Georg Graf von Hertling

Reichskanzler Georg Graf von Hertling
Reichskanzler Georg Graf von Hertling

Georg Graf von Hertling siebenter Reichskanzler – Biografie, Lebenslauf

Georg Graf von Hertling

Georg Graf von Hertling
* 31.08.1843 in Darmstadt,
† 04.01.1919 in Ruhpolding;
siebenter Reichskanzler vom 01.11.1917 bis 30.09.1918

Georg Graf von Hertling, ein katholischer Philosoph und Politiker, war von 1912 – 1917 Ministerpräsident in Bayern, ehe er am 1. November 1917 von Kaiser Wilhelm II. zum siebenten Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten ernannt wurde. 

Georg Graf von Hertling wurde als Sohn eines Hofbeamten am 31. August 1843 in Darmstadt, der Hauptstadt des Großherzogtums Hessen geboren. 1861 legte er dort am Ludwig-Georgs-Gymnasium sein Abitur ab. Anschließend studierte in Münster i. W., München und Berlin Philosophie, wo er 1864 promovierte. 1867 habilitierte Hertling an der Universität in Bonn. 1869 heiratete er Anna von Biegeleben und bekam mit ihr 5 Töchter und einen Sohn. 1875 trat Hertling als ultramontaner Katholik für das Zentrum (Vorläufer der CDU) zur Reichstagswahl an. Von 1875-90 und 1896-1912 gehörte er dem Reichstag an. 1880 wurde Hertling Professor der Philosophie in Bonn und 1882 an die Universität München berufen. 1891 wurde Hertling lebenslängliches Mitglied der bayrischen Kammer der Reichsräte. Von 1899 bis 1902 führte er in Rom die Verhandlungen über die Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät in Straßburg. Seit 1909 war Hertling Vorsitzender der Zentrumsfraktion im Reichstag. 1912 wurde er zu Grafen erhoben. Von 1912 bis 1917 war Hertling bayerischer Ministerpräsident.

Der neue Ministerpräsident und Minister des Äußeren Freiherr von Hertling. Zum Ministerwechsel in Bayern.
Der neue Ministerpräsident und Minister des Äußeren Freiherr von Hertling. Zum Ministerwechsel in Bayern.

Nach dem unrühmlich Abgang des maßlos überforderten Reichskanzlers Michaelis kam Kaiser Wilhelm II. in der Verlegenheit schon wieder einen neuen Kanzler bestimmen zu müssen. Schon vor der Wahl von Michaelis hatte er an den bayrischen Ministerpräsidenten gebeten das Amt zu übernehmen. Hertling, der sich selbst für zu alt und schwach für dieses wichtige Amt hielt, lehnte das Angebot rundweg ab. Doch als der Kaiser zum zweiten Mal ruft, „doch dem Vaterland seine Dienste nicht zu versagen„, gibt Hertling seinen Widerstand auf. Kaiser Wilhelm II. hoffe mit Hertling einen zweiten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingfürst (dritter Reichskanzler von 1894-1900) zu bekommen, der auch zuvor Ministerpräsident von Bayern war. Aber Hertling fehlte, wie Kürenberg in „War alles falsch?“ schreibt, die „Klarheit des Erfassens und die Feinheit des Behandelns„, zudem treten ihm von vornherein alle entgegen die mitreden dürfen, selbst aus seinem eigenen Lager, dem Zentrum unter Matthias Erzberger (1875-1921). Nachteilig kam hinzu, dass der süddeutsche Hertling nichts von den Problemen im Osten verstand. Nach der russischen Novemberrevolution 1917 verschlechterte sich die Lage der Entente zugunsten der Mittelmächte. Nun kam es darauf an so schnell wie möglichen eine vorteilhaften Frieden mit Russland abzuschließen.

Graf Georg von Hertling. Der neue Reichskanzler. (Die Woche)
Graf Georg von Hertling. Der neue Reichskanzler. (Die Woche)

Die maßvollen Vorschläge für Friedensverhandlungen mit Russland des neuen Unterstaatssekretärs des Äußeren Richard von Kühlmann (1873-1948) fanden aber nicht das Wohlgefallen Hertlings, da er sich schon ganz im Fahrwasser der Militärs im Hauptquartier befand. Hertling bestimmte nun weder die Innenpolitik noch die Außenpolitik des Deutschen Reiches. Zusätzlich gibt es seit Ende 1916 immer größere Schwierigkeit in der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung und die sogenannten „Kohlrüben-Winter“ förderten immer mehr Unzufriedenheit, Misstrauen und Empörung. Karl Liebknecht (1871-1919) griff in einer Rede auf dem Potsdamer Platz am 1. Mai 1918 diese Stimmung auf und richtete scharfe Angriffe gegen die Regierung und besonders gegen Kaiser Wilhelm II. Daraufhin wurde Karl Liebknecht verhaftet, worauf die Linke in der nächsten Reichstagssitzung wegen dieser Verhaftung abermals scharfe Abgriffe gegen Regierung und Kaiser richtet. Weitere Meinungsverschiedenheiten, wie der Entwurf des Preußischen Wahlrechtes und die geplante Parlamentarisierung führten zum Sturz des 7. Reichskanzlers. Als Hertling die Vertrauensfrage im Reichstag stellen will, wird er von seinem Parteigenossen Constantin Fehrenbach (Reichskanzler 25.06.1920 – 04.05.1921) zuvor unterrichtet, dass das Parlament ihm diese zu verweigern gedenkt; daraufhin reicht Hertling sein Abschiedsgesuch ein. Am 30. September 1918 wurde Georg Graf von Hertling nach elf Monaten im Amt vom Kaiser entlassen.

Nach den Verhandlungen im Hauptausschuss des Reichstages. Reichskanzler Graf Hertling, dessen Rücktrittsgesuch angenommen wurde. (Die Woche)
Nach den Verhandlungen im Hauptausschuss des Reichstages. Reichskanzler Graf Hertling, dessen Rücktrittsgesuch angenommen wurde. (Die Woche)

Hertling bedauere danach den Posten des Reichskanzlers überhaupt angenommen zu haben. Die nachfolgenden Ereignisse, wie die Novemberrevolution 1918, der Sturz der Monarchie sowie der Zusammenbruch der Front und die daraus resultierende Niederlage erschütterten ihn zutiefst. Hertling zog sich auf seinen Landsitz in Oberbayern zurück, schrieb an seinen „Erinnerungen“ und starb am 4. Januar 1919 in Ruhpolding.

Hertling vermochte es in seiner kurzen Amtszeit nicht, die Staatsautorität der Monarchie zu retten. Hertling war auch seit 1876 Präsident der Görres-Gesellschaft. Als Philosoph vertrat er die neuthomistische Metaphysik und begründete eine moderne Rechts-, Staats- und Gesellschaftsphilosophie vom Standpunkt der theistisch-teleologischen Weltanschauung aus. Nachfolger Georg Graf von Hertling im Amt des Reichskanzlers wurde Max von Baden.

Seine Werke sind:

  • „Über die Grenzen der mechanischen Naturerklärung“, 1875
  • „Aufsätze und Reden sozialpolitischen Inhalts“, 1884
  • „Kleine Schriften zur Zeitgeschichte und Politik“, 1897
  • „Das Prinzip des Katholizismus und die Wissenschaft“, 1899
  • „Recht, Staat und Gesellschaft“, 1906
  • „Vorlesungen über Metaphysik“, herausgegeben von M. Meyer 1922
  • „Erinnerungen aus meinem Leben“ 1919 2 Bände

Quellenhinweise:

  • „Meyers Lexikon“ in 12 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig 1924
  • „Meyers Lexikon“ Siebente Auflage Bibliographisches Institut Leipzig 1926
  • Fotos aus „Woche“ Berliner August Scherl Verlag, Ausgaben 1900 – 1914
  • „Geschichte des Deutschen Reiches 1871 – 1924“ von Johannes Hohlfeld, Verlag von G. Hirzel in Leipzig 1924
  • „War alles falsch?“, Joachim von Kürenberg, Athenäum-Verlag – Bonn 1951

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