Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz

Herzogtum Mecklenburg-Strelitz und Fürstentum Ratzeburg

Haupt- und Residenzstadt Neustrelitz

Neustrelitz, Großherzogliches Schloss
Neustrelitz, Großherzogliches Schloss

 

Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz 1815 – 1918

Mecklenburg, richtiger nach Etymologie und Aussprache Meklenburg, ist ein deutsches Territorium im ehemaligen niedersächsischen Kreis, an der Ostsee, im übrigen von den preußischen Provinzen Pommern, Brandenburg, Hannover, Schleswig-Holstein (Lauenburg) und dem lübischen Staat umschlossen, gliedert sich in die beiden Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, von denen ersteres ein im wesentlichen zusammenhängendes Gebiet bildet, letzteres aber aus zwei voneinander getrennten Teilen, nämlich dem Herzogtum Strelitz oder dem Stargardschen Kreis, östlich, und dem Fürstentum (bis 1648 Bistum) Ratzeburg, nordwestlich von Mecklenburg-Schwerin, besteht. Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin (siebenter Staat im Deutschen Reich) erstreckt sich von 53°4’–54°22′ nördlicher Breite und von 10°36’–13°11′ östlicher Länge mit einem Flächeninhalt von 13.126.9 km² (238,4 Quadratmeilen) und mit Einschluss des Anteils am Saaler Bodden 13,161 km² und besteht aus dem Herzogtum (vor 1348 Fürstentum) Schwerin oder dem Mecklenburgischen Kreis, dem Herzogtum Güstrow oder dem Wendischen Kreis, dem Rostocker Distrikt, dem Fürstentum (vor 1648 Bistum) Schwerin und der Herrschaft Wismar. Zu ihm gehören drei kleine Gebietsausschlüsse: der von Mecklenburg-Strelitz umschlossene Ausschluss Ahrensberg mit dem zu ihm gehörenden, aber von ihm getrennten Pälitzsee, 32,3 km² groß, und die zwei von der Provinz Brandenburg umgrenzten Ausschlüsse Rossow, 29,9 km², und Netzeband, 32,5 km² groß. Innerhalb der Landesgrenzen liegt der zum Fürstentum Ratzeburg gehörige Gebietseinschluss Dodow, 6,8 km² groß, und im Osten die zum Herzogtum Strelitz gehörigen Einschlüsse Blankenhagen-Gevezin und Viezen-Gaarz sowie das zur preußischen Provinz Pommern gehörige Gebiet Zettemin. Von den beiden Bestandteilen des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz (des neunten Staates im Deutschen Reich) erstreckt sich das Herzogtum Strelitz von 53°9’–53°47′ nördlicher Breite und von 12°40′- 13°57′ östlicher Länge, das Fürstentum Ratzeburg von 53°40’–54°54′ nördlicher Breite und 10°45’–11°5′ östlicher Länge. Der Flächeninhalt beträgt 2929,5 km² (53,2 Quadratmeilen), wovon 2547,56 km² auf das Herzogtum Strelitz und 381,94 km² auf das Fürstentum Ratzeburg entfallen.

 

Beide Länder haben einen gemeinschaftlichen Landtag, der abwechselnd in Mecklenburg-Schwerin (Malchin) und in Mecklenburg-Strelitz (Sternberg) tagt, auf dem aber nur die Ritterschaft und die Städte vertreten sind.

Bundesrat:

1 Stimme

Reichstag:

1 Abgeordneter

Landesvertretung:

Die Staatsform ist eine erbliche, durch Feudalstände beschränkte Monarchie. Eine eigentliche Staatsverfassung ist nicht vorhanden. Die seit der Union von 1523 für die beiden Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz gemeinschaftlichen Landstände werden alljährlich im Herbst zum Landtag einberufen. Die Stände setzen sich zusammen aus der Ritterschaft und der Landschaft:

  • Zur Ritterschaft gehören alle Besitzer ritterschaftlicher Hauptgüter in dem mecklenburgischen, wendischen und stargardischen Kreis.
  • Zur Landschaft gehören 49 landtagsfähige Städte von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz.

Der 1620 durch Vollmacht der Ritter- und Landschaft eingesetzte und im Landesvergleich von 1755 landesherrlich bestätigte „Engere Ausschuß von Ritter- und Landschaft zu Rostock“ ist ein die gesamte Ritter- und Landschaft außerhalb des Landtags vorgestelltes Kollegium.
Das Fürstentum Ratzeburg (Gebiet ohne die Stadt Ratzeburg) hat eine eigene Verfassung, datiert vom 9. November 1869, neugeregelt am 16. Juni 1906

Hauptstadt:

Neustrelitz = 11.500 Einwohner (1905)

Größe:

2.929,5 km²

Gerichtsorganisation:

Für die Rechtspflege bestehen (1910) im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz welches dem Oberlandesgericht in Rostock (Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin) untersteht, 1 Landgericht mit 10 Amtsgerichten:
Oberlandesgericht Rostock

  • Landgericht Neustrelitz mit den Amtsgerichten Feldberg, Friedland (Mecklenburg), Fürstenberg  (Mecklenburg), Mirow, Neubrandenburg, Neustrelitz, Schönberg (Mecklenburg), Stargard (Mecklenburg), Strelitz und Woldegk.

Einwohner:

Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 106.442 Einwohner

  • 53.518 männlich
  • 52.924 weiblich

Die Stagnation der Bevölkerungszahl ist mit der hohen Auswanderung nach Übersee zu begründen.

  • 1817 =  72.675
  • 1851 =  99.628
  • 1871 =  96.982
  • 1875 =  95.673
  • 1880 = 100.269
  • 1890 =  97.978
  • 1900 = 102.602
  • 1905 = 103.451
  • 1910 = 106.442

Klima:

ist bei dem Vorherrschen der Westwinde sehr veränderlich, die Niederschläge sind verhältnismäßig gering.

Gewässer:

Nur kleinere Seen und Kanäle

Bewohner:

Die Bewohner Mecklenburgs sind Nachfahren slawischer Obotriten in Westen und slawischer Lutizen im Osten, teilweise vermischt mit germanischen Sachsen (Niedersachsen).

Bevölkerungsdichte:

35/km² (dünnster bevölkerter Staat Deutschlands)

Religion:

(1905)

  • 100.314 Evangelisch
  • 2.627 Römisch-katholisch
  • 1.289 andere Christen
  • 298 Juden
  • 212 Andere und Konfessionslose

Militär:

Angaben 1881

Seit 1872 besteht eine Militärkonvention mit Preußen. Mecklenburg hat ein eigenes Kontingent, welches zum IX. Armeekorps gehört. In Neustrelitz sind die Grenadiere 89,2, die Feld-Artillerie 24,2 Batterie und die Landwehr 89,2 stationiert.

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft: Der Boden ist größtenteils sehr fruchtbar, Getreide weit über Bedarf. Eigentümlich sind die Verhältnisse des Grundbesitzes, er steht zum größten Teil – eine Folge des noch bestehenden mittelalterlichen Feudalwesens – steht unter der in einem gewissen Grade souveränen Ritterschaft.
  • Bergbau nicht vorhanden.Industrie nicht wesentlich.Handel nicht wesentlich.

Währungen und Münzen:

  • bis 1870 = 1 Taler = 48 Schillinge oder 30 Silbergroschen (je 12 preußische Pfennige)
  • ab 1871 = 1 Mark = 100 Pfennig

Postwesen und Briefmarken:

Das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz besaß bis 31.12.1867 eine eigene Posthoheit und war seit 1. Juli 1850 Mitglied des Deutsch-Österreichischen Postvereins. Im Fürstentum Ratzeburg regelte die Post des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin den Postdienst. 1868 übernahm der Norddeutsche Bund (Norddeutscher Postbezirk) den Postdienst. Am 1. Januar 1872 übernahm die Reichspost im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz den Postbetrieb.

Regenten:

regierendes Fürstenhaus:Ahnherr Niklot Fürst der Obotriten, Herr von Schwerin († 1160), Stammvater Herzog Adolf Friedrich II. (1658 – 1708)
Großherzog Adolf Friedrich VI. nahm sich am 24. Februar 1918 in Neustrelitz das Leben. Der letzte Großherzog von Mecklenburg-Strelitz wurde auf der Schlossinsel Mirow beigesetzt. Da keine legitimen Nachfahren zur Verfügung standen übernahm Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin die Regentschaft von Mecklenburg-Strelitz.

Organisation der Verwaltungsbehörden:

Die obersten Regierungs- und Verwaltungsbehörden sind (1910) das Staatsministerium und die Ministerialabteilungen in Neustrelitz:

  • Ministerialabteilung für Justiz
  • Ministerialabteilung für Innere
  • Ministerialabteilung für Finanzen
  • Präsidenten des Ministeriums

Administrative Einteilung:

In politischer Beziehung wird das Land wie folgt eingeteilt.

  1. in das Landesherrliche Domanium (Kabinettsgüter und Domänen) mit den für die innere Verwaltung zuständigen Ämter:
    Kabinettsamt in NeustrelitzDomanialamt FeldbergDomanialamt MirowDomanialamt Stargard (Mecklenburg)Domanialamt Strelitz.
  2. die Ritterschaft (ritterliche und sonstige Privatgüter) mit den geografischen Ämtern:
    FürstenbergStargardStrelitzDie Ämter sind weder organisiert noch haben sie irgendeine Funktion in der Verwaltung. Die Ausübung der lokaladministrativen und lokalobrigkeitlichen Verwaltung ist dem Gutsbesitzer übertragen.
  3. die Städte:
    FriedlandFürstenbergNeubrandenburgNeustrelitzStargardStrelitzWesenbergWoldegkFür die Städte bzw. die zum Stadtgebiet gehörigen Güter wird die Verwaltung von Magistraten ausgeübt.
    Das Fürstentum Ratzeburg bildet einen eigenen Verwaltungsbezirk. Verwaltungsbehörde ist die Großherzogliche Landvogtei in Schönberg (Mecklenburg).
    Das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz besteht aus zwei Teilen, dem größeren östlich von Mecklenburg-Schwerin gelegenen Teil mit Neustrelitz als Hauptstadt und dem westlich von Mecklenburg-Schwerin gelegenen Fürstentum Ratzeburg mit Schönberg. Gewisse Zweige der Verwaltung werden auch als Großherzogliches Domänenamt bezeichnet. Ihr unterstehen auch die Stadt Schönberg (Mecklenburg) sowie in einzelnen Beziehungen die 3 Privatgüter Dodow, Horst und Torisdorf, die im übrigen direkt dem Großherzoglichen Ministerium unterstehen.
  • Herzogtum Strelitz (östlicher Landesteil) 2 547,56 km²2.
  • Fürstentum Ratzeburg (westlicher Landesteil) 381,94 km²

Mecklenburg-Vorpommern aktuell:

Das heutige Land Mecklenburg-Vorpommern mit der Landeshauptstadt Schwerin besteht aus:

  • dem ehemaligen Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
  • dem ehemaligen Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz ohne die Stadt Fürstenberg (1950 nach Brandenburg)
  • dem westlich der Oder gelegenem Teil der preußischen Provinz Pommern, ohne die Stadt Stettin und deren Umland

Geschichte:

Mecklenburg war ursprünglich von germanischen Völkerschaften bewohnt. Im 6. Jahrhundert drangen von Osten slawische Obotriten und Wilzen in das Land ein. Heinrich der Löwe unterjochte und christianisierte um 1160 die slawischen Stämme unter dem Obotritenfürst Pribislaw, dessen Vater Niklot der Stammvater des bis 1918 regierenden Fürstenhauses war. Als Vasall Heinrichs des Löwen, nahm Pribislaw den christlichen Glauben an und das Land geriet unter deutsche Lehnsabhängigkeit. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde Mecklenburg von Waldemar II. von Dänemark erobert, der es aber 1225 wieder räumen musste. Von den 1229 entstandenen Linien Parchim, Rostock, Güstrow und Mecklenburg blieb nur letztere bestehen, die 1471 alle mecklenburgischen Lande vereinigte. Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Reformation eingeführt. Durch die Landesteilung von 1611 und 1621 entstanden die Linien Güstrow und Schwerin. Von 1628 bis 1635 war der kaiserliche katholische Heerführer Wallenstein mit den mecklenburgischen Landen belehnt. Nach dem Aussterben der Linie Güstrow 1695 und längeren Auseinandersetzungen kam der Hamburger Teilungsvergleich am 8. März 1701 zustande, wodurch Adolf Friedrich II. Stifter der Linie Mecklenburg-Strelitz wurde. Seit dem Erbvergleich von 1755 waren beide Staaten eng miteinander verbunden. 1808 traten sie dem Rheinbund bei. Auf dem Wiener Kongress wurden die beiden mecklenburgischen Herzogtümer 1815 zu Großherzogtümern. Beiden herzoglichen Häusern wurde während des Wiener Kongresses 1815 die großherzogliche Würde zugestanden. 1820 erfolgte die Aufhebung der Leibeigenschaft, doch blieb die altständische Verfassung, wie sie durch den Erbvergleich von 1755 mit den Ständen vereinbart wurde, ein unüberwindliches Hemmnis jeder staatlichen Entwicklung. Am 10. Oktober 1849 wurde die Verfassung in Schwerin aufgehoben, aber infolge des Einspruchs des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz und der Stände von einem Schiedsgericht am 14. September 1850 wieder eingesetzt und 1866 durch neue reaktionäre Maßregeln ergänzt. Nach der Auflösung des Deutschen Bundes und im Deutschen Krieg von 1866 standen beide mecklenburgischen Staaten auf der Seite des Königreichs Preußen und wurden Mitglieder im Norddeutschen Bund. Nach dem Deutsch-Französischer Krieg von 1870/71 wurden beide Länder Bundesstaaten im wiederentstandenen Deutschen Reich. Großherzog Friedrich Franz IV. (seit 1897) von Mecklenburg-Schwerin und Großherzog Adolf Friedrich V. (seit 1904) von Mecklenburg Strelitz verkündeten 1907 die Einführung einer Verfassung, deren Entwürfe aber 1908 und 1912 vom Landtag abgelehnt wurden, worauf eine von den Großherzögen angeregte Konferenz 1917 die Einführung des Zweikammersystems forderte, ohne jedoch zum Ziel zu gelangen. In Mecklenburg-Strelitz folgte nach dem Tod des Großherzogs Adolf Friedrich, gestorben am 11. Juni 1914, dessen Sohn, der am 24. Februar 1918 durch Selbstmord aus dem Leben schied. Großherzog Friedrich Franz IV von Mecklenburg-Schwerin übernahm daraufhin die Regentschaft über Mecklenburg-Strelitz. Am 14. November 1918 entsagte er infolge der Novemberevolution in Deutschland dem Thron.