Charlottenburg

Charlottenburg im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Charlottenburg 237.231 Einwohner – 1905 = 15. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Charlottenburg. Wilhelmplatz mit Rathaus.
Charlottenburg. Wilhelmplatz mit Rathaus.

Charlottenburg in Brandenburg im Königreich Preußen

Charlottenburg Stadtplan 1900 (Meyers Konversations-Lexikon, 6 Auflage)
Charlottenburg Stadtplan 1900 (Meyers Konversations-Lexikon, 6 Auflage)

Charlottenburg ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Potsdam, westlich bei Berlin, 33–37 Meter über dem Meer, liegt an der Spree und an der Berliner Stadt- und Ringbahn sowie an der Berliner Hochbahn (hier Untergrundbahn).

Landkarte Brandenburg
Landkarte Brandenburg

Unter den Straßen Charlottenburgs sind die Berliner Straße, der 53 m breite Kurfürstendamm, vom Zoologischen Garten bis Halensee, die Schloßstraße, Kantstraße und viele elegante Nebenstraßen, unter den Plätzen der Wittenberg-, Savigny- u. Auguste-Viktoriaplatz bemerkenswert.

Charlottenburg. Hardenbergstraße. Am Bahnhof Zoologischer Garten.
Charlottenburg. Hardenbergstraße. Am Bahnhof Zoologischer Garten.

Von Gebäuden in Charlottenburg ist besonders das königliche Schloss, dem die Stadt ihr Entstehen verdankt, hervorragend. Es enthält einen Mittelbau von Schlüter und zwei Seitenflügel und eine hohe Kuppel von J. F. von Eosander, wurde 1696 von dem Kurfürsten, nachmaligem König Friedrich I., für seine zweite Gemahlin Sophie Charlotte in der Nähe des Dorfes Lietzen (Lützow) erbaut, zunächst Lietzenburg, nach dem Tode Sophie Charlottens aber Charlottenburg benannt.

Charlottenburg. Schloss.
Charlottenburg. Schloss.

An das Schloss schließt sich ein geräumiger, von der Spree begrenzter Park mit einem großen Orangeriehaus, einem Theater und dem 1810 nach Schinkels Entwurf erbauten, später erweiterten Mausoleum (von Hesse), das die Grabdenkmäler der Königin Luise und Friedrich Wilhelms III., von Rauch 1812 und 1846 in weißem Marmor ausgeführt, sowie des Kaisers Wilhelm I. und der Kaiserin Augusta (von Encke, seit 1894) enthält. In einer Urne ist dort auch das Herz Friedrich Wilhelms IV. beigesetzt.

Charlottenburg. Mausoleum.
Charlottenburg. Mausoleum.

In der Nähe des Schlosses befindet sich der ehemalige Park der Aktiengesellschaft Flora mit schönem Palmenhaus. An gottesdienstlichen Gebäuden besitzt die Stadt Charlottenburg 4 evangelische Kirchen (darunter die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche) und die Trinitatiskirche, eine katholische Kirche und eine Synagoge. Ansonsten sind hervorzuheben die physikalisch technische Reichsanstalt, das Generalkommando des 3. Armeekorps, die Hochschulen für bildende Künste und Musik (1902 eröffnet), das Romanische Haus, das Bürgerhaus, das neue Rathaus (1903 im Bau) etc., die schönen Villen im Stadtteil Westend und im südöstlichen Stadtgebiet.

Charlottenburg. Luisenplatz. Schlossturm. Kaiser Friedrich-Denkmal.
Charlottenburg. Luisenplatz. Schlossturm. Kaiser Friedrich-Denkmal.

An Denkmälern sind ein Reiterstandbild des Kaisers Friedrich III. und ein Denkmal für den verstorbenen Prinzen Albrecht 1902 im Bau. Im Jahr 1900 leben mit der Garnison (ein Garde-Grenadierregiment Nr. 3) 189.305 Einwohner (1880 erst 30.483 Einwohner), der Großteil sind Evangelische, 20.797 sind Katholiken und 9701 Juden.

Charlottenburg. Schlossstraße.
Charlottenburg. Schlossstraße.

Die bedeutende Industrie Charlottenburgs umfasst Eisengießerei und Maschinenfabrikation, Telegraphenbau und Elektrotechnik (Siemens u. Halske), Fabrikation von Tonwaren, Glas, Porzellan (königliche Porzellanmanufaktur), Papier und Pappe, Chemikalien, Farbwaren, Spiritusapparaten, farbigem Leder, Zichorie, Glyzerin, Palmkernöl, Wagen, Dezimalwagen, Kunstmöbeln etc. Charlottenburg hat ferner eine Holzimprägnierungs- und eine Holzbearbeitungsanstalt, chemische und Dampfwäscherei, ein Röhrenwalzwerk, Asphaltwerke, Färberei, Druckerei, Bleicherei, eine Anstalt für Chromolithographie, Bierbrauerei etc. 1900 bestanden hier 207 Fabriken mit 16.261 Arbeitern, wovon auf die Metall- und Maschinenindustrie 55 Betriebe mit 10.616 Arbeitern entfielen.

Charlottenburg. Technische Hochschule.
Charlottenburg. Technische Hochschule.

19 elektrische Bahnlinien dienen dem Verkehr in der Stadt Charlottenburg, mit Berlin und der Umgegend. An Kunst-, Bildungs- und anderen Anstalten sind vorhanden das königliche Institut für Glasmalerei, die technische Hochschule (im Sommer 1902 von 3141 Studierenden und 973 Hospitanten besucht), 3 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Oberreal- und eine Realschule, eine Kunstgewerbe- u. eine Handwerkerschule, zahlreiche milde Stiftungen (Kaiser Friedrich-Andenken, Kaiserin Augusta-Stiftung, Wilhelmstift etc.), ein Waisenhaus, mehrere Irren- und Nervenheilanstalten etc. Charlottenburg ist Sitz der physikalisch-technischen Reichsanstalt und eines Amtsgerichts (die Errichtung eines Landgerichts wird vorbereitet); die städtischen Behörden zählen 22 Magistratsmitglieder und 72 Stadtverordnete.

Charlottenburg. Am Knie, mit Bismarck- und Berliner Straße.
Charlottenburg. Am Knie, mit Bismarck- und Berliner Straße.

Die städtischen Einnahmen Charlottenburgs beliefen sich im Jahr 1900 auf 37,4, die Ausgaben auf 36,1 Millionen Mark. Die Kämmereischuld betrug 43,6, das Vermögen 61,1, das Stiftungsvermögen 1,7 Millionen Mark.

Charlottenburg Geschichte

Charlottenburg wurde 1705 von Friedrich I. gegründet und erhielt 1721 Stadtrecht, hat aber erst seit 1870 einen gewaltigen Aufschwung genommen. 1893 wurde Charlottenburg zur Großstadt.

Berlin, Stadt und Umgebung 1884
Berlin, Stadt und Umgebung 1884

Am 1. Oktober 1920 wurde Charlottenburg in das neu geschaffene Groß-Berlin eingegliedert und mit dem Gutsbezirk Plötzensee sowie großen Teilen der Gutsbezirke Heerstraße und Jungfernheide zum siebten Bezirk von Berlin zusammengefasst. Charlottenburg ist heute ein Ortsteil des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf mit rund 130.000 Einwohnern (2020).

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
Reichsadler 1889-1918

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