Osnabrück vom Gertrudenberg

Osnabrück

Osnabrück im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Osnabrück 59.580 Einwohner – 1905 = 71. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Osnabrück, Marktplatz mit Rathaus
Osnabrück, Marktplatz mit Rathaus

Osnabrück im Königreich Preußen

Osnabrück ist die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Stadtkreis im Königreich Preußen, Provinz Hannover, in einem fruchtbaren Tal an der Hase und 65 Meter über dem Meer.

Osnabrück hat in ihrem älteren Teil meist enge und winklige Gassen und wenig öffentliche Plätze, von denen nur der Domhof und die Domfreiheit mit dem Standbild Justus Mösers (* 14. 12.1720 – † 08. 01.1794), der Markt mit der Marienkirche, dem Rathaus und dem Stüve-Denkmal, der Goetheplatz mit dem Denkmal des Kaisers Wilhelm I. sowie der Neumarkt mit dem Justizpalast und dem Kriegerdenkmal Erwähnung verdienen.

Osnabrück, Handelskammer und Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Osnabrück, Handelskammer und Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Die neuen Stadtteile Osnabrücks zeigen breite, freundliche Straßen, die niedergelegten Festungswerke zieren schöne Anlagen. Von den Kirchen (3 evangelische, 3 katholische und eine apostolische) verdienen Erwähnung: der große katholische Dom im Übergangsstil aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, mit vielen Kostbarkeiten und Reliquien, die gotische evangelische St. Marien-, die St. Katharinen- und die St. Johanniskirche.

Osnabrück, Rathausplatz
Osnabrück, Rathausplatz

Außerdem hat die Stadt Osnabrück eine Synagoge. Von anderen Gebäuden sind zu nennen das ehemalige bischöfliche Residenzschloss, das Rathaus (aus dem 15. Jahrhundert) mit den Porträten der 44 Friedensunterhändler und anderen Erinnerungen an den Westfälischen Frieden sowie eine Anzahl von Holzgiebelbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Osnabrück, Rathaus mit Stuevedenkmal
Osnabrück, Rathaus mit Stuevedenkmal

Im Jahr 1905 leben in Osnabrück mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 78 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 62) 59.580, die überwiegende Mehrheit sind Evangelische, 20.918 sind Katholiken und 474 Juden. Osnabrück hat einen Bergwerks- und Hüttenverein, der aus der Georg-Marienhütte, aus dem Eisen- und Stahlwerk zu Osnabrück und dem Steinkohlenbergwerk am Piesberg besteht,

Osnabrück, Stadt-Theater
Osnabrück, Stadt-Theater

ein Walzwerk, Drahtzieherei, Eisengießerei, Maschinenfabriken, Flachsspinnerei, eine Eisenbahnwerkstätte, ein Elektrizitätswerk, Baumwollweberei, Seilerei, Gerberei, Fabrikation von Papier-, Zelluloid- und chemischen Waren, Tabak u. Zigarren, Bettfedern, Gasuhren etc., Pianino- und Orgelbau, Branntweinbrennerei, Bierbrauerei und Dampfmahl-, Öl- und Sägemühlen.

Osnabrück, Vitischanze
Osnabrück, Vitischanze

Der Handel in Osnabrück, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1905: 407 Millionen Mark), die Osnabrücker Bank, die Norddeutsche Bank und andere Bankinstitute, ist besonders lebhaft in Eisen-, Tuch-, Manufaktur- und Weißwaren, in Drogen, Holz, Getreide, Pumpernickel, westfälischem Schinken und Fleisch.

Osnabrück, Neumarkt mit Kriegerdenkmal
Osnabrück, Neumarkt mit Kriegerdenkmal

Den Verkehr in der Stadt Osnabrück vermittelt eine elektrische Bahn, für den Eisenbahnverkehr ist Osnabrück mit mehreren Bahnhöfen Knotenpunkt der preußischen, bez. oldenburgischen Staatsbahnlinien Münster i. W.Bremen, Löhne-Rheine, Osnabrück-Piesberg, Brackwede-Osnabrück, Osnabrück-Oldenburg u.a. An Bildungs- und anderen ähnlichen Anstalten besitzt Osnabrück ein evangelisches und ein katholisches Gymnasium, ersteres mit einer ansehnlichen Bibliothek und zwei Münzsammlungen, ein Realgymnasium, eine Realschule, eine Handelsschule, ein Priester-, ein evangelisches und ein katholisches Schullehrerseminar, eine evangelische und eine katholische Präparandenanstalt, eine Taubstummenanstalt, 2 Waisenhäuser, eine Hebammenlehranstalt, 2 Klöster, ein Museum, ein Theater, eine Provinzialirrenanstalt (Gertrudenberg) etc.

Osnabrück, Hegertor
Osnabrück, Hegertor

Osnabrück ist Sitz einer königlichen Regierung, eines Landratsamtes für den Landkreis Osnabrück, eines Landgerichts, eines Hauptsteueramts, eines Bergreviers, einer Spezialkommission, einer Oberförsterei und einer Handwerkskammer, ferner eines katholischen Bischofs mit Domkapitel und Generalvikariat und des Kommandos der 10. Gendarmeriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 10 Magistratsmitglieder und 20 Stadtverordnete. Osnabrück ist Geburts- und Sterbeort Justus Mösers und des hannoverschen Ministers Stüve. Zum Landgerichtsbezirk Osnabrück gehören die 16 Amtsgerichte zu Bentheim, Bersenbrück, Diepholz, Freren, Fürstenau, Iburg, Lingen, Malgarten, Melle, Meppen, Neuenhaus, Osnabrück, Papenburg, Quakenbrück, Sögel und Wittlage.

Osnabrück, Bahnhof
Osnabrück, Bahnhof

Die Stadt war 772 eine fränkische Missionsanstalt, erhielt 888 Markt, Zoll und Münze, war bereits 1082 umwallt, trat der Hanse bei und besaß trotz der bischöflichen Herrschaft bis ins 16. Jahrhundert eine Reihe wichtiger Freiheiten. Der Dreißigjährige Krieg zerstörte den Wohlstand der Stadt, der auf der Tuchweberei beruhte; seit der Mitte des 18. Jahrhundert hob sie sich besonders durch den ausgedehnten Leinwandhandel wieder. In Osnabrück verhandelte seit 1644 das Reich mit den Schweden wegen des Friedens, und im Rathaus in Osnabrück wurde am 24. Oktober 1648 der Westfälische Friede abgeschlossen.

Osnabrück, Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Osnabrück, Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Der Regierungsbezirk Osnabrück umfasst 6205 km² (112,70 Quadratmeilen), zählte 1905: 348.383 Einwohner, darunter (1900) 152.430 Evangelische, 174.382 Katholiken und 1438 Juden, 56 Einwohner/km², und besteht aus den elf Kreisen Aschendorf, Bersenbrück, Grafschaft Bentheim, Hümmling, Iburg, Lingen, Melle, Meppen, Osnabrück (Land), Osnabrück (Stadt) und Wittlage.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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