Baden-Baden

Stadt im Großherzogtum Baden, Hauptstadt des Kreises Baden

Baden-Baden 15.718 Einwohner 1900 (Städte im Kaiserreich)

Baden-Baden, Leopolds-Platz
Baden-Baden, Leopolds-Platz

 

Neben der Stadt Baden-Baden im Großherzogtum Baden existieren:

  1. Baden bei Wien, eine Stadt im Kaisertum Österreich, Niederösterreich (Erzherzogtum Österreich unter der Enns) mit im Jahr 1900 = 17.873 Einwohnern.
  2. Baden in der Schweiz, einem Badeort im Kanton Aargau, an der Limmat und der Eisenbahn Zürich-Aarau, 388 Meter über dem Meer. Er liegt in geschützter Lage, mit römischen Überresten, den Trümmern des einst berühmten Schlosses „Stein zu Baden“. Der Ort besitzt eine katholische und einer evangelische Kirche, Baumwollspinnerei, Fabrik elektrischer Maschinen, Weinbau. Im Jahr 1900 leben hier 6109 Einwohner.

 

Baden-Baden

Baden-Baden ist die Hauptstadt des badischen Kreises Baden. (1042 km², 18,92 Quadratmeilen mit im Jahr 1900 = 148.656 Einwohner). Sie liegt im Tale der Oos, im nördlichen Schwarzwald, an der Staatsbahnlinie Oos-Baden-Baden, 181 Meter über dem Meer und ist einer der glänzendsten und besuchtesten Badeorte Europas.

Obwohl die alte Hauptstadt Badens, ist die Stadt jetzt in ihrem größeren Teile eine ganz moderne Anlage, reich an prachtvollen Hotels und in edlem Stil gebauten Villen und Privatwohnungen. Unter den drei katholischen Kirchen enthält die gotische Stadtpfarrkirche (aus dem 15. Jahrhundert), auf dem Platz eines römischen Tempels, die Grabmäler von 14 Mitgliedern des markgräflich badischen Hauses sowie neue, schöne Glasgemälde. Die evangelische Kirche ist von 1864–76 nach dem Plan von Eisenlohr im gotischen Stil neu erbaut; die russische Kirche enthält herrliche Freskomalereien; die griechische Kapelle auf dem Michaelsberg, mit goldener Kuppel, ist eine prachtvolle Schöpfung Klenzes. Auch die anglikanische Kirche (im normannischen Stil) und die Grabkapelle (von Hübsch) auf dem Friedhof sowie die Synagoge sind neuere Bauten.

Als sonstige Hauptgebäude sind das Konversationshaus (1822–24 im Renaissancestil erbaut), die Trinkhalle (ein 85 m langer Arkadenbau, nach Hübsch‘ Plan 1830–42 ausgeführt, mit einer Galerie berühmter Fresken von Götzenberger) zu erwähnen. Über der Stadt erhebt sich das sogenannte Neue Schloß, die sommerliche Privatwohnung des Großherzogs von Baden, vom Markgrafen Jakob 1479 auf römischen Fundamenten angelegt und nach der Zerstörung durch die Franzosen (1689) in seiner jetzigen Form hergestellt.

Die Thermen Badens, seit den Zeiten der Römer bekannt, entspringen in der sogenannten Hölle aus Gneis und Granit einer- und Tonschiefer anderseits und liefern etwa 750.000 Liter in 24 Stunden. Sie werden benutzt als Bäder, Dusche, Einspritzung bei Krankheiten des Uterinsystems, in Form von Thermaldämpfen, auch als Getränk und zur Bereitung von Pastillen. Das Wasser der Murquelle wird auch mit Lithiumkarbonat verstärkt und mit Kohlensäure imprägniert. Man verwendet die Thermen besonders bei chronischem Rheumatismus und Gicht, bei Lähmungen, Neuralgien, alten Wunden, Hautkrankheiten etc., innerlich bei chronischen Katarrhen aller Art, Harngries etc. In der Nähe entspringen auch drei schwache Stahlquellen. Baden-Baden hat auch Einrichtungen für Inhalationen, Kaltwasserkur, römisch-irische und elektrische Bäder, Heilgymnastik etc. Wegen des gleichmäßigen, wenig feuchten, milden Klimas wird Baden-Baden häufig auch als Winteraufenthalt gewählt. Über dem „Ursprung“ befindet sich das ältere Dampfbad; das „Friedrichsbad“ ist die eleganteste derartige Anstalt in Europa.

Ebenfalls großartig ist das Kaiserin Augusta-Bad, zugleich Frauenbad. Wannenbäder mit Thermalwasser finden sich in den meisten Gasthäusern; für mittellose Kurgäste dient das Landesbad. Unter den Anlagen nimmt die „Promenade“ mit ihren Verkaufsläden den ersten Platz ein. 1901 wurde Baden-Baden von 72.299 Badegästen besucht. Im Jahr 1900 leben hier 15.718 Einwohner, der Großteil sind Katholiken, 4275 Evangelische und 190 Juden. Baden-Baden ist Sitz eines Bezirksamtes, eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramtes, eines Forstamtes und hat ein Gymnasium, Realgymnasium mit Oberrealschule, Handels- und Gewerbeschule und ein Kunstmuseum. Die Industrie beschränkt sich auf Holzschnitzerei und Zigarettenfabrikation. Die Umgegend Badens ist überaus schön und anmutig. Der nächste Spaziergang ist die Lichtenthaler Allee mit dem Denkmal der Kaiserin Augusta; sie führt nach dem Cistercienser-Nonnenkloster Lichtenthal. Ein Seitental der Oos führt zum Geroldsauer Wasserfall. Andere Punkte der Umgegend sind: das alte Schloß Hohenbaden (1689 durch die Franzosen zerstört), mit großartigen Ruinen und prachtvoller Aussicht, die Trümmer der Burg Alteneberstein, der Staufen- oder Merkuriusburg, mit Aussichtsturm, das Schloß Eberstein (Privateigentum des Großherzogs), die Yburg, der Badener Höhturm und der Fremersberg mit Aussichtsturm sowie der Ort Iffezheim (Rennbahn für die berühmten Pferderennen), die Luftkurorte Plättig, Sand, Hundseck etc.

Geschichte:

Baden, ursprünglich Aquae, seit Caracalla Aquae Aureliae, Hauptort der Civitas Aquensis, wurde wahrscheinlich unter Hadrian gegründet, im 3. Jahrhundert von den Alemannen zerstört und wird erst 676 wieder erwähnt. Es wechselte oft die Herren: nacheinander waren es die Mönche des Klosters Weißenburg, die Grafen von Kalw, etwa um 1052 die Zähringer, von denen sich der jüngere Zweig zuerst 1112 Markgrafen von Baden nannte. Durch den Bau des Neuen Schlosses (1479) und die Erhebung zur Hauptstadt der Markgrafschaft Baden-Baden (1533) hob sich Baden-Baden immer mehr, bis es 1689 von den Franzosen fast ganz zerstört wurde. Markgraf Ludwig Wilhelm verlegte 1706 die Residenz nach Rastatt.
Die erste Grundlage zur heutigen Bedeutung Badens als Badeort wurde durch die französischen Emigranten gelegt, die zur Zeit der großen Revolution nach Baden-Baden kamen. 1808 erstand das Gesellschaftshaus, 1822 das Konversationshaus, seit 1840 eine Menge großartiger Hotels, und 1843–47 wurde das Schloß umgebaut. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Baden-Baden Mode- und Weltbad und blieb es auch, nachdem 1872 die Hasardspiele verboten waren.

 

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