Dreikaisereck

Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz O.S.
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz O.S.

Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz in Oberschlesien, das Dreikaisereck, Ländereck Deutschland, Österreich und Russland 1871 – 1918.

Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz

Dreikaisereck

Das Dreiländereck in Schlesien existierte seit 1846, aber erst mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 stellte es eine Besonderheit dar, denn hier grenzten drei Kaiserreiche, das Russische Zarenreich (Zar von Cäsar = Kaiser), das Kaisertum Österreich und das Deutsche Kaiserreich aneinander und bildeten das Dreikaisereck bzw. die Dreikaiserreichsecke.

Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz

Die Grenze bildete der Zusammenfluss der schiffbaren Schwarzen und Weißen Przemsa bei Slupna nahe der deutschen Stadt Myslowitz in Oberschlesien. Deutschland und Österreich waren dort durch eine Eisenbahn- und eine Fußgängerbrücke miteinander verbunden. Zu Russland gab es in Myslowitz eine Grenzbrücke mit russischem Zollamt.

Dreikaiserreichsecke. Russische Grenzwache bei Modrshejow. Abgefasster Schmuggler an der Grenze.
Dreikaiserreichsecke. Russische Grenzwache bei Modrshejow. Abgefasster Schmuggler an der Grenze.
Dreikaiserreichsecke. Flaggen der 3 Reiche, Bildnisse Kaiser Franz Joseph I., Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II.
Dreikaiserreichsecke. Flaggen der 3 Reiche, Bildnisse Kaiser Franz Joseph I., Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II.

Der Grenzschmuggel blühte und die Grenzbeamten und Zöllner hatten alle Hände voll zu tun. Vom Bahnhof in Myslowitz sind es bis zum Dreikaisereck rund ein Kilometer und so erwickelte sich die Gegend langsam auch zu einer touristischen Attraktion mit Ausflugslokalen und Hotels.

Die Dreikaiser-Ecke bei Myslowitz
Die Dreikaiser-Ecke bei Myslowitz

Dreikaisereck Attraktionen

Der „Führer durch Myslowitz und zur Dreikaiser-Ecke“ aus dem Jahre 1900 (siehe Karte oben) empfiehlt daher:

In Myslowitz:
1. „Mühles Hotel“ mit Garten unmittelbar am Bahnhof,
2. „Grunewald’s Hotel“ mit Garten in der Plesserstraße,
3. „Hotel International“ an der Russischen Brücke,

in Slupna:
4.“ Zum Fürstenschloss“ mit Garten und Kolonnaden mit herrlicher Aussicht nach Russland,
5. „Wolff’s Restaurant“ mit Garten. Vom Kapellenberg, südlich der Bahn, herrliche Fernsicht bis zu den Vorgebirgen der Beskiden und der Hohen Tatra

und in Österreich:
„Besters Weinhaus“ liefert zu billigem Preise eine gute Probe süßen Ungarweins.

Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz

Dreikaisereck nach 1918

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) bestimmte der Versailler Vertrag 1919 eine Volksabstimmung in Oberschlesien. In dieser  im Jahr 1921 durchgeführten Abstimmung votierten 5827 Stimmberechtigte in Myslowitz (56,3%) für einen Verbleib bei Deutschland. Entgegen dieses Ergebnisses wurde die Stadt 1922 Polen zugesprochen. Das Gebiet des ehemaligen Dreikaiserecks liegt heute vollständig auf polnischem Staatsgebiet.

Bismarckturm bei Myslowitz

Im Jahr 1907 wurde auf einer 35 Meter hohe Anhöhe am Dreikaisereck bei Slupna am Ufer des Grenzflusses Przemsa ein 22 Meter hoher Bismarckturm errichtet. Nachdem das Gebiet 1922 zu Polen kam fiel der Turm dem Vandalismus zum Opfer. Von 1933 bis 1938 wurden die Steine des Turms zum Bau einer Kathedrale in Kattowitz verwendet. Heute ist nur noch das Fundament des Turms sichtbar.

Bismarckturm an der Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz
Bismarckturm an der Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz

Neben der Dreikaiserreichsecke existierte im Deutsche Reich (Kaiserreich) als Besonderheit an der Staatsgrenze das Vierländereck bei Aachen zwischen dem Deutschen Reich, Niederlande, Belgien und Neutral-Moresnet bis 1919.

Vierländereck mit Vierländerblick
Vierländereck mit Vierländerblick

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Kleine Deutsche Staatskunde“, E. Stutzer – Dresden und Berlin, 1910
  • „Meyers Lexikon“ in 12 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig 1924
  • „Meyers Lexikon“ Siebente Auflage Bibliographisches Institut Leipzig 1926
  • „Geschichte des Deutschen Reiches 1871 – 1924“ von Johannes Hohlfeld, Verlag von G. Hirzel in Leipzig 1924

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