Oppeln

Oppeln, Schlossbrücke und Evangelische Kirche
Oppeln, Schlossbrücke und Evangelische Kirche

Oppeln in Schlesien im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Oppeln 30.769 Einwohner – 1905 = 132. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Oppeln, Oderpartie
Oppeln, Oderpartie

Oppeln in Schlesien im Königreich Preußen

Oppeln ist Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Stadtkreis im Königreich Preußen, Provinz Schlesien, liegt an der Oder und 175 Meter über dem Meer.

Landkarte Schlesien
Landkarte Schlesien

Oppeln ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Brieg-Oderberg, Kandrzin-Deutsch-Wette, Oppeln-Neisse u.a. Die Stadt Oppeln hat eine evangelische und 2 katholische Kirchen (darunter die vom heiligen Adalbert gegründete Adalbertskirche), eine Synagoge, ein altes königliches Schloss (auf einer Oderinsel), ein schönes Regierungsgebäude, ein ansehnliches Rathaus, Denkmäler des Kaisers Wilhelm I., Helmuth von Moltkes und des Oberbürgermeisters Goretzki und einen Hafen. Im Jahr 1905 leben in Oppeln mit der Garnison (1 Füsilier-Regiment Nr. 63) 30.769 Einwohner, der Großteil sind Katholiken, 6785 sind Evangelische und 582 Juden (5805 Polen).

Oppeln, Rathaus
Oppeln, Rathaus

Die Industrie in Oppeln besteht in Zement-, Zigarren-, Maschinen- und Fassfabrikation, Kalkbrennerei, Bierbrauerei, Dampftischlerei, Schifffahrt etc., auch hat Oppeln drei Sägemühlen und eine Dampfmahlmühle. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer und eine Nebenstelle der Reichsbank, beschränkt sich auf Speditions-, Getreide- und Viehhandel. Oppeln hat ein Gymnasium, Präparandenanstalt, eine landwirtschaftliche Winterschule, Waisenhaus, großartiges Hospital (Adalbertshospital) und ist Sitz einer königlichen Regierung, eines Landratsamts (für den Landkreis Oppeln), einer Oberpostdirektion, eines Landgerichts und eines Hauptsteueramts. Die städtischen Behörden zählen 8 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete.

Oppeln, Blick auf die Kirche
Oppeln, Blick auf die Kirche

Zum Landgerichtsbezirk Oppeln gehören die 14 Amtsgerichte zu Groß-Strehlitz, Guttentag, Karlsruhe, Konstadt, Krappitz, Kreuzburg, Kupp, Landsberg, Leschnitz, Lublinitz, Oppeln, Pitschen, Rosenberg und Ujest. Oppeln, um 1000 zuerst erwähnt und 1228 als Stadt genannt, war 1163–1532 Residenz der piastischen Herzoge von Oppeln, fiel dann an Böhmen, 1742 mit Schlesien an Preußen und hat sich unter preußischer Herrschaft günstig entwickelt. Zum ehemaligen Herzogtum Oppeln gehörten die gegenwärtigen Kreise Oppeln, Falkenberg, Groß-Strehlitz, Lublinitz, Rosenberg, Tost-Gleiwitz, Neustadt, Ratibor, zeitweise auch Beuthen, Teschen, Oderberg und Auschwitz, war jedoch meist in Teilfürstentümer getrennt.

Oppeln, Städt. Krankenhaus und Curatialkirche (Bergelkirche)
Oppeln, Städt. Krankenhaus und Curatialkirche (Bergelkirche)

Der Regierungsbezirk Oppeln, im wesentlichen das sogenannte Oberschlesien umfassend, zählt im Jahr 1905 auf 13.227 km² (240,21 Quadratmeilen.) 2.033.656 Einwohner (davon im Jahr 190 =] 165.971 Evangelische, 1.681.400 Katholiken und 20.270 Juden), 153/km², 1.048.230 Personen mit polnischer, 59.718 Personen mit mährischer und 3044 mit tschechischer Muttersprache, und besteht aus den 25 Kreisen: den Stadtkreisen Beuthen, Gleiwitz, Kattowitz, Königshütte, Oppeln, Ratibor (seit 1904) und den Landkreisen Beuthen, Cosel, Falkenberg, Groß Strehlitz, Grottkau, Hindenburg O.S., Kattowitz, Kreuzburg, Leobschütz, Lublinitz, Neisse, Neustadt, Oppeln, Pleß, Ratibor, Rosenberg, Rybnik, Tarnowitz, Tost-Gleiwitz.

Oppeln, Friedrichsplatz mit Monumentalbrunnen
Oppeln, Friedrichsplatz mit Monumentalbrunnen

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) bestimmte der Versailler Vertrag 1919 die Abtretung der Provinzen Posen und Westpreußen an Polen. Nur kleine Teile der Provinzen verblieben bei Deutschland. Diese wurde als Grenzmark Posen-Westpreußen zusammengefasst und Schneidemühl die neue Provinzhauptstadt. 1921 wurde eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit von Oberschlesien abgehalten. Dabei stimmten in der Stadt Oppeln (Volksabstimmung vom 20. März 1921) 20.816 Wahlberechtigte (94,7 % der abgegebenen Stimmen) für einen Verbleib beim Deutschen Reich, lediglich 1098 für Polen (5,0 %). Die Wahlbeteiligung betrug 95,9 %.

Oppeln, Moltkestraße
Oppeln, Moltkestraße

Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) wurden große Teile der Einwohner Oppelns Richtung Westen evakuiert. Am 24. Januar 1945 eroberte die Rote Armee die Stadtteile östlich der Oder und am 15. März 1945 das restliche Stadtgebiet. Die Stadt wurde der polnischen Verwaltung unterstellt und allen Einwohner, die sich nicht als Polen bekannten, vertrieben. Die Polen nennen die Stadt nun Opole.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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ÖlsRatibor

Ein Kommentar

  1. An erster Stelle von einer Evakuierung der deutschen Einwohner Oppelns zu schreiben, grenzt an Geschichtsklitterung. Das war eine chaotische Flucht (nur mit Handgepäck) vor der herannahenden Front, anfangs noch bestenfalls in bereit gestellten, überfülten Zügen, die meist wieder in Breslau endeten! Der überwiegende Teil der verbliebenen deutschen Bevölkerung wurde nach Übernahme der ehem. östlichen, deutschen Territorien durch Polen 1945/46 zwangsvertrieben, (kurzfristige, gewaltsame Ausweisung, nur mit Handgepäck, meistens in Güterwagen).
    Auch eine Wortwahl sollte sich immer an den historischen Tatsachen orientieren. Das ist nicht revanchistisch und stellt weder die deutsche Kriegsschuld noch die heutigen Grenzen infrage. Der Vollständigkeit halber sollten Sie aber auch schreiben, dass der größte Teil der heutigen, polnischen Einwohner Wurzeln in einst ostpolnischen Gebieten hat, die von der damaligen Sowjetunion völkerrechtswidrig okkupiert wurden und heute zu Rußland, Weißrußland und der Ukraine gehören. Die Polen in aus diesen Gebieten wurden ebenso damals vertrieben und zwangsweise in den ehem. deutschen Ostgebieten angesiedelt.

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