Berlin

Haupt- und Residenzstadt des Deutschen Reiches und des Königreichs Preußen

Berlin 2.050.222 Einwohner (1905) = größte Stadt des Deutschen Reichs.

Berlin, Friedrichstrasse, Ecke unter den Linden
Berlin, Friedrichstrasse, Ecke unter den Linden

 

Berlin

Berlin ist die Hauptstadt des Deutschen Reiches und des Königreichs Preußen, zugleich erste Residenz des deutschen Kaisers und Königs von Preußen und Sitz der höchsten Reichs- und Staatsbehörden. Berlin liegt unter 52°30´ 16´´ nördliche Breite und 13°23´ 43´´ östliche Länge (demnach Reduktion von Ortszeit auf M.E.Z.: +6m 25s), Meereshöhe am Oberbaum, im Osten, 31,38 m, am Unterbaum, im Westen, 30,13 m über dem Spiegel der Ostsee, an beiden Ufern der Spree, welche die Stadt von Südosten nach Nordwesten durchfließt, sich gabelt und von Norden her die Panke aufnimmt. Links von der Spree geht oberhalb Berlin der Landwehr- oder Schifffahrtskanal ab, der, 10,3 km lang, durch den 2 km langen Luisenstädtischen Kanal mit der Spree innerhalb der Stadt verbunden ist; rechts der Spree geht unterhalb der Stadt der Spandauer Schifffahrtskanal in einer Länge von 12,05 km zu dem Ausgang des Tegeler Sees in die Havel. Das Weichbild der Stadt umfasst 63,49 km² (1,15 Quadratmeilen). Der Durchmesser des städtischen Terrains von Norden nach Süden ist 9,265 km, von Osten nach Westen 10,056 km, der Umfang 47,3 km. Die mittlere Temperatur beträgt 9,2°C, die Niederschläge 589 mm.

Stadtteile. Öffentliche Anlagen.

Die historischen Stadtteile sind durch die natürlichen Wasserläufe, die jetzt aber z. T. zugeschüttet sind, voneinander geschieden, und zwar: Alt-Kölln, als Zentrum der Stadt mit dem königlichen Schloss auf der Spreeinsel, Alt-Berlin, von gleichem Alter, mit dem Rathaus, nördlich davon gelegen Friedrichswerder und Neu-Kölln mit dem Zeughaus und der Reichsbank, ferner die Dorotheenstadt und Friedrichstadt, die sich in der Behrenstraße scheiden, zusammen aber von der Friedrichstraße durchzogen werden. Nördlich an die Dorotheenstadt am rechten Spreeufer stößt die Friedrich-Wilhelmstadt, die durch die Verlängerung der Friedrichstraße von dem Spandauer Viertel getrennt wird. Die Fortsetzung des letzteren nach Osten bilden die Königsstadt und das Stralauer Viertel, das mit der Friedrichstadt durch die Luisenstadt am linken Spreeufer verbunden ist. Diese letzten sieben Stadtteile bilden einen zweiten konzentrischen Kreis um die drei vorher genannten, die in unmittelbarem Anschluss an den Mittelpunkt den ersten Kreis bilden. Im Westen, Norden und Süden schiebt sich sodann noch ein dritter, im Osten allerdings nicht geschlossener Kreis vor, dessen Mitte von dem Tiergarten eingenommen wird. Nördlich davon liegen das sogenannte Hansaviertel, Moabit, Wedding und die Oranienburger und Rosenthaler Vorstadt, südlich die Friedrichsvorstadt, das Schöneberger und Tempelhofer Revier. Mit der alten Stadtmauer sind auch die Tore verschwunden bis auf eins, das Brandenburger Tor, das von den Linden zur Chaussee nach Charlottenburg führt. Es wurde von Langhans nach dem Vorbilde der Propyläen zu Athen 1789–93 errichtet, hat eine Breite von 62,5 m bei 20 m Höhe und besteht aus einem Doppelportikus von 12 dorischen kannelierten, je 14 m hohen Säulen, die fünf Durchgänge für Wagen bilden, während für Fußgänger 1868 ein in gleichem Stil gehaltener Säulenbau hinzugefügt wurde. Die Attika trägt die in einer Quadriga stehende Siegesgöttin, 6,3 m hoch, von Schadow modelliert, von Jury und Gerike in Kupfer getrieben; diese Viktoria wurde 1807 von den Franzosen nach Paris entführt, aber 1814 zurückgebracht. Seitdem fährt sie das Viergespann (anders als vor 1807) der Stadt zu, und in die Spitze ihres adlergekrönten Stabes wurde das Eiserne Kreuz eingefügt.

Unter den Brücken der Stadt ist die schönste die Schlossbrücke von den Linden zum Lustgarten, 1822 bis 1824 nach Schinkels Entwürfen gebaut, 48 m lang, 32 m breit. Ihr Geländer wird von acht Marmorgruppen geziert, die das Leben eines Kriegers durch antike Figuren zur Anschauung bringen. Monumental erscheint auch die 1886–89 von der Stadt Berlin erbaute Kaiser Wilhelm-Brücke, die den Lustgarten mit der Kaiser Wilhelm-Straße verbindet. Die vom Schlossplatz zur Königstraße führende Lange oder Kurfürstenbrücke, 1692–95 erbaut, 1895 erneuert und verbreitert, ist durch das meisterhafte Standbild des Großen Kurfürsten geschmückt, von Schlüter entworfen und modelliert, von Jacobi in Erz gegossen und 12. Juli 1703 feierlich enthüllt. Die übrigen älteren Brücken sind seit ihrem Übergang in das Eigentum der Stadt (1876) neu erbaut; hervorzuheben sind die Oberbaum-, Schillings-, Michaels-, Jannowitz-, Waisen-, Friedrichs-, Weidendammer, Marschalls-, Kronprinzen-, Moltke-, Luther-, Moabiter-, Lessing-, Hansa- und Achenbachbrücke, ferner von Kanalbrücken die Belle-Alliance- und die Herkulesbrücke (jene mit allegorischen Marmorgruppen, diese mit den mythologischen Figuren der alten Herkulesbrücke), ferner die mit den Standbildern von Helmholtz, W. Siemens, Gauß und Röntgen geschmückte Potsdamer Brücke.

Die über 700 Straßen der Stadt haben zusammen eine Länge von etwa 464 km. Die schönste Straße ist die vom Brandenburger Tor nach dem königlichen Schloss führende Unter den Linden, 1004 m lang, 60,6 m breit, in der Mitte mit einer dreifachen Baumreihe und einer Promenade, an der Nordseite mit einem Weg zum Reiten, auf beiden Seiten mit Fahrwegen und breiten Trottoirs für die Fußgänger versehen. Hier stehen das Palais weiland Kaiser Wilhelms I., die alte Kunstakademie, das Kultusministerium, das Ministerium des Innern, die russische Botschaft, mehrere Hotels und eine Reihe der glänzendsten Kaufläden; sie hat nach Osten zu eine Art Fortsetzung erhalten in der durch die alten Stadtteile gelegten Kaiser-Wilhelmstraße. Von den Linden führt in einer gebrochenen Linie nach der Ecke der Friedrich- und Behrenstraße die Passage (Kaisergalerie genannt). Die Friedrichstraße durchschneidet die Stadt von Nord nach Süd vom Oranienburger Tor bis zum Belle-Allianceplatz und ist 3 km lang. Die Wilhelmstraße enthält in ihrer ersten Hälfte von den Linden ab das Reichskanzlerpalais, Minister- und Gesandtschaftshotels. Die Leipziger Straße verbindet zwei große Plätze (Dönhofs- und Leipziger Platz). An ihr liegen: das Kriegsministerium, das Reichspostamt, das Herrenhaus und zahlreiche großartige Geschäftshäuser sowie die Warenhäuser von Wertheim und Tietz. Die neuesten Straßen, welche die reichste Abwechslungen des Baustiles zeigen, liegen in dem sich immer weiter hinausschiebenden Westen, zwischen der Tiergarten-, Potsdamer Straße und dem zoologischen Garten; unter ihnen zeichnen sich die Viktoria-, Bellevue-, Kurfürstenstraße und der nur zum kleinsten Teil zu Berlin gehörige Kurfürstendamm aus. Der weiter im Westen entstandene neue Stadtteil gehört schon zu Charlottenburg. Berlin zählt 72 öffentliche Plätze, von denen die größeren mit Gartenanlagen und teilweise mit Springbrunnen geschmückt sind; darunter die wichtigsten: der Opernplatz am östlichen Ende der Linden, von den prachtvollsten Gebäuden (Zeughaus, Universität, Opernhaus) umgeben; der Gendarmenmarkt (in seiner Mitte, am Denkmal Schillers, Schillerplatz genannt) in der Friedrichstadt; der Schlossplatz; der Lustgarten zwischen der nördlichen Langseite des Schlosses, dem Dom und dem Museum; der Leipziger Platz; der Wilhelmsplatz in der Friedrichstadt; der Pariser Platz am Brandenburger Tor; der Königsplatz (mit dem Siegesdenkmal und dem Reichstagsgebäude) nordwestlich von letzterem; der Dönhofsplatz an der Leipziger Straße; der kreisförmige Belle-Allianceplatz am Halleschen Tor; der Lützowplatz; der Nollendorfplatz an der Grenze gegen Charlottenburg und Schöneberg (jetzt verunziert durch einen Bahnhof der Hochbahn).

Die hervorragendste der öffentlichen Anlagen Berlins ist der Tiergarten. Er umfasst ein Areal von ungefähr 255 Hektar und erhielt unter Friedrich Wilhelm III. durch Lenné im wesentlichen seine jetzige Gestalt. Durch seinen südöstlichen Teil führt die herrliche Siegesallee mit den vom Kaiser Wilhelm II. 1898–1901 errichteten 32 Marmorgruppen von brandenburgischen und preußischen Herrschern zum Königsplatz. Weiter nach Süden befindet sich das Standbild Friedrich Wilhelms III. von Drake (1849 errichtet); ihm gegenüber das Denkmal der Königin Luise von Encke (1880 errichtet); ferner in der Nähe des Brandenburger Tores das Denkmal Goethes von Schaper (1880 errichtet) und dasjenige Lessings von Otto Lessing (1891 errichtet. Die wichtigsten Partien im und am Tiergarten sind: das königliche Lustschloss Bellevue mit Park, die Zelte, eine Reihe von Erfrischungslokalen, der Goldfischteich, der Floraplatz, die Luisen- und Rousseau-Insel etc. Außerdem hat die Stadt einige Parke in der unmittelbaren Umgebung der Stadt geschaffen, nämlich den Friedrichshain (52 Hektar) vor dem Königstor mit den Gräbern der Märzgefallenen und einer Büste Friedrichs d. Großen, und den Humboldthain (35 Hektar) vor dem sogenannten Gesundbrunnen (einem nach einer Mineralquelle benannten Stadtteil). Seit 1876 ist ein 14 Hektar großes Gebiet bei Treptow zu einem Park umgewandelt und seit 1888 am Kreuzberg der terrassenförmige Viktoriapark (mit großartig angelegtem Wasserfall) geschaffen worden.

Denkmäler

Von den öffentlichen Denkmälern sei zunächst das 1821 für die 1813–15 gefallenen Krieger auf dem Kreuzberg (20 m hohe, in gotischer Pyramidenform nach Schinkels Entwurf) errichtete erwähnt. Ein Seitenstück dazu bildet die am 2. September 1873 eingeweihte Siegessäule auf dem Königsplatz, die nach dem Entwurf von Strack zur Erinnerung an die drei siegreichen Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 ausgeführt wurde und mit der sie krönenden Viktoria von Drake eine Gesamthöhe von 61 m erreicht. Ihr gegenüber ist vor dem Reichstagsgebäude 1901 dem Reichskanzler Fürsten Bismarck ein Kolossaldenkmal (nach einem Entwurf von R. Begas) errichtet worden. Von älteren Denkmälern sind noch die Friedenssäule auf dem Belle-Denkmälern sind noch die Friedenssäule auf dem Belle-Allianceplatz mit einer Viktoria von Rauch und das Nationalkriegerdenkmal im Invalidenpark zum Andenken an die 1848 und 1849 Gefallenen (1854 errichtet) zu erwähnen. Das figurenreichste Werk monumentaler Skulptur ist aber die Reiterstatue Friedrichs d. Großen, ein Meisterwerk Rauchs, von Friebel in Erguss ausgeführt, 13,5 m, am Eingang der Linden, die am 31. Mai 1851 enthüllt wurde. Das umfangreichste Denkmal Berlins ist das am 22. März 1897 enthüllte Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. auf dem Platze der ehemaligen Schlossfreiheit (von R. Begas) mit einer den architektonischen Abschluss bildenden Hallenanlage (von G. Halmhuber). Andere Denkmäler sind die der Helden der Befreiungskriege auf dem Opernplatz, der des Siebenjährigen Krieges auf dem Wilhelmsplatz, der Grafen Brandenburg und Wrangel auf dem Leipziger Platz, das Reiterstandbild König Friedrich Wilhelms III. (von Wolff) im Lustgarten, 1871 enthüllt, das Reiterstandbild Friedrich Wilhelms IV. (von Calandrelli, 1886 enthüllt) auf der Freitreppe der Nationalgalerie, das Marmordenkmal der Kaiserin Augusta (von Schaper, seit 1895) vor der königlichen Bibliothek, das Lutherdenkmal auf dem Neuen Markt (1895 enthüllt, von P. Otto und V. Toberentz), ferner die Denkmäler von Schinkel, Beuth und Thaer (Rauchs letztes Werk) vor der früheren Bauakademie, von Schinkel, Rauch, Schadow, Winckelmann, K. O. Müller, D. Chodowiecki, Cornelius, v. Knobelsdorff, Carstens und Schlüter in der Vorhalle des alten Museums, die Denkmäler Wilhelms und Alexanders von Humboldt (das erstere v. P. Otto, das zweite von R. Begas) sowie für Helmholtz (von E. Herter) vor der Universität, das von Hegel (Kolossalbüste) hinter der Universität (Hegelplatz), von Chamisso (gleichfalls Kolossalbüste) auf dem Monbijouplatz, das am 10. November 1871 enthüllte Schillerdenkmal von R. Begas auf dem Schillerplatz, das Denkmal des Freiherrn vom Stein auf dem Dönhofsplatz (seit 1875) von Schievelbein, die der Abgeordneten Waldeck (von Walger) und Schultze-Delitzsch (von H. Arnoldt), die Kolossalstatue der Berolina auf dem Alexanderplatz (von E. Hundrieser), die Bronzestandbilder der Markgrafen Waldemar und Albrecht des Bären (von M. Unger und I. Boese) auf dem Mühlendamm, die Gruppe der heiligen Gertraudis (von R. Siemering); das Denkmal des Turnvaters Jahn von Encke in der Hasenheide, das Aloys Senefelders von Pohle im Norden der Stadt; das Feuerwehrdenkmal (auf dem Mariannenplatz). Die beiden großen Berliner Ärzte von Grase und Wilms haben 1882–83 jeder ein Denkmal erhalten; auch sind den Dichtern aus den Befreiungskriegen im Viktoriapark Hermen errichtet worden. An monumentalen Brunnen sind zu erwähnen: auf dem Schlossplatz (im Zuge der Breiten Straße) der von R. Begas 1891 geschaffene Schlossbrunnen, den die Stadt Berlin Kaiser Wilhelm II. als Huldigungsgeschenk darbrachte; auf dem Spittelmarkt der 1891 von Kyllmann und Heyden in Granit errichtete Spindlerbrunnen; schlussendlich der 1902 von Kaiser Wilhelm II. der Stadt geschenkte Rolandbrunnen mit Rolandstatue am Schlusspunkte der Siegesallee (1902 nach dem Entwurfe von O. Lessing errichtet) an Stelle des sogenannte Wrangelbrunnens.

Bauwerke

An gottesdienstlichen Gebäuden besitzt Berlin 58 evangelische Kirchen und Kapellen (in 48 Gemeinden), 8 katholische Kirchen und 10 Kapellen, 15 Kirchen und Kapellen von der Landeskirche unabhängiger Gemeinden und 9 Synagogen. Von den evangelischen Kirchen stammen vier aus dem Mittelalter, darunter aus dem 13.58 evangelische Kirchen und Kapellen (in 48 Gemeinden), 8 katholische Kirchen und 10 Kapellen, 15 Kirchen und Kapellen von der Landeskirche unabhängiger Gemeinden und 9 Synagogen. Von den evangelischen Kirchen stammen vier aus dem Mittelalter, darunter aus dem 13. Jahrhundert die Marienkirche (mit dem Grabdenkmal des Feldmarschalls von Sparr) und die Nikolaikirche, beide neuerdings wiederhergestellt. Im 17. und 18. Jahrhundert sind 14 Kirchen entstanden und meist in den letzten Jahrzehnten renoviert, darunter die Französische und die Neue Kirche aus dem 18. Jahrhundert; die an beide angefügten Kuppeltürme ließ Friedrich II. nach dem Muster der Kirche Maria del Popolo in Rom erbauen. Unter Friedrich Wilhelm III. sind zwei von Schinkel erbaut, wie die Friedrich Werdersche Kirche im gotischen Stil, unter Friedrich Wilhelm IV. acht, meist von Stüler (wie die Matthäi-, Markus- und Bartholomäuskirche) oder von Strack (wie die Andreas- und Petrikirche), unter Kaiser Wilhelm I. zehn, darunter von Orth die Zions- und die Dankeskirche, von Otzen die gotische Heilig-Kreuzkirche. Mehr als 20 Kirchen sind unter Kaiser Wilhelm II. entstanden, und zwar die umfangreichsten und schönsten. Unter den Stilformen überwiegen dabei der gotische und romanische Stil, einige sind neuerdings im altmärkischen Baustil erbaut; die meisten dieser Kirchenbauten stammen von Orth, Spitta, Otzen und Schwechten her. Während die älterenKirchen überwiegend Backsteinbauten sind, hat man neuerdings durch Verwendung von Sandsteingliederungen oder von farbig glasierten ZiegelnKirchen überwiegend Backsteinbauten sind, hat man neuerdings durch Verwendung von Sandsteingliederungen oder von farbig glasierten Ziegeln Abwechslunggeschaffen oder einige ganz aus Werksteinen errichtet. Zu den schönsten neuern Kirchenbauten gehört in erster Linie der Dom am Lustgarten, seit 1894 im Stil der Hochrenaissance von J. C., seit 1894 im Stil der Hochrenaissance von J. C. Raschdorff aus schlesischem Sandstein erbaut, 114 m lang, 43 m tief, 100 m hoch; er besteht aus einer zweischiffigen Vorhalle, der dahinter liegenden Predigtkirche in Gestalt eines ungleichseitigen Achtecks, der Tauf- und Trauungskirche an der Süd- und der Denkmalskirche an der Nordseite, unter der sich die Hohenzollerngruft befindet. Sodann ist die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche am Zoologischen Garten zu erwähnen (Tafel II, Fig. 2); sie ist 1891–95 von Schwechten im spätromanischen Stil aus rheinischem Tuffstein erbaut und mit Statuen und Glasmalereien reich geschmückt; ferner die Kaiser Friedrich-Gedächtniskirche an der Südseite des Hansaviertels, 1895 von Vollmer im gotischen Stil erbaut; die Gnadenkirche (zum Gedächtnis an die Kaiserin Augusta), 1892–94 im romanischen Stil von Spitta erbaut, die gotische Lutherkirche (von Otzen 1891–94), die neue Garnisonkirche an der Hasenheide, 1894–97 von Roßteuscher im gotischen Stil errichtet, etc. Die älteste der katholischen Kirchen ist die St. Hedwigskirche am Opernplatz, 1747–73 nach dem Muster des Pantheons in Rom gebaut und 1886–87 durch Hasak renoviert. Außer der St. Michaelskirche stammen die übrigen katholischen Kirchen aus dem letzten Jahrzehnt, darunter die katholische Garnisonkirche zu St. Johannes in der Gneisenaustraße (1895–97 von Mencken erbaut). Die von 1859–60 erbaute jüdische Synagoge in der Oranienburger Straße ist im maurischen Stil von Knoblauch, eine andre in der Lindenstraße 1896–98 von Cremer u. Wolffenstein erbaut.

Profanbauten.

Aus dem Mittelalter stammt noch das sogenannte Lagerhaus in der Klosterstraße, Absteigequartier der Kurfürsten vor Erbauung des Schlosses, jetzt Sitz des Geheimen Staatsarchivs und des Rauchmuseums. Auch das Schloss reicht in seinem ältesten Teile noch ins 15. und 16. Jahrhundert hinein, doch wurde es seit 1698 von Andreas Schlüter und nach ihm von J. F. Eosander umgebaut; Friedrich Wilhelm IV. fügte die 71 m hohe Schlosskapelle und die Terrasse am Lustgarten hinzu, und Kaiser Wilhelm II. ließ 1888–89 die nach dem Schlossplatz gelegenen Wohnräume neu herrichten und neuerdings den Nordwestflügel umbauen. Das Schloss bildet ein längliches Viereck (mit einem seitlichen Vorbau nach dem Dom zu) und umschließt vier Höfe (darunter der äußere mit der Kolossalstatue des drachentötenden St. Georg); die Front am Lustgarten ist 197 m, die am Schlossplatz 168 m, die Seite nach der Schlossfreiheit 117 m lang; die Höhe des Gebäudes mit seinen vier Stockwerken beträgt 32 m. Von den fünf Portalen ist das nach der Schlossfreiheit eine Nachahmung des Septimianischen Triumphbogens. Das Hauptportal nach dem Lustgarten flankieren zwei Gruppen von Rossebändigern (Erguss nach Modellen des Barons Clodt v. Jürgensburg), Geschenke des Kaisers Nikolaus von Russland. Das Schloss enthält gegen 600 Zimmer, Säle etc., wovon der Ritter- oder Thronsaal, der Weiße Saal und die Bildergalerie die bemerkenswertesten sind. Im Stil des Schlosses ist die Fassade des neuen Marstallgebäudes an der Südseite des Schlossplatzes gehalten. Jenseits der Schlossbrücke erhebt sich das Palais, das Kaiser Friedrich III. als Kronprinz und vor ihm Friedrich Wilhelm III. bewohnte (aus dem 17. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert durch Strack umgebaut), und das Palais weiland Kaiser Wilhelms I. Unter den Linden (1834–36 vom Oberbaurat Langhans erbaut); das Sterbezimmer Kaiser Wilhelms ist zu einer Gedächtniskapelle umgewandelt worden. Durch eine Galerie ist damit das ehemalige Niederländische Palais aus dem 18. Jahrhundert verbunden. Dem königlichen Schloss gegenüber erheben sich das Alte und das durch einen Bogengang mit demselben verbundene Neue Museum, ersteres eine Schöpfung Schinkels, letzteres Stülers. Das Alte Museum, 1824–28 erbaut, bildet ein längliches Viereck, 86,6 m lang, 56 m tief und mit der Kuppel 26 m hoch; eine 28,5 m breite Freitreppe führt zu einer mit Fresken geschmückten Vorhalle. Die beiden Treppenwangen sind mit Gruppen in Bronzeguss von Wolff (Löwentöter) und Kiß (Amazone), ausgestattet. Dieses Museum ist für Gemälde und Bildwerke bestimmt, während das Neue Museum, 1843–55 erbaut, Gipsabdrücke, Vasen, Terrakotten, Kupferstiche und andre Sammlungen beherbergt. Der Mittelbau umschließt das 18 m breite, 40 m hohe Treppenhaus mit sechs historischen Wandgemälden von Kaulbach. Vor dem Alten Museum steht eine 7 m im Durchmesser haltende Gneisschale, die 1827 aus einem Teil eines der sogenannten Markgrafensteine auf den Rauenschen Bergen bei Fürstenwalde verfertigt wurde. Neben dem Neuen Museum erhebt sich die Nationalgalerie, aus Sandstein (nach einem Entwurf Stülers) von Strack erbaut. An der Nordwestspitze der Museumsinsel erheben sich das Pergamenische Museum (1897–99 nach Plänen von Wolff erbaut) und das noch im Bau befindliche Kaiser Friedrich-Museum (von E. Ihne). Im Norden davon, jenseits der Spree, steht Schloss Monbijou (im 18. Jahrhundert von J. F. Eosander erbaut und jetzt dem Hohenzollernmuseum eingeräumt) und südwestlich vom Museum, auf dem Friedrichswerder, das Zeughaus, 1695–1706 nach Nehrings Plänen im Stil der italienischen Spätrenaissance errichtet, 1880–83 im Innern als „Ruhmeshalle“ umgebaut. Unter den plastischen Dekorationen nehmen die Masken sterbender Krieger im inneren Hof und das den ruhenden Mars darstellende Relief an der Stirnseite des oberen Stockes (beides von Schlüter) die erste Stelle ein. Das Untergeschoß enthält Sammlungen von Geschützen und Festungsmodellen, das Obergeschoß eine vorzügliche Waffensammlung, die Herrscherhalle (Statuen der preußischen Regenten seit dem Großen Kurfürsten, vier Wandgemälde aus der preußischen Geschichte und allegorische Kuppelmalereien von Geselschap) und die Feldherrenhalle (Kolossalbüsten brandenburgisch-preußischer Heerführer und 13 Wandgemälde aus der brandenburgisch-preußischen, resp. neuesten deutschen Geschichte). Westlich davon steht die Königswache, 1819 von Schinkel in der Form eines römischen Castrum erbaut; das Universitätsgebäude, ehemals Palais des Prinzen Heinrich, 1754–64 von Boumann (Vater) erbaut; das alte Akademiegebäude (1690 von Nehring erbaut, 1749 von Boumann restauriert), das bisher der Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Künste zum Sitz diente (die Hochschulen für die bildenden Künste und die Musik sind in das 1902 vollendete Gebäude in der Hardenbergstraße in Charlottenburg verlegt); am Opernplatz die königliche Bibliothek (1770–80 durch Boumann [Sohn] erbaut); das Opernhaus (1741–43 von Knobelsdorff erbaut, nach dem Brande von 1843 durch Langhans wiederhergestellt); am Schinkelplatz und Werderschen Markte die ehemalige Bauakademie, ein Hauptwerk Schinkels (1835 aus Backsteinen errichtet), seit 1884 den Zwecken der Kunstakademie dienend, und auf dem Schillerplatz das Schauspielhaus, nach dem Brande des älteren 1819–21 von Schinkel errichtet.

Aus dem 18. Jahrhundert stammen das Hausministerium, das Auswärtige Amt, das Reichskanzlerpalais, das Kammergericht, die russische Botschaft, die Kommandantur u. a. An die oben erwähnten Bauten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schlossen sich unter der Regierung Wilhelms I. an: das Rathaus, ein Backsteinbau von 99,2 m Länge und 87,9 m Breite mit 74 m hohem Turm, von Wäsemann 1861–70 erbaut, die Börse (von Hitzig 1859–63 im Renaissancestil aus Sandstein erbaut und 1884 erweitert, die Münze (mit einem von dem alten Gebäude übernommenen Relief von Schadow), mehrere Universitätsinstitute (Kliniken, physikalisches und physiologisches Institut etc.), die Geologische Landesanstalt und Bergakademie, die Landwirtschaftliche Hochschule, das Museum für Naturkunde, das Generalstabsgebäude, die Kriegsakademie, das Hauptpostamt in der Königstraße, das Reichspostamt in der Leipziger Straße (1871–73 von Schwatlow erbaut, 1893–98 von Techow und Ahrens erweitert), das Polizeipräsidium (1885–90 von Blankenstein und Hesse erbaut), die Zentralmarkthalle, das Museum für Völkerkunde (1886) und das Kunstgewerbemuseum (1877 bis 1881 von Gropius und Schmieden erbaut, der Packhof und das Kriminalgerichtsgebäude in Moabit (1882–85 erbaut), die neuen Bahnhofsgebäude, wie der Potsdamer und der Anhaltische Bahnhof (dieser von Schwechten 1875–80 errichtet, mehrere Bahnhöfe der Stadtbahn, die Reichsbank (1869–76 von Hitzig erbaut, 1894 erweitert, zahlreiche Bauten von höheren und Gemeindeschulen etc. Noch imposanter sind manche der unter Kaiser Wilhelm II. vollendeten öffentlichen Bauten, zunächst das Reichstagsgebäude, 1884–94 von Wallot im Stil der Hochrenaissance mit einem Aufwande von 22 Millionen Mark erbaut, 132 m lang, 88 m breit, bis zum Hauptgesims 27 m hoch, mit einer Kuppel (75 m) und vier Ecktürmen (46 m); ferner die beiden Häuser des Landtags zwischen der Prinz Albrecht- und der Leipziger Straße, von denen das Abgeordnetenhaus im Stil der italienischen Hochrenaissance 1893–98 von F. Schulze erbaut ist, während das mit ihm durch einen schmalen Mittelbau verbundene Herrenhaus seiner Vollendung noch entgegensieht. Neubauten für mehrere Reichsämter sind neuerdings errichtet worden, wie das Reichspatentamt im Barockstil, das Reichsversicherungsamt im Renaissancestil und das Reichsgesundheitsamt (alle drei von A. Busse). Für das Land- und Amtsgericht I wird ein gewaltiger Neubau von Schmalz in der neuen Friedrichstraße errichtet. Beträchtlich ist ferner die Zahl der Monumentalbauten, die für große Bankinstitute, Hotels, Bierhäuser, Vereinshäuser (z. B. das Künstlerhaus in der Bellevuestraße), Waren- und Geschäftshäuser errichtet sind. Auch einige Theater, wie das Lessingtheater, das Neue und das Metropoltheater, ferner der Zirkus Busch und mehrere Reitbahnen sind neu entstanden. Zahllos sind die neuern Privathäuser, die besonders in den westlichen Stadtteilen durch ihre stattlichen Fassaden und glänzende innere Einrichtung sich auszeichnen.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Berlins hat sich im letzten Jahrhundert in fast beispielloser Weise vermehrt. Während dieselbe 1816: 197.717 Personen betrug, stieg sie bis 1849 auf 431.566, 1871: 826.341, 1880: 1.122.330, 1890: 1.578.794. Nach der letzten Volkszählung vom 1. Dezember 1900 betrug sie 1.888.848 (darunter ca. 20.000 Mann Militär). Die jährliche Zunahme belief sich im Zeitraum 1895–1900 auf 2,37 %. Nach dem Geschlecht entfielen 1900 auf 100 männliche 109,1 weibliche Personen. Geboren wurden 1900: 26.584 Knaben, 25.086 Mädchen, worunter 1007 männliche und 832 weibliche Totgeborene. Unehelich geboren wurden 7722 (14,94 %), darunter 424 Totgeborene. 20.756 Eheschließungen fanden statt. Gestorben sind (einschl. Totgeborene) 19.712 männliche, 17.537 weibliche Personen. 1891/1900 fanden im Durchschnitt jährlich 10,1 Eheschließungen, 29,9 Geburten, 20,2 Sterbefälle auf 1000 Einwohner statt. Die Zahl sämtlicher in Berlins gelegenen bebauten Grundstücke belief sich 1900 auf 25.357, die Zahl der Wohnhäuser auf 37.733, die der Haushaltungen auf 471.534. Der Religion nach gab es am 1. Dezember 1900: 1.590.115 (84,2 %) Evangelische, 188.440 (9,97 %) Römisch-Katholische, 14.209 andere Christen und 92.206 (4,88 %) Juden. Bei 1.844.600 Personen war die Muttersprache deutsch, 14.061 sprachen daneben noch eine fremde Sprache (darunter 10.628 polnisch), 30.187 ausschließlich eine fremde Sprache. In der Bevölkerung tritt das Berlinertum mehr und mehr zurück; zählte man 1880 unter 1000 Einwohner noch 434 geborene Berliner, so 1900 nur noch 409. 1900 gab es in Berlin 35.026 Reichsausländer (besonders Österreicher, Russen, Ungarn und Amerikaner). Nach der Berufszählung vom 14. Juni 1895 umfasste die Bevölkerung 43,33 % Erwerbstätige im Hauptberuf, 3,78 % Dienende für häusliche Dienste, 48,85 % Angehörige ohne Hauptberuf und 4,04 % berufslose Selbständige.

Industrie, Handel und Verkehr etc.

Unter den Erwerbszweigen steht die Industrie obenan. 1895 waren 52,85 % aller im Hauptberuf Erwerbstätigen in der Industrie, dem Gewerbe und Bauwesen beschäftigt. Man zählte 150.170 Haupt- und 5898 Nebenbetriebe; von ersteren waren 1006 Großbetriebe (mit über 20 Gehilfen), die größten Betriebe (341 mit je über 100 Personen) entfielen auf den Maschinenbau, das Baugewerbe, die Industrie in Bekleidung und Reinigung, die Nahrungsmittel-, die Textilindustrie und die polygraphischen Gewerbe. Am umfangreichsten ist die Bekleidungsindustrie, die ihren Sitz in der Gegend des Hausvogteiplatzes hat und meist als Heimarbeit betrieben wird; ihr gehören an die Mäntelkonfektion (jährlicher Produktionswert 120–150 Millionen Mark), die Damenkleiderkonfektion, die Fabrikation von Besatzstoffen, Knöpfen, künstlichen Blumen, Hüten, die Wäschefabrikation, die Färberei, Druckerei und Appretur. Ausgedehnt ist ferner die Maschinen- und Eisenindustrie, die in den nördlichen Stadtteilen, in Moabit und im Südosten Berlins heimisch ist, für die aber neuerdings große Werke in den Vororten (Oberschöneweide, Tegel etc.) errichtet sind. Für die Metallwarenindustrie bildet die Ritterstraße den Mittelpunkt. Bedeutend ist der Bau von Eisenbahn-, Post- und gewöhnlichen Wagen, Nähmaschinen, Stahlfedern, feuerfesten Geldschränken, Chronometern, elektrischen Beleuchtungsanlagen, Motoren und Telegraphenapparaten, die Feinmechanik sowie die Bijouterie. Sehr bedeutend ist ferner die Herstellung von Juwelierarbeiten, die Fabrikation von Gold- und Silberwaren, Kautschuk- und Guttapercha-Artikeln, Seife, Chemikalien, Holzarbeiten, Dachpappe, Marmorwaren, wohlriechenden Wässern, Goldleisten, Schirmen, Posamentierwaren, Linoleum, Asphalt, Porzellan, Öfen und andern Tonwaren, Pianofortes und andern musikalischen Instrumenten, Möbeln, Papier, Tapeten, Handschuhen sowie die Bierbrauerei. In Berlin nebst Vororten produzierten 1900/1901: 111 Brauereien 2.793.790 hl untergäriges und 1.412.248 hl obergäriges Bier. Zahlreiche Gärtnereien pflegen Spezialitäten, namentlich Blattpflanzen, Maiblumen, Zwiebelgewächse, Alpenveilchen, Baumschulartikel etc. Außerdem gehört Berlin zu den Hauptsitzen des deutschen Buchhandels (man zählt etwa 700 Buch-, Kunst- und Musikalienhandlungen) und hat umfangreiche Buchdruckereien, lithographische Anstalten, Schriftgießereien etc. Die industriellen Aktiengesellschaften hatten Ende 1899 ein Aktienkapital von 622 Millionen Merk. Ende 1899 waren 8704 Fabriken der gesetzlichen Revision des Gewerberates unterstellt; sie beschäftigten zusammen ca. 210.000 Personen, darunter 13.300 unter 16 Jahren.

Die zweite Stelle im Berliner Erwerbsleben nehmen Handel und Verkehr ein; daran sind 23,64 % aller im Hauptberuf Erwerbstätigen beteiligt. Hauptartikel des Berliner Warenhandels sind Getreide, Spiritus, Vieh, Wolle und Brennstoffe. Die Zufuhr an Zerealien belief sich 1900 auf 47.134 Tonnen Weizen, 112.314 Tonnen Roggen, 59.325 Tonnen Gerste, 112.577 Tonnen Hafer und ca. 110.000 Tonnen Mehl, wovon der größte Teil für den Konsum in Berlin verblieb. Berlin ist der Sitz einer bedeutenden Getreidespekulation, außerdem ein Zentrum des Spiritushandels. 1900 stand einer Zufuhr von über 47,5 Millionen Liter eine Ausfuhr von 13–15 Millionen Liter gegenüber. Der fünftägige Juniwollmarkt vermittelt den Hauptumsatz in Wolle (1900 wurden 24.000 Zentner zum Verkauf gestellt). An Stein- und Braunkohlen gingen 1901 zum Lager und Konsum ein 4.274.000 Tonnen; die Einfuhr von Petroleum betrug fast 81 Millionen kg, die von ausländischem Wein 16,9 Millionen kg, die von Eiern 30,2 Millionen kg. Über den Viehhandel siehe unten. Was den Schifffahrtsverkehr anbelangt. so kamen 1899 in Berlin an: 57.134 Schiffe mit 5.031.319 Tonnen Ladung, es gingen ab: 55.821 Schiffe mit 626.081 Tonnen Ladung. Die Börse, täglich von 4000 Personen besucht, ist im Staatspapier- und Aktienhandel Deutschlands Hauptbörse und für den europäischen Geldmarkt von Bedeutung. Außerdem ist 1902 eine Handelskammer in Berlin errichtet worden. In naher Beziehung zur Börse steht die Bank des Berliner Kassenvereins (seit 1850). Die Geldoperationen werden gefördert durch die Reichsbank (1899 hatte die Berliner Hauptbank einen Umsatz von 60.708 Millionen Mark); ferner die Deutsche Bank (150 Millionen Mark Kapital), Diskontogesellschaft und Dresdener Bank (je 130 Millionen Mark), Bank für Handel und Industrie (105 Millionen Mark), Berliner Handelsgesellschaft (90 Millionen Mark), Nationalbank für Deutschland (60 Millionen Mark), Preußische Bodenkreditbank (30 Millionen Mark), Zentralbodenkredit-Aktiengesellschaft (28,8 Millionen Mark) u. a. Zu diesen Anstalten gehört auch die Königliche Seehandlung und die 1895 errichtete Zentralgenossenschaftskasse (Kapital 50 Millionen Mark).

Verkehr.

Berlin ist Mittelpunkt des norddeutschen Eisenbahnnetzes und Knotenpunkt von 12 Bahnlinien. Dem Fernverkehr dienen 5 Bahnhöfe der Stadtbahn u. 5 isolierte Bahnhöfe. Die mit einem Kostenaufwand von 75 Millionen Mark erbaute Stadtbahn ist 11,26 km lang, viergleisig und wurde 1882 eröffnet; sie verbindet den Schlesischen und den Charlottenburger Stadtbahnhof und im weitern Sinne Westend mit Stralau-Rummelsburg und ist auch dem Verkehr nach den Vororten und dem Grunewald dienstbar gemacht. Der besonders starke Verkehr der westlichen Vororte mit Berlin hat zu dem Bau der sogenannten Wannseebahn mit zwei Bahnhöfen in Berlin (1891 eröffnet) geführt, die einen Vorortverkehr über Potsdam hinaus unterhält. Neben der Stadtbahn ist die 1871 eröffnete, später aber mehrfach erweiterte Ringbahn, die aus einem Nordring (34,5 km lang) und einem Südring (33,6 km lang) besteht, ein wichtiges Verkehrsmittel. Im Februar 1902 ist die seit 1896 erbaute Elektrische Hochbahn eröffnet, die in einer Länge von 10 km den Süden der Stadt von der Warschauer Brücke nach dem Zoologischen Garten durchquert und unterwegs eine Linie nach dem Potsdamer Platz entsendet, die hier unterirdisch mündet. Vom Nollendorfplatz ab ist sie auf Charlottenburger Terrain als Unterpflasterbahn weitergeführt.

Berlin besitzt (1901) 112 Postämter, davon 100 zugleich Telegraphenämter, 55 Rohrpostämter, 7 Fernsprechämter. An Briefsendungen (einschließlich Karten, Drucksachen etc.) gingen 1901: 427 Millionen Stück ein, 488 Millionen wurden aufgegeben; der Betrag der eingegangenen Wertsendungen belief sich auf 2560 Millionen Mark, der der ausgegebenen auf 2482 Millionen Mark; Pakete gingen 113/4 Millionen Stück ein, 22 Millionen ab; 4,3 Millionen Telegramme gingen 1909 ein, 4,4 Millionen wurden aufgegeben. Die Zahl der von den Fernsprechanstalten vermittelten Gespräche betrug 120 Millionen. An öffentlichen Fuhrwerken waren 1902 vorhanden: 6969 Droschken erster Klasse, 1140 Droschken zweiter Klasse, 148 Torwagen, 726 Omnibusse, 3386 Straßenbahnwagen (fünf Gesellschaften). Befördert wurden 1901 im Omnibus (sechs Gesellschaften) 80,5 Millionen, mit den Straßenbahnen, für die jetzt durchweg der elektrische Betrieb eingeführt ist, 330 Millionen, wovon auf die Große Straßenbahn 283 Millionen entfallen, mit Stadt- und Ringbahn 88,6 Millionen. Die die Spree befahrenden und die nächsten Vergnügungsorte (wie Treptow, Stralau, dann auch neuerdings die Orte an der Unterspree und Havel etc.) mit Berlin verbindenden Dampfschiffe beförderten 1899: 776,933 Personen. Die 1884 gegründete Berliner Paketfahrtgesellschaft befördert Pakete innerhalb Berlins (1899: 2,3 Millionen Stück).

Diesen großen Unternehmungen des Staates und der Privatgesellschaften kann die Kommune einige würdig an die Seite stellen, so die 4 städtischen Gasanstalten (neben denen für einen geringeren Umfang eine englische besteht), die städtischen Wasserwerke, die 1874 einer englischen Aktiengesellschaft für 252/3 Millionen Mark abgekauft wurden, und die in den letzten Jahren fast vollendete, über 114 Millionen Mark (wovon schon 23 Millionen getilgt) kostende unterirdische Kanalisation mit Berieselung, die den Ankauf von sieben benachbarten Landgütern zu Rieselfeldern nötig machte. Mit der Regelung der Kanalisation ging der Bau neuer, respektive die Verbesserung alter Wasserwerke (in Tegel und am Müggelsee) Hand in Hand, ferner wurde die Straßenreinigung, die 1900: 1126 Personen beschäftigte, bedeutend umgewandelt und energisch mit der Einrichtung von Markthallen vorgegangen; neben der 1886 eröffneten, 11.000 m² bedeckenden und ca. 650 Verkaufsstände enthaltenden Zentralmarkthalle am Alexanderplatz bestehen in Berlin noch 13 Markthallen. Von älteren städtischen Instituten sind zu erwähnen: die Sparkasse, mit 1899/1900: 52.833.600 Mark Einzahlungen (das Guthaben erreichte 1900 einen Gesamtbetrag von fast 241 Millionen Mark auf etwa 675.000 Sparkassenbücher), und die städtische Feuersozietät, die auf dem zwangsweise auferlegten Beitritt sämtlicher Grundstücke (1900: 24.219 mit einem Versicherungswert von 4017 Millionen Mark) beruht. Ein ausgezeichnetes Institut ist ferner die Feuerwehr (1851 durch Scabell reorganisiert), die 1898/99: 1.937.995 Mark kostete und 1900 außer 20 Offizieren ein Personal von 873 Mann (mit 132 Pferden) besaß. Als großartiges städtisches Institut zeigt sich der 1881 eröffnete und seitdem mehrfach vergrößerte Zentral-Vieh- und Schlachthof; er umfasst eine Fläche von ca. 40 Hektar zwischen der Landsberger Allee und der Eldenaer Straße und enthält einen eignen Bahnhof und ein Börsengebäude. Es wurden an Schlachtvieh zu Markte gebracht 1901: 259.693 Rinder, 943.221 Schweine, 193.935 Kälber, 610.715 Hammel; auf dem Viehhof geschlachtet wurden 1901: 190.681 Rinder, 796.951 Schweine, 163.374 Kälber, 461.741 Hammel.

Armenwesen. Wohltätigkeitsanstalten

Es wurden von der städtischen Verwaltung für die Armenpflege mit Einschluss der Waisen- und Krankenpflege im Rechnungsjahr 1899/1900: 14.373.595 Mark verausgabt und 29.458 Almosenempfänger mit 5.137.847 Mark unterstützt, an Extraunterstützungen aber 763.728 Mark verausgabt. 5637 Waisen- und verwahrloste Kinder wurden auf Kosten der Stadt verpflegt. Wohltätigkeitsanstalten besitzt Berlin in einem anderswo kaum gekannten Maß. Die hauptsächlichsten sind: unter Kommunalverwaltung das Friedrichs-Waisenhaus mit der großen Waisenanstalt zu Rummelsburg; das Friedrich Wilhelms-Hospital; das Nikolaus-Bürgerhospital (für alte Personen männlichen Geschlechts); die Wilhelminen Amalien-Stiftung (für Frauen und Jungfrauen aus höheren Ständen). Segensreich wirkt ferner das vor dem Prenzlauer Tor 1887 errichtete städtische Obdach, das 1899: 351.778 Personen nächtliche Unterkunft sowie 1899/1900: 1263 Familien (aus 4295 Köpfen bestehend) und 2426 Einzelpersonen längere Unterkunft gewährte. Daneben bestehen zahlreiche Institute der französischen, katholischen und jüdischen Gemeinde, und außerdem wird eine Anzahl von Anstalten von Privatvereinen unterhalten, so bestehen ein Magdalenen-, ein Johannisstift, mehrere Mägdeherbergen, ein Asylverein für Obdachlose (1899 wurden 237.027 Männer und 37.684 Frauen, Mädchen und Kinder zur Nächtigung aufgenommen), 9 Volksküchen, die 1899: 1,3 Millionen Portionen austeilten, Volks-, Kaffee- und Speisehallen etc. Schlussendlich gibt es noch eine große Anzahl von Privatwohltätigkeitsvereinen, darunter einen Verein gegen Verarmung (1898 mit 8700 Mitgliedern). Auch für Krankenanstalten ist ausreichend gesorgt. Die 1785 von Friedrich II. gegründete Charité, mit einem Raum für 1450 Kranke, steht unter dem Kultusministerium. Ihr zunächst ist das große Diakonissenhaus Bethanien zu nennen, eine Stiftung des Königs Friedrich Wilhelm IV., worin 350 Kranke Raum finden. Das große städtische Krankenhaus am Friedrichshain, 1870–73 von Gropius und Schmieden ausgeführt, ist nach dem Pavillonsystem angelegt und enthält 600 Betten. Außerdem bestehen noch: das unter dem Protektorat der Kaiserin stehende Augustahospital, das Elisabethkrankenhaus, das Lazaruskrankenhaus, das Krankenhaus am Urban, das Elisabeth-Kinderhospital, das Kaiser und Kaiserin Friedrich-Krankenhaus, das Barackenlazarett in Moabit, das neue Rudolf Virchow-Krankenhaus, das katholische St. Hedwigs- und das jüdische Krankenhaus, endlich ein Leichenschauhaus (Morgue) sowie die städtischen Heimstätten für Genesende in Blankenburg, Heinersdorf, Blankenfelde und Malchow bei Berlin etc. Es bestehen zwei städtische Irrenanstalten in Dalldorf (mit 3060 Betten) und Herzberge (1070 Betten) und eine Anstalt für Epileptische (Wuhlgarten) in Biesdorf (1083 Betten); ferner 2 Volksbadeanstalten und 16 städtische Flussbadeanstalten. Das Invalidenhaus (seit 1748 bestehend) vermag 600 Mann aufzunehmen.

Bildungsanstalten

Unter den Lehranstalten nimmt die Friedrich Wilhelms-Universität den ersten Rang ein; im Sommersemester 1902 hatte sie 430 Professoren und Dozenten und 5676 immatrikulierte Studierende (im Wintersemester 1902/03: 7091), und zwar 274 (366) Theologen, 1714 (2428) Juristen, 1018 (1219) Mediziner und 2670 (3078) in der philosophischen Fakultät; außerdem waren 5460 (6309) Studierende anderer Hochschulen und sonstige Personen, einschließlich 370 (552) Frauen, zum Hören berechtigt. An sie reiht sich die 1659 gegründete königliche Bibliothek mit über 1 Millionen Bänden, 30.000 Handschriften, 80.000 Blatt Karten und 96.000 Bänden und Heften Musikalien. Unter ihren Raritäten befinden sich Luthers Handexemplar einer hebräischen Bibel mit eigenhändigen Randbemerkungen, der Codex Wittekindi (eine Evangelienhandschrift aus dem 8. Jahrhundert), Beethovens Originalpartitur zur neunten Symphonie, die von Otto von Guericke verfertigte Luftpumpe u. a. Außerdem besteht noch eine Universitätsbibliothek, die 1831 gegründet worden ist und jetzt etwa 215.000 Bände umfasst; sodann sind zu nennen die Bibliotheken des preußischen Statistischen Bureaus (140.000), der Kriegsakademie, des Kammergerichts, des Reichstags, des Generalstabs, des Magistrats, der Gesellschaft für Erdkunde, 27 städtische Volksbibliotheken etc. Die technische Hochschule ist 1884 nach Charlottenburg verlegt worden. Die königliche Bergakademie hatte im Wintersemester 1899/1900: 192, die königliche landwirtschaftliche Hochschule 580, die königliche akademische Hochschule für die bildenden Künste 1899: 254 Studierende. Ferner sind zu erwähnen die tierärztliche Hochschule, die königliche Hochschule für Musik, das neue Seminar für orientalische Sprachen etc. Auf der königlichen Sternwarte (seit 1835 am Enckeplatz) sind insgesamt 5 Planeten (darunter der Neptun) und 13 Kometen entdeckt worden. Außerdem bestehen, teils mit der Universität verbunden, teils selbständig: das chemische Laboratorium, der botanische Garten und das reichhaltige botanische Museum (deren Verlegung nach Dahlem beschlossen ist), das christlich-archäologische Kunstmuseum, das kartographische Institut, das klinische Institut für Chirurgie und Augenheilkunde, das zahnärztliche Institut, das Poliklinikum, das klinische Institut für Geburtshilfe, die Anatomie (im Tierarzneischulgarten), das anatomische, zoologische, mineralogische und Hygienemuseum und der Universitätsgarten etc. Berlin zählte 1902: 15 Gymnasien, 8 Realgymnasien, 2 Oberrealschulen und 13 Realschulen (höhere Bürgerschulen); ferner hat Berlin 11 höhere Knabenschulen, ein Frauengymnasium, an höheren Mädchenschulen 8 öffentliche und 45 private, ferner 8 mittlere sowie 255 Gemeindeschulen, zusammen mit etwa 250.000 Schülern und Schülerinnen. Populär-wissenschaftliche Vorträge werden seit 1878 in der Volkshochschule Humboldt-Akademie gehalten. Zur wissenschaftlichen Ausbildung für Damen ist das Viktorialyzeum bestimmt, eine Art Frauenuniversität. Zu erwähnen sind ferner mehrere Handelsschulen, dann die städtischen Taubstummen- und Blindenschulen, 12 städtische Fortbildungsschulen für Jünglinge, 13 für Mädchen, 2 Handwerkerschulen, 18 städtische Fachschulen etc. Über die Stadt verteilt sind 13 Turnhallen. Hieran schließen sich 42 Kleinkinderbewahranstalten und 24 Fröbelsche Kindergärten, die alle von Privatvereinen unterhalten werden. Von höheren Lehranstalten für besondere Fächer sind die wichtigsten: die allgemeine Kriegsakademie (in der Dorotheenstraße); die Artillerie- und Ingenieurschule in der Hardenbergstraße (Charlottenburg); ferner die Militärturnanstalt, die königliche Hebammenschule, das königliche pädagogische Seminar für höhere Schulen, das Domkandidatenstift, die königliche Turnlehrerbildungsanstalt, die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, das theologische Seminar der französischen Kolonie, das Seminar für Missionare etc. Die Akademie der Künste, 1699 gestiftet, teilte bisher mit der Akademie der Wissenschaften ein Gebäude „Unter den Linden“. Sie besitzt eine reichhaltige Kupferstichsammlung und veranstaltet akademische Kunstausstellungen (neuerdings in dem Glaspalast des Landesausstellungsparks in Moabit). Seit 1833 ist die Akademie durch eine musikalische Sektion erweitert worden. Zur Förderung der Kunstindustrie wurde 1867 das Deutsche Gewerbemuseum ins Leben gerufen, aus dem sich das Kunstgewerbemuseum (mit Unterrichtsanstalt) entwickelt hat. Dasselbe enthält eine reichhaltige Sammlung von Erzeugnissen aller Zweige der Kunstindustrie. Ferner besteht noch eine Kunstschule (Seminar für Zeichenlehrer), eine Zeichen- und Malschule des Vereins für Künstlerinnen und einige private Malschulen. Auch ein königliches Institut für Glasmalerei besteht seit 1843 in Charlottenburg. Das wichtigste wissenschaftliche Institut nächst der Universität ist die Akademie der Wissenschaften, in demselben Jahr gestiftet wie die Akademie der Künste; sie ist in eine physikalisch-mathematische und eine philosophisch-historische Klasse geteilt. Außerdem gibt es sehr viele wissenschaftliche, künstlerische und technische Korporationen und Gesellschaften; man zählt nicht weniger als 700 verschiedene Vereinigungen.

Zeitungswesen

In Berlin erscheinen etwa 1100 Zeitungen, Zeitschriften etc. Die politischen Zeitungen Berlins (30), in denen sämtliche parlamentarische und politische Parteien vertreten sind, üben einen bestimmenden Einfluss auf das politische Leben in den preußischen Provinzen, z. T. auch im übrigen Deutschland aus. Die größte politische Bedeutung haben die Zeitungen von entschieden liberaler Tendenz. Das älteste Organ dieser Richtung ist die „Vossische Zeitung“. Größere Verbreitung haben das „Berliner Tageblatt“ (erscheint seit 1872, Redakteur A. Levysohn) und die „Berliner Zeitung“ (seit 1877, Redakteur H. Ullstein), deren Verleger noch besondere verkleinerte Ausgaben für Berlin und die Provinz veranstalten („Berliner Morgenzeitung“, „Berliner Morgenpost“, „Berliner Abendpost“). Die Interessen der Börse und der Freisinnigen Vereinigung zugleich vertritt der „Berliner Börsenkurier“ (seit 1867, Redakteur I. Landau), während die „Berliner Börsenzeitung“ (seit 1856, Redakteur R. Tiedemann) in ihrem politischen Teil die Bestrebungen der nationalliberalen Partei unterstützt. Die „Freisinnige Zeitung“ (seit 1885) ist das Organ der E. Richterschen Partei, während die „Volkszeitung“ (1852 gegründet, Redakteur K. Vollrath) von der Fortschrittspartei zur reinen Demokratie übergegangen ist. Die in ihren Anfängen liberale „Staatsbürger-Zeitung“ (begründet 1865 von Held) ist das Organ der Antisemiten. Eine neutrale Stellung innerhalb der politischen Parteien nimmt der „Berliner Lokalanzeiger“ (seit 1883, Verlag von A. Scherl) ein, der durch geringen Preis die größte Verbreitung in Berlin gewonnen hat. Aus demselben Verlag ist 1901 die gleichfalls unparteiische Zeitung „Der Tag“ (mit Illustration der Tagesereignisse) hervorgegangen. Eine politisch unparteiische, aber durchaus national gesinnte Zeitung ist die „Tägliche Rundschau“ (seit 1881, seit Mitte 1900 im Besitz des Bibliographischen Instituts in Leipzig, Redakteur H. Rippler). Das Parteiorgan der Sozialdemokraten ist der „Vorwärts“. Die konservativen Parteien werden in der Berliner Zeitungspresse durch die „Neue Preußische (Kreuz-) Zeitung“ (seit 1848, Redakteur H. Kropatschek), das Organ der auf dem äußersten rechten Flügel stehenden Konservativen, den „Reichsboten“ (seit 1873, Redakteur Pastor Engel), den Vorkämpfer der orthodox-kirchlichen Parteien, die „Deutsche Tageszeitung“ (Vertreterin der agrarischen Interessen, Redakteur G. Ortel) und „Die Post“ (Redakteur W. Kronsbein) vertreten, die, 1866 von Strousberg gegründet, seit 1874 das Organ der deutschen Reichs- und freikonservativen Partei ist. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ (gegründet 1861) ist ihrer Tendenz nach ein Organ der konservativen Parteien, hat aber eigentlich nur Bedeutung durch halbamtliche (offiziöse) Mitteilungen aus den Reichsämtern, Ministerien etc., die übrigens auch Zeitungen der Mittel- und liberalen Parteien zugänglich gemacht werden. Das amtliche Organ der Regierung ist der „Deutsche Reichs- und königlich Preußische Staatsanzeiger“ (seit 1861). Das Hauptorgan der nationalliberalen Partei für Berlin ist die „Nationalzeitung“ (gegründet 1848, Redakteur Köbner). Für die Interessen der klerikalen Partei, insbesondere für die Politik der römischen Kurie, tritt die „Germania“ (gegründet 1871) ein. Zeitungen ohne bestimmte Parteiangehörigkeit sind die „Berliner Neuesten Nachrichten“, das „Kleine Journal“, die „Deutsche Warte“ und die „Deutsche Zeitung“ (Redakteur Fr. Lange), letztere mit Betonung der nationalen Tendenz. Mit Ausnahme der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ und des „Reichsboten“ erscheinen alle großen politischen Zeitungen Berlins täglich zweimal (Sonntags und Montags meist einmal). Die seit 1881 erscheinenden „Berliner Politischen Nachrichten“ sind eine für Zeitungen bestimmte Korrespondenz.

Kunstsammlungen, Theater etc.

Unter den Kunstsammlungen nehmen die der königlichen Museen die erste Stelle ein. Das Alte Museum enthält im Souterrain die Bibliothek und eine Münzsammlung von 200.000 Stück in Gold, Silber und Kupfer (von denen allein 90.000 Münzen und Medaillen des Altertums sind), im ersten Stockwerk die Skulpturengalerie. Die Gemäldegalerie, die den obersten Stock einnimmt, ist besonders reich an Werken der italienischen und niederländischen Schulen des 15. Jahrhunderts. Das Neue Museum enthält im Erdgeschoß eine Sammlung nordischer Altertümer und das ägyptische wie neue vorderasiatische Museum, ferner die Sammlung der Skulpturen und Gipsabgüsse des deutschen Mittelalters; das zweite Geschoß eine reiche Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen; das dritte die Vasensammlung, das Antiquarium (Hildesheimer Silberfund) und das Kupferstichkabinett, das mehr als eine halbe Million Holzschnitte, Kupferstiche, Handzeichnungen etc. umfasst (Hamiltonsche Miniaturen). Diesen beiden Museen reiht sich die Nationalgalerie an. Sie ist vornehmlich für Bildwerke der modernen deutschen Kunst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bestimmt; ihren Grundstock bildete die 1861 vom Konsul Wagener König Wilhelm I. geschenkte Wagenersche Galerie. Im dritten Stock ist die gräflich Raczynskische Gemäldegalerie aufgestellt. Die Nationalgalerie enthält ca. 850 Kunstwerke und eine reiche Sammlung von Handzeichnungen. Das Pergamenische Museum enthält eine Nachbildung des Zeusaltars in Pergamon mit den von Humann ausgegrabenen Friesreliefs, die den Kampf der olympischen Götter gegen Titanen und Giganten darstellen, ferner Ausgrabungen aus Magnesia und Priëne. Andere öffentliche Museen sind: das Rauch-Museum (enthält fast sämtliche Modelle, Entwürfe und Abgüsse der Rauchschen Werke); das Museum der Abgüsse aus Olympia; das Hohenzollern-Museum im Schloß Monbijou (enthält eine äußerst interessante Sammlung von Merkwürdigkeiten und Erinnerungen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte und der des preußischen Herrscherhauses); das Zeughaus; das Kunstgewerbemuseum; das Museum für Völkerkunde mit den prähistorischen und Schliemannschen Sammlungen im Erdgeschoß und den ethnographischen und anthropologischen Sammlungen in den drei übrigen Geschossen; das Museum für Naturkunde mit dem zoologischen Institut und reichen zoologischen, mineralogischen etc. Sammlungen; das märkische Provinzialmuseum (Neubau am Märkischen Platz unternommen; enthält märkische Altertümer aller Art, bis jetzt 80.000 Nummern); das Beuth-Schinkel-Museum (enthält den künstlerischen Nachlass Schinkels sowie die hinterlassene Sammlung Beuths); landwirtschaftliches Museum und Museum für Bergbau und Hüttenkunde in der Invalidenstraße; das Reichspostmuseum, das Hygienemuseum, das Museum für deutsche Volkstrachten, das handelsgeographische Museum, das Architekturmuseum der königlich technischen Hochschule, das städtische Schulmuseum, die königliche Sammlung alter Musikinstrumente und das christliche Museum. Unter den Privatgalerien ist die Ravenésche, moderne Gemälde enthaltende hervorzuheben; dauernde Kunstausstellungen finden an verschiedenen Orten statt, unter andern im Verein Berliner Künstler.

Für die geistige Unterhaltung Berlins sorgt eine große Zahl von Theatern, Konzerten und ähnlichen Vergnügungen. An ihrer Spitze stehen die beiden königlichen Institute: das Opernhaus (für Oper u. Ballett) und Schauspielhaus (für das rezitierende Drama), zu denen neuerdings das ehemalige Krollsche Theater als Neues Operntheater hinzugetreten ist. Außerdem bestehen noch ca. 20 größere und kleinere Theater, von denen die künstlerisch hervorragendsten sind: das Deutsche Theater, das Berliner und zwei Schillertheater im Osten und Norden (klassisches und modernes Repertoire), das Lessingtheater (moderne Richtung im Sittendrama) und das Residenztheater (französisches Schauspiel). Konzerte von größerer Bedeutung sind diejenigen des königlichen Domchors, die Symphoniekonzerte der königlichen Kapelle, die Aufführungen der königlichen Hochschule für Musik, des philharmonischen Orchesters (Philharmonie) und der Singakademie (gegründet von Fasch, 1891). Erwähnung verdienen noch die beiden Zirkus Busch und Schumann, das Passage- und das Castansche Panoptikum und mehrere Panoramen, schlussendlich die beiden Institute der Urania im Landesausstellungspark (mit Sternwarte) und in der Taubenstraße für wissenschaftliche Vorträge. Großer Beliebtheit erfreuen sich die Hindernisrennen bei Karlshorst und die Flachrennen in Hoppegarten, die Wettfahrten für Trabrennen in Weißensee und bei Charlottenburg, ferner die für Radfahrer auf der Rennbahn bei Charlottenburg, die Ruder- und Segelregatten in Grünau wie auf dem Müggel- und Wannsee. Ihre alte Anziehungskraft haben auch die Frühjahrs- und Herbstparaden auf dem Tempelhofer Feld und die Hubertusjagd (früher im Grunewald, neuerdings nach Döberitz verlegt) bewahrt. Unter allen Vergnügungs- und Unterhaltungslokalen steht obenan der Zoologische Garten, der seit 1899 durch geschmackvolle Neubauten und die Anlagen neuer Promenaden umgestaltet ist und durch den Reichtum seines Inhalts und die Pracht seiner Einrichtungen den ersten Rang auf dem Kontinent einnimmt; ferner sind der Landesausstellungspark mit der jährlichen großen Kunstausstellung (im Sommer) und das Aquarium Unter den Linden zu nennen.

Verwaltung. Finanzen. Behörden

Seit 1. April 1881 ist Berlin aus der Provinz Brandenburg ausgeschieden und bildet einen Verwaltungsbezirk für sich. Doch sind das Oberpräsidium, das Konsistorium, das Provinzialschulkollegium und das Medizinalkollegium der Provinz Brandenburg auch für Berlin als höhere Instanz zuständig. Das Polizeipräsidium ist für Berlin die königliche, der Magistrat die städtische Behörde. Hinsichtlich militärischer Maßnahmen haben der Oberbefehlshaber in den Marken, der Gouverneur und der Kommandant von Berlin Anordnungen zu treffen. Das Polizeipräsidium steht direkt unter dem Ministerium des Innern und gilt seit 1900 als oberste Polizeibehörde in den zu einem Landespolizeibezirk vereinigten Stadtbezirken Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf. Es hat in Berlin die eigentliche Polizei und die Aussicht über Fremden-, Pass-, Fuhrwerks-, Dienstbotenwesen, Feuerwehr und sonstige zur Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung gehörige Anstalten. Für diese Zwecke steht ihm eine bedeutende Schutzmannschaft (einschließlich der Offiziere und Kriminalbeamten ca. 6000 Mann) zu Gebote, die z. T. beritten ist. Über Berlin verteilt sind 12 Bezirkshauptmannschaften und 102 Polizeibüros. Der Magistrat besteht aus einem Oberbürgermeister, einem Bürgermeister, 15 besoldeten (darunter 2 Syndiken, 2 Schul- und 2 Bauräte) und 17 unbesoldeten Stadträten. Die verschiedenen einzelnen Aufgaben dieser Behörde werden durch Direktionen, Deputationen, Kommissionen und Kuratorien erledigt, die aus Magistratsmitgliedern, Stadtverordneten und Bürgerdeputierten bestehen; im ganzen sind im Gemeindedienst der Stadt etwa 20.000 Personen beschäftigt, von denen der größte Teil die Ämter unentgeltlich als Ehrenämter verwaltet. Die Stadt ist in 326 Bezirke geteilt, deren jeder einen unbesoldeten Vorsteher hat; ferner schickt sie aus 4 Wahlbezirken 9 Abgeordnete in das Abgeordnetenhaus (der Oberbürgermeister ist Mitglied des Herrenhauses) und 6 Abgeordnete aus 6 Wahlkreisen in den deutschen Reichstag. Die Zahl der Stadtverordneten beträgt 141. Die Gerichtsbarkeit über alle Einwohner hatten bisher das Landgericht I und das einzige ihm unterstellte Amtsgericht I, doch ist durch Gesetz vom 16. September 1899 die Einrichtung von drei neuen Amtsgerichten. Berlin-Tempelhof, Berlin-Schöneberg und Berlin-Wedding (in Reinickendorf), in Aussicht genommen, von denen die beiden ersten dem Landgericht II, das letzte dem Landgericht III (Charlottenburg) unterstellt wird. Die oberste Instanz für Berlin bildet als Oberlandesgericht das Kammergericht. Zu diesem gehören 10 Landgerichte, unter andern auch das Landgericht II in Berlin für die 9 Amtsgerichte Berlin-Schöneberg, Berlin-Tempelhof, Köpenick, Großlichterfelde, Königswusterhausen, Mittenwalde, Rixdorf, Trebbin und Zossen.

Finanzen.

Das städtische Budget beziffert sich für das Finanzjahr 1902/1903 in Einnahme und Ausgabe auf 112.781.257 Mark. Zu den Einnahmen liefern die Steuerverwaltung 65,6 Millionen Mark, die Vermögensverwaltung 15,4 Millionen, die städtischen Werke 6,2 Millionen, die Kämmerei 826.286 Mark, die Straßen- und Vorortbahngesellschaften 2.103.900 Mark, die Berliner Elektrizitätswerke 2.025.000 Mark, die englische Gasgesellschaft 505.850 Mark, das öffentliche Anschlagswesen 400.000 Mark etc. An direkten Steuern erhebt die Stadt eine Gemeinde-Einkommensteuer, eine Gemeinde-Grundsteuer, eine Gewerbe- und eine Umsatzsteuer, an indirekten eine Hunde- und Braumalzsteuer.
Die Gesamtschulden der Stadt beliefen sich Ende März 1902 auf 319 Millionen Mark; das Vermögen repräsentierte einen Wert von 649 Millionen Mark, wovon auf Grundbesitz 414 Millionen Mark entfielen. Das Stiftungsvermögen der Stadt betrug 42 Millionen Mark.
In Berlin haben außer Bundesrat und Reichstag folgende Reichsbehörden ihren Sitz: Auswärtiges Amt, Reichsamt des Innern, Reichsmarineamt, Reichsjustizamt, Reichsschatzamt, Reichseisenbahnamt, Verwaltung des Reichsinvalidenfonds, Reichspostamt, Reichsamt für die Verwaltung der Reichseisenbahnen, Reichsbank, Reichsschuldenkommission und das Reichsmilitärgericht. Preußische Behörden sind, abgesehen von den beiden Häusern des Landtags, in Berlin: Staatsrat, die 9 preußischen Ministerien nebst den ihnen unmittelbar unterstellten Behörden (wie unter dem Staatsministerium: Gerichtshof zur Entscheidung der Kompetenzkonflikte, Disziplinarhof für nicht richterliche Beamte, königliches Oberverwaltungsgericht); ferner der evangelische Oberkirchenrat.

Von Militärbehörden befinden sich in Berlin der Generalstab der Armee, die Landesverteidigungskommission, die Generalkommandos des Garde- und des 3. Armeekorps nebst den Stäben der Gardedivisionen und der Mehrzahl der Gardebrigaden, die Generalinspektionen der Artillerie, des Ingenieurkorps, des Militärerziehungswesens, die Inspektionen der Jäger und Schützen, des Trains, der Kriegsschulen u. a. Die Garnison besteht aus 3 Garderegimentern zu Fuß, 3 Gardegrenadierregimentern und dem Gardefüsilierregiment, 4 Gardekavallerieregimentern (Gardekürassiere, 1. und 2. Gardedragoner, 2. Garde-Ulanen) und 1 Eskadron der Gardedukorps, dem 2. und einer Abteilung des 3. Garde-Feldartillerieregiments, dem Gardepionier- und dem Gardetrainbataillon, 3 Eisenbahnregimentern nebst Luftschifferabteilung, dem Telegraphenbataillon und 4 Landwehr-Bezirkskommandos. Außerdem sind hervorzuheben: die Oberfeuerwerkerschule, Militärroßarztschule und Militärlehrschmiede; endlich gibt es in Berlin ein Proviantamt, ein Hauptmontierungsdepot und 2 Garnisonlazarette.

Wappen Berlin führte nach einer Urkunde von 1272 einen Adler im Siegel. Bereits 1280 findet sich im Stadtsiegel der Adlerschild von zwei Bären beseitet, die man, da sie dem Schilde den Rücken kehren, als Schildwächter bezeichnen kann. 1418 erscheint im Schilde der Adler auf einem schreitenden, mit einem Halsband versehenen Bären fußend. König Friedrich I. bewilligte (6. Februar 1710) ein neues Siegelbild: Schild gespalten; vorn Preußen, rückwärts Brandenburg, in der eingepfropften Spitze ein aufrechter, mit einem Halsband versehener Bär. 1839 erscheint an Stelle der Spitze ein mit einer Mauerkrone geschmückter Schild mit dem Bären aufgelegt, dem mit Magistratsbeschluss vom 1. Oktober 1875 der Halsring genommen wurde.

Umgebung Berlins

Berlin ist mit den benachbarten Orten, die sich besonders im Westen mächtig entwickelt haben, fast zusammengewachsen, so im Westen und Südwesten mit Charlottenburg (nebst der Villenkolonie Westend) und Schöneberg, an die sich die aufblühenden Orte Deutsch-Wilmersdorf, Friedenau, Schmargendorf anschließen. Aufwärts an der Havel liegen Saatwinkel mit der Insel Valentinswerder und Tegel am gleichnamigen See, einst Wilhelm von Humboldts Besitztum. Zwischen Tegel und Moabit breitet sich die Jungfernheide (mit der Strafanstalt Plötzensee) und die Tegeler Forst mit dem Artillerieschießplatz aus. Unterhalb Spandau an der Havel liegen Pichelswerder und Schildhorn. ferner Wannsee mit stattlicher Villenkolonie an einer seeartigen Ausbuchtung der Havel; am nahen Kleinen Wannsee H. v. Kleists Grab. Südwestlich von Charlottenburg zieht sich bis zur Havel die Spandauer Forst hin, an die sich südwärts der Grunewald anschließt. An seinem Eingang liegt der Vorort Halensee, zu dem vom Lützowufer in Berlin durch Charlottenburg und Deutsch-Wilmersdorf hin der Kurfürstendamm führt, ferner am Bahnhof Grunewald die vornehme Villenkolonie Grunewald. Der Grunewald enthält von Vergnügungsorten: Hundekehle, Jagdschloss Grunewald, Krumme Lanke, Schlachtensee. Die Berlin-Potsdam-Magdeburger Bahn führt an Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Großlichterfelde und Zehlendorf vorüber; ein Zweig von ihr, die Wannseebahn, zieht sich auf der Strecke Zehlendorf-Neubabelsberg nördlich von der Hauptbahn hin; die Berlin-Anhaltische Bahn führt über Großlichterfelde (mit der Hauptkadettenanstalt) nach Großbeeren. Im Süden der Stadt liegt die Hasenheide mit zahlreichen Vergnügungslokalen. Sie stößt an den großen Exerzierplatz der Berliner Garnison bei Tempelhof. Im Südosten liegt die bevölkerungsreichereiche Stadt Rixdorf. An der oberen Spree sind Treptow, Stralau und Köpenick zu nennen, ferner Rummelsburg an dem gleichnamigen, mit der Spree zusammenhängenden See, Grünau an der Dahme, Friedrichshagen am Müggelsee. Friedrichsfelde im Osten der Stadt enthält ein Schloss (mit Park); nördlich davon liegt der große Vorort Lichtenberg, dessen Einverleibung in Berlin geplant ist. Im Nordosten liegen Weißensee und Neu-Weißensee, im Norden Pankow und Niederschönhausen mit königlichem Lustschloss und Park, schlussendlich Schönholz mit dem Schützenhaus der Berliner Schützengilde.

Geschichte Berlins

Berlin ist Anfang des 13. Jahrhunderts aus zwei Ortschaften entstanden, Berlin auf dem rechten Spreeufer und Kölln auf einer Spreeinsel. Die Stelle war zur Anlage einer Ansiedelung geeignet, weil sich hier ein bequemer Übergang über die Spree für die von Leipzig nach der untern Oder führende alte Handelsstraße darbot. Der Ort Berlin bildete sich wohl im Anschluss an eine slawische Kastellanei, an deren Stelle unter den Askaniern eine markgräfliche Vogtei trat, und bedeckte den Raum zwischen der Spree und der Neuen Friedrichstraße, dem späteren Stadtteil Berlin entsprechend, während Kölln nur den südlichen Teil der Spreeinsel umfasste. Vorzugsweise nach Nordosten und Süden erstreckte sich das Gemeindeland, ferner Acker und Wiesen beider Orte, wobei das ältere und wichtigere Berlin mit weit größerem Grundbesitz (120 Hufen Ackerland) ausgestattet erscheint als Kölln. Beide Orte erhielten unter der Regierung der Markgrafen Johann I. und Otto III. Stadtrechte, Kölln um 1232 von Spandau, Berlin um 1240 von Brandenburg a. H. Für Kölln war die Petrikirche, für Berlin die Nikolaikirche Pfarrkirche, neben der hier im 13. Jahrhundert noch die Marienkirche gebaut wurde.

Der Name „Berlin“ ist wahrscheinlich auf „Wehr“ (Damm) zurückzuführen und der Bär als Wappentier erst nachträglich gewählt worden; „Kollen“ (Kölln) bezeichnet im Wendischen einen aus Sumpf und Wasser sich erhebenden Hügel. An der Spitze beider Städte stand ein gemeinsamer Stadtschultheiß, unter ihm 2 Räte, in Berlin von 12, in Kölln von 6 Mitgliedern gebildet. Der am Jahresschluss abtretende Rat ernannte die neuen Mitglieder, trat aber meist im darauf folgenden Jahre wieder in Funktion. Die Vereinigung der Räte beider Städte zu einem gemeinsamen Rat (1307) wurde schon 1311 aufgehoben. Berlin wurde gleich anderen märkischen Städten zu den Landtagen hinzugezogen und galt um 1400 als Hauptstadt des Barnim und Teltow. Auch in dem märkischen Städtebund spielte es eine Hauptrolle und trat im 15. Jahrhundert der Hansa bei. 1391 erwarb es das Schultheißenamt und die Gerichtsgewalt. Die Vereinigung beider Städte (1432) und die Bildung eines gemeinsamen Rates neben dem bestehenden führte zu Unruhen, infolge deren Friedrich II. der Eiserne 1442 die Vereinigung aufhob, den Viergewerken einzelne Sitze in den Ratskollegien zugestand, die Gerichtsbarkeit und das Recht der Niederlage beiden Städten entzog und den Bau eines Schlosses in Kölln begann. Als der Kurfürst vielen Bürgern die widerrechtlich angeeigneten Lehen entzog, kam es zur offenen Fehde (Berliner Unwille), bis sich Berlin 1448 einem Gericht der Stände der Mittelmark zu Spandau unterwerfen und die Verfassung von 1442 anerkennen musste. Berlin war nun und blieb die Residenz der Hohenzollern. Eine dauernde Hofhaltung führte zuerst Johann Cicero in Berlins Mauern ein. Joachim I. verlieh 1508 wieder die Gerichtsbarkeit der Stadt, behielt sich nur die Ernennung des Richters vor, bis auch diese 1544 der Stadt zufiel. Joachim II., mit dem Berlin 1539 das lutherische Bekenntnis annahm, reformierte das Kirchen- und Schulwesen, wobei das Kirchenpatronat auf den Rat überging, und baute die noch aus dem 13. Jahrhundert stammende Dominikanerkirche (auf dem heutigen Schlossplatz) zu einer Dom- und Gruftkirche für das Herrscherhaus um. Unter Joachim II. begann auch 1538 der Um- oder Neubau des Schlosses in Kölln. In die Regierungszeit Johann Georgs (1571–98) fallen die erste Bebauung des Werders in der Nähe des königlichen Schlosses, die Errichtung der ersten lateinischen Schule (1574 in dem aufgehobenen Franziskanerkloster) sowie die Niederlassung von Handwerkern und Künstlern aus den Niederlanden. Der 1613 erfolgte Übertritt des Kurfürsten Johann Siegmund zum reformierten Bekenntnis hatte in Berlin mehrere Aufläufe zu Folge, in deren einem (1615) sogar der Statthalter, Markgraf Johann Georg von Jägerndorf, verwundet wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Berlin nur während der Jahre 1627–43 in Mitleidenschaft gezogen und von Kaiserlichen und Schweden mehrfach bedroht, musste aber nur 1636 und 1639 an die Schweden Kontributionen zahlen. Insgesamt hat die Stadt etwa 500.000 Taler für den Krieg aufwenden müssen, wovon jedoch drei Fünftel für Zwecke der Landesverteidigung verausgabt wurden. Die Bevölkerung, um 1600 etwa 14.000 Seelen, war um 1650 auf kaum 8000 gesunken; man zählte 1654 neben 727 bewohnten 147 verlassene Häuser im Stadtteil Berlin, ferner wurden die Vorstädte 1640–41 aus Rücksicht auf die Verteidigung der Stadt von den kurfürstlichen Truppen selbst zerstört.

Ein großer Aufschwung der Stadt erfolgte unter Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten. Zuerst sorgte er für die Pflasterung und Beleuchtung der Straßen, dann wurden Maßregeln für die Bebauung der wüsten Stellen getroffen, alle kurfürstlichen Gebäude und Anlagen wiederhergestellt und der Lustgarten, ein Park in holländischem Stil, mit Lusthaus und Orangerie angelegt. Von Privatbauten entstanden die Palais Derfflingers (am Köllnischen Fischmarkt), Schombergs (im 19. Jahrhundert kronprinzliches Palais), Danckelmanns (in der Kurstraße). Der Kurfürst erleichterte die Steuerlast der Hausbesitzer durch Einführung der Akzise (1667), ferner der Kopf- und der Stempelsteuer, neben denen von früher her die Bierziese bestand. Die Verfolgungen der Protestanten in Frankreich, die Aufhebung des Edikts von Nantes, verbunden mit dem Potsdamer Edikt vom 29. Oktober 1685, führten eine Menge gewerbfleißiger Franzosen nach Berlin, die viele Privilegien (z. B. besondere Gerichtshöfe, langjährige Steuerfreiheit etc.) erhielten; ihnen schlossen sich 1689 und 1697 auch viele Pfälzer und Schweizer an. Dadurch wurde eine bedeutende Erweiterung der Städte notwendig. Schon 1658 begann die Vergrößerung der Anlagen auf dem Werder; 1670 fing man an, die Spandauer Vorstadt aufzubauen; 1674 entstand eine neue Vorstadt vor dem neuen Tor des Friedrichswerders, seit 1676 von ihrer Gründerin, der Kurfürstin Dorothea, Dorotheenstadt genannt. Seit 1680 wurden die übrigen Vorstädte und Neu-Kölln angelegt. Die Einwohnerzahl war beim Tode Friedrich Wilhelms (1688) auf 20.000 gestiegen. Das Aussehen der Stadt wurde sehr verändert durch die 1658 begonnene Befestigung; schon 1657 hatte Berlin Garnison (etwa 2000 Mann) erhalten. Der damals aus der Spree abgeleitete Festungsgraben umgab Berlin und Kölln in zwei Armen: der eine ging rechts aus dem Hauptstrom bei der Stralauer und mündete in denselben unweit der Spandauer Brücke; die andere Hälfte begann oberhalb der Waisenbrücke und ging um Kölln und den Werder in den Kupfergraben. Der Friedrichswerder, seit 1667 ein besonderer Stadtteil mit eignem Magistrat, und Neu-Kölln waren außerhalb des Festungsgrabens in die Verteidigungslinie eingeschlossen. Die neue Befestigung bestand jedoch nur wenige Jahrzehnte unverändert.

Friedrich III. (als König Friedrich I.) beschloss 1688 den Anbau der Friedrichstadt, und bereits 1695 standen 300 Gebäude nach einem bestimmten Plan, der durch Friedrich Wilhelm I. zu dem gegenwärtigen Umfang erweitert wurde. Zu den bedeutenderen Bauten König Friedrichs I. gehören außerdem: das Zeughaus, das Akademiegebäude, die Kurfürstenbrücke, die Sternwarte, die Kirchen auf dem Gendarmenmarkt, die Garnisonschule u. a. Sein glänzender Hof erzeugte auch unter den Bürgern Luxus und Vergnügungssucht. Kaffeehäuser wurden angelegt und Schauspiele zuerst 1690 von den Truppen Sebastian Scios und des sächsischen Hofkomödianten Magister Feldheim im Rathaus ausgeführt. Unter Friedrich I. wurden auch die bisher getrennten und von besonderen Magistraten verwalteten Stadtteile Berlin, Kölln, Friedrichswerder, Friedrichstadt, Dorotheenstadt 1709 zu einem Ganzen vereinigt und einem Magistrat (bestehend aus 4 Bürgermeistern, 2 Syndiken, 3 Kämmerern und 10 Ratsherren, deren Amt ständig, aber erst seit Friedrich Wilhelm I. vom König besetzt wurde) untergeordnet. Die Einzelbenennungen Kölln, Friedrichstadt u. a. gingen seitdem in dem Gemeinnamen Berlin unter. 1710 wurde ein Stadtgericht errichtet, das aber nur für die Bürger galt, während im Amte Mühlenhof der dortige Hauptmann, im Schlossbezirk der Hausvogt und für vornehme Personen das Kammergericht zuständig blieben. Auch die Polizei blieb in den Händen des Gouverneurs und des Hausvogts.
Während der Regierung Friedrich Wilhelms I., der zuerst seine Edikte nicht von Kölln an der Spree, sondern von Berlin datierte, wurden das Friedrich Wilhelms-Waisenhaus und der Schlossbau bis 1716 größtenteils vollendet und der Lustgarten in einen Exerzierplatz umgewandelt. Vornehmlich wurde die Friedrichstadt ausgebaut, ferner zahlreiche Kirchen gebaut (ihre Zahl stieg von 12 auf 25); schon 1737 gab es dort 1682 Häuser. Für das Schulwesen waren die Anlage der früheren Gebäude des Joachimsthalschen Gymnasiums und die Gründung einer Kadettenschule von Bedeutung. Ferner wurde der botanische Garten der Akademie (jetzt der Universität) angelegt und im Nordwesten der Stadt ein Pesthaus errichtet, an dessen Stelle Friedrich II. 1785 die Charité erbaute. 1740 bestanden außer den schon 1709 eine Stadt bildenden fünf Städten noch die Luisenstadt, das Stralauer Viertel, die Königsstadt, die Sophienstadt.

Unter Friedrich dem Großen wurde noch vor dem Siebenjährigen Kriege der Tiergarten zu einem Park umgestaltet; auch erfolgte die Abtragung der noch vorhandenen Befestigungswerke (1745), anderen Stelle die Neue Friedrichstraße, Alexanderstraße und Wallstraße traten. 1747 erhielt die Stadt eine neue Verfassung, wodurch die Zahl der Ratsmitglieder auf 20 erhöht wurde, die sich durch eigne Wahl ergänzen sollten; an ihre Spitze trat ein vom König ernannter Stadtpräsident, der zugleich die Polizei mit mehreren Ratsmitgliedern leitete; erst 1795 erfolgte die Errichtung einer vom Magistrat gesonderten Polizeibehörde. 1757 drang der österreichische General Haddik in die Vorstädte ein und erpresste eine Kontribution von 200.000 Talern. 1760 beschossen die Russen unter Totleben die Stadt vom Tempelhofer Feld aus, drangen am 9. Oktober in dieselbe ein und erhoben eine Kontribution von 1,5 Millionen Taler. Der Kaufmann Gotskowsky machte sich um die Milderung der feindlichen Forderungen sehr verdient. Nach dem Frieden fanden sich von den 1755 vorhandenen 126.661 Einwohnern nur noch 103.200 vor. Friedrich der Große suchte durch Kanalbauten den Handel Berlins zu heben und richtete neue Industriezweige ein. Es wurden auf königliche Kosten großartige Seidenfabriken, Webereien und Druckereien für Kattun u. a. angelegt; die Porzellanmanufaktur hatte er schon 1751 errichtet. Die Bevölkerung stieg bis nahe an 150.000, wovon allerdings noch nicht 11.060 Bürger waren. Dieser Zuwachs machte die Anlegung der Rosenthaler und die Erweiterung der Stralauer Vorstadt nötig. Zur Verschönerung der Stadt trugen die beiden Türme auf dem Gendarmenmarkt bei, ferner die Ausschmückung des Wilhelmsplatzes, das Opernhaus, das Schauspielhaus, die königliche Bibliothek und andre öffentliche Bauten. Damals war Berlin der Sammelplatz der französischen Schön- und Freigeister (d’Argens, Voltaire, Lamettrie); auch Lessing, Moses Mendelssohn, Ramler, Gleim, Engel hielten sich größtenteils in Berlin auf. Unter Friedrich Wilhelm II. wurde das Brandenburger Tor errichtet.

Während des letzten Jahrzehnts des 18. Jahrhunderts hob sich, begünstigt durch die französische Revolution, namentlich die Seidenzeugfabrikation. Auch die künstlerischen und literarischen Verhältnisse der Stadt erlangten von Tag zu Tag eine größere Bedeutsamkeit. Anstalten wie die Tierarzneischule, die Artillerieakademie, das medizinische Friedrich Wilhelms-Institut wirkten auf den gesamten Staat zurück. Noch größer wurden die Fortschritte Berlins seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts, und die im Unglücksjahr 1806 erfolgende Besetzung der Stadt durch die Franzosen (24. Oktober 1806 bis 1. Dezember 1808) machte darin nur eine kurze Unterbrechung. Eine völlige Änderung der Verwaltung führte die neue Städteordnung von 1808 herbei, die im April 1809 in Berlin durchgeführt wurde. Der Magistrat bestand fortan aus einem Oberbürgermeister, einem Bürgermeister, 2 Syndiken, einem Kämmerer, einem Baurat, 4 besoldeten und 12 unbesoldeten Stadträten; die Stadtverordnetenversammlung zählte 102 Mitglieder. Erst am 23. Dezember 1809 kehrte die königliche Familie nach Berlin zurück. Das wissenschaftliche Leben der Residenz erhielt 1816 durch die Gründung der Universität einen neuen Mittelpunkt. An Stelle der Akzise trat damals eine Konsumtions- und Luxussteuer, außerdem wurde eine Gewerbesteuer eingeführt. Als Preußen sich 1813 gegen Frankreich erklärte, strömte auch ein großer Teil der Berliner Bevölkerung begeistert zu den Fahnen. Am 20. Februar 1813 drangen russische Reiter unter Tschernitschew und Tettenborn in die Stadt ein, die inzwischen wieder von einem französischen Korps besetzt war, und der Übergang Wittgensteins über die Oder nötigte den französischen General Saint-Cyr, am 4. März Berlin zu räumen. Weitere Versuche der Franzosen gegen die Hauptstadt wurden durch die Siege der Nordarmee bei Großbeeren und Dennewitz vereitelt. Nach 1816 begann von neuem die Verschönerung Berlins durch Prachtgebäude und Denkmäler aller Art, vornehmlich unter Schinkel. Sein erstes größeres Werk war das neue Schauspielhaus, das an Stelle des älteren abgebrannten 1819–21 errichtet wurde; dann folgten das Museum, die Königs- oder Neue Wache, die Schlossbrücke, die Werdersche Kirche, die frühere Bauakademie und die frühere Artillerie- und Ingenieurschule (letztere in „Unter den Linden“). 1834–36 entstand das Palais des späteren Kaisers Wilhelm I. Eine andere Verschönerung der Stadt unter Friedrich Wilhelm III. war die Ausstellung der Standbilder Blüchers, Scharnhorsts und Bülows nach Rauchs Modellen (1822–26) am Opernhausplatz; 1840 wurde der Grundstein zum Friedrichsdenkmal gelegt. Damals wurde von dem Gartenbaudirektor Lenné der Tiergarten in einen englischen Park umgewandelt. 1826 begann die Einführung der Gasbeleuchtung, und die erste Eisenbahn von Berlin nach Potsdam wurde am 29. Oktober 1838 eröffnet.

Kunstsinnig wirkte Friedrich Wilhelm IV. für Berlin. Unter seiner Regierung entstanden das Opernhaus, das Neue Museum, das Krollsche Gebäude am Königsplatz, Kirchen und Kapellen, Bethanien, das katholische Hedwigskrankenhaus, die Ulanenkaserne und das Zellengefängniszu Moabit; ferner wurden die Friedenssäule auf dem Belle-Allianceplatz, die Standbilder Yorcks und Gneisenaus am Opernplatz, Thaers an der Bauakademie, das Denkmal Friedrich Wilhelms III. im Tiergarten, endlich das Reiterdenkmal Friedrichs des Großen eingeweiht; das Nationalkriegerdenkmal im Invalidenpark ist das letzte Werk dieser Art. Neue Stadtviertel wurden errichtet, die Friedrich Wilhelmsstadt und die Friedrichsvorstadt schlossen die zwölf historischen Bestandteile der Stadt ab, so, wie sie mit ihren 458.000 Einwohnern Ende 1858 bestand. Diese günstige Entwickelung wurde durch die Märzrevolution von 1848, die vom 18.–20. März zum Bau von Barrikaden und zu blutigen Kämpfen mit dem Militär führte (vom Volke fielen 183, von den Truppen 20 Mann), nur unwesentlich gehemmt. Doch wurde 1848 eine neue Polizeitruppe, die Schutzmannschaft, errichtet. Unter König Wilhelm I. wurde Berlin durch die Aufnahme eines großen Teiles der Vorstädte in seine Mauern (die weggerissen wurden) bedeutend vergrößert und durch zahlreiche Prachtbauten (besonders während der 1870er Jahre), ferner die Zuschüttung der alten Festungsgräben sowie den Bau der Stadtbahn in seinem Aussehen völlig umgestaltet. Die Stadt dehnte sich, während in den alten Stadtteilen Berlin, Kölln und Friedrichswerder die Häuser in Geschäftshäuser verwandelt und die Einwohner verdrängt wurden, im Laufe der Zeit (außer im Norden) über die Grenzen ihres Weichbildes aus, indem 1861 Moabit und 1878 ein Teil der Feldmark von Lichtenberg einverleibt wurden. Die neueste Entwickelung Berlins ist in die Darstellung seiner heutigen Erscheinung verwoben worden. Der gewaltige Aufschwung der Berliner Industrie zeigte sich auf den Gewerbeausstellungen 1879 und 1896. Seine neueste Geschichte lässt sich nicht von der des preußischen Staates trennen. Berlin wurde 1871 auch Hauptstadt des Deutschen Reiches; hier wurde am 13. Juli 1878 der Berliner Friede (Berliner Kongress) unterzeichnet. Vom November 1884 bis Ende Februar 1885 tagte in Berlin die Konferenz über die Kongofrage (Kongokonferenz), vom 15. bis 29. März 1890 die Arbeiterschutzkonferenz.

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