Wiener Kongress

Wiener Kongress 1815

Der Wiener Kongress 1815, der Wiederaufbau Europas und die Neuordnung Deutschlands.

Wiener Kongress 1815, Karikatur, Verlag u. Eigentum v. Wilhelm Hermes in Berlin, Königsstraße N. 26, Druck H. Delius
Wiener Kongress 1815, Karikatur, Verlag u. Eigentum v. Wilhelm Hermes in Berlin, Königsstraße N. 26, Druck H. Delius
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Vorgeschichte

Als 1803 ein neuer Krieg zwischen Frankreich und England ausbrach, wurde Bonaparte am 18. Mai 1804 als Napoleon I. zum erblichen Kaiser der Franzosen ausgerufen. Den Krieg der dritten Koalition gegen Frankreich, an dem England, Österreich und Russland teilnahmen, beendigte nach den Siegen Napoleons bei Ulm (17. Oktober 1805) und Austerlitz (2. Dezember) der Preßburger Frieden (26. Dezember 1805), trotzdem Nelson die französisch-spanische Flotte am 21. Oktober bei Trafalgar geschlagen hatte. 

Kaiser Franz I.

Kaiser Franz I.

* 12.02.1768 in Florenz, † 02.03.1835 in Wien; römisch-deutscher Kaiser (1792 - 1806), Kaiser von Österreich (1804 - 1835)

Als der aus den Trümmern des alten Deutschen Reichs (HRRDN) entstandene Rheinbund den französischen Kaiser zum Protektor wählte, griff Preußen verbündet mit Russland zu den Waffen, wurde jedoch bei Jena und Auerstedt (14. Oktober 1806) und später bei Eylau und Tilsit so vollständig geschlagen, dass Napoleon den Frieden von Tilsit (7. und 9. Juli) diktieren konnte. 

Deutschland 1786
Deutschland 1786

Das von neuem zu den Waffen greifende Österreich wurde bei Eckmühl und nach der unentschiedenen Schlacht von Aspern bei Wagram (5. und 6. Juli 1809) geschlagen. Im Juli 1812 führte Napoleon ein Heer von 500.000 Mann nach Russland, zog am 14. September in Moskau ein, scheiterte aber und verlor auf dem Rückzug fast sein ganzes Heer. Nun erhob sich auch Preußen gegen Frankreich, zwar siegte Napoleon nochmals bei Lützen, Bautzen und Dresden, allein der entscheidende Sieg der Verbündeten, denen inzwischen auch Österreich beigetreten war, bei Leipzig (Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813) drängte ihn über den Rhein zurück.

Europa, 1812
Europa, 1812

Sein verzweifelter Kampf im Frühjahr 1814 gegen die in Frankreich eindringenden Alliierten war vergeblich, Paris ergab sich am 30. März 1814 den verbündeten Monarchen, der Senat erklärte am 2. April Napoleon für abgesetzt und rief die Bourbonen zurück. Napoleon dankte daraufhin am 11. April ab und zog sich auf die ihm angewiesene Insel Elba zurück. Am 3. Mai hielt Ludwig XVIII. seinen Einzug in Paris; der Pariser Friede vom 30. Mai 1814 ließ Frankreich die Grenzen von 1792 nebst der Hälfte von Savoyen und die meisten geraubten Kunstschätze. 

Napoleon Bonaparte

Napoleon Bonaparte

* 15.08.1769 in Ajaccio auf Korsika, † 05.05.1821 in Longwood House auf St. Helena, 1804 bis 1814, 1815 Kaiser der Franzosen

Die Zwistigkeiten des Wiener Kongresses ermutigten Napoleon im Frühjahr 1815 Elba heimlich zu verlassen, in Frankreich zu landen und nochmals in Paris einzuziehen; aber der Sieg Blüchers und Wellingtons bei Waterloo (18. Juni 1815) zwang ihn, am 22. Juni in Blois zugunsten seines Sohnes abzudanken, die Verbündeten zogen am 7. Juli in Paris ein und am 9. Juli kehrte Ludwig XVIII. zurück; der zweite Pariser Friede (20. November 1815) beschränkte Frankreich auf die Grenzen von 1790.

Europa nach dem Wiener Kongress 1815
Europa nach dem Wiener Kongress 1815

Der Schlussartikel des ersten Pariser Friedens vom 30. Mai 1814 bestimmte, dass alle am Krieg gegen Napoleon I. beteiligten Mächte binnen zwei Monaten zur Ordnung der Verhältnisse Europas Abgesandte nach Wien schicken sollten; doch wurde der Anfang des Kongresses bis 1. Oktober 1814 verschoben. Mitte September kamen die Monarchen von Russland, Preußen, Dänemark, Bayern, Württemberg und Baden mit Gefolge als Gäste des Kaisers Franz I. nach Wien. Ort der Zusammenkunft ist das Wiener Palais am Ballhausplatz, das heutige Bundeskanzleramt der Republik Österreich.

Deutscher Bund 1815-1866
Deutscher Bund 1815-1866

Teilnehmer

Die Hauptvertreter waren:

  • für Österreich Fürst Metternich,
  • für Russland Graf Nesselrode,
  • für England Lord Castlereagh, später Wellington,
  • für Preußen Fürst Hardenberg und Wilhelm von Humboldt,
  • für Frankreich Fürst Talleyrand.
Wiener Kongress
Wiener Kongress

Auch die übrigen deutschen Höfe, die vormals souveränen Städte, die Schweiz, viele mediatisierten Häuser und die anderen europäischen Staaten hatten Vertreter entsandt, so dass sich die Zahl der Diplomaten auf einige hundert belief. Talleyrand, der Vertreter des besiegten Frankreichs, spielte die verschiedenen deutschen Kräfte gegeneinander aus und schob sich damit in den Mittelpunkt des Kongresses. Glänzende Feste, dramatische und militärische Schauspiele und dergleichen halfen die mangelnde Einigkeit unter den ehemaligen verbündeten Mächten zu verhüllen. Angesichts der zähen Verhandlungen prägte der Teilnehmer Fürst von Ligne den Ausspruch: „Der Kongress tanzt, aber er geht nicht weiter.“ 

Klemens Wenzel von Metternich

Klemens Wenzel von Metternich

* 15.05.1773 in Koblenz † 11.07.1859 in Wien; österreichischer Staatskanzler

Aufgaben

Die wichtigsten Aufgaben waren:

  1. Der Wiederaufbau eines europäischen Staatensystems mit Herstellung des politischen Gleichgewichts und
  2. die Neuordnung der inneren Verhältnisse Deutschlands.
Wiener Kongress: Sitzung der Bevollmächtigten der acht an dem Trakte von Paris beteiligten Mächte.
Wiener Kongress: Sitzung der Bevollmächtigten der acht an dem Trakte von Paris beteiligten Mächte.

Verlauf

Im September beschlossen die Bevollmächtigten von Österreich, Russland, Preußen und England,

  • dass ein Ausschuss für die europäischen Angelegenheiten,
  • ein zweiter für die Konstituierung des Deutschen Bundes,
  • besondere Komitees für die Neuordnung der Schweiz,
  • für die Regelung der Binnenschifffahrt etc. gebildet werden sollten.

Talleyrand aber setzte einen Generalausschuss durch, in den außer den vier Mächten noch Spanien, Portugal, Schweden und Frankreich eintraten. Jedes Ausschussmitglied sollte gleiches Recht und eine Stimme haben; an die Stelle der Rangordnung sollte das französische Alphabet treten und demnach Österreich (Autriche) in der Person Metternichs den Vorsitz führen. Eine förmliche Eröffnung des Kongresses, wofür man den 2. November in Aussicht nahm, hat nie stattgefunden. Das lag zunächst an der polnischen Frage. Der russische Zar Alexander I. forderte hartnäckig, das ganze Herzogtum Warschau seinem Reich einzuverleiben, wogegen sich anfänglich nicht nur Österreich und England, sondern auch Preußen erklärten, dem von den beiden ersteren als Lohn für seinen Widerstand gegen Russlands Übergewicht ganz Sachsen in Aussicht gestellt worden war. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. wies am 5. November seinen Kanzler an, sich in der polnischen Sache von Österreich und England zugunsten Russlands zu trennen; darum schlossen Großbritannien und Österreich mit Frankreich, das den Zwist geschickt für sich ausnutzte, am 3. Januar 1815 ein geheimes Schutzbündnis.

Herzogtum Warschau 1812
Herzogtum Warschau 1812

Preußen, das die entscheidende Rolle bei der Befreiung gespielt hatte, wurde isoliert und konnte sich nicht durchsetzen. Der Freiherr von Stein nahm nur als Berater des russischen Zaren am Kongress teil, vergeblich forderten er die Rückgabe des Elsasses. Kaiser Franz lehnte eine Erneuerung der deutschen Kaiserwürde für sich ab; an ein preußischen Kaisertum wurde nicht ernsthaft gedacht. Dem Deutschen Bund, der als Ergebnis dieser langwierigen Beratungen zustande kam, fehlte aber auch jeder Ansatz zu einer kraftvollen Staatsbildung. Er war aufgebaut auf den österreichisch-preußischen Dualismus. Um Österreich ein gewisses Übergewicht zu sichern, wurden die überwiegend von Deutschen bewohnten östlichen Provinzen (Westpreußen, Ostpreußen, Posen) ebenso aus dem Bund ausgeschlossen wie die nichtdeutschen Bestandteile der Donaumonarchie (Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien, Dalmatien, Galizien, Lombardei, Venetien). Der Einfluss der fremden Mächte wurde durch die Mitgliedschaft des Königs von England für Hannover, des Königs der Niederlande für Luxemburg, des Königs von Dänemark für Holstein gewahrt.

Preußische Ostprovinzen und Kongress-Polen 1815 - 1866
Preußische Ostprovinzen und Kongress-Polen 1815 - 1866

In der deutschen Verfassungsangelegenheit war ursprünglich eine auf die einige Vormacht der beiden deutschen Großstaaten begründete feste Konstruktion für Deutschland geplant gewesen, welche die anderen Bundesglieder in ihrer Geltung nach außen beschränkt hätte. Aber seit November versuchte Metternich bei den Mittelstaaten (Bayern u. a.) Unterstützung, die nur für das Zugeständnis voller Souveränität zu gewinnen waren. Preußen musste denselben Weg gehen, der schließlich bei der Gleichwertigkeit jedes einzelnen Bundesstaats und dessen Befugnis, selbständig Verträge mit dem Ausland zu schließen, nach außen hin eine ebenso schwächliche wie im Innern lockere Verfassung ergab, wie sie endlich in der Deutschen Bundesakte vom 8. Juni 1815 festgelegt wurde.

Österreichischer Teil des Deutschen Bundes 1815 - 1866
Österreichischer Teil des Deutschen Bundes 1815 - 1866

Inzwischen hatten sich die Großmächte im Februar in der polnischen und sächsischen Frage verglichen, indem sie das Herzogtum Warschau dermaßen teilten, dass der Posener Kreis und Thorn an Preußen, der Tarnopoler und die Salzwerke von Wieliczka an Österreich fielen und Krakau zum Freistaat erklärt wurde (Verträge zwischen Österreich, Preußen und Russland vom 3. Mai 1815), so dass Preußen sich mit dem nördlichen, dünner bevölkerten Teil von Sachsen (850.000 Einwohner) mit den Elbfestungen Torgau und Wittenberg begnügen konnte, den Rest aber als Königreich Sachsen den Wettinern überließ, wozu König Friedrich August erst nach hartnäckiger Weigerung seine Zustimmung gab (Vertrag vom 18. Mai 1815).

Königreich Sachsen 1812
Königreich Sachsen 1812

Ergebnisse

Die Angelegenheiten des Kongresses nahmen einen raschern Gang, als durch Napoleons Rückkehr Talleyrands Einfluss eingeschränkt wurde.

  • Preußen erhielt außer Großpolen und dem sächsischen Landesteil als Entschädigung für die Abtretung Ostfrieslands, Hildesheims etc. an das Königreich Hannover, Ansbachs und Bayreuths an das Königreich Bayern, Lauenburgs an Dänemark: Kleve, Berg, den größern Teil des linken Rheinufers bis an die Saar und Schwedisch-Pommern, so dass es im Vergleich mit dem Bestand von 1805 33.000 km² verlor und etwa ½ Mill. Einwohner gewann.
  • England bewirkte, um die eroberten holländischen Kolonien behalten zu können und auf dem Festland einen Stützpunkt zu haben, die Vereinigung Hollands und Belgiens zu einem „Königreich der Niederlande“ unter dem Hause Oranien. Als Ersatz für seine nassauischen Besitzungen bekam der neue niederländische König das Großherzogtum Luxemburg und wurde dadurch Mitglied des Deutschen Bundes. England erhielt außerdem Malta und die Schutzherrschaft über die Ionischen Inseln.
  • Dänemark, das 1813 an England Helgoland, an Schweden aber gegen die Zusicherung von Schwedisch-Pommern Norwegen abgetreten hatte, musste Schwedisch-Pommern und Rügen für Lauenburg und 2 Millionen Taler an Preußen überlassen.
  • Schweden erhielt als Entschädigung für Finnland und Schwedisch-Pommern die Anerkennung des Besitzes von Norwegen.
  • In der Schweiz wurde die Mediationsakte von 1803 aufgehoben und ein Bund von 22 Kantonen gebildet, dessen Neutralität man garantierte.
  • In Italien nahm der Erzherzog Ferdinand das Großherzogtum Toskana wieder in Besitz und erhielt dazu Piombino und Elba, trat jedoch Lucca dem spanischen Infanten Karl Ludwig ab, bis Parma erledigt wäre. Die Verbündeten hatten zwar im Vertrag vom 11. April 1814, der den Besitzstand des Hauses Bonaparte regelte, der Gemahlin Napoleons, der Erzherzogin Maria Luise, das Herzogtum Parma als erbliches Fürstentum zugesprochen; es wurde ihr aber jetzt nur auf Lebenszeit überwiesen, so dass es nach ihrem Tod an die spanischen Bourbonen gelangen sollte. Modena bekam Herzog Franz von Este zurück; Genua wurde mit dem wiederhergestellten Königreich Sardinien vereinigt. Angesichts der Bemühungen Talleyrands, Murat aus Neapel zu vertreiben und Ferdinand IV. von Sizilien wieder einzusetzen, gab Österreich nach, da Murat nach der Rückkehr Napoleons sich für ihn entschied; im Kampf besiegt, musste er Neapel den Bourbonen zurückgeben.
  • Der Kirchenstaat (mit dem Papst als Oberhaupt) wurde im frühern Umfang wiederhergestellt; nur behielt Österreich den Teil Ferraras am linken Po-Ufer und das Besatzungsrecht der Plätze Ferrara und Comacchio.
  • Österreich selbst erhielt in Italien die Lombardei und Venetien nebst Friaul, Istrien und Dalmatien; auch wurden ihm Tirol und Vorarlberg, Salzburg und die erwähnten Teile von Galizien zurückgegeben.
Königreich Bayern 1812
Königreich Bayern 1812

Ursprünglich sicherte man Napoleon I. im Vertrag vom 11. April 1814 den  Besitz der Insel Elba zu, erwog aber kurz darauf bereits dessen Verbannung in eine ferne Zone. Da traf am 6. März 1815 in Wien die Kunde ein, Napoleon habe Elba verlassen, und schon am 8. brachte ein Kurier aus Sardinien die Nachricht, er sei an der Küste der Provence gelandet. Trotz der Bestürzung fasste man nicht nur den Beschluss, die Verhandlungen fortzuführen, sondern die acht Mächte erklärten auch auf Alexanders I. Antrag am 13. März, dass der Vertrag vom 11. April 1814 gelöst sei und Napoleon durch abermalige Störung des europäischen Friedens den Schutz der Gesetze verwirkt habe. Am 25. März erneuerten Österreich, England, Russland und Preußen einen im März 1814 zu Chaumont unterzeichneten Allianztraktat, dem jetzt auf ihre Einladung auch die Bourbonen und alle übrigen Fürsten und Staaten beitraten. Während eine besondere Kommission den Kampf vorbereitete, beeilten sich die Diplomaten, die Verhandlungen zu beenden.

Schwedens größte Machtentfaltung 1658
Schwedens größte Machtentfaltung 1658

Auch die deutschen Angelegenheiten kamen zum bereits erwähnten Abschluss. Die europäischen Großmächte hatten kein Interesse an einem starken vereinten Deutschland. Metternich betrieb eine rein österreichische Interessenpolitik. Alle die Entschädigungen, Ausgleichungen und Territorialverhältnisse der einzelnen deutschen Staaten, Hannovers, das Königreich wurde, Bayerns, Württembergs, Badens etc., gelangten nicht zur völligen Abfertigung. Deshalb wurde aus den Bevollmächtigten Österreichs, Preußens, Russlands und Englands in Frankfurt eine Territorialkommission gebildet, die erst durch den Rezess vom 20. Juli 1819 die Ordnung der Gebietsverhältnisse vollendete. Wichtig war besonders die Anerkennung und Abrundung der großen Mittelstaaten in Süd- und Mitteldeutschland. Die Entscheidung über die Stellung der Mediatisierten behielt der Kongress meist den beteiligten Souveränen und dem Deutschen Bund vor. 

Savoyen, Schweiz, Tirol, Lombardei und Venetien 1815
Savoyen, Schweiz, Tirol, Lombardei und Venetien 1815

An diese letzten Verhandlungen schlossen sich auch die Arbeiten über den Flussverkehr, der in ganz Europa für frei erklärt wurde; die Uferstaaten sollten sich über die Rechtsverhältnisse, die Strompolizei und dergleichen untereinander einigen. Dann wurden auch Rang und Titulatur der Diplomaten (Botschafter, Gesandter, chargé d’affaires) geregelt.

Letztendlich wurde auf Betreiben des englischen Philanthropen William Wilberforce (1759 – 1833) der gute Wille der Kongressmächte in einer Erklärung vom 8. Februar 1815 gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel zum Ausdruck gebracht. Alle diese Beschlüsse wurden in 121 Artikeln redigiert und als Wiener Kongress- oder Schlussakte von den Vertretern Englands, Russlands, Österreichs, Preußens, Frankreichs, Schwedens und Portugals am 9. Juni 1815 unterzeichnet.

Italien 1815 bis zur Gegenwart
Italien 1815 bis zur Gegenwart

Die Artikel 15 – 64 betrafen lediglich Deutschland und bezogen sich hauptsächlich auf dessen neue territoriale Gestaltung. Außerdem wurde darin die Deutsche Bundesakte mit ihren Verheißungen, die Verfassung und Verwaltung des Königreichs Polen, das Gebiet, die Freiheit und Neutralität des Staates Krakau gewährleistet.

Da die Vertreter Preußens und der Vereinigten Niederlande auch nach 50 Sitzungen keine Einigung über den gemeinsamen Grenzverlauf erzielen konnten, erklärte man das strittige Gebiet kurzerhand für vorläufig neutral. So entstand Neutral Moresnet, ein Provisorium, das von 1816 bis 1919 existierte.

Europäische Türkei von 1812 - 1878
Europäische Türkei von 1812 - 1878

Spaniens Vertreter Labrador unterschrieb die Schlussakte nicht, weil der Kongress von Spanien die Rückgabe der Festung Olivenza an Portugal gefordert und in Italien bezüglich Parmas die Wünsche des Madrider Hofes unerfüllt gelassen hatte. Auch der Papst protestierte gegen die Beschlüsse, weil sie ihm Avignon und jenen Landstrich von Ferrara absprachen, den sich Österreich vorbehielt. An den Kongress reihten sich der Sieg der Verbündeten bei Waterloo und der zweite Pariser Friede vom 20. November 1815, der die Schlussakte schon insofern veränderte, als Frankreich Savoyen, Landau und das Saargebiet darin abtrat.

Europäische Türkei seit 1878
Europäische Türkei seit 1878

Fazit

Was den politischen Wert der Leistungen des Wiener Kongresses anlangt, so ist das Ergebnis in Anbetracht der zahllosen entgegengesetzten Ansprüche und der kurzen Zeit bedeutend. Freilich haben seine Teilnehmer mehr im Interesse der Dynastien als dem der Völker gearbeitet. England wurde durch den Kongress übermächtig zur See, Russland zu Lande; die Neuordnung der Verhältnisse in Italien und in Deutschland war nicht zufriedenstellend – die staatlichen Einigungen blieben aus. Der Deutsche Bund war kein Bundesstaat, sondern ein Bund aus anfangs 35 souveränen Staaten. Besonders das deutsche Volk, das durch die Napoleonische Fremdherrschaft über 2 Millionen Tote zu beklagen hatte und auf konstitutionelle Freiheiten im Innern und geeinte nationale Kraft nach außen gehofft hatte, sah sich um diesen Preis seiner Aufopferung betrogen. Die Missstände der türkischen Herrschaft auf der Balkanhalbinsel ließ der Wiener Kongress unberücksichtigt; diese wurden erst durch Otto von Bismarck auf dem Berliner Kongress 1878 geregelt. Die wichtigsten politischen Ereignisse des 19. Jahrhunderts betrafen daher Änderungen der Beschlüsse des Wiener Kongresses.

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
  • „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
  • „Meyers Lexikon“ in 12 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig 1924
  • Landkarten aus F.W. Putzgers „Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig 1902

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