Provinz Sachsen

Provinzhauptstadt Magdeburg

Magdeburg, Elbansicht mit Dom
Magdeburg, Elbansicht mit Dom

 

Provinz Sachsen

Die annektierten Teile Sachsens, das Herzogtum Magdeburg, die nordthüringischen Gebiete und die Altmark wurden 1816 zur preußischen Provinz Sachsen (Herzogtum Sachsen) vereinigt.

Neben der preußischen Provinz Sachsen existiert im Deutschen Kaiserreich auch das Königreich Sachsen.

Verwaltungshauptstadt:

Magdeburg 240.661 Einwohner – 1905 = 14. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Reichstag:

20 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

38 Mitglieder

Größe:

25.255,3 km²

Gerichtsbezirke:

Die Provinz Sachsen gehört mit Ausnahme der Kreise Schleusingen und Ziegenrück zum Königlichen Oberlandesgericht Naumburg (Saale). Es sind vorhanden 8 Landgerichte mit 114 Amtsgerichten, letztere nach der Zuteilung zu den Landgerichten aufgeführt wie folgt:

  1. Landgericht Erfurt mit den Amtsgerichten: Erfurt, Langensalza, Mühlhausen (Thür.), Sömmerda, Tennstedt, Treffurt und Weißensee.
  2. Landgericht Halberstadt mit den Amtsgerichten: Aschersleben, Egeln, Gröningen, Halberstadt, Oschersleben, Osterwieck, Quedlinburg und Wernigerode.
  3. Landgericht Halle (Saale) mit den Amtsgerichten: Alsleben, Bitterfeld, Könnern, Delitzsch, Eisleben, Ermsleben, Gerbstedt, Gräfenhainichen, Halle (Saale), Hettstedt, Lauchstedt, Löbejün, Mansfeld, Merseburg, Schkeuditz, Wettin, Wippra und Zörbig.
  4. Landgericht Magdeburg mit den Amtsgerichten: Aken, Barby, Burg b. M., Calbe (Saale), Erxleben, Genthin, Gommern, Großsalze, Hötensleben, Loburg, Magdeburg, Neuhaldensleben, Schönebeck, Seehausen (Kr. Wanzleben), Staßfurt, Wanzleben, Wolmirstedt und Ziesar.
  5. Landgericht Naumburg (Saale) mit den Amtsgerichten: Kölleda, Eckartsberga, Freyburg (Unstrut), Heldrungen, Hohenmölsen, Lützen, Mücheln (Bz. Halle), Naumburg (Saale), Nebra, Osterfeld (Bz. Halle), Querfurt, Teuchern, Weißenfels, Wiehe und Zeitz.
  6. Landgericht Nordhausen mit den Amtsgerichten: Artern, Bleicherode, Dingelstedt (Eichsfeld); Ellrich, Großbodungen, Heiligenstadt, Heringen, Ilfeld, Kelbra, Nordhausen, Roßla, Sangerhausen, Stolberg (Harz) und Worbis.
  7. Landgericht Stendal mit den Amtsgerichten: Arendsee, Beetzendorf, Bismark, Calbe (Milde), Gardeleben, Jerichow, Klötze, Oebisfelde, Osterburg, Salzwedel, Sandau, Seehausen (Altmark), Stendal, Tangermünde und Weserlingen.
  8. Landgericht Torgau mit den Amtsgerichten: Belgern, Dommitzsch, Düben, Eilenburg, Elsterwerda, Herzberg (Elster), Jessen, Kemberg, Liebenwerda, Mühlberg (Elbe), Prettin, Schlieben, Schmiedeberg (Bz. Halle), Schweinitz, Torgau und Wittenberg.

Die Amtsgerichte im Kreis Schleusingen, nämlich Schleusingen und Suhl gehören zum Landesgericht Meiningen und Oberlandesgericht Jena.

Die Amtsgerichte im Kreise Ziegenrück, nämlich Ranis und Ziegenrück gehören zum Bezirk des Landgerichtes Rudolstadt und Oberlandesgericht Jena.

Einwohner:

Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 3.089.275 Einwohner:

  • 1.519.256 männlich
  • 1.570.019 weiblich

 

  • 1816: 1.197.053
  • 1864: 2.043.975
  • 1875: 2.168.988
  • 1880: 2.312.007
  • 1890: 2.580.073
  • 1900: 2.832.616
  • 1905: 2.979.249

Natürliche Gebiete:

  1. Die Altmark
  2. Nördliche Thüringer Mulde (Thüringer Becken) mit Eichsfeld, und Harzanteil (Brocken, Wernigerode, Mansfeld, Eisleben).
  3. Sächsisches Flachland

Gewässer:

Elbe mit 350 km, Schwarze Elster, Mulde, Saale, Unstrut, Bode.

Klima:

Besonders Mild an der Saale (bei Naumburg Weinbau), rau auf den Gebirgen.

Bewohner:

Der nördliche Teil, im Regierungsbezirk Magdeburg niederdeutsche Sachsen (Ostfalen) und im südlichen Teil der Provinz in den Regierungsbezirken Merseburg und Erfurt Thüringer.

Bevölkerungsdichte:

117,9/km²

Religion: 1871

  • 1.966.804 Evangelisch
  •   127.027 Römisch-katholisch
  •      3.371 andere Christen
  •      5.958 Juden
  •          14 Sonstige

Militär: 1881

Die Provinz Sachsen bildet mit Anhalt und einem Teil Thüringens zusammen den Ersatz- und Garnisonsbezirk des IV. Armeekorps. Das Generalkommando befindet sich in Magdeburg. Festungen befinden sich in Magdeburg und Torgau.

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft außerordentlich günstige. Erster Platz im Königreich Preußen.
  • Bergbau Der Mansfelder Bezirk liefert allein 3/4 des deutschen Kupfers, daneben noch Silber; Eisen findet sich im Thüringer Wald (Suhl) und im Harz (Grafschaft Stolberg-Wernigerode). Hervorragend ist die Gewinnung von Salz (Staßfurt, Schönebeck, Halle, Erfurt) und Braunkohlen (bei Halle).
  • Industrie ist bedeutend und über die gesamte Provinz verteilt. Zuckererzeugung und Salzgewinnung, chemische Industrien in Staßfurt, Schönebeck und Halle (Düngemittel, Salpeter, Soda, Bittersalz, Brom)  und die Braunkohlenindustrie in Halle. Eisenindustrie am Harz (Ilsenburg), in Buckau bei Magdeburg (Grusonwerke) und die Schusswaffenproduktion am Thüringer Wald ((Suhl, Sömmerda,  Schleusingen), sowie Webereien in zahlreichen Städten.
  • Handel ist sehr lebhaft. Obenan steht Magdeburg, schon im Mittelalter ein wichtiger Stapelplatz.

Administrative Gliederung:

Die oberste Verwaltung der Provinz Sachsen wird von dem Königlichen Oberpräsidenten in Magdeburg ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz wird in 3 Regierungsbezirke und 51 Kreise (inklusive Stadtkreise) eingeteilt.

  1. Regierungsbezirk Magdeburg mit einer Fläche von 11.512,87 km² und 1.176.372 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 3 Stadtkreise und 14 Landkreise:Stadtkreis Magdeburg, Stadtkreis Aschersleben, Stadtkreis Halberstadt und die Landkreise Calbe, Gardelegen, Grafschaft Wernigerode, Halberstadt, Jerichow I, Jerichow II, Neuhaldensleben, Oschersleben, Osterburg, Quedlinburg, Salzwedel, Stendal, Wanzleben, Wolmirstedt
  2. Regierungsbezirk Merseburg mit einer Fläche von 10.210,81 km² und 1.189.825 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 3 Stadtkreise und 16 Landkreise:Stadtkreis Halle a.d. Saale, Stadtkreis Weißenfels, Stadtkreis Zeitz und die Landkreise Bitterfeld, Delitzsch, Eckartsberga, Liebenwerda, Mansfelder Gebirgskreis, Mansfelder Seekreis, Merseburg, Naumburg, Querfurt, Saalkreis, Sangerhausen, Schweinitz, Torgau, Weißenfels, Wittenberg, Zeitz
  3. Regierungsbezirk Erfurt mit einer Fläche von 3531,61 km² und 466.419 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 3 Stadtkreise und 9 Landkreise:Stadtkreis Erfurt, Stadtkreis Mühlhausen, Stadtkreis Nordhausen und die Landkreise Erfurt, Grafschaft Hohenstein, Heiligenstadt, Langensalza, Mühlhausen, Schleusingen, Weißensee, Worbis, Ziegenrück

Sachsen-Anhalt aktuell:

Der heutige Land Sachsen-Anhalt mit der Landeshauptstadt Magdeburg besteht aus

  • der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen, ohne den Regierungsbezirk Erfurt (1944 an Thüringen), ohne die Kreise Delitzsch und Torgau (1989 an Sachsen) und ohne den Kreis Liebenwerda (1989 an Brandenburg)
  • dem ehemaligen Herzogtum Anhalt
  • dem Landkreis Blankenburg und Enklave Calvörde des ehemaligen Herzogtum Braunschweig (1945 an Sachsen-Anhalt)
  • der thüringischen Exklave Allstedt des ehemaligen Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach (1945 an Sachsen-Anhalt)

Geschichte:

Unter Niedersachsen begriff man früher den an der Niederelbe, oberhalb Magdeburg an, bis zur Nordsee gelegenen Teil des alten Sachsenlandes. Dieser machte als niedersächsischer Kreis bis 1806 einen der zehn Hauptteile des alten Deutschen Reichs aus. Die dazu gehörigen einzelnen Kreislande waren die Herzogtümer Magdeburg, Braunschweig, Bremen und Verden, Lauenburg, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow und Lauenburg; die Fürstentümer Halberstadt, Grubenhagen, Hannover, Lüneburg, Celle, Danneberg, Ratzeburg, Blankenburg; das Hochstift Lübeck und das Bistum Hildesheim; die Grafschaft Ranzau; die Reichsstädte Lübeck, Goslar, Mühlhausen, Nordhausen, Hamburg und Bremen. Gegen Westen machten der westfälische Kreis bzw. ungefähr die Weser, gegen Süden Hessen, Thüringen und Anhalt, gegen Osten die Mark Brandenburg und Pommern die Grenze dieses Gebiets, welches nördlich von der Nordsee, Dänemark und der Ostsee eingefasst wurde.Niedersachsen, das alte Land der Sachsen, ist der Name für das Gebiet an Unterelbe und Weser, seitdem durch das Aussterben des askanischen Hauses die sächsische Kurwürde auf den meißnischen Markgrafen Friedrich den Streitbaren übergegangen war (1423), zur Unterscheidung von den altwettinischen Ländern, die man nun als Obersachsen zusammenzufassen pflegte. Später nannte man Niedersachsen „Hannover“.
Durch Übertragung der sächsischen Kurwürde von Sachsen Wittenberg auf den Wettiner Friedrich den Streitbaren von Meißen nach Erlöschen des askanischen Herrscherhauses 1423 ging der Name Sachsen allmählich auf alle Besitzungen des Hauses Wettin, die Markgrafschaft Meißen und Thüringen über. 1803 besetzt Preußen das kurmainzische Erfurt, das Eichsfeld und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen. Als Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen 1806 Preußen mit 22.000 Soldaten unterstützte, die bei Jena geschlagen wurden, musste er im Frieden zu Posen (11. Dezember 1806) 25 Millionen Franken Kriegsentschädigung an Frankreich bezahlen. Als er 1806 dem Rheinbund beitrat, erhielt er die Königswürde (als König Friedrich August I.). Im Frieden von Tilsit 1807 erhielt der König das Großherzogtum Warschau und von Preußen den Kreis Cottbus, 1809 von Österreich Westgalizien und Krakau. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurde er Gefangener der Verbündeten. Das Land verwaltete ein russischer, dann ein preußischer Gouverneur und die Vereinigung mit Preußen  stand bevor; doch erhielt auf dem Wiener Kongress 1815 Preußen nur die nördliche Hälfte des Königreichs Sachsen ( 20.235 km² = 60% Gebietsverlust und 864.404 Einwohner = 40 % Bevölkerungsverlust). Dadurch kamen auch die bisher kursächsischen Besitzungen (Exklaven) Schleusingen und Suhl, die Ämter Weißensee und Langensalza sowie Ziegenrück aus dem Neustädter Kreis in Preußens Hoheitsgebiet.

1944 Aus der Provinz Sachsen werden die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg gebildet, der Regierungsbezirk Erfurt wird Thüringen zugeteilt. (Erlass vom 1.4.1944)

1945 Zwangseingliederung des Freistaats Anhalt in die preußische Provinz Sachsen aufgrund des Vorschlags des von den Sowjets eingesetzten und kollaborierenden Präsidenten, des ehemaligen Landeshauptmanns der Provinz Sachsen, Dr. Erhard Hübener. Diese langjährige und einseitige Eingliederungsforderung der preußischen Provinz Sachsen wurde dann mit der SMAD-Verordnung vom 23. Juli 1945 zur Neugliederung der Provinz Sachsen-Anhalt in drei Regierungsbezirke  (Dessau, Magdeburg, Merseburg) als Mittelinstanzen vollendet. Die braunschweigische Exklave Calvörde, der östliche Teil des braunschweigischen Landkreises Blankenburg im Harz und die thüringische Exklave Allstedt werden dem Land eingegliedert.

1947 Das Land Sachsen-Anhalt mit Halle als Landeshauptstadt wird gebildet.

1952 Unter Verlust eines größeren Grenzsaumes entstanden 1952 die Bezirke Halle (mit einem Großteil Anhalts) und Magdeburg (mit der Region Zerbst). Am 25. Juli 1952 fand die letzte Sitzung des Landtages von Sachsen-Anhalt statt.

1990 Wiedererstehen des Landes Sachsen-Anhalt mit Magdeburg als Landeshauptstadt.