Provinz Sachsen

Magdeburg, Blick vom Dom
Magdeburg, Blick vom Dom

Die preußische Provinz Sachsen mit der Landeshauptstadt Magdeburg, Geschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Magdeburg, Elbansicht mit Dom
Magdeburg, Elbansicht mit Dom

Neben der preußische Provinz Sachsen existierte im Deutschen Reich (Kaiserreich) auch das Königreich Sachsen.

Provinz Sachsen

Die preußische Provinz Sachsen ist neben der Provinz Hannover unter allen Provinzen des Königreichs die am wenigsten arrondierte (zusammen gelegene, abgerundete). Sie grenzt im Norden an Hannover und Brandenburg, im Osten an Brandenburg und Schlesien, im Süden an das Königreich Sachsen und die thüringischen Staaten und im Westen an Hessen-Nassau, Hannover und Braunschweig.

Landkarte Provinz Sachsen, Anhalt
Landkarte Provinz Sachsen, Anhalt

Getrennt von der Provinz sind die Kreise Schleusingen auf dem Thüringer Wald und Ziegenrück an der oberen Saale, während innerhalb ihrer Grenzen Teile der thüringischen Staaten und von Braunschweig liegen und das Herzogtum Anhalt den Regierungsbezirk Magdeburg fast ganz von dem übrigen Teile der Provinz scheidet.

Die Provinz Sachsen besteht aus

Der Flächenraum der Provinz beträgt 25.258 km² (458,72 Quadratmeilen). Neben der preußischen Provinz Sachsen existiert im Deutschen Reich (Kaiserreich) auch noch das Königreich Sachsen.

Wappen der Provinz Sachsen:

Von Gold und Schwarz zehnfach quergestreifter Schild (zum Unterschied vom Königreich Sachsen, das von Schwarz nach Gold gestreift ist), darüber schrägrechts ein grüner Rautenkranz.

Provinz Sachsen, Großes Wappen
Provinz Sachsen, Großes Wappen

Landesfarben der Provinz Sachsen:

Schwarz und Gelb.

Provinz Sachsen, Flagge
Provinz Sachsen, Flagge

Verwaltungshauptstadt der Provinz Sachsen:

Magdeburg 240.661 Einwohner – 1905 = 14. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Reichstag:

20 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

38 Mitglieder

Größe der Provinz Sachsen:

25.255,3 km²

Provinz Sachsen, Landkarte 1900
Provinz Sachsen, Landkarte 1900

Gerichtsbezirke der Provinz Sachsen:

Die Provinz Sachsen gehört mit Ausnahme der Kreise Schleusingen und Ziegenrück zum Königlichen Oberlandesgericht Naumburg (Saale). Es sind vorhanden 8 Landgerichte mit 114 Amtsgerichten, letztere nach der Zuteilung zu den Landgerichten aufgeführt wie folgt:

  1. Landgericht Erfurt mit den Amtsgerichten: Erfurt, Langensalza, Mühlhausen (Thür.), Sömmerda, Tennstedt, Treffurt und Weißensee.
  2. Landgericht Halberstadt mit den Amtsgerichten: Aschersleben, Egeln, Gröningen, Halberstadt, Oschersleben, Osterwieck, Quedlinburg und Wernigerode.
  3. Landgericht Halle (Saale) mit den Amtsgerichten: Alsleben, Bitterfeld, Könnern, Delitzsch, Eisleben, Ermsleben, Gerbstedt, Gräfenhainichen, Halle (Saale), Hettstedt, Lauchstedt, Löbejün, Mansfeld, Merseburg, Schkeuditz, Wettin, Wippra und Zörbig.
  4. Landgericht Magdeburg mit den Amtsgerichten: Aken, Barby, Burg b. M., Calbe (Saale), Erxleben, Genthin, Gommern, Großsalze, Hötensleben, Loburg, Magdeburg, Neuhaldensleben, Schönebeck, Seehausen (Kr. Wanzleben), Staßfurt, Wanzleben, Wolmirstedt und Ziesar.
  5. Landgericht Naumburg (Saale) mit den Amtsgerichten: Kölleda, Eckartsberga, Freyburg (Unstrut), Heldrungen, Hohenmölsen, Lützen, Mücheln (Bz. Halle), Naumburg (Saale), Nebra, Osterfeld (Bz. Halle), Querfurt, Teuchern, Weißenfels, Wiehe und Zeitz.
  6. Landgericht Nordhausen mit den Amtsgerichten: Artern, Bleicherode, Dingelstedt (Eichsfeld); Ellrich, Großbodungen, Heiligenstadt, Heringen, Ilfeld, Kelbra, Nordhausen, Roßla, Sangerhausen, Stolberg (Harz) und Worbis.
  7. Landgericht Stendal mit den Amtsgerichten: Arendsee, Beetzendorf, Bismark, Calbe (Milde), Gardeleben, Jerichow, Klötze, Oebisfelde, Osterburg, Salzwedel, Sandau, Seehausen (Altmark), Stendal, Tangermünde und Weserlingen.
  8. Landgericht Torgau mit den Amtsgerichten: Belgern, Dommitzsch, Düben, Eilenburg, Elsterwerda, Herzberg (Elster), Jessen, Kemberg, Liebenwerda, Mühlberg (Elbe), Prettin, Schlieben, Schmiedeberg (Bz. Halle), Schweinitz, Torgau und Wittenberg.

Die Amtsgerichte im Kreis Schleusingen, nämlich Schleusingen und Suhl gehören zum Landesgericht Meiningen und Oberlandesgericht Jena.

Die Amtsgerichte im Kreise Ziegenrück, nämlich Ranis und Ziegenrück gehören zum Bezirk des Landgerichtes Rudolstadt und Oberlandesgericht Jena.

Halle, Marktplatz
Halle, Marktplatz

Einwohner der Provinz Sachsen:

Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 3.089.275 Einwohner:

  • 1.519.256 männlich
  • 1.570.019 weiblich

Bevölkerungsentwicklung der Provinz Sachsen:

  • 1816: 1.197.053
  • 1864: 2.043.975
  • 1875: 2.168.988
  • 1880: 2.312.007
  • 1890: 2.580.073
  • 1900: 2.832.616
  • 1905: 2.979.249

Natürliche Gebiete der Provinz Sachsen:

  1. Die Altmark
  2. Nördliche Thüringer Mulde (Thüringer Becken) mit Eichsfeld, und Harzanteil (Brocken, Wernigerode, Mansfeld, Eisleben).
  3. Sächsisches Flachland
Eisleben, Schlossstraße
Eisleben, Schlossstraße

Gewässer der Provinz Sachsen:

Elbe mit 350 km, Schwarze Elster, Mulde, Saale, Unstrut, Bode.

Klima der Provinz Sachsen:

Besonders Mild an der Saale (bei Naumburg Weinbau), rau auf den Gebirgen.

Bewohner der Provinz Sachsen:

Der nördliche Teil, im Regierungsbezirk Magdeburg niederdeutsche Sachsen (Ostfalen) und im südlichen Teil der Provinz in den Regierungsbezirken Merseburg und Erfurt Thüringer.

Bevölkerungsdichte der Provinz Sachsen:

117,9/km²

Religion: 1871

  • 1.966.804 Evangelisch
  •   127.027 Römisch-katholisch
  •      3.371 andere Christen
  •      5.958 Juden
  •          14 Sonstige
Quedlinburg, Pölkenplatz
Quedlinburg, Pölkenplatz

Militär: 1881

Die Provinz Sachsen bildet mit Anhalt und einem Teil Thüringens zusammen den Ersatz- und Garnisonsbezirk des IV. Armeekorps. Das Generalkommando befindet sich in Magdeburg. Festungen befinden sich in Magdeburg und Torgau.

Wirtschaft der Provinz Sachsen:

  • Landwirtschaft außerordentlich günstige. Erster Platz im Königreich Preußen.
  • Bergbau Der Mansfelder Bezirk liefert allein 3/4 des deutschen Kupfers, daneben noch Silber; Eisen findet sich im Thüringer Wald (Suhl) und im Harz (Grafschaft Stolberg-Wernigerode). Hervorragend ist die Gewinnung von Salz (Staßfurt, Schönebeck, Halle, Erfurt) und Braunkohlen (bei Halle).
  • Industrie ist bedeutend und über die gesamte Provinz verteilt. Zuckererzeugung und Salzgewinnung, chemische Industrien in Staßfurt, Schönebeck und Halle (Düngemittel, Salpeter, Soda, Bittersalz, Brom)  und die Braunkohlenindustrie in Halle. Eisenindustrie am Harz (Ilsenburg), in Buckau bei Magdeburg (Grusonwerke) und die Schusswaffenproduktion am Thüringer Wald ((Suhl, Sömmerda,  Schleusingen), sowie Webereien in zahlreichen Städten.
  • Handel ist sehr lebhaft. Obenan steht Magdeburg, schon im Mittelalter ein wichtiger Stapelplatz.
Stendal, Uenglinger Tor
Stendal, Uenglinger Tor

Administrative Gliederung der Provinz Sachsen:

Die oberste Verwaltung der Provinz Sachsen wird von dem Königlichen Oberpräsidenten in Magdeburg ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz wird in 3 Regierungsbezirke und 51 Kreise (inklusive Stadtkreise) eingeteilt.

  1. Regierungsbezirk Magdeburg mit einer Fläche von 11.512,87 km² und 1.176.372 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 3 Stadtkreise und 14 Landkreise: Stadtkreis Magdeburg, Stadtkreis Aschersleben, Stadtkreis Halberstadt und die Landkreise Calbe, Gardelegen, Grafschaft Wernigerode, Halberstadt, Jerichow I, Jerichow II, Neuhaldensleben, Oschersleben, Osterburg, Quedlinburg, Salzwedel, Stendal, Wanzleben, Wolmirstedt
  2. Regierungsbezirk Merseburg mit einer Fläche von 10.210,81 km² und 1.189.825 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 3 Stadtkreise und 16 Landkreise: Stadtkreis Halle a.d. Saale, Stadtkreis Weißenfels, Stadtkreis Zeitz und die Landkreise Bitterfeld, Delitzsch, Eckartsberga, Liebenwerda, Mansfelder Gebirgskreis, Mansfelder Seekreis, Merseburg, Naumburg, Querfurt, Saalkreis, Sangerhausen, Schweinitz, Torgau, Weißenfels, Wittenberg, Zeitz
  3. Regierungsbezirk Erfurt mit einer Fläche von 3531,61 km² und 466.419 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 3 Stadtkreise und 9 Landkreise: Stadtkreis Erfurt, Stadtkreis Mühlhausen, Stadtkreis Nordhausen und die Landkreise Erfurt, Grafschaft Hohenstein, Heiligenstadt, Langensalza, Mühlhausen, Schleusingen, Weißensee, Worbis, Ziegenrück

 

Geschichte der Provinz Sachsen:

Provinz Sachsen, Wappen
Provinz Sachsen, Wappen

Unter Niedersachsen begriff man früher den an der Niederelbe, oberhalb Magdeburg an, bis zur Nordsee gelegenen Teil des alten Sachsenlandes.

Herzogtum Sachsen mit Westfalen, Engern und Ostfalen
Herzogtum Sachsen mit Westfalen, Engern und Ostfalen

Dieser machte als niedersächsischer Kreis bis 1806 einen der zehn Hauptteile des alten Deutschen Reichs aus. Die dazu gehörigen einzelnen Kreislande waren die Herzogtümer Magdeburg, Braunschweig, Bremen und Verden, Lauenburg, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow und Lauenburg; die Fürstentümer Halberstadt, Grubenhagen, Hannover, Lüneburg, Celle, Danneberg, Ratzeburg, Blankenburg; das Hochstift Lübeck und das Bistum Hildesheim; die Grafschaft Ranzau; die Reichsstädte Lübeck, Goslar, Mühlhausen, Nordhausen, Hamburg und Bremen. Gegen Westen machten der westfälische Kreis bzw. ungefähr die Weser, gegen Süden Hessen, Thüringen und Anhalt, gegen Osten die Mark Brandenburg und Pommern die Grenze dieses Gebiets, welches nördlich von der Nordsee, Dänemark und der Ostsee eingefasst wurde.

Mühlhausen i. Thür., Obermarktskirche
Mühlhausen i. Thür., Obermarktskirche

Niedersachsen, das alte Land der Sachsen, ist der Name für das Gebiet an Unterelbe und Weser, seitdem durch das Aussterben des askanischen Hauses die sächsische Kurwürde auf den meißnischen Markgrafen Friedrich den Streitbaren übergegangen war (1423), zur Unterscheidung von den altwettinischen Ländern, die man nun als Obersachsen zusammenzufassen pflegte. Durch Übertragung der sächsischen Kurwürde von Sachsen Wittenberg auf den Wettiner Friedrich den Streitbaren von Meißen nach Erlöschen des askanischen Herrscherhauses 1423 ging der Name Sachsen allmählich auf alle Besitzungen des Hauses Wettin, die Markgrafschaft Meißen und Thüringen über. 1803 besetzt Preußen das kurmainzische Erfurt, das Eichsfeld und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen.

Deutschland vor der zweiten (der ostgermanischen) Wanderung
Deutschland vor der zweiten (der ostgermanischen) Wanderung

Als Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen 1806 Preußen mit 22.000 Soldaten unterstützte, die bei Jena geschlagen wurden, musste er im Frieden zu Posen (11. Dezember 1806) 25 Millionen Franken Kriegsentschädigung an Frankreich bezahlen. Als er 1806 dem Rheinbund beitrat, erhielt er von Napoleon die Königswürde (als König Friedrich August I.). Im Frieden von Tilsit 1807 erhielt der König das Großherzogtum Warschau und von Preußen den Kreis Cottbus, 1809 von Österreich Westgalizien und Krakau. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurde er, nun als Verbündeter Napoleons, Gefangener der Verbündeten. Das Land verwaltete ein russischer, dann ein preußischer Gouverneur und die Vereinigung mit Preußen stand bevor; doch erhielt auf dem Wiener Kongress 1815 Preußen nur die nördliche Hälfte des Königreichs Sachsen ( 20.235 km² = 60% Gebietsverlust und 864.404 Einwohner = 40 % Bevölkerungsverlust). Dadurch kamen auch die bisher kursächsischen Besitzungen (Exklaven) Schleusingen und Suhl, die Ämter Weißensee und Langensalza sowie Ziegenrück aus dem Neustädter Kreis in Preußens Hoheitsgebiet.

Wittenberg, Lutherhaus, Lutherhof, Lutherstube, Luthers_Lehrstuhl
Wittenberg, Lutherhaus, Lutherhof, Lutherstube, Luthers_Lehrstuhl

1944 wurden aus der Provinz Sachsen die Provinzen Magdeburg und HalleMerseburg gebildet, der Regierungsbezirk Erfurt wird Thüringen zugeteilt. (Erlass vom 1.4.1944)

1945 erfolgte die Zwangseingliederung des Freistaats Anhalt in die preußische Provinz Sachsen aufgrund des Vorschlags des von den Sowjets eingesetzten Präsidenten, des ehemaligen Landeshauptmanns der Provinz Sachsen, Dr. Erhard Hübener. Diese langjährige und einseitige Eingliederungsforderung der preußischen Provinz Sachsen wurde dann mit der SMAD-Verordnung vom 23. Juli 1945 zur Neugliederung der Provinz Sachsen-Anhalt in drei Regierungsbezirke (Dessau, Magdeburg, Merseburg) als Mittelinstanzen vollendet. Die braunschweigische Exklave Calvörde, der östliche Teil des braunschweigischen Landkreises Blankenburg im Harz und die thüringische Exklave Allstedt werden dem Land eingegliedert.

Merseburg, Schlosshof
Merseburg, Schlosshof

1947 wurde das Land Sachsen-Anhalt mit Halle als Landeshauptstadt wird gebildet. Unter Verlust eines größeren Grenzsaumes entstanden 1952 die Bezirke Halle (mit einem Großteil Anhalts) und Magdeburg (mit der Region Zerbst). Am 25. Juli 1952 fand die letzte Sitzung des Landtages von Sachsen-Anhalt statt. 1990 wurde des Landes Sachsen-Anhalt wiederhergestellt und Magdeburg als Landeshauptstadt gewählt.

Sachsen-Anhalt aktuell:

Der heutige Land Sachsen-Anhalt mit der Landeshauptstadt Magdeburg besteht aus

 

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Oberstufen-Altas für höhere Lehranstalten“ Gotha Justus Perthes 1914

 

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