Provinz Schlesien

Schneekoppe, Linie Friedrichshafen - Schneekoppe - Memel
Schneekoppe, Linie Friedrichshafen - Schneekoppe - Memel

Die preußische Provinz Schlesien mit der Landeshauptstadt Breslau, Geschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Breslau, Blick vom Elisabeth-Turm
Breslau, Blick vom Elisabeth-Turm

Provinz Schlesien (Preußisch-Schlesien)

Schlesien, Lage im Deutschen Reich
Schlesien, Lage im Deutschen Reich

Schlesien, ein ehemals zu Böhmen gehöriges Herzogtum, wurde 1742 zwischen Preußen und Österreich geteilt. Die preußische Provinz Schlesien besteht aus dem 1742 an Preußen gekommenen Teil von Schlesien, der Grafschaft Glatz und dem 1815 erworbenen Anteil an der Oberlausitz.

Landkarte Schlesien
Landkarte Schlesien

Neben der preußischen Provinz Schlesien existiert im Kaisertum Österreich das Kronland Österreichisch Schlesien (Herzogtum Schlesien). Bei Myslowitz, an der Grenze zu Russland und Österreich, liegt das Dreikaisereck.

Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz

Wappen:

Das Wappen der Provinz Schlesien ist ein in Gold herzoglich gekrönter, goldbewehrter schwarzer Adler mit bekreutztem silbernen Brustmond.

Provinz Schlesien, Großes Wappen
Provinz Schlesien, Großes Wappen

Landesfarben:

Die Landesfarben Schlesiens sind Weiß und Gelb.

Provinz Schlesien, Flagge
Provinz Schlesien, Flagge

Verwaltungshauptstadt:

Breslau 470.751 Einwohner – 1905 = 6. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Breslau, Rathaus
Breslau, Rathaus

Reichstag:

35 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

65 Mitglieder

Größe der Provinz Schlesien:

40.324,85 km²

Schlesien, Landkarte 1900
Schlesien, Landkarte 1900

Gerichtsbezirke:

Die Provinz Schlesien bildet den Bezirk des Königlichen Oberlandesgerichts Breslau, zu diesem gehören 14 Landgerichte mit 130 Amtsgerichten

  1. Landgericht Beuthen (ObSchles.) mit den Amtsgerichten: Beuthen (ObSchles.), Kattowitz, Königshütte, Myslowitz, und Tarnowitz.
  2. Landgericht Breslau mit den Amtsgerichten: Breslau, Canth, Neumarkt (Schles.), Winzig und Wohlau.
  3. Landgericht Brieg mit den Amtsgerichten: Brieg, Grottkau, Löwen, Ohlau, Strehlen und Wansen.
  4. Landgericht Glatz mit den Amtsgerichten: Frankenstein, Glatz, Habelschwerdt, Landeck, Lewin, Mittelwalde, Münsterberg, Neurode, Reichenstein, Reinerz und Wünschelburg.
  5. Landgericht Gleiwitz mit den Amtsgerichten: Gleiwitz, Nicolai, Peiskretscham, Pleß, Tost und Zabrze.
  6. Landgericht Glogau mit den Amtsgerichten: Beuthen (Oder), Carolath, Freystadt (NdSchles.), Glogau, Grünberg (Schles.), Guhrau, Halbau, Herrnstadt, Kontopp, Neusalz, Polkwitz, Priebus, Sagan, Sprottau und Steinau (Oder).
  7. Landgericht Görlitz mit den Amtsgerichten: Görlitz, Hoyerswerda, Lauban, Marklissa, Muskau, Niesky, Reichenbach (ObLaus.), Rothenburg (Ob.Laus.), Ruhland und Seidenberg.
  8. Landgericht Hirschberg mit den Amtsgerichten: Bolkenhain, Friedeberg (Queis), Greiffenberg (Schles.), Hermsdorf (Kynast), Hirschberg (Schles.), Lähn, Landeshut, Liebau, Löwenberg, Schmiedeberg (Riesengeb.) Schömberg und Schönau (Katzbach).
  9. Landgericht Liegnitz mit den Amtsgerichten: Bunzlau, Goldberg (Schles.), Haynau, Jauer, Liegnitz, Lüben, Naumburg (Queis) und Parchwitz.
  10. Landgericht Neisse mit den Amtsgerichten: Falkenberg (Schles.), Friedland (Bz. Oppeln), Neisse, Neustadt (ObSchles.), Oberglogau, Ottmachau, Patschkau und Ziegenhals.
  11. Landgericht Oels mit den Amtsgerichten: Bernstadt (schles.), Festenberg, Großwartenberg, Militsch, Namslau, Neumittelwalde, Oels, Prausnitz, Trachenberg und Trebnitz.
  12. Landgericht Oppeln mit den Amtsgerichten: Carlsruhe (Schles.), Großstrehlitz, Guttentag, Konstadt, Krappitz, Kreuzburg (Ob.Schles.), Kupp, Landsberg (ObSchles.), Leschnitz, Lublinitz, Oppeln, Pitschen, Rosenberg (ObSchles.) und Ujest.
  13. Landgericht Ratibor mit den Amtsgerichten: Bauerwitz, Cosel, Gnabenfeld, Hultschin, Katscher, Leobschütz, Loslau, Ratibor, Rybnik und Sohrau (ObSchles.).
  14. Landgericht Schweidnitz mit den Amtsgerichten: Freiburg (Schles.), Friedland (Bz. Breslau), Gottesberg, Niederwüstegiersdorf, Nimptsch, Reichenbach (Schles.), Schweidnitz, Striegau, Waldenburg (Schles.) und Zobten.
Breslau, Blick auf die Universität
Breslau, Blick auf die Universität

Einwohner:

Die Bevölkerung Schlesiens betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 5.225.962 Einwohner:

  • 2.512.713 männlich
  • 2.713.249 weiblich

Bevölkerungsentwicklung:

  • 1816: 1.942.063
  • 1875: 3.843.699
  • 1880: 4.007.965
  • 1890: 4.224.502
  • 1900: 4.668.901
  • 1905: 4.942.725
  • 1910: 5.225.962

Natürliche Gebiete:

  1. Die Tieflandsbucht
  2. Die Sudeten (Riesengebirge mit Isergebirge) und Glatzer Gebirge.
  3. Der südliche Höhenzug
Beuthen O.-S., Kaiserplatz mit Ober-Realschule
Beuthen O.-S., Kaiserplatz mit Ober-Realschule

Gewässer Schlesiens:

Die Hauptgewässer Schlesiens sind die Oder und ihre Nebenflüsse, Klodnitz-Kanal.

Klima:

Das Klima Schlesiens liegt zwischen dem der Rheinprovinz und den nordöstlichen Provinzen.

Bewohner:

Deutsche Stämme nach Sprachgebieten (1918)
Deutsche Stämme nach Sprachgebieten (1918)

Die Bewohner Schlesiens sind größtenteils Deutsche, rund 1 Million Polen leben hauptsächlich in Oberschlesien.

  • Rund 4 Millionen Deutsche, hauptsächlich durch gezielte Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufleuten im 12. Jahrhundert, die vorrangig aus den thüringisch-obersächsischen und fränkischen Gebieten kamen. Die Thüringer haben ihren Dialekt auch hierher getragen, so dass obersächsische und schlesische Mundart als Form der thüringischen erscheint (aus „Harms Vaterländische Erdkunde“ 1906).
  • Rund 1 Million Polen leben hauptsächlich im östlichen ländlichen Teil der Provinz, 60.000 Mähren im südlichen Landesteil und 24.000 Wenden (slawische Sorben) in der Oberlausitz.
Grüße aus der Gurkenstadt Liegnitz
Grüße aus der Gurkenstadt Liegnitz

Schlesier, dieser deutsche Neustamm entstand aus Vermischung von Thüringern, Franken und Slawen. In der Wesensart der Ostmitteldeutschen klingen die liebenswürdigen und lebenslustigen Saiten des Thüringers und Franken stark an. Die Unterwerfung und Durchdringung der Slawen mit deutscher Art hatte hier nichts von jener Härte und Gewaltsamkeit an sich, die im Norden sich geltend machte, und so hat die Wesensart des Stammes etwas Weicheres und Fröhlicheres bekommen. Am reinsten zeigt sich die Art im Schlesier, den Gustav Freytag aus eigener Abstammung heraus folgendermaßen schildert:

Schlesische Bäuerin
Schlesische Bäuerin

Sie sind ein lebhaftes Volk von gutmütiger Art, heiterem Sinn, genügsam, höflich und gastfrei, eifrig und unternehmungslustig, arbeitsam wie alle Deutschen, aber nicht vorzugsweise dauerhaft und nicht vorzugsweise sorgfältig; von einer unübertrefflichen Elastizität, aber ohne gewichtigen Ernst, behende und reichlich in Worten, aber nicht ebenso eilig in der Tat, mit einem weichen Gemüt, sehr geneigt, Fremdes auf sich wirken zu lassen, und doch mit nüchternem Urteil, welches ihnen die Gefahr verringerte, das eigene Wesen aufzuopfern; beim Genuß heiterer, ja poetischer als die anderen Stämme, aber auch seinem idealen Leben vielleicht ohne die Größe massiverer Volksnaturen. Wie das Volk ist auch sein Dialekt; breit, behaglich, sorglos fallen die Worte von den Lippen; er ist reich an liebkosenden Verkleinerungswörtern und abgeleiteten Verben, welche gemütliche Nuancen und Zustände oder Handlungen bezeichnen, er bewahrt manchen altertümlichen Namen und nicht wenig umgeformte Slawenwörter und bezeugt noch jetzt durch die vielen Besonderheiten, welche einzelne Teile der Provinz, ja einzelne Orte haben, daß das Land durch Kolonisten aus verschiedenen Gegenden der großen Heimat germanisiert wurde.“ Gustav Freytag über seine Landsleuten: Wer erkennt nicht in der heiteren freundlichen Art der Bewohner den Thüringer, in der Lebens- und Unternehmungslust den Franken, in der geringeren Arbeitsausdauer und in der Behendigkeit den slawischen Einschlag, die alle zusammen die Wesensart des Neustammes bedingt haben? Selbst einzelne Besonderheiten des Thüringers, seine religiöse Grübelei und sein musikalischer Sinn lassen sich unschwer bei dem Ostmitteldeutschen nachweisen. „Die deutschen Stämme und ihr Anteil am Leben der Nation“ Th. Lenschau, 1923

Glatz, Rathaus
Glatz, Rathaus

Bevölkerungsdichte:

Die Bevölkerungsdichte der Provinz Schlesien beträgt 122,4/km².

Religion:

Das Konsistorium und ein Generalsuperintendent in Breslau stehen an der Spitze der protestantischen Bevölkerung, während die Katholiken in Kirchensachen dem Fürstbischof von Breslau untergeordnet sind. Hiervon ausgenommen sind jedoch die Kreise Neurode, Glatz und Habelschwerdt, die zum Erzstift Prag, und der Kreis Leobschütz nebst einem Teil des Kreises Ratibor, der zum Erzstift Olmütz gehört.

Breslau, Dombrücke und Kreuzkirche
Breslau, Dombrücke und Kreuzkirche

Übersicht 1871:

  • 1.761.661 Evangelische (vorwiegend im Regierungsbezirk Liegnitz)
  • 1.895.321 Römisch-katholisch (vorwiegend im Regierungsbezirk Oppeln und in den Kreisen Glatz und Habelschwerdt)
  • 3.464 sonstige Christen
  • 49.619 Juden (vorwiegend in und bei Breslau, Liegnitz, Königshütte und Gleiwitz)
  • 102 Sonstige

Militär:

Militärisch bilden die Regierungsbezirke Breslau und Oppeln den Bezirk des 6. Armeekorps, der Regierungsbezirk Liegnitz gehört zu dem des 5. Armeekorps. (1905)

Görlitz, Kaisertrutz
Görlitz, Kaisertrutz

Wirtschaft Schlesiens:

  • Landwirtschaft: Die Provinz ist ausgezeichnet durch einen hoch entwickelten Ackerbau. Seine Grundlage bilden die Lößböden. Mittelschlesien von Oppeln bis Liegnitz ist die schlesische Kornkammer, erzeugt aber nicht bloß Getreide, sondern auch Flachs, Tabak und Zichorien dazu große Mengen Zuckerrüben. Der Weinbau bei Grünberg ist der nördlichste der Erde. Schlesien steht mit seinem Großgrundbesitz an dritter Stelle in Preußen (Pommern 64 %, Posen 58 %, Schlesien 51 %). Es ist die Provinz mit den größten Besitzungen, von denen manche größer sind als einige deutsche Kleinstaaten.
  • Bergbau: Die Provinz ist ungewöhnlich reich an Steinkohlen und Erzen (Oberschlesische Platte und Waldenburger Bergland), ebenfalls finden sich Braunkohlevorkommen. Zahlreich sind auch die Kalkstein-, Marmor-, Granit und Basaltsteinbrüche. Im Hügelland finden sich mehrfach Töpfertone und Porzellanerde, sowie Quarz- und Quarzlande für die Glaserzeugung.
  • Industrie ist hervorragend. In erster Linie die Webe-Industrie. durch Flachsanbau am Gebirgsrand und Schafzucht in der niederschlesischen Heide. Dementsprechend ist die Weberindustrie des Gebirgsvorlandes überwiegend Leinenindustrie (Hauptsitze Reichenbach, Langenbielau, Schweidnitz, Striegau, Waldenburg, Landshut, Hirschberg, Lauban, diejenige Niederschlesiens Tuchweberei (Grünberg, Sprottau, Sagan und das Oberlausitzsche Görlitz. Der Hauptsitz der Metallindustrie ist die Oberschlesische Platte, aber auch Breslau, Görlitz u.a. Städte haben bedeutende Eisenindustrie. Die Zahl der Zuckerfabriken wird nur von der Provinz Sachsen übertroffen. Durch Tonfabriken ist Bunzlau berühmt. Glasfabriken hat allein der Kreis Liegnitz über 20. Zahlreiche Mineralquellen, am bekanntesten sind Warmbrunn, Salzbrunn, Reinerz und Landeck.
  • Handel war seit jeher hervorragend. Die Hauptplätze sind Breslau, Liegnitz und Görlitz.
Breslau, Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Breslau, Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Administrative Gliederung der Provinz Schlesien:

Die oberste Verwaltung der Provinz Schlesien wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Breslau ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz ist in 3 Regierungsbezirke und 70 Kreise, 1567 Amts- und 1743 Standesamtsbezirke eingeteilt:

  1. Regierungsbezirk Breslau (die Mitte Schlesiens) mit einer Fläche von 13.483,63 km² und 1.697.719 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in zwei Stadtkreise und 23 Landkreise: Stadtkreis Breslau, Stadtkreis Schweidnitz, sowie die Landkreise Breslau, Brieg, Frankenstein, Glatz, Groß Wartenberg, Guhrau, Habelschwerdt, Militsch, Münsterberg, Namslau, Neumarkt, Neurode, Nimptsch, Oels, Ohlau, Reichenbach, Schweidnitz, Steinau, Strehlen, Striegau, Trebnitz, Waldenburg und Wohlau. 1907 kam es zur Bildung des Stadtkreises Brieg.
  2. Regierungsbezirk Liegnitz (der Westen Schlesiens) mit einer Fläche von 13.610,20 km² und 1.102.992 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in zwei Stadtkreise und 19 Landkreise: Stadtkreis Görlitz, Stadtkreis Liegnitz, sowie die Landkreise Bolkenhain, Bunzlau, Freystadt, Glogau, Goldberg-Haynau, Görlitz, Grünberg, Hirschberg, Hoyerswerda, Jauer, Landeshut, Lauban, Liegnitz, Löwenberg, Lüben, Rothenburg (Oberlausitz), Sagan, Schönau und Sprottau
  3. Regierungsbezirk Oppeln (der Osten Schlesiens) mit einer Fläche von 13.225,36 km² und 1.868146 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 5 Stadtkreise und 19 Landkreise: Stadtkreis Beuthen (OS), Stadtkreis Gleiwitz, Stadtkreis Kattowitz, Stadtkreis Königshütte, Stadtkreis Oppeln, sowie die Landkreise Beuthen (OS), Cosel, Falkenberg, Groß Strehlitz, Grottkau, Kattowitz, Kreuzburg, Leobschütz, Lublinitz, Neisse, Neustadt (OS), Oppeln, Pleß, Ratibor, Rosenberg (OS), Rybnik, Tarnowitz, Tost-Gleiwitz und Zabrze
Ratibor, Untere Bahnhofstraße
Ratibor, Untere Bahnhofstraße

Geschichte Schlesiens:

Schlesien, Wappen
Schlesien, Wappen

Ursprünglich war Schlesien von den ostgermanischen Stämmen der Silinger und Lugier bewohnt. Von den wandalischen Silingern leitet sich der heutige Landesname „Schlesien“ ab. In der Zeit der Völkerwanderung wanderten die Ostgermanen nach Süden und es siedelten sich in der zweiten Hälfte des 5 Jahrhunderts Slawen in Schlesien an.

Deutschland vor der zweiten (der ostgermanischen) Wanderung
Deutschland vor der zweiten (der ostgermanischen) Wanderung

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts nahmen sie an der Bildung des polnischen Reiches unter Mscislaw I. teil. Der deutsche Kaiser Otto III. gründete im Jahre 1000 das bis 1821 existierende Erzbistums Gnesen. Im 12. Jahrhundert bildete sich aus dem Haus der Piasten eine eigenständige schlesische Herzogs-Herrschaftslinie heraus. Seit sich Herzog Heinrich I. dem Bärtigen (1208-38) gegen Polen stellte, wurde die gezielte Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufleuten, die vorrangig aus fränkischen, thüringischen und obersächsischen Gebieten kamen, gefördert. Nachfolgend wurden 1300 – 1500 deutsche Dörfer begründet. 1241 stellte sich, unter Führung des schlesischen Herzogs Heinrich des Frommen, ein deutsch-polnisches Heer aus Rittern und Bauern bei Liegnitz (Schlacht bei Liegnitz) einem eingedrungenen Mongolenheer entgegen und wurde dabei vollständig aufgerieben.

Liegnitz, Neues Rathaus
Liegnitz, Neues Rathaus

Nach 1241 wurde die Gründung von Städten in Angriff genommen, die mit Magdeburgischem Recht ausgestattet wurden. Durch dynastische Aufteilungen gab es 1320 zehn niederschlesische und sieben oberschlesische Fürstentümer, die sich stark nach Böhmen hin orientierten. 1327 erkannten die Piasten die böhmische Lehnshoheit an. Trotz der Verwüstungen durch die Hussitenkriege stiegt die wirtschaftliche Bedeutung Schlesiens stetig an. Früh schloss sich das Land der Reformation an und behauptete sich auch, nachdem es 1526 für über 200 Jahre mit dem Königreich Böhmen unter Habsburger Herrschaft gekommen war. 1675 nach dem Tode des letzten Piasten wurde Schlesien eine österreichische Provinz. Nach dem ersten Schlesischen Krieg musste Kaiserin Maria Theresia im Frieden von Breslau (1742) Schlesien an König Friedrich II. von Preußen abtreten.

Neisse, Ring und Kämmereigebäude
Neisse, Ring und Kämmereigebäude

Es folgten der zweite und der dritte schlesische Krieg, der 1763 mit dem Frieden von Hubertusburg (bei Leipzig) endete. Schlesien blieb als Provinz bei Preußen, nur ein kleines Gebiet um Troppau und Teschen verbliebt als Herzogtum Schlesien bei Österreich. Am 1. Januar 1825 wurde der bisher zum Regierungsbezirk Frankfurt gehörige Kreis Spremberg-Hoyerswerda geteilt und davon der neu gebildete Kreis Hoyerswerda zum Regierungsbezirk Liegnitz verlegt. Die Provinz Schlesien umfasst das alte Oberschlesien (mit Ausnahme der Fürstentümer Troppau, Jägerndorf, Teschen, Bielitz etc.), das gesamte Niederschlesien nebst der Grafschaft Glatz (mit Ausschluss des Kreises Schwiebus), den durch Vertrag vom 18. Mai 1815 von Sachsen abgetretenen Teil der Markgrafschaft Oberlausitz, die am 9. Juni 1815 abgetretenen böhmischen Enklaven und die Stadt Rothenburg vom Kreis Krossen der Neumark. Den südöstlichen Teil Schlesiens nennt man Oberschlesien, den nordwestlichen Teil, der sich der Tiefebene zuwendet, Niederschlesien.

Kattowitz, St. Peter und Paul-Kirche mit Vereinshaus
Kattowitz, St. Peter und Paul-Kirche mit Vereinshaus

Die Wiederherstellung Polens war zu einem der Kriegsziele der Entente-Mächte im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) geworden und so wurde im Versailler Vertrag bestimmt, dass ganz Oberschlesien an Polen abzutreten sei. Aufgrund britischen Einspruchs wurde jedoch 1920 eine Volksabstimmung angeordnet. Französische, britische und italienische Truppen rückten in die Abstimmungsgebiete ein, um die „Interalliierte Regierungs- und Plebiszitkommission“ zu unterstützen. Polnische Gruppen hatten seit 1919 versucht durch zwei Aufstände vollendete Tatsachen zu schaffen. Am 21. März 1921 fand in Oberschlesien in Erfüllung der Festlegungen im Versailler Vertrages die Volksabstimmung statt. Rund 61 % stimmten für einen Verbleib in Deutschland, dabei hatten über ein Drittel der Bevölkerung mit polnischer Muttersprache ebenfalls für das Deutsche Reich gestimmt.

Königshütte O.-S., Kaiserstraße
Königshütte O.-S., Kaiserstraße

Das für Deutschland günstige Abstimmungsergebnis versuchte der polnische Abstimmungskommissar Wojciech Korfanty nun zu unterlaufen. Er rief seine Landsleute zum offenen Kampf für ein polnisches Oberschlesien auf (Korfanty-Aufstand). Seine Freikorps stießen aber auf erbitterte Abwehr deutscher Selbstschutzverbände unter General Höfer. Nach dem Aufmarsch britischer Truppen im Juni 1921 zogen sich die siegreichen deutschen Verbände und die geschlagenen Polen in ihre Ausgangsstellungen zurück.

Oberschlesien. So treu wie dir bleib ich Deutschland
Oberschlesien. So treu wie dir bleib ich Deutschland

Im Oktober 1921 erfolgte auf Empfehlung des tschechoslowakischen Staatspräsidenten und im Widerspruch zur Volksabstimmung die Aufteilung Oberschlesiens. Städte mit deutscher Mehrheit wie Kattowitz 57% und Königshütte 75 %, sowie 75 % Steinkohleförderung und 80 % der Blei- und Zinkerzeugung gingen so dem Deutschen Reich verloren. 120.000 Deutsche flüchten ins Reichsgebiet, 400.000 – 500.000 deutsche Schlesier lebten fortan unter polnischer Herrschaft.

Das Unrecht am Hultschiner Ländchen
Das Unrecht am Hultschiner Ländchen

Ohne Volksabstimmung und unter Protest seiner Bevölkerung wurde 1920 das wegen seiner Steinkohlevorkommen wirtschaftlich bedeutende 286 km² große Hultschiner Ländchen der Provinz Schlesien an die Tschechoslowakei abgetreten. Das Gebiet wurde danach zwei unterschiedlichen Verwaltungsgebieten zugeteilt, bis auf Zwei werden alle deutschen Schulen geschlossen.

Hultschiner Ländchen, Vignette
Hultschiner Ländchen, Vignette
Oberschlesien, Vignette
Oberschlesien, Vignette

Nach der Niederlage Polens im Herbst 1939 werden die abgetrennten Gebiete Oberschlesien dem Deutschen Reich wieder angegliedert.

Oberschlesier! Bayern, Oberländler kommen Euch zu Hilfe!
Oberschlesier! Bayern, Oberländler kommen Euch zu Hilfe!

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) werden die Gebiete Schlesiens östlich des Flusses Neiße unter polnische Verwaltung gestellt. Selbst die Stadt Görlitz wurde dabei geteilt, der östliche Stadtteil bildet heute die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec. 

Zehn Jahre Vertreibung, Deutsche Bundespost 1955
Zehn Jahre Vertreibung, Deutsche Bundespost 1955

Die Deutschen fliehen vor der heranrückenden Roten Armee, werden ermordet, verschleppt, bzw. komplett vertrieben. Insgesamt werden rund 18,5 Millionen Deutsche aus ihrer alten Heimat vertrieben, dazukommen rund 1,5 Millionen Russlanddeutsche. Der Kirchliche Suchdienst in München hat 18.367.957 Personen namentlich erfasst (Stand 21.12.1980).

Zwanzig Jahre Vertreibung, Deutsche Bundespost 1965
Zwanzig Jahre Vertreibung, Deutsche Bundespost 1965

In Schlesien gelten rund 466.000 Deutsche (10 % der Einwohner) als „Nachkriegsverluste“, also als nach dem Krieg ermordet, in Lagern verhungert, in der Verschleppung umgekommen oder vermisst. Nur in Oberschlesien lebt heute noch eine kleine deutsche Minderheit. Die westlich der Görlitzer Neiße gelegen Teile Schlesiens gehören heute zum Freistaat Sachsen und damit zu Deutschland. Somit gehört auch heute noch ein kleiner Teil Schlesiens zu Deutschland.

Westliches Schlesien, Oberlausitz, Landkarte 1910
Westliches Schlesien, Oberlausitz, Landkarte 1910

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Oberstufen-Altas für höhere Lehranstalten“ Gotha Justus Perthes 1914
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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ZeitzBreslau

5 Kommentare

    1. Werter Herr Wydra, wäre an Postkarten aus dem Gebiet Niederschlesien interessiert, besonders die Gebiete Lauban, Greiffenberg, Löwenberg, Schosdorf. Bitte kontaktieren Sie mich, um die nötigen Absprachen zu treffen.Vielleicht ist es Ihnen möglich, Scans der Karten vorab zu senden. Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Mühe. Herzliche Grüsse aus Berlin.

    2. Witam ! i serdecznie posdrawiam z Bystrzycy Kłodzkiej dawniej Habelschwerdt byłbym zainteresowany widokami z miasta i okolicy .Liczę na pomoć i zrozumienie .Wojtek

  1. Wunderschön, dass Ihr die Größe und Kraft unserer Ahnen hoch und lebendig haltet.
    Was wären Kinder ohne Eltern?
    Was wäre ein Volk ohne seine Geschichte, seine Achtung vor ihren Ahnen?
    Lieben Dank für Eure Arbeit!

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