Helgoland

Landgemeinde im Königreich Preußen, Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Süderdithmarschen

Helgoland 2307 Einwohner – 1900

Helgoland
Helgoland

 

Helgoland

Helgoland ist eine deutsche Insel mit vielbesuchtem Seebad in der Nordsee, nordwestlich von den Mündungen der Elbe und der Weser, 44,5 km vom Festland entfernt, gehört seit 1891 als Landgemeinde zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Süderdithmarschen, ist 1700 Meter lang, 600 Meter breit, hat etwa 4000 m Umfang, 0,55 km² (0,01 Quadratmeilen) Flächeninhalt und besteht aus dem Oberland und dem im Südosten vorgelagerten Unterland. Das Oberland ist ein bis 63 Meter hoher roter Tonsteinfelsen, der wie eine Mauer aus dem Meer emporsteigt und eine kleine Stadt sowie einen schönen Leuchtturm trägt. Auf dem Oberland sind an Stelle der früheren englischen Batterien feste Panzertürme und Mörserbatterien errichtet worden; von einer an der Südostseite des Unterlandes gelegenen Mole führt ein Tunnel hinaus. Das Unterland ist ein flaches, sandiges Vorland von geringer Ausdehnung, mit dem Oberland durch eine Treppe und einen Auszug in Verbindung stehend. Hier befindet sich ein Badehaus für warme Seebäder und das neue Konversationshaus. Etwa 1200 Meter östlich von diesem Vorland liegt die Düne, eine Sandinsel von 2000 Meter Länge und 300 Meter Breite. Ihr fester und seiner Sandgrund bietet den herrlichsten Badestrand dar, zu dem man auf kleinen Fahrzeugen übersetzt. Das 1826 gegründete Seebad nimmt den ersten Rang unter allen deutschen Nordseebädern ein; es ist das einzige, dessen insulare Lage eine stets reine Seeluft bedingt. Die Badezeit beginnt Anfang Juni und dauert bis Ende Oktober.

Die Zahl der Badegäste beträgt jährlich ca. 21.000; mehr als 20.000 Touristen besuchen die Insel vorübergehend. Die Meeresbrandung hat an der ehemals viel größeren Insel arg gearbeitet und besonders an der Westseite fortwährend zerstörend eingewirkt. Um 1900 werden an den am meisten gefährdeten Stellen Mauern aus großen Granitquadern errichtet, wodurch den Uferwänden ein fester Halt gegeben wird. Die Düne wurde am 31. Dezember 1720 von der Insel losgetrennt. An der Westseite Helgolands zeigt sich zur Ebbe ein 100 Meter breiter Felsgrund, und die Uferwände bieten hier das großartigste Bild von hohen Felstoren, riesigen Felskegeln und tiefen Grotten dar. Aus der Farbenzusammenstellung, die das Landschaftsbild der Insel darbietet, entstand die grün-rot-weiße Flagge der Helgoländer. Die Reede (Nord- und Südhafen genannt) liegt zwischen Helgoland und der Düne.

Die Insel hat eine evangelische Kirche, einen Leuchtturm (1901 neu erbaut), ein neues Rathaus, ein Denkmal des Dichters Hoffmann von Fallersleben, der hier das Lied Deutschlandlied dichtete, ein Nordseemuseum (mit berühmter Vogelsammlung), ein Aquarium, eine Vogelwarte, eine biologische Station zur Erforschung der Fauna der Nordsee. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (Matrosenartillerie) 2307 evangelische Einwohner, die teils im Unterland, teils im Oberland wohnen und Fischerei, Austern- und Hummernfang, Schifffahrt und Lotsendienst sowie Bewirtung und Beherbergung der Touristen und Badegäste betreiben. Die Helgoländer sind vorwiegend friesischen Stammes und sprechen einen friesischen Dialekt, während die deutsche Sprache Kirchen- und Schulsprache ist. Mit Hamburg, Cuxhaven und Geestemünde besteht regelmäßige Dampfschifffahrt, mit der deutschen Küste submarine Telegraphenverbindung. Auf verschiedenen Feldern der Naturwissenschaften bietet Helgoland die interessantesten Erscheinungen dar, z. B. seine geologische Formation. Dann ist die Zahl der Helgoland während der Zugperioden besuchenden Vögel aller Länder der ganzen nördlichen Hemisphäre geradezu beispiellos. Unter den Lepidopteren ist eine höchst interessante Art, Spilosana Zatime, fast ausschließlich helgoländisch zu nennen, und unter der Flora sind einheimisch die hochnordische Cochlearia danica sowie die südliche Lobularia maritima.

Helgoland ist das alte Fositesland und war nach der Sage eine umfangreiche, stark bevölkerte Insel. Seit dem 14. Jahrhundert gehörte sie den Herzögen von Schleswig-Holstein-Gottorp, wurde im Kampf der königlichen Linie gegen die herzogliche 1714 von den Dänen erobert und kam 1807, während der napoleonischen Feldzüge in den Besitz der Engländer. Während der Kontinentalsperre war Helgoland ein Hauptplatz für den Schmuggelhandel. Nach der Niederlage Napoleon I. 1814 behielten diese Helgoland. Am 9. Mai 1864 fand während des Deutsch-Dänischen Krieges in der Nähe ein Seegefecht zwischen Österreichern und Dänen statt. 1890 kommt die Insel im Tausch gegen afrikanische Gebiete (u.a. Deutsch-Witu) zum Deutschen Reich.