Koblenz

Hauptstadt der preußischen Provinz Rheinland

Koblenz 53.902 Einwohner – 1905 = 78. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Koblenz, Königliche Regierung und Hotel Coblenzer Hof
Koblenz, Königliche Regierung und Hotel Coblenzer Hof

Koblenz (Coblenz)

Koblenz (Coblenz) ist die befestigte Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preußischen Rheinprovinz und Stadtkreis. Die Stadt ist Sitz des Oberpräsidiums der Rheinprovinz, eines Konsistoriums, eines Generalsuperintendenten, eines Provinzial-Schul- und Medizinalkollegiums, einer königlichen Regierung, eines Landratsamts (für den Landkreis Koblenz), einer königlichen Polizeidirektion, eines Landgerichts, Hauptsteueramts, einer Oberpostdirektion, zweier Bergreviere, einer Forstinspektion, einer königlichen und einer städtischen Oberförsterei, ferner des Kommandos des 8. Armeekorps, der 30. Infanterie- und der 8. Gendarmeriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 2 Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete. Koblenz liegt am Zusammenfluss des Rheins und der Mosel, 60 Meter über dem Meer, von Hügeln umgeben, in einer der schönsten und anmutigsten Gegenden des Rheintals.

Die Stadt besteht aus der Alt- und der Neustadt und der Hochstadt. Die Altstadt, eng gebaut, hat nur einige schöne Straßen und Plätze. Die Neu-oder Klemensstadt dagegen hat schöne, breite Straßen und gegen den Rhein eine imponierende Häuserfront. Als Plätze sind hier der Klemensplatz mit einem fast 20 Meter hohen Obelisken, dem Theater und der Schlossplatz zu nennen.

Unter den kirchlichen Gebäuden (3 evangelische und 10 katholische Kirchen sowie eine Synagoge) sind erwähnenswert: die Liebfrauenkirche, auf dem höchsten Punkte der Stadt gelegen, mit 58 Meter hohen, im spätromanischen Stil gehaltenen Türmen; das Schiff wurde 1250, das Chor 1404–31 erbaut. Weiterhin die Kastorkirche, nahe der Moselspitze gelegen, mit 4 Türmen, wurde von Ludwig dem Frommen 836 als Kollegiatkirche gegründet; der gegenwärtige Bau romanischen Stils wurde 1208 vollendet, das Spitzbogengewölbe an Stelle der alten Holzdecke erst 1498 beendet. Im nördlichen Seitenschiff befindet sich das Grabmal von Ritza, einer Tochter (nach andern einer Enkelin) Ludwigs des Frommen. Im Chor stehen die Grabdenkmäler des Trierer Erzbischofs Kuno v. Falkenstein (gest. 1388) und seines Nachfolgers Werner v. Falkenstein (gest. 1418). Die Freskowandgemälde sind von J. Settegast, einem Koblenzer, ausgeführt. Die Kirche war Schauplatz der Länderverteilung zwischen den Söhnen Ludwigs des Frommen (860) sowie verschiedener Kirchenversammlungen. Die Florinskirche ist dem evangelischen Gottesdienst gewidmet; Türme und Langhaus zeigen den romanischen Stil, während das von 1356 herrührende Chor gotischen Charakter trägt; das Innere ist unter Lasaulx‘ Leitung sehr schön restauriert. Die St. Johann- oder Jesuitenkirche wurde 1617 erbaut; die Karmeliterkirche, mit einem Freskogemälde von Anschütz, ebenfalls einem Koblenzer, ist gegenwärtig katholische Garnisonkirche. Auch die neu erbauten Kirchen (die gotische St. Josephs- und die romanische Herz-Jesukirche, beide katholisch, sowie die neugotische evangelische Christuskirche) sind Bauwerke von hervorragender Bedeutung.

Unter den weltlichen Gebäuden verdient das Residenzschloss zuerst genannt zu werden. Von 1778–85 vom letzten Kurfürsten von Trier, Klemens Wenzeslaus, ausgeführt, besteht es aus einem Mittelbau mit dem nach dem Schlossplatz zu gelegenen Portal, vor dem sich acht 13 Meter hohe und 5,2 Meter im Umfang haltende Säulen erheben, und zwei Flügeln, die auf der Nord- und Südseite in zwei vorspringenden Pavillons endigen. Schöne Anlagen (Kaiserin Augusta-Anlagen) ziehen sich von hier rheinaufwärts, in ihnen befindet sich das Denkmal des Dichters Max v. Schenkendorf. Ein schönes Denkmal der Kaiserin Augusta, die mit Vorliebe in Koblenz weilte, ziert seit 1896 den Luisenplatz. Hervorragend ist das von der Rheinprovinz dem Kaiser Wilhelm I. errichtete Denkmal am „Deutschen Eck“, am Zusammenfluss von Mosel und Rhein, ein großartiges Reiterstandbild auf gewaltigem Unterbau, nach Plänen von Hundrieser und Schmitz, 1897 enthüllt. Außerdem besitzt die Stadt noch ein Denkmal des Naturforschers Johannes Müller (modelliert von Uphues) auf dem Jesuitenplatz und ein Standbild des Generals von Goeben (von Schaper modelliert und auf dem Goebenplatz errichtet); ein sinniges Denkmal in weißem Marmar schmückt sein Grab auf dem städtischen Friedhof.

In der Nähe der Moselbrücke sind noch zu bemerken die ehemalige kurfürstliche Burg (jetzt städtische Gemäldesammlung) und das Kaufhaus, im 15. Jahrhundert erbaut, 1688 zerstört und 1725 wiederhergestellt. Der Bau der 320 Meter langen Moselbrücke mit 14 Bogen wurde 1343 begonnen. Oberhalb dieser Brücke ist die nur für Eisenbahnzwecke erbaute eiserne Gitterbrücke bemerkenswert. Über den Rhein führen außer der Schiffbrücke eine 1862–64 erbaute Eisenbahnbogenfachwerkbrücke, die sogenannte Pfaffendorfer Brücke, und südlicher eine neue Eisenbahnbrücke (1879), die sogenannte Horchheimer Brücke.

Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (1 Infanterieregiment Nr. 68, 2 Bataillone Infanterie Nr. 28, 1 Feldartillerieregiment Nr. 23, 1 Pionierbataillon Nr. 8 und 1 Abteilung Train Nr. 8) 45.147 Einwohner, davon 10.149 Evangelische, 34.267 Katholiken und 632 Juden.

Die Industrie beschränkt sich auf Fabrikation von Pianofortes, Kartonnagen, Papierwaren, Schaumwein und Maschinen und Schiffbau. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1904: 1001,9 Millionen Mark), die Mittelrheinische Bank, eine Filiale der Rheinischen Diskontogesellschaft und andere Geldinstitute sowie durch die Lage an zwei schiffbaren Flüssen, ist besonders bedeutend in Wein, Holz, Berg- und Hüttenprodukten und Kolonialwaren. Koblenz ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Köln-Koblenz, Koblenz-Lollar, Perl-Koblenz und Mainz-Koblenz. Den Verkehr in der Stadt vermitteln eine elektrische Straßenbahn, die rheinaufwärts bis Kapellen (Stolzenfels) führt. Auf dem Rhein kamen 1903 beladen an: 3001 Schiffe (darunter 2502 Dampfschiffe) mit 55.918 Tonnen Ladung, es gingen ab: 2126 beladene Schiffe (darunter 2062 Dampfschiffe) mit 22.732 Tonnen Ladung. Auf der Mosel kamen an: 189 Schiffe (davon 128 Dampfschiffe) mit 1556 Tonnen Ladung; es gingen ab: 131 Schiffe (davon 125 Dampfschiffe) mit 1461 Tonnen Ladung. An Bildungs- und anderen öffentlichen Einrichtungen hat Koblenz ein Gymnasium, Realgymnasium, Theater, Musikinstitut, Schifferschule, evangelisches Waisenhaus, Franziskanerinnenkloster, einen Konvent der Barmherzigen Brüder, Zuchthaus, Korrektionsanstalt etc.

Die Neubefestigung von Koblenz und dem gegenüberliegenden Ehrenbreitstein wurde von 1816–28 ausgeführt, 1890 aber bis auf die auf den Höhen liegenden Forts aufgehoben. Vor der jetzt niedergelegten Umwallung liegt der neue Hauptbahnhof, die ehemalige Kartause mit dem Fort Konstantin und auf der dieses beherrschenden Höhe des Hunnenkopfes das starke Fort Alexander mit zwei kleineren detachierten Forts. Jenseits der Mosel auf dem Petersberg erhebt sich das Fort Franz, neben dem drei Montalembertsche Türme stehen. Am Fuß dieses Forts steht das 1796 errichtete, 1863 erneuerte Denkmal des französischen Generals Marceau. Zum Landgerichtsbezirk Koblenz gehören die 20 Amtsgerichte zu Adenau, Ahrweiler, Andernach, Boppard, Kastellaun, Kirchberg, Kirn, Koblenz, Kochem, Kreuznach, Mayen, Meisenheim, Münstermayfeld, St. Goar, Simmern, Sinzig, Sobernheim, Stromberg, Trarbach und Zell.

Unter Drusus wurde um 9 v. Chr. in der Gegend von Koblenz ein Kastell angelegt, das von der Vereinigung der Flüsse Mosel und Rhein den Namen Confluentes erhielt, woraus in der Folge Covelenz (Cobelenz) wurde. Den fränkischen Königen diente es später bisweilen zum Aufenthalt und 860 fand hier eine Versöhnung der Söhne Ludwigs des Frommen statt. Kaiser Heinrich II. übergab die Stadt 1018 dem Erzstift Trier, bei dem sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verblieben ist. 1138 wurde Konrad III. in St. Kastor zu Koblenz zum König gewählt und 1146 predigte hier Bernhard von Clairvaux den zweiten Kreuzzug. 1338 fand in Koblenz eine Zusammenkunft zwischen Kaiser Ludwig und Eduard III. von England statt, wobei sie ein Bündnis gegen Frankreich schlossen. Während des Dreißigjährigen Krieges nahm die Stadt 1632 eine kaiserliche Besatzung auf, wurde aber von den Schweden genommen, dann von Franzosen besetzt und 1636 von den Kaiserlichen erstürmt. 1688 belagerten und beschossen die Franzosen unter dem Marschall von Boufflers die Stadt, vermochten jedoch nur den ältesten Teil derselben zu zerstören. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde Koblenz mehrfach erweitert. Aufgewertet wurde die Stadt, als Kurfürst Klemens Wenzeslaus seine Residenz 1786 von Ehrenbreitstein hierher verlegte. Bald darauf gewann Koblenz an Regsamkeit des Lebens, indem es in seinen Mauern den emigrierten Adel Frankreichs vereinigte. Die nachmaligen Könige Ludwig XVIII. und Karl X. hielten sich am kurfürstlichen Hof und im kurfürstlichen Schloss Schönbornslust auf; von hier erließ der Herzog Karl von Braunschweig 25. Juli 1792 das Koblenzer Manifest (1. Koalitionskrieg). 1794 wurde Koblenz von den Franzosen unter Marceau besetzt, welche die Befestigungen zerstörten. Es wurde 1798 Hauptstadt des Rhein- und Moseldepartements. Am 1. Januar 1814 nahmen die Verbündeten die Stadt in Besitz, die im darauf folgenden Jahr unter die Krone Preußens kam, Hauptstadt eines Regierungsbezirks und 1822 Sitz der höchsten Behörden für die Rheinprovinz wurde.

Der Regierungsbezirk Koblenz umfasst 6205 km² (112,70 Quadratmeilen), hat (1900) 682.454 Einwohner (110 auf 1 km²), darunter 228.419 Evangelische, 443.053 Katholiken und 8539 Juden, und besteht aus den 14 Kreisen.

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