Dresden

Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Sachsen

Dresden = 515.000 Einwohner – 1905 = 3. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Dresden, Ständehaus, Schloss, Kath. Hofkirche, Friedrich August-Brücke
Dresden, Ständehaus, Schloss, Kath. Hofkirche, Friedrich August-Brücke

 

Dresden

Dresden ist die Residenz und Hauptstadt des Königreichs Sachsen sowie Hauptort der gleichnamigen Kreishauptmannschaft. Wegen ihrer anmutigen Lage und ihrer Kunstschätze wurde die Stadt von Herder das „deutsche Florenz“ genannt. Dresden liegt in einer reizenden Talsohle an beiden Ufern der Elbe und 105,5 Meter über dem Meeresspiegel. Die Stadt ist Sitz der Gesandtschaften von Preußen, Bayern, Württemberg, Großbritannien, Österreich-Ungarn und Russland sowie des Landtags, Staatsgerichtshofs und Staatsrats, der Ministerien und obersten Landesbehörden, dann der Generaldirektion der königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, des Oberlandesgerichts, eines Landgerichts (für die 14 Amtsgerichte zu Altenberg, Döhlen, Dresden, Großenhain, Königstein, Lauenstein, Lommatzsch, Meißen, Pirna, Radeberg, Radeburg, Riesa, Schandau und Wilsdruff), eines Schwur- und Amtsgerichts; sowie eines Handels- und eines Gewerbegerichts, einer Kreishauptmannschaft, zweier Amtshauptmannschaften, der königlichen Brandversicherungs-Kommission, der Versicherungsanstalt für das Königreich Sachsen (Invaliditäts- und Altersversicherung), der Zoll- und Steuerdirektion, eines Hauptzoll- und Hauptsteueramtes, der Generaldirektion der sächsischen Staatseisenbahnen, einer kaiserlichen Oberpostdirektion, des Landesmedizinalkollegiums und anderer Behörden. Dresden ist Sitz des Generalkommandos des 12. deutschen Armeekorps sowie der Stäbe der 23. und der 32. Division, der 45., 46., 63. und 64. Infanterie-, der 23. und 32. Kavallerie- und der 23. Artilleriebrigade. Die Garnison besteht aus den Grenadierregimentern Nr. 100 und 101, dem Schützenregiment Nr. 108 und Jägerbataillon Nr. 13, dem Infanterieregiment Nr. 177, dem Gardereiterregiment, 12. und 48. Feldartillerieregiment, einem Pionier- und einem Trainbataillon.
Die Verwaltung der Stadt, an deren Spitze ein Oberbürgermeister und 2 Bürgermeister stehen, geschieht durch den Stadtrat (38 Mitglieder), dem ein Stadtverordnetenkollegium von 78 Mitgliedern zur Seite steht, die der Sicherheitspflege durch die königliche Polizeidirektion. Die städtischen Steuern betrugen 1900 = 10,7 Millionen, das Vermögen 1901 = 113,8 Millionen, die Anleiheschuld 65,7 Millionen Mark. Als vornehmstes Wahrzeichen der Stadt gilt das an einem Brückenbogen der alten Elbbrücke sichtbare „Brückenmännchen“, das den Erbauer der Brücke, Matthias Fotius oder Photius, darstellen soll.

Beide Stadthälften werden durch fünf Brücken verbunden, die sämtlich schöne Aussichten gewähren. In der Mitte liegt die Alte Elb- oder Augustusbrücke, die schon 1343 aus Stein erbaut war und 1727–31 ihre jetzige Gestalt erhielt. Sie enthält 17 Pfeiler mit 16 Bogen, hat eine Fahrbahnlänge von 402 Meter und eine Kronbreite von 11,04 Meter. Stromabwärts führen über den Strom die Marienbrücke (1846–51 erbaut, mit 12 je 28 Meter weiten Bogen in Korblinienform, 468 Meter lang und 17 Meter breit) und die neue eiserne Eisenbahnbrücke (1901 erbaut, 461 Meter lang). Stromaufwärts die Königin Carola-Brücke (1892–95 erbaut, 326 Meter lang, mit nur zwei Strompfeilern und zwei bildnerischen Gruppen, Darstellungen der Stadt Dresden und des Flussgottes der Elbe, weiter aufwärts die Albertbrücke (1875–77 erbaut, auf 15 Pfeilern ruhend, 316 Meter lang). Von den Plätzen verdienen Erwähnung in der Altstadt der Theaterplatz mit dem Reiterstandbild des Königs Johann von J. Schilling, 1889 errichtet; der Altmarkt mit dem Siegesdenkmal (14 Meter hoch, 1880 enthüllt); westlich der Postplatz mit dem Gutschmidbrunnen, einer von Semper errichteten, 18 Meter hohen gotischen Brunnensäule, nordöstlich der Neumarkt mit dem Bronzedenkmal des Königs Friedrich August II. (von Hähnel), der Frauenkirche und dem Lutherdenkmal (1885 enthüllt); der Amalienplatz, der Holbeinplatz mit dem Gerechtigkeitsbrunnen und der Sachsenplatz.

Im Süden liegt der Stübelplatz mit monumentalem Brunnen, der Moltkeplatz und im Westen jenseits des Hauptbahnhofs der Bismarckplatz. In der Neustadt liegen der Neustädter Markt mit dem kolossalen Reiterstandbild Augusts des Starken (seit 1736), der Kaiser Wilhelm-Platz, der Albertplatz (mit zwei Brunnen), auf den die Straßen von sämtlichen Elbbrücken münden und der Königin Carola-Platz. Außer den genannten Denkmälern sind noch hervorzuheben der 15 Meter hohe Wettinobelisk, zwischen Schloss, Prinzenpalais und Zwinger 1895 errichtet, die Bronzestatue der Mutter Anna (Gemahlin Augusts I.) bei der Annenkirche, die Denkmäler von Rietschel, Semper und Ludwig Richter auf der Brühlschen Terrasse, ferner beim Belvedere das Denkmal des Kurfürsten Moritz von Sachsen (1895 hierher übergeführt). Vor der Kreuzschule steht das Bronzedenkmal Theodor Körners (1871, von Hähnel), ferner Denkmäler von Julius Otto und Gutzkow, vor dem Museum am Zwinger das Erzstandbild von Karl Maria v. Weber (1860, von Rietschel), in den Anlagen der Friedrichstadt ein Denkmal Antons des Gütigen, in denen an der Theresienstraße eins von Gustav Nieritz und außerhalb, in der sogen. Albertstadt, das Mausoleum des Kriegsministers v. Fabrice mit seinem Standbild (1893, von Schilling) und schlussendlich bei Räcknitz das Moreaudenkmal (Syenitwürfel).

Die wichtigsten Straßen in der Altstadt sind die Augustus-, Schloss-, See- (und in der Seevorstadt die Prager-), Wilsdruffer, König Johann- und Annenstraße, sowie der breite Straßenzug, der sich im Süden und Osten der Altstadt von der Johannesallee bis zur Königin Carola-Brücke hinzieht. In der Neustadt sind es die Neustädter Hauptstraße und die König Albert-Straße. Unter den öffentlichen Anlagen hervorzuheben ist die durch die Aussicht auf den Strom und das obere Elbtal berühmte Brühlsche Terrasse, östlich der alten Elbbrücke. Sie war einst Garten des 1900 abgetragenen Brühlschen Palais, wurde 1814 vom russischen Gouverneur Fürsten Repnin angelegt und zieht sich 400 Meter weit hoch am Ufer der Elbe hin. Zu ihr führt eine mit vier Gruppen von Schilling geschmückte Freitreppe. Hinter dem Zwinger befindet sich in schönen Anlagen der Zwingerteich mit Springbrunnen, westlich davon ist der Herzogingarten mit Orangeriehaus, sowie im Osten der Seevorstadt die Bürgerwiesenanlage und schlussendlich der königliche Große Garten, 1870 angelegt, ein Park von 155 Hektar Umfang, mit künstlerischen Gruppen und einem im italienischen Renaissancestil 1680 erbauten königlichen Palais. Angrenzende Teile des Parks bilden der Zoologische und der Botanische Garten sowie das städtische Ausstellungsgrundstück (mit der 1894 bis 1895 von Bräter erbauten Ausstellungshalle). Auch auf dem Albert-, Kaiser Wilhelm-, Bismarckplatz u.a. befinden sich Gartenanlagen.

Unter den gottesdienstlichen Gebäuden ragt besonders hervor die katholische Hofkirche, 1739 bis 1751 von Chiaveri im Barockstil aus Pirnaer Sandstein erbaut. Sie besteht aus einem ovalen Hauptschiff und zwei Nebenschiffen. Imposant wirken der 91 Meter hohe Turm mit vier Säulengeschossen und die auf der Balustrade des Mittelschiffs und den Seitendächern stehenden 59 Heiligenfiguren (von Matielli). Südöstlich vom Zwinger steht die evangelische Hof- oder Sophienkirche, 1351–57 als Klosterkirche der Grauen Brüder erbaut, 1599 von der Kurfürstin Sophie zum lutherischen Hofgottesdienst bestimmt und 1864–68 nach dem Plan des Professors Arnold im gotischen Stil umgebaut und mit zwei je 66 Meter hohen Türmen versehen. Unweit des Altmarktes befindet sich die Kreuzkirche, die erste Pfarr- und Hauptkirche der Stadt, mit 96 Meter hohem Turm. 1760 durch die Beschießung und dreimal durch Feuer (zuletzt 1897) zerstört, wurde sie bis 1900 wiederhergestellt. Auf dem Neumarkt steht die Frauenkirche mit 95 Meter hoher Kuppel. Sie wurde 1726–45 vom Ratszimmermeister Bähr aus Sandsteinquadern erbaut und ist bei der Beschießung durch die Preußen 1760 unbeschädigt geblieben. In der Neustadt liegen die lutherische Dreikönigskirche, nach Plänen Pöppelmanns im 18. Jahrhundert erbaut, mit 91 Meter hohem Turm und die katholische Neustädter Kapelle, 1853 errichtet. Von neueren Kirchen sind zu nennen, in der Altstadt die Johanneskirche, 1874–78 von Möckel in frühgotischem Stil erbaut; in der Johannstadt die Trinitatiskirche, im Renaissancestil, 1894 vollendet; in der Südvorstadt die von G. Weidenbach 1898–1903 im Renaissancestil erbaute St. Lukaskirche mit 81 Meter hohem Turm, deren Inneres als dreischiffiges Langhaus mit quadratischer Vierung, rechteckigem Chor und Querschiff gebildet ist und interessante Gewölbe zeigt; in der Neustadt die Martin Luther-Kirche, im romanischen Stil 1885–87 erbaut. Am Ostende der Brühlschen Terrasse steht die 1838–1840 im byzantinischen Stil von Semper errichtete Synagoge. Außer den Kapellen im königlichen Schloss und im königlichen Palais zählt Dresden insgesamt 21 Kirchen, davon 13 evangelische, 3 römisch-katholische, je eine russische, reformierte, englische, schottische (presbyterianische) u. amerikanische (Methodisten-) Kirche.

Die wichtigsten öffentlichen Gebäude sind in der Altstadt in der Nähe der Augustusbrücke vereinigt. Das königliche Schloss, 1530–35 von Herzog Georg erbaut (daher Georgenschloss genannt) und von August II. u.a. erweitert, ist 1890–1902 zu einem einheitlichen Bau im deutschen Renaissancestil von den Baumeistern Frölich und Dunger umgestaltet. Es hat drei Tore, unter denen das Georgentor mit dem Reiterbild Herzog Georgs, zwei Torwächtern (von Behrens in Breslau) und hübschen Kinderfriesen (von P. Pöppelmann) geschmückt ist. Das Schloss besteht aus der nach der Brücke gekehrten Hauptfront, zwei Flügeln und mehreren Zwischen- und Seitengebäuden und ist durch bedeckte Gänge mit der Hofkirche und dem Prinzenpalais (1715 für die Gräfin Cosel erbaut, später mehrfach erweitert) verbunden. Die fensterlose Rückwand des Schlossflügels in der Augustusstraße ist durch eine große Sgraffittomalereiei von Walther, Darstellung eines Triumphzugs der sächsischen Fürsten vom Mittelalter bis auf die Gegenwart, verziert. Sehenswert sind der große Schlosshof mit vier Treppentürmen in den Ecken und einer Loggia mit großem figürlichen Fries, im Innern der Thronsaal mit Fresken von Bendemann und der Ball- und Konzertsaal. Im Erdgeschoß des großen Schlosshofes befindet sich das Grüne Gewölbe. Nordwestlich vom Schloss am Theaterplatz steht das königliche Opernhaus, 1871–78 nach Plänen von Georg Semper im italienischen Renaissancestil errichtet. Südlich davon liegt der sogenannte Zwinger, 1709–18 von Pöppelmann nach den Angaben Augusts II. als Schauplatz für allerhand Festlichkeiten im Freien errichtet. Der Zwinger ist ein Rechteck mit halbkreisförmigen Ansätzen, vier länglichen Eckbauten und schmalen Galerien im Renaissancestil nebst drei Pavillons in üppigem Barockstil. Inmitten des Zwingerhofs steht das Erzdenkmal König Friedrich Augusts I. (von Rietschel und Semper 1843 errichtet). Im Zwinger sind mehrere wissenschaftliche Sammlungen untergebracht. Die vierte, unvollendete Seite des Zwingers wurde nach Sempers Plänen 1847–54 durch das Neue Museum geschlossen.

Das Hauptportal dieses Gebäudes ist nach der Hofseite in der Art eines römischen Triumphbogens gehalten. Links und rechts stehen in Nischen die kolossalen Statuen, weiter auf den Postamenten der vier untern korinthischen Säulen links der heilige Georg und Judith, rechts Siegfried und Simson. Die Attika ist mit freistehenden Standbildern (Giotto und Holbein, Dürer und Cornelius, von Hähnel und Rietschel) und mit zahlreichen Reliefs geschmückt. Das Gebäude enthält die berühmte Gemäldegalerie und die Sammlung der Kupferstiche und Handzeichnungen. Zwischen dem Schloss und dem Neumarkt liegt das Museum Johanneum, 1586 von Christian I. als Stallgebäude erbaut, worin 1722–1855 die Gemäldesammlung untergebracht war. Jetzt befinden sich hier nach einem 1872 vollzogenen Umbau das Historische Museum und die Porzellan- und Gefäßsammlung. Die Rückseite der Brühlschen Terrasse wird gebildet durch das Ständehaus, die 1890–94 von Lipsius in neufranzösischer Renaissance erbaute Kunstakademie mit reichem plastischen Schmuck, das daran anstoßende akademische Kunstausstellungsgebäude mit gläserner Kuppel und endlich durch das aus dem alten Zeughause von Canzler umgebaute und zur Aufnahme des Staatsarchivs und der Skulpturensammlung bestimmte Albertinum. Am äußersten Ende der Terrasse befindet sich in prächtiger Umgebung das vornehme Restaurations- und Konzertlokal Belvedere. Weiter östlich liegt das Justizgebäude, von Canzler 1876–79 in Sandstein ausgeführt, in dem das Oberlandes-, das Landgericht und ein Teil des Amtsgerichts untergebracht sind, während in der Nähe des Pirnaischen Platzes das 1774–75 erbaute Landhaus (Sitz der Ständeversammlung) und das königliche Polizeigebäude, 1897–1900 nach Plänen von Schmiedel erbaut, sich befinden. Am Altmarkt steht das 1741–45 erbaute Rathaus. Am Postplatz liegt das kaiserliche Telegraphenamt und westlich davon die Oberpostdirektion, 1881 von Zopf errichtet; gegenüber das stattliche Stadthaus an der Annenstraße, am Antonsplatz das Kunstgewerbemuseum. Unter den öffentlichen Gebäuden der Neustadt ragen hervor das Japanische Palais, 1715 vom Grafen Flemming erbaut, dann Sommerresidenz Augusts II., seit 1786 Sitz der königlichen Bibliothek; sowie das königliche Schauspielhaus oder Alberttheater am Albertplatz, 1873 eröffnet, das Finanzministerium am Königin Carola-Platz, 1890–94 erbaut, und das Ministerien des Innern, der Justiz und des Kultus. Nordöstlich der Neustadt liegt der selbständige Gutsbezirk Albertstadt mit einer Fläche von 383 Hektar, in dem sich die großartigen, 1880 vollendeten Militärneubauten (zahlreiche Kasernen, die Garnisonkirche und das Arsenal) befinden.

Die Zahl der Bewohner betrug am 1. Dezember 1900 ohne die später eingemeindeten Vororte, aber einschließlich Albertstadt 396.146 (darunter 11.962 Mann Militär); nach der Erweiterung ist sie 1903 auf 494.000 Einwohner gestiegen. Dem religiösen Bekenntnis nach waren (1900) unter den Bewohnern 349.145 Lutheraner, 3340 Reformierte, 36.910 Römisch-Katholische und 3029 Juden. Die Zahl der Ausländer (zu Dreiviertel aus Österreich-Ungarn) beträgt 22.710. Man zählte 11.808 bebaute Grundstücke. Nach der Berufszählung vom 14. Juni 1895 waren von 100 Erwerbstätigen 45,2 in der Industrie, 18,7 in Handel und Verkehr, 3,2 in Lohnarbeit wechselnder Art und 1,1 in der Landwirtschaft und Gärtnerei beschäftigt; 15 gehörten der Beamtenschaft und den freien Berufen, 4,9 dem Militär an, 12,1 waren berufslos.
Dresden verdankt sein Emporkommen seiner politischen und künstlerischen Bedeutung und seiner schönen Lage. Deshalb waren Industrie und Handel früher unbedeutend und haben sich erst seit den 1860er Jahren kräftig entwickelt. Zu hervorragender Bedeutung sind die Steingut-, Nähmaschinen-, Fahrrad- und Schokoladenfabrikation, sowie die stetig emporstrebende Zigarettenindustrie, die Strohhutfabrikation und Kunstdruckerei gelangt. Nach der Gewerbezählung von 1895 waren etwa 16 Prozent aller im Deutschen Reich hergestellten Schokolade, 14 Prozent der Fahrräder, 13 Prozent des Steinguts und 12,5 Prozent der Nähmaschinen, wenn man die Arbeiterzahl als Produktionsmaßstab gelten lässt, Dresdener Fabrikat.

An kommerziellen Einrichtungen und Vereinen hat Dresden eine Fonds- und eine Produktenbörse, neun auf Aktien gegründete Banken, darunter die Sächsische Bank, 1865 neu gegründet, mit einem Aktienkapital von 30 Millionen Mark und die 1872 begründete Dresdener Bank mit 130 Millionen Mark Aktienkapital, eine Reichsbankhauptstelle (Gesamtumsatz einschließlich vier Nebenstellen 1901 = 4176 Millionen Mark), mehrere Filialen auswärtiger Bankinstitute, darunter die Filiale der Deutschen Bank, sowie gegen 50 Bank- und Wechselgeschäfte. 1899/1900 hatten 100 Aktiengesellschaften in Dresden ihren Sitz mit einem eingezahlten Aktienkapital von 379 Millionen Mark, davon entfielen 210 Millionen auf die Aktienbanken. Der Verkehr ist durch die hier zusammentreffenden sechs verschiedenen Linien der Sächsischen Staatsbahnen (Leipzig-Riesa-Dresden, Leipzig-Döbeln-Dresden, Dresden-Görlitz, Dresden-Bodenbach, Dresden-Chemnitz und Dresden-Elsterwerda), die Elbschifffahrt, sowie durch den ungemein starken Zusammenfluss von Fremden (jährlich 300.000) außerordentlich belebt. Den Verkehr innerhalb der Stadt und ihrer Umgebungen vermitteln außer den Droschken, Fiakern und Omnibussen vor allem zwei Straßenbahngesellschaften mit elektrischem Betrieb, die 1901 auf ihren insgesamt 149 km langen Linien 78,5 Millionen Personen beförderten. An diese Straßenbahnen schließen sich in weiterem Umkreise verschiedene Kleinbahnen an. Von den Eisenbahnhöfen dienen der Hauptbahnhof (seit 1898), der Neustädter Bahnhof (seit 1901) und der Friedrichstädter Bahnhof dem Fern- und Vorortverkehr, die übrigen vier Bahnhöfe im wesentlichen nur letzterem. 1901 wurden in Dresden 4,5 Millionen Fahrkarten gelöst und 2.981.730 Tonnen Frachtgüter mit der Eisenbahn befördert. Für den Verkehr ist die Elbschifffahrt von größter Bedeutung. In Dresden haben vier Gesellschaften ihren Sitz. 1901 kamen hier 8858 Personendampfer, 609 Fracht- und Schleppdampfer, 6389 Segelschiffe und 301 Flöße an; die Gesamtmenge der zu Schiff angekommenen Waren belief sich auf 734.331 Tonnen.

Von den zahlreichen Wohltätigkeitsanstalten der Stadt sind zwei Stadtkrankenhäuser, ein städtisches Irren- und Siechenhaus (mit Filiale in Löbtau) zu nennen; für lungenkranke Männer besteht die städtische Stiftung Fiedlerhaus, für weibliche Rekonvaleszenten das städtische Augustenhaus, beide in Oberlößnitz, ferner von königlichen Anstalten das Krankenstift, die Frauenklinik (in einem großartigen Neubau) und das Garnisonlazarett; Vereins- und Stiftungsanstalten sind das Krankenhaus des Albertvereins, das Carolahaus, das Krankenhaus der evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt, das katholische St. Josephstift, das Hospital der Kinderheilanstalt, das Maria-Anna-Kinderhospital und das Säuglingsheim. Außerdem sind noch die städtische Arbeitsanstalt, das Versorghaus, drei Waisenhäuser, das sächsische Krüppelheim sowie mehrere Armenanstalten zu erwähnen.
Für die Pflege des wissenschaftlichen Lebens sowie für Erziehung und Unterricht sorgen die königliche Technische Hochschule (seit 1828; 1082 Studierende), eine Tierärztliche Hochschule (210 Studierende), die staatswissenschaftliche Lehranstalt der Gehe-Stiftung mit Bibliothek, ein königliches und 4 städtische Gymnasien (darunter die Kreuzschule, seit dem 13. Jahrhundert als Schule bestehend, seit 1539 protestantisch, und das Vitzthumsche Geschlechtsgymnasium, seit 1861, ursprünglich schon 1638 gestiftet); 2 städtische Realgymnasien, 4 Realschulen und 3 Privatschulen (mit Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen zum einjährigen Militärdienst), 2 städtische und 13 private höhere Mädchenschulen, 47 städtische evangelische und 5 katholische Volksschulen, die Handelslehranstalt der Kaufmannschaft, die Gewerbeschule, die Ehrlichsche Gestiftsschule, die israelitische Religionsschule, 2 königliche und ein Stiftungslehrerseminar, das königliche Lehrerinnenseminar, ein königliches Konservatorium für Musik und Theater und die Gartenbauschule der Gesellschaft „Flora“. Schlussendlich befinden sich in Dresden das königliche Taubstummeninstitut, die königliche Landesblindenanstalt, die königliche Kunstgewerbeschule, die königliche Baugewerkeschule, die königliche Turnlehrerbildungsanstalt, ein Kadettenkorps und ein botanischer Garten. Die Akademie der bildenden Künste (182 Studierende) beschränkt ihren Unterricht auf die zeichnenden Künste und das Modellieren und ist mit einer Bauschule vereinigt.

Außer den beiden Hoftheatern hat Dresden an Theatern noch das Residenz- und das Zentraltheater. Eine der besten Kunstanstalten ist die bereits von August II. gegründete, seitdem durch große Meister (Hasse, Naumann, Paër, Weber, Reissiger, Wagner) berühmt gewordene, mit dem Hoftheater verbundene Kapelle. Symphonie- und populäre Konzerte finden im Winter im Gewerbehaus, im Sommer im Belvedere, sowie im städtischen Ausstellungspalast statt. Berühmte Kirchenmusiken werden Sonntags in der katholischen Hofkirche ausgeführt. Östlich von Strehlen liegt ein Rennplatz und in der Johannstadt eine Radfahrrennbahn; für Rasenspiele besteht ein Sportplatz an der Lennéstraße. Unter den wissenschaftlichen und gemeinnützigen Vereinen sind zu erwähnen: die 1764 gestiftete Ökonomische Gesellschaft, die Mineralogische Gesellschaft (seit 1816), der Landwirtschaftliche Hauptverein für Sachsen, die Bibelgesellschaft (seit 1814) und der Missionsverein (seit 1819), der Altertumsverein (seit 1824), der Pädagogische Verein (seit 1833), der Gewerbeverein (seit 1834), die „Isis“, Gesellschaft für Naturkunde (1834 gegründet), die Gesellschaft „Flora“ für Botanik und Gartenbau, mehrere Turn- und Gartenbauvereine, der Verein für Erdkunde, der Verein für Geschichte und Topographie Dresdens, ein Handelswissenschaftlicher Verein, der Verein Volkswohl zur Pflege edlerer Volksunterhaltung, ein Ingenieur- und Architekten-, ein Kunstverein, mehrere literarische und zwei Künstlervereine, ein Tonkünstlerverein und zahlreiche Gesangvereine, sowie zwei Vereine zum Schutz der Tiere (der ältere 1839 gegründet) u.a. Dresden ist Sitz der Ökonomischen Gesellschaft des Königreichs Sachsen (seit 1815), des königlichen Stenographischen Instituts, der Tiedge-Stiftung 1841 gegründet zum Zweck der Unterstützung bedürftiger Dichter, Musiker und bildender Künstler und deren Witwen und Waisen, der Serreschen Zweig-Schillerstiftung, einer Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (seit 1873), des Albert-Vereins etc. Es erscheinen täglich 12 Zeitungen. Die Stadt hat 3 Gaswerke, 2 Elektrizitätskraftwerke, ein Elektrizitätslichtwerk und 3 Wasserwerke (in Loschwitz, Tolkewitz und bei Hosterwitz).

Geschichte

Die glänzendste Periode der Stadt begann mit der Regierung Friedrich Augusts I. (Augusts II. des Starken, 1694–1733). Das 1685 abgebrannte Altdresden wurde wieder aufgebaut und von da an Neustadt-Dresden genannt. Es entstanden die Ritterakademie, die Kaserne, das Japanische Palais, die Zwingergebäude, die Neustädter Kirche, die jetzige Frauenkirche und andere hervorragende Bauwerke; auch die Kunstsammlungen sowie die Bibliothek erhielten die wertvollsten Bereicherungen. Friedrich August II. (III., 1733–63) vollendete mehrere vom Vater angefangene Gebäude und ließ 1739–54 die prächtige katholische Hofkirche erbauen. Nachdem die Preußen im zweiten Schlesischen Kriege nach der Schlacht von Kesselsdorf Dresden eingenommen hatten, kam hier am 25. Dezember 1745 der Friede von Dresden zwischen Preußen, Österreich und Sachsen zustande. Der Siebenjährige Krieg unterbrach Dresdens Blüte auf längere Zeit; Friedrich II. rückte am 9. September 1756 in Dresden ein. Nach der Schlacht bei Kunersdorf übergab der preußische Gouverneur, General Graf von Schmettau, am 4. September 1759 die Stadt voreilig durch Kapitulation an die Reichstruppen. Die härtesten Leiden trafen die Stadt bei der erfolglosen Belagerung und dem Bombardement durch Friedrich d. Große im Juli 1760. Unter der vormundschaftlichen Regierung des Prinzen Xaver (1763–68) wurde die Stadt nicht nur wiederhergestellt, sondern auch bedeutend erweitert und 1764 die Akademie der Künste gegründet, und Friedrich August III. (1768–1827, als König von Sachsen Friedrich August I. der Gerechte) vollendete, was der Vormund begonnen. Nach der Schlacht bei Jena (1806) wurde Dresden von den Franzosen, während des Krieges mit Österreich (1809) von den Österreichern besetzt. Vor Eröffnung des russischen Feldzugs von 1812 veranstaltete Napoleon 16.–28. Mai in Dresden eine glänzende Fürstenzusammenkunft, zu der auch der Kaiser von Österreich und der König von Preußen erschienen.

Im Jahr 1813 war die Stadt ein Hauptstützpunkt der Elbestellung Napoleons, der die ganze Gegend bis Pirna, den Lilienstein, den Königstein und Stolpen in ein großes verschanztes Lager verwandelt hatte. Am 13. März rückte Marschall Davout mit 12.000 Mann von Meißen nach Dresden vor und ließ bei Annäherung der Verbündeten am 19. März einen Pfeiler und zwei Bogen der Elbbrücke sprengen, worauf er abzog und die Russen am 22. März Dresden besetzten. Nach der Schlacht bei Großgörschen wurde die Stadt von den Russen geräumt, und am 12. Mai kehrte der König nach Dresden zurück. Die Franzosen befestigten nun die Neustadt und als im August nach der Kriegserklärung Österreichs an Frankreich der Krieg von neuem ausbrach, blieb Dresden der Mittelpunkt der Bewegungen der französischen Armee und war am 26. und 27. August das Ziel einer großen, freilich planlosen Demonstration der böhmischen Armee (Schlacht bei Dresden). Diese rückte, 70.000 Mann stark, von Böhmen gegen Dresden vor. Da aber der Hauptangriff auf die nur mit 30.000 Mann besetzte Stadt nicht am 25., sondern am 26. erfolgte, so hatte Napoleon Zeit von seinem Zug nach Schlesien gegen Blücher noch rechtzeitig am 26. vormittags zurückzukehren, wodurch das bei Dresden versammelte Heer auf 70.000, am folgenden Tage sogar auf 120.000 Mann stieg, während sich auch die Macht der Verbündeten auf 150.000 Mann erhöhte. Nach langer Unschlüssigkeit schritten diese 26. August nachmittags 4 Uhr endlich zum Angriff; auf dem rechten Flügel griffen die Russen unter Wittgenstein den Windmühlenberg an, wurden aber bis nach Striesen zurückgetrieben. Die Preußen eroberten den „Großen Garten“, doch ihre Angriffe auf die Schanzen am Pirnaer und Dohnaer Schlage scheiterten, und sie mussten bis nach Strehlen zurückgehen. Nicht besser erging es im Zentrum den Österreichern, welche die Schanzen am Falkenschlag und vor dem Hospitalgarten erstürmten, aber trotz heftiger Gegenwehr am Abende den Franzosen überlassen mussten. Auch auf dem linken Flügel jenseits der Weißeritz wurden die Angriffe der Österreicher auf die Friedrichstadt abgeschlagen. Als Napoleon am Morgen des 27. den Feind wider Erwarten noch vor sich sah, erneuerte er ohne Verzug den Angriff. Die Hauptmacht der Verbündeten im Zentrum hielt er durch eine heftige Kanonade, bei der Moreau tödlich verwundet wurde, auf den Höhen von Zschärtuitz und Räcknitz untätig fest, während er ihre beiden Flügel mit Übermacht umklammerte. Als auf dem linken die österreichische Division Mezko jenseits des Plauenschen Grundes von Murat umgangen und bei Pennrich gefangen, auf dem rechten Wittgenstein durch Mortier auf die Höhe zurückgeworfen worden und dadurch die Teplitzer Straße verloren gegangen war, traten die Verbündeten in der Nacht zum 28. den Rückzug über das Gebirge an. Sie hatten 15.000 Mann an Toten und Verwundeten und 23.000 Gefangene verloren; aber auch die Franzosen zählten an Verwundeten allein mehr als 10.000 Mann.

Die Stadt wurde nach der Schlacht bei Leipzig durch den österreichischen General Klenau blockiert und die Besatzung zur Kapitulation gegen freien Abzug genötigt. Doch Fürst Schwarzenberg willigte nicht ein und Saint-Cyr musste sich unterwegs mit 35.000 Mann kriegsgefangen geben. Vom 17 November an war Dresden Sitz der russischen Landesverwaltung unter dem Fürsten Repnin, bis es 8. November 1814 dem preußischen Gouverneur v. d. Reck übergeben wurde. Nach dem Frieden und unter der Pflege des am 7. Juni 1815 in sein Land zurückgekehrten Königs Friedrich August gewann Dresden allmählich ein immer freundlicheres Aussehen, besonders infolge der Abtragung der Festungswerke, die 1810 begannen, 1811 energisch betrieben und 1817 wieder in Angriff genommen wurde. Unter der Regierung König Antons des Gütigen (1827–36) wurde die Gasbeleuchtung eingeführt, die Stadtpost errichtet, die Kavalleriekasernen in der Neustadt, die Hauptwache, das neue Posthaus in der Altstadt und die Weißeritzbrücke in der Friedrichstadt erbaut, sowie 1828 die technische Bildungsanstalt (Technische Hochschule) errichtet. Die Erweiterung der Stadt auf der Neustädter Seite wurde 1835 zu einem vierten Stadtteil unter dem Namen Antonstadt vereinigt. Der am 9. September 1830 ausgebrochene Aufstand hatte für die Stadt insbesondere die Umgestaltung der Polizei und die Einführung der Städteordnung zur Folge. Auch unter der Regierung des Königs Friedrich August II. (1836–54) wurde Dresden erweitert und verschönert, namentlich durch das neue Theater, das am 21. September 1869 ein Raub der Flammen wurde, durch das königliche Orangeriegebäude und das Belvedere auf der Brühlschen Terrasse. Auch wurde 1835–39 die Leipzig-Dresdener Eisenbahn von einer Aktiengesellschaft gebaut. Über den am 3. Mai 1849 hier ausgebrochenen Aufstand und Barrikadenkampf, der am 9. von sächsischen und preußischen Truppen unterdrückt wurde. Vom 23. Dezember 1850 bis 15. Mai 1851 fanden hier Ministerkonferenzen der deutschen Staaten statt. Unter der Regierung des Königs Johann (1854–73), mehr noch unter seinem Nachfolger Albert (1873–1902) hat Dresden hinsichtlich seiner inneren und äußern Entwickelung und Verschönerung einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die Ereignisse des Deutschen Kriegs von 1866, wo Dresden durch Preußen als strategischer Punkt vorübergehend mit einem starken Schanzengürtel umgeben wurde, haben dieses Aufblühen nicht zu hemmen vermocht. Das Innere der Stadt ist durch zahlreiche Neubauten und Durchbrüche verschönert, neue Stadtteile (die Johannstadt im Südosten und die Albertstadt im Nordosten) sind angelegt und seit 1892 viele Vororte eingemeindet worden.