Herzogtum Sachsen-Altenburg

Haupt- und Residenzstadt Altenburg

Altenburg, Herzogliches Schloss - Altenburger Bauerntrachten
Altenburg, Herzogliches Schloss – Altenburger Bauerntrachten

 

Herzogtum Sachsen-Altenburg 1826 – 1918

Das Herzogtum Sachsen-Altenburg gehört zum Deutschen Reich. Es liegt zwischen 50°43´-51° 7 nördlicher Breite und 11°17´-12°44´ östlicher Länge, besteht aus zwei durch reußische Lande getrennten Gebietsteilen, dem Ostkreis (ehemals Altenburgischer Kreis) und dem Westkreis (ehemals Saal-Eisenbergischer Kreis). Der Ostkreis, die Amtsgerichtsbezirke Altenburg, Meuselwitz, Schmölln und Ronneburg umfassend, wird vom Königreich Sachsen, der preußischen Provinz Sachsen und Reuß-Gera umschlossen, der Westkreis, die Amtsgerichtsbezirke Eisenberg, Roda und Kahla begreifend, vom Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, Herzogtum Sachsen-Meiningen, Großherzogtum Sachsen-Weimar, Reuß-Gera und der preußischen Provinz Sachsen. Der Ostkreis hat einen sanft gewellten Boden und gehört dem vogtländischen Bergland an; der Westkreis dagegen ist gebirgig und liegt teils im osterländischen Plateauland, teils auf der thüringischen Hochfläche. Jener gehört zu den fruchtbarsten Landstrichen Deutschlands; dieser hat weniger ergiebigen Boden, aber ausgedehnte Waldungen und erreicht nördlich von Hohendorf bei Eisenberg eine Höhe von 333 m. Der Ostkreis wird von Süden nach Norden von der Pleiße durchflossen, welche die Sprotta und die Wihra aufnimmt. Im Westkreis ist die Saale der Hauptfluss, der die Orla und Roda aufnimmt. Eine Mineralquelle mit Badeanstalt hat Ronneburg.

Das kleine Landeswappen ist das allgemeine sächsische (von Schwarz und Gold zehnfach quergestreift mit darübergelegtem grünen Rautenkranz), bedeckt mit einer Königskrone; der Schild des mittleren Landeswappens enthält 5 Felder: das kleinere Landeswappen, umgeben von den Wappen des Burggrafentums Altenburg, der Herrschaft Eisenberg, der Grafschaft Orlamünde und der Herrschaft Pleißen; das große enthält 21 Felder: nächst den Feldern des mittleren Landeswappens noch die des sächsischen Gesamthauses. Die Landesfarben sind Weiß und Grün. Als Auszeichnung verleiht der Herzog den Ernestinischen Hausorden und eine demselben affiliierte Verdienstmedaille in Gold und in Silber, ferner eine Rettungsmedaille und eine Ehrenauszeichnung (silbernes Kreuz) für Arbeiter etc. Hauptresidenz ist Altenburg, das zweite Residenzschloss befindet sich in Eisenberg; andere herzogliche Schlösser sind in Hummelshain (bei Kahla) und Fröhliche Wiederkunft.

 

Bundesrat:

1 Stimme

Reichstag:

1 Abgeordneter

Landtag:

Die Landstände sind nach dem Gesetz vom 31. Mai 1870 neu organisiert und setzen sich aus 30 Abgeordneten zusammen, die sämtlich aus direkter Wahl hervorgehen:

  • 9 Abgeordnete der Städte
  • 12 Abgeordnete des Landes
  • 9 Abgeordnete von den höchst besteuerten Bürgern

Wähler ist jeder selbstständige männliche Staatsbürger, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und eine direkte Steuer an den Staat entrichtet. Die passive Wählbarkeit ist an die Bedingung geknüpft, dass der zu Wählende mindestens 3 Jahre lang dem Staatsverband des Herzogtums angehörte. Die Abgeordneten werden auf 3 Jahre gewählt.

Hauptstadt:

Altenburg – 38.811 Einwohner (1905) – 100. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs

Größe:

1 323 km² (24,03 Quadratmeilen) mit Exklaven

Gerichtsorganisation (1881):

Für Thüringen besteht ein gemeinsames Oberlandesgericht in Jena. Dieses umfasst auch die preußischen Kreise Schleusingen, Schmalkalden und Ziegenrück. Das Herzogtum Sachsen-Altenburg bildet den Bezirk des Landgerichtes Altenburg mit den Amtsgerichten Altenburg, Eisenberg, Kahla, (Stadt-) Roda, Ronneburg und Schmölln.

Einwohner:

  • 1871: 142 122
  • 1875: 145 844
  • 1880: 155 036
  • 1905: 206 508

Klima:

Mild

Gewässer:

Durchflossen von Pleiße, der Westkreis von der Saale.

Bewohner:

Hauptsächlich Thüringer. Im Ostkreis (Altenburgischer Landesteil) leben etwa 20.000 germanisierte Wenden (Slawen) mit alten Sitten, Trachten und vorbildlicher Landwirtschaft.

Bevölkerungsdichte:

156/km²

Bildung:

Für die geistige Bildung der Bevölkerung ist gut gesorgt. Außer der mit den übrigen thüringischen Ländern gemeinschaftlich unterhaltenen Landesuniversität in Jena besitzt das Herzogtum Sachsen-Altenburg Landesgymnasien in  Altenburg und Eisenberg, eine Realschule in Altenburg, ein Schullehrerseminar, eine Handelsschule, ein Institut für Erziehung adliger Fräulein (Magdalenenstift), eine höhere Töchterschule (Karolinenschule), eine Kunst- und Handwerksschule, eine landwirtschaftliche Schule, 182 Bürger- und Volksschulen, in den Städten gewerbliche Fortbildungsschulen, das von Lindenausche Kunstmuseum nebst Zeichen- und Modellierschule und wertvolle Vereinssammlungen.

Religion:

Die Evangelischen Landeskirche im Herzogtum Sachsen-Altenburg gliedert sich 1907 in 8 Amtsbezirke mit 103 Pfarrbezirken.
1905

  • 200.511 Evangelisch
  • 5 449 Katholiken
  • 393 andere Christen
  • 131 Juden

Militär (1881):

Das altenburgische Militär bildet mit den Kontingenten des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt, des Fürstentums Reuß ä.L. und des Fürstentums Reuß j.L. das 7. thüringische Infanterieregiment Nr. 96, welches der 8. Division des 4. deutschen Armeekorps (Magdeburg) zugewiesen ist. Das 1. Bataillon garnisoniert in Altenburg (Infanterie 96,1 und Landwehr 96,1)

Wirtschaft:

  • Industrie: (1882) 134 Ziegeleien und Thonröhrenfabriken. 46 Betriebe zur Porzellanfabrikation und -veredelung. Die Porzellanindustrie gehört zum weitaus größten Teil dem Westkreis an. In Altenburg bestehen bedeutende Fabriken und Werkstätten für Geschirr und Wagenbeschläge sowie für feuerfeste Geldschränke. 130 Betriebe für Fabrikation von Maschinen und Apparaten, 31 Betriebe für Musikinstrumente. Was die Textilindustrie betrifft, so gab es 13 Betriebe für Wollspinnerei, 310 Betriebe für Wollweberei und 217 Betriebe für Leinweberei. 5 Papier- und Pappefabriken und 62 Gerbereien. Spielkartenfabrik (Skatkarten) von Weltruf in Altenburg, Porzellanindustrie in Kahla. Maschinen- und Metallwaren.
  • Landwirtschaft: Anbau von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Ost und Gemüse. Viehbestand 1907: 12 401 Pferde, 67 745 Rinder, 7 568 Schafe, 77681 Schweine und 15 594 Ziegen. Von der landwirtschaftlich benutzten Fläche waren 1887: 8,52 Prozent mit Weizen, 21,02 mit Roggen, 10,44 mit Gerste, 18,41 mit Hafer, 9,94 mit Kartoffeln, 10,57 mit Futterkräutern, 13,90 mit Heu, 0,82 mit Ölfrüchten, 1,54 Prozent mit Wicken und Erbsen bestellt. Obstbau wird besonders im Saaletal betrieben, Gemüsebau namentlich im Ostkreis mit leistungsfähigen Gärtnereien
  • .Bergbau: Braunkohle 1907 mit  3 060 777 Tonnen. Ein Mineralbad in Ronneburg. Bergbau zur Gewinnung von Braunkohlen und Torf, und zwar waren nach der Berufszählung von 1882 in 32 Braunkohlenbergwerken und Braunkohlenbrikettfabriken und in 19 Torfgräbereien
  • Handel: Der lebhafte Handel wird unterstützt durch 185 km Eisenbahnschienen, Landes- und Sparbank, sowie durch 19 Sparkassen. Der wichtigste Handelsplatz ist Altenburg. Das Herzogtum gehört zum Thüringischen Zoll- und Handelsverein.

Postwesen und Briefmarken:

Am 1. August 1847 übernahm das Königreich Sachsen von der Thurn und Taxisschen Lehnspost den Postbetrieb im Herzogtum Sachsen-Altenburg. Dieser ging am 1. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) über. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.

Währungen und Münzen:

  • vor 1875 = 1 Taler = 30 Groschen = 360 Pfennige
  • ab 1875 = 1 Mark = 100 Pfennig

Regenten:

Herzöge von Sachsen-Altenburg 1826 – 1918
regierendes Fürstenhaus: Wettin, Ernestinische Linie, Stammvater Herzog Ernst (1655 – 1715)
Staatsminister – Sachsen-Altenburg 1826 – 1918

Die oberste Behörde für die Staatsverwaltung ist das Ministerium, das nach dem Gesetz vom 14. März 1866 sich in 4 Abteilungen gliedert

  1. für das herzogliche Haus, Auswärtiges, Kultus und Militärwesen;
  2. Justiz;
  3. Inneres;
  4. Finanzen.

Die Städte haben eine eigene Polizei.

Administrative Gliederung:

Das Herzogtum Sachsen-Altenburg umfasst 438 Gemeinden, darunter eine Mittelstadt (Altenburg). Das Herzogtum besteht aus zwei zusammenhängenden Teilen dem östlichen oder altenburgischen Teil mit Exklaven Hayn, Loitzsch, Russdorf, Neikirch und dem westlichen oder saaleisenburgischen Teil mit Exklaven Wilschütz, Ammelstedt, Gräfendorf, Saalthal, Schweinitz. Jedem der beiden Kreise ist ein Kreishauptmann unterstellt.

Bis zum 31.März 1900 erfolgte die Einteilung in den Östlichen oder Altenburgischen Landesteil, 1905: 657,23 km² = 11,93 Quadratmeilen mit 145.106 Einwohnern und einen Westlichen oder Saaleisenbergischen Landesteil, 1905: 666,29 km² = 12,10 Quadratmeilen mit 61.402 Einwohnern.

Ab 1. April 1900 erfolgt die Landesgliederung in die Stadt Altenburg, das Landratsamt Altenburg, das Landratsamt Roda (Stadtroda) und das Landratsamt Ronneburg.

  • Stadt Altenburg mit einer Fläche von 12,07 km² und 37 110 Einwohnern (Jahr 1900):Stadt Altenburg
  • Landratsamt Altenburg mit einer Fläche von 360,42 km² und 52 887 Einwohnern (Jahr 1900) umfasst die Gemeinden:Altendorf, Altpoderschau, Beiern, Bocka (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Boderitz, Borgishain, Breesen, Breitenhain, Bünauroda, Burkersdorf, Buscha, Dippelsdorf, Dobitschen, Dobraschütz, Dölzig, Drescha, Ehrenberg, Ehrenhain, Fichtenhainichen, Flemmingen, Fockendorf, Frohnsdorf, Garbisdorf, Garbus, Gardschütz, Gerstenberg, Gieba, Gleina, Gödern, Göhren, Goldschau, Göllnitz, Göpfersdorf, Gorma, Gösdorf, Greipzig, Gröba, Großmecka, Großröda, Haselbach bei Treben, Hauersdorf, Heiersdorf bei Ehrenhain, Heiersdorf bei Niederwiera, Heiligenleichnam, Heukendorf, Hinteruhlmannsdorf, Jesenitz (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Jückelberg, Kauerndorf, Kertschütz, Kleinmecka, Kleinröda, Knau, Kosma, Kostitz, Kotteritz, Kraasa, Kraschwitz, Krebitschen, Kreutzen, Kriebitzsch, Kröbern, Kürbitz, Langenleuba-Niederhain, Leesen, Lehma, Lehndorf, Lehnitzsch, Lohma an der Leina, Löhmigen, Löpitz, Lossen, Lucka, Lutschütz, Maltis, Mehna, Meucha, Meuselwitz, Mockern, Mockzig, Modelwitz, Monstab, Mumsdorf, Münsa, Neubraunshain, Neuenmörbitz, Neukirchen, Neupoderschau, Niederleupten, Niederwiera, Nirkendorf, Nobitz, Oberarnsdorf, Oberkossa, Oberleupten, Oberlödla, Obermolbitz, Oberzetzscha, Paditz, Pahna, Pähnitz, Petsa, Pfarrsdorf, Pflichtendorf, Plottendorf, Podelwitz, Pöhla, Pontewitz, Pöppschen, Posa, Poschwitz, Pöschwitz, Prehna, Priefel, Primmelwitz, Prisselberg, Prößdorf, Rasephas, Rautenberg, Remsa, Rodameuschel, Röhrsdorf, Rolika, Romschütz, Rositz, Runsdorf, Russdorf, Saara, Schelchwitz, Schelditz, Schlauditz, Schlöpitz, Schnauderhainichen, Schömbach, Schwanditz, Selleris, Serbitz, Starkenberg, Steinbach (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Steinwitz, Stünzhain, Tautenhain, Tegkwitz, Teuritz (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen),Thräna, Trebanz, Treben, Unterlödla, Untermolbitz, Unterzetzscha, Waltersdorf, Wickersdorf (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen, Wiesebach, Wiesenmühle, Wilchwitz, Windischleuba, Wintersdorf, Wolperndorf, Zachau, Zehma, Zschaiga, Zschaschelwitz, Zschechwitz, Zschernichen, Zschernitzsch
  • Landratsamt Roda (seit 1925 Stadtroda) mit einer Fläche von 284,74 km² und 48 564 Einwohnern (Jahr 1900) umfasst die Gemeinden:Roda, Ahlendorf, Albersdorf, Altenberga, Altendorf, Ammelstädt, Aubitz, Beutelsdorf, Bibra, Bobeck, Bollberg, Bremsnitz, Buchheim, Dienstädt, Döllschütz, Dorna, Dorndorf, Drakendorf, Droschka, Drößnitz, Dürrengleina, Eichenberg, Eineborn, Eisenberg, Engerda, Erdmannsdorf, Etzdorf, Etzelbach, Freienorla, Friedrichstanneck, Geisenhain, Gernewitz, Geunitz, Göritzberg, Gösen, Greuda, Gröben, Großbockedra, Großeutersdorf, Großkröbitz, Großpürschütz, Gumperda, Hainbücht, Hainchen, Hainspitz, Hartmannsdorf, Heilingen, Hellborn, Hermsdorf, Hetzdorf, Hohendorf, Hummelshain, Ilmnitz, Jägersdorf, Kahla, Karlsdorf, Karsdorfberg, Keßlar, Kleinbockedra, Kleinbucha, Kleinebersdorf, Kleineutersdorf, Kleinkochberg, Kleinpürschütz, Klengel, Klosterlausnitz, Kolkwitz, Königshofen, Kraftsdorf (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Kuhfraß, Kursdorf, Laasdorf, Langenorla, Lindig, Lippersdorf, Löbschütz, Lotschen, Lucka, Magersdorf, Meckfeld, Mennewitz, Meusebach, Möckern, Mörsdorf, Mötzelbach, Neusitz, Niederkrossen, Nischwitz, Oberbodnitz, Obergneus, Oberhasel, Oberkrossen, Oberndorf, Oelknitz, Orlamünde, Ottendorf, Partschefeld, Petersberg, Plinz, Podelsatz, Pretschwitz, Quirla, Rabis, Rattelsdorf, Rauda, Rauschwitz, Rausdorf, Reichardtsdorf, Reichenbach, Reinstädt, Röbschütz,Rodias, Röttelmisch, Rückersdorf, Rüdersdorf (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Ruttersdorf, Saalthal, Saasa, Sankt Gangloff, Scheiditz, Schirnewitz, Schleifreisen, Schlöben, Schmieden, Schmölln, Schmörschwitz, Schöngleina, Schöps, Schweinitz, Seifarthsdorf (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Seitenbrück, Seitenroda, Serba, Sulza, Tautendorf, Tautenhain, Thiemendorf, Tissa, Törpla, Tröbnitz, Trockenborn, Trockhausen, Tünschütz, Uhlstädt, Ulrichswalde, Unterbodnitz, Untergneus, Unterrenthendorf, Walpernhain, Waltersdorf, Weißbach, Weißenborn, Zeutsch, Zimmritz, Zöllnitz, Zöttnitz, Zwabitz, Zweifelbach
  • Landratsamt Ronneburg mit einer Fläche von 666,29 km² und 56 353 Einwohnern (Jahr 1900) umfasst die Gemeinden:Ronneburg, Altkirchen, Baldenhain, Beerwalde, Beiersdorf, Bethenhausen (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Bohra, Bornshain, Brandrübel, Braunichswalde, Burkersdorf bei Schmölln, Dobra, Drogen, Drosen, Falkenau, Frankenau, Friedrichshaide, Gauern, Gessen, Gimmel, Gödissa, Göldschen, Gosel (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Gößnitz, Graicha, Grobsdorf (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Großbraunshain, Großenstein, Großpillingsdorf, Großstechau, Großstöbnitz, Großtauschwitz, Hain, Hainichen, Hartha, Hartroda, Haselbach bei Ronneburg, Heukewalde, Hilbersdorf (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Illsitz, Ingramsdorf, Jauern, Jonaswalde, Kakau, Kauern, Kauritz (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Kleinmückern, Kleinpillingsdorf, Kleinstechau, Kleinstöbnitz, Kleintauscha, Kleintauschwitz, Koblenz, Korbussen, Köthel, Kummer, Linda, Löbichau, Lohma, Lumpzig, Mannichswalde, Mennsdorf, Merlach, Mohlis, Mückern, Naulitz, Naundorf, Nischwitz, Nitzschka, Nöbdenitz, Nödenitzsch, Nörditz, Paitzdorf, Platschütz, Pölzig, Ponitz, Pöppeln, Poris, Posterstein, Raitzhain, Reichstädt, Reust, Röpsen, Roschütz (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Röthenitz, Rückersdorf (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Sachsenroda, Schloßig, Schmirchau, Schmölln, Schönhaide, Selka, Sommeritz, Stolzenberg, Taupadel, Thonhausen (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Trebula, Unterau, Untergötzenthal, Untschen, Vogelgesang, Vollmarshain, Wachholderbaum, Waldsachsen (nur teilweise zu Sachsen-Altenburg, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Weißbach, Wettelswalde, Wildenbörten, Zagkwitz, Zschernitzsch, Zschöpel

Der Freistaat Thüringen aktuell:

Der heutige Freistaat Thüringen mit der Landeshauptstadt Erfurt besteht aus

  • dem ehemaligen Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, ohne die Exklave Ostheim (1945 an Bayern) und ohne die Exklave Allstedt (1945 an Sachsen-Anhalt)
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Meiningen
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Altenburg, ohne die Exklave Russdorf (1928 per Staatsvertrag an Sachsen)
  • dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, ohne Coburg (1920 nach einer Volksabstimmung an Bayern)
  • dem ehemaligen Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen
  • dem ehemaligen Fürstentum Schwarzburg-Rudolstad
  • tdem ehemaligen Fürstentum Reuß ältere Linie
  • dem ehemaligen Fürstentum Reuß jüngere Liniedem Kreis Ilfeld der ehemaligen preußischen Provinz Hannover (seit 1932)
  • dem Regierungsbezirk Erfurt der ehemaligen Provinz Sachsen (seit 1944)
  • dem Kreis Schmalkalden der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau (seit 1944)

Geschichte:

Das Gebiet der heutigen Stadt Altenburg ist seit ca. 6000 Jahren besiedelt. Am Anfang der Zeitenrechnung war das Land zwischen Harz, Thüringer Wald und Erzgebirge von germanischen Hermunduren bewohnt, die vermutlich durch Vermischung mit anderen germanischen Stämmen sowie keltischen Bevölkerungsresten in den Stamm der Thüringer übergingen und mit ihren Siedlungsgebieten bis an die Elbe nachweisbar sind. Das Reich der Thüringer (von der Altmark bis zum Main) zählte zu den mächtigsten germanischen Reichen außerhalb des römischen Imperiums, bis es 531 vom Frankenkönig Theoderich bei Burgscheidungen besiegt wurde. Die thüringische Bevölkerung lebte unter den neuen Machthabern weiter und wurden nur langsam in das fränkische Reich eingebunden. Jedoch gelang es den neuen Herrschern nicht, das ausgeprägte thüringische Eigenbewusstsein mit dem Fortleben eigenständiger thüringischer Rechtsgewohnheiten zu überwinden. Im Osten des ehemaligen Thüringerreiches drangen nun Slawen (Sorben, Milzener, Lusizer und Daleminzer) über die Elbe bis an die Saale vor. Um diesen Abschnitt der Ostgrenze des Frankenreiches besser zu schützen, bedienten sich die fränkischen Könige thüringischer Herzöge. So kam es zu einer erneuten Besiedlung des heutigen Ostthüringens und Sachsens mit Thüringern und nun auch Franken, die die eingewanderten Slawen zurückdrängten, germanisierten bzw. sich mit ihnen vermischten. Die Stadt Altenburg wurde 976 erstmals urkundlich erwähnt und diente später als Kaiserpfalz. Seit 1329 gehörte Altenburg zur Mark Meißen. 1455 raubte Ritter Kunz von Kaufungen die beiden Prinzen des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen, Ernst (Begründer der ernestinischen Linie) und Albrecht (Begründer der albertinischen Linie), aus dem Altenburger Schloss (Altenburger Prinzenraub). Albrecht konnte jedoch entkommen und so konnte auch sein Bruder Ernst befreit werden; der Ritter Kunz von Kaufungen wurde wenig später hingerichtet. Durch Gebietszuwachs stark vergrößert, kamen 1485 (Leipziger Teilung) die beiden Brüder überein ihr Land zu teilen. Die Teilung ist die Ursache für die Existenz der heutigen Länder Freistaat Thüringen und Freistaat Sachsen. Das Altenburger Gebiet, gehörte als Teil des Osterlandes zur Markgrafschaft Meißen, fiel 1485 der Ernestinischen, 1547 der Albertinischen Linie, 1554 wieder der Ernestinischen Linie zu. Es hatte 1603-72 eigene Herzöge aus der älteren weimarischen Linie und kam nach deren Aussterben 1672 zu Sachsen-Gotha. 1826 kam es in den ernestinischen Ländern zur letzten dynastischen Landesteilung. Nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg (1826) erhielt Sachsen-Meiningen ganz Sachsen-Hildburghausen und den Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Der Hildburghäuser Herzog erhielt dafür Sachsen-Altenburg als selbstständiges Herzogtum. Herzog Friedrich (1826-34) gab dem Lande das unter der gothaischen Regierung vernachlässigt worden war, 1831 eine ständische Verfassung. Der Landtag beschloss eine neue Städteordnung, die Trennung der Justiz von der Verwaltung, die Besteuerung der Rittergüter u. a. Unter Herzog Joseph (1834-1848) kam es 1848 auch in Sachsen-Altenburg zu einer lebhaften demokratischen Bewegung.

Unter dem Druck der evolutionären Ereignisse beschloss der Landtag am 10. April ein neues Wahlgesetz, welches allgemeine, direkte Wahlen einführte, das Militär wurde nunmehr auf die Verfassung vereidigt und die Zensur aufgehoben. Als der Herzog zögerte, den neuen Landtag einzuberufen, und die Führer der demokratischen Partei, Erbe, Douai und Dölitzsch, am 18. Juni verhaftet wurden, drohte der offene Aufruhr; die Bürgerschaft eilte bewaffnet auf die Barrikaden. Der Herzog hatte zwar aus Leipzig zu seinem Schutz sächsische Truppen kommen lassen, schloss aber doch einen förmlichen Frieden mit dem Volk, wonach die Verhafteten frei gelassen, das sächsische Militär entlassen, einer der Vorstände des republikanischen Vaterlandsvereins, Cruciger, zum Minister ernannt, der Landtag sofort berufen und eine Amnestie erlassen werden sollte. Der am 22. Juni eröffnete Landtag bewilligte 15 000 Taler zur Beschäftigung arbeitsloser Arbeiter, beschloss die Ausgabe von ½ Million Kassenscheinen, um auf einfache Art Geld zu beschaffen, räumte dem Herzog nur ein beschränktes Veto ein, hob die Patrimonialgerichtsbarkeit auf u. a. Auf Verfügung der deutschen Zentralgewalt rückten aber im Oktober erst sächsische, dann hannöversche, schließlich preußische Truppen ein, unter deren Schutz die Regierung sich zum Widerstand aufraffte. Nachdem Herzog Joseph am 30. November 1848 zu Gunsten seines Bruders Georg (1848-53) abgedankt hatte, wurde die Bürgerwehr aufgelöst und Cruciger entlassen. 1850 wurde das Wahlgesetz abgeschafft und ein neues nach dem Dreiklassensystem eingeführt. Der Landtag unterstützte die Beseitigung der Märzerrungenschaften. Nach dem Tod Herzogs Georg folgte am 3. August 1853 Herzog Ernst, dessen Minister von Larisch Verfassung und Gesetzgebung in reaktionärem Sinn zu revidieren fortfuhr. Das Domanialvermögen wurde für Eigentum des herzoglichen Hauses erklärt, aus dessen Erträgen der Herzog eine Zivilliste (jährliche Zuwendung) beziehen sollte, die landständische Initiative und die Geschworenengericht beseitigt und selbst das Wahlgesetz von 1850 aufgehoben und zwar, da der Landtag 1854 die Aufhebung nicht genehmigte, durch herzogliche Verordnung vom 12. März 1855, welche von einem nach dem Wahlgesetz von 1831 gewählten Landtag nachträglich gebilligt wurde. Darauf wurde 1857 ein neues Wahlgesetz vereinbart. Für die Einführung der Grundsteuer und die Aufhebung des Jagdrechts wurde Entschädigung gezahlt. Nachdem Sachsen-Altenburg 1862 mit dem Königreich Preußen eine Militärkonvention abgeschlossen hatte, stimmte es 14. Juni 1866 beim Bundestag gegen den österreichischen Antrag, trat dem preußischen Bundesreformprojekt bei, schickte sein Kontingent nach Erfurt und nahm so am Deutschen Krieg als preußischer Verbündeter teil. Nachdem Sachsen-Altenburg Teil des Norddeutschen Bundes geworden, schloss es 1867 eine neue Militärkonvention mit dem Königreich Preußen, wonach sein Kontingent ein Bataillon des 96. Infanterieregiments bilden sollte, das dem 4. Armeekorps zugeteilt wurde und mit diesem 1870/71 während des Deutsch-Französischen Krieges in Frankreich kämpfte. 1871 wurde das Herzogtum Sachsen-Altenburg ein Bundesstaat des Deutschen Reichs. Das Domanialvermögen (Landgüter) wurde 1868 völlig vom Staatsvermögen getrennt und 1873 für Privateigentum des herzoglichen Hauses erklärt, womit die Zahlung einer Zivilliste aufhörte. Die Finanzen des Landes gestalteten sich so günstig, dass 1881 die Steuern erheblich vermindert werden konnten. Das Wahlgesetz von 1857 wurde 1869 wieder durch das von 1850 ersetzt. Nachdem Herzog Ernst nach 55jähriger Regentschaft 1908 ohne männlichen Thronerben gestorben war, folgte ihm sein Neffe Ernst II. Dieser galt als volksnaher und der Forschung und Wissenschaft aufgeschlossener Monarch. Infolge der Novemberrevolution dankte Herzog Ernst II. am 13. November 1918 ab und lebte bis zu seinem Tod 1955 in seinem ehemaligen Land.