Provinz Pommern

Provinzhauptstadt Stettin

Stettin, Hakenterrasse mit Dampfer im Vordergrund
Stettin, Hakenterrasse mit Dampfer im Vordergrund

 

Provinz Pommern (Herzogtum Pommern)

Pommern, preußische Provinz, ehemals ein Herzogtum, grenzt gegen Westen an Mecklenburg, gegen Süden an Brandenburg, gegen Osten an Westpreußen, gegen Norden an die Ostsee und umfasst 30.120 km² (547,04 QM). Pommern gehört zu den am niedrigsten gelegenen Ländern Deutschlands, jedoch ist zwischen der eigentlichen Küstenebene und dem Pommerschen Landrücken zu unterscheiden. Im Westen von der Oder tritt auf der Platte von Randow die liebliche Hügellandschaft bei Frauendorf (Vogelsang 131 m) hervor; an den Quellen der Rega, Persante, Drage und Küddow entwickelt sich die Pommersche Seenplatte mit dem 211 m hohen Hochratzenberg im Kreis Dramburg, noch weiter östlich, an den Quellen der Grabow, Wipper etc., die Ostpommersche Platte, die im Schimmritzberg im Kreis Bütow zu 256 m Höhe ansteigt und ganz im Osten, im Kreis Stolp, am Lebatal, noch 210 m erreicht. Auf der anderen Seite der Küstenebene erheben sich noch einzelne Hügelmassen, so auf Rügen die Stubbenkammer (im Herthaberg 159 m), bei Köslin der Gollenberg (144 m) u. a. Der Hauptfluss der Provinz, die Oder, bildet zahlreiche Arme und bei Stettin den Dammschen See sowie das Pommersche Haff, aus dem die drei Arme Peene, Swine und Dievenow zur Ostsee abfließen

Verwaltungshauptstadt:

Stettin 224.119 Einwohner (1905) = 17. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Reichstag:

14 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

26 Mitglieder

Größe:

30.120,5 km²

Gerichtsbezirke:

Die Provinz Pommern bildet den Bezirk des Königlichen Oberlandesgerichts Stettin. Zu demselben gehören 5 Landgerichte mit 59 Amtsgerichten, letztere nach der Zuteilung zu den Landgerichten aufgeführt wie folgt:

  • Landgericht Greifswald mit den Amtsgerichten: Anklam, Barth, Bergen (Rügen), Demmin, Franzburg, Greifswald, Grimmen, Loitz, Stralsund, Treptow (Tollense) und Wolgast.
  • Landgericht Köslin mit den Amtsgerichten: Bärwalde (Pom.), Belgard (Persante), Bublitz, Köslin, Kolberg, Neustettin, Polzin, Ratzebuhr, Schivelbein, Tempelburg und Zanaow.
  • Landgericht Stargard (Pom.) mit den Amtsgerichten: Callies, Dramburg, Falkenburg, Gollnow, Greifemberg (Pom.), Jacobshagen, Labes, Massow, Naugard, Nörenberg, Pyritz, Regenwalde und Stargard (Pom.)
  • Landgericht Stettin mit den Amtsgerichten: Altdamm, Bahn, Cammin (Pom.), Fiddichow, Gartz, Greifenhagen, Neuwarp, Pasewalk, Pencun, Pölitz, Stepenitz, Treptow (Rega), Stettin, Swinemünde, Uckermünde und Wollin (Pom.)
  • Landgericht Stolp mit den Amtsgerichten: Bütow, Lauenburg (Pom.), Pollnow, Rügenwalde, Rummelsburg, Schlawe und Stolp.

Einwohner:

Die Provinz Pommern hatte nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 1.716.921 Einwohner

  • 844.343 männlich
  • 872.578 weiblich

Bevölkerungsentwicklung:

  • 1816:  682.652
  • 1864: 1.437.375
  • 1871: 1.431.633
  • 1875: 1.462.290
  • 1880: 1.540.034
  • 1890: 1.520.889
  • 1900: 1.634.832
  • 1905: 1.684 125

Natürliche Gebiete:

  1. Vorpommern mit Boddenküste
  2. Odertal
  3. Nordabdachung des Pommerschen Höhenzuges (mit Haff- und Strandseenküste Hinterpommerns) , Inseln: Rügen, Usedom, Wollin.

Gewässer:

Unterlauf der Oder, Küstenflüsse: Peene, Persante, Stolpe. Zahlreiche Seen von denen 30 über 0,5 km² groß sind, Pommersche Schweiz.

Klima:

Im allgemeinen ungünstig wegen Abdachung des Landes nach Norden, am mildesten ist die Stettiner Gegend.

Bewohner:

Die Pommern sind Nachfahren niederdeutsche Sachsen vermischt mit germanisierten Slawen, im Nord-Osten reicht aus Westpreußen das Gebiet der Kassuben hinein.

Bevölkerungsdichte:

55,9/ km²

Religion: 1871

  • 1.397.467 Evangelisch
  •    16.858 Römisch-katholisch
  •      4266 sonstige Christen
  •    13.036 Juden
  •           6 Sonstige

Militär: 1881

Pommern ist der Ersatz und Garnisonsbezirk eines Teils des II. Armeekorps (5. Brigade in den Regierungsbezirken Stralsund und Stettin, 7. Brigade im Regierungsbezirk Köslin. Festungen befinden sich in Stettin, Swinemünde, Kolberg und Stralsund.

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft: Die Provinz hat im ganzen keinen fruchtbaren Boden. Vorherrschend sind Sandflächen und Moore, letztere nehmen 1/10 des Landes ein. Fruchtbar sind Vorpommern, Rügen, der Pyritzer Weizacker; mäßig fruchtbar ist die hinterpommersche Küste von Köslin bis Stolp. Schöne Wiesen an der Oder und Peene. Am ungünstigsten ist der Höhenrücken. In Vorpommern und im Odertal Zuckerrüben, im Odertal auch Tabak. Pommern hat unter allen Provinzen den meisten Großgrundbesitz (64 % des Grundbesitzes entfällt auf Güter von über 150 ha). In der Viehzucht sind Schaf- und Gänsezucht von Bedeutung.
  • Bergbau nicht vorhanden; außer Torf etwas Kalk, Bernstein, Braunkohlen.
  • Industrie nur in einigen Orten von Bedeutung, namentlich Stettin mit großen Schiffswerften (Vulcan Werft) und Maschinenfabriken.
  • Handel infolge der Seelage und der Oder bedeutend. Mit seiner Handelsflotte steht Pommern in Preußen an zweiter Stelle (hinter Schleswig-Holstein). Der Hauptplatz ist Stettin mit Swinemünde, dann Stralsund.

Administrative Gliederung:

Provinz Pommern, Landkarte 1914
Provinz Pommern, Landkarte 1914

Die oberste Verwaltung der Provinz wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Stettin ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz wird eingeteilt in 3 Regierungsbezirke und 32 Kreise (inklusive Stadtkreise):

  1. Regierungsbezirk Stettin mit einer Fläche von 12.078,93 km² und 830.709 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 13 Kreise: Anklam, Demmin, Greifenberg, Greifenhagen, Kammin, Naugard, Pyritz, Randow, Regenwalde, Saatzig, Stettin-Stadt, Ückermünde, Usedom-Wollin
  2. Regierungsbezirk Stralsund (ehemals schwedischer Teil Pommerns) mit einer Fläche von 4.010,88 km² und 216.340 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 5 Kreise: Franzburg, Greifswald, Grimmen, Rügen, Stralsund-Stadt
  3. Regierungsbezirk Köslin mit einer Fläche von 14.030,73 km² und 587.783 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 12 Kreise: Belgard, Bublitz, Bütow, Dramburg, Kolberg-Körlin, Köslin, Lauenburg, Neustettin, Rummelsburg, Schivelbein, Schlawe, Stolp

Mecklenburg-Vorpommern aktuell:

Das heutige Land Mecklenburg-Vorpommern mit der Landeshauptstadt Schwerin besteht aus:

Geschichte:

Pommern wurde ursprünglich von den zum germanischen Stamme der Vandalen gehörigen Rugiern und Turcilingern bewohnt und als diese während der Völkerwanderung nach Süden abzogen, gegen Ende des 5. Jahrhunderts von slawischen Völkern in Besitz genommen. Sie nannten sich westlich der Oder Wilzen und später Liutizen, östlich davon Pommern (Pomerani), ein Name, der zu Karls d. Gr. Zeit auftaucht und zunächst nur am Land haftete. Karls Vordringen bis zur Peene war ohne nachhaltige Wirkung. Ebenso wenig konnte Polen, dessen Herzog Boleslaw Chrobry 995 das Land östlich der Oder unterwarf, sich auf die Dauer behaupten. Als erster Fürst in Pommern erscheint Swantibor I. um 1100. Nach seinem Tod (1107) fand eine Teilung des Landes unter seine vier Söhne statt. Die beiden Älteren erhielten das Land zwischen Peene und Persante (Slawien) mit der Hauptstadt Stettin, die beiden Jüngern Pomerellen zwischen Persante und Weichsel mit der Hauptstadt Danzig. Als die Linie Pommern-Danzig 1295 ausstarb, fiel der westliche Teil Pomerellens an Pommern-Stettin; der östliche wurde von den Markgrafen von Brandenburg, welchen die Lehnshoheit über Pommern zustand, beansprucht, ging aber 1308 durch Kauf an den Deutschen Orden über. Wratislaw I., der Stifter der Linie Pommern-Stettin, wurde 1124 mit einem Teil seines Volkes vom Bischof Otto von Bamberg zum Christentum bekehrt. In Julin auf der Insel Wollin wurde ein Bistum gegründet, das bald nach 1140 nach Kammin verlegt wurde. Doch wurde das Heidentum erst zu Ende des 12. Jahrhundert völlig beseitigt. Wratislaws Söhne Bogislaw I. und Kasimir I. nahmen 1170 den Herzogstitel an und schlossen sich 1181 dem Deutschen Reich an, doch verlieh Kaiser Friedrich I. die Lehnshoheit über Pommern dem Markgrafen Otto I. von Brandenburg. Die Linie Pommern-Demmin, die um 1136 von Kasimir I. gegründet wurde, erlosch schon 1264. Barnim I. (gestorben 1278) vereinigte noch einmal alle Landesteile. Als nach dem Erlöschen der Linie Pommern-Danzig das westliche Pomerellen erworben wurden, teilten Barnims Söhne 1295 diese von neuem: Bogislaw IV. stiftete die Linie Pommern-Wolgast, Otto I. in den Gebieten rechts der Oder die Linie Pommern-Stettin.

Die Linie Pommern-Stettin, von Otto I. 1295 gestiftet, erwarb unter Wratislaw IV. 1320 die Uckermark. Als König Ludwig der Bayer 1323 seinem Sohn Ludwig die Mark nebst Pommern verlieh, kam es zu jahrelangen Fehden mit Brandenburg. 1338 entsagte dieses der Lehnshoheit und erhielt dafür die Zusage der Erbfolge; so wurde Pommern reichsunmittelbar. Barnim III., Ottos I. Sohn, erwarb 1354 die östliche Uckermark. 1370 begann ein mit geringer Unterbrechung fast 30 Jahre währender Krieg mit Brandenburg um den Besitz mehrerer Städte der Uckermark. Swantibor III., der einzige, der von Barnims III. Söhnen 1405 noch am Leben war, wurde 1409 vom Markgrafen Jobst auch zum Statthalter der Mark Brandenburg ernannt; doch endete diese Statthalterschaft schon 1411, als Siegmund die Mark an den Burggrafen von Nürnberg, Friedrich von Zollern, verpfändete. Hiermit unzufrieden, verbündete sich ein Teil des brandenburgischen Adels mit Swantibors Söhnen gegen Friedrich, und auch nach Swantibors Tod (1413) wurde dieser Krieg von seinen Söhnen Kasimir VI. und Otto II., welche nun gemeinschaftlich regierten, fortgesetzt. Am Kremmer Damm 1412 geschlagen, errang Friedrich von Brandenburg 1420 einen Sieg bei Angermünde. 1427 erfolgte der Friedensschluss zu Templin , der eine Heirat zwischen Joachim, Kasimirs Sohn, und einer Tochter des Kurprinzen Johann und den Verzicht Pommerns auf Prenzlau zur Folge hatte. Mit Otto III. erlosch 1464 die Linie Stettin. Die Lande derselben fielen nun an die Linie Wolgast. Die Linie Pommern-Wolgast hatte Bogislaw IV., den Sohn Barnims I., zum Stifter, der 1309 starb. Sein Nachfolger Wratislaw IV. schloss 1321 mit dem Fürsten Witzlaw von Rügen eine Erbverbrüderung und erwarb 1325 nach dem Erlöschen dieses Hauses die Insel Rügen und das Herzogtum Barth auf dem Festland.

Er hinterließ 1326, unter Vormundschaft der Herzöge von Stettin, seine Söhne Bogislaw V. und Barnim IV. als Nachfolger. Auch für Pommern-Wolgast wurde 1338 die Anwartschaft gegen Aufhebung der Lehnshoheit den Brandenburgern zugesagt. Ein 1350 begonnener Krieg mit Mecklenburg wegen Rügen und Barth endete 1354 mit dem Frieden zu Stralsund, ein neuer Krieg wegen der Stadt Pasewalk, welche Pommern den Brandenburgern entrissen hatte, damit, dass nicht nur diese Stadt, sondern auch Alt- und Neu-Torgelow 1359 an Pommern fielen. Desgleichen erhielt es 1359 nach dem Erlöschen des gräflichen Stammes von Gützkow diese Grafschaft. Einige Jahre nach Barnims Tod (1365) fand 1372 in Stargard eine Teilung Pommern-Wolgasts statt, und es entstanden nun die Linien Hinterpommern (bis zur Leba, nebst Stargard) und Vorpommern (Wolgast nebst Rügen).Die hinterpommersche Linie stiftete Bogislaw V., Barnims IV. Bruder. Ihm folgte 1374 sein ältester Sohn, Kasimir IV., der starb aber schon 1377 ohne männliche Nachkommen. Sein Nachfolger in Pommern wurde sein Bruder Bogislaw VIII., vorher Bischof zu Kammin. Derselbe vergrößerte sein Land durch Bütow, Schlochau, Baldenburg, Hammerstein und Schievelbein, polnische Gebiete, die ihm als Entschädigung für die Kriegskosten wegen der dem Polenkönig Wladislaw Jagello gegen den Deutschen Orden in der Schlacht bei Tannenberg 1410 zugeführten Hilfstruppen abgetreten waren, und starb 1417. Sein Sohn und Nachfolger Bogislaw IX. wurde wegen Streitigkeiten mit dem Stift Kammin und den Hansestädten der Bann erklärt, 1436 wurde ihm jedoch in dem Vergleich von Kolberg eine Entschädigung zugestanden. Er starb 1447 und es folgte ihm der Sohn seines Oheims Wratislaw VII., Erich I., König von Dänemark, welcher 1455 die Herrschaften Lauenburg und Bütow von Polen zu Lehen erhielt.

Die vorpommersche Linie hatte Barnims Söhne zu Stiftern. Sie teilten Vorpommern 1377 so unter sich, dass Bogislaw VI., der älteste, Wolgast, Wratislaw VI. aber die rügenschen Lande erhielt. Nach Bogislaws VI. Tod (1393) wurde ganz Vorpommern unter Wratislaw wieder vereinigt. Sein Sohn und Nachfolger Barnim VI., der in fortwährendem Streit mit den Hansestädten und den Vitalienbrüdern lag, starb 1405. Seine beiden Söhne Wratislaw IX. und Barnim VII. teilten das Land; da letzterer aber 1449 ohne männliche Nachkommen starb, so vereinigte ersterer ganz Vorpommern wieder. Wratislaw stiftete 1456 die Universität Greifswald; er starb 1457, zwei Söhne, Erich II. und Wratislaw X., hinterlassend, die nun abermals das Land teilten und zwar so, dass Wolgast an Erich, Barth mit Rügen an Wratislaw fiel. Nach Erichs I. von Hinterpommern Tod (1459) erhielt Erich II. auf Grund eines mit den Landständen geschlossenen Vertrags zu Rügenwalde auch Hinterpommern. Mit dem Erlöschen der Linie Stettin durch den Tod Ottos III. (gest. 1464) geriet Pommern in langwierige Streitigkeiten mit Kurbrandenburg, das als Lehnsherr Anspruch auf diese Erbschaft erhob, bis es Albrecht Achilles nach kurzem Krieg im Vertrag von Prenzlau 1479 gelang, die Anerkennung der Lehnshoheit zu erzwingen. Erichs II. Nachfolger Bogislaw X. erwarb nach jahrelangem Kampf mit seiner Mutter Sophie sein Erbland und vergrößerte es 1478 durch den Zugewinn von Barth, wo Wratislaw X. ohne Nachkommen starb. Bogislaws X. beide Söhne gründeten 1523 zwei neue Linien und zwar Georg I. die Wolgaster, Barnim XI. die Stettiner Linie. Sie schlossen 1529 mit Brandenburg den Vergleich zu Grimnitz, welcher Pommerns Reichsunmittelbarkeit und Brandenburgs Erbfolgerecht von neuem bestätigte. Herzog Georg I. hatte 1531 seinen Sohn Philipp I. zum Nachfolger. Barnim XI. teilte 1532 mit seinem Neffen, wobei er selbst Hinterpommern und Stettin behielt, während Philipp Vorpommern, Wolgast und Rügen erhielt. 1534 führten beide Fürsten auf dem Tag zu Treptow die Reformation ein, und Johann Bugenhagen (Pomeranus) erhielt den Auftrag, eine neue Kirchenordnung herzustellen. Das Bistum Kammin wurde 1556 faktisch erworben, indem Philipps I. ältester Sohn, Johann Friedrich, zum Bischof gewählt wurde, dem bis zum Aussterben des Hauses nur pommersche Herzöge folgten. Philipp hinterließ 1560 fünf Söhne: Johann Friedrich, Bogislaw XIII., Ernst Ludwig, Barnim XII. und Kasimir IX., von denen die minderjährigen unter die Vormundschaft des Bruders ihres Großvaters, Barnims XI. von Stettin, gestellt wurden, dessen Erben sie waren. Nachdem derselbe 1569 seine Regierung niedergelegt hatte, teilten sich seine Erben auf seinen Wunsch in der Art in die pommerschen Lande, dass nur zwei Regierungen bestanden, nämlich Stettin mit Hinterpommern und Johann Friedrich als Regenten, und Wolgast mit Vorpommern und Ernst Ludwig als Landesherrn. Den Jüngern drei Brüder wurden mit kleinen Gebieten ohne Landeshoheit abgefunden, und Barnim XI. reserviert sich die Oberherrschaft bis an seinen Tod (1573).

Da Johann Friedrich 1600 und sein Bruder und Nachfolger Barnim XII. 1603 ohne männliche Nachkommen starben, so war der nächste Thronfolger dem geschlossenen Erbvertrag gemäß Kasimir; doch verzichtete derselbe wegen Kränklichkeit auf die Regierung zu Gunsten seines Bruders Bogislaw XIII. (gest. 1606). Dessen Sohn, der hochgebildete Philipp II., starb schon 1618. Die Regierung seines Nachfolgers und Bruders Franz (gest. 1620) ist durch den Hexenprozess der Sidonia von Bork merkwürdig geworden. Ihm folgte sein Bruder Bogislaw XIV., welcher mit dem Herzog von Wolgast, Philipp Julius, den gemeinschaftlichen Landständen 1622 einen großen Freibrief ausstellte. 1623 zum Bischof von Kammin gewählt und 1625 durch den Tod Philipp Julius auch in den Besitz von Wolgast gelangt war. Bogislaw XIV. war nun der alleinige Regent in Pommern. Ohne sich am Dreißigjährigen Krieg beteiligt zu haben, wurde sein Land durch die Kaiserlichen Truppen verwüstet. Als der kaiserliche Oberst von Arnim eine Kontribution von 150.000 Talern von Stralsund verlangte, weigerte sich die Stadt und ertrug heldenmütig die Belagerung durch Wallenstein (13. Mai bis 23. Juli 1628). Zwar wurden, nachdem Gustav Adolf 1630 an Pommerns Küste gelandet war, die Kaiserlichen aus dem Land vertrieben; doch musste der Herzog mit den Schweden ein Bündnis schließen, dem zufolge er diesen Zutritt in alle seine Städte und Festungen gestattete und 200.000 Taler  zahlte. Später hatte das Land von schwedischen Durchzügen und Plünderungen der Kaiserlichen viel zu leiden, bis es 1636 abermals der Schauplatz des Kriegs wurde. In diesen Wirren starb Bogislaw XIV. 10. (20.) März 1637 und mit ihm erlosch das pommersche Herrschergeschlecht. Obgleich dem Haus Brandenburg nach den geschlossenen Erbverträgen die Erbfolge in Pommern unzweifelhaft zustand, machten doch die Schweden keine Anstalten es zu räumen. In den Friedensverhandlungen zu Osnabrück bestand der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm zwar auf seinen Ansprüchen auf ganz Pommern, wurde aber genötigt, gegen eine Entschädigung durch die Stifter Halberstadt, Magdeburg und Kammin Vorpommern nebst Rügen und von Hinterpommern Stettin, Garz, Damm, Gollnow, das Haff und die drei Odermündungen an Schweden abzutreten. Ein späterer Versuch von Seiten des Großen Kurfürsten (1675-79), sich in den Besitz von ganz Pommern zu bringen, wurde durch Frankreich vereitelt. Kaum aber war im Nordischen Krieg Karls XII. Stern bei Poltawa erblichen, als Friedrich Wilhelm I. von Preußen Vorpommern besetzte und 1715 Greifswald, Anklam, Wolgast und Rügen eroberte.

Im Frieden zu Stockholm 1720 erhielt er Vorpommern bis zur Peene, Stettin, die Inseln Usedom und Wollin, das Haff und die Städte Damm und Gollnow sowie die Odermündungen Dievenow und Swine. Dagegen hatte er an Schweden 2 Millionen Taler zu zahlen und 600.000 Taler pommersche Schulden zu übernehmen. Schweden, dem bloß das sogenannte Schwedisch-Pommern oder Neuvorpommern links der Peene verblieb, versuchte im Siebenjährigen Krieg vergeblich die verlorenen Besitzungen in Pommern wiederzuerlangen. Nach dem Sturz Napoleons I. 1814 wurde der schwedische Anteil von Pommern gegen Norwegen von den Schweden an Dänemark abgetreten, das denselben für das von Hannover abgetretene Herzogtum Lauenburg für die Summe von 2.600.000 Talern an Preußen überließ. Dieses zahlte an Schweden noch 3.500.000 Taler. Im Wiener Kongress wurden 1815 die ehemals schwedischen Gebiete (Regierungsbezirk Stralsund) wieder mit Preußisch-Pommern zur Provinz Pommern vereinigt und eine umfassende Verwaltungsreform durchgeführt.

  • Mai 1945 Pommern wird östlich des Flusses Oder unter polnische Verwaltung gestellt, die deutsche Bevölkerung planmäßig vertrieben.
  • 3. Juli 1945 Obwohl in Stettin (die Stadt liegt westlich der Oder) schon eine deutsche Verwaltung aufgebaut wurde, übergibt die Rote Armee die Stadt an Polen. Alle Bewohner werden aus der Stadt vertrieben.
  • Juli 1945 Aus dem Freistaat Mecklenburg und dem deutschen Teil Pommerns wird das Land Mecklenburg-Vorpommern gebildet.
  • Ende 1945 Polnisches Militär besetzt auch das westliche Umland von Stettin und vertreibt die deutsche Bevölkerung.
  • 1947 Auf Befehl der sowjetischen Militärregierung muss das Land seinen Namen in „Mecklenburg“ ändern.
  • 1952 Das Land Mecklenburg wird in die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg geteilt.
  • 1990 Wiedererstehung des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit Schwerin als Landhauptstadt und am 3. Oktober 1990 Beitritt zum Gebiet der Bundesrepublik Deutschland.
  • 1994 In der Kreisgebietsreform von 1994 werden u.a. die Landkreise Nordvorpommern und Ostvorpommern gebildet.

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Tilsit

 

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