Neudietendorf, Obermehler,Pferdingsleben, Pfullendorf, Rehestädt, Remstädt, Rhoda, Seebergen, Siebleben, Stedten, Sülzenbrücken, Sundhausen, Teutleben, Thörey, Töttelstädt, Trügleben, Tüttleben, Uelleben, Warza, Werningshausen, Westhausen, Wiegleben
  2. Landratsamt Ohrdruf: Ohrdruf, Arlesberg, Crawinkel, Dietharz, Dörrberg, Elgersburg, Emleben, Frankenhain, Gehlberg, Georgenthal, Gera, Gossel, Gräfenhain, Gräfenroda, Heerda, Herrenhof, Hohenkirchen, Kettmannshausen, Liebenstein, Manebach, Mehlis, Nauendorf, Neuroda, Oberhof, Petriroda, Rippersroda, Schönau vor dem Wald, Schwabhausen, Schwarzwald, Stutzhaus, Tambach, Tambuchshof, Traßdorf, Wechmar, Wipperoda, Wölfis, Zella-Sankt Blasii
  3. Landratsamt Waltershausen: Waltershausen, Altenbergen, Brüheim, Burla, Cabarz, Catterfeld, Craula, Cumbach, Deubach, Ebenheim, Ebenshausen, Eberstädt, Engelsbach, Ernstroda, Ettenhausen, Finsterbergen, Fischbach, Frankenroda, Friedrichroda, Friedrichswerth, Fröttstädt, Gospiteroda, Großenbehringen, Großtabarz, Haina, Hallungen, Hastrungsfeld, Hörselgau, Ibenhain, Kahlenberg, Kälberfeld, Kleinschmalkalden, Kleintabarz, Langenhain, Laucha, Lauterbach, Leina, Mechterstädt, Metebach, Nazza, Neukirchen, Oesterbehringen, Reichenbach, Rödichen, Ruhla (nur teilweise zum Herzogtum Sachsen-Gotha, der andere Teil gehört zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach), Sättelstädt, Schmerbach, Schönau an der Hörsel, Schwarzhausen, Sondra, Sonneborn, Thal, Tüngeda, Wahlwinkel, Wangenheim, Weingarten, Winterstein, Wolfsbehringen

Herzogtum Coburg gliedert sich in das Landratsamt Coburg, das Amt Königsberg und die Magistrate zu Coburg, Neustadt und Rodach.

  1. Landratsamt Coburg: Coburg, Ahlstadt, Ahorn, Aicha, Altershausen, Beiersdorf, Bertelsdorf, Beuerfeld, Bieberbach, Birkach am Forst, Birkig, Blumenrod, Boderndorf, Breitenau, Brüx, Buchenrod, Callenberg, Cortendorf, Creidlitz, Dörfles bei Coburg, Dörfles bei Königsberg, Drossenhausen, Ebersdorf bei Neustadt, Ebersdorf bei Sonnefeld, Eichhof, Einberg, Elsa, Erlsdorf, Esbach, Fechheim, Fischbach, Fornbach, Friesendorf, Frohnlach, Fürth am Berg, Gauerstadt, Gestungshausen, Gossenberg, Grattstadt, Großgarnstadt, Großheirath, Großwalbur, Grub am Forst, Haarbrücken, Haarth, Hassenberg, Heldritt, Hellingen, Herbartsdorf, Hof an der Steinach, Höhn, Horb an der Steinach, Horb bei Fürth, Kemmaten, Ketschenbach, Ketschendorf, Kipfendorf, Kleingarnstadt, Kleinwalbur, Königsberg (Franken), Kösfeld, Köslau, Kottenbrunn, Lempertshausen, Leutendorf, Lützelbuch, Mährenhausen, Meeder, Meilschnitz, Meschenbach, Mirsdorf, Mittelberg, Mittelwasungen, Mödlitz, Moggenbrunn, Mönchröden, Nassach, Neida, Neu- und Neershof, Neukirchen, Neuses am Brand, Neuses an den Eichen, Neuses bei Coburg, Neustadt bei Coburg, Niederfüllbach, Oberfüllbach, Oberlauter, Obersiemau, Oberwasungen, Oberwohlsbach, Oeslau, Oettingshausen, Ottowind, Plesten, Rögen, Rodach, Rohrbach, Rosenau, Rossach, Roßfeld, Roth am Forst, Rothenhof, Rottenbach, Rudelsdorf, Rüttmannsdorf, Schafhof, Scherneck, Scheuerfeld, Schönstädt, Schweighof, Seidmannsdorf, Sonnefeld, Spittelstein, Steinach an der Steinach, Stöppach, Sulzdorf, Sülzfeld, Taimbach, Thann, Tiefenlauter, Tremersdorf, Trübenbach, Unterlauter, Untersiemau, Unterwasungen, Unterwohlsbach, Waldsachsen, Waltersdorf, Watzendorf, Weickenbach, Weidach, Weidhausen, Weimersdorf, Weischau, Weißenbrunn am Forst, Weißenbrunn vorm Wald, Weitramsdorf, Wellmersdorf, Wiesenfeld, Wildenheid, Wohlbach, Wörlsdorf, Wüstenahorn, Zedersdorf, Zeickhorn, Ziegelsdorf

 

Geschichte:

Am Anfang der Zeitenrechnung war das Land zwischen Harz, Thüringer Wald und Erzgebirge von germanischen Hermunduren bewohnt, die vermutlich durch Vermischung mit anderen germanischen Stämmen sowie keltischen Bevölkerungsresten in den Stamm der Thüringer übergingen und mit ihren Siedlungsgebieten bis an die Elbe nachweisbar sind. Das Reich der Thüringer (von der Altmark bis zum Main) zählte zu den mächtigsten germanischen Reichen außerhalb des römischen Imperiums, bis es 531 vom Frankenkönig Theoderich bei Burgscheidungen besiegt wurde. Die thüringische Bevölkerung lebte unter den neuen Machthabern weiter und wurden nur langsam in das fränkische Reich eingebunden. Jedoch gelang es den neuen Herrschern nicht, das ausgeprägte thüringische Eigenbewusstsein mit dem Fortleben eigenständiger thüringischer Rechtsgewohnheiten zu überwinden. Im Osten des ehemaligen Thüringerreiches drangen nun Slawen (Sorben, Milzener, Lusizer und Daleminzer) über die Elbe bis an die Saale vor. Um diesen Abschnitt der Ostgrenze des Frankenreiches besser zu schützen, bedienten sich die fränkischen Könige thüringischer Herzöge. So kam es zu einer erneuten Besiedlung des heutigen Ostthüringens und Sachsens mit Thüringern und nun auch Franken, die die eingewanderten Slawen zurückdrängten, germanisierten bzw. sich mit ihnen vermischten.
Schloß und Herrschaft Coburg kamen im 13. Jahrhundert an die Grafen von Henneberg, welche sie von den Grafen von Wildberg erwarben, und wurden 1245 Sitz einer Nebenlinie dieses Grafengeschlechts, welche aber schon 1291 mit Poppo VIII. wieder erlosch. Durch dessen Tochter Jutta kam Coburg an Otto III. von Brandenburg und wurde, da es nun durch „Pfleger“ verwaltet wurde, die „Pflege Coburg“ genannt. Nach dem Tod von Juttas Sohn Hermann (1308) erwarb dessen Schwiegersohn Heinrich VIII. von Henneberg die „Pflege Coburg“ zurück, nach seinem Tod jedoch teilten sich seine Schwiegersöhne Eberhard von Württemberg und Friedrich von Meißen 1353 in die Herrschaft Coburg. Der württembergische Erbteil ging schon 1354 an Würzburg über, der meißnische, bestehend aus den Ämtern Coburg, Neustadt, Sonneberg, Neuhaus, Schalkau, Strauf und Rodach, bildete, vergrößert durch einige thüringische Gebiete, unter dem Namen des sächsischen Landes in Franken oder der Pflege Coburg einen Besitz des Hauses Wettin. Durch die Teilung von 1485 kam sie an die Ernestinische Linie und wurde 1541 vom Kurfürsten Johann Friedrich seinem Stiefbruder Johann Ernst überlassen, nach dessen kinderlosem Tod (1553) sie an Johann Friedrich zurückfiel. Bei der Teilung zwischen Johann Wilhelm und den Söhnen Johann Friedrichs des Mittlern 1572 erhielt der ältere der beiden letzteren, Johann Kasimir, Coburg, und als derselbe 1633 kinderlos starb, fiel es seinem Bruder Johann Ernst von Eisenach und 1641 bei der Teilung nach dessen ebenfalls kinderlosem Tod (1638) an die ältere Altenburgische Linie (Herzogtum Sachsen-Altenburg). Als diese 1672 erlosch, erbte Ernst der Fromme von Gotha den größten Teil ihrer Besitzungen, darunter auch Coburg, und bei der Teilung, welche seine Söhne 1680 vornahmen, erhielt Albrecht Coburg und begründete die Linie Sachsen-Coburg, welche aber schon 1699 mit seinem Tod (er starb kinderlos) wieder erlosch. Nach längerem Erbstreit zwischen den Ernestinischen Herzogshäusern wurde Coburg (definitiv erst 1735) mit Saalfeld vereinigt und so das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld begründet, doch behielt Gotha durch den sogenannten „Nexus Gothanus“ die Landeshoheit in Saalfeld.
Als Herzog Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld am 9. Dezember 1806 starb, diente sein Sohn Ernst I. (1806 – 1844) im preußischen Heer und Napoleon I. besetzte daher das Land. Der Herzog konnte sein Land nur durch den Beitritt zum Rheinbund wiedererlangen und bemühte sich nun sofort um die Regelung der Finanzen. Auf dem Wiener Kongress erhielt Herzog Ernst I., der sich im November 1813 den Verbündeten angeschlossen und 1814 und 1815 im Krieg gegen Frankreich ein deutsches Armeekorps befehligte, das Fürstentum Lichtenberg in den Rheinlanden, welches er aber 1834 gegen eine Jahresrente an das Königreich Preußen verkaufte. 1821 gab er seinem Land eine liberale Verfassung.

1826 starb die Linie Sachsen-Gotha-Altenburg aus und es kam in den ernestinischen Ländern zur letzten dynastischen Landesteilung. Im Teilungsvertrag vom 12. November 1826 trat Herzog Ernst I. das Fürstentum Saalfeld und Themar an das Herzogtum Sachsen-Meiningen ab und erhielt dafür das Herzogtum Gotha sowie die Ämter Königsberg in Franken und Sonnefeld. Seitdem heißt das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Gotha behielt jedoch seine eigene Verfassung. Die Verwaltung des Herzogtums wurde 1828 neu organisiert. 1834 erfolgte der Beitritt zum Deutschen Zollverein. Der Streit über die herzoglichen Domänen wurde per Gesetzt vom 29. Dezember 1846 geschlichtet und mit einem neuen Wahlgesetz und sonstigen Reformen eine freisinnige Richtung eingeschlagen, so dass das Herzogtum 1848 von Unruhen verschont blieb, zumal der Herzog alle liberalen Forderungen bereitwillig gewährte. Der 1851 als leitender Minister berufene von Seebach (bis 1888) brachte 1852 eine organisatorische Vereinigung beider Herzogtümer durch das Staatsgrundgesetz vom 3. Mai 1852 zustande. Das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha verfolgte auch nach 1850 eine durchaus liberale Politik; es bot dem Nationalverein Zuflucht, schloss 1862 mit dem Königreich Preußen eine Militärkonvention und stellte 1866 sein Truppenkontingent Preußen zur Verfügung. Während des Deutschen Krieges nahmen coburgisch-gothaische Truppen in der Schlacht bei (Bad) Langensalza und am Feldzug der Mainarmee teil. Als Dank überließ Preußen dem Herzog einen ansehnlichen Waldkomplex bei Schmalkalden, der die Hälfte des Ertrages der Staatskasse zuwies. Durch den Vertrag vom 18. August 1866 trat das Land dem Norddeutschen Bund bei und wurde so 1871 ein souveräner Bundesstaat im Deutschen Reich. Zur Verminderung der Verwaltungskosten schlug die Regierung eine engere Union beider Herzogtümer vor, die von den Landtagen 1873 angenommen wurde; nach dem Gesetz vom 31. Januar 1874 traten die beiden Landtage, die seitdem als Sonderlandtage bezeichnet werden, für die Beratung gewisser gemeinsamer Angelegenheiten (Justiz und Verwaltung) zu einem Gemeinschaftlichen Landtag zusammen, der abwechselnd in Coburg und in Gotha abgehalten wird. Aber eine vollständige Vereinigung ist dadurch nicht erzielt worden; den Beitrag zu den Unterhaltskosten der Universität Jena zum Beispiel leistet nur das Herzogtum Gotha. Bis 1874, zur Einführung der Mark, galten im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha sogar zwei verschiedene Währungen, im Herzogtum Gotha die Taler-Währung, im Herzogtum Coburg die Gulden-Währung. 1875 vereinigten sich in Gotha die Arbeiterparteien von Ferdinand Lassalle und August Bebel zur „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“.

Da Herzog Ernst II. 1893 kinderlos starb, folgte ihm der zweite Sohn seines Bruders, des Prinz-Gemahls Albert – Gemahl der Königin Victoria von Großbritannien, Alfred. Von Geburt Engländer und englisch erzogen, verzichtete er auf seine Stellung als englischer Admiral und Mitglied des Geheimen Staatsrates, behielt aber auch als deutscher Bundesfürst seine Apanage bei. Da des Herzogs einziger Sohn im Februar 1899 starb, wurde die Erfolge im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha durch Landesgesetz neu geordnet. Zwar wurde der Landesvertretung die Mitwirkung bei allen künftigen Veränderungen in der Erbfolge gewährleistet. Da des Herzogs nächster Bruder, der Herzog von Connaught, für sich und seine Nachkommen zugunsten der von dem nächst jüngeren Bruder Leopold († 1884) abstammenden Linie Albany auf die Erbfolge verzichtete, so wurde der damals noch unmündige Sohn, Carl Eduard, Thronerbe und seine weitere Erziehung in Deutschland fortgesetzt. Als Herzog Alfred schon am 30. Juli 1900 starb, folgte Carl Eduard. Bis zur Erlangung der Volljährigkeit, am 19. Juli 1905, führte der Schwiegersohn des verstorbenen Herzogs, Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, die Regierung. Der Erbprinz regelte mit der Regierung einvernehmlich die offenen Fragen über die herzoglichen Domänen. Am 19. Juli 1905 trat Herzog Carl Eduard die Regierung an und vermählte sich am 11. Oktober 1905 mit Prinzessin Viktoria Adelheid, der ältesten Tochter des Herzogs Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Der neue Staatsminister von Richter versuchte vergeblich die kostenintensive doppelte Hofhaltung in Coburg einzusparen, da die Stadt und das Land Coburg darin eine schwere Schädigung ihrer Interessen sah. Der Herzog war ein bedeutender Förderer von Wissenschaft und Technik, insbesondere der Luftfahrt im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Am 9. November 1918 erklärte der Gothaer Arbeiter- und Soldatenrat Herzog Carl Eduard für abgesetzt.

Der Linie Sachsen-Coburg-Gotha entstammt u.a. die britische Königshaus (Sachsen-Coburg-Gotha, 1917 in Windsor umbenannt) mit Königin Queen Victoria (1819 – 1901), das belgische Königshaus mit Leopold I. (1790 – 1865), das portugiesische Königshaus (bis 1910) und das bulgarische Königshaus „Sakskoburggotski“.

Am 1. Juli 1920 wurde der Coburger Gebietsteil (Freistaat Sachsen Coburg) an Bayern angegliedert, der Gebietsteil Gotha (Freistaat Sachsen Gotha) wurde am 30. April 1920 dem Freistaat Thüringen eingegliedert.