Hauptstädte der Kronländer

Wappen der österreichisch-ungarischen Kronländer
Wappen der österreichisch-ungarischen Kronländer

Die Hauptstädte der österreichischen Kronländer 1866 – 1918

Städte in Österreich-Ungarn
Städte in Österreich-Ungarn

Kronländer ist eine Bezeichnung für die Erbländer des fürstlichen Hauses in Österreich vor dem Ausgleich mit Ungarn. Die Bezeichnung galt für die mit der Krone erblich verbundenen Länder Böhmen, Mähren, Galizien, Kroatien, Slawonien und Siebenbürgen. Die drei letztgenannten gehörten seit 1866 zu Ungarn und wurden mit diesem zusammen als die „Länder der ungarischen Krone“ bezeichnet. Auch später wurden die verschiedenen Länder, die zu der österreichisch-ungarischen Monarchie gehören, als Kronländer bezeichnet.

Länder der Donaumonarchie 1914
Länder der Donaumonarchie 1914

Hauptstädte der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder – Kaisertum Österreich (Zisleithanien)

Österreich-Ungarn (1912)
Österreich-Ungarn (1912)

Bregenz ist die Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Vorarlberg und liegt am Bodensee. Im Jahr 1900 leben hier 7594 Einwohner. Bregenz ist heute die Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg und hat ca. 30.000 Einwohner.

Bregenz
Bregenz

Brünn ist die Hauptstadt Mährens und liegt an der Schwarzawa und Zwittawa. Im Jahr 1900 leben hier 108.944 Einwohner. Nach dem Ersten Weltkriege (1914 – 1918) wurde aus Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien und der ehemals ungarischen Slowakei im Oktober 1918 die Tschechoslowakei gegründet. 1945 wurden alle Deutschen vertrieben. Brünn (tschechisch Brno) ist heute die Hauptstadt des Bezirks Jihomoravský kraj und mit ca. 380.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Tschechischen Republik.

Brünn, Neues Landhaus- Gebäude
Brünn, Neues Landhaus- Gebäude

Czernowitz (spr. tscher-) ist die Hauptstadt der Bukowina, Bezirksstadt und Sitz eines griech.-orient. Erzbischofs und einer deutscher Universität (seit 1875). Sie liegt am Fluss Pruth. Im Jahr 1900 leben hier 67.622 Einwohner. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) fiel das Gebiet an Rumänien, nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) an die Sowjetunion, seit deren Zerfall 1991 gehört die Stadt als Tscherniwzi zur Ukraine und hat ca. 242.000 Einwohner.

Czernowitz, Landesregierung
Czernowitz, Landesregierung

Görz ist Bezirksstadt und Hauptstadt des Kronlandes Görz und Gradisca (Küstenland) und liegt am Isonzo. Im Jahr 1900 leben hier 25.432 Einwohner. Görz (Gorizia) kam, stark zerstört, infolge des Ersten Weltkrieges 1918 an Italien und liegt heute in der Region Friaul-Julisch Venetien direkt auf der Grenze zu Slowenien und hat ca. 35.000 Einwohner.

Görz, Hauptplatz mit Kastell
Görz, Hauptplatz mit Kastell

Graz (Gratz) ist die Hauptstadt von Steiermark und liegt an der Mur, Sitz des Fürstbischofs von Seckau. Im Jahr 1900 leben hier 138.080 Einwohner. Graz ist heute die Landeshauptstadt von Steiermark und mit rund 289.000 Einwohnern (2019) die zweitgrößte Stadt der Republik Österreich.

Gruß aus Graz
Gruß aus Graz

Innsbruck ist die Hauptstadt von Tirol und liegt am Einfluss der Sill in den Inn. Im Jahr 1900 leben hier 27.056 Einwohner. Innsbruck ist heute die  Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Tirol und hat ca. 132.000 Einwohner.

Innsbruck, Maria-Theresienstraße
Innsbruck, Maria-Theresienstraße

Klagenfurt ist Bezirksstadt und Hauptstadt von Kärnten und liegt unweit der Klan und des Wörthersees. Im Jahr 1900 leben hier 24.314 Einwohner. Klagenfurt ist heute die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Kärnten und hat ca. 100.000 Einwohner.

Klagenfurt, Stadtansicht
Klagenfurt, Stadtansicht

Laibach ist die Hauptstadt von Krain und Sitz eines Fürstbischofs. Es liegt an der Laibach. Im Jahr 1900 leben hier 36.547 Einwohner. Krain kam Ende Oktober 1918 als Slowenien an das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (späteres Jugoslawien), seitdem trägt die Stadt den Namen Ljubljana. 1991 wurde es die Hauptstadt des unabhängigen Staates Slowenien und hat ca. 290.000 Einwohner.

Laibach, Marienplatz
Laibach, Marienplatz

Lemberg ist die Hauptstadt von Galizien und liegt am Peltew. Im Jahr 1900 leben hier 159.618 Einwohner. Am 21./22. November 1918 eroberten polnische Truppen die Stadt und gaben ihr den polnischen Namen Lwów. 1939 wurde es von der Roten Armee besetzt und der Ukrainischen SSR eingegliedert. Seit 1991 ist als Львів (Lwiw oder Lviv) eine Stadt der unabhängigen Ukraine und hat ca. 728.500 Einwohner.

Lemberg, Landtagsgebäude
Lemberg, Landtagsgebäude

Linz an der Donau ist die Hauptstadt von Oberösterreich, Bezirksstadt und  Bischofssitz. Im Jahr 1900 leben hier 58.791 Einwohner. Linz ist heute die Landeshauptstadt von Oberösterreich und hat ca. 205.000 Einwohner.

Linz an der Donau
Linz an der Donau

Parenzo ist Bezirksstadt und Sitz des Provinziallandtags von Istrien (Küstenland) und liegt an der Adria. Im Jahr 1900 leben hier 9962 Einwohner. Ende 1918 kam das vorrangig von Italienern bewohnte Parenzo an Italien, 1945 wurde es von jugoslawischen Truppen erobert, die italienischen Einwohner vertrieben und als Poreč Jugoslawien eingegliedert. Seit der Unabhängigkeit der Teilrepublik ist es eine Stadt in Kroatien und hat ca. 17.000 Einwohner.

Parenzo, Riva Venezia
Parenzo, Riva Venezia

Prag ist die Hauptstadt Böhmens und liegt auf beiden Seiten der Moldau. Die Stadt besteht aus 7 Stadtteilen und 4 Vorstädten (Karolinental, Žižkow, Königliche Weinberge, Smichow), Im Jahr 1900 leben hier 222.833 Einwohner. Nach dem Ersten Weltkriege (1914 – 1918) wurde aus Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien und der ehemals ungarischen Slowakei im Oktober 1918 die Tschechoslowakei mit Prag als Hauptstadt gegründet. 1945 wurden alle Deutschen vertrieben. Prag (tschechisch Praha) ist heute die Hauptstadt der Tschechischen Republik und hat ca. 1,3 Millionen Einwohner.

Prag, Karlsbrücke mit Burg
Prag, Karlsbrücke mit Burg

Salzburg ist Bezirks- und Hauptstadt des Herzogtums Salzburg und liegt an der Salzach. Im Jahr 1900 leben hier 33.067 Einwohner. Salzburg ist heute die Landeshauptstadt des gleichnamigen österreichischen Bundeslandes und hat ca 154.000 Einwohner.

Salzburg von der Festung aus
Salzburg von der Festung aus

Triest, ital. Trieste, ist eine reichsunmittelbare Stadt im Küstenland, Hauptseehandelsplatz Österreichs und liegt am nordöstlichen Ende der Adria. Die Stadt bildet mit Gebiet ein eigenes Kronland mit 95 km². Im Jahr 1900 leben hier 178.599 Einwohner. Nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie nahm Italien am 3. November 1918 die Stadt in Besitz. Triest (Trieste) ist heute Hauptstadt der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien und hat ca. 204.000 Einwohner.

Trieste, Panorama
Trieste, Panorama

Troppau ist die Hauptstadt von Österreichisch-Schlesien und liegt an der Oppa. Im Jahr 1900 leben hier 26.748 vorrangig deutsche Einwohner. Nach dem Ersten Weltkriege (1914 – 1918) wurde aus Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien und der ehemals ungarischen Slowakei im Oktober 1918 die Tschechoslowakei mit Prag als Hauptstadt gegründet. 1945 wurden alle Deutschen vertrieben. Troppau (tschechisch Opava) ist heute eine Stadt in der Mährisch-Schlesischen Region in Tschechien mit ca. 56.500 Einwohnern.

Troppau, Oberring mit Schmetterhaus
Troppau, Oberring mit Schmetterhaus

Wien ist die Haupt- und Residenzstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie und Hauptstadt von Niederösterreich. Es liegt an der Donau. Im Jahr 1900 leben hier 1.662.269 Einwohner. Seit 1986 ist Sankt Pölten die Landeshauptstadt von Niederösterreich, Sankt Pölten hat ca. 55.000 Einwohner.

Wien II - Praterstrasse, Tegetthoff-Monument
Wien II – Praterstrasse, Tegetthoff-Monument

Zara (Zadar) ist die Hauptstadt von Dalmatien und liegt auf einer Landzunge am Kanal von Zara in der Adria. Im Jahr 1900 leben hier 32.551 Einwohner. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Zara (Zadar) durch den Grenzvertrag von Rapallo (1920) an Italien. 1945 wurde die Stadt von jugoslawischen Truppen besetzt, die italienische Bevölkerung vertrieben und Teil Jugoslawiens. Seit 1991 ist Zadar Teil der unabhängigen Republik Kroatien und hat ca. 75.000 Einwohner

Zara, Stadtansicht
Zara, Stadtansicht

Hauptstädte der Länder der ungarischen Krone – Königreich Ungarn (Transleithanien)

Budapest (spr. -pescht) ist die Haupt- und Residenzstadt von Ungarn sowie Hauptort des Komitats Pest-Pilis-Solt-Kleinkumanien und liegt an beiden Seiten der Donau, 1872 aus den vereinigten Städten Ofen (Buda) und Pest entstanden. Im Jahr 1900 leben hier 732.322 (104.520 Deutsche, 25.168 Slowaken) Einwohner. Budapest ist heute die Hauptstadt und zugleich größte Stadt Ungarns mit über 1,7 Millionen Einwohnern.

Budapest, Parlament
Budapest, Parlament

Agram, ungarisch Zágráb, kroatisch Zagreb ist die Hauptstadt von Kroatien und des Komitats Agram. Im Jahr 1900 leben hier 61.002 meist kroatische Einwohner. Kroatien kam Ende Oktober 1918 an das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (späteres Jugoslawien). Seit dem 25. Juni 1991 ist Zagreb die Hauptstadt des unabhängigen Staates Kroatien und hat knapp 800.000 Einwohner.

Agram (Zagreb), Jelačić trg. (Jellachichplatz)
Agram (Zagreb), Jelačić trg. (Jellachichplatz)

Fiume, deutsch St. Veit am Flaum, kroatisch Reka oder Rijeka, ist eine königlich ungarische Frei- und Freihafenstadt und Sitz eines königlichen Gouverneurs. Sie liegt an der Mündung der Fiumara (Reka) in den Golf von Fiume. Im Jahr 1900 leben hier 38.955 Einwohner. Rijeka ist heute die drittgrößte Stadt Kroatiens und hat knapp 130.000 Einwohner.

Fiume, Hafen
Fiume, Hafen

Okkupationsgebiet Bosnien-Herzegowina

Sarajevo bzw. Sarajewo (Bosna Serai) ist die Hauptstadt Bosniens und liegt im Tale der Miljačka zur Bosna. Im Jahr 1895 leben hier 41.173 Einwohner. Sarajevo ist heute die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina und hat ca. 515.000 Einwohner.

Sarajevo, Panorama
Sarajevo, Panorama

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910

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