Flensburg

Flensburg, Innenhafen
Flensburg, Innenhafen

Flensburg in Schleswig-Holstein im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Flensburg 53.717 Einwohner – 1905 = 79. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Flensburg, Große Straße
Flensburg, Große Straße

Flensburg in Schleswig im Königreich Preußen

Flensburg ist eine Stadt und Stadtkreis im Königreich Preußen, Provinz Schleswig-Holstein, Regierungsbezirk Schleswig.

Landkarte Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck
Landkarte Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck

Flensburg ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Neumünster-Vamdrup und der Eisenbahnlinien KielEckernförde-Flensburg und Flensburg-Kappeln. Die Stadt liegt hufeisenförmig um das Westende der Flensburger Föhrde, eines 30 km langen Meerbusens der Ostsee. Flensburg besitzt 4 evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., ein Denkmal Wrangels und einen Bismarckbrunnen.

Flensburg, Alte Häuser am Südermarkt
Flensburg, Alte Häuser am Südermarkt

Im Jahr 1900 leben in Flensburg mit der Garnison (2 Infanteriebataillone Nr. 86) 48.922 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 1251 Katholiken und 89 Juden. Flensburg besitzt eine Schiffswerft für den Bau eiserner Dampf- und Segelschiffe mit großer Dockanlage und ca. 2500 Arbeitern, 3 Eisengießereien und Maschinenfabriken, eine Zement- und Kalkfabrik, Ziegeleien, eine Glashütte, Palmöl-, Spiritus-, Tabak-, Zündwaren-, Papier- und Möbelfabrikation, eine große Reis- und eine Dampfmahlmühle, Bierbrauerei, Fischräucherei etc.

Flensburg, Rathausstraße
Flensburg, Rathausstraße

Der Handel in Flensburg, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1902: 794,6 Millionen Mark) und andere öffentliche Bankinstitute, bezieht sich auf Kolonialwaren, Chemikalien, Steinkohlen, Holz, Getreide, Sämereien, Petroleum, Vieh etc.

Flensburg, Nordertor
Flensburg, Nordertor

Die Reederei der Stadt Flensburg zählt (1902) 88 Schiffe zu 60.277 Register-Tonnen, darunter 79 Dampfschiffe. In den Hafen liefen 1901 ein: 1746 Seeschiffe zu 186.239 Register-Tonnen. Eine Pferdebahn vermittelt den Verkehr in der Stadt. An Bildungs- und ähnlichen Anstalten besitzt die Stadt ein Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule mit Landwirtschaftsschule, Navigations- und Handelsschule, Fachschulen für Seemaschinisten und Kunsttischler, ein Kunstgewerbemuseum, Theater, eine Diakonissenanstalt etc.

Flensburg, Bahnhof
Flensburg, Bahnhof

Folgende Behörden haben dort ihren Sitz in Flensburg: ein Landgericht, Hauptsteueramt, Landratsamt für den Landkreis Flensburg, Stab der 18. Division und der 35. Infanteriebrigade, Oberförsterei, Strandamt und Seeamt. Die städtischen Behörden zählen 7 Magistratsmitglieder und 24 Stadtverordnete. In der Nähe liegt der Kupfer- und Messinghammer Krusau.

Flensburg, Südermarkt
Flensburg, Südermarkt

Zum Landgerichtsbezirk Flensburg gehören die 21 Amtsgerichte zu Apenrade, Bredstedt, Flensburg, Feiedrichstadt, Garding, Hadersleben, Husum, Kappeln, Leck, Lügumkloster, Niebüll, Norburg, Nordstrand, Rödding, Schleswig, Sonderburg, Tinnum auf Sylt, Tönning, Toftlund, Tondern und Wyck.

Flensburg, Hafen
Flensburg, Hafen

Flensburg ist wahrscheinlich im 12. Jahrhundert gebaut, erhielt 1284 von Herzog Waldemar IV. Stadtrechte. 1627 eroberten es die Kaiserlichen, seit 1643 mehrmals die Schweden, die es auch 1713 brandschatzten. Nach 1848 wurde es unter dänischer Herrschaft die Hauptstadt von Schleswig. In seiner Nähe fanden zwischen 1848 und 1864 (Deutsch-Dänischer Krieg) mehrere heftige Gefechte statt, namentlich bei Bau am 9. April 1848, bei Översee am 6. Februar 1864. In Flensburg starb 1412 Königin Margarete, die Begründerin der Kalmarischen Union von 1397.

Flensburg, Innenhafen
Flensburg, Innenhafen

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) bestimmte der Versailler Vertrag die Durchführung einer Volksabstimmung nach der von Napoleon III. 1866 durchgesetzten Einschränkung (Artikel 5). Um Dänemark einen möglichst großen Gebietszuwachs sicherzustellen wurde Schleswig in drei Abstimmungszonen eingeteilt. Die nördlichste, bis zur sogenannten Clausenlinie (nach dem Dänen Clausen 1891 vorgeschlagenen Grenzziehung), musste geschlossen „en bloc“ abstimmen, wodurch das Schicksal diesen Gebietes von vornherein festgelegt wurde. In den beiden südlichen Zonen sollte stattdessen eine gemeindeweise Abstimmung stattfinden.

Flensburg, Wrangel-Denkmal
Flensburg, Wrangel-Denkmal

In der 1. Zone votieren erwartungsgemäß 74,2 % der Stimmberechtigten für Dänemark, in der 2. Zone 80 % für Deutschland. Städte wie Sonderburg (56 %), Tondern (77 %) und Apenrade (55,1 %), die mehrheitlich für Deutschland votiert hatten, fielen so an Dänemark. In der besonders hart umkämpften Stadt Flensburg der 2. Abstimmungszone votierte eine überwältigende Mehrheit für den Verbleib in Deutschland, dadurch unterblieb die Abstimmung in der 3. Zone wegen Aussichtslosigkeit. Die neue Grenzziehung brachte eine erhebliche deutsche Minderheit unter dänischer Herrschaft, Schleswig-Holstein verlor so 3878 km² an Dänemark.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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