Glatz

Glatz, Rathaus
Glatz, Rathaus

Glatz in Schlesien im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Glatz 14.926 Einwohner – 1905

Glatz, Gesamtansicht
Glatz, Gesamtansicht

Glatz in Schlesien im Königreich Preußen

Glatz (böhmisch Kladsko) ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Breslau und Festung zweiten Ranges.

Landkarte Schlesien
Landkarte Schlesien

Glatz liegt in dem hier engen Tal der Neiße, im Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Breslau-Mittelwalde, Glatz-Reinerz, Dittersbach-Glatz und 294 Meter über dem Meer. Mit ihren meist engen Straßen steigt Glatz terrassenförmig hauptsächlich am linken Neißeufer den felsigen Festungsberg hinan, auf dessen Höhe die alte Festung mit rundem Observationsturm (Donjon) steht.

Glatz, Rathaus
Glatz, Rathaus

Die Festungswerke sind größtenteils in den Felsen gesprengt. Auf dem rechten Ufer der Neiße liegt die von den Preußen 1745–50 angelegte neuere Festung, der Schäferberg. Die Stadtbefestigung von Glatz ist aufgegeben worden, auf ihren eingeebneten Werken ist ein neuer Stadtteil entstanden. Von den 3 Kirchen (2 katholischen und 1 evangelischen) ist besonders die alte Stadtpfarrkirche bemerkenswert; in ihr sind die Grabmäler von sieben schlesischen Herzogen. Außerdem hat Glatz eine Synagoge. Kaiser Wilhelm I. und dem Grafen Götzen sind Denkmäler errichtet worden.

Glatz, Gesamtansicht
Glatz, Gesamtansicht

Im Jahr 1900 leben in Glatz mit Garnison (Infanterieregiment 38) 14.926 Einwohner, der Großteil sind Katholiken, 2564 sind Evangelische und 183 Juden. In der Stadt befinden sich Zigarren-, Gamaschen-, Wurst-, Tonwaren- und Maschinenfabrikation, Eisengießerei, Bierbrauerei, Spiritusbrennerei, ein Dampfsägewerk und Ziegelbrennerei. Glatz hat ein Gymnasium mit Konvikt, 2 Waisenhäuser und ist Sitz eines Landgerichts, eines Hauptsteueramts und einer Nebenstelle der Reichsbank. Zum Landgerichtsbezirk Glatz gehören die elf Amtsgerichte zu Frankenstein, Glatz, Habelschwerdt, Landeck, Lewin, Mittelwalde, Münsterberg, Neurode, Reichenstein, Reinerz und Wünschelburg.

Glatz, Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Glatz, Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Eine Burg Kladsko wird schon 937 urkundlich erwähnt, wo sich um 1250 deutsche Einwanderer niederließen. Glatz besaß bis 1546 Magdeburger Stadtrecht; es wurde 1429 von den Hussiten vergeblich belagert. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde es 1622 von den Kaiserlichen erobert und mehrere Male von den Schweden vergebens belagert. Nachdem Glatz preußisch geworden, wurde es 1760 von Laudon belagert und die Zitadelle durch Überfall genommen. Von Friedrich dem Großen mit neuen Befestigungen versehen, erfuhr Glatz 1807 noch eine hartnäckige Belagerung von Seiten der mit Napoleon verbündeten Bayern und Württemberger; schon war das verschanzte Lager erstürmt und die Übergabe beschlossen, als der Tilsiter Friede Glatz im Besitz Preußens ließ. 1821 und 1883 richtete das Hochwasser große Verwüstungen an.

Glatz, Blick nach der Stadt
Glatz, Blick nach der Stadt

Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) wurde Glatz im März 1945 von der Roten Armee besetzt und der polnischen Verwaltung übergeben. Die Bevölkerung wurde bis Anfang 1946 vollständig vertrieben, während der Fahrt in den Viehwaggons starben viele Menschen an Erfrierung, Entkräftung, an Gram oder Hunger. Die Polen nennen die Stadt nun Kłodzko.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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