Provinz Ostpreußen

Provinzhauptstadt Königsberg i. P.

Königsberg i. Pr., Grüne Brücke
Königsberg i. Pr., Grüne Brücke

Provinz Ostpreußen

 

In Ostpreußen liegen Deutschlands östlichste Stadt, Schirwindt und Deutschlands nördlichste Stadt, Memel.

Verwaltungshauptstadt:

Königsberg in Preußen 220 212 Einwohner – 1905 = 18. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs. Königsberg ist die dritte Residenz der preußischen Monarchie.

Reichstag:

17 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

32 Mitglieder

Größe:

36 986,33 km²

Gerichtsbezirke:

Die Provinz Ostpreußen erstreckt sich auf den Bezirk des Königlichen Oberlandesgerichts in Königsberg. Zu diesem gehören 8 Landgerichte mit 71 Amtsgerichten:

  • Landgericht Allenstein mit den Amtsgerichten: Allenstein, Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, Ortelsburg, Osterode (Ostpr.), Paffenheim, Soldau, Wartenburg und Willenberg.
  • Landgericht Bartenstein mit den Amtsgerichten: Barten, Bartenstein, Bischofsburg, Bischofstein, Creuzburg (Ostpr.), Domnau, Friedland (Ostpr.), Gerdauen, Guttstadt, Heilsberg, Landsberg (Ostpr.), Nordenburg, Preuß.-Eylau, Rastenburg, Rössel, Schippenbeil und Seeburg.
  • Landgericht Braunsberg mit den Amtsgerichten: Braunsberg, Heiligenbeil, Liebstadt, Mehlsack, Mohrungen, Mühlhausen (Kr. Pr.-Holland), Preuß.-Holland, Saalfeld (Ostpr.), Wormditt und Zinten.
  • Landgericht Insterburg mit den Amtsgerichten: Darkehmen, Goldap, Gumbinnen, Insterburg, Pillkallen und Stallupönen.
  • Landgericht Königsberg mit den Amtsgerichten: Allenburg, Fischhausen, Königsberg (Prß.), Labiau, Mehlauken, Pillau, Tapiau und Wehlau.
  • Landgericht Lyck mit den Amtsgerichten: Angerburg, Arys, Bialla, Johannisburg, Lötzen, Lyck, Marggrabowa, Nikolaiken, Rhein und Sensburg.
  • Landgericht Memel mit den Amtsgerichten: Heydekrug, Memel, Prökuls und Ruß.Landgericht Tilsit mit den Amtsgerichten: Heinrichswalde, Kaukehmen, Ragnit, Skaisgirren, Tilsit und Wischwill.

Einwohner:

Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 2.064.175 Einwohner:

  • 1.003.340 männlich
  • 1.060.835 weiblich

Bevölkerungsentwicklung:

  • 1816:  886.174
  • 1864: 1.761.477
  • 1871: 1.822.934
  • 1875: 1.856.421
  • 1880: 1.933.936
  • 1890: 1.958.663
  • 1900: 1.996.626
  • 1905: 2.030.176
  • 1910: 2.064.175

Natürliche Gebiete:

Preußische Seenplatte, das Vorland mit der Halbinsel Samland.

Gewässer:

Flüsse Memel und Pregel, viele meist hoch gelegene Seen (Spirdingsee = 118 km², Mauersee = 104 km²), Kanäle; Oberländischer Kanal, Masurischer Kanal, Königsberger See-Kanal.

Klima:

Kurze heiße Sommer und lange kalte Winter (nahe dem russischen Binnenklima) – kältester Landesteil Deutschlands.

Bewohner:

Ostpreußen nimmt eine Sonderstellung ein, wo zur Zeit der Ordensherrschaft niederdeutsche und oberdeutsche Elemente mit den zum litauischen Stamm der alten Preußen verschmolzen sind.
75% deutsche Bevölkerung, in der Hauptsache Niederdeutsche (Sachsen) zwischen der Linie Elbing-Heilsberg und dem Masurenland ein bedeutendes Gebiet oberdeutscher Zunge (Nachfahren eingewanderter Thüringer, Franken, Schwaben, Bayern). 25 % Nichtdeutsche, vorrangig Polen, Masuren und Litauer.

  • 1.638.653 Personen mit deutscher Muttersprache
  •   155.481 Personen mit polnischer Muttersprache (meist evangelisch)
  •   130.876 Personen mit masurischer Muttersprache (Masuren waren Protestanten und fühlten sich preußisch.)
  •   109.583 Personen mit litauischer Muttersprache (evangelisch)

Bevölkerungsdichte:

54,1/km², ist mit der Provinz Pommern die geringste im preußischen Staate.

Religion:

Die Katholiken bilden die Mehrzahl der Bewohner in den vier Kreisen des Ermelandes, außerdem sind sie zahlreich in einigen Kreisen des neuen Regierungsbezirkes Allenstein. Mennoniten leben in der Tilsiter Niederung.
1905

  1. 1 698.465 Evangelisch
  2.   229.196 Römisch-katholisch
  3.     13.877 Juden

Militär: 1881

Ostpreußen ist Ersatz- und Garnisonsbezirk eines Teils des I. Armeekorps (1. und 2. Brigade) und eines Teils des II. Armeekorps (Teil der 8. Brigade). Festungen befinden sich in Königsberg mit Pillau und Memel.

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft – Am fruchtbarsten sind die Gebiete südlich der Pregel, unfruchtbar die Nehrungen und der nördliche Zipfel der Provinz um Tilsit, zahlreiche Moore, Wälder. Die Pferdezucht steht in Preußen an erster Stelle und liefert einen großen Teil des Armeebedarfes.
  • Bergbau – Bernsteingewinnung.
  • Industrie ist gering, in Königsberg und Tilsit befinden sich Werften und Maschinenfabriken
  • .Handel – Großhandel in Königsberg, Memel, Tilsit und Insterburg.
  • Hauptzollämter (1881) – Eydtkuhnen, Johannisburg, Memel, Neidenburg, Pillau, Prostken, Tilsit, Braunsberg, Friedland, Gumbinnen, Königsberg und Osterode.Nebenzollämter (1881) – Schirwindt, Dlottowen, Bajohren, Laugallen, Nimmersatt, Kolletzischken, Napierken, Opaleniec, Mierunsken, Schmaleningken und  Laugszargen.

Administrative Gliederung:

  1. Die oberste Verwaltung der Provinz Ostpreußen wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Königsberg ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz Ostpreußen ist seit dem 01.11. 1905 in drei Regierungsbezirke (vorher gab es nur die zwei Regierungsbezirke Königsberg und Gumbinnen) eingeteilt:
    Regierungsbezirk Allenstein (der Süden Ostpreußens) ist in 9 Kreise untergegliedert:Allenstein, Johannisburg, Lötzen, Lyck, Neidenburg, Ortelsburg, Osterode, Rößel und Sensburg
  2. Regierungsbezirk Königsberg  (der Nordwesten Ostpreußens) ist in 15 Kreise untergegliedert:Stadtkreis Königsberg, Braunsberg, Fischhausen, Friedland, Gerdauen, Heiligenbeil, Heilsberg, Landkreis Königsberg, Labiau, Memel, Mohrungen, Preußisch Eylau, Preußisch Holland, Rastenburg und Wehlau
  3. Regierungsbezirk Gumbinnen  (der Nordosten Ostpreußens)  ist in 14 Kreise untergegliedert:
    Stadtkreis Insterburg, Stadtkreis Tilsit, Angerburg, Darkehmen, Goldap, Gumbinnen, Heydekrug, Landkreis Insterburg, Niederung, Oletzko, Pillkallen, Ragnit, Stallupönen und dem Landkreis Tilsit

Geschichte:

Während der Völkerwanderung wurde das Land zwischen Pommern und Kurland nach der Auswanderung der Germanen durch Litauer besetzt, zu denen die Pruzzen (Preußen) gehörten, die nach Kämpfen mit Polen und Schwertrittern 1283 durch den Deutschen Ritterorden unterworfen wurden. Dieser musste 1466 im Frieden zu Thorn das Land westlich der Weichsel an Polen abtreten. Der Hochmeister Markgraf Albrecht von Brandenburg verwandelte 1525 das Land in ein Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit. Mitbelehnt für den Fall des Aussterbens dieser Linie wurden 1569 Kurfürst Joachim II. und dessen Deszendenz; nach dem Tode Albrecht Friedrichs 1618 wurde das Herzogtum Preußen mit Brandenburg in Personalunion vereinigt. Als einziger souveräner Besitz der brandenburgischen Hohenzollern wurde Preußen zum Königreich erhoben, indem Kurfürst Friedrich III. sich am 18. Januar 1701 in Königsberg selbst zum König in Preußen krönte. 1709–11 raffte eine von Polen her eingeschleppte Pest 236.000 Menschen, ein Drittel der Bevölkerung, hinweg; in Litauen lagen weite Strecken wüst. Diesen Schaden machte Friedrich Wilhelms I. Fürsorge wieder gut, der durch Befreiung der Bauern, Beförderung der Einwanderung (20.000 Familien bis 1728, 1732: 17.000 Salzburger) und Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Höfe, wofür er viele Millionen verwendete, die Provinz wieder zur Blüte brachte; 12 Städte und 332 Dörfer wurden neu angelegt oder wieder aufgebaut. Unter Friedrich den Großen wurde Preußen nach der Schlacht von Großjägersdorf (30. August 1757) von den Russen besetzt und blieb 1758–62 in deren Besitz. 1772 wurde durch die erste polnische Teilung Westpreußen wiedergewonnen und mit dem Königreich Preußen, seitdem meist Ostpreußen genannt, wenigstens unter einem Zepter vereinigt. Administrativ blieben beide Preußen getrennt. Ostpreußen gliederte sich in das deutsche Kammerdepartement mit acht und das litauische mit drei Kreisen. Bei der Neuorganisation des Staates in Provinzen 1808 wurde aus Ost- und Westpreußen je eine Provinz gebildet. Die Erhebung des preußischen Volkes 1813 ging von Ostpreußen aus; die ostpreußischen Stände gingen mit der Organisation der Landwehr voran, die sich auf dem Schlachtfeld den größten Ruhm erwarb. Vom 3. Dezember 1829 bis 1. April 1878 waren Ost- und Westpreußen als eine Provinz vereinigt.  Die Provinz Ostpreußen wurde am 1. April 1878 per Gesetz vom 19. März 1877 von Westpreußen getrennt.

  • Anfang August 1914 waren die russische Narew-Armee und Njemen-Armee tief in Ostpreußen eingedrungen. 152.000 deutsche Soldaten standen einer Übermacht von 191.000 Russen gegenüber. Der deutsche Oberbefehlshaber, General von Prittwitz verlor nach der verlustreichen Schlacht bei Gumbinnen (20.08.1914) die Nerven und ordnete den Rückzug hinter die Weichsel an. Da dadurch ganz Ostpreußen verloren gewesen wäre, enthob Generalstabschef Helmuth von Moltke von Prittwitz seines Postens. Für von Moltke war nur Generalmajor Ludendorff in der Lage den Feind aufzuhalten. Ludendorff war jedoch ein großer Choleriker, außerdem hatte er einen niedrigeren Dienstgrad als andere Frontgeneräle und so stellte man ihm den ruhigen und besonnenen Hindenburg als nominellen Oberbefehlshaber zur Seite. Nach den bereits ausgearbeiteten Plänen des 1. Generalstabsoffizier, General Max Hoffmann, wurden die Russen in der Schlacht bei Tannenberg geschlagen, der russische Oberbefehlshaber, General Samsonow, schoss sich eine Kugel in den Kopf. Nach dem deutschen Sieg bei Tannenberg (Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914) wurde der offizielle Befehlshaber der 8. Armee General Paul von Hindenburg zum Volkshelden.
  • 1919 Der Versailler Vertrag bestimmte 1919 die Abtretung der Provinzen Posen und Westpreußen an Polen. Durch diesen „Polnischen Korridor“ wurde Ostpreußen von Deutschland abgeschnitten. Die Verbindung mit dem Reich erfolgte mit der Eisenbahn, wobei Polen nach Artikel 89  des Versailler Vertrages zur Gewährung von Transitfreiheit verpflichtet war. Die bei Deutschland verbliebene, ehemals westpreußische Stadt Elbing wird Ostpreußen angegliedert.
  • 1920 Am 10. Januar 1920 musste der südwestliche Teil des Kreises Neidenburg ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten werden, da Polen die vollständige Kontrolle über eine wichtige Eisenbahnlinie erhalten wollte.1920 Da Polen Anspruch auf Masuren erhob, bestimme der Versailler Vertrag eine Volksabstimmung. Diese musste in den Regierungsbezirken Allenstein sowie Gumbinnen (südlicher Teil) unter der Aufsicht einer interalliierten Kommission abgehalten werden. Am 11. Juli 1920 entschieden sich bei 80 % Wahlbeteiligung die Mehrheit der Bevölkerung (363.159 Stimmen (97,86 %)) für den Verbleib bei Deutschland. Nur 7924 Stimmberechtigte (2,14 %) votierten für Polen.
  • 1920 Der Versailler Vertrag bestimmte nach dem 1. Weltkrieg die Abtrennung großer Teile der Provinz Westpreußen ohne Volksabstimmung an Polen. Lediglich in einem kleinen östlichen Randgebiet Westpreußens kam es am 11. Juli 1920 zu einer Volksabstimmung. Bei dieser Befragung votierte die große Mehrheit für den Verbleib bei Deutschland und gegen den Anschluss an Polen. Daraufhin kam der Osten der Provinz Westpreußen als Regierungsbezirk Westpreußen mit Sitz in Marienwerder zur Provinz Ostpreußen. Somit gehörten ursprünglich westpreußischen Städte wie Elbing, Marienwerder, Marienburg u.a. von 1920 bis 1945 zu Ostpreußen.
  • 1920 Das Memelgebiet, welches durch den Versailler Vertrag ein Freistaat werden sollte, und seit 1920 von französischen Truppen besetzt war, wurde 1923 von litauischen Verbänden besetzt.1923 Am 16 Februar 1923 erfolgte mit Duldung der französischen Regierung ohne Plebiszit die  Annexion des Memelgebietes durch Litauen. Ostpreußen gehen so 2 708 km² verloren, von den 140 746 Einwohnern sind 71 156 Deutsche.1927 Am 18. September 1927 weihte Reichspräsident Paul von Hindenburg in Hohenstein (Ostpreußen) das Tanneberg-Denkmal ein. Das Denkmal erinnert an die Schlacht bei Tannenberg, in der die 8. deutsche Armee die nach Ostpreußen eingefallenen russischen Truppen vernichtend geschlagen hatte.
  • 1945 Der britische Historiker Antony Beevor beschreibt den Einmarsch der „Roten Armee“ in Ostpreußen (1944/45) als einen der grausamsten Feldzüge der Geschichte. Russische Soldaten, die auf Rache aus waren – zu den Opfern gehörten hunderttausende deutscher Zivilisten. Nemmersdorf in Ostpreußen wurde zum Symbol des russischen Vergeltungswillens – im Herbst 1944 waren 62 Frauen und Mädchen von russischen Soldaten vergewaltigt und getötet worden. „Das Schockierendste war, sicher auch aus russischer Sicht, dass die Rote Armee so außer Kontrolle geraten war, dass sogar russische und ukrainische Frauen, die als Zwangsarbeiterinnen in Deutschland waren, von den Soldaten der Roten Armee vergewaltigt wurden“, schreibt Beevor in seinem Buch „Berlin 1945 – Das Ende“.
    In der Nacht des 30. Januar 1945 wurde das mit zehntausend Flüchtlingen beladene ehemalige KdF-Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“ vor der pommerschen Küste von einem sowjetischen U-Boot versenkt. Bei Außentemperaturen von minus 18 Grad und einer Wassertemperatur von zwei Grad starben innerhalb weniger Minuten über 9350 Menschen, darunter ca. 4000 Kinder und Säuglinge. Beim Untergang der „Titanic“ waren 1912 etwa 1500 Menschen umgekommen.
    Die Deutschen fliehen vor der heranrückenden Roten Armee, werden ermordet, verschleppt, bzw. komplett vertrieben. Offiziell gelten 387.000 Deutsche als „Nachkriegsverluste“, also als (nach Mai 1945) ermordet, in Lagern verhungert, in der sowjetischen Verschleppung umgekommen oder vermisst (Statistisches Bundesamt 1958). Der nördliche Teil Ostpreußens fällt an die Sowjetunion, der südliche Teil an Polen.

 

Polnischer Teil: Ermland und Masuren = Warmia i Mazury:

  • Allenstein = Olsztyn
  • Elbing = Elblag
  • Mohrungen = Morag
  • Neidenburg = Nidzica
  • Ortelsburg = Szczytno
  • Tannenberg = Stebark
  • Landbezirk Masuren = Mazury

Russischer Teil: Kaliningrader Oblast = Kaliningradskaja Oblast:

  • Brandenburg (Ostpreußen) = Uschakowo
  • Eydtkuhnen = Tschernischewskoje
  • Heiligenbeil = Mamonowo
  • Insterburg = Tschernjachowsk
  • Königsberg = Kaliningrad
  • Palmnicken = Jantarnij
  • Rominten = Krasnolesje
  • Darkehmen = Osersk
  • Tilsit = Sowjetsk
  • Trakehnen = Jasnaja Poljana