Heil dir im Siegerkranz

Heil Dir im Siegerkranz

Die Geschichte der Hymne Preußens und des Deutschen Kaiserreichs „Heil Dir im Siegerkranz„.

Heil dir im Siegerkranz
Heil dir im Siegerkranz

„Heil dir im Siegerkranz“ sind die Anfangsworte der preußischen Volkshymne, als deren eigentlicher Verfasser Heinrich Harries zu betrachten ist. Er veröffentlichte im „Flensburger Wochenblatt“ vom 27. Januar 1790 ein „Lied für den dänischen Untertan, an seines Königs Geburtstag zu singen in der Melodie des englischen Volksliedes:, God save the King„, das mit den Worten beginnt: „Heil dir, dem liebenden Herrscher des Vaterlands! Heil, Christian dir!“ Dänemark war seit 1773 im Besitz von ganz Schleswig-Holstein, der dänische Hof zog deutsche Dichter nach Kopenhagen, wo viel Deutsch gesprochen wurde.

Heinrich Harries

* 09.09.1762 in Flensburg, † 28.09.1802 als Pastor zu Brügge im Amt Bordesholm; Dichter und Verfasser der Hymne "Heil Dir im Siegerkranz"

Harries Freund und Amtsgenosse, Pastor Gerhard Holst in Kiel, sammelte seine Gedichte und gab sie 1804 in zwei Bänden bei Ammerich in Altona heraus. Die Hymne selbst steht im zweiten Band Seite 158 – 161 und darunter die Anmerkung: „Dieses Lied ist nach Preußen gekommen und dort mit einigen Abänderungen auch öffentlich gesungen worden.

Heil Dir im Siegerkranz

in der ursprünglichen Version von Heinrich Harris von 1790 zu Ehren des dänischen Königs Christian VII.:

Heil dir, dem liebenden
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Christian, dir!
Fühl‘ in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Vater des Volks zu sein!
Heil, Christian, dir!

Nicht Ross‘ und Reisige
Sichern die steile Höh‘,
Wo Fürsten stehn.
Liebe des Unterthans,
Liebe des freien Manns
Gründen den Herrscherthron
Wie Fels im Meer.

Heilige Flamme, glüh‘,
Glüh‘ und erlösche nie
Fürs Vaterland!
Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann,
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Land!

Sei noch, o Christian, hier
Lange des Thrones Zier,
Des Landes Stolz!
Eifer und Männerthat
Finde sein Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort
An deinem Thron!

Tugend und Wissenschaft
Hebe mit Mut und Kraft
Ihr Haupt empor!
Jede geweihte Kunst
Reife durch deine Gunst,
Jedes Verdienst erwarm‘
An deiner Brust!

Dauernder stets zu blühn,
Weh‘ unsre Flagge kühn
Auf jedem Meer!
Alles, was ehrenvoll
Leitet zu Bürgerwohl,
Umfasse Dania
In ihrem Schoß!

Ha, wie so stolz und frei
Schüttelt der nord’sche Leu
Sein Mähnenhaar!
Wirft über Land und Meer
Flammenden Blick umher,
Ob einer lüstern sei
Sich ihm zu nahn!

Heil dir, dem liebenden
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Christian, dir!
Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Vater des Volks zu sein!
Heil, Christian, dir!

Heil dir im Siegerkranz
Heil dir im Siegerkranz

In Dänemark fand das Gedicht keinen Anklang und wäre wahrscheinlich mit den sämtlichen Werken des Dichters in Vergessenheit geraten, wenn es nicht ein poetischer Schwärmer sich seiner angenommen hätte. Balthasar Gerhard Schumacher, „Doktor der Rechte und Senior der hochw. Vikarien im Hochstifte der freien Reichsstadt Lübeck„, wie er sich selbst nennt.

Balthasar Gerhard Schumacher

* 1755 in Kiel, † ?; arbeite 1793 in Berlin "Heil dir im Siegerkranz" in eine preußische Version um

Schumacher verkürzte das Gedicht auf fünf Strophen und widmete es dem damaligen König von Preußen Friedrich Wilhelm II., der sogar im Ausland „Liebling des Volkes“ genannt wurde und so erschien es in dieser Gestalt zuerst in der „Spenerschen Zeitung“ vom 17. Dezember 1793 als „Berliner Volksgesang“, der bald zur Hymne Preußens werden sollte. Die Hymne wurde erstmals öffentlich am 25. September 1795, am Geburtstag des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen, im Berliner Nationaltheater aufgeführt und erwarb sich rasch den Rang einer preußischen Volkshymne, vielfach auch Königshymne genannt.

Heil Dir im Siegerkranz

in der Version von Balthasar Gerhard Schumacher von 1793 zu Ehren des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II.:

Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands,
Heil, König dir!
Fühl‘ in des Thrones Glanz
die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil, Herrscher, dir!

Nicht Roß‘, nicht Reisige
Sichern die steile Höh‘
Wo Fürsten stehn;
Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
Gründen den Herrscherthron
Wie Fels im Meer!

Heilige Flamme, glüh‘,
Glüh‘ und erlösche nie
Fürs Vaterland!
Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann,
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich.

Handlung und Wissenschaft
Hebe mit Mut und Kraft
Ihr Haupt empor!
Krieger- und Heldenthat
Finde ihr Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort
An deinem Thron!

Sei, Friedrich Wilhelm, hier
Lange der Preußen Zier,
Des Landes Stolz!
Jede geweihte Kunst
Reife durch deine Gunst!
Bürger-Verdienst erwärm‘
An deiner Brust!

Unterzeichnet ist das Lied mit „Sr.“, wie Schumacher seinen Namen gern abkürzte. 1801 nannte er sich dann selbst als Dichter dieses Liedes und da ihm niemand widersprach, galt er fortan als Schöpfer der preußischen Hymne und wurde in verschiedentlichen Nachschlagewerken auch so genannt. Erst durch die genauen Forschungen Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter des Deutschlandliedes, und Dr. Ochmann wurde bekannt, dass es sich um ein Plagiat handelte und ursprünglich von Heinrich Harris stammt.

Heil dir im Siegerkranz, Soldatengeschenkblatt 1833
Heil dir im Siegerkranz, Soldatengeschenkblatt 1833

Richtig populär wurde das Lied aber erst in und nach den Befreiungskriegen 1813 – 1815 gegen die napoleonischen Fremdherrschaft. Insbesondere in Schlesien, dem Sammelpunkt der preußischen Truppen wurde sie 1813 durch die Scharen der preußischen Freiwilligen verbreitet und so in ganz Deutschland bekannt. Große Verdienste in der Verbreitung des Textes erwarben sich dabei zwei preußische Soldaten, der Unteroffizier L. Schneider und der Wehrmann A. W. Hayn vom 20. Landwehrregiment. Anlässlich des Geburtstags König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, am 3. August 1833 schenkten sie allen Soldaten des preußischen Heeres, damals ca. 123.000 Mann ein Blatt mit dem Bildnis des Königs, umgeben von fünf Strophen der Preußenhymne. Darunter steht ein Geleitbriefund unter diesem sowie auf der Rückseite eine Erklärung zu jeder Zeile des ganzen Liedes. 

Heil dir im Siegerkranz
Heil dir im Siegerkranz

Die Hymne ist im Grunde nur eine Preußenhymne geblieben und wurde als solche im Kaiserreich auch immer wieder kritisiert. Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 und dem Aufbau einer deutschen Flotte, der Kaiserlichen Marine, hat ein Unbekannter aus der sechsten und siebenten Strophe des ursprünglichen Dänenliedes von Harris, welches die dänische Seemacht verherrlicht, nur durch Zusammenziehung und Streichung eine neue Strophe gemacht und nach der vierten Strophe der preußischen Hymne eingefügt. Mit dieser Strophe lautet die Hymne, die nun auch „Kaiserhymne“ genannt wurde, folgendermaßen:

Heil Dir im Siegerkranz

als Kaiserhymne. Text Version aus „Allgemeines Deutsches Kommersbuch“ Lahr 1919, gesungene Version (MP3) aus dem Jahr 1904.

Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir!

Nicht Roß’ und Reisige
Sichern die steile Höh,
Wo Fürsten stehn:
Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
Gründet den Herrscherthron
Wie Fels im Meer.

Heilige Flamme, glüh,
Glüh und erlösche nie
Fürs Vaterland!
Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann,
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich!

Handlung und Wissenschaft
Hebe mit Mut und Kraft
Ihr Haupt empor!
Krieger- und Heldentat
Finde ihr Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort
An deinem Thron!

Sei, Kaiser Wilhelm, hier
Lang deines Volkes Zier,
Der Menschheit Stolz!
Fühl in des Thrones Glanz,
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil, Kaiser, dir!

Heil dir im Siegerkranz
Heil dir im Siegerkranz

Das das Lied nach der Melodie der englischen Hymne gesungen wurde stieß im Kaiserreich vielen deutschnationalen Professoren und Gelehrten übel auf, so schreibt Prof. Dr. O. Boehm in „Die Volkshymnen“ im Jahr 1901: „Mit dem Gedichte wurde in ganz gedankenloser Weise auch zugleich die Melodie der englischen Hymne angenommen, und so singt man denn seit mehr als hundert Jahren die alt-preußischen Gefühle nach englischen Noten.

Zwar wird die Melodie der englischen Hymne gewöhnlich in B-dur, die der preußischen Hymne in G-dur gesungen oder gespielt, aber das fällt kaum jemanden auf.

Es gibt von „Heil Dir im Siegerkranz“ geringfügig abweichende Varianten, einige Verballhornungen und viele pathetische Neudichtungen insbesondere aus der schweren Zeit im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918).

Liechtensteinische Volkshymne
Liechtensteinische Volkshymne

Nach der englischen Melodie von „God save the King„, die schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts häufig an deutschen Höfen gespielt wurde, dichtete man mit der Zeit auch in den anderen deutschen Staaten Nationalhymnen, die amtlich anerkannt wurden. Bis heute überlebte, von den vielen Abwandlungen an den deutschen Höfen, nur die Variante im Fürstentum Liechtenstein mit „Oben am deutschen Rhein“. Im Jahr 1963 wurde alle Bezüge zu Deutschland gestrichen, so z.B. die erste Zeile „Oben am deutschen Rhein“ in „Oben am jungen Rhein“ geändert

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Die Volkshymnen“ Prof. Dr. O. Boehm, Wismar 1901

Ein Kommentar

  1. B-Dur oder G-Dur – das ist mir in der Tat nie aufgefallen! Allerdings hatte ich mich schon immer gewundert, dass beide Nationen die gleiche Melodie hatten. Danke für die Erläuterungen!

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