Münster i. W.

Stadt im Königreich Preußen und Hauptstadt der Provinz Westfalen

Münster in Westfalen 81.438 Einwohner – 1905 = 51. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Münster i. W., Marienplatz und Ludgerikirche
Münster i. W., Marienplatz und Ludgerikirche

Neben der Stadt Münster in Westfalen im Königreich Preußen gibt es laut „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon“ (1911) allein im Deutschen Reich 22 Gemeinden mit Namen Münster.

  1. Münster im Gregoriental, im Reichsland Elsaß-Lothringen, Kantonshauptstadt und Luftkurort im Bezirk Oberelsaß, Kreis Colmar, im Münstertal mit (1905) 6078 Einwohnern.
  2. Münster in Hessen, im Großherzogtum Hessen, Dorf in der hessischen Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg mit (1905) 2620 Einwohnern.
  3. Münster, im Königreich Württemberg, ein Dorf im Neckarkreis, Oberamt Kannstatt mit (1905) 3272 Einwohnern.
  4. Münster (Beromünster), in der Schweiz, ein Dorf im Kanton Luzern, Bezirk Sursee mit (1900) 978 katholischen Einwohnern.
  5. Münster (Moutier-Grandval), in der Schweiz, Flecken und Bezirkshauptort im Kanton Bern mit (1900) 3090 Einwohnern, darunter 856 Katholiken.
  6. Münster (rätoroman. Müstair), in der Schweiz, ein Dorf im gleichnamigen Tal des Kantons Graubünden mit 594 katholischen Einwohnern.

Münster i. W.

Münster ist eine Stadt im Königreich Preußen und Hauptstadt der Provinz Westfalen und des gleichnamigen Regierungsbezirks und Landkreises, Stadtkreis und früher Hauptstadt des Bistums Münster. Die Stadt liegt 51 Meter über dem Meer, an der Aa und Werse sowie am Dortmund-Emskanal. Sie zeigt mit ihren schönen Kirchen und altertümlichen Privatbauten noch vielfach den Charakter des Mittelalters und ist erst in neuerer Zeit über die im 18. Jahrhundert abgerissenen und in Gartenanlagen umgewandelten Befestigungswerke hin ausgewachsen. Folgende Behörden haben in Münster ihren Sitz: das Oberpräsidium der Provinz Westfalen, das Provinzial-Schul- und das Medizinalkollegium, das Konsistorium, ein Bischof, ein Domkapitel und Generalvikariat, die Provinzial-Steuerdirektion, eine Generalkommission, die Provinzialverwaltung, die königliche Regierung, das Landratsamt des Landkreises Münster, ein Landgericht, eine Eisenbahndirektion, Oberpostdirektion, die Landschaft der Provinz Westfalen, das Staatsarchiv, die Landesversicherungsanstalt, die Provinzial-Feuersozietät etc.; ferner das Kommando des 7. Armeekorps, der 13. Division, der 3. Kavallerieinspektion, der 25. Infanterie-, 13. Kavallerie-, 13. Feldartillerie- und der 7. Gendarmeriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 15 Magistratsmitglieder und 48 Stadtverordnete.

An öffentlichen Plätzen sind zu nennen der von stattlichen Giebelhäusern mit Bogengängen umgebene Prinzipalmarkt, der Neuplatz mit dem Denkmal Kaiser Wilhelms I., der Domplatz mit dem Fürstenbergdenkmal, der Kanonengraben mit dem Friedensdenkmal, die Kreuzschanze mit dem Denkmal der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, der Überwasser-Kirchplatz mit dem Overbergdenkmal, der Spiekerhof mit Monumentalbrunnen, auf dem die Statue des Kiepenkerl, Typus eines Marktgängers, sich befindet etc.

Von den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (2 evangelische und 11 katholische Kirchen und eine Synagoge) sind besonders bemerkenswert der Dom (aus dem 12.–14. Jahrhundert), die gotische Liebfrauenkirche (um 1340 erbaut); die Lambertikirche mit dem 1898 vollendeten neuen Turm (die drei Eisenkäfige, in denen die Anführer der Wiedertäufer nach ihrer Hinrichtung an dem abgetragenen alten Turm aufgehängt wurden, sind an dem neuen Turm wieder angebracht); die Ludgerikirche (1170 im romanischen Stil errichtet, 1330 im gotischen Stil umgebaut); die St. Mauritzkirche (aus dem 12. Jahrhundert, 1859 restauriert) und die Ägidiikirche aus dem 18. Jahrhundert. In neuerer Zeit sind erbaut die St. Josephskirche, die Kirche zum heiligen Kreuz, die Herz-Jesu- und die Erlöserkirche. Im Jahr 1905 leben hier einschließlich der 1903 eingemeindeten Gemeinde Lamberti und von Teilen der Gemeinden Überwasser und Mauritz, mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 13, ein Kürassierregiment Nr. 4, ein Feldartillerieregiment Nr. 22 und ein Trainbataillon Nr. 7) 81.439 Einwohner, davon (1900) 58.632 Katholiken, 10.711 Evangelische und 499 Juden.

Andere bemerkenswerte Gebäude sind das gotische Rathaus mit reich ornamentiertem Giebel, am Prinzipalmarkt, in dessen altem Saal (Friedenssaal) 24. Oktober 1648 der Westfälische Friede abgeschlossen wurde; das Schloss (1767 erbaut, früher bischöfliche Residenz) mit Parkanlagen und einem Botanischen Garten; das neue Stadthaus, das Provinzialmuseum (1905) u.a. Zahlreiche altertümliche Privatbauten, die sogenannten adligen Höfe, die als Winterresidenz des westfälischen Landadels dienen, befinden sich am Prinzipalmarkte, darunter der Erbdrostenhof und der Romberger Hof. Letzterer ist teilweise umgebaut und dient zum Teil als Theater und als Gesellschaftshaus.

Die Industrie besteht vorzugsweise in Baumwollweberei, Färberei, Druckerei, der Fabrikation von Möbeln, Pianofortes, Zinkornamenten, Korbwaren, Maschinen, Emalliergeschirr, Parkettboden, Paramenten, Zementwaren etc., ferner hat Mümster mehrere Wagenbauanstalten, berühmte Goldschmiedereien für kirchliche und profane Geräte, Buchdruckerei, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, eine Kunstmühle und ein Elektrizitätswerk. Der Handel, unterstützt durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1904: 1458 Millionen Mark), eine Handelskammer und durch die Lage am Dortmund-Emskanal, ist besonders lebhaft in Getreide, in Gruben-, Bau- und Nutzholz, Kolonial-, Manufaktur-, Woll- und Eisenwaren, landwirtschaftlichen Maschinen, Vieh etc. Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Bahn. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Münster-Bremen, Münster-Sinsen, Münster-Emden, Münster-Rheda, Münster-Gronau und Münster-Hamm sowie der Eisenbahn Neubeckum-Münster.

Unter den Bildungsanstalten steht die Universität, die 1902 durch Angliederung der juristischen Fakultät an die ehemalige, nur aus theologischer und philosophischer Fakultät bestehende Akademie gegründet wurde, und deren völliger Ausbau durch Errichtung auch einer medizinischen Abteilung in naher Aussicht steht, obenan. Zu ihr gehören eine Bibliothek, ein archäologisches Museum, ein physikalisches Institut, ein chemisches Institut, naturhistorisches Museum, zootomisches Laboratorium, anatomisches, physiologisches und botanisches Institut, landwirtschaftliche Versuchsstation etc. Die Zahl der Studierenden belief sich im Sommersemester 1905 auf 1500. Sonst hat Münster noch 3 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Realschule, ein Priester-, ein Lehrerinnen- und ein israelitisches Lehrerseminar, eine Baugewerkschule, eine Zeichenschule für Kunst und Gewerbe, ein Konservatorium der Musik, einen Zoologischen Garten etc. Ferner bestehen mehrere Klöster, 2 Waisenhäuser, eine Provinzial-Irrenanstalt (Marienthal), eine Provinzial-Augenklinik, eine orthopädische Anstalt, ein Zuchthaus, mehrere Vereine für Kunst und Wissenschaft und für Wohltätigkeits- und Fürsorge-Einrichtungen. – Zum Landgerichtsbezirk Münster gehören die 18 Amtsgerichte zu Ahaus, Ahlen, Beckum, Bocholt, Borken i. W., Burgsteinfurt, Dülmen, Haltern, Ibbenbüren, Koesfeld, Lüdinghausen, Münster, Ölde, Rheine, Tecklenburg, Vreden, Warendorf und Werne.

Münster wird erstmalig um 800 erwähnt, als Karl der Große dem für die Sachsen ernannten Bischof Liudger diesen Ort (Mimigardevord) zum Wohnort anwies. Der jetzige Name, von monasterium (Wohnungen der Stiftskanoniker) kommt im 11. Jahrhundert auf. Bald nach 1186 erhielt Münster Stadtrecht, wurde vom Bischof Hermann II. befestigt und blieb bischöflich, obgleich der Bischof 1277 der Stadt, die seit Ende des 13. Jahrhundert der Hansa angehörte, politische Zugeständnisse machte. 1532 neigte sich die Stadt, mit Ausnahme des Domkapitels, dem Lutherischen zu und wurde 1535 der Schauplatz der politisch-religiösen Bewegungen der Wiedertäufer. Nach tapferer Gegenwehr wurde Münster am 24. Juni 1535 vom Bischof erobert und der evangelische Gottesdienst unterdrückt. Hier wurde 1648 der Westfälische Friede geschlossen. Die Bischöfe besaßen nur sehr beschränkte Herrschaftsrechte; erst Bischof Bernhard von Galen nahm 1661 die Stadt, die ihm im Einverständnis mit Holland den Gehorsam verweigerte, mit Gewalt, erbaute eine Zitadelle und entriss den Bürgern ihre Privilegien. Doch residierten die Bischöfe selten in Münster. Die 1818 neu errichtete Akademie wurde 1902 in eine Universität verwandelt.

Der Regierungsbezirk Münster umfasst 7253 km² (131,73 Quadratmeilen), zählt (1905) 818.062 Einwohner (112 auf 1 km²), darunter (1900) 105.582 Evangelische, 589.807 Katholiken und 3743 Juden und besteht aus den 12 Kreisen.