Innsbruck, Seilergasse mit Stadtturm

Tirol

Landeshauptstadt Innsbruck

Innsbruck - Tirol. Maria Theresiastraße
Innsbruck – Tirol. Maria Theresiastraße

Gefürstete Grafschaft Tirol

Die gefürstete Grafschaft Tirol ist ein österreichisches Kronland und bildet mit dem Kronland Vorarlberg ein Verwaltungsgebiet. Es grenzt nördlich an das Königreich Bayern, östlich an Salzburg, Kärnten und Italien, südlich an Italien, westlich an Italien, die Schweiz und Vorarlberg und umfasst 26.683 km² (484,7 Quadratmeilen), mit Vorarlberg 29.285 km² (531,9 Quadratmeilen). Tirol ist das gebirgigste Land Österreichs und hat Anteil an dem nördlichen, mittleren und südlichen Zuge der Alpen. Zur zentralen Gneisalpenzone gehören die nördlichen Verzweigungen der Rätischen Alpen, und zwar die Fermuntgruppe (Fluchthorn 3408 m) und die Fervallgruppe (Kuchenspitze 3170 m), ferner das gletscherreiche Massiv der Ötztaler Alpen (Wildspitze 3774 m) und der Stubaier Alpen (Zuckerhütl 3511 m), die Adamelloalpen (Presanella 3564 m), die Ortleralpen (Ortler 3902 m, der höchste Gipfel des Landes) und das Penser Gebirge (Hirzer 2785 m).

Meran, K. K. Stammschloss Tirol gegen die Zielspitze (3006 m)
Meran, K. K. Stammschloss Tirol gegen die Zielspitze (3006 m)

Jenseits des Brenner erheben sich die Zillertaler Alpen (Hochfeiler 3523 m) und die Hohen Tauern (Großglockner 3798 m) mit ihren südlichen Vorlagerungen. Im Nordosten lehnen sich an die Gneisalpen das Tuxer Tonschiefergebirge (Reckner 2882 m) und die Kitzbühler Alpen (Katzenkopf 2532 m) an. Die nördliche Kalkalpenzone beginnt mit den Algäuer (Lechtaler) Alpen (Parseier Spitze 3038 m) und setzt sich in den Nordtiroler Kalkalpen mit den Gruppen des Wettersteingebirges (2968 m), des Karwendelgebirges (2756 m), der Brandenberger Alpen (2296 m) und des Kaisergebirges (2344 m) fort. Der südlichen Kalkalpenzone gehören in Tirol insbesondere die Brentagruppe (3176 m), dann östlich vom Etschtal die Vicentinischen Alpen (Cima Dodici 2331 m), die Südtiroler Dolomiten (Marmolata 3360 m), schlussendlich an der Grenze gegen Kärnten die Karnischen Alpen (Sandspitze 2863 m) an.

Wichtige Alpenpässe in Tirol sind der Arlberg, der Brenner, Finstermünz, das Reschenscheideck, das Stilfser Joch, der Tonalpaß, der Fernpaß, der Scharnitzpaß und der Paß Strub. Das nördliche Tirol gehört zum Flussgebiet der Donau, ebenso der östliche Teil des Pustertals, aus dem die Drau nach Kärnten übertritt. Das übrige Land gehört zum Gebiet der Adria. Der Inn betritt das Land bei Finstermünz und verlässt es unterhalb Kufstein, nachdem er die Rosanna, den Ötzbach, Sill und Ziller aufgenommen. Ganz im Norden Tirols entspringen der Lech und die Isar, die aber bald nach Bayern übergehen. Der Hauptfluss des südlichen Tirols ist die Etsch, die links die Passer, den Eisack und den Avisio, rechts den Noce aufnimmt und bei Borghetto nach Italien übertritt. Außerdem sind von Flüssen zu nennen, im Südwesten die Sarca, im Südosten die Brenta.

Riva Il Porto
Riva Il Porto

Unter den Seen ist der Gardasee, dessen Spiegel nur zum Teil zu Tirol gehört, der größte; außer diesem gibt es nur kleinere Seen, z. B. der Achensee, der Brennersee, der See von Caldonazzo, der Loppiosee. Sehr zahlreich sind die Mineralquellen. Die besuchtesten der 82 Kurorte sind Meran, Riva, Arco, Levico, Gries bei Bozen, Brennerbad. Das Klima Tirols ist sehr verschieden, indem die zentrale Gebirgskette eine Klimascheide bildet. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Innsbruck 8°C, in Lienz 7,5°C, in Trient dagegen 12,3°C. Die mittlere jährliche Regenmenge beträgt in Innsbruck 872, in Meran 689, in Riva 1150 mm.

Innsbruck nach Süden
Innsbruck nach Süden

Tirol und Vorarlberg bilden nicht ein Land, sondern nur ein Gebiet der gemeinsamen Landesregierung in Innsbruck, d.h. beide Länder stehen unter demselben Statthalter und haben manche Einrichtungen gemeinsam, indessen ist Vorarlberg auf dem Tiroler Landtag nicht vertreten, sondern hat einen eigenen Landtag. Der Kaiser von Österreich heißt als Tiroler Landesfürst: „Gefürsteter Graf von Tirol, Fürst von Trient und Brixen.“ Als Herr von Vorarlberg: „Graf von Hohenems, Feldkirch, Bregenz und Sonnenberg.

Wappen:

Das Landeswappen von Tirol ist ein roter Adler in Silbernem Felde, mit silbernen Kleestengeln in den Flügeln und einem grünen Lorbeerkranz um den Kopf.

Tirol, Wappen
Tirol, Wappen

Landesfarben:

Die Landesfarbe ist rot und weiß. Die Fahnen und Abzeichen der Schützen sind grün und weiß.

Tirol, Flagge
Tirol, Flagge

Größe:

26.683 km²

Tirol
Tirol

Einwohner:

946.613 Einwohner (Volkszählung von 1910)

Gewässer:

Etsch, Inn, Bodensee

Kufstein-Kiefersfelden, Landesgrenze Bayern-Tirol
Kufstein-Kiefersfelden, Landesgrenze Bayern-Tirol

Bewohner:

Die Bevölkerung von Tirol betrug 1890: 812,696, 1900: 852,712 (mit Einschluss von Vorarlberg 1890: 928,769, 1900: 981,949) Seelen und zeigt eine geringe Zunahme (jährlich 0,5 %). Auf 1 km² kommen 32 Einwohner, auf 1000 männliche 1017 weibliche Bewohner. Von der Bevölkerung gehören 55,5 % der deutschen, 44,3 % der italienischen Nationalität an; erstere bewohnt Nord- und Mittel-, letztere Südtirol. Im italienischen Sprachgebiet befinden sich mehrere deutsche Sprachinseln. Die Ladiner bewohnen hauptsächlich das Fassa-, Grödner-, Abtei- und Enneberger Tal. Die herrschende Religion ist die katholische; 1900 wurden nur 3232 Evangelische und 1008 Israeliten gezählt.

  • Deutsch-Tiroler (vom Stamm der Bayern) 461.000 Einwohner = 55,6 %
  • Welsch-Tiroler (Italiener)                      348.000 Einwohner = 42,0 %
  • Ladiner                                              20.000 Einwohner = 2,4 %

Bevölkerungsdichte:

35,4 Einwohner/km² (Volkszählung von 1910)

Gries und Bozen mit dem Rosengarten
Gries und Bozen mit dem Rosengarten

Religion:

In kirchlicher Beziehung gab es nach der im Jahre 1905 erfolgten statistischen Zusammenstellung in Tirol: 2 Bistümer, 64 Dekanatssprengel, 504 Pfarreien, 677 andere Benefizien; im ganzen 1596 katholische Weltgeistliche. Der männliche Ordensklerus besaß 73 Klöster mit 1959 Mitgliedern; der weibliche 30 Klöster, 226 Filialen mit 3790 Mitgliedern. Zusammen waren in Tirol (einschließlich Vorarlberg) 329 Klöster mit 5749 Mitgliedern. Außerdem 1 Pfarrer Augsburger Konfession, 2 Pfarrer Helvetischer Konfession, sowie 1 Rabbiner (in Hohenems).

  • römisch Katholisch ca. 810.000 Einwohner
  • Evangelisch A.B./ H.B.     2.200 Einwohner
  • Juden                            600 Einwohner

Wirtschaft:

Die Bodenproduktion Tirols ist wegen der gebirgigen Beschaffenheit vorwiegend auf Waldwirtschaft und Viehzucht beschränkt; doch wird, wo nur möglich, auch Ackerbau betrieben. Von der gesamten Bodenfläche kommen auf Äcker 5,2 %, Wiesen 6 %, Gärten 0,2 %, Weingärten 0,5 %, Hutweiden 4,2 %, Alpen 25,7 %, Waldungen 38,9 %, auf unproduktives Land 19,4 %. Landwirtschaftliche Produkte sind: Weizen (1906: 144.558 metrische Zentner), Roggen (259.607 metrische Zentner), Gerste (92.575 metrische Zentner), Hafer (52.575 metrische Zentner), Mais (270.728 metrische Zentner, hauptsächlich in Südtirol), Hülsenfrüchte (17.961 hl), Buchweizen (24.105 hl) in Südtirol, Kartoffeln (1.381.202 metrische Zentner), Futterrüben (115.595 metrische Zentner), Kraut (98.663 metrische Zentner), Flachs (3118 metrische Zentner), Tabak (4869 metrische Zentner) um Rovereto, Kleeheu (268.303 metrische Zentner), Grasheu (11.132.587 metrische Zentner) etc. Die Obstkultur ist in Nordtirol meist auf die Gärten beschränkt; das Kernobst wird zu Obstwein (Cider) und das Steinobst zur Branntweinerzeugung verwendet. In Südtirol werden edle Obstsorten, neben der Traube auch Pfirsiche, Aprikosen, Mandeln, Zitronen (am Gardasee), Orangen, edlere Apfelsorten, besonders bei Bozen, seine Birnen, Kirschen, Granatäpfel etc. kultiviert. Das Erträgnis an Obst belief sich auf 135.208 metrische Zentner. Die Kultur des Ölbaums und namentlich des Maulbeerbaums wird in Südtirol betrieben. Ebenso ist der Weinbau auf Südtirol beschränkt. Die Weinernte betrug 866.502 hl. Eine der Haupterwerbsquellen ist für Tirol ferner die Viehzucht. Nach der Zählung von 1900 gab es: 17.226 Pferde, 6439 Maulesel, Maultiere und Esel, 423.405 Rinder, 176.594 Schafe, 93.706 Ziegen, 70.558 Schweine, 50.468 Bienenstöcke. Die Seidenraupenzucht wird in Südtirol stark betrieben (Kokonsertrag 1,6 Millionen kg).

Brixen, Fürstbischöfliche Burg
Brixen, Fürstbischöfliche Burg

Der Bergbau und Hüttenbetrieb, ehemals in Nordtirol von hoher Bedeutung, hat fast seine ganze Wichtigkeit verloren. Der Bergbau ergab 1905: 6037 metrische Zentner Kupfererz, 7640 Eisenerz, 1353 Bleierz, 23.242 Zinkerz, 20.000 Schwefelkies, 5135 Asphalt und 147.100 metrische Zentner Braunkohle (ärarischer Bergbau zu Häring); der Hüttenbetrieb lieferte: 427 kg Silber, 2497 metrische Zentner Kupfer und 4988 metrische Zentner Roheisen. Hierzu kommt der Betrieb der Saline in Hall mit einer Produktion von 125.260 metrische Zentner Sudsalz, 189 metrische Zentner Steinsalz und 37.832 metrische Zentner Industrialsalz. Beim Berg- und Hüttenbetrieb waren insgesamt 1517 Arbeiter beschäftigt; der Produktionswert belief sich auf 3.166.875 Kronen. Sonstige Produkte des Bodens sind: Torf, Farberde, Gips, Kreide, Quarz, Marmor (bei Laas und Predazzo), Serpentin, Amethyste, Granate (Ötztal und Zillertal) u. a. Die Industrie hat in Tirol bisher noch keine hohe Bedeutung erlangt. Die gewerbliche Betriebszählung von 1902 ergab im ganzen 4707 motorische Betriebe mit 25.153 beschäftigten Personen und 59.000 Pferdekräften.

Kufstein, Oberer Stadtplatz
Kufstein, Oberer Stadtplatz

Die Lage Tirols zwischen Deutschland und Italien und die Vorteile wohlerhaltener Kunststraßen und Eisenbahnen begünstigen den Handel mit dem In- und Auslande wie auch den Transithandel. An Verkehrswegen bestehen 4831 km Landstraßen, 975 km Eisenbahnen (davon 944 km Hauptbahnen), 339 km Wasserstraßen.

Für den Unterricht sorgen die Universität zu Innsbruck, 15 theologische Lehranstalten, 9 Obergymnasien, 3 Oberrealschulen, 3 Lehrer- und 3 Lehrerinnenbildungsanstalten, 3 höhere Töchterschulen; ferner 4 Handelslehranstalten, eine Staatsgewerbeschule zu Innsbruck, 16 gewerbliche Fachschulen, eine Handwerkerschule, 3 Schulen für Land- und Forstwirtschaft, eine Hebammenlehranstalt, 4 Musikschulen, endlich 2 Bürger-, 1368 öffentliche und 55 private Volksschulen.

Lienz, Spitzkofel (2718 m) und Lienzer Dolomiten
Lienz, Spitzkofel (2718 m) und Lienzer Dolomiten

Politische Verwaltung und Einteilung:

Tirol und Vorarlberg bilden nicht ein Land , sondern nur ein Gebiet der gemeinsamen Landesregierung in Innsbruck, d.h. beide Länder stehen unter demselben Statthalter und haben manche Einrichtungen gemeinsam, indessen ist Vorarlberg auf dem Tiroler Landtag nicht vertreten, sondern hat einen eigenen Landtag. Der Landtag versammelt sich in der Regel jährlich einmal in der Landeshauptstadt und zählt nach der neuen 1914 beschlossenen Wahlordnung 96 Mitglieder, welche in fünf Kurien geteilt sind. Die erste Kurie bilden die Prälaten, die fünfte wird auf Grund des allgemeinen, gleichen Wahlrechts gewählt. Viril-Stimmen besitzen die drei Landesbischöfe: der Fürsterzbischof von Salzburg, die Fürstbischöfe von Brixen und Trient, sowie der jeweilige Rektor der Universität von Innsbruck. An der Spitze des Landtages steht der Landeshauptmann, der aus den Landtagsmitgliedern vom Kaiser ernannt wird. Neben dem Landtag besteht noch der Landesausschuss, dessen 6 Mitglieder aus dem Landtag gewählt werden. Dazu kommt noch als Vorsitzender der Landeshauptmann. Der Landesausschuss vollzieht die Beschlüsse des Landtages, verwaltet das Landesvermögen und überwacht die Vermögensverwaltung der Gemeinden. Als Kronland der österreichisch-ungarischen Monarchie nimmt dann Tirol auch an der gesetzgebenden Körperschaft des Reiches teil, indem es sowohl aus 25 Reichsratswahlbezirken Abgeordnete ins Parlament, als auch mehrere davon in die österreichische Delegation entsendet. Auch der Tiroler Adel besitzt einige Sitze im Herrenhaus.

Meran, Stadtansicht
Meran, Stadtansicht

Die höchste staatliche Verwaltungsbehörde ist die k. k. Statthalterei in Innsbruck, an deren Spitze ein vom Kaiser eingesetzter Statthalter steht. Vormals war Tirol mit Vorarlberg in 7 Kreise eingeteilt:

  1. Vorarlberg
  2. Oberinntal und Bintschgau
  3. Unterinntal und Wipptal
  4. Pustertal und Eisacktal
  5. Kreis an der Etsch
  6. Trient
  7. Rovereto.

Gegenwärtig ist das Land zum Zwecke der leichteren Verwaltung in 23 Bezirkshauptmannschaften (politische Bezirke) eingeteilt:

Autonome Städte und die Bezirkshauptmannschaften in Tirol (Einwohnerzahl 1908)

Städte und die BezirkshauptmannschaftenEinwohner 1908
Innsbruck - Autonome Stadt55777
Bozen - Autonome Stadt14624
Rovereto - Autonome Stadt11360
Trient - Autonome Stadt28977
Ampezzo6536
Borgo45028
Bozen - Landbezirk81144
Brixen29684
Bruneck35595
Cavalese24253
Cles47624
Imst22000
Innsbruck - Landbezirk62797
Kitzbühl26087
Kufstein39139
Landeck24354
Lienz32618
Meran53686
Mezzolombardo21181
Primiero10995
Reutte15842
Riva30097
Rovereto - Landbezirk56481
Schlanders21757
Schwaz29818
Tione36669
Trient - Landbezirk68617

 

Geschichte:

Tirol war schon in vorgeschichtlicher Zeit von mehreren in Kultur und Sprache verschiedenen Völkern bewohnt, die man unter dem Gesamtnamen Rhäter zusammenfasst, unter denen Etrusker und illyrische Veneter den Hauptbestandteil bildeten. Als letzte Schicht in vorchristlicher Zeit kamen die Gallier hinzu. Im ersten Jahrhundert v. Chr. drangen zuerst die Römer in diese Gegend vor. Das Gebiet von Tridentum (Trient) gehörte zur Provinz Gallien diesseits der Alpen, das Pustertal zu Noricum. Die unter Augustus angelegte Straße Claudia Augusta stellte die Verbindung vom Po zur Donau her und öffnete Tirol dem Verkehr mit dem Hauptland; längs derselben entstanden eine Reihe von Kastellen, Zoll- und Kultstätten. Mit dem 2. Jahrhundert begannen die Einfälle germanischer Stämme, insbesondere der Alemannen. Schon im 4. Jahrhundert fand hier das Christentum Eingang, für welches das Bistum Trient und wenig später das in Seben errichtet wurde; letzteres wurde im 11. Jahrhundert nach Brixen verlegt. Nach dem Zerfall des römischen Kaisertums kam Tirol unter die Herrschaft der Ostgoten, nach deren Zerschlagung 552 der nördliche Teil des Landes von den Bojoaren (Bayern), der südliche von den Langobarden besetzt wurde. Dann wurde Tirol im 8. Jahrhundert fränkische Provinz, in Gaue geteilt, deren Namen sich erhalten haben, wie Vintschgau (Finsgowe), Tal Passeyer (Passir), Zillertal (Cillarestal), Pustertal (Pustrissa), Inntal, Norital (das innere Tirol um den Brenner herum) mit der Grafschaft Bozen, und von Grafen verwaltet. Nach dem Aussterben des karolingischen Hauses kam das nördliche und mittlere Tirol an das bayrische Herzogtum, das südliche (Trient) zur Veroneser Mark.

Trient, Casa Rela
Trient, Casa Rela

Kaiser Konrad II. verlieh dann 1027 dem Bischof von Trient die Grafschaften Trient, Vintschgau und Bozen, dem von Brixen fiel das Norital und später (1091) auch das Pustertal zu. Die Bischöfe belehnten mit diesen Territorien ihrerseits wieder weltliche Adlige, unter denen das Geschlecht der Grafen von Tirol nach der Burg dieses Namens nächst Meran zu besonderer Macht gedieh. Als dieses nach dem Erlöschen des bayrischen Geschlechts Andechs 1248 auch die Grafschaften im Unterinntal und im Pustertal erhielt, war fast das ganze „Land im Gebirge“ im Besitze der Grafen von Tirol. Die Schwiegersöhne des söhnelosen Grafen Albert von Tirol († 1253), Meinhard von Tirol und Gebhard von Hirschberg, erbten das Land, und da Gebhard kinderlos starb, vereinigte des ersteren Sohn Meinhard II., seit 1286 Herzog von Kärnten, Kärnten und Tirol in seiner Hand. Meinhards II. Sohn Heinrich, Herzog von Kärnten und Graf von Tirol, hinterließ eine Erbtochter, Margarete Maultasch, die zuerst mit Johann, Bruder Karls V., und dann mit dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg, Kaiser Ludwigs ältestem Sohn, vermählt war und nach dem Tode ihres Sohnes Meinhard 1363 das Land an die Herzoge von Österreich abtrat. 1364 bestätigte der Kaiser diese Gebietsveränderung im Vertrag zu Brünn, und 1369 erkannten sie auch die bayrischen Herzoge im Schärdinger Vergleich an. Bei der Erbteilung zwischen den Brüdern Albrecht III. und Leopold III. (1379) fiel Tirol an Herzog Leopold, der 1386 bei Sempach fiel. Bei der Teilung von 1406 überkam dessen jüngster Sohn, Herzog Friedrich IV. „mit der leeren Tasche“ (1405–39), das Land samt den schwäbischen Vorlanden in ziemlicher Verwirrung, die sich durch den Konflikt, in den Friedrich mit dem Konstanzer Konzil und dem Kaiser Siegmund 1415 geriet, noch steigerte. Während Friedrich im Gebirge umherirrte, suchte sich sein Bruder Ernst von Steiermark des Landes zu bemächtigen; doch kam 1416 eine Versöhnung zwischen den Brüdern zustande, und die Grafschaft Tirol erhielt der Herzog Friedrich zurück, der mit Hilfe des Landvolks die landesfürstliche Macht gegenüber dem Adel und den Landbischöfen bedeutend stärkte.

Durch ihn bekamen die Städte und das Landvolk gleiche politische Rechte mit den zwei vornehmen Ständen (Landtag zu Meran 1433). Unter Friedrichs Sohn Siegmund, dem „Münzreichen“, aber durch verschwenderische Freigebigkeit stets geldbedürftigen Herrscher, blühte der Bergbau in Tirol auf, zumal die Silbergruben von Schwaz unermessliche Ausbeute ergaben. Trotz des langwierigen Streites mit dem Brixener Bischof, Nicolaus von Cusa, und dem Adelsgeschlechte der Gradner blühte und gedieh das Land unter diesem Fürsten, der zahlreiche prächtige weltliche und kirchliche Bauwerke und neue Straßen schuf. Da Siegmund kinderlos war, übergab er die Grafschaft 1490 seinem Neffen, dem König Maximilian I., der sie 1504 durch das Zillertal, Kufstein, Kitzbühel, Rattenberg, das kärntnische Pustertal zwischen Ober-Drauburg und Lienz, ferner gegen Italien durch die Reichsvikariate Ala, Avia, Mori, Brentonico, das Grenzgebiet von Covolo (Kosel) und Pudestagno (Peutelstein), ferner Riva und Rovereto vergrößerte und ihr den Titel gefürstete Grafschaft beilegte. Anderseits zwangen ihn seine kostspieligen Kriege und Unternehmungen zu mehrfachen Verpfändungen und Veräußerungen von Gütern sowie der einträglichen Bergwerke. Ferdinand I. trat der Reformation entgegen, die seit 1522 im Lande Eingang gefunden hatte, und unterdrückte 1525 den Bauernaufstand, den in Brixen Michael Gaismayr angestiftet hatte, musste aber die freie Predigt nach dem Worte Gottes gestatten. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde durch das Zusammenwirken des katholischen Adels und der Regierung in Innsbruck bewirkt, dass Tirol von den Protestanten verlassen wurde.

Innsbruck, Ottoburg, ältestes Haus Innsbruck's
Innsbruck, Ottoburg, ältestes Haus Innsbruck’s

Nach Ferdinands I. Tode (1564) übernahm sein zweiter Sohn, Erzherzog Ferdinand, der Gemahl der schönen Philippine Welser von Augsburg, die Regierung; da Ferdinand keine erbberechtigten Söhne hinterließ, so fiel nach seinem Tode (1594) das Land wieder an die kaiserliche Familie, bis 1602 Rudolf II. seinen Bruder Maximilian zum Regenten bestellte. Nach dessen Tode (1618) trat Erzherzog Leopold aus der steirischen Linie ein, der Gatte Claudias von Medici, die nach seinem Ableben, unterstützt von dem berühmten Kanzler Wilhelm Biener, die Grafschaft verwaltete (1632–46). Auf Claudia folgten noch ihre beiden Söhne, zuerst Karl Ferdinand, dann Siegmund Franz, der 1665 starb. Mit ihm erlosch das selbständige tirolische Regentenhaus, und Tirol wurde jetzt wieder von Wien aus regiert. Die verschwenderische Hofhaltung der letzten Fürsten, die Nachwehen des Dreißigjährigen Krieges, der Niedergang des Bergwesens, Pest und Entvölkerung machten sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Tirol sehr fühlbar und verursachten einen merklichen Niedergang im ganzen Lande. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1703) unternahm Max Emanuel von Bayern eine Expedition nach Tirol, die anfangs gelang, bald aber an der Tapferkeit des Landsturms ebenso scheiterten, wie die Franzosen, die unter Vendôme von Italien her bis Trient vorgedrungen waren.

Innsbruck, Andreas Hofer-Denkmal
Innsbruck, Andreas Hofer-Denkmal

Die weitern Kriege des 18. Jahrhunderts berührten aber, mit Ausnahme des Österreichischen Erbfolgekrieges unter Maria Theresia, in dessen ersten Jahren die Nordgrenze Tirols bedrängt war, das Land nur insofern, als es für die Kriegszwecke große Geldopfer zu bringen hatte. Um so stärker griffen die innerpolitischen Reformen der Kaiserin und ihres Sohnes in die ständischen Verhältnisse des Landes ein. Mit der Regierung Kaiser Franz I. begann für Tirol ein Heldenzeitalter durch die gewaltigen Kämpfe mit Franzosen und Bayern. Im Frieden zu Preßburg 1805 fiel Tirol an Bayern; am 11. Februar 1806 erfolgte die Übergabe. Die Einmischung der neuen Regierung in viele Dinge, welche die Wiener Hofräte bisher tunlichst unterlassen hatte, die bedeutenden Geldverluste, welche die Entwertung der das Land überschwemmenden Bankozettel verursachte, die Einführung neuer Steuern und die Konskription, die Auflösung der Tiroler Landschaft, die Beseitigung selbst des Namens „Tirol“, namentlich aber die Verminderung der Feiertage und Klöster: dies alles erzeugte im Land eine den Bayern sehr feindliche Stimmung und bereitete einem Aufstand günstigen Boden.

Savoyen, Schweiz, Tirol, Lombardei und Venetien 1815
Savoyen, Schweiz, Tirol, Lombardei und Venetien 1815

Es entzündete sich im April 1809 jener Volkskrieg unter den Helden Andreas Hofer, Speckbacher u. a., nach dessen unglücklichem Ende im Wiener Frieden vom Oktober 1809 Tirol in drei Teile zerrissen wurde: Welschtirol mit Bozen fiel an das Königreich Italien, Oberpustertal an Illyrien, und das übrige blieb bei Bayern. Nach dem Wiener Kongress 1814 wurde das ganze Land wieder mit Österreich verbunden, das auch die salzburgischen Enklaven, das Zillertal, das Brixental und Windisch-Matrei damit vereinigte, worauf das Land sich mehrere Jahrzehnte voller Ruhe erfreute.

Andreas Hofer im Tiroler Freiheitskampf

Die Ereignisse des Jahres 1848 erweckten auch hier das Volk zu regem politischen Leben, doch vollzogen sich die Umwandlungen ohne tiefere Stürme. Dagegen begannen damals die Bestrebungen Welschtirols auf Lostrennung vom Mutterland und Anschluss an Italien. Eine große Kundgebung im Lande veranlasste sodann das Patent vom 8. April 1861, das im Prinzip die Gleichstellung der Protestanten mit den Katholiken aussprach. Doch hatte die mit 129.000 Unterschriften versehene Adresse des allein aus Vertretern von Deutschtirol zusammengesetzten Landtags, der auf Antrag des Fürstbischofs von Brixen an den Kaiser die Bitte richtete, die Ausübung des öffentlichen Gottesdienstes, die Bildung kirchlicher Gemeinden, den Erwerb von Realbesitz den Protestanten in Tirol nicht zu gestatten, keinen Erfolg. Friedlich und festlich wurde 1863 die Feier der fünfhundertjährigen Vereinigung Tirols mit Österreich im ganzen Lande begangen. Die Sistierung der Verfassung nach Schmerlings Sturz 1865 rief in Tirol keine oppositionelle Kundgebung hervor, weil die Regierung Tirol in Hinsicht auf das Protestantenpatent bedeutende Zugeständnisse machte. Daher gab sich für die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Zustände 1867 in dem Landtag Tirols geringe Sympathie zu erkennen; indessen erfolgte doch der Beschluss, den Reichsrat zu beschicken.

Meran, Weg zum Schloss Tirol
Meran, Weg zum Schloss Tirol

Die liberalen österreichischen Gesetze über Kirche und Schule stießen in Tirol natürlich auf große Abneigung und im Landtag auf Opposition. Alle Versuche des verfassungstreuen Ministeriums, eine liberale Mehrheit im Landtag zu erreichen, waren vergeblich. Auch nach dem Eintritt der Welschtiroler in den Landtag (1875) blieb die Mehrheit ultramontan und protestierte ebenso wie die Bischöfe immer wieder gegen die interkonfessionelle Schule und für die Glaubenseinheit. Erst als 1889 die Italiener, die lange Zeit wieder dem Landtag fern geblieben waren, sich mit den Deutschliberalen vereinigten, gerieten die Klerikalen in die Minderheit, doch nur vorübergehend, da das Ministerium Taaffe die Forderungen der Welschtiroler nach einer Teilung des Landes und einer administrativen Sonderstellung des Trentino ablehnte, worauf diese neuerdings abstinierten und den Klerikalen das Feld überließen, von denen die Regierung 1892 nur durch allerlei Zugeständnisse in kirchlicher Richtung die Zustimmung zur Einführung des Volksschulgesetzes erreichte.

Tirol den Tirolern - Von Kufstein bis zur Bernerklause!
Tirol den Tirolern – Von Kufstein bis zur Bernerklause!

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) musste ganz Südtirol an Italien abgetreten werden, der Rest bildete das österreichische Bundesland Tirol.

 

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