Fürstentum Schaumburg-Lippe

Haupt- und Residenzstadt Bückeburg

Bückeburg, Residenzschloss
Bückeburg, Residenzschloss

 

Fürstentum Schaumburg-Lippe 1807 – 1918

Schaumburg-Lippe ist ein souveränes, zum Deutschen Reich gehöriges Fürstentum. Es liegt zwischen 51°53´-52°30´ nördliche Breite und 8°59´-9°20´ östliche Länge, wird von dem preußischen (vormals hessischen) Teile der Grafschaft Schaumburg, den preußischen Regierungsbezirken Hannover und Minden begrenzt und besteht aus dem westlichen Teile der ehemaligen Grafschaft Schaumburg. Außerdem besitzt der Fürst zu Schaumburg-Lippe das paragiale Oberamt Blomberg unter Hoheit des Fürsten von Lippe(-Detmold). Das Fürstentum liegt am nördlichsten Zweige des Wesergebirges und besteht zum größeren Teil aus Tiefland, zum kleineren aus wellenförmigem Hügelland. Im Südosten liegt die bewaldete und kohlenreiche Kette des Bückebergs (332 m), im Norden das Steinhuder Meer. Mineralquellen sind bei Stadthagen und Eilsen. Das Klima ist gemäßigt und gesund, wenn auch vorherrschend feucht und kühl. Der Flächeninhalt beträgt 340,29 km² (6,2 Quadratmeilen). Die Bevölkerung, die 1905: 44.992 Seelen (132/km²) betrug, gehört dem niedersächsischen Stamm an und bekennt sich, mit Ausnahme von etwa 3800 Reformierten, (1900) 785 Katholiken und 257 Israeliten, zur evangelisch-lutherischen Kirche. Die Bevölkerung wohnt in 2 Städten (Bückeburg und Stadthagen), 2 Flecken und 88 Ortschaften. Für die geistige Kultur ist hinreichend gesorgt. Das Wappen ist geviert und zeigt in 1 und 4 in Silber eine rote Rose mit grünen Kelchblättern (Lippe), in 2 und 3 in Rot eine auf einem achtstrahligen goldenen Stern sitzende Schwalbe (Schwalenberg). Der diesem Schild ausgelegte Herzschild enthält in Rot einen ausgezackten silbernen Schildbeschlag (Schaumburg); Schildhalter sind zwei weißgekleidete Engel mit Palmenzweigen. Die Landesfarben sind Weiß, Rot und Blau. Als Ehrenzeichen bestehen: das vierklassige Ehrenkreuz, das goldene und silberne Verdienstkreuz, das Dienstauszeichnungskreuz für 25jährigen aktiven Dienst, mehrere Verdienstmedaillen etc.

Reichstag:

1 Abgeordneter

Bundesrat:

1 Stimme

Landtag:

Der Landtag hat 14 Mitglieder und wird in allgemeinen direkten Wahlen nach der Verfassung vom 17.11.1868 gewählt. Es wird jährlich ein Landtag gehalten. Die Landstände bestehen aus:
zwei durch landesherrliches Vertrauen für die jeweilige Legislaturperiode berufenen Vertretern des Domanialgrundbesitzes,einem gewählten Vertreter der Ritterschaft,einem von den Predigern des Landes gewählten Vertreter,einem von den eine amtliche Stellung einnehmenden Juristen, Medizinern, studierten Lehrern (einschließlich der zur Praxis zugelassenen Anwalte, Ärzte und examinierten Privatlehrer) gewählten Vertreter,drei gewählten Vertretern der Städteund sieben gewählten Vertretern der Ämter.

Hauptstadt:

Bückeburg (Fürstliche Residenz) – 5.500 Einwohner (1905)

Größe:

340,22 km² = 6,2 Quadratmeilen

Bildung:

In Bückeburg existieren ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar und eine höhere Bürgerschule. Im ganzen Fürstentum Schaumburg-Lippe gibt es 1905 = 37 Landesschulen.

Gerichtsorganisation:

Für die Rechtspflege im Fürstentum Schaumburg-Lippe besteht ein Landgericht in Bückeburg mit zwei Amtsgerichten zu Bückeburg und Stadthagen. Die oberste Instanz bildet das gemeinschaftliche Oberlandesgericht zu Oldenburg im Großherzogtum Oldenburg.

Einwohner:

  • 1881
  • 1885
  • 1895
  • 1900
  • 1905
  • 1910

33.133 37.204 41.224 43.132 44.992 46.652

Klima:

Das Klima ist gemäßigt und gesund. wenn auch vorherrschend feucht und kühl.

Gewässer:

Steinhuder Meer (See).

Bewohner:

Die Einwohner sind niederdeutsche Sachsen (Niedersachsen) und gehören dem westfälischen Stamm an.

Bevölkerungsdichte:

133,3/km²

Religion:

Die Bevölkerung ist überwiegend Evangelisch. Geistliche Oberbehörde für die Reformierten ist die Landesregierung, für die Lutheraner das Konsistorium. Die Katholiken gehören zur Diözese des Bischofs von Osnabrück als Provikars der Nordischen Mission.
1900

  • 38.290 Evangelisch
  •  3.800 Reformierte
  •     785 römisch Katholisch
  •     257 Juden

Militär (1881):

Das Fürstentum Schaumburg-Lippe gehört zum Ersatzbezirk des VII. Armeekorps, 26. Brigade; in Bückeburg ist das Jägerbataillon Nr.  7 stationiert. Schaumburg-Lippe hat eine Militär-Konvention mit Preußen geschlossen.

Wirtschaft:

Das Fürstentum steht unter preußischer Zollverwaltung. Auf je 1000 Einwohner kommen 222  Gewerbetreibende. Steinkohlenproduktion 1878: 1 676 269 Zentner. Entwickelte Forstwirtschaft,  1900 bestehen 6 899 Hektar Wald mit prächtigen Eichen- und Buchenbeständen. 93 Prozent der ganzen Waldfläche gehören der Landesherrschaft. Die Landwirtschaft deckt nicht nur den Bedarf der Bevölkerung, sondern liefert auch verschiedene Artikel zur Ausfuhr. Viehstand (1878): 2 866 Pferde, 10 365 Rinder, 6 963 Schafe, 9 083 Schweine und 4 145 Ziegen.

Postwesen und Briefmarken:

Gemäß der Aufstellung der Generalverordnung vom 30. Dezember 1861 besorgte die Thurn und Taxissche Post auf Grund von Beschlüssen des Wiener Kongresses (1815) den Postdienst bis zum 30. Juni 1867 im Fürstentum Schaumburg-Lippe. Ab 01. Juli 1867 übernahm die preußische Post den Postdienst. Das gesamte preußische Postwesen ging am 01. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) über. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.

Währungen und Münzen:

  • bis 1875: 1 Taler = 30 Silbergroschen = 360 Pfennig
  • ab 1875: 1 Mark = 100 Pfennig

Regenten:

Fürsten zu Schaumburg-Lippe 1807 – 1918:
regierendes Fürstenhaus: Lippe, Stammvater Graf Philipp (1601 – 1681)
Der Fürst ist im Besitz der ungeteilten Staatsgewalt. Er bekennt sich zur reformieren Kirche und wird mit zurückgelegtem 21. Lebensjahr volljährig.

Staatsminister:

Oberste Staatsbehörde für die gesamte innere Landesverwaltung und für die auswärtigen Angelegenheiten ist die fürstliche Landesregierung zu Bückeburg

Administrative Gliederung:

Die Bevölkerung des Fürstentums Schaumburg-Lippe wohnt in 2 Städten (Bückeburg und Stadthagen) 2 Flecken und 88 Ortschaften. Bis 1899 gliederte sich der Staat in die Ämter Bückeburg-Arensburg, Stadthagen und Hagenburg. Danach erfolgte die Einteilung in die zwei Städte Bückeburg und Stadthagen und zwei Landkreise Bückeburg und Stadthagen.
Zum Fürstentum Schaumburg-Lippe gehören die Städte und Gemeinden: Stadt Bückeburg, Stadt Stadthagen,  die Gemeinden Achum, Ahnsen-Neumühlen-Widdensen, Altenhagen, Beeke, Berenbusch-Nordholz, Bergdorf-Harrl, Bergkirchen, Buchholz, Cammer, Eilsen, Enzen, Evesen, Frille, Gelldorf, Großenheidorn, Habichhorst-Blyinghausen, Hagenburg, Hackshorst, Heeßen, Helpsen, Hespe-Hiddensen, Heuerßen, Hevesen, Hobbensen, Hülshagen, Jetenburg, Kirchhorsten, Kobbensen, Krebshagen, Kuckshagen, Langenbruch-Hörkamp, Lauenhagen, Levesen, Lindhorst, Lüdersfeld, Luhden-Schermbeck, Meerbeck, Meinsen, Müsingen, Niedernwöhren, Nienbrügge-Niedernholz, Nienstädt, Nordsehl, Obernwöhren-Habrichhausen, Petzen, Pollhagen, Probsthagen, Reinsen-Remeringhausen, Röcke, Rösehöfe, Rusbend, Scheie, Schierneichen, Schmalenbruch-Windhorn, Seggebruch, Selliendorf-Knatensen, Steinbergen, Steinhude, Stemmen, Südhorsten, Sülbeck, Tallensen-Echtorf, Vehlen, Volksdorf, Vornhagen, Warber, Wendthagen, Wiedenbrügge, Wölpinghausen und die Gutsbezirke Arensburg, Baum, Brandenburg-Gallhof, Brandshof-Bruchhof, Harrl-Eilsen, Höckersau-Sandfurth, Landwehr, Lohhof, Maschvorwerk-Fasanenhof, Probsthagen-Lüdersfeld, Spießingshol

 

Das heutige Land Niedersachsen

mit der Hauptstadt Hannover besteht aus:

  • der ehemaligen preußischen Provinz Hannover, ohne den Kreis Ilfeld (seit 1932 zu Thüringen)
  • dem ehemaligen Großherzogtum Oldenburg, ohne dem Fürstentum Lübeck (seit 1932 zu Schleswig-Holstein) und ohne dem Fürstentum Birkenfeld (1937 zur Provinz Rheinland, seit 1946 zum künstlich geschaffenen Land Rheinland-Pfalz)
  • dem ehemaligen Herzogtum Braunschweig, ohne dem östlichen Teil des Landkreises Blankenburg sowie der Exklave Calvörde den Landkreises Helmstedt (seit 1945 zu Sachsen-Anhalt)
  • dem ehemaligen Fürstentum Schaumburg-Lippe.

 

Geschichte

Die Linie Schaumburg oder auch Bückeburg des Hauses Lippe wurde vom Grafen Philipp, dem jüngsten Sohn des Grafen Simon VI. von der Lippe, gestiftet. Graf Philipp erhielt 1613 als Apanage die Ämter Lipperode und Alverdissen und erbte 1640 von seiner Schwester Elisabeth, der Mutter des letzten Grafen von Schaumburg, Otto VII., einen Teil der Grafschaft Schaumburg, mit den Ämtern Stadthagen, Bückeburg, Arensburg und Hagenburg. Dies Territorium führte von nun an den Namen Grafschaft Schaumburg-Lippe. Philipp führte 1668 das Erstgeburtsrecht ein, er starb 1681. Sein ältester Sohn, Friedrich Christian, folgte ihm in der Bückeburgischen Linie und starb 1728; ein zweiter Sohn, Philipp Ernst, stiftete die Alverdissensche Nebenlinie. Nach dem Aussterben der Brakeschen Linie 1709 entstand ein Streit mit Lippe-Detmold, der 1748 so geschlichtet wurde, dass Blomberg an Detmold, Schieder aber an Bückeburg fiel. Mit dem Enkel Friedrich Christians, dem portugiesischen Feldmarschall Grafen Friedrich Wilhelm Ernst, der das Fort Wilhelmsburg im Steinhuder Meer erbaute und eine berühmte Kriegsschule errichtete, erlosch 1777 die ältere Linie Bückeburg im Mannesstamm, worauf die Alverdissensche Linie mit dem Grafen Philipp Ernst, einem Enkel von Philipp Ernst, dem Stifter dieser Nebenlinie, die Regierung von Bückeburg antrat. Nach langwierigen Streitigkeiten mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Lippe behauptete sich Philipp Ernst gegen Abtretung des Amtes Schieder im Besitz von Schaumburg-Bückeburg und nannte sich nun Graf von Schaumburg-Lippe-Bückeburg. Nach seinem Tod, am 13. Februar 1787, folgte sein Sohn Georg Wilhelm, erst unter der Vormundschaft seiner Mutter, der Prinzessin Juliane von Hessen-Philippsthal, und des Grafen Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn, bis er 18. April 1807 selbst die Regierung übernahm. Er trat noch in demselben Jahr dem Rheinbund bei, nahm darauf den Fürstentitel an und gab 15. Januar 1816 dem Land eine ständische Verfassung. 1837 schloss sich Schaumburg-Lippe dem braunschweigisch- oldenburgischen Zoll- und Steuerverband an. Am 25. September 1851 trat es dem zwischen Preußen und Hannover vereinbarten Vertrag über Vereinigung des Zoll- und des Steuervereins und infolgedessen am 1. Januar 1854 dem Zollverein bei. 1848, während der bürgerlichen Revolution, fanden auch hier, doch nur kurze Zeit, Veränderungen statt; dem sich kundgebenden Verlangen, dass die (fürstlichen) Domänen für Staatsgut erklärt würden, trat der Fürst mit Entschiedenheit entgegen. Zwar ließ er sich zur Vereinbarung eines neuen Wahlgesetzes und eines Gesetzes über die Verantwortlichkeit der Regierung bewegen, lenkte aber 1849 in reaktionäre Bahnen ein und gab weder eine neue Verfassung, noch setzte er die alte wieder in Kraft. Nach dem Tod Georg Wilhelms, am 21. Nov. 1860, folgte sein Sohn, Fürst Adolf Georg, geboren am 1. August 1817. Schaumburg-Lippe stimmte am 14. Juni 1866 mit der 16. Kurie für die von Österreich beantragte Mobilisierung gegen Preußen und sandte sein Kontingent dem Bundesbefehl gemäß nach Mainz (Deutscher Krieg ), trat aber 18. August dem Norddeutschen Bund bei und wurde so 1871 ein souveräner Bundesstaat im Deutschen Reich. Eine Militärkonvention wurde am 1. Oktober 1867 mit Preußen geschlossen. Nach längeren Verhandlungen wurde am 17. November 1868 eine neue ständische Verfassung mit der Landesversammlung vereinbart und damit der langjährige Konflikt beendet.