Königreich Sachsen

Haupt- und Residenzstadt Dresden

Dresden, Königliches Schloss
Dresden, Königliches Schloss

 

Königreich Sachsen 1806 – 1918

Das Königreich Sachsen ist hinsichtlich des Flächeninhalts der fünfte, hinsichtlich der Bevölkerung der dritte Staat des Deutschen Reiches, erstreckt sich von 50°10´-51°29´ nördlicher Breite und von 11°53´-15°4´ östlicher Länge. Mit Ausnahme einiger kleiner Parzellen von 15,26 km² Fläche (darunter Ziegelheim und Liebschwitz mit Taubenpreskeln) bildet das Königreich ein geschlossenes Ganze, das im Osten und Norden von den preußischen Provinzen Schlesien und Sachsen, im Westen von der Provinz Sachsen, dem Herzogtum Sachsen-Altenburg, dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und dem Fürstentum Reuß j.L., im Südwesten von Bayern und Böhmen, im Süden und Südosten von Böhmen begrenzt wird. Die Grenzlinie hat eine Länge von 1226 km, wovon 487 km zugleich Reichsgrenze sind. Die größte Längenausdehnung von Westen nach Osten beträgt 210, die größte Breite von Norden nach Süden 150 km.

Neben dem Königreich Sachsen existierte im Deutschen Reich (Kaiserreich) auch die preußische Provinz Sachsen.

 

Bundesrat:

4 Stimmen

Reichstag:

23 Abgeordnete

Landesparlament:

Das Königreich Sachsen ist eine konstitutionelle Monarchie und ein Glied des Deutschen Reichs. Die Staatsverfassung beruht auf der Verfassungsurkunde vom 4. September 1831, welche durch die Gesetze vom 5. Mai 1851, 27. November 1860, 19. Oktober 1861, 3. Dezember 1868 und 12. Oktober 1874 modifiziert worden ist. Für das ganze Land besteht eine in zwei Kammern geteilte Ständeversammlung. Jeder Kammer steht die Wahl ihres Präsidenten zu. Der König beruft längstens alle zwei Jahre einen ordentlichen Landtag, außerordentliche, so oft es dringende Angelegenheiten erfordern. Die Abgeordneten werden auf sechs Jahre gewählt; alle zwei Jahre scheidet ein Drittel aus. Die Wahl ist direkt und geheim. Wahlberechtigt ist jeder Staatsangehörige vom 25. Jahr an, welcher wenigstens 3 Mark Staatssteuern zahlt; wählbar jeder, der das 30. Lebensjahr erfüllt und wenigstens 30 Mark Staatssteuern zu entrichten hat.

  • Mitglieder der Ersten Kammer sind:
    1) die volljährigen Prinzen des königlichen Hauses;
    2) ein Deputierter des Hochstifts Meißen;
    3) der Besitzer der Herrschaft Wildenfels;
    4) ein Vertreter der Besitzer der Schönburgschen Rezeßherrschaften;
    5) ein Abgeordneter der Universität Leipzig;
    6) und 7) die Besitzer der Standesherrschaften Reibersdorf und Königsbrück;
    8) der evangelische Oberhofprediger;
    9) der Dekan des katholischen Domstifts zu Bautzen;
    10) der Superintendent zu Leipzig;
    11) ein Abgeordneter des Kollegiatstifts zu Wurzen;
    12) einer der Besitzer der Schönburgschen Lehnsherrschaften;
    13) zwölf auf Lebenszeit gewählte Abgeordnete der Besitzer von Landgütern, die wenigstens 4000 Steuereinheiten haben;
    14) zehn vom König auf Lebenszeit ernannte Rittergutsbesitzer, die ebenfalls wenigstens 4000 Steuereinheiten haben;
    15) die erste Magistratsperson der Städte Dresden und Leipzig;
    16) die erste Magistratsperson in sechs vom König unter möglicher Berücksichtigung aller Teile des Landes zu bestimmenden Städten;
    17) fünf vom König nach freier Wahl auf Lebenszeit ernannte Mitglieder.
  • Die Zweite Kammer besteht aus 80 (91) Abgeordneten, 35 der Städte und 45 der ländlichen Wahlkreise. Zu jenen schickt Dresden 5, Leipzig 3, Chemnitz 2, Zwickau einen Abgeordneten; die übrigen Städte sind in 24 Wahlkreise verteilt, deren jeder einen Abgeordneten wählt.

Hauptstadt:

Dresden = 515 000 Einwohner (1905) = drittgrößte Stadt des Deutschen Reichs, hinter Berlin und Hamburg.

Größe:

14 993 km² (272,29 Quadratmeilen), darunter kleine Enklaven von 15km².

Einwohner:

Der Abstammung nach sind die Bewohner teils germanisierte Slawen, teils aus Thüringen und Franken eingewanderte Deutsche. In Teilen der Amtshauptmannschaften Kamenz, Bautzen und Löbau hat sich die wendische Sprache erhalten, die 1900 die Muttersprache von 44.025 Bewohnern dieser drei Bezirke und von 2984 Bewohnern des übrigen Sachsens war. In 225 Landgemeinden hatte mehr als die Hälfte der Einwohner wendische Muttersprache.
Am dichtesten bevölkert ist, abgesehen von den Bezirken der Großstädte, die industriereiche Amtshauptmannschaft Glauchau mit 471 Einwohner auf 1 km², am dünnsten das rein landwirtschaftliche, sandige Niederland rechts der Elbe und das unwirtliche Oberland. Die Zahl der Geborenen überragte die der Gestorbenen von 1901–05 durchschnittlich jährlich um ca. 63.000 = 4 überschießende Geburten auf 1 km². Die Zahl der überseeischen Auswanderer betrug 1905: 1637, der Anteil Sachsens an der deutschen Auswanderung 5,83 %.

1910 = 4.802.485 Einwohner:

  • 2.322.185 männlich
  • 2.480.300 weiblich

Klima:

Sachsens Klima ist infolge seiner Lage am Nordabhang des Erzgebirges rauer, als die geografische Breite es bedingt, am mildesten in den Tälern der Elbe, Mulde und Pleiße, am rauesten auf dem Kamm des Erzgebirges, namentlich in dem „sächsischen Sibirien“ um Morgenröthe, Karlsfeld, Johanngeorgenstadt und Oberwiesenthal. Die mittlere Jahrestemperatur, wie sie auf den unter dem meteorologischen Institut zu Chemnitz stehenden 156 Stationen ermittelt ist, beträgt 7,2° C., in Leipzig bei 119 m Meereshöhe 8,5°, in Dresden (128 m) 8,8°, in Elster (501 m) 6,2°, in Oberwiesenthal (927 m) 4,6°.

Gewässer:

wichtigster Fluss ist die Elbe, mit ihren Zuflüssen.

Bewohner:

Die Bewohner des heutigen Sachsens stammen nicht vom niederdeutschen Stamm der Sachsen ab, sondern sind hauptsächlich Nachfahren eingewanderter Thüringer (im sächsischen Vogtland überwiegend Franken) und germanisierter Slawen (Sorben, Milzener, Lusizer und Daleminzer). Thüringische Siedler haben einst die Slawen-Gebiete östlich von Saale und Elbe kolonialisiert und ihren Dialekt auch hierher getragen, so dass die dort gesprochene obersächsische und schlesische Mundart als Form der thüringischen erscheint. Als „Thüringer Mark“ (Kolonie) und später als „Wettinische Lande“ begann das Werden Sachsens. Nur der Name „Sachsen“ (nicht die Bevölkerung) wanderte vom ursprünglichen nord-westdeutschem Raum über Markgrafen und Herzogstitel langsam in die Mark Meißen (und auch nach Thüringen). Die Kreiseinteilung des Reiches von 1512 durch Kaiser Maximilian I. gab dem Land den Namen „Obersächsischerer Kreis“. Die Bewohner ignorierten aber beharrlich das „Ober“ und so übertrug sich der Name Sachsen auf diese Region (nur ihren Dialekt nennt man heute noch „obersächsisch“), während die echten Sachsen Norddeutschlands sich seither nur noch „Niedersachsen“ nennen. Ca. 30 000 Wenden (Sorben – Nichtgermanisierte Slawen) leben im Bereich Bautzen.

Bevölkerungsdichte:

300/km²

Gerichtsbezirke:

Zum Bezirk des Königlichen Oberlandesgerichts in Dresden gehören 7 Landgerichte und 111 Amtsgerichte:

  • Oberlandesgericht Dresden
  • Landgericht Bautzen mit den Amtsgerichten Bautzen, Bernstadt (Sa.), Bischofswerda, Ebersbach (Sa.), Großschönau, Herrnhut, Kamenz (Sa.), Königsbrück, Löbau (Sa.), Neusalza, Neustadt (Sa.), Ostritz, Pulsnitz, Reichenau, Schirgiswalde, Sebnitz, Stolpen und Zittau.
  • Landgericht Chemnitz mit den Amtsgerichten Annaberg, Augustusburg, Burgstädt, Chemnitz, Ehrenfriedersdorf, Frankenberg, Jöhstadt, Limbach, Mittweida, Oberwiesenthal, Penig, Rochlitz, Scheibenberg, Stollberg, Waldheim, Wolkenstein, Zschopau und Zwönitz.
  • Landgericht Dresden mit den Amtsgerichten Altenberg, Döhlen, Dresden, Großenhain, Königstein, Kötzschenbroda, Lauenstein, Lommatzsch, Meißen, Pirna, Radeberg, Radeburg, Riesa, Schandau und Wilsdruff.
  • Landgericht Freiberg mit den Amtsgerichten Brand, Dippoldiswalde, Döbeln, Frauenstein, Freiberg, Hainichen, Lengefeld (Erzgeb.), Marienberg (Sa.), Nossen, Oederan, Olbernhau, Roßwein, Sayda, Tharandt und Zöblitz.
  • Landgericht Leipzig mit den Amtsgerichten Borna, Colditz, Frohburg, Geithain, Grimma, Lausigk, Leipzig, Leisnig, Markranstädt, Mügeln, Oschatz, Pegau, Rötha, Taucha, Wurzen und Zwenkau.
  • Landgericht Plauen mit den Amtsgerichten Adorf, Auerbach, Elsterberg, Falkenstein, Klingenthal, Lengenfeld (Vogtl.), Markneukirchen, Oelsnitz (Vogtl.), Pausa, Plauen, Reichenbach (Vogtl.), und Treuen.
  • Landgericht Zwickau mit den Amtsgerichten Aue, Crimmitschau, Eibenstock, Glauchau, Hartenstein, Hohenstein-Ernstthal, Johanngeorgenstadt, Kirchberg (Sa.), Lichtenstein, Lößnitz, Meerane, Schneeberg, Schwarzenberg, Waldenburg (Sa.), Werdau, Wildenfels und Zwickau.

Leipzig ist der Sitz des Reichsgerichtes, des höchsten Gerichtshofes des Deutschen Reichs.

Religion:

Über die evangelische Kirche üben, solange der König sich zur katholischen Kirche bekennt, die landesherrliche Kirchengewalt die in evangelikal beauftragten Staatsminister. Höchste Kirchenbehörde ist das durch das Kirchengesetz vom 15. April 1873 errichtete evangelische Landeskonsistorium zu Dresden; die Konsistorialbehörde für die Oberlausitz bildet die Kreishauptmannschaft zu Bautzen, für die Schönburgschen Herrschaften das Gesamtkonsistorium zu Glauchau. Gemäß der Kirchenordnung von 1868 steht die Vertretung der lutherischen Kirche einer aus 35 Laien und 29 Geistlichen zusammengesetzten Synode zu. Für die reformierte Kirche, welche zwei Parochien hat, bestehen die reformierten Konsistorien zu Dresden und Leipzig. Die römisch-katholische Kirche hat in den drei Bezirken Dresden, Leipzig und Zwickau (Erblanden) als oberste Behörde das apostolische Vikariat zu Dresden, dem das katholische Konsistorium zu Dresden untergeordnet ist. In der Lausitz ist nach dem Traditionsrezeß vom 30. Mai 1635 das Domstift St. Petri zu Bautzen nebst dem domstiftlichen Konsistorium die geistliche Behörde. Nur in der Lausitz bestehen noch zwei Nonnenklöster (zu Marienstern und Marienthal); neue Klöster dürfen nicht errichtet, auch darf kein religiöser Orden aufgenommen werden. Für die deutsch-katholischen Glaubensgenossen, deren Rechtsverhältnisse durch Gesetz vom 2. November 1848 festgestellt sind, besteht nach Gesetz vom 21. Februar 1849 als Mittelbehörde der Kirchenvorstand zu Dresden. Die griechische Kirche hat eine Parochie (Leipzig) mit Kapelle und einem Geistlichen. Der israelitische Kultus hat 2 Synagogen (Dresden und Leipzig) und 2 Rabbiner.

Militär:

Zum Reichsheer stellt Sachsen das 12. und 19. Armeekorps (Sitze der Korpskommandos Dresden und Leipzig); die aktive Armee besteht aus 15 Linieninfanterieregimentern, einem Schützenregiment, 2 Jägerbataillonen, 6 Kavallerie- und 8 Feldartillerieregimentern, einem Fußartillerieregiment, 2 Pionier- und 2 Trainbataillonen. Außerdem 2 Maschinengewehrabteilungen, 1 kombiniertes Jägerdetachement zu Pferde, schlussendlich (in Berlin) 2 Kompanien des königlich preußischen Eisenbahnregiments Nr. 2,1 Detachement für die Betriebsabteilung der königlich preußischen Eisenbahnbrigade, 1 Kompanie des königlich preußischen Telegraphenbataillons Nr. 1. Die Friedensstärke beläuft sich 1906 auf 1771 Offiziere, 217 Ärzte (einschließlich Veterinäre) und 42.487 Mann. Die Korpskommandanten ernennt der Kaiser, die übrigen Generale der König.

Wirtschaft:

Das Königreich Sachsen ist eins der Hauptindustrieländer der Erde, hat einen bedeutenden Bergbau und zugleich eine hoch entwickelte Landwirtschaft. Eine zeitgenössische Weisheit besagt: „Was in Chemnitz erarbeitet wird, wird in Leipzig gehandelt und in Dresden verprasst.“

Landwirtschaft am fruchtbarsten ist das Viereck Dresden-Meißen-Leipzig-Altenburg. Nordwestlich von Meißen befindet sich die berühmte 550 km² große „Lommatzscher Pflege“. Weinbau im Dresdner Talkessel.
Bergbau Kohle (Chemnitzer – Zwickauer und Dresdner Lager und ) und Eisen. Seit 1710 kommen sämtliche silber-, blei- und kupferhaltige Erze des Inlandes, außerdem eine bedeutende Anzahl ausländischer auf den fiskalischen Hüttenwerken bei Freiberg zur Verarbeitung; nur für Zinn besteht im Altenberger Revier eine besondere Schmelzhütte.
Industrie – über die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt. Textilerzeugnisse, Maschinen, Bücher, Luxusgegenstände.
Handel ist hervorragend. Leipzig als Handelsplatz. Ferner sind Chemnitz, Dresden, Plauen, Zwickau Hauptsitze des Handels. Hoch entwickelt ist die Elbschifffahrt, der Durchgangsverkehr bei Schandau betrug 1907: Elbaufwärts 8175 Schiffe mit 633 644 Tonnen Gütern und Elbabwärts 8875 Schiffe mit 2 800 946 Tonnen Gütern.

Postwesen und Briefmarken:

Das Königreich Sachsen besaß bis 31. Dezember 1867 eine eigene Posthoheit. Zum Dienstbereich gehörte auch das Herzogtum Sachsen-Altenburg. Am 1. Januar 1868 übernahm diese der Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk). Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.
bis 31. Dezember 1874 1 Taler = 30 Neugroschen = 300 Pfennig
ab 1. Januar 1875 1 Mark = 100 Pfennig

Regenten:

Der König kann ohne Zustimmung der Stände weder zugleich Oberhaupt eines andern Staats (Erbanfälle ausgenommen) werden, noch seinen wesentlichen Aufenthalt außer Landes nehmen. Die Krone ist erblich im Mannesstamm des königlich sächsischen Fürstenhauses (Albertinische Linie) nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnatischen Linealerbfolge; beim Erlöschen desselben succediert die Ernestinische Linie des Hauses Sachsen In Ermangelung eines successionsfähigen Prinzen geht die Krone auf die weibliche Linie über. Der König wird mit zurückgelegtem 18. Lebensjahr volljährig. Er bezieht eine Zivilliste von 2 940 000 Mark., wozu noch 392 036 Mark Apanagen des königlichen Hauses kommen. Das königliche Haus bekennt sich zur römisch-katholischen Kirche. Das königliche Hausgesetz datiert vom 30. Dezember 1837.

Sächsische Könige 1806 – 1918

regierendes Fürstenhaus: Wettin, Ahnherr Thiadmer († um 920) – Albertinische Linie, Stammvater Herzog Albrecht III. (1443 – 1500)

Organisation der Verwaltungsbehörden:

Die oberste Verwaltung des Landes gliedert sich (1910) in die 6 Ministerien:

  • Justizministerium
  • Finanzenministerium
  • Kriegsministerium
  • Kultusministerium
  • Ministeriums des öffentlichen Unterrichts
  • Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten
  • Die oberste Staatsbehörde ist das Gesamtministerium. Diesem unmittelbar untergeordnet sind das Oberverwaltungsgericht, die Oberrechnungskammer und das Hauptstaatsarchiv.

Administrative Gliederung:

Das Königreich Sachsen gliedert sich in 5 Kreishauptmannschaften, hat 3177 Gemeinden, darunter 9 Mittelstädte (20.000 – 100.000 Einwohner) und 4 Großstädte über 100.000 Einwohner (Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen). Das Land hat im Jahr 1885 143 Städte und 3118 Landgemeinden (920 Rittergüter).

(Petzolds „Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“ 1911)

  1. Kreishauptmannschaft Dresden mit einer Fläche von 4 337 km² und 1 216 489 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in: die Stadt Dresden und die Amtshauptmannschaften Dippoldiswalde, Dresden-Altstadt, Dresden-Neustadt, Freiberg, Großenhain, Meißen und Pirna
  2. Kreishauptmannschaft Leipzig mit einer Fläche von 3 567 km² und 1 060 632 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in: die Stadt Leipzig und die Amtshauptmannschaften Borna, Döbeln, Grimma, Leipzig, Oschatz und Rochlitz
  3. Kreishauptmannschaft Chemnitz mit einer Fläche von 2 071 km² und 792 393 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in: die Stadt Chemnitz und die Amtshauptmannschaften Annaberg, Chemnitz, Flöha, Glauchau, Marienberg und Stollberg (Die Kreishauptmannschaft Chemnitz wurde im Jahr 1900 aus Gebieten der Amtshauptmannschaft Zwickau neu gebildet)
  4. Kreishauptmannschaft Zwickau mit einer Fläche von 2 548 km² und 727 529 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in: die Stadt Zwickau, die Stadt Plauen und die Amtshauptmannschaften Auerbach, Oelsnitz, Plauen, Schwarzenberg und Zwickau
  5. Kreishauptmannschaft Bautzen mit einer Fläche von 2 470 km² und 405 173 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in: die Amtshauptmannschaften Bautzen, Kamenz, Löbau und Zittau

 

Der Freistaat Sachsen aktuell:

Der heutige Freistaat Sachsen mit der Landeshauptstadt Dresden besteht aus

  • dem ehemaligen Königreich Sachsen, ohne dem Gebiet östlich der Neise (an Polen), Reichenau
  • aus einem kleinen Teil der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen (die Kreise Delitzsch, Torgau)
  • aus einem kleinen Teil der ehemaligen preußischen Provinz Schlesien (der Kreis Hoyerswerda und die
  • westlich der Neiße gelegenen Gebiete der Kreise Rothenburg und Görlitz)
  • der thüringischen Exklave Russdorf (westlich von Chemnitz) des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Altenburg (1928 per Staatsvertrag an Sachsen)

Geschichte:

Das heutige Sachsen hat nichts mit dem germanischen Stamm der Sachsen (Niederdeutsche) zu tun. Am Anfang der Zeitenrechnung war das Land zwischen Harz, Thüringer Wald und Erzgebirge von germanischen Hermunduren bewohnt, die vermutlich durch Vermischung mit anderen germanischen Stämmen sowie keltischen Bevölkerungsresten in den Stamm der Thüringer übergingen und mit ihren Siedlungsgebieten bis an die Elbe nachweisbar sind. Das Reich der Thüringer (von der Altmark bis zum Main) zählte zu den mächtigsten germanischen Reichen außerhalb des römischen Imperiums, bis es 531 vom Frankenkönig Theoderich bei Burgscheidungen besiegt wurde. Die thüringische Bevölkerung lebte unter den neuen Machthabern weiter und wurden nur langsam in das fränkische Reich eingebunden. Jedoch gelang es den neuen Herrschern nicht, das ausgeprägte thüringische Eigenbewusstsein mit dem Fortleben eigenständiger thüringischer Rechtsgewohnheiten zu überwinden. Im Osten des ehemaligen Thüringerreiches drangen nun Slawen (Sorben, Milzener, Lusizer und Daleminzer) über die Elbe bis an die Saale vor. Um diesen Abschnitt der Ostgrenze des Frankenreiches besser zu schützen, bedienten sich die fränkischen Könige thüringischer Herzöge. So kam es zu einer erneuten Besiedlung des Landes mit Thüringern und nun auch Franken, die die eingewanderten Slawen zurückdrängten, germanisierten bzw. sich mit ihnen vermischten. Insbesondere thüringische Siedler prägten die Sprache des Landes (im Vogtland mehr durch Franken) und noch heute wird Thüringen und Sachsen gemeinsam als thüringisch-obersächsischer Sprachraum gesehen. Lediglich in der Gegend um Bautzen hat sich bis heute eine slawisch sprechende Minderheit (Sorben) erhalten. Um das Jahr 1000 wurde das heute Sachsen als Thüringer Mark, später als Mark Meißen bekannt. Die Markgrafen von Meißen trieben die planmäßige Erschließung und Besiedlung des Landes weiter voran. Durch Übertragung der sächsischen Kurwürde von Sachsen-Wittenberg auf den Wettiner Friedrich den Streitbaren von Meißen, nach Erlöschen des askanischen Herrscherhauses 1423, ging der Name Sachsen (ursprünglich aus dem heutigen Niedersachsen) allmählich auf alle Besitzungen des Hauses Wettin, die Markgrafschaft Meißen und Thüringen über. Durch die Belehnung des Markgrafen Friedrich des Streitbaren mit dem Kurfürstentum Sachsen 1423, das zwar nicht sehr groß, aber wegen der mit der Kurwürde verbundenen Vorrechte von Wichtigkeit war, gelangte das Haus Wettin zu größerer Bedeutung im Reich. Nicht bloß jene Vorrechte, sondern auch der Name Sachsen gingen seitdem allmählich auf die gesamten Wettinschen Lande über. Friedrich hatte die sächsische Kur zur Belohnung für seine Teilnahme am Kampf gegen die Hussiten erhalten. Nachdem Friedrich zusätzlich die Burggrafschaft Meißen erworben, hinterließ er seine Lande zu gemeinschaftlicher Regierung Friedrich II., dem Sanftmütigen, der Kurfürst wurde (1428-64), Wilhelm III., Heinrich und Siegmund. Doch 1435 starb Heinrich, Siegmund trat 1437 in den geistlichen Stand, und 1440 fiel durch Friedrichs des Friedfertigen kinderlosen Tod Thüringen an die osterländische Linie zurück. Friedrich der Sanftmütige und Wilhelm teilten nun 1445 in Altenburg so, dass Friedrich Meißen, Wilhelm Thüringen erhielt, das Osterland geteilt wurde, die Bergwerke gemeinschaftlich blieben. Doch hatte diese Teilung, bei der sich der von eigennützigen Ratgebern aufgereizte Herzog Wilhelm benachteiligt glaubte, den verheerenden sächsischen Bruderkrieg zur Folge, der erst 1451 zu Pforta beigelegt wurde; ein Nachspiel der als Sächsische Prinzenraub in die Geschichte einging. Friedrichs des Sanftmütigen Söhne, Kurfürst Ernst (1464-86) und Herzog Albrecht der Beherzte, folgten 1464 ihrem Vater gemeinschaftlich, erbten 1482 auch Wilhelms III. Lande und verstanden es, die Macht ihres Hauses nach allen Seiten hin auszubreiten. Zwei von Ernsts Söhnen erlangten die erzbischöfliche Würde, Albrecht zu Mainz, Ernst zu Magdeburg; Albrecht, dessen Sohn Friedrich 1498 Hochmeister des Deutschen Ordens wurde erwarb im Dienste des Hauses Habsburg Ehren und Vorteile, so 1483 die Eventualbelehnung mit Jülich und Berg und später die Erbstatthalterschaft von Friesland. Im Innern nahm der Bergbau auf Silber einen großen Aufschwung, vermehrte den Wohlstand und die Einwohnerzahl des Gebirges und förderte Handel und Verkehr. Durch kaiserliche Privilegien wurden die Leipziger Märkte zu Messen erhoben. Während die Städte ihre Verfassung ausbildeten und vom Landesherrn die eigne Gerichtsbarkeit erkauften, wurde auch die Territorialgesetzgebung entwickelt und in Thüringen 1446, in Meißen 1482 eine Landesordnung erlassen; das kurfürstliche Hofgericht erhielt 1483 seinen bleibenden Sitz in Leipzig. Eine landständische Verfassung bildete sich, seitdem 1438 zuerst zu Leipzig eine Versammlung von Prälaten, Grafen, Rittern und Städten zusammentrat; diese bald regelmäßig berufenen Landtage bewilligten neue Abgaben, Steuern und Anleihen, übertrugen die Verwaltung der neuen Steuern einem ständischen Ausschuss und beanspruchten, auch von den Landesherren bei wichtigen Angelegenheiten zu Rate gezogen zu werden. Misshelligkeiten zwischen den beiden Brüdern Ernst und Albrecht führten zur Länderteilung zu Leipzig (26. August 1485), bei welcher der ältere Bruder teilte, der jüngere wählte. Ernst erhielt außer den Kurlanden Thüringen mit den fränkischen und vogtländischen Besitzungen und den einen Teil des Oster- und Pleißnerlandes, Albrecht den andern Teil desselben und Meißen. Die Teilung, welche am 24. Februar 1486 von Kaiser Friedrich III. bestätigt und 25. Juni durch den Naumburger Schied berichtigt wurde, trennte das Haus Wettin für immer in zwei Linien, die Ernestinische und die Albertinische. Das königlich sächsischen Fürstenhauses entstammt der Albertinischen Linie. Das Albertinische Sachsen bildete ein geschlossenes Territorium, das in Kreise eingeteilt war: den Kurkreis, Thüringen, Meißen, wovon 1691 der erzgebirgische Kreis abgetrennt wurde, das Osterland und das Vogtland, wozu 1588 noch der Neustädter Kreis kam. Mit der Auflösung des alten Deutschen Reiches (Heiliges Römisches Reich) am 6. August 1806 wurde das Amt der Kurfürsten gegenstandslos. Als Kurfürst Friedrich August III. 1806 das Königreich Preußen mit 22.000 Soldaten unterstützte, die bei Jena geschlagen wurden, musste er im Frieden zu Posen (11. Dezember 1806) 25 Millionen Franken Kriegsentschädigung an Frankreich bezahlen. Als er 1806 dem Rheinbund beitrat, erhielt er von Napoleon I. die Königswürde (als König Friedrich August I.). Im Frieden von Tilsit 1807 erhielt der König das Großherzogtum Warschau und von Preußen den Kreis Cottbus, 1809 von Österreich Westgalizien und Krakau. Nach der Schlacht bei Leipzig 1813 wurde er Gefangener der Verbündeten. Das Land verwaltete ein russischer, dann ein preußischer Gouverneur und die Vereinigung mit Preußen stand bevor; doch erhielt auf dem Wiener Kongress 1815 Preußen nur die nördliche Hälfte mit 20 235 km², das entsprach einem 60% Gebietsverlust. 864 404 Einwohner = 40 % Bevölkerung gingen so dem Königreich Sachsen verloren. Aus der verlorenen nördlichen Hälfte wurde, gemeinsam mit anderen preußischen Territorien die preußische Provinz Sachsen gebildet. Von 1815 bis 1866 gehörte das Königreich Sachsen dem Deutschen Bund an. 1854 starb König Friedrich August II. Ihm folgte König Johann, der sich mit seiner bayerischen Frau stark Österreich verbunden fühlte. Am 14. Juni 1866 stimmte das Königreich Sachsen im Frankfurter Bundestag gegen Preußen und lehnte die angebotene Neutralität ab. Während des Deutschen Krieges rückten sächsische Armeekorps in Böhmen ein und kämpfte tapfer an der Seite Österreichs bei Gitschin und Königgrätz, während die Preußen das Königreich Sachsen besetzten. Im Frieden zu Berlin (21. Oktober 1866) trat Sachsen unter teilweisem Verzicht auf Militärhoheit, diplomatische Vertretung, Post- und Telegrafenwesen sowie unter Zahlung von 10 Millionen Talern dem Norddeutschen Bund bei. Die sächsischen Truppen (seit 1867 als 12. deutsches Armeekorps, das 19. wurde 1899 eingerichtet) nahmen unter Kronprinz Albert rühmlich am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Als König Johann 1873 starb, wurde Albert König und regierte bis 1902. Ihm folgte König Georg, der nur 2 Jahre regierte. Sein Nachfolger, König Friedrich August III., war der letzte König von Sachsen, der am 13. November 1918 infolge der Revolution im Deutschen Reich auf sein Amt verzichtete.