Oels, Kronprinzliches Schloss

Öls, Oels

Öls (Oels) in Schlesien im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Öls 10.940 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Oels, Stadtansicht
Oels, Stadtansicht

Öls (Oels) in Schlesien im Königreich Preußen

Öls ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Breslau, Hauptstadt der gleichnamigen Standesherrschaft.

Öls liegt am Ölsbach, 178 Meter über dem Meer und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Breslau-Öls, Öls-Wilhelmsbrück, Öls-Gnesen u.a. Die Stadt Öls hat 3 evangelische und eine katholische Kirche, Synagoge, ein Schloss (1558 erbaut, mit Bibliothek und Park, preußisches Thronlehen, dessen Inhaber der jeweilige Kronprinz ist), Denkmäler des Kaisers Friedrich III. und Bismarcks, ein Gymnasium,

Oels, Kronprinzliches Schloss Südseite
Oels, Kronprinzliches Schloss Südseite

ein evangelisches Schullehrerseminar, eine Handelsschule, Landgericht, Hauptsteueramt, Forstamt, die Oels-Militscher Landschaft, eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, Zigarren- und Schuhfabrikation, Feilenhauerei, eine Wagenbauanstalt, Glockengießerei, Gerberei, Bierbrauerei, eine Dampfmühle, Holzsägewerke, Handel mit Flachs, Getreide und Sämereien.

Oels, Schloss
Oels, Schloss

Im Jahr 1905 leben in Öls mit der Garnison (ein Jägerbataillon Nr. 6,2 Eskadrons Dragoner Nr. 8 und eine Maschinengewehrabteilung Nr. 8) 10.940 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 2238 Katholiken und 162 Juden. Zum Landgerichtsbezirk Ols gehören die zehn Amtsgerichte zu Bernstadt, Festenberg, Groß-Wartenberg, Militsch, Namslau, Neumittelwalde, Öls, Prausnitz, Trachenberg und Trebnitz. In der Nähe das königlich sächsische Lustschloss Sibyllenort und dicht bei der Stadt der als Promenade benutzte Park Fasanerie. Öls erhielt 1255 Stadtrecht und war bis 1809 Residenz des Fürstentums Öls.

Oels, Mehrfachansicht
Oels, Mehrfachansicht

Die Standesherrschaft Öls mit dem Titel eines Fürstentums war ursprünglich 1760 km² (32 Quadratmeilen) groß, mit etwa 130.000 Einwohner, umfasste acht Städte, den größeren Teil der Kreise Öls und Trebnitz und kleinere Teile der Kreise Militsch, Warenberg (Medzibor) und Kreuzburg (Konstadt). Das Fürstentum bildete früher einen Teil des piastischen Herzogtums Niederschlesien, stand 1321–1492 unter eignen plastischen Herzogen, fiel dann an Böhmen, von dem es seit 1329 lehnrührig war, und kam 1495 an das Herzogtum Münsterberg.

Oels, Kronprinzliches Jagdschloss, Klein Ellgut
Oels, Kronprinzliches Jagdschloss, Klein Ellgut

1647 ging es an den Gemahl der Erbtochter des Herzogs Karl Friedrich, den Herzog Sylvius Nimrod von Württemberg, über, der die Linie Württemberg-Öls stiftete. Diese Linie erlosch mit Herzog Karl Christian Erdmann 1792; durch dessen einzige Tochter fiel das Fürstentum an deren Gemahl, den Herzog Friedrich August von Braunschweig, 1805 an seinen Neffen, den Herzog Friedrich Wilhelm, der sich Braunschweig-Öls nannte.

Oels, Kaiser Friedrich-Denkmal
Oels, Kaiser Friedrich-Denkmal

Nach seinem Tode 1815 kam das Fürstentum an seinen Sohn Karl; dieser trat es 1824 unter der Bedingung des Heimfalls als Sekundogenitur an seinen Bruder Wilhelm ab, der 1830 die Regierung von Braunschweig übernahm. Als er am 18. Oktober 1884 auf Sibyllenort starb, fiel das Fürstentum Öls (92 km²) als erledigtes Lehen an die Krone Preußen zurück und wurde von dieser dem jeweiligen Kronprinzen verliehen, während die braunschweigischen Fideikommiß- und Allodialgüter (318 km²) dem Testament des Herzogs gemäß an den König von Sachsen kamen.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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