Torgau

Kreisstadt und bis 1892 Festung im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg

Torgau 12.299 Einwohner – 1905

Torgau, Blick von der Elbe
Torgau, Blick von der Elbe

 

Torgau

Torgau ist eine Kreisstadt und bis 1892 Festung im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg. Sie liegt an der Elbe, über die hier zwei Brücken (darunter eine Eisenbahnbrücke) führen, ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Halle-Cottbus und Pratau-Torgau. Die Stadt hat 2 evangelische Kirchen (darunter die Stadtkirche mit Gemälden von Lukas Cranach und dem Grabstein der Katharina von Bora), eine neue katholische Kirche, das auf einem Felsen an der Elbe liegende Schloss Hartenfels (von Johann Friedrich dem Großmütigen erbaut, jetzt Kaserne), ein altertümliches Rathaus und einen Hafen. Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 72, ein Husarenregiment Nr. 12 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 74) 12.299 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 692 Katholiken und 16 Juden.

Die Industrie und ist tätig in Wagen-, Handschuh-, Zündschnur-, Briefumschlag-, Gemüsepräserven-, Landwirtschaftsmaschinen-, Sirup-, Zigarren-, Mostrich-, Sprit- und Mineralwasserfabrikation, Bierbrauerei, Dampfschneidemüllerei, Ziegelbrennerei, Schifffahrt und Getreidehandel. Torgau hat ein Gymnasium, eine Sammlung sächsischer Altertümer, ein Landgericht und das Kommando der 16. Infanteriebrigade. In der Nähe das Hauptgestüt Graditz. Zum Landgerichtsbezirk Torgau gehören die 16 Amtsgerichte zu Belgern, Dommitzsch, Düben, Eilenburg, Elsterwerda, Herzberg (Elster), Jessen, Kemberg, Liebenwerda, Mühlberg (Elbe), Prettin, Schlieben, Schmiedeberg (Bz. Halle), Schweinitz, Torgau und Wittenberg.

Torgau ist Geburtsort der Kurfürsten Friedrich des Weisen und Johann Friedrich. Torgau, schon früh wichtig als Elbübergang, war seit dem 15. Jahrhundert häufig Sitz der sächsischen Kurfürsten. Hier wurde im März 1526 der Torgauer Bund evangelischer Fürsten gegen die katholischen Reichsstände geschlossen. Luther und seine Freunde verfassten hier 1530 die Torgauer Artikel, die Grundlage der Augsburgischen Konfession und 1576 wurde zur Beilegung der kryptocalvinistischen Streitigkeiten hier das Torgauische Buch (Konkordienformel) veröffentlicht. In der Nähe von Torgau, bei Süptitz, schlug Friedrich der Große am 3. November 1760 die Österreicher unter Dann (Denkmal). 1811 auf Napoleons I. Befehl befestigt, hielt Torgau Ende 1813 eine dreimonatige Belagerung durch Tauentzien aus und kapitulierte am 10. Januar 1814. Torgau fiel 1815 an das Königreich Preußen. 1889 wurden die Rayongesetze aufgehoben.