Österreichisch-Ungarische Monarchie

Franz Joseph I. - 60 jährige Regierungsjubiläum 1908
Franz Joseph I. - 60 jährige Regierungsjubiläum 1908

Österreichisch-Ungarische Monarchie mit dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Ungarn in alten Ansichtskarten und Texten

Kaiser Franz Josef mit Wappen
Österreichisch-Ungarische Monarchie

Österreichisch-Ungarische Monarchie 1867 – 1918

Österreich-Ungarn, das mittlere gemeinsame Wappen
Österreich-Ungarn, das mittlere gemeinsame Wappen

Das Kaisertum Österreich und das Königreich Ungarn

Nach der Niederlage Österreichs im Deutschen Krieg von 1866 und dem damit verbundenen Verlust der Vorherrschaft in Deutschland (Deutscher Bund), sah sich die Habsburgermonarchie zu einer grundlegenden Neuordnung im Inneren und einer Verständigung mit Ungarn gezwungen.

Deutscher Bund (Deutschland 1815-1866)
Deutscher Bund (Deutschland 1815-1866)

Kaiser Franz Joseph I. ernannte den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Graf von Beust am 7. Februar 1867 zum Ministerpräsidenten. Beust und der Ungar Ferenc Deák führten bis zum 18. Februar 1867 die Ausgleichsverhandlungen.

Österreich-Ungarn (1912)
Österreich-Ungarn (1912)

Noch am selben Tag wurde die liberale ungarische Revolutionsverfassung von 1848 wieder hergestellt. Das Amt des verantwortlichen Ministerpräsidenten übernahm Graf Andrássy.

Österreich-Ungarn, Flagge und Wappen
Österreich-Ungarn, Flagge und Wappen
Österreich-Ungarn, Flagge und Wappen
Österreich-Ungarn, Flagge und Wappen

Die Österreichisch-Ungarische Monarchie besteht aus zwei Staatsgebieten oder Reichshälften:

  • dem österreichischen Staatsgebiet oder „den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern“ (Kaisertum Österreich) und
  • dem ungarischen Staatsgebiet oder „den Ländern der ungarischen Krone“ (Königreich Ungarn), zusammengesetztes Reich und eine der europäischen Großmächte.
Länder der Donaumonarchie 1914
Länder der Donaumonarchie 1914

Österreich-Ungarn nimmt unter den europäischen Staaten in Bezug auf den Flächeninhalt den zweiten und in Beziehung auf die Volkszahl den dritten Rang ein, liegt zwischen 42°7´-51°3´ nördliche Breite und 9°32´-26°30´ östliche Länge und hat eine Breitenausdehnung von 1050 km und eine Längenausdehnung von 1276 km. Im Norden grenzt sie an das Deutsche Reich (Sachsen, Preußen) und Russland, im Osten an Russland und Rumänien (Moldau), im Süden an Rumänien (Walachei), Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, die Adria und Italien, im Westen an Italien, die Schweiz, Liechtenstein und das Deutsche Reich (Bayern). Das Reichsgebiet umfasst einen Flächenraum von 624.860 km² (11.348,1 Quadratmeilen) und ist zusammenhängend; nur in Dalmatien wird es durch zwei Landzungen des herzegowinischen Gebietes derart durchbrochen, dass der Bezirk Ragusa nirgends an österreichisches Gebiet grenzt.

Österreichisch-Ungarische Monarchie, Landkarte
Österreichisch-Ungarische Monarchie, Landkarte
Österreich

Der Zisleithanische Teil (die im Reichsrat vertretenen Kronländer diesseits der Leitha), 300.008 km², (1900) 26.150.708 Einwohner, beinhaltet:

Ungarn

Der Transleithanische Teil (die Länder der ungarischen Krone), 324.851 km², (1900) 19.254.559 Einwohner, umfasst das:

Österreich, Münzen um 1900
Österreichisch-Ungarische Monarchie, 1867 – 1918

Nach dem zwischen den beiden Staatsgebieten 1878 abgeschlossenen Zoll- und Handelsbündnis bilden beide Gebiete zusammen ein Zoll- und Handelsgebiet, umgeben von einer gemeinsamen Zollgrenze. Die Zollgesetzgebung ist gleichartig; außerdem sind nach gleichen Grundsätzen zu regeln alle Angelegenheiten, die sich auf die Ausübung der Schifffahrt und auf das Seesanitätswesen, auf das Privatseerecht, auf die Flusspolizei, auf das Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen, auf die Landeswährung, das Maß- und Gewichtssystem, den Feingehalt der Gold- und Silberwaren und auf die Hausierbefugnisse beziehen.

Österreich, Soldatengrüße
Österreich, Soldatengrüße

Die Angehörigen des einen Ländergebiets, die in dem anderen Handel und Gewerbe treiben wollen oder Arbeit suchen sind bezüglich des Gewerbeantritts, der Gewerbeausübung und der zu zahlenden Abgaben den Einheimischen gleichgestellt; eine solche Gleichstellung besteht auch bezüglich des Marktverkehrs, der Errichtung von Zweigniederlassungen, der Ausübung der Schifffahrt und Flößerei. Dem allgemeinen österreichisch-ungarischen Zollgebiet gehören auch das Fürstentum Liechtenstein und die okkupierten Provinzen Bosnien und die Herzegowina an. Das Zollsystem in demselben beruht gegenwärtig auf dem Tarif vom Jahre 1906.

Kaiser Franz Josef I.

Kaiser Franz Joseph I.
* 18.08.1830 in Wien,
† 21.11.1916 in Wien,
Kaiser von Österreich (1848-1916)
und König von Ungarn (1867-1916)

Beiden Reichshälften voran stand Kaiser Franz Joseph I., so lange auf dem Thron wie kein Herrscher jemals zuvor – 1916 waren es 68 Jahre. Der Kaiser galt als pflichtgetreu, penibel und sachlich; früh um fünf Uhr saß er bereits am Schreibtisch im Schloss Schönbrunn. Legendär war auch seine Frau Kaiserin Elisabeth, von vielen nur Sissi genannt.

Österreich Flagge
Österreich Flagge

Mitten im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918), 1916 starb der alte Kaiser und Karl wurde sein Nachfolger. Er war ein Großneffe Franz Josephs I. und wurde Thronfolger, da der Sohn des Kaisers, Kronprinz Rudolf 1889 Selbstmord begangen hatte und Erzherzog Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo ermordet wurde.

Kaiser Karl I.

Kaiser Karl I.
* 17.08.1887 in Persenbeug,
† 01.04.1922 in Quinta do Monte (Madeira, Portugal),
Kaiser von Österreich und als König Karl IV. von Ungarn (1916-1918)

Unter allen Staaten Europas (Russland ausgenommen) hat keiner eine Bevölkerung, die aus mehr Nationalitäten besteht als die Österreich-Ungarns. Die drei Hauptvölker Europas, Germanen, Slawen und Romanen, bilden auch die Hauptstämme Österreichs. Die Deutschen zählen 9,17 Millionen und bewohnen die Nordabhänge der Alpen, das Donauland, dann die Gebirgsstrecken des Böhmerwaldes, des Erz-, Riesen- und Sudetengebirges und greifen auch in vielen Sprachinseln in das slawische Gebiet hinüber.

Nationalhymne Österreich
Nationalhymne Österreich: „Gott erhalte Franz den Kaiser…

Von den slawischen Völkerschaften bewohnen die Tschechen den mittleren und südöstlichen Teil Böhmens, den größeren Teil Mährens (mit Ausnahme des deutschen Anteils im Süden und Norden) und einen Teil Schlesiens (südöstlich von Troppau und westlich von Teschen); die Polen Westgalizien und den ehemaligen Kreis Teschen in Schlesien; die Ruthenen (Westukrainer) Ostgalizien und einen Teil der Bukowina; die Slowenen Krain und die angrenzenden Teile von Kärnten, Görz, Istrien, das Territorium von Triest und Südsteiermark; die Kroaten und Serben Istrien, die Quarnerischen Inseln und Dalmatien. Von den romanischen Volksstämmen sind die Westromanen (Italiener nebst Ladinern und Friaulern) in Südtirol, GörzGradisca, Triest und an den Küsten von Istrien sowie in den meisten Städten Dalmatiens sesshaft; die Rumänen wohnen in der Bukowina.

Ethnographische Karte Österreich-Ungarn
Ethnographische Karte Österreich-Ungarn

Folgende Aufzählung zeigt das Verhältnis der Nationalitäten Österreichs in Prozenten der einheimischen Bevölkerung:

  • Deutsche 35,78 %
  • Tschechen 23,24 %
  • Polen 16,59 %
  • Ruthenen 13,21 %
  • Slowenen 4,65 %
  • Italiener 2,83 %
  • Serbo-Kroaten 2,77 %
  • Rumänen 0,99 %

Nach der Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) zerfiel der Staatenbund in viele Einzelländer. 1919 besiegelte der Vertrag von Saint-Germain-en-Laye das Ende der österreichischen Reichshälfte, 1920 musste Ungarn den Friedensvertrag von Trianon anerkennen, nach dessen Bedingungen das Land zwei Drittel seines Staatsgebiets abtreten musste.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Unser Kaiser“, Verlag von Friedrich Schrimer, Wien 1898
  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Die Wehrmacht der Monarchie“, Moderne Illustrierte Zeitung, Wien 1914
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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