Trier

Trier, Totalansicht
Trier, Totalansicht

Trier im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Trier 46.703 Einwohner – 1905 = 89. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Trier, Hauptmarkt
Trier, Hauptmarkt

Trier in der Provinz Rheinland im Königreich Preußen

Trier (lat. Augusta Trevirorum, franz. Trèves) ist die Hauptstadt des vormaligen Erzbistums sowie des jetzigen gleichnamigen Regierungsbezirks, Stadtkreis im Königreich Preußen, Provinz Rheinland.

Landkarte Rheinland
Landkarte Rheinland

Trier liegt an der Mosel, über die hier eine alte, auf acht Schwibbogen ruhende Brücke (ursprünglich ein Römerbau) führt und 124–140 Meter über dem Meer. Die Stadt Trier ist von schönen Anlagen umgeben, hat sechs öffentliche Plätze, darunter der teilweise von alten, bis ins 15. Jahrhundert zurückreichenden Häusern umgebene Hauptmarkt, mit einem 958 errichteten Marktkreuz und dem Petersbrunnen, der Domfreihof mit dem Denkmal Kaiser Wilhelms I., der Kornmarkt mit dem Georgsbrunnen etc.

Trier, Kornmarkt mit Rathaus und Post
Trier, Kornmarkt mit Rathaus und Post

Im Jahr 1905 leben in Trier mit der Garnison (3 Infanterieregimenter Nr. 29,69 und 161 und ein Feldartillerieregiment Nr. 44) 46.709 Einwohner, 5779 Evangelische, 40.152 Katholiken und 761 Juden. Folgende Behörden haben dort ihren Sitz in Trier, eine königliche Regierung, das Landratsamt für den Landkreis Trier, ein katholischer Bischof, ein Landgericht, eine Oberpostdirektion, ein Hauptsteueramt, ein Bergrevier etc.; sowie der Stab der 16. Division, der 31. und 80. Infanterie- und der 16. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 5 Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete.

Trier, Hauptmarkt
Trier, Hauptmarkt

Trier hat 11 katholische und eine evangelische Kirche sowie eine Synagoge. Besonders zu erwähnen sind die von Kaiser Konstantin erbaute Basilika, vom König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wieder hergestellt und jetzt als evangelische Kirche benutzt; der 1196 vollendete romanische Dom, dessen Kern eine römische Prachthalle bildet, mit schönem, frühgotischem Kreuzgang, schönen Grabmälern und bedeutenden Reliquien (darunter der berühmte heilige Rock); die Liebfrauenkirche,

Trier, Dom und Liebfrauenkirche
Trier, Dom und Liebfrauenkirche

die älteste deutsche Kirche gotischen Stils, 1127–43 erbaut, mit figurenreichem Portal und kühn gewölbtem Schiff sowie mit neuen Glasmalereien nach Entwürfen Steinles; die gotische Dreifaltigkeits- oder Jesuitenkirche mit Grab und Denkmal des als Bekämpfer des Hexenwahns und Verfasser der „Trutz-Nachtigall“ bekannten Jesuiten Friedrich von Spee; die Matthiaskirche mit römisch-christlicher Begräbnisstätte; die Paulinuskirche; die neue romanische Pauluskirche u.a.

Trier, Porta Nigra
Trier, Porta Nigra

Interessante Denkmäler aus der Römerzeit sind die Porta Nigra, das großartigste Denkmal römischer Kultur auf deutschem Boden, ein altes römisches Stadttor aus dem 3. Jahrhundert, 36 Meter lang, 21 Meter breit und 23 Meter hoch; der römische Kaiserpalast; die römischen Bäder (zum Teil noch verschüttet) und die Überreste eines römischen Amphitheaters, in dem Kaiser Konstantin im Jahr 306 Tausende gefangener Franken und 313 eine ähnliche Zahl Brukterer (germanischer Stamm) den wilden Tieren preisgab.

Trier, Basilika und Wache
Trier, Basilika und Wache

Von sonstigen Bauwerken sind nennenswert der weitläufige, früher erzbischöfliche Palast, jetzt Kaserne; der Frankenturm, aus dem 10. Jahrhundert, das älteste steinerne Wohnhaus Deutschlands; das frühgotische Dreikönigenhaus aus dem 13. Jahrhundert; das Kaufhaus (altes Rathaus); die Steipe (Rotes Haus) etc. Von neuern Gebäuden verdient besonders das neue Regierungsgebäude Erwähnung. An Denkmälern ist noch das 1897 errichtete Denkmal des Kurfürsten Balduin zu nennen.

Trier, Reichsbank mit Blick in die Christophstraße
Trier, Reichsbank mit Blick in die Christophstraße

Trier hat bedeutende Eisengießerei und Maschinenfabrikation (Maschinen für Keramik, Mosaik-, Trottoir-, Wand- und Betonplatten), Färberei, Fabrikation von Sohlleder, Tabak, Zigarren, Wachswaren, Tuch, Möbeln etc., Bierbrauerei, Steinhauerei, Glasmalerei, berühmte Baum- und Rosenschulen, Obst- und Weinbau. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Nebenstelle der Reichsbank und die Moselschifffahrt, ist besonders bedeutend in Wein, Vieh und Holz. Berühmt sind die alljährlich dort stattfindenden Weinversteigerungen.

Trier, Basilika und Schlosskaserne
Trier, Basilika und Schlosskaserne

Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Köln-Trier-Saarbrücken, Trier-Koblenz, Trier-Metz, Trier-Luxemburg, Trier-Hermeskeil sowie der Kleinbahnlinie Trier-Bullay. An Bildungsinstituten und anderen Anstalten besitzt Trier 2 Gymnasien, ein Realgymnasium, ein Priesterseminar, ein bischöfliches Konvikt, eine höhere Mädchenschule, ein Lehrerinnenseminar, eine Präparandenanstalt, eine Taubstummenanstalt, eine Wein- und Obstbauschule,

Trier, Hauptbahnhof
Trier, Hauptbahnhof

ein Konservatorium für Musik, eine Stadtbibliothek (80.000 Bände) mit Handschriften (darunter die als Codex aureus bekannte Evangelienhandschrift aus dem 9. Jahrhundert), Inkunabeln etc., ein Provinzial- und ein lokalhistorisches Museum; ferner ein Landarmenhaus, eine Irrenpflegeanstalt, ein Strafgefängnis etc. Zum Landgerichtsbezirk Trier gehören die 16 Amtsgerichte zu Bernkastel, Bitburg, Dann, Hermeskeil, Hillesheim, Merzig, Neuerburg, Neumagen, Perl, Prüm, Rhaunen, Saarburg, Trier, Wadern, Waxweiler und Wittlich.

Trier, Kornmarkt
Trier, Kornmarkt

Der Regierungsbezirk Trier umfasst 7184 km² (130,48 Quadratmeilen) mit im Jahr 1905 = 931.016 Einwohner, davon 182.618 Evangelische, 740.952 Katholiken und 6948 Juden. Die Bevölkerungsdichte beträgt 130/km². Der Regierungsbezirk Trier besteht aus dem Stadtkreis Trier und den Landkreisen Bernkastel, Bitburg, Daun, Merzig, Ottweiler, Prüm, Saarbrücken, Saarburg, Saarlouis, Sankt Wendel, Trier, Wittlich. In der Nähe von Trier befindet sich in schöner Lage der Markusberg mit Wallfahrtskapelle, 31 Meter hoher Mariensäule und schöner Aussicht; weiter die Dörfer Nennig und Igel mit Überresten aus der Römerzeit.

Trier, Kaiserpalast
Trier, Kaiserpalast

Trier erinnert durch seinen Namen an den keltischen Stamm der Treverer, wurde im 3. Jahrhundert Residenz römischer Kaiser und unter Konstantin I. Sitz einer der vier Präfekturen des Reiches. Um die Mitte des 5. Jahrhundert von den Franken unterworfen, wurde es 451 von den Hunnen zerstört. Seit 870 zum ostfränkischen Reich gehörig, stand es unter Grafen, deren Macht seit dem 9. Jahrhundert an die Erzbischöfe überging.

Trier, Römische Bäder
Trier, Römische Bäder

Das Streben nach Reichsfreiheit war trotz der Freibriefe Ottos IV. und Konrads IV. erfolglos, denn 1308 erkannte Trier wieder die Gerichtsbarkeit des Erzbischofs an. Ihre Eigenschaft als erzbischöfliche Stadt bestätigten 1364 Karl IV. und 1580 das Reichskammergericht. Erzbischof Theoderich I. und sein Nachfolger Arnold II. befestigten im 13. Jahrhundert die Stadt durch Mauern. In der Stadt residierten auch vielfach die Kurfürsten. 1473–1797 bestand in Trier eine Universität.

Trier, Hornkaserne
Trier, Hornkaserne

1512 fand dort ein Reichstag statt, auf dem die Kreisverfassung im Reich endgültig festgestellt wurde. 1634 wurde Trier von den Spaniern erobert, aber 1645 von den Franzosen unter Turenne wieder genommen. Schon 1674, 1688 und auf längere Dauer 1794 von den Franzosen erobert, kam die Stadt 1801 an Frankreich und wurde Hauptstadt des Departements Saar. 1814 fiel sie an das Königreich Preußen.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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