Bernhard Fürst von Bülow

Bernhard von Bülow
Bernhard von Bülow

Bernhard Fürst von Bülow, Diplomat und vierter deutscher Reichskanzler

Bernhard Fürst von Bülow

Bernhard Fürst von Bülow
* 03.05.1849 in Klein-Flottbek bei Altona,
† 28.10.1929 in Rom;
vierter Reichskanzler vom 17.10.1900 bis 14.07.1909

Vater:

Bernhard Ernst von Bülow (* 2. August 1815 in Cismar in Holstein; † 20. Oktober 1879 in Frankfurt am Main)

Mutter:

Louise Rücker (* 18. Oktober 1821; † 29. Januar 1894)

Ehefrau:

Maria Beccadelli di Bologna (* 6. Februar 1848 in Neapel – † 26. Januar 1929 in Rom), Hochzeit am 9. Januar 1886 in Wien.

Kinder:

keine

Die Bülows sind eine alte adelige mecklenburgische Familie mit lutherischer Konfession. Sie kommt schon im 13. Jahrhundert vor und hatte ihren Stammsitz wahrscheinlich im Dorf Bülow bei Rehna (Nordwestmecklenburg). Seit dem 14. Jahrhundert verzweigte sie sich im nördlichen Deutschland in 9 Linien.

Der Familientag des Geschlechts von Bülow in Bad Heiligendamm
Der Familientag des Geschlechts von Bülow in Bad Heiligendamm

Bernhard Graf von Bülow wurde als erstes Kind von Bernhard Ernst von Bülow und dessen Ehefrau Louise, geb. Rückert am 3. Mai 1849 in Kleinflottbeck (Holstein) geboren. Er studierte in Lausanne, Leipzig und Berlin die Rechte, trat 1870 als Avantageur in das Bonner Königshusarenregiment und wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg Offizier. Bülow kehrte aber zur Justiz zurück und ging nach längerer Tätigkeit beim Landgericht und Bezirkspräsidium in Metz (Elsaß-Lothringen) in den diplomatischen Dienst über. 1874 trat er ins Auswärtige Amt ein und erkannte frühzeitig die Unversöhnlichkeit Frankreichs. Bülow wurde 1876 der deutschen Botschaft in Rom als Attaché beigegeben, dann im Auswärtigen Amt beschäftigt, 1880 Sekretär bei der deutschen Botschaft in Paris (Frankreich), 1883 Botschaftsrat in St. Petersburg (Russland), 1888 Gesandter in Bukarest (Rumänien) und 1893 Botschafter in Rom (Italien).

Fürst und Fürstin Bülow in Baden-Baden
Fürst und Fürstin Bülow in Baden-Baden

Am 9. Januar 1886 heiratete er in Wien Maria Beccadelli di Bologna, eine Prinzessin Camporeale, Stieftochter des italienischen Ministers Minghetti.

Im Sommer 1897 wurde er mit der Stellvertretung des Freiherrn von Marschall beauftragt, im Oktober 1897 zum Staatssekretär ernannt und nach dem Abschluss des Vertrags mit Spanien über die Abtretung der Marianen und Karolinen am 22. Juni 1899 in den Grafenstand versetzt. Nach dem Rücktritt Hohenlohes wurde Bülow am 17. Oktober 1900 zum Reichskanzler, preußischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen ernannt. Die Universität Königsberg ernannte ihn am 18. Januar 1901 zum Ehrendoktor der Rechte. Im Jahre 1905 wurde Bülow in den Fürstenstand erhoben.

Der neue deutsche Reichskanzler Graf Bernhard von Bülow
Der neue deutsche Reichskanzler Graf Bernhard von Bülow

Bernhard Fürst von Bülow sollte nach dem Willen Kaiser Wilhelms II.mein Bismarck werden„. Dem „neuen Kurs“ des Kaisers, besonders aber dessen Freund Philipp Eulenburg und Geheimrat Holstein stand er sehr nahe. Bereits unter Hohenlohe war Bülow die treibende Kraft der deutschen Politik. Spielerisch, ohne Innerlichkeit, immer in Pose, von beweglicher Klugheit und hemmungslosen Ehrgeiz, selbstgefällig, trat er der Eigenwilligkeit Kaiser Wilhelm II. nie entgegen. Völlig abhängig von dem Sonderling Holstein, allen Entscheidungen ausweichend, trug er nicht rechtzeitig den Annäherungsversuchen Großbritanniens in seiner Außenpolitik Rechnung. Bülow galt als sehr geschmeidig und selbstsicher, sprach mehrere Sprachen und war ein hervorragender Unterhalter, aber auch ein Opportunist reinster Prägung und ein Blender par excellence.

Reichskanzler Fürst Bülow auf seinem Spaziergang nach dem Tiergarten (Berlin 8. Mai 1906)
Reichskanzler Fürst Bülow auf seinem Spaziergang nach dem Tiergarten (Berlin 8. Mai 1906)

Als Reichskanzler unterstützte er die Flottenaufrüstung von Tirpitz ebenso wie die verhängnisvolle Balkanpolitik Österreich-Ungarns. Mit seinem undiplomatischen Satz: „Wir werden es auch fernerhin Österreich ganz überlassen, sein Verhalten den Serben gegenüber ausschließlich nach seinem Ermessen und seinen Interessen einzurichten.“ gab er nicht nur den Österreichern einen Freibrief zu zukünftigen Konflikten, sondern verärgerte auch noch die Schutzmacht Serbiens Russland zutiefst. Während seiner Amtszeit kam es 1904 auch zur Ersten Marokkokrise, die mit der Zweiten Marokkokrise 1911 für das Deutsche Reich mit einer diplomatischen Niederlage und nahezu völliger Isolation endete. Nach der „Daily Telegraph“-Affäre war seine Stellung schwer erschüttert und er auch nach rund 9 Jahren amtsmüde. Als der Reichstag das Erbschaftssteuergesetz in zweiter Lesung ablehnte trat Bernhard von Bülow am 14. Juli 1909 als Reichskanzler zurück und zog mit seiner italienischen Frau in seine Villa nach Rom.

Fürst von Bülow wurde mit der Führung der Geschäfte der deutschen Botschaft in Rom betraut
Fürst von Bülow wurde mit der Führung der Geschäfte der deutschen Botschaft in Rom betraut

1914/15 zum Sonderbotschafter in Rom ernannt, scheiterte er mit der Mission, Italien zu seinen Verpflichtungen im Dreibund zu bewegen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914 – 1917) versuchte er vergeblich sich wieder in die Politik einzubringen, besonders während der Kanzlerkrise 1917. Bernhard Fürst von Bülow verstarb am 28. Oktober 1929 in Rom, seine Frau kurz zuvor am 26. Januar 1929. Beide wurden zusammen auf dem Nienstedtener Friedhof in Hamburg beigesetzt Auf seinen Wunsch hin erschienen seine „Denkwürdigkeiten“ in 4 Bänden erst nach seinem Tod im Jahre 1930/31. Dieses Werk sollte seiner Rechtfertigung dienen, war aber nur von Unaufrichtigkeit und Rachsucht diktiert und erregte nur peinliches Aufsehen.

Fürst Bernhard von Bülow in seinem Arbeitszimmer in der Villa Malta zu Rom
Fürst Bernhard von Bülow in seinem Arbeitszimmer in der Villa Malta zu Rom

An dem früher von ihm bewunderten und hochverehrten Kaiser Wilhelm II. ließ er in seinem Buch kein gutes Haar, noch übler zog er über seinen Nachfolger im Amt des Reichskanzlers, Bethmann Hollweg, her. Mit Bernhard Fürst von Bülow verkörperte erstmals ein ranghoher deutscher Politiker den Typ Menschen den wir heute noch verächtlich als Karrierepolitiker bezeichnen. Nachfolger Bülows im Amt des Reichskanzlers wurde Theobald von Bethmann Hollweg.

The Ready-Made Napoleon. Bülow: Sapristi, Herr Wilhelm! They become you most beautifully! Puck New York, Juli 26, 1905
The Ready-Made Napoleon. Bülow: Sapristi, Herr Wilhelm! They become you most beautifully! Puck New York, Juli 26, 1905

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Meyers Lexikon“, 8. Auflage in 9 Bänden 1936

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