Fürth

unmittelbare Stadt im Königreich Bayern, Regierungsbezirk Mittelfranken

Fürth 60.638 Einwohner – 1905 = 67. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs

Fürth i. B., Marktplatz
Fürth i. B., Marktplatz

 

Neben der Stadt Fürth in Bayern existieren im Deutschen Reich (Kaiserreich):

  1. Fürth, ein Flecken im Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim, im Odenwald und an der preußisch-hessischen Staatsbahnlinie Weinheim-Fürth. Der Ort hat eine katholische Kirche, Amtsgericht und im Jahr 1900 = 1454 Einwohner.
  2. Furth im Walde, eine Stadt im Königreich Bayern, Regierungsbezirk Oberpfalz, Bezirksamt Cham, Knotenpunkt der bayrischen Staatsbahnlinie Schnelldorf-Furth i. W. und der österreichischen Staatsbahnlinie Pilsen-Furth i. W.. Die Stadt liegt 407 Meter über dem Meer, hat eine evangelische und 3 katholische Kirchen, Amtsgericht, Hauptzollamt, Glasfabrik, 2 Glaspolierwerke, Spielwaren- und Tabakfabrikation, Elektrizitätswerk, Ziegelbrennerei und im Jahr 1900 = 5973 meist katholische Einwohner.

 

Fürth in Bayern

Fürth ist eine unmittelbare Stadt im Königreich Bayern, Regierungsbezirk Mittelfranken, am Zusammenfluss der Rednitz (Regnitz) und Pegnitz, in fruchtbarer Gegend unweit des Ludwigkanals, nordwestlich von Nürnberg, 300 Meter über dem Meer. Von kirchlichen Gebäuden hat die Stadt vier evangelische Kirchen (darunter die alte gotische St. Michaeliskirche), eine katholische Kirche und eine Synagoge. Von anderen Bauwerken ist besonders das nach dem Vorbilde des Palazzo Vecchio in Florenz erbaute Rathaus mit 55 Meter hohem Turme bemerkenswert. An Denkmälern besitzt die Stadt ein schönes Kriegerdenkmal und einen Monumentalbrunnen. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (1 Inf. – Bat. Nr. 21, 1 Feldart.-Reg. Nr. 21, 1 Eskadron Chevaulegers Nr. 1 und 1 Trainbat. Nr. 3) 54.820 Einwohner, die überwiegende Mehrheit sind Evangelische, 18.470 sind Katholiken und 3017 Juden.

Fürth ist eine wichtige Fabrikstadt und bildet mit Nürnberg gleichsam einen Industrieort. Bedeutend ist die Fabrikation von Spiegelgläsern (1500 Arbeiter) und Spiegelrahmen (1600 Arbeiter), Bronzefarben und Rauschgold, Bleistiften, Galanteriewaren, Brillen und anderen optischen Waren, Spazierstöcken und Blechspielwaren aller Art. Ebenso bedeutend sind die Blattmetall-, Feingold- und Silberschlägereien, Möbel-, Drechslerwaren- und Wagendeckenfabrikation wie die Herstellung von Chromolithographien, Luxuspapier und Bilderbüchern. Außerdem besitzt Fürth zwei große Zichorienfabriken und größere Maschinenfabriken für Brauereieinrichtungen, Jalousiefabrikation, Gerbereien, Filzschuhfabriken, große Bierbrauereien etc. Der Handel, unterstützt durch ein Bezirksgremium, durch eine Nebenstelle der Reichsbank, eine Filiale der Bayrischen Notenbank und andere Bankinstitute, erstreckt sich nach allen Ländern Europas und vielen überseeischen Staaten. Ausgeführt werden hauptsächlich Bronzefarben, Blattmetall, Spiel-, Galanterie- und Manufakturwaren, Buntpapier, Reklameartikel, optische Waren, Spiegelglas etc.

Außer mit seinen Industrieerzeugnissen treibt Fürth noch einen ausgedehnten Handel mit Eisen und anderen Metallen, Hopfen, Wolle, Kolonial- und Strumpfwirkwaren, Tuch, Kohlen etc. Zur Kirchweih (Michaelis) findet alljährlich eine elftägige, stark besuchte Messe statt. Den Verkehr in der Stadt und mit Nürnberg vermittelt eine elektrische Bahn. Für den Eisenbahnverkehr ist Fürth Knotenpunkt der Staatsbahnlinien München-Hof und Passau-Würzburg, der Eisenbahn Nürnberg-Fürth und der Eisenbahn Fürth-Kadolzburg.

An Bildungsanstalten und ähnlichen Instituten besitzt die Stadt ein Gymnasium, 2 Realschulen (eine israelitische), eine Fachschule für Holzindustrie, eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Stadtbibliothek, ein israelitisches Waisenhaus, ein Mädchenwaisenhaus, ein Sanatorium für weibliche Lungenkranke, Diakonissenanstalt etc. Von Behörden haben dort ihren Sitz ein Bezirksamt, ein Landgericht, ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt und das Kommando der 5. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 21 Magistratsmitglieder und 42 Stadtverordnete. 3 km westlich von Fürth liegt die alte Feste, eine ehemalige, 1388 im Städtekrieg zerstörte Burg, die im Dreißigjährigen Krieg Kern des Wallensteinschen Lagers bei Fürth-Nürnberg war, mit einem Turm, von dem man eine herrliche Rundsicht hat.

Zum Landgerichtsbezirk Fürth gehören die 8 Amtsgerichte: Erlangen, Fürth, Herzogenaurach, Kadolzburg, Markterlbach, Neustadt a. A., Scheinfeld und Windsheim. Fürth verdankt seine Entstehung einer Kapelle, die Karl der Große zu Ehren des heiligen Martin erbauen ließ. Später kam die Vogtei Fürth an die Burggrafen von Nürnberg und wurde von Konrad III. 1314 dem Bistum Bamberg hinterlassen. Im Dreißigjährigen Kriege schlug Wallenstein am 16. Juli 1632 bei Fürth das befestigte Lager auf, das Gustav Adolf am 3. September vergeblich zu erstürmen versuchte; 1634 wurde Fürth von den Kroaten niedergebrannt. Kaum wieder erbaut, brannte es 1680 noch einmal ab. Es kam 1792 zu Preußen und 1806 zu Bayern; 1818 erhielt es Stadtrecht.