S.M.S. Gneisenau, Großer Kreuzer

S.M.S. Gneisenau (1906)

S.M.S. Gneisenau (1906), Großer Kreuzer der Kaiserlichen Marine, technische Angaben und Geschichte in alten Postkarten.

S.M.S. Gneisenau, Großer Kreuzer
S.M.S. Gneisenau, Großer Kreuzer

S.M.S. Gneisenau (1906) – Angaben

Name:Seiner Majestät Schiff Gneisenau
Namensherkunft:Gneisenau, August, Graf Neithardt von, preußischer Generalfeldmarschall, * 27. Okt. 1760 zu Schildau, wurde 1782 Offizier in einem ansbachischen Regiment, kämpfte mit diesem in Amerika, trat 1786 in preußische Dienste, verteidigte 1807  Kolberg  bis zum Tilsiter Frieden, wirkte danach als Chef des Ingenieurkorps mit Stein und Scharnhorst für die Wiedergeburt  Preußens , nahm als Generalstabschef Blüchers hervorragenden Anteil an den Befreiungskriegen, entschied durch sein rechtzeitiges Erscheinen die Schlacht bei Waterloo, 1818 Gouverneur von  Berlin , 1831 Oberbefehlshaber der vier östlichen Armeekorps im polnischen Aufstand. † 24. Aug. 1831 zu  Posen .
Stapellauf:14.06.1906 in  Bremen  ( Weserwerft )
Schiffsklasse:Großer Kreuzer, Gneisenau-Klasse
Schwesterschiffe:Gneisenau, Scharnhorst
Besatzung:ca. 764 Mann
Maße:Länge 143,8 m - Breite 21,6 m - Tiefgang: 7,5 m
Wasserverdrängung:11600 Tonnen
Maschinenleistung:28 000 PS, Dreifachexpansionsmaschinen, 3 Schrauben
Maximale Geschwindigkeit:23,8 kn
Aktionsradius6 500 Seemeilen
Bewaffnung:8 Schnellfeuerkanonen 21 cm, 6 Schnellfeuerkanonen 15 cm, 18 Schnellfeuerkanonen 8,8 cm, Torpedos
Ende:Untergang am 08.12.1914 in der Seeschlacht vor den Falklandinseln

S.M.S. Gneisenau (1906) – Geschichte

Seit 1910 gehörte das Schiff zum ostasiatischen Kreuzergeschwader, 1914 zum Kreuzergeschwader Graf Spee. Als die Besatzung des Schiffes die Nachricht vom Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) erreichte, befand es sich im Gebiet der Marianen (Teil des deutschen Südsee-Schutzgebietes). Durch den massiven Angriff der Japaner und Briten ab 5. September 1914 auf Tsingtau und der Einnahme Kiautschous am 7. November 1914, wurde das Geschwader seiner Basis beraubt und drehte nach Südamerika ab.

S.M.S. Gneisenau und S.M.S. Scharnhorst vor Kiautschou
S.M.S. Gneisenau und S.M.S. Scharnhorst vor Kiautschou

Am 1. November 1914 traf das deutsche Geschwader auf ein britisches Geschwader unter Konteradmiral Sir Christopher Cradock. Es beginnt die Seeschlacht bei Coronel. Um 18.33 Uhr eröffnen auch die deutschen Schiffe den Kampf und feuern. Nach der dritten Salve ist S.M.S. Scharnhorst eingeschossen. Zwischen dem vorderen 23,4 cm Geschützturm und dem Kommandoturm von H.M.S. Good Hope sitzt der erste Treffer, ein Brand bricht aus. Weitere Treffer verwandelt das Schiff in eine Fackel. S.M.S. Gneisenau schießt sich auf H.M.S. Monmouth ein und ein Treffer sprengt ihr die Turmdecke ab und bringt die Bereitschaftsmunition zum Brennen, eine gewaltige Stichflamme schlägt empor. Gegen 18.50 Uhr kann H.M.S. Monmouth seinen Platz in der Linie nicht mehr halten und schert nach Steuerbord aus.

Das deutsche Südsee-Geschwader
Das deutsche Südsee-Geschwader

Um 19.20 Uhr verstummen ihre Geschütze und sie begann zu versinken. Gegen 19.23 Uhr erschüttert H.M.S. Good Hope eine gewaltige Explosion, nur noch vereinzelt fallen Schüsse. Im Schein der Brände erkennen die Deutschen, dass die letzte Explosion H.M.S. Good Hope das Vorderschiff abgetrennt hat. Im letzten Moment hatte die Briten versucht ihre Torpedos einzusetzen, aber die Schiffe des deutschen Geschwaders konnten rechtzeitig ausweichen. Gegen 20.00 Uhr geht das Schiff zusammen mit Konteradmiral Sir Christopher Cradock an Bord unter. Bereits vorher ist die „Otranto“ den Salven von S.M.S. Dresden ausgewichen und ist in westlicher Richtung davon gedampft. Auch H.M.S. Glasgow suchte sein Heil in der Flucht, S.M.S. Leipzig und S.M.S. Dresden nahmen sie gemeinsam unter Feuer und beschädigten sie schwer.

S.M.S. Gneisenau verläßt die Mole. Abschied Truppels von Tsingtau.
S.M.S. Gneisenau verlässt die Mole. Abschied Truppels von Tsingtau.

Nach dem Sieg bei Coronel lief Graf Spee mit S.M.S. Scharnhorst, S.M.S. Gneisenau und S.M.S. Nürnberg am 3. November 1914 für 24 Stunden im chilenischen Valparaiso ein und wurde dort von Einheimischen und deutschen Aussiedlern jubelnd empfangen. Einer kriegsführenden Macht war seinerzeit nur das Einlaufen von gleichzeitig 3 Kriegsschiffen in einen neutralen Hafen erlaubt.

Seeschlacht bei den Falklandinseln
Seeschlacht bei den Falklandinseln

Am 8. Dezember 1915 stellten an Geschwindigkeit, Gefechtskraft und Geschützreichweite weit überlegene britische Schlachtkreuzer das deutsche Geschwader bei den Falklandinseln, die Seeschlacht bei den Falklandinseln beginnt. Graf Spee entließ zunächst die Kleinen Kreuzer, S.M.S. Dresden, S.M.S. Leipzig und S.M.S. Nürnberg, mit dem Befehl, den Versuch zu machen, zu entkommen. Mit S.M.S. Scharnhorst und S.M.S. Gneisenau drehte er dann auf, um die Schlacht aufzunehmen und möglichst viele der Gegner von der Verfolgung der Kleinen Kreuzer abzuhalten. Länger als drei Stunden gelang es, den Endkampf hinzuziehen. Kurz vor dem Ende drehte Graf Spee mit seinem Flaggschiff Scharnhorst auf den Gegner zu, um als letztes Kampfmittel die Torpedowaffe einzusetzen. Zu dieser Zeit lag das Schiff schon bis zu den Kasematten im Wasser. Als das Vorschiff nur noch zwei Meter aus dem Wasser ragte, feuerte der vordere Turm zum letzten Mal. Dann ging das Schiff um 16.17 Uhr mit wehenden Flaggen und laufenden Maschinen rasch unter. Die Briten unternahmen keinen Rettungsversuch der Mannschaft und nahmen die Verfolgung von S.M.S. Gneisenau auf.

S.M.S. Gneisenau ist am 8.12.1914 im Gefecht mit den Engländern bei den Falklands-Inseln gesunken.
S.M.S. Gneisenau ist am 8.12.1914 im Gefecht mit den Engländern bei den Falklands-Inseln gesunken.

Kurz vor 16.00 Uhr wurde S.M.S. Gneisenau mit dem Winkspruch entlassen: „Wenn ihre Maschine noch intakt, versuchen sie zu entkommen.“ Das Schiff war aber bereits so schwer getroffen, dass es nicht weit kam. Zusätzlich fiel die Rudersteuerung aus und das Schiff fuhr einen Kreis nach Steuerbord. Kurz darauf wurde Gneisenau so schwer getroffen, dass der Kommandant 17.20 Uhr den Befehl zum Versenken des Schiffes erteilte. Die Torpedorohre wurden geöffnet und gegen 17.45 Uhr kenterte das Schiff. Da die Wassertemperatur circa 4 Grad Celsius betrug, starben viele Seeleute an Unterkühlung im Wasser. Die britischen Schiffe retteten 187 Deutsche, 598 gingen mit S.M.S. Gneisenau unter.

 

Quellenhinweise:

  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1880
  • „Deutschlands Seemacht“ von Georg Wislicenus – Verlag Friedrich Wilhelm Grunow, Leipzig 1896
  • „Die Heere und Flotten der Gegenwart – Deutschland“ 1898
  • „Bilder aus der deutschen Seekriegsgeschichte“ von Vizeadmiral a.D. Reinhold Werner – München 1899
  • „Nauticus – Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen“ 1899-19
  • „Überall“ Illustrierte Zeitschrift für Armee und Marine, Jahrgänge
  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1902
  • „Deutschland zur See“ von Victor Laverrenz, Berlin 1900
  • „Marine-Album“ Berlin 1910
  • „Deutschland zur See“ Illustrierte Wochenschrift, Zeitschrift des Vereins „Marinedank“, Berlin, Jahrgänge
  • „Der Völkerkrieg – Eine Chronik der Ereignisse seit dem 1.Juli 1914“ Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart 1914-1922
  • „Taschenbuch der Kriegsflotten“, J.F. Lehmann’s Verlag, München Jahrgänge von 1900 bis 1936
  • „Kennung der deutschen Kriegsschiffe und Torpedoboote“ – Admiralstab der Marine 1917
  • „Das Reichsarchiv“ Band 1 – 36, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1924
  • „Unsere Marine im Weltkrieg 1914-1918“ Vaterländischer Verlag Berlin 1927
  • „Deutsche Seefahrt“ – von Trotha und König, Otto Franke/ Verlagsgesellschaft Berlin – Birkenwerder 1928
  • „Marinearchiv“ Band I und II Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1931
  • „Unsere Marine – Schiffsbilder“, Bilder der Reichsmarinesammlung im Museum für Meereskunde zu Berlin (1930)
  • „So war die alte Kriegsmarine“ von Eberhard von Mantey – Berlin 1935
  • „Die deutschen Kriegsschiffe“, Groener 1966
  • „Die Deutschen Kriegsschiffe“, Hildebrand/Röhr/Steinmetz

 

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