Österreichisch-Ungarische Monarchie

Kaiser Franz Josef mit Wappen
Österreichisch-Ungarische Monarchie

Österreichisch-Ungarische Monarchie

Das Kaisertum Österreich und das Königreich Ungarn

Nach der Niederlage Österreichs im Deutschen Krieg (1866) und dem damit verbundenen Verlust der Vorherrschaft in Deutschland, sah sich die Habsburgermonarchie zu einer grundlegenden Neuordnung im Inneren und einer Verständigung mit Ungarn gezwungen. Kaiser Franz Joseph I. ernannte den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Graf von Beust am 7. Februar 1867 zum Ministerpräsidenten. Beust und der Ungar Ferenc Deák führten bis zum 18. Februar 1867 die Ausgleichsverhandlungen. Noch am selben Tag wurde die liberale ungarische Revolutionsverfassung von 1848 wieder hergestellt. Das Amt des verantwortlichen Ministerpräsidenten übernahm Graf Andrássy.

Österreichisch-Ungarische Monarchie
Österreichisch-Ungarische Monarchie

Die Österreichisch-Ungarische Monarchie ist ein aus zwei Staatsgebieten oder Reichshälften, nämlich dem österreichischen Staatsgebiet oder "den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern" und dem ungarischen Staatsgebiet oder "den Ländern der ungarischen Krone", zusammengesetztes Reich und eine der europäischen Großmächte. Sie nimmt unter den europäischen Staaten in Bezug auf den Flächeninhalt den zweiten und in Beziehung auf die Volkszahl den dritten Rang ein, liegt zwischen 42°7´-51°3´ nördliche Breite und 9°32´-26°30´ östliche Länge und hat eine Breitenausdehnung von 1050 km und eine Längenausdehnung von 1276 km. Im Norden grenzt sie an das Deutsche Reich (Sachsen, Preußen) und Russland, im Osten an Russland und Rumänien (Moldau), im Süden an Rumänien (Walachei), Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, das Adriatische Meer und Italien, im Westen an Italien, die Schweiz, Liechtenstein und das Deutsche Reich (Bayern). Das Reichsgebiet umfasst einen Flächenraum von 624.860 km² (11.348,1 Quadratmeilen) und ist zusammenhängend; nur in Dalmatien wird es durch zwei Landzungen des herzegowinischen Gebietes derart durchbrochen, dass der Bezirk Ragusa nirgends an österreichisches Gebiet grenzt.

Kaisertum Österreich
Kaisertum Österreich

Der Zisleithanische Teil (die im Reichsrat vertretenen Kronländer diesseits der Leitha), 300.008 km², (1900) 26.150.708 Einwohner, beinhaltet:

Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone
Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone

Der Transleithanische Teil (die Länder der ungarischen Krone), 324.851 km², (1900) 19.254.559 Einwohner, umfasst das

Nach dem zwischen den beiden Staatsgebieten 1878 abgeschlossenen Zoll- und Handelsbündnis bilden beide Gebiete zusammen ein Zoll- und Handelsgebiet, umgeben von einer gemeinsamen Zollgrenze. Die Zollgesetzgebung ist gleichartig; außerdem sind nach gleichen Grundsätzen zu regeln alle Angelegenheiten, die sich auf die Ausübung der Schifffahrt und auf das Seesanitätswesen, auf das Privatseerecht, auf die Flusspolizei, auf das Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen, auf die Landeswährung, das Maß- und Gewichtssystem, den Feingehalt der Gold- und Silberwaren und auf die Hausierbefugnisse beziehen. Die Angehörigen des einen Ländergebiets, die in dem anderen Handel und Gewerbe treiben wollen oder Arbeit suchen sind bezüglich des Gewerbeantritts, der Gewerbeausübung und der zu zahlenden Abgaben den Einheimischen gleichgestellt; eine solche Gleichstellung besteht auch bezüglich des Marktverkehrs, der Errichtung von Zweigniederlassungen, der Ausübung der Schifffahrt und Flößerei. Dem allgemeinen österreichisch-ungarischen Zollgebiet gehören auch das Fürstentum Liechtenstein und die okkupierten Provinzen Bosnien und die Herzegowina an. Das Zollsystem in demselben beruht gegenwärtig auf dem Tarif vom Jahre 1906.

Kaiser Franz Josef I.

Franz Joseph I.

* 18.08.1830 in Wien, † 21.11.1916 in Wien, Kaiser von Österreich (1848-1916) und König von Ungarn (1867-1916)

Beiden Reichshälften voran stand Kaiser Franz Joseph I., so lange auf dem Thron wie kein Herrscher jemals zuvor. 1916 waren es 68 Jahre, pflichtgetreu, penibel, sachlich um fünf Uhr früh bereits am Schreibtisch im Schloss Schönbrunn, dem Labyrinth von Sälen und Säulen, vor sich Berge von Akten. Legendär auch seine Frau Kaiserin Elisabeth, von vielen nur Sisi (Sissi) genannt.

Mitten im Ersten Weltkrieg, 1916 starb der alte Kaiser. Karl wurde sein Nachfolger, er war ein Großneffe Franz Josephs I. und wurde Thronfolger, da der Sohn des Kaisers, Kronprinz Rudolf 1889 Selbstmord begangen hatte und Erzherzog Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo ermordet wurde.

Kaiser Karl I.

Karl I.

* 17.08.1887 in Persenbeug(Niederösterreich), † 01.04.1922 in Quinta do Monte (Madeira, Portugal), Kaiser von Österreich und als König Karl IV. von Ungarn (1916-1918)

Das Habsburgerreich ist ein Länderkonglomerat, bewohnt von einem Dutzend Nationen oder auch mehr. In manchen Fällen ließ sich darüber streiten, ob eine Gruppe von Untertanen nur einen Dialekt sprach oder schon ein Volk mit eigener Sprache war. Deutsche, Welsche (Italiener), Tschechen, Slowaken, Magyaren (Ungarn), Polen, Ruthenen (Kleinrussen bzw. Ukrainer), Kroaten, Slowenen, Serben, Rumänen. Türkische, albanische, mazedonische Minderheiten. Ladinische, friaulische Sprachinseln. Geschlossene Siedlungsgebiete ebenso wie gemischtsprachige Räume, in denen sich mit dem besten Willen keine klaren Trennungslinien ziehen ließen. Zunächst wollte sie auch niemand ziehen. Nationalität zählte noch nicht. Die historischen Grenzen der Königreiche und Länder waren das Maß aller österreichischen Dinge. Das Sprachenbabel wurde später einmal "Völkerkerker" genannt. Verglich man diesen "Völkerkerker" mit dem, was nach 1918 bis in unsere heutige Zeit im Donauraum geschah, so erwies sich die Donaumonarchie eher als ein "Nationalitätensanatorium". Die Jahrhunderte hatten jedenfalls über diesen Donauraum ein Netz von Grenzen gelegt. Gezogen durch Eroberung, Erbschaft, Tausch, Kauf und Verkauf, ohne Rücksicht auf Volk und Sprache.

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 zerfiel der Staatenbund in viele Einzelländer. 1919 besiegelte der Vertrag von Saint-Germain-en-Laye das Ende der Donaumonarchie.

Quellenhinweise:

  • "Unser Kaiser", Verlag von Friedrich Schrimer, Wien 1898
  • "Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas", 1904
  • "Meyers Konversations-Lexikon", Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • "Österreichs Hort - Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern", 1908
  • "Österreichische Bürgerkunde - Handbuch der Staats und Rechtskunde" um 1910
  • "Die Wehrmacht der Monarchie", Moderne Illustrierte Zeitung, Wien 1914
  • "Mein Österreich - Mein Heimatland" 1915