Admiral von Tirpitz

Alfred von Tirpitz

Alfred von Tirpitz, Großadmiral der Kaiserlichen Marine und Schöpfer der Flotte, Biographie, Lebenslauf in Bildern

Alfred von Tirpitz

Alfred von Tirpitz

* 19.03.1849 in Küstrin (Brandenburg), † 06.03.1930 in Ebenhausen (bei München); Großadmiral der Kaiserlichen Marine, Staatssekretär des Reichsmarineamts 1897-1916

Alfred von Tirpitz Biografie, Lebenslauf

Alfred von Tirpitz wurde am 19. März 1849 in Küstrin (Provinz Brandenburg) geboren. Gemeinsam mit seinem Bruder besuchte er zunächst die Realschule in seiner Heimatstadt Frankfurt/O. Tirpitz schätze sich selbst als sehr schwankenden Schüler ein, der Weihnachten 1864 nur mäßige Zensuren erreichte. Nur durch Zufall, sein Schulfreund Maltzahn hatte die Absicht geäußert, gelangte er zur Marine. Am 1. April 1865 legte er in Berlin die Seekadettenprüfung ab und trat am 24. Juni 1869 in die Preußische Marine ein. Am 22. September 1869 erfolgte die Beförderung zum Leutnant zur See. Von 1877 bis 1889 war er maßgeblich am Aufbau der Torpedowaffe beteiligt, gehörte zur Admiralität und war zugleich Mitglied der Torpedoversuchs- und -prüfungskommission. Zeitweise war Tirpitz Kommandant des Torpedoschiffs Zieten (1878-80), danach Erster Offizier und dann Kommandant des Torpedoschulschiffs Blücher (1881-84). 1888 war er mit 38 Jahren der jüngste Kapitän zur See.

Alfred von Tirpitz
Alfred von Tirpitz

Schon bald kam er in leitende Stellen und organisierte in den 1880er Jahren die Entwicklung der Torpedowaffe. Danach legte er als Chef des Stabes im Oberkommando der Marine durch taktische Übungen die Grundlage für die Verwendung der Flotte als Hochseewaffe. In den Jahren 1896-97 war er als Konteradmiral Divisionschef in China und machte sich sehr für die Pachtung und den Ausbau von Kiautschou als Stützpunkt stark. Als Staatssekretär des Reichsmarineamtes 1897 bis 1916 schuf er die deutsche Hochseeflotte. Mit großem Geschick setzte er im Reichstag die Flottengesetze von 1898, 1900, 1906 und 1908 durch, die das Deutsche Reich zur zweitstärksten Seemacht machten. Mit dem 28. März 1898 wurde er auch preußischer Staatsminister, am 5. Dezember 1899 folgte die Beförderung zum Vizeadmiral. Am 12. Juni 1901 wurde er von Kaiser Wilhelm II. in den erblichen Adelsstand erhoben. Mit dem 12. Juni 1903 wurde er Admiral. Die Ernennung zum Großadmiral erfolgte am 27. November 1911. Als von Tirpitz am 15. März 1916 in den Ruhestand versetzt wurde, war er Träger des Schwärzen Adlerordens (verliehen am 27. Januar 1907) und des „Pour le Merite“ (verliehen am 10. August 1915).

Alfred von Tirpitz
Alfred von Tirpitz

Tirpitz sieht in der Kaiserlichen Marine das Instrument zum Durchsetzen neuer Ziele, den Schutz der deutschen Küsten und Kolonien, aber auch einen „Schmelztiegel des deutschen Volkes„; von Ihm stammt die Aussage: „Es ist in der Tat so gewesen, dass keine der zahlreichen Einrichtungen des seit 1871 gründlichst durch organsierten Deutschen Reiches so viel und gleich stark zur Pflege des Einheitsgedankens beigetragen hat wie die Schöpfung der Flotte. In ihr trafen sich Nord und Süd, Ost und West, beseelt von dem einheitlichen Willen, Tüchtiges zu leisten, Großes zu schaffen. Völkische Gegensätze, Stammeseigenschaften verschwanden, Mundarten schliffen sich ab. Unter der Kriegsflagge des Reiches lernte man es, deutsch zu fühlen und zu denken… Man darf getrost behaupten und tut geschichtlicher Erkenntnis damit keinen Zwang an, dass Aufbau und Aufstieg der kaiserlichen Marine nicht nur die Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes gefördert haben, sondern auch seine politische Entwicklung bedeutungsvoll aufwärts führten. Der Blick der unter der Kriegsflagge Dienenden weitete sich, das Binnenland erwachte, schon auf dem Wege über die Verwandtschaft mit Angehörigen der Marine, Fragen der Seegeltung wurden auch fern der Küste besprochen. Vor allem aber: der Gemeinschaftsgedanke breitete bei wachsendem Verständnis für weltpolitische Belange seine Wurzeln immer weiter und kräftiger aus. Jeder Matrose oder Heizer, der von Wilhelmshaven oder Kiel auf Urlaub fuhr, wurde mehr oder minder zum Träger dieses Gedankens. Kehrte er dann aus dem Auslande heim, so fand er zu Hause die willigsten Zuhörer für sein ‚Garn‘, wohin der Atem des Weltverstehens noch nicht gedrungen war. Es ist nicht möglich, die Bedeutung dieser ungekünstelten Aufklärungsarbeit der Marine, in bestimmtem Sinne, etwas zahlenmäßig zu erfassen. Dass sie aber beträchtlich und für da das deutsche Volk kerngesund war, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel.“ („War alles falsch?“, Joachim von Kürenberg)

Alfred von Tirpitz
Alfred von Tirpitz

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 mischte sich Tirpitz so sehr in das politische Geschehen ein, dass es schließlich zu schweren Differenzen mit dem Reichskanzler kam. Nachdem sich Tirpitz vergeblich im Großen Hauptquartier für eine energische Seekriegsführung eingesetzt hatte und den uneingeschränkten U-Boot-Krieg gegen England forderte, verlangte Reichskanzler von Bethmann Hollweg die Entlassung des Großadmirals mit dem Hinweis, dass die Reichsstaatssekretäre seine Untergebenen seien und dass die Politik von ihm allein geführt werden müsse. Tirpitz trat zurück und schweren Herzens musste Kaiser Wilhelm II. den willensstarken Mann, dem er und die Flotte so viel zu verdanken hatte ziehen lassen. Tirpitz gründete 1917 mit Wolfgang Kapp (1858 – 1922) die Vaterlandspartei, die einen Siegfrieden vertrat und war von 1924 bis 1928 deutschnationales Mitglied des Reichstags. Alfred von Tirpitz starb am 6. März 1930 im Alter von 80 Jahren in Ebenhausen bei München.

Er schrieb:

  • „Erinnerungen“, Koehler Verlag 1920
  • „Aufbau der deutschen Weltmacht“, Cotta 1924
 
Vor der Abfahrt zur Nordlandsreise: Besuch des Kaiser auf der Torpedowerkstatt Friedrichsort bei Kiel in Begleitung des Staatssekretärs Admiral von Tirpitz. "Bilder vom Tage" Foto Gebr. Häckel
Vor der Abfahrt zur Nordlandsreise: Besuch des Kaiser auf der Torpedowerkstatt Friedrichsort bei Kiel in Begleitung des Staatssekretärs Admiral von Tirpitz. "Bilder vom Tage" Foto Gebr. Häckel

Alfred Tirpitz, 1896 über die Notwendigkeit einer starken deutschen Kriegsflotte, in einem Brief an Albrecht von Stosch (Chef der Admiralität von 1872-1883):

Unsere Politik rechnet als reale Unterlage zur Zeit nur mit der Armee, diese wirkt direkt aber nur auf unsere Landgrenzen, darüber hinaus nur mittelbar durch den von hier aus übertragenen Druck. Unsere Politik versteht nicht, dass der Allianzwert Deutschlands selbst für europäische Staaten vielfach nicht in unserer Armee, sondern in der Flotte liegt. Beispielsweise: Wenn Russland und Frankreich in einer Frage gegen England stehen. Das Hinzutreten unserer jetzigen Flotte ist dafür von zu geringer Bedeutung. […]

Unserer Politik fehlt bis jetzt vollständig der Begriff der politischen Bedeutung der Seemacht. Wollen wir aber gar unternehmen, in die Welt hinauszugehen und wirtschaftlich durch die See zu erstarken, so errichten wir ein gänzlich hohles Gebäude, wenn wir nicht gleichzeitig ein gewisses Maß von Seekriegsstärke uns verschaffen. Indem wir hinausgehen, stoßen wir überall auf vorhandene oder in Zukunft liegende Interessen. Damit sind Interessenkonflikte gegeben. Wie will nun die geschickteste Politik, nachdem das Prestige von 1870 verraucht ist, etwas erreichen ohne eine reale, der Vielseitigkeit der Interessen entsprechende Macht? Weltpolitisch vielseitig ist aber nur die Seemacht.

TIME The Weekly News-Magazine June 2, 1924 - Alfred von Tirpitz "Germany was not ruthless enough!"
TIME The Weekly News-Magazine June 2, 1924 - Alfred von Tirpitz "Germany was not ruthless enough!"

Schlachtschiff Tirpitz

Am 1. April 1939 erfolgte auf der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven der Stapellauf des Schwesterschiffes der „Bismarck“. Die Taufe auf den Namen „Tirpitz“ vollzog Frau von Hassel, die Tochter des Großadmirals von Tirpitz. Die „Tirpitz“ war das größte Kriegsschiff der Kriegsmarine und wurde während des Zweiten Weltkrieges vor Nordnorwegen eingesetzt, um die Geleitzüge zwischen der Sowjetunion und Großbritannien zu stören. Während der Zeit war das Schiff ständig Angriffen der Royal Air Force (RAF) und kleinen U-Booten ausgesetzt. Die „einsame Königin des Nordens“, bereits vorher schwer beschädigt, kenterte am 12. November 1944 nahe Tromsø nach einem britischen Fliegerangriff, wobei 912 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.

German Battleship Tirpitz Sunk 1944, Marshall Island 1994 50c
German Battleship Tirpitz Sunk 1944, Marshall Island 1994 50c

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
  • „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
  • „Erinnerungen“ Alfred von Tirpitz, Verlag von K. F. Koehler Leipzig 1920
  • „Ereignisse und Gestalten 1878-1918“, Wilhelm II. 1922
  • „War alles falsch?“ Joachim von Kürenberg, Athenäum-Verlag 1951

3 Kommentare

  1. Oh, wie schön, die verschwundene Tirpitz-Biografie ist wieder aufgetaucht, und sogar neu bearbeitet und mit Bildern, die selbst ich z.T: noch nicht kannte – ich werde sie mir aber nicht „ausleihen“, es genügt ja, wenn man sie hier sehen kann :-}

    PS: Kleine Korrektur: Das 3. Bild zeigt Tirpitz als Contre-Admiral; wahrscheinlich kurz nach seiner Beförderung 1896. Damals war er entgegen der Bildunterschrift noch nicht geadelt; erst 1900 wurde er „von Tirpitz“!

  2. Noch ein PS: Besteht eigentlich die begründete Aussicht, daß irgendwann auch die verschwundenen Seiten über Tegetthoff und die Skagerrak-Schlacht wieder auftauchen? In dieser Hoffnung schleppe ich sie immer noch als tote Links auf meinen Webseiten mit, obwohl die Spider der Suchmaschinen das hassen und es wohl auf die Dauer auch meinem Ranking schadet. Aber über Tegetthoff gibt es ja sonst nichts Verlinkenswertes im www – deshalb wäre eine Wiederherstellung besonders wünschenswert. Und über die Skagerrak-Schlacht gibt es zwar seit 2016 – 100. Jahrestag – eine ganz brauchbare neue Webseite, allerdings nur auf Englisch, weshalb sie für mich bzw. meine Leser nur 2. Wahl wäre. Aber natürlich ist 2. Wahl immer noch besser als gar nichts…

    1. Es kommt alles zu seiner Zeit wieder.
      Aktuell habe ich über 1000 Seiten konvertiert bzw. neu geschrieben…und meine Frau hat auch immer neue Aufgaben für mich 😉

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