Schweidnitz, Obstmarkt

Schweidnitz

Schweidnitz in Schlesien im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Schweidnitz 30.539 Einwohner – 1905 = 134. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Schweidnitz, Blick vom Wasserturm
Schweidnitz, Blick vom Wasserturm

Schweidnitz in Schlesien im Königreich Preußen

Schweidnitz ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Breslau, ehemals Hauptort des gleichnamigen Fürstentums.

Schweidnitz liegt in einem fruchtbaren Tal zwischen Zobten und Eulengebirge und 247 Meter über dem Meer. Sie ist mit zwei Stationen im Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Ziegenhals-Kamenz-Raudten, Ströbel-Schweidnitz und Schweidnitz-Charlottenbrunn. Die Stadt Schweidnitz hat 2 evangelische und 2 katholische Kirchen (darunter die vom Herzog Bolko II. 1330 gegründete Pfarrkirche mit dem höchsten Turme Schlesiens, 103 Meter hoch), eine Synagoge, ein altes Rathaus mit berühmtem Keller, ein Denkmal Otto von Bismarcks und Helmuth von Moltkes, ein Denkmal des Dichters Max Heinzel. Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (ein Grenadierregiment Nr. 10 und ein Feldartillerieregiment Nr. 42) 30.540 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 12.067 sind Katholiken und 164 Juden.

Schweidnitz, Bahnhof Oberstadt
Schweidnitz, Bahnhof Oberstadt

Die gewerbliche Tätigkeit besteht in Fabrikation von Elektrizitätszählern, Maschinen, Möbeln, Handschuhen, Werkzeugen, Terrakotta- und Tonwaren, Federbesatzstoffen, Wagen, Zigarren, Nadlerwaren, Sodawasser, Papier und Papierwaren, Senf, Essig etc., in mechanischer Weberei, Orgelbau, Eisengießerei, Spinnerei, Ziegelbrennerei, Pfefferkuchenbäckerei u. dergleichen, berühmt von alters her ist auch die Bierbrauerei („Schwarzer Schöps“). Den Handel, besonders lebhaft in Getreide und anderen Landesprodukten, unterstützt eine Handelskammer und eine Nebenstelle der Reichsbank (Umsatz 1906: 1014 Millionen Mark).

Schweidnitz, Langstraße und Katholische Pfarrkirche
Schweidnitz, Langstraße und Katholische Pfarrkirche

Schweidnitz hat ein Gymnasium mit Realgymnasialkursus, eine Präparandenanstalt, landwirtschaftliche Winterschule, 2 Waisenhäuser, eine Erziehungsanstalt für arme Weberkinder, ein Theater und ein Archiv etc. Die Stadt ist Sitz eines Landgerichts, eines Hauptsteueramts, eines Landratsamts (für den Landkreis Schweidnitz) und des Kommandos der 21. Infanteriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 10 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete. Die ehemaligen Festungswerke sind seit 1868 abgetragen und in schöne Anlagen umgewandelt. Zum Landgerichtsbezirk Schweidnitz gehören die 10 Amtsgerichte zu Freiburg i. Schl., Friedland i. Schl., Gottesberg, Nieder-Wüstegiersdorf, Nimptsch, Reichenbach i. Schl., Schweidnitz, Striegau, Waldenburg und Zobten a. B.

Schweidnitz, Margaretenplatz
Schweidnitz, Margaretenplatz

Die Stadt Schweidnitz, Residenz der ersten Piasten und ein wichtiger fester Platz in Schlesien, wurde 1642 von den Schweden unter Torstensson und 1741 von den Preußen erobert, 1757 von den Österreichern unter Nádasdy wieder genommen. 1758 von den Preußen zurückerobert, fiel die Stadt 1761 durch Handstreich den Österreichern abermals in die Hände, wurde von den Preußen 1762 nach hartnäckiger Verteidigung eingenommen, blieb in deren Gewalt und wurde durch vier detachierte Forts bedeutend verstärkt. 1807 bemächtigten sich ihrer die Franzosen, welche die Außenwerke schleiften. Nach Napoleons I. Sturz den Preußen wieder übergeben, wurde sie 1816 wiederhergestellt, später aber die Festungsmauern abgerissen.

Schweidnitz, Wilhelmplatz mit unterer Wilhelmstraße
Schweidnitz, Wilhelmplatz mit unterer Wilhelmstraße

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) eroberte die Rote Armee die kaum zerstörte Stadt und übergab sie der polnischen Verwaltung. Die Einwohner wurden verschleppt bzw. vertrieben, die Polen nennen die Stadt nun Świdnica.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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