Mannheim

Mannheim, Friedrichsplatz
Mannheim, Friedrichsplatz

Mannheim im Großherzogtum Baden, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Mannheim 162.607 Einwohner – 1905 = 26. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Mannheim, Marktplatz mit Rathaus
Mannheim, Marktplatz mit Rathaus

Mannheim im Großherzogtum Baden

Mannheim ist die größte Stadt und zweite Hauptstadt des Großherzogtums Baden, zugleich Hauptort des gleichnamigen Kreises, der 468 km² (8,32 Quadratmeilen) mit im Jahr 1900 = 225.508 Einwohnern (120.095 Evangelische, 95.710 Katholiken und 6433 Juden) umfasst.

Landkarte Elsass-Lothringen, Baden, Württemberg, Pfalz
Landkarte Elsass-Lothringen, Baden, Württemberg, Pfalz

Mannheim liegt am Einfluss des Neckar in den Rhein, 96 Meter über dem Meer, in fruchtbarer Gegend und hat erst im 18. Jahrhundert als damalige Landeshauptstadt, besonders aber im 19. Jahrhundert infolge ihrer günstigen Lage als Rheinhafen einen ungemein raschen Aufschwung genommen. In der inneren, in Kreisform angelegten Stadt münden die unter rechtem Winkel sich schneidenden Straßen sämtlich auf den die Stadt umschließenden Ringdamm, der in einen Boulevard umgebaut ist.

Mannheim, Vogelperspektive
Mannheim, Vogelperspektive

Zur Stadt Mannheim gehören noch die Vorstädte Neckar- und Schwetzinger-Vorstadt, der Lindenhof, Jungbusch, Mühlau und die eingemeindeten Vororte Käferthal, Waldhof und Neckarau.

Mannheim Stadtplan 1900 (Wagner & Debes Leipzig)
Mannheim Stadtplan 1900 (Wagner & Debes Leipzig)

Unter den 14 freien Plätzen der Stadt Mannheim sind zu erwähnen der Paradeplatz und Marktplatz, beide mit allegorischen Monumenten aus dem 18. Jahrhundert geschmückt, der Schlossplatz mit dem von Professor Eberlein modellierten Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. und zwei Monumentalbrunnen, der Theater- oder Schillerplatz mit den auf Granitpiedestalen aufgestellten Kolossalstatuen Ifflands und Dalbergs (beide von Widnmann) und Schillers (von K. Cauer), vor allem der nach den Entwürfen von Bruno Schmitz ausgeführte großartige Friedrichsplatz.

Mannheim, Marktplatz
Mannheim, Marktplatz

Außer den genannten Denkmälern besitzt Mannheim ein Krieger-, ein Bismarck-, ein Moltke– und ein Lamey-Denkmal. Von den 16 vorhandenen Kirchen (9 katholischen und 7 evangelischen) sind bemerkenswert die Kirche des ehemaligen Jesuitenkollegiums (1737–60 erbaut, im Innern prachtvoll mit Marmor dekoriert und die Decke mit Freskomalereien geschmückt), die Konkordienkirche mit hübschem, 1894 vollendetem Turm und die Schlosskirche mit geschmackvoller innerer Einrichtung.

Mannheim, Denkmal am Paradeplatz
Mannheim, Denkmal am Paradeplatz

Die Israeliten haben eine im maurischen Stil erbaute Synagoge. Das große ehemalige kurfürstliche Residenzschloss (1720–59 erbaut) nimmt mit seinen Höfen, Stallungen, Remisen etc. einen Flächeninhalt von 6 Hektar ein und ist bei einer Frontlänge von 530 m mit seinen 1500 Fenstern das größte Deutschlands. Es enthält die prächtig ausgeschmückten großherzoglichen Gemächer, eine Bibliothek, Kirche, Gemäldegalerie, Altertümer- und Naturaliensammlung.

Mannheim, vom Schloss gesehen
Mannheim, vom Schloss gesehen

An das Schloss in Mannheim reiht sich der umfangreiche, dem Publikum geöffnete Schlossgarten mit seinen herrlichen Baumgruppen an. Von alten öffentlichen Bauwerken sind noch erwähnenswert: die Sternwarte, das Theater, Kaufhaus mit prächtiger Sandsteinfassade in feinstem Barockstil (jetzt Sitz der Stadtverwaltung), Rathaus, das Zeughaus, von neuern namentlich die von Bruno Schmitz erbaute großartige städtische Festhalle Rosengarten, deren Säle zu den schönsten und größten ihrer Art gehören.

Mannheim, Rosengarten
Mannheim, Rosengarten

Die Zahl der Einwohner Mannheims beträgt im Jahr 1900 mit der Garnison (2 Bataillone Grenadiere Nr. 110) 141.131 Seelen, davon 71.494 Evangelische, 62.212 Katholiken und 5478 Juden. Mannheim ist der wichtigste Handels- und einer der größten Industrieplätze Süddeutschlands. In der Industrie stehen voran die Metallverarbeitung, Maschinenindustrie und Eisengießerei mit über 100 Betrieben und 10,000 Arbeitern, darunter die Lanzsche Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen mit 3600 Arbeitern, eine Gasmotoren-, eine Armaturenfabrik mit 900 Arbeitern, zwei Schiffswerften,

Mannheim, Partie am Rheinhafen (Lagerhaus)
Mannheim, Partie am Rheinhafen (Lagerhaus)

eine Fabrik für Herstellung von elektrischen Maschinen, Kabeln, Eisenbahnbedarf, Brauereiartikeln, Drahtwaren, Öfen, Kranen etc., ein Stahlwerk, drei sonstige Maschinenfabriken, 6 chemische Fabriken mit 1500 Arbeitern, eine Ölfabrik mit 200 Arbeitern, 5 Gummi- und Zelluloidfabriken (darunter eine mit 2600 Arbeitern), 6 Hobelwerke, 8 Möbel-, Faß- und Bürstenfabriken, 4 Brikettfabriken, eine Spiegelfabrik mit 400 Arbeitern, eine Tapetenfabrik mit 200 Arbeitern, eine Korsettfabrik mit 400 Arbeitern, eine Zuckerraffinerie, bedeutende Bierbrauerei, Preßhefe-, Zigarren- und Bettfedernfabrikation, große Getreidemühlen, polygraphische Großbetriebe etc.

Mannheim, Tullastraße mit Realgymnasium und Christuskirche
Mannheim, Tullastraße mit Realgymnasium und Christuskirche

Auch die Industrie der nähern Umgebung ist bedeutend, insbesondere die chemische Großindustrie, sodann die Süddeutsche Juteindustriefabrik mit 900 Arbeitern, eine Zellstofffabrik mit ca. 2000 Arbeitern, eine Steinzeugwarenfabrik mit 600 Arbeitern etc. Der Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer, durch 22 Konsulate fremder Länder, eine Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1904: 5579,1 Millionen Mark), die Badische Bank, die Rheinische Kreditbank, Oberrheinische Bank, Mannheimer Bank, Rheinische Hypothekenbank, Süddeutsche Bank, Süddeutsche Diskontogesellschaft, Mannheimer Gewerbebank, Filialen der Dresdener und der Pfälzischen Bank und andere Bankinstitute sowie durch das besonders entwickelte Versicherungsgewerbe.

Mannheim, Hauptpost mit Planken
Mannheim, Hauptpost mit Planken

Der Eisenbahnverkehr und die Schifffahrt auf dem Rhein und Neckar sind sehr bedeutend. Mannheim ist der größte Warenumschlagsplatz Süddeutschlands, von dem aus die zu Schiff angekommenen Waren hauptsächlich nach Süddeutschland, der Schweiz und Österreich weitergehen. Handelsartikel sind vorzugsweise: Getreide, Mühlenfabrikate, Wein, Hopfen, Kolonialwaren, Steinkohlen, Eisen und Eisenwaren, Drogen, Holz, Lack, Farben, besonders auch Petroleum.

Mannheim, Hafenpartie
Mannheim, Hafenpartie

Der Schiffsverkehr wird gefördert durch umfangreiche Hafenanlagen (Staatshafen mit dem großen Mühlauhafenbecken zwischen Neckar und Rhein, städtischer Industriehafen am Altrhein und Rheinauhafen am Rhein, zusammen mit 223 Hektar Flächeninhalt), die mit einem Kostenaufwand von 50 Millionen Mark erbaut worden sind und als die größten derartigen Anlagen im Binnenlande gelten. Auf dem Rhein kamen 1904 an zu Berg: 9030 Schiffe mit 3.852.000 Tonnen Ladung; zu Tal: 2537 Schiffe mit 127.000 Tonnen Ladung, außerdem 6500 Tonnen Floßholz.

Mannheim, Friedrichsbrücke
Mannheim, Friedrichsbrücke

Der Talverkehr ist geringer und besteht besonders aus Holz und Salz, das neckarabwärts kommt (zu Tal auf dem Neckar 1904: 151.000 Tonnen). Das Hafengebiet ist mit Lagerungs-, Löschungs- und Verkehrseinrichtungen aller Art aufs reichlichste ausgestattet; die Silospeicher allein fassen über 1 Millionen dz Getreide, die Tanks für amerikanisches, russisches und galizisches Petroleum rund 50 Millionen Liter. Mannheim ist Sitz mehrerer der größten rheinischen Schifffahrtsgesellschaften.

Mannheim, Börse
Mannheim, Börse

Der Verkehr in der Stadt Mannheim und mit den Orten der Umgegend wird durch eine elektrische und mehrere Dampfstraßenbahnen vermittelt. Für den Eisenbahnverkehr ist Mannheim mit 6 Bahnhöfen Knotenpunkt der badischen Staatsbahnlinien Mannheim-Konstanz, Mannheim-Schwetzingen und Mannheim-Friedrichsfeld, der preußisch-hessischen Staatsbahnlinie Biblis-Mannheim, der Linie Mannheim-Ludwigshafen sowie der Eisenbahnen Mannheim-Weinheim und Heidelberg-Mannheim.

Mannheim, Bahnhof
Mannheim, Bahnhof

An Bildungsinstituten und ähnlichen Anstalten besitzt Mannheim ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule mit Handelsabteilung, eine Reformschule, eine Gewerbeschule, eine Schiffer- und eine Ingenieurschule, eine öffentliche Bibliothek, mehrere wissenschaftliche Vereine, ein großherzogliches Hof- und Nationaltheater, eine Hochschule und ein Konservatorium für Musik, Kunstsammlungen im Schloss, eine städtische Gemäldegalerie, stadtgeschichtliches Museum, Naturalienkabinett, einen Kunstverein etc.,

Mannheim, Hoftheater
Mannheim, Hoftheater

ferner ein Waisenhaus, 2 Rettungshäuser, ein Blindenheim, mehrere große Krankenhäuser, viele Armenstiftungen und Wohltätigkeitsinstitute etc. Es erscheinen hier täglich 6 Zeitungen. Von Behörden haben in Mannheim ihren Sitz: ein großherzogliches Landeskommissariat für die Kreise Mannheim, Heidelberg und Mosbach, ein Bezirksamt, die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, ein Forstamt, ein Hauptsteueramt, ein Hauptzollamt und ein Landgericht mit drei Kammern für Handelssachen.

Mannheim, Schiller-Platz
Mannheim, Schiller-Platz

Die städtischen Behörden Mannheims zählen 27 Stadtratsmitglieder und 96 Stadtverordnete. In der nächsten Umgegend ist der Friedhof, jenseits des Neckar, bemerkenswert. Auf ihm befinden sich schöne Denkmäler, die Gräber Dalbergs, Kotzebues, K. L. Sands, der hier verstorbenen Krieger von 1870/71, der 1849 standrechtlich Erschossenen etc. Zum Landgerichtsbezirk Mannheim gehören die drei Amtsgerichte zu Mannheim, Schwetzingen und Weinheim.

Mannheim, Städtische Kunsthalle
Mannheim, Städtische Kunsthalle

Geschichte:

Mannheim erscheint zuerst 766 in Urkunden des Klosters Lorsch als Dorf und gehörte späterhin zeitweise zur Burg Rheinhausen. 1606 legte Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz den Grund zu den Festungswerken Mannheims (Friedrichsburg), und seitdem der Ort 1607 Stadtrecht erhalten hatte, gewann er durch zahlreiche Zuwanderungen, besonders aus den Niederlanden, rasch an Ausdehnung. 1622 eroberte die bayrisch-kaiserliche Armee unter Tilly Mannheim nach längerer Belagerung; 1631 bemächtigte sich Bernhard von Weimar der Stadt.

Mannheim, Planken
Mannheim, Planken

1635 wurde sie wieder von den Kaiserlichen, 1644 von den Franzosen besetzt, fiel aber nach einem blutigen Kampf in die Hände der Bayern, die erst 1649 wieder abzogen. Kurfürst Karl Ludwig baute die zerstörte Stadt und Festung wieder auf und erweiterte 1652 die Privilegien Mannheims durch namhafte Rechte und freiheitliche Bestimmungen; es wurde jetzt ein beliebter Ansiedelungsort für wallonische und hugenottische Auswanderer, die den Grund zu seinem neuen Aufblühen legten.

Mannheim, Bismarckdenkmal
Mannheim, Bismarckdenkmal

1688 von dem französischen General Vauban nach 17tägiger Belagerung genommen, wurde Mannheim nebst elf anderen Städten der Unterpfalz im März 1689 niedergebrannt. Beim Wiederaufbau (1699) ließ es Kurfürst Johann Wilhelm nach den Plänen des niederländischen Festungsbaumeisters Coehoorn befestigen. Kurfürst Karl Philipp verlegte 1720 seine Residenz von Heidelberg nach Mannheim und erbaute ein Schloss von gewaltigen Dimensionen.

Mannheim, 300. Jahrestag
Mannheim, 300. Jahrestag

Die Glanzperiode kann aber für Mannheim erst unter dem Kurfürsten Karl Theodor, der außerordentlich viel für die Pflege von Kunst und Wissenschaft tat; namentlich blühte damals unter dem trefflichen Intendanten von Dalberg das Theater, das Iffland, Beil, Beck u. a. zum ersten Deutschlands erhoben. Ein schwerer Schlag war es für Mannheim, als 1778 Karl Theodor infolge der bayrischen Erbschaft mit seinem ganzen Hofe nach München übersiedelte. Im Revolutionskrieg nahmen die Franzosen im Dezember 1794 die Rheinschanze, und am 20. September 1795 ergab sich ihnen die Stadt.

Mannheim, Gymnasium und Heiliggeistkirche
Mannheim, Gymnasium und Heiliggeistkirche

Indessen erschienen schon am 18. Oktober die Österreicher unter Wurmser vor Mannheim, dessen französische Besatzung nach einem heftigen Bombardement am 23. November kapitulierte. Infolge der durch den Lüneviller Frieden veranlassten Entschädigungsverträge kam Mannheim durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 an Baden, das alles tat, um der tief daniederliegenden Stadt wieder emporzuhelfen. Am 23. März 1819 wurde hier der Schriftsteller August von Kotzebue (* 3. Mai 1761 in Weimar) vom radikalen Burschenschafter Karl Ludwig Sand ermordet.

Mannheim, Friedrichsplatz mit Wasserturm
Mannheim, Friedrichsplatz mit Wasserturm

Die politische Bewegung der 1830er und 40er Jahre fand hier lebhaften Widerhall. Während der badischen Revolution (1849) war Mannheim längere Zeit in den Händen der Volkstruppen. Infolgedessen wurde Mannheim von den Preußen beschossen, bis am 22. Juni durch eine in der Stadt eingetretene Konterrevolution die Übergabe Mannheims an die Preußen erfolgte. Das 19. Jahrhundert machte aus Mannheim ein wichtiges Handelsemporium und seine neueste Entwickelung führt zur industriellen Großstadt.

Mannheim Stadtplan um 1920
Mannheim Stadtplan um 1920

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

Ähnliche Beiträge

Vorherige SeiteNächste Seite
LörrachMosbach

2 Kommentare

Kommentar verfassen