Ulm

Ulm a. D., An der Donau
Ulm a. D., An der Donau

Ulm im Königreich Württemberg, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Ulm 51.680 Einwohner – 1905 = 82. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Ulm, Rathaus mit Marktbrunnen
Ulm, Rathaus mit Marktbrunnen

Ulm im Königreich Württemberg

Ulm ist eine Stadt im Königreich Württemberg und Hauptstadt des Donaukreises.

Landkarte Elsass-Lothringen, Baden, Württemberg, Pfalz
Landkarte Elsass-Lothringen, Baden, Württemberg, Pfalz

Ulm liegt am linken Ufer der Donau, die hier links die Blau, rechts die Iller aufnimmt und schiffbar wird und 476 Meter über dem Meer.

Ulm a. D., Marktplatz
Ulm a. D., Marktplatz

Ulm ist mit der gegenüber im Königreich Bayern liegenden Stadt Neu-Ulm eine Reichsfestung ersten Ranges (bis 1866 deutsche Bundesfestung). Die Werke, 1842–66 angelegt und neuerdings verstärkt, bilden einen kaum in 5 Stunden zu umschreitenden Gürtel von Mauern. Gräben, Wällen und Türmen, um die sich wieder ein Kranz von Vorwerken lagert. Die innere Umwallung ist jetzt gefallen, dagegen die Außenwerke bedeutend verstärkt. Den Kernpunkt bildet die Zitadelle Wilhelmsburg.

Ulm, Wilhelmsburg
Ulm, Wilhelmsburg

Die hervorragendsten Bauwerke der eng und unregelmäßig gebauten Stadt Ulm sind das Rathaus, ein imposanter Bau aus dem 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts (um 1900 grade restauriert) mit Malereien an der Fassade, einer großen, kunstreichen Uhr aus dem 16. Jahrhundert und wichtigem Archiv, vor dem Rathaus der Marktbrunnen (sogenannte Fischkasten) von Jörg Syrlin dem Älteren, die ehemalige Komturei des Deutschen Ordens (jetzt Kaserne), das Kornhaus und der schiefe Metzgerturm etc.

Ulm a. D., Marktbrunnen
Ulm a. D., Marktbrunnen

Eine besondere Stellung in Ulm nimmt aber das protestantische Münster ein, ein großartiger, gotischer Bau in den reinsten Verhältnissen, 1377–1494 erbaut, von 1844–90 restauriert. Es bedeckt einen Flächenraum von 7039 m². Das fünfschiffige Innere ist 124 Meter lang und 49 Meter breit und enthält das 26 Meter hohe Sakramentshäuschen, ausgezeichnete Holzschnitzereien (Chorstühle von Jörg Syrlin dem Ältern), Glasmalereien etc. und eine berühmte Orgel. Das Mittelschiff erreicht eine Höhe von 41 Meter, die vier Seitenschiffe von 23 Meter , das Chor von 29 Meter.

Ulm a. D., Neutorstrassen-Brücke
Ulm a. D., Neutorstrassen-Brücke

Der Ausbau des über dem prachtvollen Westportal sich erhebenden Hauptturmes, früher nur bis zu einer Höhe von 99 Meter fertig und drei Jahrhunderte lang mit einem Schutzdach versehen, begann 1885 und wurde 1890 beendigt. Mit seiner Höhe von 161 Meter überragt er die Türme des Kölner Doms um 5 Meter und ist somit der höchste und auch wohl der schönste Kirchturm der Erde. Die oberste, 143 Meter über dem Erdboden befindliche Galerie gewährt einen herrlichen Ausblick.

Ulm, Hauptwachplatz
Ulm, Hauptwachplatz

Außer dem Münster hat Ulm noch 3 evangelische und 4 katholische Kirchen und eine Synagoge. Von neueren Bauwerken sind noch die 1832 vollendete Donaubrücke (Wilhelm Ludwigs-Brücke), die Eisenbahnbrücke und der Saalbau zu nennen. Die Stadt hat ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. und ein Kriegerdenkmal. Im Jahr 1905 leben in Ulm mit der Garnison (ein Grenadierregiment Nr. 123, zwei Infanterieregimenter Nr. 120 und Nr. 127,3 Eskadrons Ulanen Nr. 19, ein Feldartillerieregiment Nr. 49, eine Abteilung Feldartillerie Nr. 13, ein Bataillon Fußartillerie Nr. 13 und ein Pionierbataillon Nr. 13) 51.820 Einwohner, die Mehrheit sind Evangelische, 18.425 sind Katholiken und 613 Juden.

Ulm a. D., Obere Donaubastion, Kaserne des Feld-Art-Regts 13.
Ulm a. D., Obere Donaubastion, Kaserne des Feld-Art-Regts 13.

Ulm hat Messing- und Eisengießereien, eine große Hutfabrik, Zementwerke, Baumwollspinnerei und -Weberei, ferner Fabriken für Asphalt, Feuerwehrrequisiten, Turmuhren, Dachpappe, Maschinen, Werkzeuge, musikalische Instrumente (Harmoniums, Orgeln und Pianinos), Korb- und Holzwaren (Ulmer Pfeifenköpfe), Malz etc. Außerdem hat Ulm bedeutende Bierbrauereien, Gerbereien, Färbereien, Eisen- und Kupferhämmer, Messingwerke, Schiffbau etc., Obst- und Gemüsebau (Ulmer Spargel).

Ulm a. D., An der Blau
Ulm a. D., An der Blau

Der Handel in Ulm, unterstützt durch eine Handels- und Gewerbekammer, durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1906: 688,4 Millionen Mark) und mehrere Bankinstitute, ist sehr lebhaft in Landesprodukten etc. Unter den Märkten sind die Tuch- und Ledermesse, die Frucht-, Vieh- und Pferdemärkte von Bedeutung. Dem Verkehr in der Stadt dient eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist Ulm Knotenpunkt der bayrischen, bez. württembergischen Staatsbahnlinien Kempten-Ulm und Ulm-München-Simbach sowie Bretten-Friedrichshafen, Aalen-Ulm und Ulm-Tuttlingen.

Ulm a. D., An der Blau
Ulm a. D., An der Blau

An Bildungs- und anderen öffentlichen Anstalten befinden sich in Ulm ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Verein für Kunst und Altertum, eine Stadtbibliothek von 30.000 Bänden, ein Stadttheater, ein Witwen- und Waisenhaus etc. Ulm ist Sitz der Kreisregierung, eines Oberamts, eines Landgerichts, eines Hauptzollamts, eines Forstamts, eines Generalsuperintendenten, eines Festungsgouverneurs und -Kommandanten sowie des Stabes der 27. Division, der 53. und 54. Infanterie-, der 27. Kavallerie- und der 27. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 22 Magistratsmitglieder und 23 Stadtverordnete.

Ulm an der Donau
Ulm an der Donau

Zum Landgerichtsbezirk Ulm gehören die acht Amtsgerichte zu Blaubeuren, Chingen, Geislingen, Göppingen, Kirchheim, Laupheim, Münsingen und Ulm.

Ulm, in der Karolingerzeit ein königliches Hofgut mit Pfalz, zuerst 854 erwähnt, unter Ludwig dem Deutschen und seinen Nachfolgern mehrfach Schauplatz von Reichsversammlungen, wird 1027 als Stadt bezeichnet und galt als Hauptstadt des Herzogtums Schwaben. Wegen seiner Anhänglichkeit an die Hohenstaufen 1134 von Heinrich dem Stolzen von Bayern niedergebrannt, erstand Ulm neu, blühte auf, wurde 1155 reichsunmittelbar und erhielt 1274 dieselben Freiheiten wie Eßlingen. 1247 widerstand Ulm heldenmütig dem Gegenkönig Heinrich Raspe, trat 1331 in den Schwäbischen Städtebund und beteiligte sich 1376 an der Einung der schwäbischen Städte. Am Kriege von 1388 war Ulm als Vorort des Städtebundes beteiligt; auch entbrannten in Ulm besonders früh und heftig die Kämpfe zwischen den Geschlechtern und den Zünften.

Ulm an der Donau
Ulm an der Donau

Die Grundlage des Ulmer Wohlstandes bildete die Leinwand- und Barchentweberei und der Handel mit ihren Erzeugnissen; die Blütezeit fällt in das 15. Jahrhundert. Von anderen Reichsstädten unterschied sich Ulm durch den Besitz eines ziemlich großen Landgebiets (von 926 km² = 17 Quadratmeilen). Die Reformation fand früh in Ulm Eingang; 1526 trat die Stadt dem Torgauer, 1530 dem Schmalkaldischen Bund bei, musste sich aber 1546 Karl V. unterwerfen und nahm 1548 das Augsburger Interim an.

Ulm a. D., Bismarckdenkmal
Ulm a. D., Bismarckdenkmal

Der Vertrag von Ulm, am 3. Juli 1620, stellte den Frieden zwischen der Union und Liga her; am 14. März 1647 schlossen hier Bayern, Frankreich und Schweden einen Waffenstillstand. 1803 verlor Ulm die Reichsfreiheit und wurde Hauptstadt des bayrischen Oberdonaukreises. 1805 von den Österreichern unter General Mack besetzt, wurde es von Napoleon I. eingeschlossen und kapitulierte am 17. Oktober mit 23.300 Mann. Infolge des Wiener Friedens am 14. Oktober 1809 kam Ulm von Bayern an Württemberg, wurde 1842 Bundesfestung ersten Ranges und ist seit 1871 deutsche Reichsfestung.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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