Riesengebirge. Riesenbaude 1394 m ü. M. mit Schneekoppe 1605 m ü. M.

Riesengebirge mit Schneekoppe

Zweithöchstes Gebirge des Deutschen Reichs

Riesengebirge. Die Schneekoppe vom Koppenplan
Riesengebirge. Die Schneekoppe vom Koppenplan

Sudeten

Die Sudeten (nicht zu verwechseln mit dem Sudetenland) bildeten Jahrhunderte das Grenzgebirge zwischen dem preußischen Schlesien und österreichischen Böhmen. Sie sind neben dem Erzgebirge und dem Böhmer Wald der dritte hohe Wall, die Böhmen umranden. In der Hauptsache setzt der Sudetenzug sich aus zwei großen Erhebungen zusammen, dem Riesengebirge (mit dem Isergebirge) im Westen und den Glatzer Gebirgen (nebst den auf österreichischen Gebiet gelegenen Altvatergebirge oder Jesenki), im Osten. Der westliche Teil erreicht in der Schneekoppe mit 1605 m, der östliche im Altvater mit 1490 m seine höchste Erhebung. Nach den Alpen (Zugspitze 2962 m) sind die Sudeten bis 1945 das höchste Gebirge Deutschlands.

Sudeten, Landkarte aus Oberstufen-Atlas Justus Perthes, Gotha 1914
Sudeten, Landkarte aus Oberstufen-Atlas Justus Perthes, Gotha 1914

Riesengebirge

Das Riesengebirge ist der höchste Teil der Sudeten und das eigentliche Hochgebirge derselben. Es wurde bis 1945 auf beiden Seiten fast ausschließlich von Deutschen bewohnt. Das Riesengebirge im engeren Sinn erstreckt sich von den Quellen des Großen Zacken bis zum Ursprung des Bober. Dort erhebt es sich unmittelbar südlich vom Isarkamm über dem 882 m hohen Pass zwischen Schreiberhau in Schlesien und Harrachsdorf in Böhmen, hier fällt es zum tiefen Einschnitt ab, dem die für die Kriegsgeschichte Schlesiens wichtige Straße von Landeshut nach Trautenau folgt. Es hat die Länge von etwa 37 und eine Breite von 25 km, so dass es im ganzen ca. 1110 km² (20 Quadratmeilen) umfasst. Das Riesengebirge ist also nicht einmal halb so groß wie der Harz, erreicht aber eine durchschnittliche Kammhöhe von 1300 m. Auch ist es das am schroffsten aufsteigende, steilwandigste Gebirge des Deutschen Reichs.

Riesengebirge, Landkarte aus Oberstufen-Atlas Justus Perthes, Gotha 1914
Riesengebirge, Landkarte aus Oberstufen-Atlas Justus Perthes, Gotha 1914

Von der südlichen oder böhmischen Seite, wo Hohenelbe 484 m ü. M. liegt, steigt das Riesengebirge nur allmählich aufwärts bis zu dem eigentlichen, kaum 6 km breiten Hochgebirge, dessen höchste, nebeneinander liegende Bergkuppen und Bergrücken den Kamm des Gebirges bilden. Dagegen stuft es sich weit steiler von dem dem Nordrand viel näher gerückten höchsten Kamme in den 1000 m tiefer gelegenen freundlichen, reich angebauten Kessel des Hirschberger Tales ab, wo Warmbrunn 351, Hirschberg 343 und Schmiedeberg 455 m ü. M. liegen. Hier bietet es dem Auge einen mannigfach ausgeschweiften Rücken (Kamm), steile Felsabhänge und abwechselnd tiefe, finstere Schluchten dar.

Hirschberg in Schlesien (Riesengebirge), Schneekoppe 1605 m, Schneegrubenbaude 1493 m.
Hirschberg in Schlesien (Riesengebirge), Schneekoppe 1605 m, Schneegrubenbaude 1493 m.

Der Kamm hat eine durchschnittliche Höhe von 1250 m, während eine Reihe von Gipfeln auf demselben über 1350 m ansteigen, und im allgemeinen erscheint er von der Nordseite wie eine Mauer, die nur in der Mitte einen Einschnitt besitzt, der bis auf 1100 m Höhe hinabgeht. Es folgen in diesem Grenzrücken von Westen nach Osten: der Reifträger (1362 m), das Hohe Rad (1509 m), die Große Sturmhaube (1424 m), die Kleine Sturmhaube (1436 m) und gegen das Ostende der höchste Berg Preußens und Mitteldeutschlands, die 1603 m hohe Schneekoppe.

Riesengebirge. Die Schneekoppe mit dem Hochmoor-Teich.
Riesengebirge. Die Schneekoppe mit dem Hochmoor-Teich.

Nordöstlich von letzterer folgt dann der Forstkamm mit der Schwarzen Koppe (1407 m), weiterhin der Schmiedeberger Kamm, an den sich nordwärts bis zum Bober der Landeshuter Kamm anschließt, während der Hauptkamm hier einen Bogen nach Süden macht und als Riesengebirge im Kolbenberg östlich von Kleinaupa endigt. Über den beschriebenen Hauptkamm zieht sich die schlesisch-böhmische Landesgrenze. Der kleinere nördliche Teil des Riesengebirges gehört dem preußischen, der größere südliche dem österreichischen Staat an.

Riesengebirge. Winterbild aus Krummhübel. Blick auf die Schneekoppe.
Riesengebirge. Winterbild aus Krummhübel. Blick auf die Schneekoppe.

Mit dem Hauptzug parallel laufen, durch ein unterbrochenes Längental davon getrennt, im Süden die Böhmischen Kämme, in der Mitte durchbrochen durch die tiefe Talschlucht der Elbe. Auf den Böhmischen Kämmen sind der Brunnberg (1555 m), südwestlich von der Schneekoppe, und der schmale, zackige Ziegenrücken im Osten, der Krkonosch (1419 m) und der Kesselberg (1434 m) im Westen vom Elbdurchbruch, im Süden vom Ziegenrücken der Lange Grund mit dem Klausenwasser und dem vielbesuchten Dorf St. Peter bemerkenswert. Die Kirche Wang bei Krummhübel ist mit 874 m die höchstgelegene Pfarrkirche Preußens.

Riesengebirge. Kirche Wang 874 m ü. M.
Riesengebirge. Kirche Wang 874 m ü. M.

Zwischen den Westenden der beiden Ketten sammelt sich die Kleine Iser, während vom Südostgehänge der Schneekoppe der 400 m tiefe pittoreske, felsige Aupa- oder Riesengrund nach Böhmen hinabzieht. Die von Iser und Aupa eingeschlossenen südlicheren Hänge sind ein von zahlreichen südlich verlaufenden Schluchten durchschnittenes Waldland. Die Nordhänge haben ebenfalls tiefe, felsige Schluchten, deren Gewässer sämtlich zum Bober fließen; unter ihnen sind die westlichen: der Zacken, die Zackerle und Kochel (diese beiden bekannt durch ihre Wasserfälle).

Riesengebirge. Schneegrubenbaude von Osten, 1490 m
Riesengebirge. Schneegrubenbaude von Osten, 1490 m

Unter den felsigen Schluchten der Nordseite sind die des Kleinen und Großen Teiches, im Nordwesten der Schneekoppe, und vor allen die großartigen Felsenschluchten und Kessel der Kleinen und Großen Schneegrube, am Hohen Rad, zu nennen, in deren Tiefe sich dauernde Schneeflecke erhalten. Unter den Randhöhen des Riesengebirges auf seiner Nordseite, also am Hirschberger Tal, treten ganz besonders der Kräberberg (fälschlich Gräberberg, 784 m) mit der Annakapelle, über Arnsdorf und Seidorf, der durch seine prachtvolle Aussicht und seine Burgruine berühmte Kynast (657 m), über Hermsdorf, und die Bismarckhöhe (714 m), zwischen Petersdorf und Agnetendorf, hervor.

Riesengebirge. Burgruine Kynast, 657 m ü. M.
Riesengebirge. Burgruine Kynast, 657 m ü. M.

Schneekoppe

Die Schneekoppe ist der höchste Berg des Königreichs Preußen und des deutschen Mittelgebirges. Die Gebäude auf ihr, die sich scharf am Horizont abheben, sind eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert und zwei Gasthäuser. Seit 1900 befindet sich auf ihr auch eine Wetterwarte (meteorologische Station) ersten Ranges. Ihr Leiter, der hier oben auch im Winter über bleibt, gilt aufgrund der Höhe seines Arbeitsplatzes als „erhabenste“ Persönlichkeit des Deutschen Reichs. Alte Reiseführer beschreiben die Schneekoppe in ihrer „wahrhaft königlichen Gestalt unter den deutschen Mittelgebirgen„. Über den Koppenplan erhebt sie sich allerdings nur reichlich 200 m (dagegen der Brocken im Harz über dem Brockenfeld 300 m), aber an den anderen drei Seiten steigt sie steilwandig an 600 m aus tief eingreifenden Flusstälern empor und ist von hier aus gesehen von mächtiger Wirkung. 

Riesengebirge. Schneekoppe, 1605 m
Riesengebirge. Schneekoppe, 1605 m

Vom Koppenplan aus steigt man auf zickzackförmigen Pfad in etwa 45 Minuten auf den Gipfel. Er bietet, wenn er sich nicht in Nebel gehüllt hat – und das tut er leider an 264 Tagen im Jahr – einen herrlichen Rundblick, der sogar einerseits Breslau, andererseits Prag noch umfasst. Böhmen und Schlesien liegen wie eine Landkarte ausgebreitet vor dem Auge des Betrachters. Fesselnder aber noch ist der Blick in die nähere Umgebung, hinab in die 600 m tiefen Gründe im Osten, Süden und Norden, hinab auch auf das 1000 m tiefer am Fuß gelegene kleine Dorf Krummhübel, hinüber über den hügeligen, fruchtbaren Hirschberger Kessel mit seinen vielen, zeilenförmig an den Bächen sich ziehenden Siedelungen, oder auch den Kamm entlang mit seinen mannigfach geformte Kuppen.

Riesengebirge. Blick vom Jubiläumsweg an der Schneekoppe i. Melzergrund mit Zickzackweg und a. die Riesenbaude.
Riesengebirge. Blick vom Jubiläumsweg an der Schneekoppe i. Melzergrund mit Zickzackweg und a. die Riesenbaude.

Rübezahl

Rübezahl ist in der Volkssage der Berggeist des Riesengebirges in Schlesien. Der Name bedeutet „Rübenschwanz“, d.h. das auslaufende untere Ende der Rübe (Zahl, soviel wie Zagel), ein den Elfen angehöriger Name, dann Spottname. Der Sage nach mag er selbst sich nicht so nennen hören, die Kräutersucher nennen ihn deshalb auch „Herr Johannes“. Die ganze Vorstellung stammt aus heidnischer Zeit. Er ist der (wunderliche) „Wetterherr“ des Riesengebirges und berührt sich so mit dem Wilden Jäger. Unerwartet (neckisch) sendet er Blitz und Donner, Nebel, Regen und Schnee vom Berge nieder, während eben noch alles im Sonnenglanz lag. Er nimmt die verschiedensten Gestalten an; besonders zeigt er sich als Mönch in aschgrauer Kutte. Am Hang der Schwarzen Koppe zeigte man „Rübezahls Lustgarten“, auch sonst werden eigentümliche Steinbildungen nach ihm benannt. Gegen gute Menschen ist er freundlich, lehrt sie Heilmittel und beschenkt sie; wenn man ihn aber verspottet, rächt er sich schwer.

Riesengebirge. Es grüßt Euch viel tausendmal der Herr der Berge: Rübezahl!
Riesengebirge. Es grüßt Euch viel tausendmal der Herr der Berge: Rübezahl!

Seit 1945 liegt das Riesengebirge an der Grenze zwischen Polen und Tschechien.

Deutscher NameHeutiger Name
AgnetendorfJagniątków (Polen)
ErdmannsdorfMysłakowice (Polen)
HermsdorfSobięcin (Polen)
HirschbergJelenia Góra (Polen)
JohannisbadJanské Lázně (Tschechien)
KrummhübelKarpacz (Polen)
KynastChojnik (Polen)
SchreiberhauSzklarska Poręba (Polen)
SpindlermühleŠpindlerův Mlýn (Tschechien)
SchmiedebergKowary (Polen)
WarmbrunnCieplice Śląskie-Zdrój (Polen)

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Vaterländische Erdkunde“, Harms Braunschweig und Leipzig. Hellmuth Wollermann 1906

4 Kommentare

  1. Mir blutet immer das Herz wenn ich daran denke wofür wir diese wunderschönen Gebiete verloren haben. Und die die davon profitiert haben denken heute nicht mal daran. SCHÄNDLICH.

    1. Lieber Herr Hobner, uns geht es genau so. Vor einem Jahr waren wir in Bad Flinsberg (dt.) unterhalb des Isergebirges zum Kururlaub. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und sind auch auf dem Iserkamm bei Schnee gewandert. Immer gern wieder.

Kommentar verfassen