Deutscher Befreiungskrieg, die Freiheitskriege 1813-15
Als Deutschen Befreiungskrieg, bzw. die Freiheitskriege 1813-15, bezeichnet man den Krieg Deutschlands und seiner Verbündeten gegen Kaiser Napoleon I. 1813–15, der die Befreiung Deutschlands und Europas von der französischen Fremdherrschaft bezweckte.

Napoleon Bonaparte
* 15.08.1769 in Ajaccio auf Korsika
† 05.05.1821 in Longwood House auf St. Helena
1804 bis 1814, 1815 Kaiser der Franzosen
Der Befreiungskrieg schloss eine ganze Periode unaufhörlicher Kriege ab, die seit der französischen Revolution 1789 ganz Europa erschüttert und zugleich politisch umgestaltet hatten.

Die Niederlande, das linke Rheinufer, die Schweiz und Italien waren ganz französisch geworden, das alte römische Reich deutscher Nation (HRRDN) war nach rund 1000jähriger Geschichte zu Grunde gegangen und durch den Rheinbund unter dem Protektorat des korsischen Eroberers der politischen Selbständigkeit beraubt. Mitten in Deutschland, im künstlich geschaffenen Königreich Westfalen (1807-1813), herrschte der jüngste Bruder Napoleons, Jérôme Bonaparte. Österreich war nach dem Scheitern des Befreiungsversuchs von 1809 nicht zu weitern Taten bereit.

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen
* 03.08.1770 in Potsdam
† 07.06.1840 in Berlin
König von Preußen 1797 – 1840
Preußen hatte zwar nach der Katastrophe von 1806 sein Heerwesen völlig umgestaltet und durch die Stein-Hardenbergischen Reformen den Grund zu einem modernen Staatswesen gelegt, aber dennoch schien eine selbständige Erhebung Preußens aussichtslos, zumal König Friedrich Wilhelm III. das Selbstvertrauen verloren und sich für den Feldzug gegen Russland am 24. Februar 1812 zur Stellung eines Hilfskorps von 20.000 Mann sowie zu großen Naturallieferungen für die durchziehende französische Armee verpflichtet hatte.

Im Volk gärte es jedoch schon lange und alle Schichten der Bevölkerung waren von einem vorher nie geahnten Patriotismus durchdrungen.

Der Untergang der „Grande Armée“ in Russland brachte schließlich die Wendung. General Yorck, der Befehlshaber des preußischen Hilfskorps, das trotz der Kämpfe in den baltischen Provinzen Russlands noch unversehrt war und daher wohl imstande gewesen wäre, den Franzosen den Rücken zu decken, schloss auf eigene Verantwortung am 30. Dezember 1812 mit dem russischen General von Diebitsch die Konvention von Tauroggen, daraufhin mussten die Franzosen bis an die Elbe zurückweichen.

Konvention von Tauroggen. Am 30. Dezember 1812 vereinbarten der preußische Generalleutnant von Yorck und der russische Generalmajor von Diebitsch einen Waffenstillstand. Dies geschah ohne Wissen und Billigung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. und galt zunächst als Hochverrat. Die Vereinbarung leitete die Befreiungskriege gegen Napoleon ein.
In Ostpreußen organisierte Yorck im Verein mit den Präsidenten Auerswald und Schön die Volkserhebung; der Landtag, der am 5. Februar 1813 in Königsberg zusammentrat, unterstützte Yorck. Die arme, ausgebeutete Provinz verpflegte und ergänzte nicht nur bis zum Frühjahr das Yorcksche Korps, sondern stellte auch nach wenigen Wochen 33.000 Mann Landwehrtruppen. Inzwischen trat auch am preußischen Hof endlich der Umschwung ein. König Friedrich Wilhelm III. reiste am 22. Januar nach Breslau und erließ von hier am 3. Februar den Aufruf zur Bildung freiwilliger Jägerkorps.

Da nicht nur junge Männer, sondern auch Ältere in angesehener Stellung in den Militärdienst eintraten und alle Stände Spenden für die Ausrüstung der Freiwilligen gaben, ermutigte dieser ungeahnte Erfolg den König, den Kampf für die Wiederherstellung der Macht und Freiheit Preußens und Deutschlands aufzunehmen. Für den eigentlich ängstlichen König war das alles hochriskant, setzte er doch mit diesen Aktionen den gesamten preußischen Staat und seine Dynastie aufs Spiel.

Am 28. Februar schloss der preußische Ministerpräsident Hardenberg mit Russland den Vertrag von Kalisch ab, der Preußen zum Juniorpartner im Krieg der Russen bestimmte und für den Frieden auch nur unbestimmte Ziele festsetzte. Es folgten am 10. März die Stiftung des Eisernen Kreuzes, am 17. März erfolgte der Ausruf „An Mein Volk“ und an das Heer, die Verordnung über die Bildung der Landwehr und des Landsturmes und am 27. März die förmliche Kriegserklärung an Frankreich.
Ein Aufruf an die Deutschen, den der Oberbefehlshaber Kutusow im Namen Zar Alexanders und König Friedrich Wilhelms III. am 25. März von Kalisch erließ, sowie ein am 29. März zu Breslau zwischen beiden Herrschern abgeschlossener Vertrag erklärten die Befreiung Deutschlands vom französischen Joch zum Zweck des Kampfes, verkündete die Wiedergeburt des Deutschen Reiches, forderte alle Deutschen auf, sich der Erhebung anzuschließen und bedrohte die Fürsten, die dieser Aufforderung nicht Folge leisteten, mit Verlust ihrer Staaten.

Die freiwilligen Jägerkorps, namentlich die vom Major von Lützow errichtete schwarze „Schar der Rache“, sollten den Kern für die erwartete deutsche Volkserhebung bilden. Diese Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht: die Fürsten hielten sich mit wenigen Ausnahmen aus Furcht und Eigennutz neutral oder blieben Napoleon treu. Die Stimmung im außerpreußischen Deutschland, vor allem in den Rheinbundstaaten, war keineswegs schwungvoll und patriotisch. Nur einzelne begeisterte junge Männer aus diesem Teil Deutschlands traten in die Lützowsche Schar ein, wie der Sänger der Freiheitskriege, Theodor Körner.

So standen Russland und Preußen vorläufig allein da. Russland hatte nur einen Teil seiner Streitmacht zur Verfügung; Preußen stellte aus seinen Reserven ein reguläres Heer von 128.000 Mann auf, dazu 150.000 Mann Landwehr. Da aber die Ausrüstung z. T. ungenügend war und die Einschließung der von den Franzosen besetzten Festungen an der Weichsel, Oder und Elbe bedeutende Streitkräfte in Anspruch nahm, so waren im März nur 36.000 Mann unter Blücher in Schlesien und 54.000 Mann unter Yorck, Bülow und Borstell in der Mark für den Angriff verfügbar.

Der mit dem Oberbefehl über die russisch-preußische Armee betraute russische Feldmarschall Kutusow zog, statt nach Scharnhorsts Plan sofort in Deutschland einzudringen und den Rheinbund zu sprengen, im März langsam durch Sachsen (dessen König nach Prag floh) nach Thüringen. Napoleon, der schon Ende 1812 nach Paris zurückgekehrt war, hatte unterdessen ein neues Heer ausgerüstet: 350.000 Mann wurden in Frankreich ausgehoben und den Rheinbundstaaten die Stellung neuer Kontingente befohlen.

Schon Anfang April konnte die neu erstarkende französische Heeresmacht an der unteren und mittleren Elbe das weitere Vordringen der leichten Truppen der Verbündeten verhindern. Am 2. April kam es in Lüneburg und am 5. April bei Möckern zu den ersten blutigen Zusammenstößen. Die Verbündeten, 90.000 Mann stark, kamen Ende April im östlichen Thüringen in die Nähe der französischen Hauptarmee von 120.000 Mann und Wittgenstein (Nachfolger des verstorbenen Kutusows), griff am 2. Mai die im Marsch befindlichen Franzosen bei Großgörschen an.

Für die Verbündeten war es kein Sieg, aber auch keine Niederlage; trotzdem wurde auf Verlangen der russischen Generäle der Rückzug angetreten, um hinter der Spree bei Bautzen eine neue Stellung einzunehmen. Sachsen wurde preisgegeben und König Friedrich August von Sachsen schloss sich sofort wieder Napoleon an. Dieser griff die Verbündeten, die ihm den Übergang über die Spree verwehren wollten am 20. Mai bei Bautzen an und zwang sie am 21. Mai unter eignen schweren Verlusten zum Rückzug, der in aller Ordnung vor sich ging. Die Lage der Verbündeten war mehr als ungünstig, aber auch Napoleons Heer war schwer mitgenommen. Und so bewilligte der französische Kaiser am 4. Juni den Waffenstillstand von Poischwitz, um Verstärkungen heranzuziehen und seine Verbindung nach Westen sicherzustellen.
Das preußische Volk, war dennoch nicht entmutigt, empfand aber die Nachricht vom Waffenstillstand als schmerzlich. Hamburg, fiel den Franzosen wieder in die Hände und wurde von General Davout drakonisch bestraft. Die Zerschlagung des Lützowschen Freikorps bei Kitzen (17. Juni) vermehrten den schmerzlichen Eindruck der bisherigen Niederlagen. Ende Juni waren 140.000 Mann preußische Landwehr kriegsbereit und Rückerts, Schenkendorfs und Körners Lieder fachten die Begeisterung an. Der Waffenstillstand brachte den Beitritt Österreichs zur Koalition gegen Napoleon, weil er Metternichs Vorschlag, Warschau, Illyrien und Hannover abzutreten, ablehnte.

Österreich hatte sich durch den Vertrag von Reichenbach (27. Juni) verpflichtet, in diesem Falle sich den Verbündeten anzuschließen und so erfolgte am 11. August die österreichische Kriegserklärung. Mit großem Geschick riss Metternich die Leitung der Politik der verbündeten Mächte an sich und verwertete seinen Einfluss zum Vorteil Österreichs und seiner Dynastie, während die in Kalisch verkündete Wiederherstellung des Deutschen Reiches nicht mehr erörtert wurde.

Kaiser Franz
12.02.1768 in Florenz
† 02.03.1835 in Wien
römisch-deutscher Kaiser (1792 – 1806),
Kaiser von Österreich (1804 – 1835)
Da Österreich zunächst keineswegs Napoleons Sturz wünschte, so durchkreuzte es die kriegerische Aktion wiederholt in entscheidenden Augenblicken durch Friedensverhandlungen. Trotz alledem brachte Österreichs Beitritt einen bedeutenden Machtzuwachs und als sich auch Schweden und Großbritannien anschlossen, konnte man, von englischen Subsidien unterstützt, 480.000 Mann gegen Napoleons 410.000 ins Feld stellen.
Nach dem am 12. Juli 1813 in Trachenberg verabredeten Kriegsplan stellten die Verbündeten drei Armeen auf:
- die böhmische oder Hauptarmee, 230.000 Mann (120.000 Österreicher, 60.000 Russen, 50.000 Preußen), unter Schwarzenberg;
- die schlesische Armee, 100.000 Mann (60.000 Russen, 40.000 Preußen), unter Blücher;
- die Nordarmee, 128.000 Mann (80.000 Preußen, 30.000 Russen, 18.000 Schweden), unter dem Kronprinzen von Schweden, Bernadotte.
Die oberste Leitung erhielt Schwarzenberg; in seinem Hauptquartier weilten auch die drei verbündeten Monarchen Zar Alexander, König Friedrich Wilhelm III. und Kaiser Franz. Die drei Armeen sollten so gegen Napoleon, der in Dresden stand, operieren, dass beim gleichzeitigen Vorgehen gegen Sachsen von Böhmen, Schlesien und der Mark aus diejenige, gegen die Napoleon mit seiner Hauptmacht sich wenden würde, zurückweichen, diesen nach sich ziehen und so den andern Zeit und Raum verschaffen sollte, in Sachsen einzubrechen und sich womöglich im Rücken Napoleons zu vereinigen.
Diesem Plan gemäß ging Blücher am 15. August bis an den Bober vor. Napoleon zog ihm entgegen, während er Marschall Oudinot mit 70.000 Mann gegen Berlin schickte: bei Großbeeren wurde dieses Heer am 23. August von Bülow geschlagen. Die böhmische Armee rückte bis Dresden vor, wurde aber hier vom eiligst aus der Lausitz zurückgekehrten Napoleon in der Schlacht von Dresden am 26. und 27. August zurückgeworfen. Auf dem Rückzug nach Böhmen sollte Marschall Vandamme den Verbündeten den Weg verlegen und Napoleon die Vernichtung der böhmischen Armee ermöglichen.

Aber Vandamme wurde bei Kulm und Nollendorf am 30. August nach tapferer Gegenwehr durch Kleist gefangen genommen. Noch härter traf Napoleon die Niederlage MacDonalds, der mit 100.000 Mann Blücher in Schlesien weiter hatte verfolgen sollen, an der Katzbach (26. August). Der französische Kaiser zog nun selbst nach der Lausitz, während Ney mit dem verstärkten Oudinotschen Korps den Angriff auf Berlin erneuern sollte. Gegen den Willen Bernadottes traten die Preußen der Nordarmee (Bülow) bei Jüterbog den Franzosen entgegen und brachten ihnen am 6. September die Niederlage von Dennewitz bei, welche die Siegeszuversicht der Franzosen und den Kampfeseifer der Rheinbundstruppen ernstlich erschütterte: die Lage Napoleons wurde so immer misslicher.
Völkerschlacht bei Leipzig
Vom 14. bis 20. Oktober 1813 fand bei Leipzig zwischen den Franzosen und den Verbündeten eine Reihe von Gefechten und Schlachten statt, in denen insgesamt 500.000 Mann kämpften. Die Kämpfe vom 16. bis 18. Oktober werden die Völkerschlacht bei Leipzig genannt werden. Die Schlacht gilt als Wendepunkt des Befreiungskrieges und leitete die Niederlange Napoleons ein.

Der böhmischen Armee wegen musste Napoleon sich im September nach Dresden und, als Blücher nach der Mittelelbe marschierte und Yorck am 3. Oktober bei Wartenburg den Elbübergang erzwang, nach Leipzig zurückziehen. Hier fand die Entscheidungsschlacht statt (Völkerschlacht bei Leipzig, siehe auch Volkerschlachtdenkmal). Am ersten Schlachttag, am 16. Oktober, hatte nur das Yorcksche Korps, das bei Möckern Marmonts Korps schlug, Erfolg.

Napoleon, der sich nicht entschließen konnte, den Rückzug anzutreten, bot am 17. Oktober den Verbündeten den Frieden an. Diese ließen aber das Anerbieten unberücksichtigt und griffen am 18. Oktober von neuem an. Napoleon selbst schlug bei Probstheida die böhmische Armee zurück; dagegen errangen die schlesische und die Nordarmee im Norden von Leipzig einen entschiedenen Sieg und drangen bis zu den Toren der Stadt vor.

In der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober traten die Franzosen den Rückzug an und als Bülow am Mittag des 19. Oktober Leipzig erstürmte, trafen die Verbündeten außer den Verwundeten und Kranken nur noch 20.000 Franzosen an. Die Preußen drängten nun zu einer energischen Verfolgung; doch die Österreicher verhinderten sie und Napoleon gelangte noch mit 80.000 Mann an den Main. Hier zersprengte er am 30. und 31. Oktober bei Hanau das österreichisch-bayrische Heer unter Wrede, das ihm den Weg verlegen wollte und überschritt am 1. November den Rhein. Nun aber brach in seinem Heer Typhus aus, das Königreich Westphalen kollabierte und die Rheinbundfürsten schlossen Frieden mit den Verbündeten, wobei ihnen Metternich Souveränität und Integrität ihres Gebiets zugestand.
Für die Verwaltung der herrenlosen Gebiete wurde eine Zentralkommission unter Steins Vorsitz eingesetzt, welche die waffenfähige Mannschaft für die Verstärkung der verbündeten Heere organisierte. Doch deren Vormarsch über den Rhein erlitt eine Verzögerung durch einen Friedenskongress, den Metternich im November in Frankfurt veranstaltete. Hier wollte man Frankreich sogar großzügig die Rheingrenze lassen; doch damit wollte Napoleon sich nicht begnügen und rettete so Europa durch seine Selbstüberschätzung vor einem faulen Frieden. Der Einmarsch in Frankreich wurde Ende 1813 beschlossen.
In drei Heeressäulen rückten die Verbündeten um die Jahreswende 1813/14 über den Rhein. Die Hauptarmee, durch die Truppen der Rheinbundstaaten verstärkt, überschritt den Rhein bei Basel und besetzte das Plateau von Langres. Blücher ging in der Silvesternacht bei Kaub über den Mittelrhein und drang in die Champagne ein. Die Nordarmee unter Bülow (Bernadotte führte den Krieg gegen Dänemark) sollte nach Befreiung der Niederlande durch das heutige Belgien nach Nordfrankreich vorrücken. Blücher war schon Ende Januar an der Aube. Hier griff ihn Napoleon am 29. Januar 1814 bei Brienne an, wurde aber am 1. Februar von Blüchers verstärktem Heere bei La Rothière gänzlich besiegt.

Da Schwarzenberg sich weigerte, sofort auf Paris zu marschieren, unternahm es Blücher allein, erlitt aber in mehreren Treffen empfindliche Verluste und musste sich auf das rechte Marneufer zurückziehen. Aber am 9. März bei Laon und am 20. und 21. März bei Arcis-sur-Aube wurden die Angriffe Napoleons von den Verbündeten zurückgeschlagen. Der französische Kaiser zog jetzt in der Absicht, den Krieg wieder nach dem Rhein zu verlegen, nach Osten; doch die Verbündeten folgten ihm nicht, sondern marschierten direkt nach Paris, das Marmont und Mortier verteidigten. Die Preußen und Russen erstürmten die Höhen im Norden und Osten am 30. März und am Abend kapitulierte Paris. Am 31. März fand der feierliche Einzug des russischen Zaren Alexander und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. in Paris statt.
Auf die Nachricht vom Marsch der Alliierten war Napoleon umgekehrt und in Fontainebleau erfuhr er die Einnahme von Paris. Er wollte noch den Kampf an der Loire fortsetzen, aber nun verweigerten die französischen Marschälle den Gehorsam. Der französische Senat setzte die Dynastie Bonapartes ab und der gestürzte Eroberer musste sich nach der Insel Elba zurückziehen. In Frankreich wurde Ludwig XVIII. als König eingesetzt, mit dem die Mächte am 30. Mai 1814 den ersten Pariser Frieden schlossen. Dieser abermals großzügige Frieden ließ Frankreich die Grenzen von 1792, auch brauchte es keine Kriegsentschädigungen zu bezahlen und behielt sogar die geraubten Kunstschätze.
Wiener Kongress 1815/16

Während die Monarchen und Staatsmänner Europas auf dem Wiener Kongress versuchten die Verhältnisse Europas zu ordnen und über die Neugestaltung Deutschlands verhandelten, wurde durch unkluge reaktionäre Maßnahmen das wiederhergestellte Königtum bald so unpopulär, dass Napoleon den Versuch, den Thron wiederzugewinnen, wagte. Er landete 1. März 1815 bei Cannes in Südfrankreich und nachdem die gegen ihn geschickten Truppen unter Ney zu ihm übergegangen waren, hielt er am 20. März seinen Einzug in Paris, von wo König Ludwig XVIII. mit seinem Hof eiligst geflüchtet war. Er gab nun Frankreich eine freiere Verfassung und erklärte „vor Europa seine Friedensliebe“.
Schlacht bei Waterloo – Schlacht bei Belle Alliance 1815
Die Schlacht bei Waterloo wurde im preußisch-deutschen Raum noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts als „Schlacht bei Belle Alliance“ bezeichnet. Namensgeber war hier ein Wirtshaus bei Waterloo, das Napoleon als Stützpunkt gedient hatte. Dem preußischen General Blücher gefiel die tiefere Bedeutung des Wirtshausnamens so sehr, dass er für diese Bezeichnung der Schlacht eintrat. Letztendlich setzte sich Wellingtons Bezeichnung „Schlacht bei Waterloo“ auch in Deutschland durch; lediglich einige Plätze und Straßennamen erinnern heute noch an diese alte Benennung.

An diese plötzlich Friedensliebe Napoleons wollte jedoch niemand glauben, der Hass gegen ihn und die Furcht vor ihm waren bei den Völkern und Fürsten Europas noch zu stark. Der Wiener Kongress erklärte Napoleon als „Feind und Störer der Ruhe der Welt“. Die Mächte erneuerten ihr Bündnis und beschlossen sofort den Angriff gegen Frankreich. Preußen und Großbritannien waren zuerst mit ihren Kriegsrüstungen bereit und 115.000 Preußen unter Blücher und 100.000 Briten, Deutsche und Niederländer unter Wellington rückten im Juni 1815 in die ehemaligen österreichischen Niederlande, dem heutigen Belgien, ein.

Gegen sie zog Mitte Juni Napoleon mit 130.000 Mann und fiel zuerst über Blücher her, während Ney Wellington abwehren sollte. Nach heftigem Kampfe wurde Blücher am 16. Juni bei Ligny besiegt und Wellington bei Quatrebras abgehalten, ihm zu Hilfe zu kommen. Nun wandte sich Napoleon gegen Wellington („Ich wollte, es wäre Nacht, oder die Preußen kämen„), der, nachdem ihm Blücher sicheren Beistand versprochen, am 18. Juni bei Waterloo die Schlacht annahm. Es gelang Napoleon trotz aller Anstrengung nicht, vor dem Eintreffen der Preußen den Feind zu schlagen; das Bülowsche Korps kam ihm in die Flanke, die Franzosen wurden zersprengt und auf der Flucht durch Gneisenaus nachdrückliche Verfolgung gänzlich vernichtet.

Am 29. Juni standen die Verbündeten zum zweiten Mal vor Paris und zogen am 7. Juli als Sieger ein. Im zweiten Pariser Frieden wurde Frankreich nicht so glimpflich behandelt: es musste die geraubten Kunstschätze herausgeben und 700 Millionen Franc Kriegsentschädigungen bezahlen. Für eine Neugestaltung der Lage in Deutschland war nun der Weg frei, aber Großbritannien und Russland verhinderten die Rückgewinnung des Elsaß und eines Teiles von Lothringen und so blieben, aus deutscher Sicht, die deutsche Westgrenze ungesichert.
Ebenso verhinderten die widerstrebenden Interessen der deutschen Staaten eine Neugestaltung Deutschlands als politischer Einheit. Nur ein völkerrechtlicher Verein als „Deutscher Bund“ kam zustande. Die Stiftung der Heiligen Allianz deutete an, dass Europa fortan in dynastischem Interesse regiert werden solle. Das Ergebnis der blutigen Kämpfe, die ca. 2 Millionen Deutschen das Leben kostete, war nicht die Einheit der deutschen Nation, sondern nur ihre Befreiung von der französischen Fremdherrschaft.
Bildergalerie


















Quellenhinweise:
- „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
- „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
- Landkarten aus F.W. Putzgers „Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig 1902

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