Fürstentum Liechtenstein

Schloß Vaduz (Liechtenstein) mit den Schweizer Bergen
Schloß Vaduz (Liechtenstein) mit den Schweizer Bergen

Hauptort Vaduz

Vaduz, Liechtenstein
Vaduz, Liechtenstein

Fürstentum Liechtenstein

Grafschaft Schellenberg und Herrschaft Vaduz mit der Landeshauptstadt Vaduz

Liechtenstein ist ein souveränes Fürstentum, nach Monaco und San Marino der kleinste Staat Europas. Es liegt zwischen 47°3´ und 47°14´ nördlicher Breite und zwischen 9°29´ und 9°38´ östlicher Länge, umfasst den westlichen Abhang des Rätikon zum Oberlauf des Rhein, wird von Vorarlberg im Osten und Norden, von den Schweizer Kantonen Graubünden im Süden und St. Gallen im Westen begrenzt und hat eine Fläche von 159 km (2,9 Quadratmeilen). Die höchste Erhebung ist der Naafkopf (2573 m) an der Südgrenze. Das Land wird vom Rhein (Grenzfluss zur Schweiz) und der Samina (Nebenfluss der Ill) bewässert und hat ein mildes Klima. Bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes, ist Liechtenstein seitdem selbständig, steht aber in mehrfacher Beziehung unter österreichischem Einfluss.

Wappen:

Geviert mit unten eingepfropfter Spitze und Herzschild. Herzschild: von Gold über Rot quergeteilt (Liechtenstein).

  1. In Gold ein schwarzer gekrönter Adler mit einem silbernen, mit einem Kreuze besetzten Halbmond auf der Brust (Schlesien).
  2. Von Gold und Schwarz achtfach quergestreift, mit grünem Rautenkranz schräg überlegt (Khuenring).
  3. Von Rot und Silber gespalten (Herzogtum Troppau).
  4. In Gold ein gekrönter schwarzer Jungfernadler (Ostfriesland).
  5. (In der Spitze.) In Blau ein goldenes Jagdhorn (Jägerndorf).
Liechtenstein, Wappen
Liechtenstein, Wappen

Liechtenstein, Wappen

Landesfarben:

Blau, Rot.

Fürstentum Liechtenstein, Landesfarben (1852-1921)
Fürstentum Liechtenstein, Landesfarben (1852-1921)

 

Hauptort Vaduz

Vaduz ist Marktflecken und Hauptort des Fürstentums Liechtenstein. Er liegt 460 Meter über dem Meer, nahe dem rechten Ufer des Rheins, 4 km südlich von der Station Schaan-Vaduz der österreichischen Staatsbahnlinie Feldkirch-Buchs. Der Ort ist Sitz der fürstlichen Regierung und des Landtags, hat eine gotische Kirche, ein neues Amtsgebäude, eine Realschule, ein Landgericht, Weinbau, Baumwollspinnerei und Weberei, Elektrizitätswerk und eine Armenanstalt. Im Jahr 1900 leben hier 1200 (1876: 921 Einwohner) katholische Einwohner. Oberhalb Vaduzs auf vorspringender Felsterrasse liegt das Schloss Vaduz (Hohen-Liechtenstein), ferner der schön gelegene Höhenkurort Gaflei (1500 m ü. M.), von wo der Fürstenweg zu der aussichtsreichen Kuhgratspitze (2124 m) und zu den Drei Schwestern (2097 m) führt.

Größe:

160 km² (Nord-Süd-Ausdehnung 25 km, West-Ost-Ausdehnung 12 km), höchster Berg ist der Vorder-Grauspitz mit 2599 m.

Fürstentum Liechtenstein
Fürstentum Liechtenstein

Fürstentum Liechtenstein, Landkarte 1914

Einwohner:

Die Bevölkerung belief sich 1901 auf 9477 deutsche, katholische Einwohner (4587 männliche, 4890 weibliche), so dass 59 auf 1 km² kommen.

  • 1876:  8664
  • 1901:  9477
  • 1916: 11.110

Gerichtswesen:

Bis 1921 ist die höchste Justizbehörde das Oberlandesgericht in Innsbruck (Tirol).

Militär:

Das Militär wurde 1868 aufgelöst und die Bevölkerung von der Wehrpflicht entbunden.

Liechtensteins letzter Soldat im Alter von 95 Jahren
Liechtensteins letzter Soldat im Alter von 95 Jahren

 

Nationalfeiertag:

23. Januar (Jahr 1719 – Unabhängigkeitstag).

Wirtschaft:

Die Haupterwerbsquelle ist die Landwirtschaft. Der Viehstand beläuft sich (1876) auf 350 Pferde, 5300 Rinder, 1100 Schafe, 2000 Ziegen und 1700 Schweine. Als Alpenland besitzt Liechtenstein vorzügliche Weiden und große Wälder. Etwas Weinbau am Rhein. An Unterrichtsanstalten bestehen 33 Volksschulen und eine Unterrealschule (in Vaduz). Die Erwerbsquellen sind namentlich Viehzucht, ferner Getreide-, Obst- u. Weinbau. Die Berge sind mit Wäldern (4700 Hektar) bedeckt. Die Industrie umfasst Holzbearbeitung, Baumwollspinnerei und -Weberei, Maschinenstickerei und Bierbrauerei.

Währungen und Münzen:

  • bis 1923: 1 Österreichische Krone = 100 Heller
Liechtenstein 20 Kronen (1893)
Liechtenstein 20 Kronen (1893)
  • ab 1924: 1 Schweizer Franken = 100 Rappen
Liechtenstein 10 Franken (1930)
Liechtenstein 10 Franken (1930)

Postwesen und Briefmarken:

Seit 1850 wurden im Fürstentum die Briefmarken Österreichs verwendet. Am 1. Februar 1912 erschienen die ersten liechtensteinischen Briefmarken der k. k. österreichischen Post. Die österreichische Posthoheit endete am 1. März 1920. Am 1. Februar 1921 trat das Postabkommen mit der Schweiz in Kraft. Der Schweizer Franken (= 100 Rappen) ersetzte die österreichische Währung (Krone/Heller).

5, 10, und 25 Heller K. K. Österr. Post im Fürstentum Liechtenstein
5, 10, und 25 Heller K. K. Österr. Post im Fürstentum Liechtenstein
Fürstlich Liechtensteinische Post (1920)
Fürstlich Liechtensteinische Post (1920)
1 Franken = 100 Rappen
Ab 1.2.21 neue Währung: 1 Franken = 100 Rappen

Geschichte:

Das fürstliche, vormals gräfliche Haus Liechtenstein, eins der ältesten Geschlechter Österreichs, ist schon um 1130 urkundlich nachweisbar und teilte sich im 13. Jahrhundert in zwei Linien, die steirische, Liechtenstein-Murau, und die mährische, Liechtenstein-Nikolsburg. Die erstere, welcher der Minnesinger Ulrich von Liechtenstein (1200–1275) angehörte, starb 1619 aus. Von der Linie Liechtenstein-Nikolsburg stifteten Hartmanns IV. Söhne Karl und Gundakar, von denen der erste 1618, der zweite 1623 in den Fürstenstand erhoben wurde, zwei nach ihnen benannte Linien. Karl erwarb 1614 das Fürstentum Troppau und 1623 Jägerndorf (Österreichisch-Schlesien). Sein Enkel Johann Adam Andreas erkaufte 1699 von den Grafen von Hohenems die reichsunmittelbare Herrschaft Vaduz und Schellenberg und erhielt für ein dem Kaiser gemachtes unverzinsliches Darlehen von 250.000 Gulden eine Stimme auf der Fürstenbank des schwäbischen Kreises. Mit ihm erlosch 1712 die ältere Karlsche Linie im Mannesstamm, worauf Vaduz und Schellenberg an den Fürsten Joseph Wenzel Lorenz von der Gundakarschen Linie kam. Diesem kaufte seines Vaters Bruder, Anton Florian, 1718 Vaduz und Schellenberg ab, und Kaiser Karl VI. erhob diese Herrschaften 1719 unter dem Namen Liechtenstein zu einem unmittelbaren Reichsfürstentum, daher sein Sohn Johann Joseph Adam 1723 für sich und seine männlichen Nachkommen auch auf dem Reichstag Sitz und Stimme erhielt. Als sein Sohn Johann Nepomuk Karl 1748 ohne männliche Erben starb, erbte Fürst Joseph Wenzel das Majorat und die Güter des Hauses. Nach dessen kinderlosem Ableben fielen 1772 seine Besitzungen an die Söhne seines Bruders Emanuel, Franz Joseph und Karl Borromeus, welche die beiden jetzt blühenden Linien des Hauses Liechtenstein stifteten. Die ältere besitzt das Fürstentum Liechtenstein nebst dem größten Teil der Güter in Österreich und Schlesien, die jüngere, Kromauer Linie ist im Besitz des Karlschen Majorats als Sekundogenitur. Fürst Johann Joseph (1760-1836) zeichnete sich 1788 im Türkenkrieg und als österreichischer Feldmarschall in den Kriegen gegen Napoleon I. aus. Letztmalig Krieg herrsche im Jahr 1799, als die Franzosen das vorarlbergische Feldkirch belagerten. Auf Franz Joseph († 1781) folgte Alois Joseph bis 1805, dann Johann Joseph, diesem am 20. April 1836 sein Sohn Alois (* 26. Mai 1796, † 12. November 1858) und diesem sein Sohn Johann II., geboren am 5. Oktober 1840. Im Besitz der Sekundogenitur war Prinz Karl, geboren 23. Oktober 1790, Obersthofmeister des Kaisers von Österreich und General der Kavallerie, † 7. April 1865, dann Prinz Karl Rudolf, geboren am 19. April 1827, k. k. Kämmerer und Oberstleutnant, † 16. Januar 1899; sein Erbe wurde sein einziger Bruder, Fürst Rudolf (* 18. April 1838). Von 1806-15 war Liechtenstein im Rheinbund, 1815 bis 1866 Mitglied im Deutschen Bund. Seit 1866 ist das Fürstentum ein souveränes Staat, bildete von 1876 bis 1918 mit Vorarlberg ein gemeinsames Zoll- und Steuergebiet und war politisch eng mit der österreichisch-ungarischen Monarchie verbunden. Die Verfassung von 1862 ist eine konstitutionell monarchische; der Landtag besteht aus 15 Mitgliedern, 3 wurden durch den Fürsten ernannt, die übrigen gingen aus indirekten Wahlen hervor.

 

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908

 

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