Neisse

Neisse, Ring und Kämmereigebäude
Neisse, Ring und Kämmereigebäude

Neisse in Schlesien im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Neisse 25.313 Einwohner – 1905 = 160. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Neisse, Ring und Kaiser-Friedrich-Denkmal
Neisse, Ring und Kaiser-Friedrich-Denkmal

Neisse (Neiße) in Schlesien im Königreich Preußen

Neisse (Neiße) ist eine Kreisstadt und Festung im Königreich Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Oppeln.

Landkarte Schlesien
Landkarte Schlesien

Die Stadt Neisse in fruchtbarer Gegend am Einfluss der Biele in die Glatzer Neiße, strategisch wichtig wegen ihrer Lage am Wege in das Glatzer Bergland und zum Altvatergebirge und 185 Meter über den Meer.

Neisse, Ring und Kämmereigebäude
Neisse, Ring und Kämmereigebäude

Sie besteht aus der eigentlichen Stadt auf dem rechten, der Friedrichstadt, die vorzugsweise militärischen Zwecken dient, auf dem linken Neißeufer und der 1896 eingemeindeten Ortschaft Obermährengasse. Die Umwallungen der Stadt Neisse sind aufgegeben und zur Anlage neuer Quartiere und neben den Glacis zu schönen Anlagen umgewandelt worden. Die Stadt Neisse hat 2 evangelische und 7 katholische Kirchen und eine Synagoge. Bemerkenswert sind darunter die neue Garnisonkirche, die 1430 vollendete, 1895 restaurierte herrliche katholische Jakobskirche mit einem sehr hohen, von schlanken Pfeilern getragenen Schiff, die Kreuzkirche und die von den Jesuiten 1688 erbaute Gymnasialkirche.

Neisse, Ring, Blick auf die Pfarrkirche
Neisse, Ring, Blick auf die Pfarrkirche

Sonst sind bemerkenswert das alte Rathaus mit 88 Meter hohem Turm, das neue Stadthaus mit schönem Saal, das Kämmereigebäude mit schönem Renaissancegiebel und prächtigen Gemälden, der ehemalige bischöfliche Palast (um 1900 Gerichtsgebäude) etc. Von Denkmälern sind bemerkenswert: das Denkmal des hier verstorbenen Dichters J. v. Eichendorff, das Kaiser Friedrich-Denkmal und der „Schöne Brunnen“, ein Meisterwerk der Schmiedekunst von 1686. Im Jahr 1905 leben in Neisse mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 23, eine Abteilung Feldartillerie Nr. 21, ein Bataillon Fußartillerie Nr. 6 und ein Pionierbataillon Nr. 6) 25.394 Einwohner, davon 5035 Evangelische, 20.090 Katholiken und 269 Juden.

Neisse, Ring mit Kämmereigebäude, Ratsturm und katholische Pfarrkirche
Neisse, Ring mit Kämmereigebäude, Ratsturm und katholische Pfarrkirche

In industrieller Hinsicht sind nur eine Fabrik für gehäkelte Arbeiten, Tapisseriewaren (Bilder und Motive auf Textilien) etc., Tischlerei, Müllerei sowie der Gemüsebau erheblich. Der Handel, unterstützt durch eine Nebenstelle der Reichsbank und eine Filiale des Schlesischen Bankvereins, befasst sich besonders mit Landesprodukten. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Ziegenhals-Raudten, Neisse-Brieg und Oppeln-Neisse.  Die dortigen Wochenmärkte sind in ganz Schlesien bekannt.

Neisse, Evangelische Garnisonskirche
Neisse, Evangelische Garnisonskirche

Neisse hat ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Kriegsschule, ein fürstbischöfliches Knabenseminar, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Priesterhaus für alte, arme katholische Geistliche (Domus emeritorum), ein Theater, ein Kloster der Grauen Schwestern, 2 Waisenhäuser, ein großes Hospital etc. und ist Sitz eines Landgerichts, einer Spezialkommission, der Neisse-Grottkauer-Fürstentumslandschaft, des Stabes der 12. Division, der 24. Infanterie-, der 12. Kavallerie- und der 12. Feldartilleriebrigade. Zum Landgerichtsbezirk Neisse gehören die acht Amtsgerichte zu Falkenberg i. O., Friedland i. O., N., Neustadt i. O., Oberglogau, Ottmachau, Patschkau und Ziegenhals.

Neisse, Ecke Ring und Breslauer Straße
Neisse, Ecke Ring und Breslauer Straße

Neisse, im 10. Jahrhundert entstanden, wurde Hauptort des gleichnamigen Fürstentums, das 1199 an das Bistum Breslau kam, und erhielt 1350 Mauern, hinter denen die Bewohner 1424 den Hussiten tapferen Widerstand leisteten. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt dreimal feindlich besetzt: 1621 vom Markgrafen Johann Georg von Jägerndorf, 1632 von den Sachsen und 1642 von den Schweden unter Torstensson. Im ersten Schlesischen Kriege 1741 von den Preußen belagert, hielt sie sich trotz des heftigen Bombardements (13.–21. Januar 1741), kapitulierte am 1. November und wurde preußisch. Friedrich der Große legte 1743 den Grundstein zum Fort Preußen sowie zu der nach ihm benannten Friedrichsstadt.

Neisse, Totalansicht
Neisse, Totalansicht

Am 25. August 1769 traf hier Kaiser Joseph II. mit Friedrich dem Großen zusammen. Am 23. Februar 1807 begann der französische General Vandamme die Belagerung der Stadt, die am 16. Juni kapitulierte. Das ehemalige Fürstentum Neisse, mit einem Areal von 2120 km² (38,5 Quadratmeilen), umfasste die Städte Neisse, Grottkau, Patschkau, Ottmachau, Ziegenhals, Weidenau, Zuckmantel, Jauernig und Freiwaldau und kam 1199 durch Schenkung an das Bistum Breslau. 1742 fiel der größere Teil an Preußen. Seitdem 1810 alle geistlichen Güter in Preußen Staatseigentum geworden sind, bildet das Fürstentum mit 1240 km² (22,5 Quadratmeilen) die Kreise Neisse und Grottkau des Regierungsbezirks Oppeln.

Neisse, Kreuzkirche
Neisse, Kreuzkirche

Der österreichische (kleinere und gebirgige südliche) Teil des Fürstentums, 880 km² (16 Quadratmeilen), ist noch im Besitz des Fürstbischofs von Breslau und das Städtchen Jauernig nebst dem dabei gelegenen Schloss Johannesberg Sitz der fürstbischöflichen Regierung. Neisse wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) von der Roten Armee erobert und durch nachfolgende Brandstiftungen schwer zerstört. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit vorher nicht geflohen, ausgehungert und gewaltsam vertrieben. Die Polen nennen den Ort nun Nysa.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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Ein Kommentar

  1. Die Angaben über Industrie und Gewerbe von Neisse sind unvollständig, es gab durchaus namhafte Firmen.
    Man findet alle Angaben in einem 1925 erschienenen Buch aus dem Kommunalverlag Berlin-Friedenau,
    wo Neisse und Ziegenhals ausführlich dargestellt werden.

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