Provinz Schlesien

Provinzhauptstadt Breslau

Breslau, Blick vom Elisabeth-Turm
Breslau, Blick vom Elisabeth-Turm

 

Schlesien, ein ehemals zu Böhmen gehöriges Herzogtum, ist jetzt zwischen Preußen und Österreich geteilt. Die preußische Provinz Schlesien besteht aus dem 1742 an Preußen gekommenen Teil von Schlesien, der Grafschaft Glatz und dem 1815 erworbenen Anteil an der Oberlausitz. Neben der preußischen Provinz Schlesien existiert im Kaisertum Österreich das Kronland Österreichisch Schlesien (Herzogtum Schlesien).

Provinz Schlesien (Preußisch-Schlesien)

Verwaltungshauptstadt:

Breslau 470 751 Einwohner – 1905 = 6. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Reichstag:

35 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

65 Mitglieder

Größe:

40.324,85 km²

Gerichtsbezirke:

Die Provinz Schlesien bildet den Bezirk des Königlichen Oberlandesgerichts Breslau, zu diesem gehören 14 Landgerichte mit 130 Amtsgerichten

  1. Landgericht Beuthen (ObSchles.) mit den Amtsgerichten: Beuthen (ObSchles.), Kattowitz, Königshütte, Myslowitz, und Tarnowitz.
  2. Landgericht Breslau mit den Amtsgerichten: Breslau, Canth, Neumarkt (Schles.), Winzig und Wohlau.
  3. Landgericht Brieg mit den Amtsgerichten: Brieg, Grottkau, Löwen, Ohlau, Strehlen und Wansen.
  4. Landgericht Glatz mit den Amtsgerichten: Frankenstein, Glatz, Habelschwerdt, Landeck, Lewin, Mittelwalde, Münsterberg, Neurode, Reichenstein, Reinerz und Wünschelburg.
  5. Landgericht Gleiwitz mit den Amtsgerichten: Gleiwitz, Nicolai, Peiskretscham, Pleß, Tost und Zabrze.
  6. Landgericht Glogau mit den Amtsgerichten: Beuthen (Oder), Carolath, Freystadt (NdSchles.), Glogau, Grünberg (Schles.), Guhrau, Halbau, Herrnstadt, Kontopp, Neusalz, Polkwitz, Priebus, Sagan, Sprottau und Steinau (Oder).
  7. Landgericht Görlitz mit den Amtsgerichten: Görlitz, Hoyerswerda, Lauban, Marklissa, Muskau, Niesky, Reichenbach (ObLaus.), Rothenburg (Ob.Laus.), Ruhland und Seidenberg.
  8. Landgericht Hirschberg mit den Amtsgerichten: Bolkenhain, Friedeberg (Queis), Greiffenberg (Schles.), Hermsdorf (Kynast), Hirschberg (Schles.), Lähn, Landeshut, Liebau, Löwenberg, Schmiedeberg (Riesengeb.) Schömberg und Schönau (Katzbach).
  9. Landgericht Liegnitz mit den Amtsgerichten: Bunzlau, Goldberg (Schles.), Haynau, Jauer, Liegnitz, Lüben, Naumburg (Queis) und Parchwitz.
  10. Landgericht Neisse mit den Amtsgerichten: Falkenberg (Schles.), Friedland (Bz. Oppeln), Neisse, Neustadt (ObSchles.), Oberglogau, Ottmachau, Patschkau und Ziegenhals.
  11. Landgericht Oels mit den Amtsgerichten: Bernstadt (schles.), Festenberg, Großwartenberg, Militsch, Namslau, Neumittelwalde, Oels, Prausnitz, Trachenberg und Trebnitz.
  12. Landgericht Oppeln mit den Amtsgerichten: Carlsruhe (Schles.), Großstrehlitz, Guttentag, Konstadt, Krappitz, Kreuzburg (Ob.Schles.), Kupp, Landsberg (ObSchles.), Leschnitz, Lublinitz, Oppeln, Pitschen, Rosenberg (ObSchles.) und Ujest.
  13. Landgericht Ratibor mit den Amtsgerichten: Bauerwitz, Cosel, Gnabenfeld, Hultschin, Katscher, Leobschütz, Loslau, Ratibor, Rybnik und Sohrau (ObSchles.).
  14. Landgericht Schweidnitz mit den Amtsgerichten: Freiburg (Schles.), Friedland (Bz. Breslau), Gottesberg, Niederwüstegiersdorf, Nimptsch, Reichenbach (Schles.), Schweidnitz, Striegau, Waldenburg (Schles.) und Zobten.

Einwohner:

Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 5.225.962 Einwohner:

  • 2.512.713 männlich
  • 2.713.249 weiblich

Bevölkerungsentwicklung:

  • 1816: 1.942.063
  • 1875: 3.843.699
  • 1880: 4.007.965
  • 1890: 4.224.502
  • 1900: 4.668.901
  • 1905: 4.942.725
  • 1910: 5.225.962

Natürliche Gebiete:

  1. Die Tieflandsbucht
  2. Die Sudeten (Riesengebirge mit Isergebirge) und Glatzer Gebirge.
  3. Der südliche Höhenzug

Gewässer:

Oder und ihre Nebenflüsse, Klodnitz-Kanal.

Klima:

Die Mitte zwischen der Rheinprovinz und den nordöstlichen Provinzen.

Bewohner:

Schlesier, dieser deutsche Neustamm entstand aus Vermischung von Thüringern, Franken und Slawen.

In der Wesensart der Ostmitteldeutschen klingen die liebenswürdigen und lebenslustigen Saiten des Thüringers und Franken stark an. Die Unterwerfung und Durchdringung der Slawen mit deutscher Art hatte hier nichts von jener Härte und Gewaltsamkeit an sich, die im Norden sich geltend machte, und so hat die Wesensart des Stammens etwas Weicheres und Fröhlicheres bekommen. Am reinsten zeigt sich die Art im Schlesier, den Gustav Freytag aus eigner Abstammung heraus folgendermaßen schildert:

„Sie sind ein lebhaftes Volk von gutmütiger Art, heiterem Sinn, genügsam, höflich und gastfrei, eifrig und unternehmungslustig, arbeitsam wie alle Deutschen, aber nicht vorzugsweise dauerhaft und nicht vorzugsweise sorgfältig; von einer unübertrefflichen Elastizität, aber ohne gewichtigen Ernst, behende und reichlich in Worten, aber nicht ebenso eilig in der Tat, mit einem weichen Gemüt, sehr geneigt, Fremdes auf sich wirken zu lassen, und doch mit nüchternem Urteil, welches ihnen die Gefahr verringerte, das eigene Wesen aufzuopfern; beim Genuß heiterer, ja poetischer als die anderen Stämme, aber auch seinem idealen Leben vielleicht ohne die Größe massiverer Volksnaturen. Wie das Volk ist auch sein Dialekt; breit, behaglich, sorglos fallen die Worte von den Lippen; er ist reich an liebkosenden Verkleinerungswörtern und abgeleiteten Verben, welche gemütliche Nuancen und Zustände oder Handlungen bezeichnen, er bewahrt manchen altertümlichen Namen und nicht wenig umgeformte Slawenwörter und bezeugt noch jetzt durch die vielen Besonderheiten, welche einzelne Teile der Provinz, ja einzelne Orte haben, daß das Land durch Kolonisten aus verschiedenen Gegenden der großen Heimat germanisiert wurde.“Gustav Freytag über seine Landsleuten: Wer erkennt nicht in der heiteren freundlichen Art der Bewohner den Thüringer, in der Lebens- und Unternehmungslust den Franken, in der geringeren Arbeitsausdauer und in der Behendigkeit den slawischen Einschlag, die alle zusammen die Wesensart des Neustammes bedingt haben? Selbst einzelne Besonderheiten des Thüringers, seine religiöse Grübelei und sein musikalischer Sinn lassen sich unschwer bei dem Ostmitteldeutschen nachweisen. „Die deutschen Stämme und ihr Anteil am Leben der Nation“

Th. Lenschau – 1923

  • ca. 4 Millionen Deutsche, entstand aus altgermanischen Stammesresten vermischt mit slawischen Bevölkerungsgruppen, jedoch hauptsächlich durch gezielte Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufleuten im 12. Jahrhundert, die vorrangig aus den thüringisch-obersächsischen und fränkischen Gebieten kamen. Die Thüringer haben ihren Dialekt auch hierher getragen, so dass obersächsische und schlesische Mundart als Form der thüringischen erscheint. „Harms Vaterländische Erdkunde“ 1906
  • ca. 1 Million Polen leben hauptsächlich im östlichen ländlichen Teil der Provinz.
  • 60.000 Mähren im südlichen Landesteil.
  • 24.000 Wenden (slawische Sorben) in der Oberlausitz.

Bevölkerungsdichte:

122,4/km²

Religion:

Das Konsistorium und ein Generalsuperintendent in Breslau stehen an der Spitze der protestantischen Bevölkerung, während die Katholiken in Kirchensachen dem Fürstbischof von Breslau untergeordnet sind. Hiervon ausgenommen sind jedoch die Kreise Neurode, Glatz und Habelschwerdt, die zum Erzstift Prag, und der Kreis Leobschütz nebst einem Teil des Kreises Ratibor, der zum Erzstift Olmütz gehört.
1871

  • 1.761.661 Evangelische (vorwiegend im Regierungsbezirk Liegnitz)
  • 1.895.321 Römisch-katholisch (vorwiegend im Regierungsbezirk Oppeln und in den Kreisen Glatz und Habelschwerdt)
  •      3.464 sonstige Christen
  •    49.619 Juden (vorwiegend in und bei Breslau, Liegnitz, Königshütte und Gleiwitz)
  •         102 Sonstige

Militär: 1881

In der Provinz garnisoniert das ganze VI. und ein Teil des V. Armeekorps- In Salau sind die Ulanen 1,5 stationiert. Die Regierungsbezirke Breslau und Oppeln bilden die Ersatzbezirke für das VI. Armeekorps (21. – 24. Brigade), der Regierungsbezirk Liegnitz für einen Teil des V. Armeekorps (17. und 18. Brigade). Festungen befinden sich in Glatz, Glogau und Neisse.

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft: Die Provinz ist ausgezeichnet durch einen hoch entwickelten Ackerbau. Seine Grundlage bilden die Lößböden. Mittelschlesien von Oppeln bis Liegnitz ist die schlesische Kornkammer, erzeugt aber nicht bloß Getreide, sondern auch Flachs, Tabak und Zichorien dazu große Mengen Zuckerrüben. Der Weinbau bei Grünberg ist der nördlichste der Erde. Schlesien steht mit seinem Großgrundbesitz an dritter Stelle in Preußen (Pommern 64 %, Posen 58 %, Schlesien 51 %). Es ist die Provinz mit den größten Besitzungen, von denen manche größer sind als einige deutsche Kleinstaaten.
  • Bergbau: Die Provinz ist ungewöhnlich reich an Steinkohlen und Erzen (Oberschlesische Platte und Waldenburger Bergland), ebenfalls finden sich Braunkohlevorkommen. Zahlreich sind auch die Kalkstein-, Marmor-, Granit und Basaltsteinbrüche. Im Hügelland finden sich mehrfach Töpfertone und Porzellanerde, sowie Quarz- und Quarzlande für die Glaserzeugung.
  • Industrie ist hervorragend. In erster Linie die Webe-Industrie. durch Flachsanbau am Gebirgsrand und Schafzucht in der niederschlesischen Heide. Dementsprechend ist die Weberindustrie des Gebirgsvorlandes überwiegend Leinenindustrie (Hauptsitze Reichenbach, Langenbielau, Schweidnitz, Striegau, Waldenburg, Landshut, Hirschberg, Lauban, diejenige Niederschlesiens Tuchweberei (Grünberg, Sprottau, Sagan und das Oberlausitzsche Görlitz. Der Hauptsitz der Metallindustrie ist die Oberschlesische Platte, aber auch Breslau, Görlitz u.a. Städte haben bedeutende Eisenindustrie. Die Zahl der Zuckerfabriken wird nur von der Provinz Sachsen übertroffen. Durch Tonfabriken ist Bunzlau berühmt. Glasfabriken hat allein der Kreis Liegnitz über 20. Zahlreiche Mineralquellen, am bekanntesten sind Warmbrunn, Salzbrunn, Reinerz und Landeck.
  • Handel war seit jeher hervorragend. Die Hauptplätze sind Breslau, Liegnitz und Görlitz.

Administrative Gliederung:

Die oberste Verwaltung der Provinz Schlesien wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Breslau ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz wird eingeteilt in 3 Regierungsbezirke und  70 Kreise, 1567 Amts- und 1743 Standesamtsbezirke:

  1. Regierungsbezirk Breslau (die Mitte Schlesiens) mit einer Fläche von 13.483,63 km² und 1.697.719 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in zwei Stadtkreise und 23 Landkreise:Stadtkreis Breslau, Stadtkreis Schweidnitz, sowie die Landkreise Breslau, Brieg, Frankenstein, Glatz, Groß Wartenberg, Guhrau, Habelschwerdt, Militsch, Münsterberg, Namslau, Neumarkt, Neurode, Nimptsch, Oels, Ohlau, Reichenbach, Schweidnitz, Steinau, Strehlen, Striegau, Trebnitz, Waldenburg und Wohlau. 1907 kam es zur Bildung des Stadtkreises Brieg.
  2. Regierungsbezirk Liegnitz (der Westen Schlesiens) mit einer Fläche von 13.610,20 km² und 1.102.992 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in zwei Stadtkreise und 19 Landkreise:Stadtkreis Görlitz, Stadtkreis Liegnitz, sowie die Landkreise Bolkenhain, Bunzlau, Freystadt, Glogau, Goldberg-Haynau, Görlitz, Grünberg, Hirschberg, Hoyerswerda, Jauer, Landeshut, Lauban, Liegnitz, Löwenberg, Lüben, Rothenburg (Oberlausitz), Sagan, Schönau und Sprottau
  3. Regierungsbezirk Oppeln (der Osten Schlesiens) mit einer Fläche von 13.225,36 km² und 1.868146 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 5 Stadtkreise und 19 Landkreise:Stadtkreis Beuthen (OS), Stadtkreis Gleiwitz, Stadtkreis Kattowitz, Stadtkreis Königshütte, Stadtkreis Oppeln, sowie die Landkreise Beuthen (OS), Cosel, Falkenberg, Groß Strehlitz, Grottkau, Kattowitz, Kreuzburg, Leobschütz, Lublinitz, Neisse, Neustadt (OS), Oppeln, Pleß, Ratibor, Rosenberg (OS), Rybnik, Tarnowitz, Tost-Gleiwitz und Zabrze

 

Geschichte:

Ursprünglich war Schlesien von den ostgermanischen Stämmen der Silinger und Lugier bewohnt. Von den wandalischen Silingern leitet sich der heutige Landesname „Schlesien“ ab. In der Zeit der Völkerwanderung wanderten die Ostgermanen nach Süden und es siedelten sich in der zweiten Hälfte des 5 Jahrhunderts Slawen in Schlesien an. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts nahmen sie an der Bildung des polnischen Reiches unter Mscislaw I. teil. Der deutsche Kaiser Otto III. gründete im Jahre 1000 das bis 1821 existierende Erzbistums Gnesen. Im 12. Jahrhundert bildete sich aus dem Haus der Piasten eine eigenständige schlesische Herzogs-Herrschaftslinie heraus. Seit sich Herzog Heinrich I. dem Bärtigen (1208-38) gegen Polen stellte, wurde die gezielte Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufleuten, die vorrangig aus fränkischen, thüringischen und obersächsischen Gebieten kamen, gefördert. Nachfolgend wurden 1300 – 1500 deutsche Dörfer begründet. 1241 stellte sich, unter Führung des schlesischen Herzogs Heinrich des Frommen, ein deutsch-polnisches Heer aus Rittern und Bauern bei Liegnitz (Schlacht bei Liegnitz) einem eingedrungenen Mongolenheer entgegen und wurde dabei vollständig aufgerieben. Nach 1241 wurde die Gründung von Städten in Angriff genommen, die mit Magdeburgischem Recht ausgestattet wurden. Durch dynastische Aufteilungen gab es 1320 zehn niederschlesische und sieben oberschlesische Fürstentümer, die sich stark nach Böhmen hin orientierten. 1327 erkannten die Piasten  die böhmische Lehnshoheit an. Trotz der Verwüstungen durch die Hussitenkriege stiegt die wirtschaftliche Bedeutung Schlesiens stetig an. Früh schloss sich das Land der Reformation an und behauptete sich auch, nachdem es 1526 für über 200 Jahre mit dem Königreich Böhmen unter Habsburger Herrschaft gekommen war. 1675 nach dem Tode des letzten Piasten wurde Schlesien eine österreichische Provinz. Nach dem ersten Schlesischen Krieg musste Kaiserin Maria Theresia im Frieden von Breslau (1742) Schlesien an König Friedrich II. von Preußen abtreten. Es folgten der zweite und der dritte schlesische Krieg, der 1763 mit dem Frieden von Hubertusburg (bei Leipzig) endete. Schlesien blieb als Provinz bei Preußen, nur ein kleines Gebiet um Troppau und Teschen verbliebt als Herzogtum Schlesien bei Österreich. Am 1. Januar 1825 wurde der bisher zum Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) gehörige Kreis Spremberg-Hoyerswerda geteilt und davon der neu gebildete Kreis Hoyerswerda zum Regierungsbezirk Liegnitz verlegt. Die Provinz Schlesien umfasst das alte Oberschlesien (mit Ausnahme der Fürstentümer Troppau, Jägerndorf, Teschen, Bielitz etc.), das gesamte Niederschlesien nebst der Grafschaft Glatz (mit Ausschluss des Kreises Schwiebus), den durch Vertrag vom 18. Mai 1815 von Sachsen abgetretenen Teil der Markgrafschaft Oberlausitz, die am 9. Juni 1815 abgetretenen böhmischen Enklaven und die Stadt Rothenburg vom Kreis Krossen der Neumark. Den südöstlichen Teil Schlesiens nennt man Oberschlesien, den nordwestlichen Teil, der sich der Tiefebene zuwendet, Niederschlesien.

1919 Die Wiederherstellung Polens war zu einem der Kriegsziele der Entente-Mächte im Ersten Weltkrieg geworden, und so wurde im Versailler Vertrag bestimmt, dass ganz Oberschlesien an Polen abzutreten sei. Aufgrund britischen Einspruchs wurde jedoch 1920 eine Volksabstimmung angeordnet. Französische, britische und italienische Truppen rückten in die Abstimmungsgebiete ein, um die „Interalliierte Regierungs- und Plebiszitkommission“ zu unterstützen. Polnische Gruppen hatten seit 1919 versucht, durch zwei Aufstände vollendete Tatsachen zu schaffen. Am 21.03.1921 fand in Oberschlesien in Erfüllung der Festlegungen im Versailler Vertrages eine Volksabstimmung statt. Circa 61 % stimmen für den Verbleib in Deutschland. Über ein Drittel der Bevölkerung mit polnischer Muttersprache hatte für das Deutsche Reich gestimmt. Das für Deutschland günstige Abstimmungsergebnis, versucht der polnische Abstimmungskommissar Wojciech Korfanty zu unterlaufen. Er ruft seine Landsleute zum offenen Kampf für ein polnisches Oberschlesien auf (Korfanty-Aufstand). Seine Freikorps stoßen auf erbitterte Abwehr deutscher Selbstschutzverbände unter General Höfer. Nach dem Aufmarsch britischer Truppen im Juni 1921 ziehen sich die siegreichen deutschen Verbände und die geschlagenen Polen in ihre Ausgangsstellungen zurück. Im Oktober 1921 erfolgt auf Empfehlung des tschechoslowakischen Staatspräsidenten die Aufteilung Oberschlesiens. Städte mit deutscher Mehrheit wie Kattowitz 57% und Königshütte 75 %, sowie 75 % Steinkohleförderung und 80 % der Blei- und Zinkerzeugung gehen dem Deutschen Reich verloren. 120.000 Deutsche flüchten ins Reichsgebiet, 400.000 – 500.000 deutsche Schlesier leben unter polnischer Herrschaft.

1920 Ohne Volksabstimmung und unter Protest seiner Bevölkerung wurde 1920 das wegen seiner Steinkohlevorkommen wirtschaftlich bedeutende 286 km² große Hultschiner Ländchen der Provinz Schlesien an die Tschechoslowakei abgetreten. Das Gebiet wird 2 unterschiedlichen Verwaltungsgebieten zugeteilt, bis auf 2 Schulen werden alle deutschen Schulen geschlossen.

1939 Nach der Niederlage Polens im Herbst 1939 werden die abgetrennten Gebiete Oberschlesien dem Deutschen Reich wieder angegliedert.1945 1945 fiel mit Einmarsch der sowjetischen „Roten Armee“ der allergrößte Teil Schlesiens unter polnische Verwaltung. Der deutsche Osten wurde Opfer der stalinschen Westverschiebung Polens. Die in Schlesien ansässigen Deutschen (3 – 4 Millionen) flohen, wurden vertrieben und fielen letztendlich einer gründlichen „ethnischen Säuberung“ zum Opfer; ca. 387.000 Deutsche gelten als „Nachkriegsverluste“, also als ermordet, in Lagern verhungert, in der sowjetischen Verschleppung umgekommen oder vermisst (Statistisches Bundesamt 1958). Selbst die Stadt Görlitz wurde

1945 geteilt, der östliche Stadtteil  bildet heute die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec. Nur in Oberschlesien lebt heute noch eine kleine deutsche Minderheit.Die westlich der Görlitzer Neiße gelegen Teile Schlesiens gehören heute zum Freistaat Sachsen und damit zu Deutschland. Somit gehört auch heute noch ein kleiner Teil der ehemaligen Provinz Schlesien zu Deutschland.