Marokkokrise, Chameau va!

Marokkokrisen

Die Marokkokrisen von 1905 und 1911 und der Panthersprung nach Agadir in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Marokkokrise. Nach der Algeciras-Konferenz: Zar Nikolaus II., König Eduard VII. und französische Staatspräsident Armand Fallières tanzen vereint, während Kaiser Wilhelm II. allein dasteht, französische Spottkarte 1906
Marokkokrise. Nach der Algeciras-Konferenz: Zar Nikolaus II., König Eduard VII. und französische Staatspräsident Armand Fallières tanzen vereint, während Kaiser Wilhelm II. allein dasteht, französische Spottkarte 1906

Zu Anfang des 16. Jahrhunderts setzten sich die Portugiesen an der ganzen Westküste Marokkos fest, konnten sich aber nicht lange halten. Die Spanier nahmen 1496 Melilla und 1580 Ceuta in Besitz. Am 3. Juli 1880 regelte in Madrid eine Konvention des Sultans von Marokko mit den Staaten Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande und USA die Unabhängigkeit und den Besitzstand seines Landes sowie die dortigen Rechte der Ausländer. Zur gleichen Zeit schlossen Deutschland und Marokko ein Handelsabkommen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts konnte Frankreich bereits ganz Nordwestafrika unter seine Kontrolle bringen, lediglich Marokko behauptete sich als souveräner Staat und kam so ins Visier französischer Annexionspläne. Im Jahr 1900 besetzten die Franzosen die Oasen von Tuât und 1903 Figig. 

Der Kaiser in Marokko 1905: Einzug des Kaisers (x) in Tanger. Foto Chuffeau-Flaviens
Der Kaiser in Marokko 1905: Einzug des Kaisers (x) in Tanger. Foto Chuffeau-Flaviens

1904 einigten sie sich überraschend schnell mit den Briten über eine Aufteilung Afrikas und schlossen den Vertrag zwischen Großbritannien und Frankreich über Ägypten und Marokko vom 8. April 1904. Zusätzlich wurde von beiden Staaten am selben Tag ein Geheimabkommen abgeschlossen. Um die Spanier zufriedenzustellen wurde ihnen der nördliche Landesteil Marokkos zugesagt. Gegen diese Verletzung der Abmachungen von 1880 und zum Schutz der starken Wirtschaftsinteressen in Marokko wandte sich das Deutsche Reich gegen die französischen Ansprüche und unterstrich diesen Protest mit dem Besuch Kaiser Wilhelm II. in Tanger im Jahr 1905. Diese Erste Marokkokrise wurde durch die internationale Algeciras-Konferenz von 1906 beigelegt. In deren Ergebnis sicherte sich Frankreich mit Rückendeckung Großbritanniens und Spaniens eine bevorzugte Stellung im Lande und Deutschland stand international isoliert da. 

Das berühmte Foto vom "Panthersprung nach Agadir" zeigt in Wirklichkeit den Kleinen Kreuzer Berlin; das Schiff lag dort von Mitte Juli bis Ende November 1911 vor Anker, ohne dass die Besatzung an Land ging.
Das berühmte Foto vom "Panthersprung nach Agadir" zeigt in Wirklichkeit den Kleinen Kreuzer Berlin; das Schiff lag dort von Mitte Juli bis Ende November 1911 vor Anker, ohne dass die Besatzung an Land ging.

Als die Franzosen im Anfang 1911 die damalige marokkanische Hauptstadt Fès besetzten kam es zur Zweiten Marokkokrise. Die deutsche Regierung reagierten am 1. Juli 1911 mit der Entsendung des Kanonenboots Panther nach Marokko (Panthersprung nach Agadir). Auch dieser Konflikt konnte diplomatisch gelöst werden; Frankreich und Deutschland schlossen am 4. November 1911 das Marokko-Kongo-Abkommen. Hierin erkannte das Deutsche Reich die französische Vorherrschaft in Marokko endgültig an und wurde durch die Abtretung des an seine Kolonie Kamerun grenzende Teil der französischen Kolonie Kongo entschädigt. Daraufhin schloss Frankreich mit dem Sultan von Marokko den Vertrag vom 30. März 1912; er bedeutete die förmliche Errichtung des Status als französische Kolonie, die durch Marschall Lyautey als Generalresident erfolgreich ausgebaut wurde. Abd al-Karim unternahm 1921 einen großen Aufstand zunächst gegen die Spanier im Norden, dann auch gegen die Franzosen, bis er 1925/26 niedergeworfen wurde. Die militärische Befriedung Marokkos wurde erst 1934 erreicht. Im Jahr 1956 erlangte Marokko die volle Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien zurück und wurde zum Königreich.

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
  • „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
  • „Meyers Lexikon“ in 12 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig 1924
  • Fotos aus „Woche“ Berliner August Scherl Verlag, Ausgaben 1900 – 1914
  • „War alles falsch?“, Joachim von Kürenberg, Athenäum-Verlag – Bonn 1951
Seitenanfang
Boxeraufstand  
Erste Marokkokrise →

Kommentar verfassen