Kiautschou

Verwaltungszentrum Tsingtau

Gruss aus Kiaotschau, Ich bin ein Deutscher
Gruss aus Kiaotschau, Ich bin ein Deutscher

 

Kiautschou, deutsches Pachtgebiet in der chinesischen Provinz Schantung, benannt nach der Kiautschoubucht und der früher an dieser belegenen, jetzt ganz verlandeten und unansehnlich gewordenen Stadt Kiautschou („Leimstadt“ nach dem Kiauhö, „Leimfluss“), umfasst 515 km² und hat 84.000 Einwohner. Das Pachtgebiet erstreckt sich hauptsächlich auf die beiden nach SW., bez. NO. gerichteten Halbinseln, die den Eingang in die 33 km lange, 26 km breite und etwa 550 km² große Kiautschoubucht flankieren, und auf die der Bucht vor- und eingelagerten Inseln sowie endlich auf einen schmalen, um die Bucht laufenden Landstreifen, der die beiden auf den Halbinseln gelegenen Bezirke miteinander verbindet. Die Grenzlinien wurden durch eine deutsch-chinesische Kommission festgelegt, die ihre Arbeiten 10. Oktober 1898 beendete. Nach dem Land zu wird das Pachtgebiet von einer neutralen Zone zu 50 km Breite umschlossen, einschließlich derer das Gebiet eine Fläche von 7100 km² besitzt; in der neutralen Zone bedarf China für jede Maßnahme der deutschen Zustimmung. Die Kiautschoubucht liegt auf der südöstlichen Seite der Halbinsel Schantung, wo diese an den Rumpf des Festlandes ansetzt. Von den zahlreichen der fast genau nach O. gerichteten Einfahrt vorgelagerten sämtlich zum Pachtgebiet gehörigen Rissen und Inseln sind die wichtigsten Tai-kungtau und Tschu-tscha-tau (Round Island); weiter ab liegen die Inseln Fu-tau vor dem Eingang des Lauschan-Hafens auf der Südseite der östlichen Halbinsel und die erheblich größere Insel Tolo-schan (Schuiling-schan) südlich der westlichen Halbinsel. Innerhalb der Einfahrt liegt die niedrige Insel Tschi-posan oder Hwang-tau, im nördlichen Teil der Bucht die große Insel Yin-tau (Kartoffelinsel) Der randliche Teil der Bucht ist stark versandet, so dass weite Strecken bei Ebbe trocken gelegt werden und die beiden letztgenannten Inseln fast schon verlandet sind. Die Bucht friert selbst in strengen Wintern nur in den flachen, für Seeschifffahrt unwichtigen Teilen zu. Die Einfahrt ist 3,4 km breit, 24–40 m tief und bietet gute Ankerplätze mit 12–20 m Tiefe. Von den auf die beiden Halbinseln beiderseits entfallenden Bezirken des Pachtgebiets ist der auf der östlichen Seite, an dessen Spitze sich der Hauptort Tsingtau befindet, der größere. Die am weitesten gegen die Einfahrt vorspringenden Punkte der Halbinseln sind[878] die Landzunge an der Iltisbucht auf der östlichen und das Kap Jäschke (Kap Evelyn) auf der westlichen Seite. Die größere östliche Halbinsel ist verhältnismäßig wenig gegliedert, während in die westliche von N. die Hai-hsi-Bucht und von S. die Arkona-See tief einschneiden.

Die oberste Verwaltung liegt in den Händen eines Gouverneurs, dem ein Gouvernementsrat und zur Beratung in chinesischen Angelegenheiten versuchsweise ein chinesisches Komitee von zwölf Mitgliedern zur Seite gestellt sind. Das Gouvernement hat gegenüber den heimischen Behörden die größtmögliche Selbständigkeit, hat aber große Freiheit bezüglich der Selbstverwaltung, des Handels und des Gewerbebetriebes gewährt. Die Regierung hat überall das Verkaufsrecht auf Grundstücke und übernimmt den Landverkauf teilweise selbst. Angekauft wurden 1902/03 von der Regierung rund 196, verkauft rund 15 Hektar. Dafür bleibt die Regierung an einer beim Weiterverkauf der Grundstücke sich ergebenden Preissteigerung beteiligt. Die deutsche Schule in Tsingtau ist 1902 von der Regierung übernommen worden; in demselben Jahr wurde eine höhere deutsch-chinesische Lehranstalt von der Berliner evangelischen Mission eröffnet und seitdem noch eine chinesische Mädchenschule. Der Allgemeine evangelisch-protestantische Missionsverein hat ferner ein deutsch-chinesisches Seminar und das Faber-Hospital begründet, die katholische Mission ein deutsches Mädchenpensionat, eine höhere Töchterschule und einen Kindergarten. Die American Presbyterian Mission hatte schon vor 40 Jahren von Tschifu aus in Kiautschou ihre Tätigkeit begonnen. Die Rechtspflege wird geregelt durch das Reichsgesetz vom 5. März 1888, betreffend die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete. Für die Chinesen gilt mit Ausnahme des zu harten Strafrechts das heimische Recht.

Steuern werden erhoben: Grundsteuer, Verkaufssteuer für Opium, Abgaben für Hafen und Leuchtfeuer, Hundesteuer, Jagdgebühren, Gewerbescheingebühren, Stempelabgaben, Gerichtsgebühren. Immerhin hat das Deutsche Reich bisher fast die gesamten Ausgaben bestritten. Die Einnahmen beliefen sich 1901/02 auf 495.990 Mark, während der deutsche Etat von 1904 einen Reichszuschuss von 12.583.000 Mark für Kiautschou eingestellt hat. Die deutsche Besatzung in Tsingtau besteht regelmäßig aus einem Seebataillon, einer Feldbatterie und einer Abteilung Matrosenartillerie. Dazu kommt eine Chinesentruppe von 120 Mann unter deutschen Offizieren; auch für den Polizeidienst werden teilweise Chinesen verwendet.

Die Besetzung der zur chinesischen Provinz Schantung gehörigen Kiautschou-Bai und des um die Bai gelegenen Bezirks durch Deutschland erfolgte am 14. November 1897 durch die Landung der unter dem Befehl des Vizeadmirals von Diederichs stehenden deutschen Truppen. (Pachtgebiet = Hamburg. Einflussgebiet = ½ Königreich Sachsen).

Durch Vereinbarung mit der chinesischen Regierung sind dem Deutschen Reich für die Dauer der vereinbarten Pachtzeit von 99 Jahren alle der chinesischen Regierung zustehenden Hoheitsrechte übertragen worden.

Es steht der deutschen Regierung frei, innerhalb des überlassenen Gebietes alle nötigen Baulichkeiten und Anlagen zu errichten und für den Schutz derselben die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Das überlassene Gebiet umfasst die gesamten inneren Wasserbecken der Kiautschou-Bucht bis zur Hochwassergrenze, ferner die südlich und nördlich von dem Eingang der Bucht liegenden grösseren Landzungen bis zu deren natürlichen Abgrenzung durch die geeigneten Höhenzüge‚ sowie die innerhalb der Bucht und vor derselben gelegenen Inseln.

Eine deutsche Postagentur ist am Hauptsitz der Regierung in Tsingtau eröffnet worden. .

Eine vierzehntägige Postdampfer-Verbindung zwischen Kiautschou- Bucht und Schanghai ist eingerichtet.